Militärforschung
  Nukleare Signalpolitik
 

Ukrainekrieg: Nukleare Signalpolitik

Gerhard Piper

30. September 2026

“They checked the systems through
and they read a-o.k.
Some tiny fuse has probably blown
Sit back; relax and soon it will just go away
Keep your hands off that red telephone”
Jethro Tull, „Fylingdale Flyer“, 1980

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hat sich das Leben in der BRD kaum verändert. Nur wenn ein Flugzeug oder Hubschrauber vorbeifliegt, hört man genauer hin und lauscht, bis die Fluggeräusche verstummt sind. Aber der Krieg steuert auf einen Höhe- bzw. Wendepunkt zu. Die Nachrichtendienste befürchten, dass die Russen in diesem Herbst ein NATO-Land angreifen könnten. Zur Zeit gibt es wiederholte Scheinangriffe gegen Polen, das über keine gemeinsame Grenze mit Russland verfügt. Wie sich die Lage weiter entwickelt, hängt vor allem davon ab, ob russische Bodentruppen oder Vigilanten-Einheiten die Grenze überschreiten. Dann muss die rammdösige NATO reagieren oder sich auflösen. Im Hintergrund drohen die Russen mit ihrem Nukleararsenal. Bisher ist es zu keinem Nukleareinsatz gekommen, so dass der Otto-Normal-Verbraucher die Nuklearfrage einfach als erledigt betrachtet. Aber hinter den Kulissen spielen Atomwaffen immer eine signifikante Rolle. Die zivile Öffentlichkeit und ihre Medien sind offensichtlich zu genügsam und militärisch zu unbedarft, um diese Nuklearität zur Kenntnis zu nehmen.

Führungsstrukturen

Wladimir Wladimirowitsch Putin war früher Oberstleutnant im KGB (Deckname: MOTTE) und unter den Kollegen als „Giftzwerg“ bekannt. (1) Seit dem 1. Januar 2000 amtiert er in Personalunion als Staatspräsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte (Verkhovnyy glavnokomanduyushchiy).

Durch eine fingierte Dissertation errang er einen Doktortitel im Bergbauwesen, aber die einzigen unterirdischen Baukomplexe, die Putin kennt, sind keine Bergwerke, sondern Bunker. Er wurde von Präsident Boris Nikolajewitsch Jelzin Ende 1999 nicht ausgesucht, um als Staatsmann die Großmacht Russland politisch voranzubringen, sondern um als ehemaliger FSB-Chef und Staatspräsident den mafiösen Jelzin-Clan vor Strafverfolgung zu schützen.

„Dr. Putin“ war nie ein Intellektueller und wird auch keiner mehr werden. Sein verzerrtes Weltbild ist eine Verherrlichung Russlands gepaart mit einer Verteufelung des Westens, eine Mischung aus Größenwahn und anti-westlicher Paranoia, in dem er als Herrscher und Besitzer Russlands eine exponierte Stellung einnimmt. Sein alter Geheimdienstkollege Sergei Olegowitsch Schirnow (Dienstzeit: 1984 bis 1992) charakterisiert Putin so: „Er ist Russe wie ich, aber er verkörpert alles, was ich nicht mag: Zynismus, Verlogenheit, fehlendes Mitgefühl, Brutalität. (…) Er war ein kleiner Mann, der mich als Spion Frankreichs oder als Dissident darstellen wollte, weil es seiner eigenen Karriere nützlich sein würde. (…) Ich denke, dass er in die Geschichte eingehen will, (...) und sei es als größter Mistkerl und schlimmster Diktator." (2)

Im Gegensatz zu dem albernen Marktschreier Trump, der täglich mehrfach seine Selbstherrlichkeit herausposaunen muss, um die Welt mit seiner Langweiligkeit zu ermüden, ist Putin ein eher zurückhaltender Typ mit sporadischen Auftritten, der nur selten vor der Kamera der Öffentlichkeit „ausflippt“. Nur manchmal fällt ein Licht auf die verschrobene Blase, in der Putin lebt und wirkt. Hier verkennt der Massenmörder gerne Täter und Opfer, verwechselt Ursache mit Wirkung. Dabei schreckt er vor keiner Lüge zurück, mag sie auch noch so durchschaubar, zynisch und abgedroschen sein. In seinem über fünfzigjährigen Berufsweg mit wechselnden Funktionen übte Putin immer nur die eine Tätigkeit aus, die eines Gangsters.

Symptomatisch für die Weltsicht Putins und die seiner Rolle darin ist die Erklärung, die er am 11. September 2026 beim BRICS-Treffen in Neu Dehli (Indien) abgegeben hat. Wenige Tage nachdem er den deutschen Neofaschisten zu einem kleinen Wahlsieg verholfen hatte, erklärte Putin:

„Ich denke, dass alles, was derzeit in Europa passiert, im Grunde auf systemische Fehler des sogenannten Westens zurückzuführen ist – auf Fehler westlicher Globalisten in ‌Politik, Sicherheit und Wirtschaft. (…) Derzeit sagen sie, dass sie erwägen, wie sie Soldaten auf ukrainisches Territorium schicken können. (…)  Das bedeutet einen Krieg gegen Russland. (…) Niemand versteht, dass wir keinen Grund haben, in einen Konflikt mit Europa zu treten.“ (3)

Putins ständiger, offizieller Amtssitz ist der Senatspalast (Senatski dworez) in der nördlichen Ecke des Kreml. Hier befindet sich sein Präsidialbüro und seit Mai 2007 sein Lagezentrum (Situatsionnyy tsentr Administratsii Prezidenta RF - STS) mit einer hochauflösenden Grafik-Videowand von „Mitsubishi“ an dessen Stirnwand. Das Lagezentrum wird von der Kontrollabteilung (Kontrolnoje Uprawlenije) der Präsidialverwaltung (Administrazija Presidenta) geführt und ist mit Militärpersonal besetzt. Die Präsidialverwaltung selbst residiert im alten Gebäude des ZK der KPdSU in Moskau-Kitai Gorod (Alter Platz  8). Sie wird seit dem 12. August 2016 von Anton Eduardowitsch Waino geführt, als Leiter der Kontrollabteilung fungiert seit dem 13. Juni 2018 Generaloberst Dmitri Wladislawowitsch Schalkow (ehemals FSB).

Außerdem rotiert Putin zwischen rund zwanzig Wohn- und Dienstsitzen. Deren Präsidialbüros wurden gleich gestaltet, damit bei aktuellen Filmaufnahmen nicht erkennbar ist, wo sich der Präsident gerade befindet. Vor Kriegsbeginn wohnte und arbeitete er meistens in der amtlichen Präsidialvilla in Nowo-Ogarjowo bei Moskau-Krylatskoje (Rubljowo-Uspenskoje-Chaussee, im Volksmund verächtlich „Rubljowka“ genannt), allerdings soll er sich hier und im Kreml schon lange nicht mehr aufhalten. Gelegentlich taucht er in seiner Residenz am Waldai-See bei Nowgorod, an seinem Sommersitz Bocharow Rutschei bei Sotschi, in seiner Heimatstadt Sankt Petersburg, in der pompösen Villa am Kap Idokopas in Gelendschik oder in Präsidentenbunkern im Raum Krasnodar auf. Zuständig für den Bau und Unterhalt der „Spezialobjekte“ ist das „9. Zentralamt des Ministeriums für Verteidigung“ (9-ye Tsentral'noye upravleniye Ministerstva oborony - 9 TsUMO). Zur Drohnenabwehr werden die Anwesen u. a. durch Flugabwehrraketensysteme 96K6 PANTSIR (NATO-ACCS-Code: SA-22 GREYHOUND) geschützt.

Zwar gilt Putin gemeinhin als paranoid, aber seit dem Frühjahr 2026 sollen seine Befürchtungen, er könne ermordet werden, noch zugenommen haben. Für den Personenschutz des Präsidenten ist die Federalnaja sluschba ochrany, (FSO) zuständig. Sie stellt die Leibwache für den Präsidenten (Codename „OBJEKT NUMMER 1“).

Militärische Begleitoffiziere tragen dem Präsidenten, dem Verteidigungsminister und dem Generalstabschef jeweils einen Kommandokoffer TSCHEGET (andere Schreibweise: CHETEK) hinterher. Die Koffer haben einen Touchscreen und mindestens neun Knöpfe. Damit kann Putin über das politische Kommandosystem KAWKAS-7 und das militärische Führungssystem KASBEK im Bedarfsfall jederzeit mit seinen atomaren Streitkräften in Verbindung treten und einen Einsatzbefehl erteilen. Dieser muss dann vom Verteidigungsminister und/oder dem Generalstabschef bestätigt werden. Zur Verbindungsaufnahmen stehen außerdem Kommunikationssatelliten GONETS/GONETS-M zur Verfügung. Hinzu kommt das taktische Era-Fernmeldenetz der russischen Streitkräfte. Nicht zuletzt steht der Kurzwellensender „UVB-76“ (and. Bez.: Jujjalka) auf 4625 kHz zur Verfügung, der seit Ende der siebziger Jahre rund-um-die-Uhr seine Zahlenkolonnen und Codewörter hinausposaunt.

Das Verteidigungsministerium in Moskau-Arbat (Znamenka 19) ist der Sitz des General'nyy shtab Vooruzhonnykh sil Rossiiskoi Federatsii (Genshstab). Sein Führungs- und Lagezentrum im Untergeschoss des Hauptgebäudes (Znamenka 14/1 bzw. Frunzenkaja Damm 22) ist das Nationale Verteidigungsführungszentrum (Natsional'nyi tsentr upravleniya oboronoi - NTsUO):

“It is made up of the "Strategic Nuclear Forces Command Centre, which controls the use of nuclear weapons; the Combat Control Centre, which monitors the world military-political situation and the socio-political situation in the Russian Federation, analyzes and forecasts threats, develops ways to respond, and controls the use of the Armed Forces, as well as non-MOD troops and military formations; and the Day-to-day Operations Management Centre, which coordinates the activities of federal authorities to meet the needs of MOD and other troops, military formations, and bodies for defence purposes." (4)

Es wurde seit seiner Eröffnung am 1. Dezember 2014 zunächst von dem Kriegsverbrecher Generaloberst Mikhail Yevgenyevich Mizintsev geleitet, sein Nachfolger wurde im September 2022 General Oleg Gorshenin, der wiederum im April 2023 durch Generaloberst Stanislav Gadzimagomedov abgelöst wurde. Das Lagezentrum verfügt über eine leistungsstarke Computeranlage „Astra Linux“.

Die „Metro Dwa“, ein geheimes U-Bahn-System parallel zur öffentlichen U-Bahn-Anlage in Moskau, verbindet verschiedene Führungsbunker für die privilegierten Apparatschiks und Silowiki miteinander. (5) Eine weitere Bunkeranlage für die Mitglieder des Verteidigungsrates befindet sich Sharapovo bei Stremilowskoje, rund 55 Kilometers südlich von Moskau. Zumindest früher nutzte der Generalstab die Bunkeranlage TSCHENOW-3 (engl.: CHEKHOV-3) bei Tschechow, rund 345 km südlich von Moskau. Hier ist die Militäreinheit 10926 disloziert.

Die russischen Streitkräfte haben zudem im Berg Jamantau (1.640 m Höhe) im Ural eine Bunkeranlage errichtet, die – nach US-Schätzungen – bis zu 60.000 Menschen beherbergen kann. Möglicherweise steht die Anlage in Verbindung mit den Militär- bzw. Militärforschungszentren in Meschgorie (Code-Namen: UFA-10 und BELOREZK-16) und Sneschinsk (Code-Namen: TSCHELJABINSK-50 und TSCHELJABINSK-70). Sneschinsk ist heute Sitz des „Russischen Föderalen Atomzentrums – Allrussisches wissenschaftliches Forschungszentrum für technische Physik“ (WNIITF).

Ein weiterer Bunkerkomplex ist im Berg Koswinski Kamen (1.519 m) bei dem Dorf Kitlim bei Jekaterinburg (vormals Swerdlowsk), hier befindet sich die Zentrale der russischen Luftverteidigung und der Strategischen Raketentruppen mit dem Codenamen OBJEKT 1335 (Militäreinheit 20003), die auch unter der Bezeichnung „Grot“ bekannt ist. Die komplexe Bunkeranlage wurde in den Jahren 2018 bis 2024 durch die „8. Hauptverwaltung für Militärbauwesen“ (8-ye Glavnoye upravleniye voyennogo stroitel'stva - 8 GUVS) ausgebaut und verstärkt. Die Anlage nimmt mit ihren verschiedenen Etagen heutzutage vermutlich eine Bürofläche von 150.000 qm ein. Außerdem gilt der Berg als Zentrale des Kommandosystems PERIMETER (and. Bez.: Mortvaya Ruka, dt.: Tote Hand). Dieses System wurden in den siebziger Jahren entwickelt und nach dem ersten von sieben „Tests“ am 13. November 1984 im Jahr 1985 in Betrieb genommen. Einer der verantwortlichen für das Projekt war „Wiktor Halin“ alias ex-Generalmajor Viktor Georgijewitsch Khalin. Die Sensoren des Systems messen landesweit ständig bestimmte Parameter (z. B. Radioaktivität). Wenn diese Parameter überschritten werden, feuert das System automatisch mehrere Kommandoraketen ab, die einen Einsatzbefehl an alle dann noch existenten Atomverbände aussenden. Das System war anscheinend mehrere Jahre lang abgeschaltet. In den Jahren 2005 bis 2010 und zuletzt noch einmal wurde es modernisiert und 2023 wieder in Betrieb genommen.

Andrew Charles “Andy” Weber, ehemaliger Assistant Secretary of Defense for Nuclear, Chemical and Biological Defense Programs (ASD (ND-CBD)) (Amtszeit: 7. January 2011 – 1. October 2014), befand:

“I have no reason to believe it’s not that. Putin is very paranoid about decapitation strikes. He always has been. So it makes sense that he would prioritise this. (…) It tracks with Putin’s increased investment in the last decade in nuclear delivery systems, warheads and command-and-control systems. Because the Russian Federation’s reliance on nuclear weapons has been increasing. (…)

There could be authorised leaks through the public tenders, because the fact that they are working on this is certainly not something they want to keep secret. (…)

What good is such a system if the other side doesn’t know about it? Putin wants his adversaries to know that this system is operational.” (6)

Während PERIMETER früher ein halb-automatisches Kommandosystem war, ist es nun ein voll-automatisches Weltvernichtungssystem. Die spinnen, die Russen!

Der Angriff, der scheiterte

Im August/September 2021 fand das obligatorische Herbstmanöver SAPAD 2021 der Russen im Grenzgebiet zur Ukraine statt. Dieses wurde jedes Jahr von den Nachrichtendiensten der NATO-Staaten aufmerksam verfolgt, weil jedes Mal damit gerechnet werden musste, dass die Russen – in sowjetischer Manier – aus einem Manöver heraus das Land angreifen würden. Dies geschah zunächst nicht, aber im Oktober 2021 wurde bemerkt, dass die russischen Soldaten zwar abgezogen wurden, aber ihr Militärmaterial (Panzer, Kanonen, Feldraketenwerfer) blieb in riesigen Depots zurück, wie die Satellitenauswertung ergab. Dies war eine bemerkenswerte Maßnahme, denn was sollen Soldaten in ihren Kasernen machen, wenn sie über keine Großwaffensysteme mehr verfügen. Es war klar, dass die Soldaten – früher oder später - per schnellem Lufttransport zurückkommen würden, um ihre Waffen erneut in Besitz zu nehmen und um damit die Ukraine tatsächlich zu attackieren. So waren die amerikanischen und britischen Nachrichtendienste alarmiert und warnten beizeiten ihre europäischen NATO-Partner entsprechend, die aber – naiv wie sie waren – davon nichts wissen wollten.

Im Januar und Februar 2021 beschworen der russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin und sein Außenminister Sergej Wiktorowitsch Lawrow wiederholt, sie würden keinen russischen Angriff auf die Ukraine planen. (7) Noch am 23. Februar 2022, dem „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“, hielt der präsidiale Gangster eine kleine Fernsehansprache und beteuerte, es gebe keine unmittelbaren Pläne für einen russischen Angriff, schloss aber längerfristig eine Konfrontation nicht aus, weil die Gegenseite dies angeblich anstrebe:

„Um ihre eigenen Ziele zu erreichen, unterstützen die führenden NATO-Länder extremistische Nationalisten und Neonazis in der Ukraine in allem, was sie tun. Denn diese wiederum werden den Bewohnern der Krim und Sewastopols ihre freie Entscheidung – die Wiedervereinigung mit Russland – niemals verzeihen. (…)

Der gesamte Verlauf der Ereignisse und die Analyse der eingehenden Informationen zeigen, dass der Zusammenstoß Russlands mit diesen Kräften unvermeidlich ist. Es ist nur eine Frage der Zeit: Sie bereiten sich vor, sie warten auf den richtigen Zeitpunkt. Nun behaupten sie auch noch, über Atomwaffen zu verfügen. Das werden wir nicht zulassen.“ (8)

Der russische Generalstab hatte seine Kriegsplanung bereits am 18. Februar 2022 abgeschlossen. Eigentlich sollte der Angriffsbeginn am 20. Februar 2022 beginnen, aber es kam – aus unbekannten Gründen – zu einer Verzögerung. Am 21. Februar trat der Nationale Sicherheitsrat (Sowet Besopasnosti Rossijskoi Federazii) zu einer fingierten, öffentlichen Sitzung zusammen, dabei holte sich Putin das Plazet seiner administrativen Lakaien ein. Am 22. Februar 2022 wurden die beteiligten Truppenteile über den Angriffsplan und ihre Aufgabe darin unterrichtet. Am 24. Februar 2022 erteilte Putin gegen 03.51 Uhr den Befehl zu einer „Speziellen Militäroperation im Donbass“ (russ.: Spetsial'naya Voyennaya operatsiya na Donbasse). Im Fall einer ausländischen Intervention drohte der Kriegsverbrecher mit „Konsequenzen, wie man sie noch nicht gesehen hat“, also einem verklausulierten Atomwaffeneinsatz. In einer Erklärung Putins hieß es:

„I would now like to say something very important for those who may be tempted to interfere in these developments from the outside. No matter who tries to stand in our way or all the more so create threats for our country and our people, they must know that Russia will respond immediately, and the consequences will be such as you have never seen in your entire history. No matter how the events unfold, we are ready. All the necessary decisions in this regard have been taken. I hope that my words will be heard.” (9)

Vermutlich wollten sich die Russen zunächst nicht die ganze Ukraine einverleiben, sondern nur die ukrainischen Reste der beiden Provinzen im industriellen Donezk-Becken, die sie seit 2014 zum Teil okkupiert hatten, zusätzlich zur Halbinsel Krim, die sie sich bereits 2014 angeeignet hatten. Nach Pressemeldungen wollten die Russen die ukrainische Hauptstadt in zwei, drei Tagen erobern. Die Regierung in Kijiw sollte durch ein rund achtzig-köpfiges Mordkommando der Gruppierung Kusbass der Sondereinheit Spetsial'nyye otryady bystrogo reagirovaniya (SOBR) liquidiert werden, dies scheiterte, weil die Spezialeinheit bereits in den Kämpfen am Flughafen Hostomel vollständig aufgerieben wurde. Zwar sollte Präsident Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj durch einen Hochverräter, vermutlich ex-Präsident Wiktor Fedorowytsch Janukowytsch (Februar 2010 bis zum 22. Februar 2014), ersetzen, aber dazu ist es nicht mehr gekommen. Stattdessen ging der Kriegsplan gehörig schief.

Während für die Kriegsplanung im Allgemeinen die Operationshauptverwaltung des Generalstabs (Glavnoye operativnoye upravleniye General'nogo shtaba - GOU GSh) zuständig war, die seit dem 24. November 2015 von Generaloberst Sergei Fjodorowitsch Rudskoi geleitet wird, (https://en.wikipedia.org/wiki/Sergey_Rudskoy) Für die subversive Quislings-Planung zeichnete der Inlandsgeheimdienst Federalnaja sluschba besopasnosti (FSB) verantwortlich. Generaloberst Sergei Orestowitsch Besseda war seit 2009 Leiter der „5. Verwaltung“ („5. Uprawlenije“ oder „5-ya Sluzhba“) des FSB, zuständig für „Operative Informationen und Internationale Beziehungen (Analysen, Vorausschau und Strategische Planung)“ (Sluzhba operativnoy informatsii i mezhdunarodnykh svyazey - SOiMS) mit Sitz in Moskau. Ihm waren rund 150 Mann unterstellt. Aufgrund seines Versagens im Ukrainekrieg wurde er im Mai 2024 durch General Alexei Komkow abgelöst.

Bei der „5. Verwaltung“ handelt es sich quasi um einen Auslandsnachrichtendienst innerhalb des Inlandsnachrichtendienstes, der sich beständig eine Fehde mit dem eigentlichen Auslandsnachrichtendienst Sluschba wneschnei raswedki (SWR) liefert. Beseda leitete seit 2009 die Verwaltung und war schon im Februar 2014 auf dem Maidan in Kiew aktiv, (10) so dass die EU ihn am 26. Juli 2014 auf eine Sanktionsliste setzte. SOiMS gliedert sich in vier Unterabteilungen: die Informatsionno-analiticheskoye upravleniye (IAU) erstellt Lageberichte für die Staatsführung und gibt eine Gefahrenanalyse und -prognose ab, das Departament Operativnoy Informatsii (DOI) ist für Politische Destabilisierung und Einflussnahme zuständig, Upravleniye mezhdunarodnogo sotrudnichestva (UMS) organisiert die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus und der Organisierten Kriminalität und die „Abteilung zur Auswertung öffentlicher Informationen“ (Otdel otkrytoy informatsii - OOI) ist für innerstaatliche Repression und Internetüberwachung zuständig. Innerhalb der 5. Verwaltung war insbesondere die 9. Abteilung mit der Kriegsplanung beauftragt. Bessedas Stellvertreter, Anatoli Boljuch, amtierte seit circa 2017 als Leiter der Unterabteilung DOI, er war ebenfalls schon 2014 in der Ukraine aktiv und galt als Experte für Transnistrien. Besonders tragisch ist, dass der FSB die realen Verhältnisse in der Ukraine kannte, aber mit frisierten Analysen der Gruppa operativnogo informirovaniya (GOI) Putin absichtlich falsch informierte, um den Tyrannen wohlgelaunt zu stimmen.

Die Kriegsereignisse zeigten, wie weit entfernt die Kriegsphantasien der Operettengeneräle des Geheimdienstes von der Realität entfernt waren. Der Kremlchef machte den russischen Geheimdienst hauptverantwortlich für Niederlagen der russischen Armee in der Ukraine und feuerte im März 2022 beide Generäle. (11)

Keine zehn Minuten nach Putins Kriegseröffnungsansprache waren Explosionen in Kramatorsk im Donbass, im Norden in Charkiw, in Odessa und Mariupol im Süden und in der Hauptstadt Kiew-Borispyl zu hören. Parallel zu einem Angriff der Woinskije tschasti spezialnowo nasnatschenija woennoj raswedki wooruschjonnych sil (Spetsnaz) feuerten die Russen rund hundert Boden-Boden-Raketen (u. a. ISKANDER) auf ukrainische Städte ab. Zu den Zielen gehörten erwartungsgemäß u. a. Kommandozentralen, Militäranlagen und (Militär)Flugplätze. Gleichzeitig begann die russische Luftwaffe mit 75 (Jagd-)Bombern damit, die ukrainische Luftverteidigung (Radarstationen, Flugabwehrraketenstellungen und Flugbasen der Abfangjäger) zu bombardieren, um schon früh die Luftherrschaft zu erringen, damit die Bodentruppen vordringen konnten, allerdings scheiterte der Vormarsch auf Kyjiw und so nahm der Krieg seinen Lauf. (12)

Gleichzeitig mit dem Truppenvormarsch auf die Ukraine erfolgten Cyber-Angriff auf Lettland und Litauen.

Das militärische Abenteuer in der Ukraine führte mehrfach zu „Säuberungen“ innerhalb der Generalität. So wurde Mitte März 2022 Generalleutnant Roman Gawrilow als stellvertretender Chef der Nationalgarde (Rosgvardia) entlassen und Berichten zufolge vom Geheimdienst FSB festgenommen. Der andauernde Misserfolg in der Ukraine erschüttert mittlerweile das Putin-Regime selbst.

Ein ehemaliges Mitglied des U.S. National Security Council (NSC) berichtete:

“The administration has spent an awful lot of time during this whole Ukraine war process talking about how much insight they had about what Russia was planning and then what Russia was going to do once the war started. (…) That suggests certain access — HUMINT, SIGINT and imagery — that are pretty good in terms of penetrating the Russian system.” (13)

Die nukleare Signalpolitik der Russen

Der russische Angriff auf die Ukraine wurde konventionell vorgetragen, aber es war und blieb ein militärischer Angriff einer Atommacht gegen eine frühere Atommacht, die immer noch ein Atomwaffentechnologiestaat war. Darüber hinaus wurden nahezu alle anderen Atommächte mittelbar in den Konflikt verwickelt: USA, UK, F, Indien, VRC. Lediglich Israel und Pakistan spielten nur eine marginale Rolle.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die „nukleare Frage“ von Anfang an, bei den Betrachtungen zum Kriegsgeschehen und Kriegsverlauf sowie in der Kommunikation zwischen den direkt oder indirekt beteiligten Atomstaaten eine Rolle spielte.

Die Taxonomie dieses „nuclear signalling“ umfasst ein Spektrum verschiedener Methoden, wie Tönis Idarand vom International Centre for Defence and Security (ICDS) in Tallinn (Estland) in seinem Aufsatz „For As Long As It Works – Russia´s Nuclear Signalling During Its War In Ukraine” vom Januar 2025 (18 Seiten) bemerkte:

„The nuclear element is present in military and non-military, political, diplomatic, and informational (cognitive) domains. Traditional measures of nuclear signalling, initiative, control the escalation, and manipulate the western capitals to restrain their support such as conducting exercises with the participation of nuclear forces or simulating nuclear strikes, demonstrating capabilities, including weapons’ delivery systems, or increasing the level of combat readiness of strategic forces, have all been applied. Political-military or diplomatic measures, such as introducing changes in nuclear doctrine or suspending or withdrawing from respective arms control agreements, have also been on the agenda. Informational measures, like the use of threatening rhetoric to intimidate the adversary and its supporters, have been applied continuously throughout the war. (…)

The tone of rhetorical signalling varies from very explicit threats on propaganda channels to vague references in top leadership’s statements. (…) Articulated by many different actors, the signals are often contradictory. This has caused confusion in interpretation as well as difficulties for Moscow, reducing the credibility of its messages. For the west, this has introduced uncertainty concerning Russian intentions and potential actions. The cacophony of signals with vague references to nuclear use, threats, and later denial of any attempts at nuclear compellence might not have always been accidental but rather characteristic of a coordinated policy pattern intended to maintain the uncertainty. (…)

During the invasion of Ukraine, different information warfare measures frequently referencing nuclear catastrophe have been employed to undermine, destabilise, and intimidate the adversary. Inducement of fear is at the core of Moscow’s methods of information war that is embedded in Russian strategic culture, where the cult of fear is one of the central elements. (…)

The warnings of the looming Third World War with nuclear escalation, accompanied by regular nuclear signalling and aggressive rhetoric, serve the aim of instilling fear in the west. With these measures of cognitive psychological influence, Russia hopes to shape the picture of reality, create uncertainty, and thus maintain strategic initiative and escalation dominance. Nuclear sabre-rattling is deemed to be a powerful informational weapon, which Russia uses to manipulate its adversary into voluntarily making the decisions suitable for Russia. Reckless nuclear rhetoric has a psychological impact as these threats are psychologically charged and, therefore, can be used as efficient means of both deterrence and compellence. Cultivating an image of Russia as an irresponsible and reckless actor further boosts nuclear signals.

Denial, deception, and disinformation are important methods of influence in the cognitive domain.” (14)

Jedes Abweichen von der   kann ein Hinweis auf einen bedrohlichen Vorgang sein.

Nach Einschätzung von Tönis Idarand war Russland in seiner aggressiven Nukleardrohpolitik während des Ukrainekrieges erfolgreicher als die devote NATO, die sich damit begnügte, eine Eskalation zu vermeiden. Wenn man will, war die NATO in diesem Sinne erfolgreich, hatte aber ansonsten keinen Einfluss auf die russische Regierung:

“Throughout the war in Ukraine, Russia has used nuclear suasion to manipulate the risks and create uncertainty to maintain strategic initiative, with nuclear signalling being at the core of this effort. Russia and the west both have been trying to maintain control over escalation – Russia by increasing the uncertainty, and the US and its allies by reducing it. Russia has been largely successful in shaping the attitude in the west, as its nuclear signals are taken seriously despite the lack of related practical actions and the accumulating evidence of its ‘red lines’ being elastic. In the autumn of 2022, US President Joe Biden warned that the world was closer to Armageddon than at any time since the Cuban missile crisis of 1962.

Western counter-suasion has not been so successful – neither prior to the full-scale invasion nor during it. Warnings by the CIA director during a visit to Moscow in the autumn of 2021 of the grave consequences of an invasion were ignored. President Biden’s message at a video meeting with Putin that Russia would face tough new sanctions in the case of a military escalation against Ukraine had no deterrent effect. In the wake of the Russian invasion, the US and the European Union introduced a broad set of sanctions and decided to support Ukraine with weaponry, but the messages of restraint and assurances from Washington had no impact on Moscow. Rather the opposite: Russia was encouraged to continue its risk manipulation while knowing the limits of its opponents. (…)

The west has not engaged in rhetorical exchanges in response to Moscow’s nuclear sabre-rattling. There has been no major nuclear signalling and no change in nuclear posture. Yet, restraint and cautiousness by the US and the Allies had no effect on Moscow’s signalling and even encouraged further threats of escalation. Russia had induced hesitation which delayed the delivery of more powerful weapons to Ukraine and imposed limits on their use which reduced the ability of Ukraine to defend itself.” (15)

Allerdings stellt sich die Frage, welche Vorteile die Russen aus ihrem „Erfolg“ dauerhaft erzielen konnten.

Erhöhte Einsatzbereitschaft der (Atom-)Streitkräfte seit Januar 2022

Der damalige Verteidigungsminister, General Sergei Shoigu, gab im Januar 2022 bekannt, dass der Bereitschaftsgrad für die Strategischen Raketentruppen unter dem Kommando von Generaloberst Sergei Wiktorowitsch Karakajew (Amtsantritt: 22. Juni 2010) erhöht wurde. (16)

Am 19. Februar 2022, fünf Tage vor Angriffsbeginn, verfolgte Putin von seinem Lagezentrum aus eine Bereitschaftsübung der Strategischen Atomstreitkräfte. Eine landgestützte und eine U-Boot-Rakete wurden abgefeuert. Hinzu kamen Flugkörper KALIBER, KINSCHAL und ZIRKON. Dmitry Stefanovich vom “Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen” (Institut mirovoy ekonomiki i mezhdunarodnykh otnosheniy - IMEMO) in Moskau kommentierte: “In the context of the current situation on our western borders, this will certainly be perceived as a signal. (…) The signal to the West is not so much 'don't interfere', but instead designed to say that the problem is not Ukraine and actually much wider." (17)

Am Nachmittag des 27. Februar 2022 erteilte der russische Präsident seinem Verteidigungsminister und seinem Generalstabschef in einem inszenierten Treffen, den Befehl, die Atomstreitkräfte in „besondere“ Gefechtsbereitschaft zu versetzen, um den Personalbestand der Stäbe aufzufüllen. Dem kam Schoigu am nächsten Tag nach. Putin erklärte:

„You see that Western countries are not only taking unfriendly economic actions against our country, I mean the illegitimate sanctions of which everyone is well aware, but top officials of the leading NATO countries are indulging in aggressive statements directed at our country.

Therefore, I order the Defence Minister and Chief of the General Staff to put Russian Army’s deterrence forces on high combat alert.” (18)

Gemäß dem vierstufigen, russischen Alarmkatalog wurde ein Alarm (povyshennuyu boyevuyu gotovnost') auf der zweihöchsten Stufe „Besonderer Alarm“ ausgelöst. Demnach mussten die Einheiten in der Lage sein, innerhalb einer Stunde ihre volle Einsatzbereitschaft herzustellen. Betroffen waren die Fernfliegerflotte (Dalnjaja awiazija - DA), die Strategischen Raketentruppen (Raketnye voyska strategicheskogo naznacheniya - RVSN) und die strategischen Atom-U-Boote der Nordmeerflotte (Sewernij flot) sowie der Pazifikflotte (Tichookeanskij Flot). So hieß es, dass in der strategischen U-Boot-Basis Gadschijewo bei Murmansk, die Atom-U-Boote alarmiert wurden.

Ab dem 1. März 2022 nahmen bis zu 27 landgestützte Interkontinentalraketen RS-24 JARS (NATO-Code: SS-27 Mod. 2 SICKLE-B) der 29. Raketendivision an einem Manöver teil. Am Abend des 1. März 2022 liefen zugleich mehrere „Atom-U-Boote“ der Pazifikflotte aus ihrem Heimathafen aus, um an einem Seemanöver in der Barentsee teilzunehmen. (19)

Zur Begründung der erneuten Alarmierung erklärte Putin öffentlich:

„Die Spitzenpersönlichkeiten der führenden Nato-Staaten lassen aggressive Äußerungen gegen unser Land zu, deshalb befehle ich dem Verteidigungsminister und dem Chef des Generalstabs, die Streitkräfte der Abschreckung der russischen Armee in ein besonderes Regime der Alarmbereitschaft zu versetzen. (…)

Sie sehen, dass die westlichen Länder nicht nur unfreundliche Handlungen gegen unser Land unternehmen. Im wirtschaftlichen Bereich – ich meine die illegitimen Sanktionen, über die alle gut Bescheid wissen.“ (20)

Prof. Dr. Sean M. Maloney vom Royal Military College of Canada (RMC) in Kingston (Ontario) kam in seiner Studie „The Cool War – Nuclear Forces, Crisis Signaling, And The Russo-Ukraine War, 2014 – 2022“ für das U.S. Naval Institute in Annapolis (USA) zu der Einschätzung (S. 171):

„The blending of preparations for the next phase of the invasion of Ukraine, implying that the Baltic countries were at risk from Russia, and preparations for a strategic nuclear exercise that might serve as cover for nuclear weapons use at this point in the crisis underscores how dangerously irresponsible the Putin regime was behaving. Any one of these events decontextualized from a major international crisis would be understandable but not in combination. Grom 2022 was conducted on 19. February with Putin at the helm and Belarusian strongman Lukashenko at his side.”

Am 4. Mai 2022 folgte eine Übung der 152. Raketenbrigade mit ihren ISKANDER-Raketen in der Exklave Kaliningrad.

(…)

Verschärfung der offiziellen Nukleardoktrin

James Ernest „Jim“ Sciutto von „CNN“ betonte, dass man an Grenzen stößt, wolle man die zur Entwicklung der russischen Militärdoktrin nachvollziehen: „Gauging Russia´s calculus on nuclear weapons is an inexact science. Russian military doctrine has changed repeatedly in recent decades and is unclear on which, specific circumstances would trigger a nuclear attack.” (21)

So gibt es ein offizielles Dokument, dass die amtliche Doktrin darstellt und alle paar Jahre überarbeitet wird. Dieses Dokument enthält bestimmte Festlegungen, lässt aber auch Raum für Unwägbarkeiten. Daneben gibt es quasi noch einen geheimen Anhang, der zum Teil die Bestimmungen des Hauptteiles weiter ausführt, zum Teil diese aber auch konterkarieren kann.

Dabei hat die russische Seite ein etwas anderes Verständnis von „Abschreckung“ und ein etwas breiteres Kriegsbild, wie Tönis Idarand vom International Centre for Defence and Security (ICDS) in Tallinn (Estland), bemerkte:

„Unlike the western understanding of deterrence, the Russian approach seems to be holistic as it comprises a wide range of instruments to manipulate opponents’ decision-making, including both non-military and military measures designed with the purpose of managing escalation in wartime and containing adversaries in peacetime. Applied in practice, deterrence in the Russian way is not always limited to threats aiming to keep the adversary from doing something, but it also includes threats of force or limited use of force to compel the adversary to take some action. When nuclear threats are involved, it could be referred to as nuclear suasion, covering all the forms of influence, including the latent aspects of nuclear signalling.

In Ukraine, almost the entire arsenal of means from the Russian ‘deterrence toolbox’ has been used to gain and maintain strategic initiative, control the escalation, and manipulate the western capitals to restrain their supportive measures to Ukraine. (…)

Rhetorical signalling, with warnings of escalation to a nuclear conflict, has accompanied the military campaign on the ground from the very beginning: at first, to prevent NATO intervention and later to retain the strategic initiative and deter the west from supporting Ukraine.” (22)

Auf der strategischen Ebene sah die russische Militärdoktrin drei Optionen vor, wie die amerikanische Defense Intelligence Agency (DIA) am 23. Oktober 2024 in ihrer Kurzstudie „Nuclear Challenges – The Growing Capabilities of Strategic Competitors and Regional Rivals“ (64 Seiten) feststellte:

„The main function of Russia’s strategic forces is effective, reliable deterrence. Scenarios for the use of strategic nuclear forces fall into three main categories: first strike, counterstrike (launch on warning, prior to impact in-country), and retaliatory strike (response after impacts in-country). The retaliation option imposes the most difficult situation on the strategic forces—which must respond even after an enemy’s strategic strike has impacted and disabled elements of the force. Therefore, strategic forces, weapons, and battle management systems are designed and built to be hardened, stealthy, redundant, and reliable—and trained to function in a WMD degraded environment.” (23)

Auf der „sub-strategischen Ebene“ waren die Bestimmungen für einen Atomkrieg komplizierter und wechselhafter: Anders als zu Zeiten der Sowjetunion erlaubte die russische Militärdoktrin vom 25. Dezember 2014 (Ukas Nr. 805 „Grundlagen der staatlichen Politik der Russischen Föderation auf dem Gebiet der nuklearen Abschreckung“, russ.: „Osnovy gosudarstvennoy politiki Rossiyskoy Federatsii v oblasti yadernogo sderzhivaniya“) den Ersteinsatz von Atomwaffen auch im Falle eines größeren, aber bloß konventionellen Angriffs des Feindes, wenn die Existenz des eigenen Staates bedroht ist. So lautet gemäß Artikel 27 der Nukleardoktrin die offizielle Version:

„The Russian Federation shall reserve the right to use nuclear weapons in response to the use of nuclear and other types of weapons of mass destruction against it and/or its allies, as well as in the event of aggression against the Russian Federation with the use of conventional weapons when the very existence of the state is in jeopardy.“ (24)

Was mit „existence of the state is in jeopardy“ konkret gemeint war, darüber schwieg sich die amtliche Nukleardoktrin aus, so dass hier ein Interpretationsspielraum bzw. Unsicherheit gegeben war. Die militärische Erweiterung und Annäherung der NATO an die russischen Grenzen wurden offiziell als primäre äußere militärische Gefahr eingestuft. Zugleich spiegelte das Dokument Kernelemente der sogenannten Gerassimow-Doktrin (Doktrina Gerasimova) vom27. Februar 2013 wider, indem es betonte, dass moderne Konflikte zu einem großen Teil durch politische, ökonomische, informationelle und andere nicht-militärische Maßnahmen ausgetragen werden können.

Am 31. Dezember 2015 folgte Ukas 683 „Über die Nationale Sicherheitsstrategie der Russischen Föderation“ (russ.: „O Strategii natsional'noy bezopasnosti Rossiyskoy Federatsii“).

Diese bisherige Nukleardoktrin wurde durch die Nukleardoktrin vom 2. Juni 2020 (Ukas 355 „Über die Grundlagen der staatlichen Politik der Russischen Föderation auf dem Gebiet der nuklearen Abschreckung“) bestätigt:

„Russia's nuclear doctrine, published in 2020, also includes a first-use nuclear policy. The Kremlin "reserves the right to use nuclear weapons," including "for the prevention of an escalation of military actions and their termination on conditions that are acceptable for the Russian Federation and/or its allies." (25)

Der Ukas definiert spezifische Szenarien für einen nuklearen Gegenschlag oder Ersteinsatz, darunter:
- Der klassische Erhalt verlässlicher Daten über den Start ballistischer Raketen, die auf das Territorium Russlands oder seiner Verbündeten abzielen.        
- Der Einsatz von Atomwaffen oder anderen Massenvernichtungswaffen gegen Russland oder seine Verbündeten (sprich Belarus).          
- Ein Angriff des Gegners auf kritische staatliche oder militärische Einrichtungen, deren Ausfall die Vergeltungsmaßnahmen der Nuklearkräfte lahmlegen würde.      
- Eine Aggression gegen die Russische Föderation mit konventionellen Waffen, wenn die Existenz des Staates selbst auf dem Spiel steht.

In dem Präsidialdekret wird davor gewarnt, dass der Ausbau der Raketenabwehrsysteme durch den Gegner die eigene Second Strike Capability schmälert.

Diese Politik wurde durch Putin im Dezember 2022 indirekt bestätigt und ergänzt, als er in Bischbek (Kirgistan) erklärte:

“They (the US) have it (first-use policy, G. P.) in their strategy, in the documents it is spelled out – a preventive blow. We don’t. We, on the other hand, have formulated a retaliatory strike in our strategy. (…)

So if we’re talking about this disarming strike, then maybe think about adopting the best practices of our American partners and their ideas for ensuring their security. We’re just thinking about it. No one was shy when they talked about it out loud in previous times and years. (…)

If a potential adversary believes it is possible to use the theory of a preventive strike, and we do not, then this still makes us think about those threats that are posed to us.” (26)

Der Vize-Sekretär des Sicherheitsrates, Dmitri Anatoljewitsch Medwedew, erläuterte im März 2022 in einem Interview mit „RIA Novosti“ die russische Politik zum Einsatz einer Atomwaffe, dabei schloss Medwedew den Ersteinsatz einer Atomwaffe durch Russland nicht aus:

„Wir haben ein spezielles Dokument zur nuklearen Abschreckung. In diesem Dokument ist klar festgelegt, aus welchen Gründen die Russische Föderation berechtigt ist, Atomwaffen einzusetzen. (…) Nummer eins ist die Situation, in der Russland von einer Atomrakete getroffen wird. Der zweite Fall ist jeder Einsatz von anderen Atomwaffen gegen Russland oder seine Verbündeten.“ Der dritte Fall sei „ein Angriff auf eine kritische Infrastruktur, der unsere nuklearen Abschreckungskräfte lahmlegt“. Und der vierte Fall trete ein, „wenn ein Angriff gegen Russland und seine Verbündeten verübt wird, der die Existenz des Landes selbst gefährdet, auch ohne den Einsatz von Atomwaffen, also mit dem Einsatz konventioneller Waffen“. Er fügte hinzu, man sei „entschlossen, die Unabhängigkeit und Souveränität unseres Landes zu verteidigen und niemandem auch nur den geringsten Grund zu geben, daran zu zweifeln, dass wir bereit sind, auf jede Verletzung unseres Landes und seine Unabhängigkeit eine würdige Antwort zu geben“. (27)

Die Senkung der Nuklearschwelle durch die neue Doktrin wurde vom amerikanischen Congressional Research Service (CRS) am 21. April 2022 kritisiert. Mary Beth D. Nikitin kam in ihrer Studie „Russia´s Nuclear Weapons: Doctrine, Forces, and Modernization” zu folgender Bewertung.

„As with previous official statements, this document does not call for the preemptive use of nuclear weapons during conventional conflicts. But it does not completely resolve the question of whether Russia would escalate to nuclear use if it were losing a conventional war. It notes that, ´in the event of military conflict this Policy provides for the prevention of an escalation of military actions and their termination on conditions that are acceptable for the Russian Federation and/or its allies.´ Analysts have assessed that this means Russia might threaten to escalate to nuclear use as a way to deter a conflict that would threaten the existence of the state.” (28)

Am 25. September 2024 erklärte Putin in gleicher Manier und im Widerspruch zur offiziell erklärten Nukleardoktrin, Russland könne auch im Falle eines bloß konventionellen Angriffs nuklear zurückschlagen, wenn nicht Russland selbst, sondern nur ein Alliierter angegriffen werden würde. (29)

Am 19. November 2024 erließ Putin eine neue Nukleardoktrin (Ukas Nr. 991 „Grundlagen der staatlichen Politik auf dem Gebiet der nuklearen Abschreckung“), die die neue Linie amtlich festschrieb. So hieß es in einer amtlichen Pressemitteilung zum Präsidentendekret:

„Die Russische Föderation gewährleistet die nukleare Abschreckung nicht nur gegenüber Einzelstaaten oder Militärblöcken, die die Russische Föderation als potentiellen Gegner ansehen und im Besitz von Nuklearwaffen sind, sondern auch gegenüber den Staaten, die das von ihnen kontrollierte Territorium, ihren Luft- und und / oder Seeraum sowie Ressourcen zur Verfügung stellen, um eine Aggression gegen die Russische Föderation vorzubereiten und durchzuführen.

Die Aggression eines Staates, der einer Militärkoalition angehört, gegen die Russische Föderation und /oder ihre Verbündeten wird als Aggression der gesamten Koalition angesehen.“ (30)

Demnach wird jeder konventionelle Angriff eines nicht-nuklearen Staates, der jedoch von einer Atommacht unterstützt wird (etwa durch westliche Waffenlieferungen oder Satellitendaten), von Russland künftig als gemeinsamer Angriff dieser pro-nuklearen Staaten gewertet. Demnach behält sich Russland das Recht vor, im Falle dieses nur konventionellen Angriffs nuklear zurückzuschlagen. Dies gelte nicht nur für den Fall einer „existential threat“, sondern bereits im Falle einer „critical threat to Russia´s sovereignty or territory“. (31) Zwar wird die eigene Nukleardoktrin/Nuklearstrategie weiterhin als „defensiv“ dargestellt, aber ein massiver Angriff mit konventionellen Waffen (Marschflugkörper, Drohnen, Überschallraketen oder Kampfflugzeuge), der wichtige staatliche oder militärische Objekte zerstört bzw. bedroht, kann dennoch als Grund für einen nuklearen Vergeltungsschlag herangezogen werden.

Der U.S. Kongress fasste die russische Strategieentwicklung in einem Dokument „Russia’s Nuclear Weapons“ vom 27. Mai 2026 folgendermaßen zusammen:

“According to a November 2024 revision of Russia's nuclear declaratory policy, Russian nuclear deterrence policy seeks to maintain nuclear forces at a "sufficient" level that "guarantees the protection of sovereignty and territorial integrity," deters aggression, and enables escalation management, as well as the "cessation" of hostilities on "terms acceptable" to Russia. The document adds that the Russian president could authorize nuclear weapons employment in the following scenarios:        
(1) "the receipt of reliable data" about a ballistic missile attack against Russian or allied territory,
(2) the use by an adversary of "nuclear and other weapons of mass destruction" against Russia or an ally,    
(3) adversary actions on government or military targets that could affect Russia's ability to retaliate with nuclear weapons,      
(4) a conventional "aggression against" Russia and (or) Belarus that poses "a critical threat to their sovereignty and (or) territorial integrity," and           
(5) "the receipt of reliable data" about a "massive launch (take-off) of air and space attack means" and "their crossing of [Russia's] state border."   
The document also states that Russia considers "aggression" by "any non-nuclear state with the participation or support of a nuclear state" a "joint attack" against Russia. While this declaratory policy revision broadens the range of Russia's potential nuclear employment scenarios, it is unknown how the Russian military will translate it into changes in Russia's nuclear employment planning.

Russian political and military leaders have articulated a "strategic deterrence" concept that combines nonmilitary means, nonnuclear capabilities, and nuclear weapons into a spectrum of continuous actions aimed at deterrence, escalation management, and warfighting. The 2024 ATA said that "Russia is expanding and modernizing" its dual-capable systems "because Moscow believes [they] offer options to deter adversaries, control the escalation of potential hostilities, and counter U.S. and Allied conventional forces." Western studies of authoritative Russian military writings depict several potential variants of "ladders" involving steps with dual-capable systems the Russian military could take to deter or manage escalation.” (32)

Die neuen Bestimmungen richteten sich klar gegen mögliche Waffenlieferungen der NATO-Staaten an die Ukraine, wie Tönis Idarland befand:

„However, other changes clearly indicate that the new doctrine is tailored for the ongoing war in Ukraine and the context of the US and Allies’ decision to lift some restraints on the use of ballistic and cruise missiles supplied to Ukraine. The revised doctrine expands the list of military threats to be neutralised by nuclear measures and regards “an aggression against Russia from any non-nuclear state but involving or supported by any nuclear state as their joint attack against the Russian Federation.” This was meant as a clear signal to some NATO members to reverse their decision to lift the restrictions on capabilities provided to Ukraine.

Another new element allows to consider nuclear weapons use in case of “reliable information about the massive launch and incoming attack of air and space capabilities, including strategic and tactical aircraft, cruise missiles, unmanned aerial vehicles (UAVs), hypersonic and other capabilities” meant to address the increasing effectiveness of aerial attacks by Kyiv on Russian military infrastructure. Furthermore, with the Kaliningrad exclave and the illegally annexed Crimea in mind, the doctrine stipulates that nuclear first use is possible to counter “attempts to isolate parts of the Russian Federation territory or sever transportation links to them.” (33)

Nach dem derzeitigen Stand der russischen Nukleardoktrinentwicklung halten sich die Russen alle Optionen offen: Auf der strategischen Ebene „erlauben“ sie sich einen disarmarment first strike, auf der substrategischen Ebene einen nuclear first use gegen einen nicht-nuklearen Gegner, wenn dieser – auf welche Weise auch immer – mit einer Atommacht liiert ist. Dabei behält sich die russische Seite das Recht zum Einsatz atomarer Waffen auch dann vor, wenn sie gar nicht selbst angegriffen wurde, sondern nur ein Bündnispartner (z. B. Belarus). Am Ende besagt diese nihilistische Nukleardoktrin, atomar ist alles erlaubt.

Angesichts der Lageentwicklung in der Ukraine ist eine vertikale Eskalation nicht auszuschließen: Die russische Nuklearstrategie folgt der klassischen Logik der Begrenzbarkeit eines Nuklearkriegs und spiegelt damit amerikanische Hoffnungen im Kriegsfall wider. Sie fordert im Fall eines Konflikts mit der NATO den frühzeitigen Einsatz von Kernwaffen, mit dem Ziel, westliche Regierungen dazu zu zwingen, um Frieden nachzusuchen, oder aber eine weitere, potenziell katastrophale nukleare Eskalation zu riskieren. Somit zielt die russische Nuklearstrategie darauf ab, durch ein Mischkonzept aus Drohung und Anreiz die Regierungen der NATO-Staaten dazu zu bringen, ihre Kriegsziele aufzugeben, statt sich auf eine unkontrollierbare nukleare Eskalation einzulassen. Diese Strategie des „Eskalierens, um zu deeskalieren“ (engl.: „escalate to deescalate“ strategy) ist riskant und möglicherweise kontraproduktiv, da sie einen Atomkrieg zwischen Russland und dem Westen, den sie eigentlich vermeiden will, erst provozieren könnte. So schließen manche russischen Nuklearstrategen einen Präventivschlag (uprezhdayushchiy udar) nicht aus. Unklar ist, ob die Russen – wie die Amerikaner – zwischen einem „Präemptivschlag“ und einem „Präventivschlag“ einen Unterschied machen. Eine anti-nukleare Nuklearstrategie ist letztendlich ein Widerspruch in sich. (34)

Entgegen den deklaratorischen Festlegungen ist die russische Nuklearschwelle für den Einsatz taktischer Atomwaffen viel geringer als angegeben und ermöglicht auch demonstrative Atomschläge, die in der offiziellen Nukleardoktrin nicht vorgesehen sind. Die 29 geheimen (Manöver-)Unterlagen aus den Jahren 2008 bis 2014 legte die „Financial Times“ am 28. Februar 2024 auszugsweise öffentlich vor:

“Criteria for a potential nuclear response range from an enemy incursion on Russian territory to more specific triggers, such as the destruction of 20 per cent of Russia’s strategic ballistic missile submarines. (…)

One exercise outlining a hypothetical attack by China notes that Russia, dubbed the “Northern Federation” for the purpose of the war game, could respond with a tactical nuclear strike in order to stop “the South” from advancing with a second wave of invading forces.

“The order has been given by the commander-in-chief . . . to use nuclear weapons . . . in the event the enemy deploys second-echelon units and the South threatens to attack further in the direction of the main strike,” the document said. (…)

A separate training presentation for naval officers, unrelated to the China war games, outlines broader criteria for a potential nuclear strike, including an enemy landing on Russian territory, the defeat of units responsible for securing border areas, or an imminent enemy attack using conventional weapons.

The slides summarise the threshold as a combination of factors where losses suffered by Russian forces “would irrevocably lead to their failure to stop major enemy aggression”, a “critical situation for the state security of Russia”.

Other potential conditions include the destruction of 20 per cent of Russia’s strategic ballistic missile submarines, 30 per cent of its nuclear-powered attack submarines, three or more cruisers, three airfields, or a simultaneous hit on main and reserve coastal command centres.

Russia’s military is also expected to be able to use tactical nuclear weapons for a broad array of goals, including “containing states from using aggression […] or escalating military conflicts”, “stopping aggression”, preventing Russian forces from losing battles or territory, and making Russia’s navy “more effective”. (…)

While Russia’s president has the sole authority to launch a first nuclear strike, the low threshold for tactical nuclear use set out in the documents conforms with a doctrine some western observers refer to as “escalating to de-escalate”.

Under this strategy a tactical weapon could be used to try to prevent Russia from becoming embroiled in a sprawling war, particularly one in which the US might intervene. Using what it calls “fear inducement”, Moscow would seek to end the conflict on its own terms by shocking the country’s adversary with the early use of a small nuclear weapon — or securing a settlement through the threat to do so.” (35)

Trotz der Widersprüche zwischen offizieller Nukleardoktrin und aktiver Politik rät Tönis Idarand, der Westen habe keine andere Möglichkeit, als sich an den amtlichen Normen der Russen zu orientieren:

“In general, the nuclear doctrines should be taken as declaratory documents which deter by their ambiguity. Neither can there be any guarantee that decision-makers in Moscow – Putin, first and foremost – will adhere to the formal doctrine in situations perceived as critical to the regime’s security. However, as Moscow realised that the west took official policy documents seriously, it continued to play this card, even though it sought to strengthen the effect and timing of publishing the revised doctrine with other measures.” (36)

Truppenverstärkungen seit Januar 2022

Putin hat nach den Parlamentswahlen im September 2026 die erwartete (Teil-)Mobilisierung angeordnet. Insgesamt 15.500 Rekruten sollen eingezogen werden. Im Präsidentendekret heißt es: „Die zulässige Personalstärke der russischen Streitkräfte wird auf 2.441.630 Menschen festgesetzt, darunter 1.550.500 Militärangehörige.“ (37)

Schon am 11. Juni 2025 protzte Wladimir Putin mit der Modernisierung des russischen Atomarsenals:

„Currently, the share of modern weapons and technology in the strategic nuclear forces already makes up 95 percent. This good indicator, in fact, it is the highest indicator of all nuclear powers of the world.” (38)

Gleichzeitig wurden zumindest einzelne russische Atomwaffenlager ausgebaut und modernisiert. An der Produktion der russischen Atomwaffen bzw. dem Ausbau der Lager waren die Konzerne mehrerer kapitalistischen Staaten beteiligt: Niederlande, Frankreich, Dänemark, Deutschland, Schweiz, Italien. Es bleibt unverständlich, warum die Bevölkerung in den genannten Ländern nicht Schluss macht mit dem hochverräterischen Treiben ihrer Regierungen.

Im Vorfeld des russischen Überfalls auf die Ukraine, im Januar 2022, wurden Nukleareinheiten im Westen Russlands verstärkt. So wurden zusätzliche Boden-Boden-Raketen 9K720 ISKANDER-M-Raketen (NATO-Code: SS-26 STONE) einer unbekannten Einheit im Raum Jelnja, rund 260 km nördlich der Ukraine, ausgemacht. In dem dortigen Bereich war die 144. MotSchützenDivision stationiert. Außerdem wurden weitere ISKANDER-M der 103. Raketenbrigade aus Ulan-Ude und der 107. Raketenbrigade aus Birobidzhan aus dem Bereich des Militärkommandos Fernost nach Westen verlegt. Die ISKANDER ist i. d. R. mit einem Atomsprengkopf bestückt: AA-75, AA-86 (9N70) mit einer variablen Sprengleistung von 5 bis 50 KT, oder AA-92 (100 bis 200 KT). Alternativ kann die Rakete mit einem konventionellen Streubombengefechtskopf N722K oder 9N722F beladen werden. Die Treffgenauigkeit beträgt 30 bis 100 m. Das System ist auf dem geländegängigen Lastkraftwagen MSKT-7930 (8 x 8 ) untergebracht. Eine ISKANDER-Raketenbrigade verfügt i. d. R. über zwölf Nachladbare Werferfahrzeuge und zwölf Transportfahrzeuge zum Nachladen.

Am 25. März 2022 kündigte Präsident Putin an, man werde erstmals russische Nukleareinheiten außerhalb Russlands in Belarus stationieren. Ab dem 7. Juli 2022 wurde mit der Ausführung dieses Befehls begonnen Es handelte sich um folgende Waffensysteme:
- Kanonenhaubitzen 2S7M MALKA (NATO-Code: M1975), die bei Orscha disloziert wurden,
- Boden-Boden-Raketen vom Typ ISKANDER,      
- Zwischenbereichsstreckenraketen (engl.: Intermediate-range ballistic missile - IRBM) ORESCHNIK der 101. Raketenbrigade, die ab Dezember 2025 auf dem Fliegerhorst Kritschew disloziert wurden,       
- Erdkampfunterstützungsflugzeuge vom Typ Su-25 (NATO-Code: FROGFOOT).

Die ersten Nuklearmanöver in Belarus fanden im Mai 2024 und ab dem 11. Juni 2024 statt.

Am 27. September 2024 erklärte der belarussische Regierungschef Alexander Ryhorawitsch Lukaschenko in Minsk, das Land werde im Falle eines Angriffs mit Atomwaffen zurückschlagen:

„We will use nuclear weapons the moment they attack us. (…) Thus, Russia would deploy its full arsenal. And that means World War III. But the West doesn’t want that either. They are not ready for it. We’ve made it clear that our red line is our national borders. If they cross them, our response will be immediate. We are preparing for this. I’m being honest and transparent about it. (…) We reserve the right to use nuclear weapons in response to an attack on Russia or Belarus. This also applies to cases where conventional weapons create a critical threat to our sovereignty." (39)

Am 7. Dezember 2024 unterzeichneten Russland und Belarus ein entsprechendes Beistandsabkommen. Dazu ist hinzuzufügen, dass die in Belarus stationierten Atomsprengköpfe zunächst einmal durch russische Trägereinheiten zum Einsatz gebracht werden können, zumal der russische Präsident die alleinige Verfügungsgewalt über diese Waffen hat. Ob der belarussische Präsident ein Vetorecht gegen einen Atomwaffeneinsatz vom Territoriums Belarus hat, ist nicht bekannt, allerdings auch nicht wahrscheinlich, wenn man an die nukleare Machtverteilung im alten „Warschauer Pakt“ zurückdenkt. Allerdings verfügen die Streitkräfte von Belarus über verschiedene Waffensysteme, die als „Trägersystem“ in Frage kommen. Dazu gehören verschiedene Artilleriesysteme und zwei Staffeln mit ca. 68 Erdkampfunterstützungsflugzeugen SU-25 (NATO-Code: FROGFOOT).

Vom 19. bis 21. Mai 2026 führten die russischen Atomstreitkräfte zuletzt eine Bereitschaftsübung durch. An der Übung nahmen rund 64.000 Soldaten mit etwa 7.800 Fahrzeugen, darunter etwa 200 Raketenwerfern, 140 Kampfflugzeugen, 73 Überwasserschiffen und 13 U-Booten teil, von denen acht Boote strategische Nuklearraketenträger waren, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur „Tass“. An der Übung waren auch Teile der belarussischen Streitkräfte beteiligt (40)

Durch die Wirtschaftssanktionen der NATO-Staaten nimmt die Fähigkeit der Russen, ihre Atomstreitkräfte zu modernisieren ab, da die russische Rüstungsindustrie beim Bau der Atomraketen auf den Nachschub westlicher Spitzentechnologie im Bereich der Elektronik angewiesen ist und bleibt. (41) Je länger dieser Krieg dauert, desto mehr wird Russland von der internationalen Technologieentwicklung abgehängt.

Konventioneller Angriff mit ABC-Optionen

Als die Russen am 24. Februar 2022 die Ukraine angriffen, setzten sie zunächst nur konventionelle Waffen ein. Allerdings waren Einsätze von ABC-Waffen von Anfang an durchaus eingeplant. So dachte man ein eine Falsch-Flaggen-Operation, um einen Vorwand für einen Einmarsch zu generieren. Demnach wollte man einen „ukrainischen“ Chemiewaffeneinsatz gegen ein ziviles oder militärisches Ziel im Donezk-Becken inszenieren.

- Nukleare Optionen

Im Januar 2022 hörte die Abteilung Technische Aufklärung des Bundesnachrichtendienstes (BND) russische Gespräche ab, in denen ein Einsatz von Atomwaffen gegen den nuklearen Fliegerhorst Büchel, die U.S. Air Base Ramstein bei Miesenbach und die Bundeshauptstadt Berlin gefordert wurde. Am 26. Januar stiegen Tornados vom Fliegerhorst Büchel auf, um in einer Übung Ziele an der Nordseeküste zu bekämpfen. Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen besteht, ist hier nicht bekannt.

Immerhin mobilisierten die Russen ihr nukleares Kommandosystem, wie Prof. Dr. Sean M. Maloney vom Royal Military College of Canada (RMC) in Kingston (Ontario) berichtete (S. 177):

„An Il-96-300PU command post aircraft flew from Moscow to Dushanbe, while a Tu-214PU-SUS command post aircraft flew from Moscow into uncontrolled airspace in Kazakhstan. These last two moves suggest that the Putin regime dispersed nuclear command and control resources into CSTO (= Collective Security Treaty Organization, dt.: Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit -OVKS) countries that they knew would not be targeted by the United States. The Kazakhstan deployment of this unique aircraft is significant in that it was geographically positioned to communicate with the three mobile ICBM divisions of the 33rd Guards Missile Army in eastern Russia while operating inside Kazakh airspace.”

Später flogen die Kommandoflugzeuge sogenannte „Tver Loops“, dabei starteten sie vom Fliegerhorst Tschakalowski nördlich von Moskau, flogen zur Stadt Twer an der Wolga, rund 170 km nordwestlich von Moskau, drehten dort mehrere Schleifen und flogen zurück zu ihrer Fliegerbasis, wo sie weitere Schleifen flogen bevor sie landeten.

Gleichzeitig war der russische Truppenaufmarsch gegen die Ukraine begleitet von einer erhöhten Einsatzbereitschaft der russischen Atomstreitkräfte. Diese führten ungewöhnlicher Weise vom 20. bis 22. Februar 2022 ihre Bereitschaftsübung GROM (dt.: „Donner“) durch, die normalerweise immer im Herbst abgehalten wird.

Am 11. März 2022 behaupteten die ukrainischen Nachrichtendienste auf „Facebook“, dass die Putin-Regierung eine Operation im Stil des „Unternehmens TANNENBERG“ geplant hatten, dass die deutsche SS in der Nacht vom 31. August zum 1. September 1939 in Gleiwitz inszeniert hatte: Gefallene ukrainische Soldaten, die man in Kühlcontainern in Belarus eingefroren hatte, sollten zum Kernkraftwerk Tschernobyl gebracht und dort platziert werden, um einen ukrainischen Angriff vorzutäuschen.

Im Rahmen ihres „Informationskrieges“ untermahlten die Russen ihre ABC-Einsatzpläne durch entsprechend getürkte Propagandameldungen: Bereits am 15. Februar verbreitete ein unbekannter, russischer Militärblogger, man habe im Atomwaffenlager BELGOROD-22 (Militärnummer 25624) Spezialkisten vom Typ NT-236 aufgestapelt, um die dortigen Atomwaffen zu ihren Trägereinheiten abzutransportieren. Das Munitionsdepot befindet sich im russisch-ukrainischen Grenzgebiet. Am 22. Februar behauptete der frühere U.S. UNSCOM-Waffeninspekteur William Scott Ritter Jr. über den Propagandasender „Russia Today“ (RT), die Ukraine würde Waffen für eine „nukleare Erpressung“ horten. Am 2. März 2022 wurde auf „VKontakte“ behauptet, ein Konvoi mit 16 Fahrzeugen hätte das Atomwaffendepots MOZARHAISK-10 bei Moskau in Richtung Westen verlassen; zwei Tage später behauptete jemand auf „TikTok“, es gäbe in der Nähe von Weliki Nowgorod ein Atomwaffendepot mit dem Codenamen NOWGOROD-17 oder NOWGOROD-18 und ein Waffentransport hätte dieses Depot gerade verlassen.

- Biologische Optionen

Am 16. April 2022 wartete das russische Außenministerium mit der Falschmeldung auf, die Bundesrepublik würde zusammen mit den USA und der Ukraine am Aufbau eines Netzwerkes aus 30 Laboren zur Entwicklung biologischer Waffen arbeiten. Welche Optionen, die russische Regierung mit einer solchen Behauptung verband, sei dahingestellt.

- Chemische Optionen

Zwar hatte sich die russische Regierung Anfang der neunziger Jahre verpflichtet, ihren Bestand an chemischen Waffen vollständig zu vernichten, dennoch vermuteten die U.S. Nachrichtendienste, dass die Russen ihre Verpflichtung nicht vollständig eingehalten hätten, sondern dass im früheren „Objekt zur Vernichtung chemischer Waffen“ (Ob"yekt po unichtozheniyu khimicheskogo oruzhiya) in Kizner (Udmurtien) weiterhin (geringe) Bestände vorhanden waren: Soman, Sarin, VX.

Am 9. März 2022 behauptete die russische Regierung, eine Gruppe ukrainischer Nationalisten hätte sich Chlorgas angeeignet, um es gegen die Zivilbevölkerung einzusetzen und um die Russen dafür verantwortlich zu machen.

Im April 2022 kam es zu heftigen Kämpfen zwischen der ukrainischen Arbeiterklasse und den russischen Imperialisten im Azow-Stahlwerk (Metalurhiynyy kombinat „Azovstálʹ“) von Mariupol. Kommandeure der Heerestruppen forderten damals den Einsatz von Chemiewaffen, um die Industrieanlage einfacher erobern zu können, so Eduard Basurin, einer der Kommandeure der “Nationalen Miliz der Volksrepublik Donetsk”. (42)

Konventioneller Einsatz der Dual-Use Systeme im Verlauf des Krieges

Seit dem Kriegsbeginn vor viereinhalb Jahren haben die russischen Streitkräfte abertausende Flugkörper gegen (zivile) Ziele in der Ukraine eingesetzt. Bereits innerhalb der ersten drei Kriegswochen hatten die russischen Streitkräfte fast ihre ganzen Bestände an Flugkörpern ISKANDER und KALIBR aufgebraucht. (43)

Allerdings hat Russland - nach Erkenntnissen der US-Nachrichtendienste - massive Probleme mit seinen präzisionsgelenkten Raketen. Die technische Ausfallrate betrage bis zu 60 Prozent. Die hohe Anzahl an „Rohrkrepierer“ könne erklären, warum Russland viele militärischen Ziele nicht erreicht hat - etwa die Ausschaltung der ukrainischen Luftwaffe. Ein Ausfall kann von Fehlstart bis hin zu Blindgänger-Raketen reichen, die beim Aufprall nicht explodieren. (44)

Folgende dual-use-Waffensysteme, die sowohl konventionell als auch atomar eingesetzt werden können, setzten die Russen im Ukrainekrieg ein:

- Boden-Boden-Rakete 9M79 OTR-21 TOCHKA (NATO-Code: SS-21 SCARAB-C): Die Version 9M79-1 TOCHKA-U erzielt eine Reichweite von mindestens 120 km. Sie hat eine durchschnittliche Zielabweichung von 50 bis 300 m. Neben verschiedenen konventionellen Sprengköpfen stehen drei Nuklearsprengköpfe zur Auswahl: Gefechtskopf 9N39 mit einer AA-60-Nuklearladung mit einer variablen Sprengkraft (10 – 100 KT), 9N64 mit AA-86 (5 – 50 KT) und 9N64 mit AA-9 (100 – 200 KT).

Obwohl die russischen Streitkräfte bis 2020 die TOCHKA-U offiziell aus ihrem Bestand entsorgt hatten, griffen sie wiederholt Ziele im Ukrainekrieg mit dem Raketensystem an. Der verheerendste Angriff war die Attacke auf den Bahnhof von Kramatorsk am 8. April 2022 mit einer Rakete des Typs 9M79-1 mit einem konventionellen Streu-Gefechtskopf (9N123K), bei dem über 50 Zivilisten getötet wurden, über 100 Personen wurden verletzt.

Auch die ukrainischen Streitkräfte verfügten noch aus Sowjetzeiten über mehrere TOTSCHKA-U mit konventionellem Gefechtskopf. Sie gehörten zur 19. Raketenbrigade „Heilige Barbara“ (19-ta raketna bryhada „Svyata Varvara“) (Militäreinheit Nr. A4239) und waren mit einer Reichweite von 120 km das größte Waffensystem im Bestand des Heeres. Nach Kriegsbeginn wurden die noch vorhandenen Raketen nach und nach verschossen.

- Boden-Boden-Raketen KN-23 (and. Bez.: HWASONG-11A): Hierbei handelt es sich um eine nordkoreanische Kurzstreckenrakete, die mit einem konventionellen oder atomaren Sprengkopf bestückt werden kann. Die Ladung hat ein Gewicht von – nach unterschiedlichen Angaben – von 500 bis 970 kg. Die Reichweite beträgt 190 bis 900 km. Die Treffgenauigkeit soll bei 35 bis 200 m liegen. Insgesamt soll Nordkorea 148 Raketen der Typen HWASONG-11A und HWASONG-11B an die Russen geliefert haben. (45)

Der Flugkörper wurde spätestens im Oktober 2023 bei den russischen Truppen in der Ukraine eingeführt. Bisher wurden rund 60 Raketen eingesetzt, allerdings gelten sie als technisch unzuverlässig. Dieser Raketentyp wurde u. a. am 2. Januar 2024 beim Angriff auf Kharkiw eingesetzt. Am 23. April 2025 folgte ein Angriff auf Kijiw.

- Boden-Boden-Raketen KN-24 (and. Bez.: HWASONG-11B): Hierbei handelt es sich um eine nordkoreanische Kurzstreckenrakete, die mit einem konventionellen oder atomaren Sprengkopf bestückt werden kann.

- Boden-Boden-Raketen 9K723 ISKANDER-M (NATO-Code: SS-26 STONE B): Sie ist u. a. in der Exklave Kaliningrad disloziert. Der Flugkörper ist i. d. R. mit einem Atomsprengkopf bestückt: AA-75, AA-86 (9N70) mit einer variablen Sprengleistung von 5 bis 50 KT, oder AA-92 (100 bis 200 KT). Alternativ kann die Rakete mit einem konventionellen Streubombengefechtskopf N722K oder 9N722F beladen werden. Die Treffgenauigkeit beträgt 30 bis 100 m. Die Reichweite beträgt 480 – 500 km, eventuell 600 km.

- Marschflugkörper ISKANDER-K: Mit dem ISKANDER-Raketenwerfer MSKT-7930 können auch Marschflugkörper verschossen werden. Es gibt zwei Versionen: Die 9M728 (R-500) ISKANDER-K (NATO-Code: SS-C-7 SOUTHPAW) mit einer Reichweite von ca. 490 km, und die 9M729 ISKANDER-K (NATO-Code: SS-C-8 SCREWDRIVER) mit einer Reichweite von 480 km. Die ISKANDER-K sind mit einem konventionellen Sprengkopf (Gesamtgewicht incl. Sprengladung 450 bis 500 kg) oder mit einem Nukleargefechtskopf ausgerüstet.

Die russischen Streitkräfte feuerten schon am ersten Kriegstag 63 9M723-Raketen gegen 33 Ziele in der Ukraine ab. Nach Schätzungen wurden bis Ende 2022 124 bis 750 9M723-abgefeuert. Ebenso sollen bis dahin 68 9M727/9M728-Marschflugkörper gegen Ziele in der Ukraine gestartet worden sein. Im Februar 2025 gab das russische Verteidigungsministerium an, bislang über 1.400 Ziele mit ISKANDER-Raketen beschossen zu haben. So traf eine ISKANDER-M am 15. März 2024 die Hafenstadt Odessa.

- Boden-Boden-Rakete ORESCHNIK (NATO-Code: SS-34): Sie hat eine Reichweite von 3.000 bis 5.500 km und gehört damit zu den Intermediate-range ballistic missile (IRBM). Sie verfügt über maximal sechs MiRV-Mehrfachsprengköpfe. So kommen sechs Nukleargefechtsköpfe oder sechs konventionelle Gefechtsköpfe mit jeweils sechs Stück Streumunition (insgesamt also 36 Bomblets gegen 6 Ziele) zum Einsatz. Der Streukreisradius (Circular Error Probable - CEP) wird auf 90 bis 250 m geschätzt. Es handelt sich um eine Reichweiten-reduzierte Ableitung der Interkontinentalrakete RS-26 RUBESCH (NATO-Code: SS-31).

Der neue Flugkörper wurde erstmals am 21. November 2024 gegen den Rüstungsbetrieb „Piwdenmasch“ in Dnipro eingesetzt. Weitere Angriffe folgten in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 2026 auf das staatliche Flugzeugreparaturwerk (Lʹvivsʹkyy Derzhavnyy aviatsiyno-remontnyy zavod - LDARZ) in Lwiw und in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2026 gegen den Fliegerhorst Bila Zerkwa bei Kijiw. In der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2026 erfolgte ein dritter Angriff auf den Militärflugplatz Bila Tserkwa.

- Luftgestützte Luft-Boden-Rakete Kh47M2 KINSCHAL (NATO-Code: AS-24 KILLJOY): Der Flugkörper hat eine Reichweite – nach unterschiedlichen Angaben - von 500 bzw. 2.000 km (wenn man die Reichweite des Flugzeuges einbezieht) und erreicht sein Ziel mit einer Hyperschall-Endgeschwindigkeit von ca. 12.000 km/h. Sie trägt einen konventionellen Splittergefechtskopf oder einen Nuklearsprengsatz. Er wird vor allem durch die Jagdbomber Mikojan-Gurewitsch MiG-31BM/K (NATO-Code: FOXHOUND) oder durch Bomber abgefeuert.

Vom 18. bis 20. März 2022 wurde die KINSCHAL bei Angriffen auf ein unterirdisches ukrainisches Munitionsdepot im Dorf Deljatyn und auf ein Treibstoffdepot in Kostjantyniwka eingesetzt. Im April 2022 folgte ein Angriff auf einen unterirdischen Kommandostand in der Oblast Donezk. Am 9. März 2023 feuerten die Russen sechs Flugkörper auf Infrastrukturobjekte ab. Am 13. Dezember 2023 griffen die Russen den Militärflughafen Starokostjantyniw an. In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 2024 konnten zehn Raketen durch die ukrainische Luftverteidigung abgefangen werden

- Luftgestützter Marschflugkörper mit Stealth-Technologie Kh-101 (NATO-Code: AS-23 KODIAK): Die Reichweite des Marschflugkörpers beträgt normalerweise ca. 2.500 bis 3.500 km. Er ist mit einem konventionellen Gefechtskopf (Gesamtgewicht 400 bis 450 kg) oder mit einem Nuklearsprengsatz ausgestattet. Die Nuklearvariante trägt die Bezeichnung „Kh-102“ (NATO-Code: AS-23B KODIAK). Der Bomber Tu-95MS kann bis zu 8 Marschflugkörper tragen, die Tu-160 bis zu 12 Flugkörper.

- Luftgestützter Marschflugkörper Kh-55 (NATO-Bezeichnung: AS-15 Kent): Die Nuklearversion Kh-55M (NATO-Code: AS-15A KENT-A) verwendet einen Gefechtskopf mit 200 KT. Sie erzielt eine Reichweite von 2.500 km, der CEP-Streukreis beträgt 10 bis 20 m. Die Varianten Kh-555SE, Kh-555SCH und Kh-555SD sind mit einem konventionellen Sprengkopf bestückt.

Die Kh-555 wurde am 17. März 2022 gegen das Flugzeugreparaturwerk in Lwiw eingesetzt. Gemäß Schätzungen sollen die Streitkräfte Russlands bis Ende 2022 über 600 Kh-555 und Kh-101-Marschflugkörper gestartet haben, dabei konnten die ukrainischen Streitkräfte – nach eigenen Angaben - 40 bis 90 Prozent der Marschflugkörper abschießen. Am 15. November 2022 feuerten die Russen 85 Kh-101 und Kh-555 auf Kharkiw, Kijiw, Lwiw und Schytomyr ab, um deren Stromversorgung zu zerstören. Zwar konnten die Ukrainer 70 Flugkörper abfangen, aber die übrigen 15 richteten erhebliche Schäden an. Im August 2024 vermeldete die Ukraine, dass Russland seit Kriegsbeginn 1846 luftgestützte Marschflugkörper der Typen Kh-101 und Kh-555 gegen die Ukraine gestartet haben soll. (https://de.wikipedia.org/wiki/Ch-55)

- Seegestützte Marschflugkörper mittlerer und großer Reichweite 3M54 BIRJUSA / 3M14 / 91R KALIBER (NATO-Codes: SS-N-27 SIZZLER und SS-N-30 SAGARIS). Der KALIBER-NK wird gegen Überwasserschiffe eingesetzt, der KALIBER-PL gegen U-Boote. Der Marschflugkörper kann mit einem 450 bis 500 kg schweren Gefechtskopf (Splitter- oder Streumunition) oder einem Nukleargefechtskopf bestückt werden.

Beim russischen Überfall auf die Ukraine 2022 starteten die Streitkräfte Russlands in den ersten Tagen vermutlich 30 bis 40 Marschflugkörper vom Typ 3M14 gegen militärische Führungseinrichtungen, Flugplätze sowie gegen Stellungen der S-300P-Flugabwehrraketensysteme. Im weiteren Kriegsverlauf erfolgten weitere Einsätze mit 3M14-Marschflugkörper u. a. gegen Energieversorgungsanlagen in Kijiw, Lwiw, Mariupol, Saporischschja, Riwne und Winnyzja. Gemäß Schätzungen sollen die Streitkräfte Russlands bis im August 2024 rund 894 3M14-Marschflugkörper gegen Ziele in der Ukraine gestartet haben. (46)

- Seegestützter Hyperschall-Marschflugkörper 3K22 ZIRKON (NATO-Code: SS-N-33): Der Flugkörper erzielt nach offiziellen Angaben eine Reichweite von 1.000 km, dabei greift er das Ziel mit einer Höchstgeschwindigkeit von 9.000 bis 9.900 km/h an. Allerdings werden diese russischen Angaben von westlichen Geheimdiensten angezweifelt. So soll die Reichweite nur 250 bis 500 Km betragen. Die ZIRKON trägt einen konventionellen Gefechtskopf (Gesamtgewicht mit Sprengladung 300 bis 400 Kg) oder einen Nukleargefechtskopf.

Im Ukrainekrieg setzten die Russen den Flugkörper seit 2024 wiederholt (7. Februar, 25. März 2024, etc.) gegen Kijiw ein. Gemäß ukrainischen Angaben soll Russland bis Mitte Juni 2026 rund 46 Zirkon gegen Ziele in der Ukraine gestartet haben. (47)

Um die luftgestützten Flugkörper abzufeuern, werden/wurden die Langstreckenbomber der Fernfliegerflotte (Aviatsiya dal'nego deystviya oder kurz Dalnjaja awiazija - DA) (Militäreinheit 44402) eingesetzt. Die Bomberflotte stand unter dem Kommando des Kriegsverbrechers Generalleutnant Sergei Iwanowitsch Kobylasch (Amtszeit: 2016 – 25. Juli 2024), sein Nachfolger wurde Generalmajor Sergej Gennadjewitsch Kuwaldin. Die Bomberflotte umfasst folgende Typen: Tupolew Tu-95MS (NATO-Code: BEAR) und Tu-160 (NATO-Code: BLACKJACK) und Mittelstreckenbomber Tu-22M3 (NATO-Code: BACKFIRE). Hinzu kommen nuklearfähige Jagdbomber (MiG-31 FOXHOUND, ältere Suchoi Su-24 [NATO-Code: FENCER] und Suchoi Su-34 [FULLBACK], etc.) der Frontfliegerkräfte.

Dreiundzwanzig taktische dual-use-Waffensysteme können sowohl konventionell, als auch nuklear eingesetzt werden. Bei einem Angriff mit einem solchen Flugkörper kann der Verteidiger nicht erkennen, ob das Waffensystem mit einem konventionellen oder atomaren Gefechtskopf ausgerüstet ist. Da ein Flugkörper nur einmal eingesetzt werden kann, führte der hohe Verbrauch an konventionellen Flugkörpern dazu, dass die Zahl der verfügbaren FK für einen möglichen Nukleareinsatz entsprechend abnahm, so dass ein potentieller Atomeinsatz in einem größeren europäischen Landkrieg möglicherweise gefährdet wäre. Hinzu kommt die Dezimierung des russischen Arsenals durch die ukrainischen Angriffserfolge auf Werferfahrzeuge, Bomber, Jagdbomber, Schiffe und Flugkörper.

Trotz der Abnahme der nuklearen Trägersysteme im Verlauf des Ukrainekrieges, hat die Bedeutung der nuklearen Kriegsführung durch das Versagen der herkömmlichen Streitkräfte in der russischen Militärdoktrin möglicherweise noch zugenommen. So wies der Direktor der Defense Intelligence Agency (DIA), Generalleutnant Scott David Berrier, am 17. März 2022 vor dem Intelligence And Special Operations Subcommittee des U.S. Repräsentantenhauses darauf hin, dass durch den Krieg das konventionelle Potential der Russen schwächer werde. Die Folge: “Russia likely will increasingly rely on its nuclear deterrent to signal the West and project strength to its internal and external audiences.”

Russische Angriffe auf zivile Nuklearanlagen

- Saporischschja

Wiederholt kam es zu russischen Angriffen auf den Atomkraftwerkskomplex (Zaporozhskaya atomnaya elektrostantsiya) in Saporischschja bei Enerhodar. Der Komplex umfasst sechs Leichtwasser-Blöcke des Typs WWER 1000/320 (= Wodo-wodjanoi energetitscheski reaktor) á 1000 Megawatt. (48) Der Reaktorkern hat eine Ladung von 66 Tonnen Uran, das zu ungefähr 4,26 Prozent angereichert ist. Er besteht aus ca. 151 bis 163 sechseckigen Brennstoffkassetten. Jede Kassetta besteht aus 312 bis 331 Brennelementen. Die Kassetten befinden sich in einem Reaktordruckbehälter der bei einer Höhe von 3,5 m einen Durchmesser von 3,1 m hat. Da der Reaktorkern unter einem hohen Druck steht, ist es in einem Reaktordruckbehälter aus Spezialstahl untergebracht, um die Sicherheit der Anlage sicher zu stellen. Auf dem Werksgelände lagern 40 Tonnen angereichertes Uran und 30 Tonnen Plutonium (Stand August 2022).

Am 2. März 2022 wurde der Reaktorkomplex durch die Russen erobert. In einem knapp 1 km südlich von Block 1 gelegenen Ausbildungszentrum und in einem Laborgebäude brachen während der Gefechte Brände aus; die noch am gleichen Tag wieder gelöscht werden konnten. Außerdem wurden Nebengebäude des Reaktorblocks 2 getroffen. In dem Komplex fiel durch russischen Beschuss wiederholt für Stunden die Notstromversorgung aus, so Anfang August 2022. Am 5. September 2022 brach am Block 6 ein Feuer aus, dass zu einer Unterbrechung der Stromzufuhr führte, so dass der Reaktor notabgeschaltet werden musste und das Werk im „Inselbetrieb“ notversorgt werden musste. Am 8. September 2022, am 6. Oktober 2022, am 12. Oktober 2022, am 9. März 2023, am 22. Mai 2023 und am 5. Juli 2023 wurde die Stromversorgung erneut unterbrochen.

Im Juli 2022 griffen ukrainische Partisanen und Streitkräfte das russische Besatzungspersonal des Kernkraftwerks (400 Mann) und nahe dem Kraftwerk lagernde russische Truppen an. Das „Zentrum Nationaler Widerstand“ berichtete, neun russische Soldaten seinen verletzt und mindestens drei Soldaten getötet worden.

In einer am 28. August 2022 veröffentlichten Meldung hieß es, die russischen Streitkräfte hätten eine ukrainische Drohne, mit der ein Angriff auf das Werk geflogen worden sei, abgeschossen. Diese sei auf der Schutzhülle eines Reaktors aufgeschlagen. Trotz der Detonation ihrer Sprengladung sei kein Schaden entstanden.

Im Oktober 2022 versuchten 600 ukrainische Elitesoldaten das AKW zurückzuerobern, scheiterten jedoch am heftigen Widerstand der russischen Besatzer.

Am 19. und 20. November 2022 ereigneten sich weitere Explosionen auf dem Werksgelände. Im April 2024 wurden mehrere Drohnenangriffe auf das Kernkraftwerk verzeichnet. Zugleich befürchtete die ukrainische Regierung, dass die Russen im AKW Saporischschja eine Operation unter „falscher Flagge“ durchführen könnte.

Am 11. August 2024 brach ein Feuer an einem der Kühltürme aus, der am nächsten Morgen gelöscht werden konnte. Durch die verschiedenen Angriffe gab es Tote und Verletzte unter den Beschäftigten. (49)

Das Ausbildungszentrum auf dem Gelände des Atomkraftwerkskomplexes wurde mehrfach von Drohnen (Januar 2025, 21. Mai 2025, September 2025) getroffen.

- Tschernobyl

Außerdem wurde in Tschernobyl die Reaktorruine des RBMK-1000 (= Reaktor Bolschoi Moschtschnosti Kanalny mit einer Leistung von 1.000 Megawatt) am 24. Februar 2022 von den Russen vorübergehend in Besitz genommen, die Betriebsmannschaft aus 200 Mann von den Russen wochenlang drangsaliert. Im Verlauf des Krieges wurden die Beschäftigten mehrfach von den Russen beschossen.

Am 8. März 2022 wurde erstmals eine Stromleitung, die für die Kühlung des Reaktorkerns existentiell wichtig, getroffen, so dass die Stromversorgung zur Kühlung der abgebrannten unterbrochen wurde. Am 14. Februar 2025 traf eine Drohne die Reaktorschutzhülle des Sarkophags des havarierten Reaktorblocks 4. Zwar entstand nur ein kleines Loch, aber die Drohne löste einen Brand aus, der sich zwischen den verschiedenen Schichten der Schutzhülle durchfraß und enorme Schäden verursachten. So ist es fraglich, ob die Schutzhülle ihre Funktion langfristig noch erfüllen oder ob sie repariert werden kann. Am 7. Juni 2026 beschädigte eine russische Drohne ein Gebäude des zentralen Lagers für abgebrannte Brennelemente in der Sperrzone.

Im Bereich der Atomruine Tschernobyl wurde ein erhöhtes Niveau radioaktiver Strahlung festgestellt. Mehrere russische Soldaten hoben im Umkreis des Atomkraftwerkes Schützengräben aus und wurden durch den aufgewirbelten Staub radioaktiv verstrahlt.

- Sonstige

Der „Stern“ berichtete in seiner Ausgabe vom 10. März 2022, dass am Atomkraftwerk Khmelnytskyi Nuclear Power Plant (KhNPP) bei Netischyn vier potentielle Saboteure aus dem Donbass festgenommen wurden. Die dortige Nuklearanlage besteht aus zwei Reaktoren des Typs WWER 1000/320 und zwei Reaktoren des Typs WWER 1000/392B. (50) Am 25. Oktober 2023 kam es zu einer Explosion am Atomkraftwerk.

Ein Atommülllager des Unternehmens „Radon Union“ bei Kiew wurde beschossen.

In Kharkiw traf es das nukleare „Institut für Hochenergiephysik und Kernphysik“ (Instytut fizyky vysokykh enerhiy i yadernoyi fizyky) mit seinem Zyklotron. (51)

Auch durch Angriffe der ukrainischen Seite auf Atomanlagen in Russland kam es zu Zwischenfällen: Im August 2025 erfolgte ein ukrainischer Drohnenangriff auf das Gelände des früheren Atomkraftwerkes Kurskaya AES in Kurtschatow bei Kursk, wodurch ein Brand ausbrach. Die Anlage besteht aus zwei Blöcken vom Typ RBMK-1000 aus den siebziger Jahren, die bis zum 31. Januar 2024 ihren Betrieb einstellten. (52)

Russische Nukleardrohungen

Der Ukrainekrieg findet vor dem Hintergrund statt, dass die beiden Hauptprotagonisten, Russland und die USA, über ein umfassendes Nukleararsenal verfügen, das ständigen Veränderungen unterliegt. Alte Waffensysteme werden ausgemustert, moderne Systeme beschafft. Das Nukleararsenal besteht aber nicht nur aus verschiedenen Atomwaffen, vielmehr handelt es sich um eine komplexe Struktur aus Frühwarnsatelliten, Radarstationen, Aufklärungsflugzeugen und luftgestützten sowie terrestrischen Führungszentren. Die notwendig sind, um die eigentlichen Nuklearwaffen überhaupt erst zum Einsatz bringen zu können. Ein Teil des Atompotentials befindet sich in ständiger Gefechtsbereitschaft. Außerdem finden ständig Bereitschafts- und Einsatzübungen statt, werden alte Waffen auf ihre technische Zuverlässigkeit und neue Waffensysteme auf ihre Leistungsparameter getestet. Angesichts der hohen Schießbereitschaft sind alle Provokationen in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine umso bedrohlicher.

Seit Kriegsbeginn gab es unzählige Atomdrohungen durch Politiker, Wissenschaftler, Journalisten und vereinzelte Militärs, die oft über den staatlichen Propagandasender „Rossija 1“ verbreitet wurden, dieser zeigte sich sehr „trigger-happy“. So zählten die Forschungsinstitute „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) in Berlin und das tschechische „Peace Research Center Prague“ (PRCP) in einem gemeinsamen, voluminösen Quellenband zahlreiche Nuklearbemerkungen aus dem Zeitraum vom 24. Februar 2022 bis Ende Januar 2025 auf: “Throughout the nearly three years covered in this report, we identified, evaluated, and coded over 400 statements and actions related to nuclear issues. We also included hundreds of other potentially relevant exchanges.” Nicht immer muss es sich dabei um Drohungen handeln, sondern dazu zählen auch Warnungen und Entwarnungen. (53)

Die Atomdrohungen dienten z. T. der Einschüchterung der NATO-Staaten, zum anderen zielten sie auf die „moralische Vorbereitung“ der russischen Zivilbevölkerung auf die Möglichkeit eines Atomkrieges. Diese „Gehirnwäsche“ blieb nicht ohne Erfolg: Im November 2024 hielten 39 Prozent der Russen in einer Umfrage des Levada-Zentrums einen Nuklearschlag für gerechtfertigt: „Of those, 11% strongly support a nuclear strike on Ukraine, while 28% believe such an action could "probably be justified“." (54) Die Atomdrohungen korrespondierten mit allgemeinen russischen Kriegsdrohungen gegen die NATO.

- 27. Januar 2022: Einer, der sich besonders mit Nukleardrohungen hervortat, war der schmierige Dmitri Anatoljewitsch Medwedew, der von 2008 bis 2011 als Staatspräsident fungierte und heute Stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates (Sowet Besopasnosti Rossijskoi Federazii- SB). Bereits am 27. Januar 2022 erklärte er, Russland, hätte „das Recht, seine strategischen Atomwaffen als Reaktion auf einen Angriff mit Massenvernichtungswaffen gegen Russland oder seine Verbündeten oder auf jedwede Existenzbedrohung einzusetzen“.

- 27. Februar 2022: Am 27. Februar 2022 erklärte der TV-Journalist Dmitri Konstantinowitsch Kisseljow: „Our submarines alone can launch more than 500 nuclear warheads, which guarantees the destruction of the U.S. and NATO for good measure. (…) Why do we need the world if Russia won´t be in it?”

- März 2022: Bei einer Rede im Kreml im März 2022 erklärte Putin: „Egal, wer versucht, sich uns in den Weg zu stellen ... Er muss wissen, dass Russland sofort reagieren wird und die Folgen so sein werden, wie ihr sie in Ihrer gesamten Geschichte noch nie erlebt habt.“ (55)

- März 2022: Dmitri Anatoljewitsch Medwedew erklärte im März 2022, seit dem Ende der Sowjetunion im Jahr 1991 hätten sich die USA als Teil eines „primitiven Spiels“ verschworen, um Russland zu zerstören. „Es bedeutet, dass Russland gedemütigt, eingeschränkt, zerschmettert, geteilt und zerstört werden muss.“ Aber die Führung in Moskau werde niemals die Zerstörung Russlands zulassen. Sollten die USA ihre Ziele erreichen, dann könnte der Welt eine dystopische Krise bevorstehen, die in einer „großen atomaren Explosion“ enden würde. Medwedew zeichnete auch das Bild einer Welt nach Putin, die auf den Zusammenbruch Russlands folgen würde: Die Zerstörung des größten Landes der Erde könne zu einer instabilen Führung in Moskau führen, die über eine maximale Anzahl von Atomwaffen verfüge, die auf Ziele in den Vereinigten Staaten und in Europa gerichtet seien. Russlands Zusammenbruch würde zum Entstehen von fünf oder sechs Staaten auf der eurasischen Landmasse führen, die Atomwaffen besitzen und von „Freaks, Fanatikern und Radikalen“ regiert würden. „Ist das eine Dystopie oder eine verrückte futuristische Vorhersage? Ist es Pulp Fiction? Nein.“ (56)

In der Folge hat diese finstere Kanaille in einer endlosen Litanei mit Krieg gedroht, dabei hat er auch wiederholt den Einsatz von Atomwaffen explizit ins Spiel gebracht: 14. April 2022, 12. Mai 2022, 3. Juni 2022, 6. Juli 2022, 13. September 2022, 20. September 2022, 22. September 2022, 27. September 2022, 30. September 2022, 14. Oktober 2022, 4. November 2022, 25. Dezember 2022, 19. Januar 2023, 4. Februar 2023, 22. Februar 2023, 20. oder 23. März 2023, 24. März 2023, 25. April 2023, 26. Mai 2023, 2. Juli 2023, 11. Juli 2023, 30. Juli 2023, 29. August 2023, 1. Oktober 2023, 2. November 2023, 7. Februar 2024, 4. März 2024, 6. Mai 2024, 10. Mai 2024, 18. Mai 2024, 31. Mai 2024, 17. Juli 2024, 17. September 2024, 2. November 2024, 31. Juli 2025, 10. September 2026 und 11. September 2026, (…).

- 14. April 2022: Am 14. April 2022 drohte Medwedew mit einem Atomschlag, sollte die NATO Schweden und Finnland als Mitgliedsstaaten aufnehmen:

"No sane person wants higher prices and higher taxes, increased tensions along borders, Iskanders, hypersonics and ships with nuclear weapons literally at arm's length from their own home. (…) Let's hope that the common sense of our northern neighbours will win." (57)

- 24. April 2022: Der langweilige, russische Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow drohte, die amerikanische Unterstützung der Ukraine könne zu einem Dritten Weltkrieg führen. Dann werde Russland sein ganzes Waffenarsenal einsetzen.

- 1. Mai 2022: In einer Talk-Show auf „Rossija 1“ wurde am 1. Mai ein Nuklearangriff auf Großbritannien diskutiert. Propagandist Dmitri Konstantinowitsch Kisseljow drohte damit, ein U-Boot könne eine nukleare Unterwasserdrohne 2M39 POSEIDON (frühere Bezeichnung: STATUS 6) abfeuern und unter Wasser zünden. Die Rede war vom Einsatz eines gigantomanischen Gefechtskopfes mit einer Sprengkraft von 100 Megatonnen. (58) Als Einsatzort für den Atomschlag kommt nur der Nordatlantik in Frage.

- 5. Mai 2022: Am 5. Mai 2022 warnte der russische Botschafter in den USA, Anatoli Iwanowitsch Antonow, der Konflikt in der Ukraine sei eine der gefährlichsten Konfrontationen seit der Kubakrise 1962: „The current generation of NATO politicians clearly does not take the nuclear threat seriously. (…) It is our country that in recent years has persistently proposed to American colleagues to affirm that there can be no winners in a nuclear war, thus it should never happen." (59)

- Anfang Mai 2022: In einer russischen Talk-Show-Sonderausgabe erklärte der rechtsextreme Duma-Abgeordnete Generaloberst a. D Aleksej Alexandrowitsch Schurawljow, ehemaliger Stellvertretender Kommandeur des Militärbezirk Süd, dass eine russische Atomrakete, die man in Kaliningrad abfeuern würde, nach 106 Sekunden die Stadt Berlin oder nach 200 Sekunden die Stadt Paris oder nach 202 Sekunden die Stadt London vernichten könnte. „Nimm eine Uhr und stoppe 200 Sekunden. So muss man mit denen reden. Sie verstehen es nicht anders“, erklärte er. (60)

- 3. Juni 2022: Am 3. Juni 2022 schwafelte Dmitri Medwedew, „die Reiter der Apokalypse sind schon auf ihrem Weg und alle Hoffnung ruht auf Gott, dem Allmächtigen“.

- 21. September 2022: Putin ordnete eine Teilmobilisierung an. Der Schwachkopf beschuldigte den Westen, ukrainische Atomkraftwerke angreifen zu wollen und einen umfassenden Angriff vorzubereiten. Um seine Drohung zu unterstreichen, fügte er ausdrücklich hinzu, „dies ist kein Bluff“:

„The West has gone too far in its aggressive anti-Russia policy, making endless threats to our country and people. (…)

They have even resorted to the nuclear blackmail. I am referring not only to the Western-encouraged shelling of the Zaporozhye Nuclear Power Plant, which poses a threat of a nuclear disaster, but also to the statements made by some high-ranking representatives of the leading NATO countries on the possibility and admissibility of using weapons of mass destruction – nuclear weapons – against Russia.

I would like to remind those who make such statements regarding Russia that our country has different types of weapons as well, and some of them are more modern than the weapons NATO countries have. In the event of a threat to the territorial integrity of our country and to defend Russia and our people, we will certainly make use of all weapon systems available to us. This is not a bluff. (…)

The citizens of Russia can rest assured that the territorial integrity of our Motherland, our independence and freedom will be defended – I repeat – by all the systems available to us. Those who are using nuclear blackmail against us should know that the wind rose can turn around.” (61)

- 1. Oktober 2022: Angesichts der russischen Niederlage in der Stadt Lyman forderte der russische Statthalter in Tschetschenien, Ramzan Kadyrow, den Einsatz einer Atomwaffe geringer Sprengkraft (low-level nuclear weapon), einer sogenannten „Mininuke“: “In my personal opinion, more drastic measures should be taken, right up to the declaration of martial law in the border areas and the use of low-yield nuclear weapons.” (62)

- 22. Januar 2023: Am 22. Januar 2023 drohte der russische Duma-Abgeordnete Wjatscheslaw Wiktorowitsch Wolodin mit einem Atomangriff:

„If Washington and NATO countries supply weapons that will be used to strike civilian cities and attempt to seize our territories, as they threaten, this will lead to retaliatory measures using more powerful weapons. (…) Arguments that the nuclear powers have not previously used weapons of mass destruction in local conflicts are untenable. Because these states did not face a situation where there was a threat to the security of their citizens and the territorial integrity of the country. (…) Deliveries of offensive weapons to the Kyiv regime will lead to a global catastrophe.” (63)

- Juni 2023: Im Juni 2023 forderte der russische Politikwissenschaftler Prof. Dr. Sergei Alexandrowitsch Karaganow (Atom-)Angriffe als erzieherisches Mittel auf die NATO:

“But what if they do not back down? What if they have lost the instinct of self-preservation completely? In this case we will have to hit a bunch of targets in a number of countries in order to bring those who have lost their mind to reason.”

Und:

“Morally, this is a terrible choice as we will use God’s weapon, thus dooming ourselves to grave spiritual losses. But if we do not do this, not only Russia can die, but most likely the entire human civilization will cease to exist.” (64)

- 29. August 2023: Am 29. August 2023 ließ sich Dmitri Medwedew wieder zu einer nuklearistischen Suada gegen den Westen hinreißen, wie der „Kölner Stadtanzeiger“ berichtete:

„Der russische Politiker Dmitri Medwedew hat am Dienstag (29. August) neue Drohungen in Richtung des Westens ausgesprochen. Russland habe das Recht, gegen die Nato beziehungsweise deren Mitgliedsstaaten in den Krieg zu ziehen. (…)

In einem Post auf X warnte Medwedew, dass die „Apokalypse“ näher rücke, zudem zitierte er biblische Verse und die einstigen sowjetischen Führer Wladimir Iljitsch Lenin und Nikita Chruschtschow. „Ob Sie es wollen oder nicht, die Geschichte ist auf unserer Seite. Wir werden Sie begraben“, zitierte der ehemalige russische Premierminister eine Drohung des ehemaligen UdSSR-Chef Chruschtschow, die dieser 1956 gegenüber westlichen Botschaftern geäußert hatte.“ (65)

- 29. Februar 2024: Am 29. Februar 2024 erklärte Präsident Putin in seiner jährlichen Ansprache an die Föderationsversammlung, dass die weitere Unterstützung der Ukraine durch die westlichen Staaten zu einem Atomkrieg führt: “The consequences for possible interventionists will be... tragic. We also have weapons that can hit targets on their territory. (…) All this really threatens a conflict with the use of nuclear weapons and the destruction of civilisation. Don't they get that?" (66)

- Mai 2024: Im Mai 2024 forderte der rechtsextreme Duma-Abgeordnete Generaloberst a. D Aleksej Alexandrowitsch Schurawljow, Russland solle – aus Sicherheitsgründen – Atomwaffen auf Kuba und in Venezuela stationierten und drohte erneut dem Westen, nachdem er bereits zuvor angekündigt hatte, in der „nächsten Phase des Krieges“ komme es zu einem Angriff auf Polen. (67)

- Juni 2024: Im Juni 2024 drohte der Abgeordnete Aleksej Alexandrowitsch Schurawljow, Westeuropa. Insbesondere die Niederlande sei ein „ziemlich fettes Ziel“, dem „kritischer Schaden“ drohe. „Tatsächlich können wir das an einem Tag schaffen – mit minimalem Einsatz unseres Atomarsenals.“ (68)

- 5. Mai 2025: Am 5. Mai 2025 äußert der Depp Putin die „Hoffnung“, seine Atomwaffen gegen die Ukraine oder die NATO einsetzen zu müssen.

- Juli 2025: Putin-Propagandist Wladimir Solowjow droht den USA und Grossbritannien mit dem Einsatz der Unterwasserdrohne vom Typ 2M39 POSEIDON, die per Atomexplosion eine bis zu 500 Meter hohe Flutwelle erzeugen können soll. (69)

Bei der Zündung einer 100 Megatonnen-Bombe in Küstennähe hätte die sogenannte „Pilzwolke“ eine Ausdehnung von 204 km und würde bis in eine Höhe von 52,8 km aufsteigen. In Abhängigkeit von der geologischen Beschaffenheit des Meeresbodens würde ein Krater von rund 430 m Tiefe zurückbleiben. Der radioaktive Fallout würde in Windrichtung fortgetrieben und große Gebiete dauerhaft verstrahlen. Alex Wellerstein rechnet mit einer verstrahlten Zone von 1.700 mal 3.000 km Ausdehnung. Sollte ein solcher „city buster“ gen New York eingesetzt werden, müsste man - nach den Berechnungen von Wellerstein - mit über 7.917.000 Toten und fast 4.020.000 Verletzten rechnen. Nach geheimen Berechnungen von Juri N. Smirnow aus den sechziger Jahren würde eine pazifische Tsunami-Welle von der Westküste der USA bis an die Rocky Mountains klatschen. (70)

- November 2025: Im November 2025 drohte der Abgeordnete Generalleutnant a. D. Andrey Viktorovich Gurulyov, ein transkontinentaler Marschflugkörper vom Typ 9M730 BUREWESTNIK (Codename SSC-9 SKYFALL) reiche aus, um einen ganzen U.S. Bundesstaat oder mehr zu zerstören. Der Gegner solle bloß nicht glauben, dass diese niemals eingesetzt würden. Außerdem könne Russland die Ukraine in dreißig Minuten besiegen. (71)

(…)

- Anfang Juli 2026: Angesichts der fortgesetzten russischen Atomdrohungen warnte der chinesische Präsident die Russen über diplomatische Kanäle erneut vor einem Atomwaffeneinsatz. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 9. Juli 2026 mitteilte, habe er dies auf dem Nato-Gipfel in der Türkei (7. und 8. Juli 2026) von europäischen Staats- und Regierungschefs erfahren. (72)

- Anfang August 2026: Der russische Vize-Außenminister Michail Jurjewitsch Galusin erklärte gegenüber der Zeitung „Iswestija“, Russland und Belarus seien jederzeit bereit, alle verfügbaren Mittel einzusetzen. Das Ziel sei die Gewährleistung der Sicherheit des Unionsstaates: „Wir sind jederzeit bereit, alle Mittel, einschließlich nuklearer, einzusetzen, um die Sicherheit des Unionsstaates zu gewährleisten.“

- Ende August 2026: Der russische Parlamentsabgeordnete Alexej Alexandrowitsch Schuraljow empfahl in einer Videobotschaft einen Schlag gegen die Ukraine mit einer taktischen Atomwaffe. „Es gibt Diskussionen darüber, ob wir taktische Atomwaffen einsetzen dürfen oder nicht. (…) Im Bedarfsfall sind wir verpflichtet, sie einzusetzen.“ (73)

- 10. September 2026: Nachdem er am 2. September 2026 den deutschen Rüstungsbetrieben mit einem „direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik“ und „durchaus auch einige andere Orte in Berlin“ gedroht hatte, drohte Dmitri Medwedew - angesichts der Zuspitzung der Lage in der Ukraine – nun erneut mit einem Atomangriff: „Das ist keine Einschüchterungstaktik - es ist Realität. (…) Das sind keine Andeutungen. (…) Jeder muss begreifen, dass Atomwaffen unter bestimmten Umständen zum Einsatz kommen könnten", erklärte er und warf den Staaten Westeuropas „Neandertaler-Mentalität und abgrundtiefe Ignoranz"“ vor. Der Ukrainekrieg müsse „zu unseren Bedingungen enden, um jede Möglichkeit einer Wiederholung oder einer Ausweitung zu einem globalen Konflikt zu verhindern“. (74)

- 11. September 2026: Am 11. September drohte Dmitri Peskow Litauen mit einem Atomangriff, sollten dort amerikanische Atomwaffen disloziert werden. So will das litauische Parlament (Seimas) das bisherige Verbot der Stationierung von Atomwaffen und ausländischen Militärbasen aufheben, seit Juni 2026 werden darüber Gespräche mit den USA geführt. Dabei geht es nicht um eine Stationierung in Friedens-, sondern nur in Krisen- oder Kriegszeiten. Am gleichen Tag kündigte auch Dmitri Medwedew an, im Falle einer Stationierung könne Litauen von der Landkarte verschwinden. (75)

- 16. September 2026: Der frühere russische Sicherheitsratssekretär und Putin-Berater Nikolai Platonowitsch Patruschew, ehemaliger Leiter des Inlandsgeheimdienstes Federalnaja sluschba besopasnosti (FSB) (Amtszeit: August 1999 bis 2008), drohte damit, im Kriegsfall würde Polen „in zwei bis drei Tagen“ vollständig vernichtet. (76)

- 16. September 2026: Der russische Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow warnte bei einer Rede in Jakaterinburg, sollte es zu einem EU-Angriff auf Russland kommen, „wäre das eine völlig andere Art von Krieg – und ein sehr kurzer“. (77)

- September 2026 (?): In einem ungewöhnlichen Schritt wandte sich die russische Botschaft in Brüssel an die NATO-Zentrale. Die Russen protestierten in ihrem Schreiben auf „X“ über „die provokativen Äußerungen und Handlungen der Führung der Nato sowie der Mitgliedstaaten in Bezug auf die Region Kaliningrad“. Grund sei „die beispiellose Verstärkung der militärischen Aktivitäten des Bündnisses entlang unserer Westgrenzen“. In der Erklärung der Botschaft heißt es weiter:

„Dieser gefährliche und rücksichtslose Kurs birgt ein hohes Risiko für den Ausbruch eines direkten bewaffneten Konflikts, bei dem bereits zu Beginn des Konflikts russische Angriffe auf die Entscheidungszentren in den Mitgliedstaaten des Bündnisses möglich wären. (…) Russland wird bereit sein, das gesamte ihm zur Verfügung stehende Arsenal an Streitkräften und Fähigkeiten, einschließlich Atomwaffen, einzusetzen, um sein Territorium zu verteidigen, sollten die Nato-Staaten einen Versuch unternehmen mit dem Ziel, die Region Kaliningrad vom Rest des Landes zu isolieren.“ (78)

Die Pressesprecherin der NATO, Allison Hart, erklärte dazu: „Wir verurteilen nachdrücklich die Androhung jeder Gewaltanwendung, einschließlich jeglicher unverantwortlicher Atomwaffen-Rhetorik. (…) Keine unserer Übungen oder Aktivitäten stellt eine Gefahr für irgendeinen Teil Russlands dar.“ (79)

Beinahe wäre es nicht bei diesem rhetorischen „saber-rattling“ geblieben. Angesichts der Tatsache, dass die eine Kriegspartei (Russland) eine Atommacht ist, die andere Kriegspartei (Ukraine) eine frühere Atommacht, und weitere Atommächte (UK, Frankreich, Indien, VR China) mittelbar in den Konflikt involviert waren, musste dieses Säbelrasseln wie eine Politik am „Rande des Abgrunds“ (engl.: brinkmanship) erscheinen, die allzu schnell außer Kontrolle geraten und einen „Atomkrieg aus Irrtum“ (engl.: accidential war) auslösen konnte.

Beispielsweise So drangen zwei russische Atombomber am 14. August 2023 in den britischen und dänischen Luftraum ein. Die britische Regierung erklärte zu dem Vorfall:

„Royal Air Force (RAF) pilots launched Quick Reaction Alert (QRA) Typhoon fighters to intercept two Russian long-range maritime patrol bombers this morning as they transited north of the Shetland Islands within NATO’s northern air policing area.

The Typhoon jets launched from RAF Lossiemouth, one of the RAF’s two QRA stations, where RAF fighters are constantly available to respond to threats at a moment’s notice in order to defend UK airspace.

The Russian Tu-142 Bear-F and Tu-142 Bear-J maritime patrol aircraft, used for reconnaissance and anti-submarine warfare, were monitored by RAF Typhoons in international airspace as they passed north of the UK. (…)

A Voyager tanker was also scrambled and remained airborne for the duration of the mission to offer air-to-air refueling, ensuring the Typhoons could remain in the air for the extended period necessary to complete their mission.“ (80)

Angesichts der Gefahr eines „accidental war“ muss man bedenken, dass die Zunahme des Meldungsaufkommens im „information war“ eher zu einer Abnahme der Lageübersicht geführt hat, ein Teil der Atomstreitkräfte am Boden und zu Wasser jederzeit in einem hohen Zustand der Einsatzbereitschaft gehalten wird, und ständig eine kleine Zahl hochleistungsfähiger Kommandoflugzeuge weltweit in der Luft sind, die auf jede Krisenentwicklung reagieren.

Nuklearkrise September 2022

Kreml-Sprecher Dmitri Sergejewitsch Peskow erklärte noch im März 2022, Russland werde im Ukrainekonflikt nur im Falle einer „existentiellen Bedrohung“ Atomwaffen einsetzen: „Wir haben ein Konzept für innere Sicherheit, das ist bekannt. (….) Sie können dort alle Gründe für den Einsatz von Nuklearwaffen nachlesen.“ (81)

Bisher kam es „nur“ zum konventionellen Einsatz potentiell atomfähiger Waffensysteme. Die verschiedenen Nuklearwaffen wurden bisher nicht eingesetzt:

1. Atombomben (Yadernaya Bomba oder Atomnaya Bomba, früher RDS-Bomben), nukleare Gefechtsköpfe oder Granaten kamen nicht zum Einsatz.

2. Dies gilt auch für die oben genannten Systeme, wenn sie nur über eine relativ geringe Sprengkraft verfügen. Diese Nuklearwaffen werden als „low-level nuclear weapon“ oder „Mininukes“ bezeichnet.

3. Alternativ wäre auch der Einsatz eines Residual Resitation Device (RRD), einer sogenannten „Dirty bomb“ denkbar. Dabei handelt es sich nicht um eine herkömmliche Kernspaltungswaffe, bei der die Nuklearladung aus hochangereichertem Nuklearmaterial zu einer „kritischen Masse“ verformt wird, die eine riesige Menge an Zerstörungsenergie freisetzt, sondern um eine Bombenhülle mit irgendwelchem, strahlenden Atommüll ohne Sprengwirkung, die durch eine kleine Sprengladung zerplatzt und das ganze Strahlungsmaterial freisetzt, so dass es zu einer lokalen Kontamination kommt.

4. Statt selbst eine Atomwaffe einzusetzen, könnte man durch den Einsatz einer konventionellen Waffe gegen ein Nuklearziel, etwa ein Atomkraftwerk, ebenfalls eine verheerende Wirkung erzielen. Diese wäre dann quasi eine besonders große „Dirty Bomb“. Allerdings könnte durch den radioaktiven Fallout auch die eigene Bevölkerung betroffen werden.

5. Als weitere Variante kommt der Einsatz einer „herkömmlichen“ Nuklearwaffe in der Funktion einer „NEMP“-Bombe (= Nuclear Electromagnetic Pulse) in Frage. Dabei wird eine Atombombe in so großer Höhe gezündet, dass sie auf der Erdoberfläche keine Sprengwirkung erzielt und niemanden tötet, aber durch die freigesetzte Gammastrahlung und den Compton-Effekt würde ein Elektronenstrom ausgelöst, der durch sein Spannungsfeld Kurzschlüsse verursachen und alle ungehärteten Elektrogeräte zerstören würde.

Um Zerstörungen anzurichten, könnte eine Nuklearwaffe gegen ein Landziel eingesetzt werden, geht es nur darum, eine psychologische Wirkung zu erzielen, könnten die Russen so einen Sprengsatz über dem Schwarzen Meer zünden.

Am 12. August 2022 gab sich der scheidende Direktor des damaligen britischen Strategic Command (StratCom, jetzt: Cyber & Specialist Operations Command - CSOC), General James Richard „Jim“ Hockenhull (Amtszeit: Mai 2022 bis März 2026) noch optimistisch: es sei unwahrscheinlich, dass Russland in absehbarer Zeit Atomwaffen im Ukrainekrieg einsetzen würde. (82) Dies sollte sich in den folgenden Monaten gravierend ändern.

In ihrer laufenden Übersicht über nuklearrelevante Statements listeten Liviu Horovitz und Michal Smetana nur für den Zeitraum 1. September 2022 bis 31. Oktober 2022 folgende Positionen auf und lieferten damit einen Beitrag zur Historiographie der Krise (Fallnummer, Datum, Person, Sachverhalt):

“105. 1 September 2022: Macron: France’s role is to avoid nuclear escalation and “everything” has to be done for “countries not to get engaged in the conflict carelessly.”
106. 7 September 2022: US conducts an announced Minuteman III test. 
107. 14 September 2022: Zakharova: Sending long-range weapons to Ukraine would make the United States “a direct party to the conflict.”
108. 16 September 2022: Putin: Russia’s military conducts nuclear drills in the Arctic to test its ability to “defend the Russian arctic by military means.”    
109. 16 September 2022: Biden: Russian nuclear use would “change the face of war unlike anything since World War II” and a US response would be “consequential.”
110. 20 September 2022: Medvedev: Russia could defend the four Ukrainian provinces it was annexing with “all the forces of self-defense.” 
111. 21 September 2022: Putin: Russia will “make use of all weapon systems available to us” in case of “a threat to the territorial integrity” of Russia. “This is not a bluff.”
112. 21 September 2022: Biden: “Russia shunned the Non-Proliferation ideals embraced by every other nation at the 10th NPT Review Conference.” He condemns Russia for “making irresponsible nuclear threats,” but does not issue any own warnings.
113. 22 September 2022: Blinken: Urges the UN Security Council to “send a clear message that these reckless nuclear threats must stop immediately,” but refrains from issuing any own warnings.   
114. 22 September 2022: Medvedev: Any weapons, “including strategic nuclear weapons and weapons based on new principles, could be used” to protect “all the territories that have joined [Russia].”
115. 23 September 2022: US officials: Express concern Putin could use tactical nuclear weapons, but stress that there is “no evidence” Russia was preparing such a strike.
116. 24 September 2022: Lavrov: Russia’s “entire territory” is “under the state’s full protection” and all Russian “doctrines” apply to Russia’s “entire territory.”      
117. 25 September 2022: Sullivan: “Any use of nuclear weapons will be met with catastrophic consequences for Russia.” Washington has been “clear and specific” towards the Kremlin regarding the US response.       
118. 26 September 2022: Ryabkov: Accuses Washington of an “irresponsible, extremely aggressive, extremely pushy course,” which is “bringing everyone closer to a dangerous line.”          
119. 27 September 2022: Medvedev: If the “threat” to Russia from “Nazi Ukraine” exceeds “the established danger limit,” the Kremlin “will have to respond,” including with “the most formidable weapon,” while the West will still “not directly intervene in the conflict even in this situation.”      
120. 27 September 2022: US Strategic Command: “We have not seen any reason to adjust our own nuclear posture at this time.” 121. 28 September 2022: Zakharova: The West talks “with ease” about nuclear weapons and is “engaged in total destruction” against Russia, whereas Moscow has pursued “many attempts to dialogue.”
122. 28 September 2022: US government: “There would be catastrophic, severe, strong, profound implications for Russia” if it used nuclear weapons.
123. 30 September 2022: Putin: Washington “created a precedent” by using nuclear weapons during World War II.  
124. October 2022: US, UK, and France warned Russia that they would retaliate with conventional weapons if Moscow decided to use nuclear weapons in Ukraine. 
125. 4 October 2022: Peskov: Dismisses allegations that Russia would use nuclear weapons, blaming the West for engaging in “exercises in nuclear rhetoric.”    
126. 6 October 2022: Antonov: NATO has an “ill sense of fear in the context of [Russia’s] possession of nuclear weapons.” Zakharova: A nuclear war “should never be unleashed” and Russian statements are “turned inside out” by Western “hints” from politicians and spies.        
127. 6 October 2022: Biden: Putin is “not joking” and Washington faces the “prospect of Armageddon,” hence needing to find an “off ramp.”
128. 7 October 2022: Various US institutions underline that there are no signs of an imminent nuclear threat – it is “not probable” that Russia would use nuclear weapons.
129. 11 October 2022: Biden: Does not think that Putin would use nuclear weapons, but it is “irresponsible for [Russia’s leader] to talk about it.” 
130. 11 October 2022: “Any use of chemical, biological or nuclear weapons by Russia would be met with severe consequences.” 
131. 11 October 2022: Stoltenberg: The Steadfast Noon exercise will go ahead as NATO's military strength “is the best way to prevent escalation.”     
132. 12 October 2022: Peskov: Criticizes Biden for his Armageddon comment – engaging in “nuclear rhetoric” is a “harmful and provocative practice.”    
133. 12 October 2022: Austin: US does not see any indicators that Russia is changing its nuclear posture towards moving ahead with a nuclear strike.         
134. 12 October 2022: A NATO official: A Russian nuclear strike would change the course of the conflict and “almost certainly be drawing a physical response from many allies, and potentially from NATO itself.” 
135. 13 October 2022: Stoltenberg: “Any use of a smaller nuclear weapon will be a very serious thing, fundamentally changing the nature of the war in Ukraine, and of course that would have consequences.”           
136. 13 October 2022: Borell: “Any nuclear attack against Ukraine will create an answer, not a nuclear answer but such a powerful answer from the military side that the Russian army will be annihilated.”    
137. 14 October 2022: Medvedev: Neither Americans nor Europeans want to die for Ukraine in “a nuclear apocalypse;” they would respond to a Russian nuclear use in a “careful and balanced” manner.           
138. 14 October 2022: Venediktov: Ukraine joining NATO “would mean a guaranteed escalation to World War Three,” which would be “suicidal” for existing NATO members.
139. 14 October 2022: Macron: France would “evidently” not use nuclear weapons in response to a Russian nuclear attack on Ukraine. 
140. 14 October 2022: Western officials: Russia’s “Grom” exercise, although routine, is probably conceived as power projection amidst the war in Ukraine. NATO’s nuclear exercise is different as it was planned before the Ukraine invasion and has no “special meaning.”
141. 16 October 2022: Sullivan: The seriousness of nuclear weapons use does not depend on the size of the weapon, meaning that tactical weapons use in Ukraine would be a serious matter.          
142. 17 October 2022: NATO commences its Steadfast Noon nuclear exercise as planned.      
143. 18 October 2022: Peskov: The four annexed provinces “are inalienable parts of the Russian Federation and they are all protected. Their security is provided for at the same level as [it is for] the rest of Russia’s territory.”      
144. 20 October 2022: Blinken: Washington has been “very clear” with Putin “directly and privately” about the “severe consequences” that would follow any nuclear use.
145. 23 October 2022: Shoigu: Claims that Ukraine could escalate the conflict with a dirty bomb and calls his US, British, and French counterparts to repeat this message.
146. 23-24 October 2022: Austin and Wallace: Warn Shoigu not to use such allegations as a pretext for further Russian escalation. And: US, UK, and French foreign ministers issue a statement, “rejecting Russia’s transparently false allegations.”     
147. 24 October 2022: Russia places forces on alert to respond to a WMD attack. Kirillov: Claims Kyiv is planning a false-flag dirty bomb operation. Moscow sends a letter to the UNSC containing allegations against Ukraine.        
148. 24 October 2022: Naryshkin: It is “absolutely not” possible that Russia would use nuclear weapons in Ukraine.     
149. 24 October 2022: Price: Expresses concern over “mirror imaging,” and underlines that the Administration has been “very clear” about the “severe consequences” of nuclear use.  
150. 24 October 2022: Various US officials: There are no indications Russia is preparing to use WMD.
151. 24 October 2022: Gerasimov tells Milley over the phone that a potential nuclear use would be consistent with Washington’s understanding of Russia’s nuclear doctrine.
152. 25 October 2022: Biden: “Russia would be making an incredibly serious mistake for it to use a tactical nuclear weapon.” Austin rejects “pretexts” for Russian escalation.
153. 26 October 2022: Russia conducts a planned nuclear exercise. Putin: “We know about the plans to use the so-called dirty bomb for provocations.”   
154. 26 October 2022: Blinken: Washington has “communicated directly and very clearly” the “consequences” of using nuclear weapons.
155. 27 October 2022: Putin: Ukraine is preparing a false flag attack with a radioactive bomb, but “there is no sense in [using nuclear weapons] for us, neither political, nor military.” Moscow has “never said anything proactively about Russia potentially using nuclear weapons.”    
156. 27 October 2022: Biden: If Putin has “no intention” to use nuclear weapons, “why does he keep talking” about “the ability to use a tactical nuclear weapon.” Putin has “been very dangerous in how he’s approached” the nuclear question.   
157. 30 October 2022: Lavrov: The current situation bears similarity with the Cuban missile crisis. “This situation is very disturbing.” Russia does not see readiness from Western leaders to “show responsibility.”
158. 31 October 2022: Cleverly: Nuclear use would “change the nature of the conflict” and imply “severe consequences for Russia.” The dirty bomb claims are “absurd.”
(Quelle: Horovitz, Liviu / Smetana, Michal (Hg.): Russia’s Nuclear Signaling in the War Against Ukraine: A Chronology of the Biden Era, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin in Zusammenarbeit mit Peace Research Center Prag (PRCP) in Prag, 3.
Dezember 2025, Seite 18 bis 21, Online: https://www.swp-berlin.org/publications/products/arbeitspapiere/Horovitz_Smetana_et_al-Russia_Nuclear_Signalling_Chronology_Dec25_LARGE.pdf)

- Die Performance der russischen Seite

Zur unmittelbaren Vorgeschichte der Krise gehört sicherlich der Umstand, dass die „MARSCHALL USTINOV“ (taktische Nr. 055), ein Kreuzer der Slawa-Klasse, der mit 16 nuklearfähigen Flugkörpern P-500 BASALT (NATO-Code: SS-N-12 SANDBOX) ausgerüstet ist, Ende August 2022 Position in den Gewässern südlich von Irland und westlich des Vereinigten Königreichs bezog. Aus dieser Position heraus war das Schiff in der Lage, gleichzeitig die politische Zentrale der NATO in Brüssel, das militärische Hauptquartier Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) der NATO in Mons/Casteau, sowie die strategischen U-Boot-Basen der Briten (Faslane) und Franzosen (Île Longue) in einem Schlag zu vernichten. Tage später stießen noch die VIZEADMIRAL KULAKOW (taktische Nr. 626), ein Zerstörer der Udaloy-Klasse, und der Tanker WJASMA (Kaliningradneft-Klasse) zur USTINOW. (https://marineforum.online/russische-marine-vor-der-englischen-kueste/)

Die britischen Fregatten F229 HMS LANCASTER, F237 HMS WESTMINSTER und F239 HMS RICHMOND (alle drei gehören zur Duke-Klasse), ein amerikanischen Jagd-U-Boot der Virginia-Klasse und amerikanische Patrouillenflugzeuge P-8 POSEIDON übernahmen die Beschattung des russischen Verbandes. Gleichzeitig Daraufhin evakuierten die Briten zwei ihrer strategischen Atom-U-Boote der Vanguard-Klasse aus Faslane.

Am 29. August 2022 starteten die Russen eine Offensive zur Eroberung von Kherson. Daraufhin begannen die Ukrainer am 5. September 2022 mit einer Gegenoffensive im Raum Kharkiw. Damals bestand die Gefahr, dass russische Einheiten mit tausenden Soldaten eingekreist und aufgerieben werden könnten. Nach dem Scheitern des ersten russischen Angriffs und den schweren Gefechten in der Region um die Großstadt Kharkiw kündigte Wladimir Putin am 21. September 2022 die Mobilisierung von weiteren ca. 300.000 Soldaten für die ukrainische Front an. Sie sollten u. a. zur Eroberung von Kherson eingesetzt werden. Allerdings mussten sich die Russen am 13. Oktober 2022 aus der Hafenstadt zurückziehen.

Wann die Nuklearkrise durch wen begann, lässt sich bisher nicht bestimmen. Jedenfalls fingen die Amerikaner zusätzlich zu den ganzen propagandistischen Nukleardrohungen im russischen Fernsehen und den Modifikationen der russischen Nuklearstrategie irgendwann abgehörte Gespräche auf, bei denen Funktionsträger der russischen Regierung bzw. des Militärs über einen möglichen Nukleareinsatz zu schwadronieren begann. Angesichts der Kriegslage hatte die U.S. Regierung keine Wahl, als das Gequatsche ernst zu nehmen.

Was die COMINT-Operation gegen das russische Militär anbelangt, wurde nicht bekannt, wie hoch die abgehörten Politiker, Militärs und Beamte innerhalb der russischen Regierung angesiedelt waren. Da im Verlauf der Krise der russische Verteidigungsminister, der Generalstabschef und der Geheimdienstchef diesbezüglich Gespräche führten, muss man davon ausgehen, dass die Gerüchte aus dem Kreml kamen. Allerdings blieb unklar, warum die Russen am Ende auf einen Nuklearangriff „verzichteten“.

Allerdings blieb unklar, welches Ziel die Russen mit einem möglichen Nuklearangriff verfolgen könnten. Für den Kriegsverlauf hätte die Zündung von ein, zwei Atombomben an der Front keine nachhaltige Wirkung. Die erwartbaren Zerstörungen wären im weiteren Verlauf des Krieges auch durch den Masseneinsatz von konventionellen Waffen genauso erreichbar. Aber durch einen solchen Nukleareinsatz wären die NATO-Staaten extrem eingeschüchtert. Die negativen Folgen eines Nukleareinsatzes liegen eher im politischen Bereich, so wäre dieser erste Atomangriff nach Nagasacki ein Tabu-Bruch, Russland würde als Paria-Staat dastehen und der Einsatz hätte gravierende Folgen für die internationalen Beziehungen und das Non-Proliferation-Regime. Möglicherweise drohte ein „bonapartistischer“ Militärputsch in Moskau oder die CIA brächte Putin und seine Familie um.

Am 27. September 2022 erklärte Joshua Kelsey, Pressesprecher des U.S. Strategic Command (STRATCOM): “We haven’t seen any evidence at this time that Russia will use nuclear weapons. (…) We take these threats very seriously, but we have not seen any reason to adjust our own nuclear posture at this time.” (83) So betonten die Amerikaner – quasi zur Beruhigung der eigenen Bevölkerung - im Nachhinein betonten die Amerikaner, dass sie nie konkrete Vorbereitungen für einen Atomwaffeneinsatz feststellen mussten, etwa dergestalt, dass eine Atomwaffe aus einem Speziallager zur Front transportiert worden wäre. Das mussten bzw. konnten sie auch nicht: eine RRD wird nicht in einem herkömmlichen Atomwaffenlager deponiert, sondern in einem Nuklearlabor oder einem Atommülllager hergestellt, eine Mininuke, etwa eine Atommine oder eine Atomgranate, ist so klein, dass sie in einem unauffälligen Pkw transportiert werden kann.

Jedenfalls begannen die NATO-Streitkräfte am 27. September 2022 damit, ihre Aufklärungsaktivitäten zu verstärken, wie „Politico“ berichtete:

“U.S. and allied intelligence agencies are stepping up efforts to detect any Russian military moves or communications that might signal that Vladimir Putin has ordered the use of nuclear weapons in Ukraine, according to five current and former U.S. officials.

But any indications that the erratic Russian leader has decided to unleash the unthinkable — in a desperate attempt to re-seize the initiative or bully the international community to meet his demands — could come too late, they warned. (…)

That means that unless Putin or his commanders want the world to know in advance, the U.S. might never know when Russian forces have swapped out conventional munitions for atomic bombs.” (84)

Zwei Tage später wurde ein unbewaffneter, britischer Aufklärer RC-135V/W RIVET JOINT vor der Küste der Krim durch einen russischen Abfangjäger beschossen.

Am 16. September begann die strategische U-Boot-Flotte mit ihrem Manöver UMKA 2022 in der Tschuktschensee zwischen Russland und den USA nördlich der Behring-Straße. An der Übung vor den Toren der USA war die SSGN OMSK (Oscar-II-Klasse) beteiligt, sie ist mit 24 nuklearfähigen Marschflugkörpern P-700 GRANIT ausgerüstet. Hinzu kamen die SSGN NOWOSIBIRSK der Jasen-Klasse, die über 32 nuklearfähige Flugkörper ONIKS oder KALIBER verfügt, und die KNYAZ OLEG der Borej-Klasse mit ihren 16 Atomraketen RSM-56 BULAWA. So befanden sich die gesamten USA in Schussweite der russischen Atom-U-Boote, die eine viel größere Feuerkraft aufbrachten, als die sowjetischen Mittelstreckenraketen, die 1962 auf Kuba stationiert wurden.

Am 19. September 2022 folgte eine Übung der 42. Tagiler Raketendivision (42-ya raketnaya Tagil'skaya diviziya) (Militäreinheit 34103) mit Hauptquartier in Swobodny bei Swerdlowsk. Sie mobilisierte ihre mobilen Interkontinentalraketen RS-24 JARS. Ende September folgte eine weitere Übung der 42. Raketendivision.

Ebenfalls am 19. September sprachen die Russen eine erneute Nuklearwarnung aus. Im Gegenzug zu den U.S. Lieferungen der Feldraketenwerfer HIGH MOBILITY ARTILLERY ROCKET SYSTEM (HIMARS) und des Kurzstreckenraketensystems ARMY TACTICAL MISSILE SYSTEM (ATACMS) an die Ukraine, hätten sie das Recht, im Gegenzug Polen und die Ramstein AFB in der BRD anzugreifen.

Um in der Ukraine mit neuen Kräften erneut vorzustoßen, unterzeichnete Putin am 30. September 2022 ein Dekret zur Annexion der besetzten ukrainischen Provinzen (Donetsk, Luhansk, Kherson und Saporischschja). Dazu erklärte er, die Gebiete „mit aller Macht und allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen“, zu schützen. So drohte er mit dem Einsatz von Atomwaffen: „Dies ist kein Bluff“, erklärte er. Schließlich hätten die USA mit ihren Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki „einen Präzedenzfall“ geschaffen.

Auch Dmitri Medwedew ereiferte sich während der Nuklearkrise mindestens siebenmal mit Atomdrohungen (13. September 2022, 20. September 2022, 22. September 2022, 27. September 2022, 30. September 2022, 14. Oktober 2022, 4. November 2022).

Und der rechtsradikale Nationalbolschewist und (ex-)Soziologe Alexander Geljewitsch Dugin (85) erklärte: „Russia is at war with a civilization that fights God (…) Open Satanism and outright racism flourish in Ukraine and the West openly supports them”. Am 4. November 2022 fügte er hinzu:

“It´s a holy war! It´s no coincidance, that it´s been declared a jihad! It´s a holy battle against the satanic West! (…) Yes, it´s a Orthodox battle, a final apocalyptic, eschatological battle of Orthodox Christian Rus, holy Rus, against the antichrist. That´s the point of the special military operation!” (86)

Sollten die Eroberungspläne scheitern, plante die russische Regierung ab Ende September 2022 einen taktischen Atomschlag. Dazu berichtete der Journalist Robert Upshur „Bob“ Woodward in seinem Buch „Krieg“:

„Putin hatte rund 30.000 Soldaten in Cherson stationiert. Sollten diese Truppen, so die Einschätzung der Geheimdienste, von ukrainischen Streitkräften eingekesselt werden, bestand eine fünfzigprozentige Chance, dass Putin den Einsatz von taktischen Atomwaffen befahl, um derart katastrophale Verluste auf dem Schlachtfeld zu verhindern.

Für Moskau war Cherson von großer strategischer Bedeutung. Die Kontrolle über die Stadt verschaffte den Russen eine Landbrücke zur Schwarzmeerhalbinsel und Zugang zu den Trinkwasservorräten des Dnipro, deren Zufluss zur Krim die Ukrainer nach der gewaltsamen Besetzung 2014 blockiert hatten.

Wie CIA-Direktor Burns berichtete, zeigten die Geheimdienstinformationen, dass einige von Putins Generälen ihm nunmehr rieten, sich über den Fluss auf leichter zu verteidigende Positionen zurückzuziehen.

Im Rahmen der russischen Nukleardoktrin könnten es eine katastrophale Niederlage auf dem Schlachtfeld oder eine existentielle Bedrohung Russlands Putin erlauben, Atomwaffen einzusetzen – zum ersten Mal seit 1945, als US-Truppen im Zweiten Weltkrieg Atombomben über Japan abwarfen. (…)

Avril Haines, Direktorin der nationalen Sicherheitsdienste, war besorgter als je zuvor, dass Putin es darauf ankommen lassen und den Einsatz von Atomwaffen anordnen könnte. Es gebe inzwischen genügend Daten, die darauf schließen ließen, dass genügend Leute innerhalb des russischen Systems von so etwas sprachen, so Haines.

Zu den anderen besorgniserregenden Hinweisen zählten Berichte, wonach Putin die operativen Kontrollen gelockert hatte, um den Einsatz einer taktischen Nuklearwaffe im Krieg zu erleichtern.“ (87)

Die Russen dachten an einen fingierten Doppelschlag. Zunächst sollte ein nuklearer „False Flag“-Angriff mit einer „schmutzigen Bombe“ erfolgen, den man den Ukrainern in die Schuhe schieben wollte, um so eine Rechtfertigung für den Einsatz einer taktischen Atomwaffe (Bombe oder Gefechtskopf) zu haben. Am 1. Oktober 2022 forderte der russische Statthalter in Tschetschenien, Ramzan Kadyrow, öffentlich den Einsatz einer Mininuke.

Am 19. Oktober 2022 wurde im russischen Staatsfernsehen behauptet, die Ukrainer wollten eine Atombombe über Mykolajiw zünden. Anschließend würden sie behaupten, dies sei eine russische Aktion gewesen, um einen amerikanischen Atomangriff auf Russland zu provozieren. Russische Vertreter behaupteten, die Bombe wurde auf dem Gelände des Atomkraftwerkes in Saporischschja und in Kijiw hergestellt. Dazu präsentierte das russische Verteidigungsministerium mehrere Fotos, die angeblich die Herstellung der Bombe zeigten, aber Fälschungen waren: „A tweet by the Slovenian Government confirmed that part of the image was taken from a 2010 presentation by the Agency for Radwaste Management, a non-profit organisation of the Slovenian government.“ (88)

Prof. Dr. Sean M. Maloney fasste die drei Optionen, über die die Russen damals spekulierten, so zusammen (Seite: 261):

„The purported Russian stand-down was not fully accepted in the American camp. The first possibility was that the Putin regime was going to detonate a low-yield nuclear weapon as a warning shot to force negotiations and then freeze the conflict in place. This weapon could be used against Ukrainian forces or over the Black Sea. The second was a variant where a low-yield weapon or a radiological dispersion device (aka “dirty bomb”) was detonated by Russian forces but blamed on Ukraine to reduce Western material and moral support. This may have involved the Zaporizhzhia nuclear power plant, the Chernobyl nuclear power plant, or the Kakhovka Dam. Third was a low-yield weapon or radiological dispersion device detonated by Russian forces as a false flag to justify the use of a small number of low-yield weapons to stop the Ukrainian advances. In all possibilities, there would be positive benefits in the Russian domestic information space, that is, this would offset the Kharkiv and Kherson failures with a strong blow that would appease the increasingly restive Russian power structure as well as the population.”

Am 20. Oktober 2022 ordnete Putin eine erhöhte Gefechtsbereitschaft für die Streitkräfte an.

So behaupteten Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu und Generalstabschef Armeegeneral Waleri Wassiljewitsch Gerassimow in Telefongesprächen mit den Amerikanern am 23. bzw. 24. Oktober 2022 rotzfrech, die Ukrainer würden eine „schmutzige Bombe“ präparieren. Gleichfalls wandte sich Schoigu an die Regierungen im Vereinigten Königreich, in Frankreich und der Türkei.

Auf Drängen der russischen Regierung inspizierten daraufhin Nuklearexperten der IAEA Ende Oktober 2022 drei ukrainische Nuklearanlagen, u. a. das Institute for Nuclear Research (Kijiw), die Eastern Mining and Processing Plant (Zhovti Kody) und die Production Association Pivdennyi Machine-Building Plant (Dnipro). “Our technical and scientific evaluation of the results we have so far did not show any sign of undeclared nuclear activities and materials at these three locations. Additionally, we will report on the results of the environmental sampling as soon as possible,” erklärte IAEA-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi am 3. November 2022. (89)

Beide Seiten fuhren am 6. Oktober 2022 ihre nuklearen Kommandosysteme hoch. Im Zeitraum vom 9. bis 22. Oktober 2022 verließen fünf Atom-U-Boote der Nordmeerflotte ihren Flottenstützpunkt Gadschijewo bei Murmansk und brachen zu Patrouillenfahrten auf. Dabei wichen sie von ihrer üblichen Fahrstrecke ab. So posaunte der britische Verteidigungsminister Wallace am 18. April 2023 bei seinem Besuch in Washington: „The UK had been tracking Russian submarines in the North Atlantic and in the Irish Sea and in the North Sea doing some strange routes that they normally wouldn’t do. (…) We're regularly visited by nosy Russian ships, and we are regularly visited now by a number of Russian warships.” (90) Damit enthüllte Wallace unfreiwillig, dass die britische Marine die russischen Atom-U-Boote lokalisieren und verfolgen könne, was Zweifel an der russischen Second Strike Capacity erregen muss.

Am 26. Oktober 2022 begann die Bereitschaftsübung der Atomstreitkräfte GROM:

Im Dezember 2022 erklärte Putin auf einer Menschenrechtskonferenz: „We have not gone mad. We are aware of what nuclear weapons are. We aren`t about to run around the world brandishing this weapon like a razor.” (91)

Dennoch setzte das russische Regime die Verteufelung der ukrainischen Regierung und der NATO fort. Im Juni 2024 wagte Außenminister Sergej Lawrow einen Vergleich zwischen der NATO und Adolf Hitler. Dazu berichtete das amerikanische Magazin „Newsweek“ am 24. Juni 2024:

“"Hitler rallied a significant part, if not most, of the European nations under his banner for a war against the Soviet Union," the foreign minister reportedly said. He added that "now, the EU together with NATO are forming another—modern—coalition for a standoff and, ultimately, war with the Russian Federation.”” (92)

- Das Vorgehen der Amerikaner

Im Verlauf des Kalten Krieges hatten sich zwischen den beiden „Supermächten“ aufgrund der Erfahrungen, die sie in zahlreichen Krisen machen mussten, (ungeschriebene) Regeln herausgebildet, was möglich und was unbedingt verboten ist. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Machtantritt von Putin galten diese – mehr oder weniger – verlässlichen Verhaltenskodizes nicht mehr, die Situation wurde daher unbestimmbarer und gefährlicher.

Am vierten Kriegstag, den 28. Februar 2022, warnte die amerikanische Seite die Russen vor einem Einsatz von Atomwaffen.

Außerdem zog U.S. Präsident Joseph Robinette „Joe“ Biden, Jr. gleich zu Beginn des Ukrainekrieges „rote Linien“ für eine begrenzte amerikanische Einmischung. Am 1. März 2022 erklärte er in seiner „State of the Union Address“:

“We’re going to continue to stand together with our allies in Europe and send an unmistakable message. We will defend every single inch of NATO territory with the full might of the united and galvanized NATO. (…) We will not fight a war against Russia in Ukraine. Direct conflict between NATO and Russia is World War III, something we must strive to prevent.” (93)

Und am 31. Mai 2002 stellte er in einem Gastbeitrag für die „New York Times“ nochmals klar:

“We want to see a democratic, independent, sovereign and prosperous Ukraine with the means to deter and defend itself against further aggression. (…)

We will continue cooperating with our allies and partners on Russian sanctions, the toughest ever imposed on a major economy. We will continue providing Ukraine with advanced weaponry, including Javelin anti-tank missiles, Stinger antiaircraft missiles, powerful artillery and precision rocket systems, radars, unmanned aerial vehicles, Mi-17 helicopters and ammunition. We will also send billions more in financial assistance, as authorized by Congress. (…)

We will also continue reinforcing NATO’s eastern flank with forces and capabilities from the United States and other allies. And just recently, I welcomed Finland’s and Sweden’s applications to join NATO, a move that will strengthen overall U.S. and trans-Atlantic security by adding two democratic and highly capable military partners.

We do not seek a war between NATO and Russia. So long as the United States or our allies are not attacked, we will not be directly engaged in this conflict, either by sending American troops to fight in Ukraine or by attacking Russian forces.” (94)

Durch ihre Abhöraktionen der National Security Agency (NSA) erfuhren die USA von den russischen Nuklearambitionen. Allerdings war das Informationsaufkommen der U.S. Intelligence Community begrenzt, wie der TV-Journalist Jim Sciutto nach Gesprächen mit U.S. Regierungsbediensteten berichtete:

“At no time did the US detect intelligence indicating Russia was taking steps to mobilize its nuclear forces to carry out such an attack.

“We obviously placed a high priority on tracking and had some ability at least to track such movements of its nuclear forces,” this senior administration official told me. “And at no point did we ever see any indications of types of steps that we would’ve expected them to take if they were going down a path toward using nuclear weapons.”

However, US officials were not certain they would know if Russia was moving tactical nuclear weapons into place. Unlike strategic nuclear weapons, capable of destroying entire cities, tactical or battlefield nuclear weapons are small enough to be moved quietly and could be fired from conventional systems already deployed to the Ukrainian battlefield.

“If what they were going to do is use a tactical nuclear weapon, particularly a very low-yield tactical nuclear weapon and particularly if they were only going to use one or a very small number, it was not one hundred percent clear to us that we necessarily would have known,” this senior administration official continued. “ (95)

Aufgrund der beschränkten Informationslage hatten die Amerikaner Schwierigkeiten, die Gefährlichkeit der Situation einzuschätzen. Man ging davon aus, dass Putin möglicherweise ein anderes „Verhältnis“ zu Atomwaffen hätte, als westlich geprägte Politiker. Außerdem konnte man nicht davon ausgehen, dass die Russen niemals Atomwaffen als Erste einsetzen würden. Die Central Intelligence Agency (CIA) kam im Oktober 2022 in einer Analyse zu der Einschätzung, die Wahrscheinlichkeit eines russischen Atomwaffeneinsatzes in der Ukraine nicht mehr bei 5 Prozent läge, sondern bei 50 : 50 oder höher. (96)

Im September und Oktober 2022 kam der National Security Council zu mehreren Sitzungen zusammen, um über eine amerikanische Reaktion zu beraten. Mehrere Contingency Plans (ConPlans) wurden ausgearbeitet für den Fall, dass eindeutige Beweise für einen (unmittelbar) bevorstehenden Nuklearschlag vorliegen würden, für den Fall, dass ein solcher Angriff gerade erfolgt und für den Fall, dass ein solcher Angriff bereits erfolgt sei: „We had to plan so that we were in the best possible position in case this no‑longer unthinkable event actually took place,“ erklärte ein U.S. Regierungsmitarbeiter. (97)

Ein anonymer Mitarbeiter der U.S. Regierung berichtete:

„I don´t think many of us coming into our jobs expected to be spending significant amounts of time preparing for a scenario which a few years ago was believed to be from a bygone era. (…) We had to plan so that we were in the best possible position in case this no-longer-unthinkable event actually took place. (…)

Russian public messaging came way out of left field on the potential for Ukraine to use a dirty bomb, which we saw not grounded in reality. (…) More concerning either as a pretext for them to do something crazy or as a cover for something they themselves were looking at doing. So that was quite alarming.” (98)

Was die U.S. Regierung für den Fall eines russischen Atomwaffeneinsatzes gegen die Ukraine planten, wurde nicht bekannt. Es hieß nur lapidar, man wolle abgestimmte politische, militärische und wirtschaftliche Maßnahmen ergreifen. So wollten die U.S. Streitkräfte die beteiligten russischen Verbände unter massiven Beschuss nehmen. Zur Eventualfallplanung erklärte der anonyme U.S. Regierungsmitarbeiter:

“We convened a number of meetings to put [together] a contingency plan internally for what types of things we would do in the event of either a very clear indication that they were about to do something, attack with a nuclear weapon, or if they just did, how we would respond, how we would tryp to preempt it, or deter it.” (99)

Allerdings schloss der Mitarbeiter eine nukleare Reaktion der Amerikaner aus: „Without proscribing or limiting the president´s decision space, I think, that that is highly unlikely.” (100)

Nach Angaben des U.S. Generalstabschefs General Mark Alexander Milley musste der Westen einen Mittelweg finden: „You have to find the sweet spot by ensuring that Putin doesn´t win in an illegal war of aggression. But at the same time, he´s not provoked into escalating the war into a war with NATO or the United States.” (101)

Die strategischen U.S. Streitkräfte führten ab dem 13. September mehrere Manöver durch: So startete das North American Aerospace Defense Command (NORAD) mit HQ auf der Peterson Space Force Base die Übung NOBEL DEFENDER, das Global Strike Command (AFGSC) mit HQ Barksdale AFB führte das Bomber-Manöver PRAIRIE VIGILANCE durch. Außerdem übte eine Bomber Task Force mit vier B-52 STRATOFORTRESS in RAF Fairford (UK) Luftangriffe vor der norwegischen Küste.

Allerdings meinte der frühere Deputy Supreme Allied Commander Europe (DSACEUR), der britische General Alexander Richard David Shirreff (Amtszeit: 2011 bis 2014), am 14. September 2022, dass die NATO in einem Krieg Russland nicht gewachsen wäre: "The way to manage the risk of escalation is for NATO to be prepared for the worst case and that is still not happening. (…) When I mean the worst case, the worst case is NATO at war with Russia." Er forderte daher die NATO-Staaten auf, "take the gloves off" und „rump up“. (102)

Am 12. September 2022 meinte der frühere Nationale Sicherheitsberater John Robert Bolton, das Putin in größeren Schwierigkeiten als vor dem Beginn des Ukrainekrieges sei und dass die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes gestiegen sei: „The potential risk of the use of a nuclear weapon (by Russia was) not so much to change the battlefield but to strengthen Putin’s position at home.”

Am 16. September 2022 wurde der damalige U.S. Präsident Joseph Robinette „Joe“ Biden Jr. in einem „CBS“-Interview ganz allgemein gefragt, welche Konsequenzen ein russischer Einsatz von atomaren oder chemischen Waffen gegen die Ukraine hätte. Daraufhin erklärte Biden:

“Don't. Don't. Don't. You will change the face of war unlike anything since World War II. (…) You think I would tell you if I knew exactly what it would be? Of course, I'm not gonna tell you. It'll be consequential. (…) They'll become more of a pariah in the world than they ever have been. And depending on the extent of what they do will determine what response would occur.” (103)

Außerdem warnte der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jacob Jeremiah „Jake“ Sullivan (Amtszeit: 20. Januar 2021 bis 20. Januar 2025), am 25. September 2022 gegenüber „NBC News“, es wäre „catastrophic if Russia went down the dark road of nuclear weapons use”. (104)

Am 6. Oktober 2022 hielt U.S. Präsident „Joe“ Biden im Rahmen einer privaten Spendengala im Haus von James Murdoch in New York City eine relativ frei gehaltene Rede:

„(F)irst time since the Cuban Missile Crisis, we have a direct threat of the use of the nuclear weapon if, in fact, things continue down the path they've been going... Think about it: We have not faced the prospect of Armageddon since Kennedy and the Cuban Missile Crisis. We've got a guy I know fairly well; his name is Vladimir Putin. I spent a fair amount of time with him. He is not joking when he talks about the potential use of tactical and nuclear weapons, or biological or chemical weapons, because his military is, you might say, significantly underperforming... I don't think there’s any such thing as an ability to easily [use] a tactical nuclear weapon and not end up with Armageddon." (105)

Am 12. Oktober äußerte sich Biden in einem „CNN“-Interview erneut zur nuklearen Bedrohungslage:

„I am talking to Putin. He, in fact, cannot continue with impunity to talk about the use of a tactical nuclear weapon as if it is a rational thing to do. (…) It would be irresponsible for me to talk about what we would or wouldn´t do.”

Angesichts dieser Bedrohungslage schickte Joe Biden Putin eine Depesche zur russischen Regierung, in der er ankündigte, er werde CIA-Direktor William Burns zu direkten Gesprächen nach Moskau entsenden.

Beide Seiten fuhren am 6. Oktober 2022 ihre nuklearen Kommandosysteme hoch.

Mitte Oktober führte das 31st Fighter Wing (31st FW) im italienischen Aviano erneut mit seinen F-16 FIGHING FALCON Luftkampfübungen über der Adria durch.

Mitte Oktober 2022 ging das amerikanische Atom-U-Boot USS WEST VIRGINIA im Arabischen Meer in Stellung. Es verfügte über 20 Interkontinentalraketen TRIDENT IID5 mit jeweils 12 Mehrfachsprengköpfen vom Typ W76 (475 KT) und bedrohte damit Zentralrussland.

Im Oktober 2022 entstand bei den Bodengefechten am Dnipro eine gefährliche Situation, die sich schließlich wie von selbst auflöste, wie Liviu Horovitz und Michal Smetana berichteten:

“(I)n October 2022 a “core tension” had emerged within the Task Force Dragon partnership. As the Ukrainians were already exerting pressure on the ground, in Europe, US Generals Christopher G. Cavoli and Christopher T. Donahue pleaded with Brigadier General Oleksandr Tarnavskyi (Brigadegeneral Oleksandr Heorhiiovych Tarnavskyi, damals Kommandeur des Operationskommandos “Ost” [ukr.: Operatyvne komanduvannya “Skhid"], G. P.) to advance, drive the Russian troops from the west bank of the Dnipro and seize their equipment. Putting pressure on Crimea at the height of Ukraine’s military achievements was deliberated internally as a possible scenario to incentivize Putin to negotiate a deal, yet especially the Americans were wary of risking Putin doing “something desperate.” However, US intelligence’ assessment of Russia using nuclear weapons in Ukraine skyrocketed from 5-10 to 50 percent when Russia’s Ukraine commander, General Sergei Surovikin (Armeegeneral Sergei Wladimirowitsch Surowikin, seit dem 8. Oktober 2022 Kommandeur der russischen Truppen in der Ukraine, wurde am 11. Januar 2023 von seinem Posten abgelöst, gilt als Kriegsverbrecher, G. P.), was overheard that same month talking about using tactical nuclear weapons to prevent the Ukrainians from crossing the Dnipro and directly moving on to Crimea. In Washington, Biden’s aides anxiously wondered whether they might have to impel the Ukrainians to moderate their headway. Finally, it seems that neither the “game-changing blow,” nor the ignition of a “wider war” ever took place because the campaign never happened. As far as journalists could ascertain, the Ukrainian advance was stalled by small Russian troops, detached to shield their fleeing forces. Possibly partially due to overcaution and hesitancy to trust the US intelligence on the size of those Russian detachments, the offensive slowed down and finally came to a halt after the recapture of Kherson and the clearing of Dnipro's west bank.” (106)

Irgendwann im Oktober endete die Nuklearkrise so plötzlich, wie sie begonnen hatte. Am 9. November 2022 gaben die russischen Streitkräfte bekannt, dass sie sich aus Kherson zurückziehen würden. Zwei Tage später drangen ukrainische Einheiten in die Stadt ein.

Nachdem die U.S. Air Force durch die Vorbeiflüge der Bomber B-52H STRATFORTRESS die ISKANDER-Raketen in der Exklave Kaliningrad ins Visier genommen hatte, verlegte die U.S. Army am 12. November 2022 eine Einheit mit Raketenwerfern M142 HIMARS (Reichweite je nach Version 32 km [M26] bis 300 km [MGM-140 ATACMS]) aus der BRD auf den lettischen Truppenübungsplatz Ādaži im Rahmen der Übung Iron Spear 2022.

Am 9. Dezember 2022 verlegte die U.S. Air Force in Europe and Air Forces Africa (USAFE-AFAFRICA) das 501st Combat Support Wing (501st CSW) von der RAF Alconbury auf die RAF Fairford. Das Geschwader dient der Unterstützung der Bomber Task Forces (BTFs), die vorübergehend in Europa disloziert werden. Das Geschwader unterhält mehrere Außenstationen im Vereinigten Königreich und in Norwegen. (107)

Im Dezember 2022 kündigte die U.S. Regierung eine beschleunigte Einführung der neuen Wasserstoffbombe B-61-12 (variable Sprengkraft 0,3 bis 50 KT) an. Mitte Dezember 2022 wurden die ersten Bomben auf der Aviano AB (Italien) stationiert.

- Sprengung der Northstream-Pipelines

Mitten in der laufenden Nuklearkrise sprengte ein Tauchkommando des ukrainischen Militärgeheimdienstes Holowne uprawlinnja roswidky Ministerstwa oborony Ukrajiny (HUR) die drei Röhren der politisch umstrittenen, deutsch-russischen Pipelines Northstream 1 und Northstream 2 auf dem Boden der Ostsee in die Luft, so dass die neue Pipeline nicht mehr fertiggestellt und in Betrieb genommen werden konnte – Operation DIAMETER. Tatverdächtig ist der Taucher Wolodymyr Schurawlow. Beim ukrainischen HUR zogen folgende Agenten im Hintergrund die Fäden: der Kriegsverbrecher Generaloberst Wassyl Wassylowitsch Burba (Amtszeit: 15. Oktober 2016 – 2020) und Serhij Kusnezow sowie Oberst Roman Hryhorovych Chorwinsky von der 5. Hauptverwaltung des Auslandsnachrichtendienstes Sluzhba bezpeky Ukrainy (SBU). (108) Chrowinsky gehörte einer Spezialeinheit an, die mit der amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) in Verbindung stand (109).

Die CIA war offenbar drei Monate zuvor über die ukrainischen Anschlagspläne informiert worden und gab diese Information an die deutsche Bundesregierung weiter. Dazu berichteten Liviu Horovitz und Michal Smetana:

“Apparently, the CIA had received intelligence from a close US ally from Europe in June 2022 – three months before the Nord Stream pipelines were destroyed – that the Ukrainian military was planning a covert attack on the undersea network using a small team of divers who reported directly to the commander in chief of the Ukrainian armed forces, Valery Zaluzhny – who had been put in charge so that Zelensky would not know about the operation, the intelligence report said. The intelligence summary reported on by the media stated that the Ukrainian military operation had been “put on hold” for reasons that remained unclear. The Ukrainians had planned to attack the pipeline on the heels of the major allied naval exercise BALTOPS that ran June 5-17, 2022, according to the report. The source’s information could not immediately be corroborated, but the CIA had shared the report with Germany and other European countries in June, with highly specific details including numbers of operatives and methods of attack, according to multiple officials familiar with the matter. On June 13, 2023 media reported that the CIA had even warned Ukraine not to destroy the Nord Stream pipeline months before the attack. In reaction, Zelenskyy denied again on June 7 that Ukraine had any involvement in destroying the pipelines. He insisted that he did “not know anything, 100 percent,” adding that if the Ukrainian military was “supposed to have done this, show us proof.” On June 13, media reported that the CIA had even warned Ukraine not to destroy Nord Stream months before the attack.” (110

Ansonsten hielten die Ukrainer am 8. November 2022, kurz nach dem Ende der Nuklearkrise, eine ABC-Abwehrübung ab, um sich auf einen möglichen russischen Atomangriff vorzubereiten. Organisiert wurde die Übung von der ukrainischen Zivilschutzbehörde Derzhavna sluzhba Ukrainy z nadzvychainykh sytuatsii (DSNS). (111)

- Bilaterale Gespräche

Beide Seiten haben seit dem 20. Juni 1963 einen „heißen Draht“ (Washington–Moscow Direct Communications Link bzw. Goryachaya liniya Vashington–Moskva) für die Notfallkommunikation eingerichtet. Zunächst handelte es sich um eine Fernschreibverbindung von Washington, D.C. via London, Kopenhagen, Stockholm and Helsinki nach Moskau, heute handelt es sich um eine digitale Computerverbindung. (112) Aber diese Verbindung scheint nicht immer zu funktionieren.

Am 21. Oktober 2022 konnte U.S.-Verteidigungsminister General Lloyd James Austin III endlich den damaligen russischen Verteidigungsminister „Armeegeneral“ Sergei Kuschugetowitsch Schoigu telefonisch erreichen:

„Wir wissen, dass Sie den Einsatz taktischer Nuklearwaffen in der Ukraine in Erwägung ziehen. Lassen Sie mich Ihnen ein paar Dinge dazu sagen.

Erstens würden die USA und die gesamte Welt jeglichen Einsatz von Atomwaffen, ganz gleich welchen Ausmaßes, gegen wen auch immer als Ereignis betrachten, das alles verändert. Es gibt keinerlei Einsatz von Nuklearwaffen, über den wir oder die Welt hinwegsehen würden.

Jeder Einsatz von Atomwaffen wo auch immer würde die vitalen nationalen Interessen der USA berühren. (…)

Es wäre im Übrigen ganz gleich, wie klein die Nuklearwaffe ist. (…)

Unsere Führung und Ihre Führung haben wiederholt betont, dass sich ein Atomkrieg nicht gewinnen lässt und deshalb nie geführt werden sollte. Das könnte uns auf einen Konfrontationspfad führen, der existenzielle Folgen für Sie und für uns hätte. Bringen Sie sich nicht in diese heikle Lage. (…)

Wir sind bemüht, bestimmte Dinge nicht zu tun. Bestimmte Dinge haben wir den Ukrainern nicht zur Verfügung gestellt. Die Sachen, mit denen wir sie versorgt haben, können sie nur mit gewissen Einschränkungen nutzen, und wir haben nicht direkt in den Konflikt mit Ihren Truppen eingegriffen. Wenn Sie das machen würden, müsste diese Zurückhaltung, müssten die Beschränkungen, die wir uns selbst auferlegt haben, überdacht werden.“ (113)

Daraufhin entgegnete Schoigu: „Ich lasse mir nur ungern drohen.“ Daraufhin erwiderte Austin, er drohe nicht, er sei nur der Vertreter der mächtigsten Atommacht.

Am 24. Oktober 2022 telefonierten der amerikanische Chairman of the Joint Chiefs of Staff (CJCS), General Mark Alexander Milley, und der britische Chief of Staff of Defence Staff (CDS), Admiral Antony David „Tony“ Radakin, mit ihrem russischen Pendant, Armeegeneral Waleri Wassiljewitsch Gerassimow, Nachal'nik General'nogo shtaba, über die (nukleare) Lage.

Zu seinem Gespräch mit Gerassimow erklärte Milley gegenüber „CNN“:

„When people say they´re going to use or might use or could use [nuclear weapons], I think you have to take them seriously, right? (…) So, ´worried´ - I wouldn´t use that word. But take them seriously and have some concern about the potential use, absolutely. (…)

He (gemeint ist General Gerassimow, G. P.) talked about that, and he said, ´Look, we´ll use nuclear weapons under certain conditions that are available in our nuclear doctrine.´ (…)

I don’t´know if it was to reassure or just a statement of facts. (…) I mean, he stated what he stated, and of course they are adversaries, so you have to always be skeptical as to what they say. Are they telling you the truth? Are they attempting to influence? Are they not?” (114)

So blieb unklar, was General Gerassimov tatsächlich meinte, wie Jim Sciutto kommentierte:

„Was Gerasimov´s intention to reassure the US by communicating that current conditions in Ukraine did not meet Russia´s requirements for a nuclear strike? Or was he hinting current conditions might meet those requirements? Or did Gerasimov deliberately want Milley to leave the call not knowing for sure?” (115)

Der russischen Darstellung eines möglichen ukrainischen Atomeinsatzes wurde am 24. Oktober durch den amerikanischen Konteradmiral a. D. John Francis Kirby, Kommunikationsdirektor des National Security Council (Amtszeit: Mai 2022 bis Januar 2025) widersprochen:

„Obviously, we're concerned about these allegations that the Russians raised, them, not us. (…) They're the ones that made a public issue of this. (…) We reject the false allegation that the Russians made in the phone call that they placed at their request to (Defense) Secretary Austin, that the Ukrainians were planning to use a dirty bomb. (…) We just reject that allegation. It's just not true. (…) We continue to see nothing in the way of preparations by the Russian side for the use of nuclear weapons and nothing with respect to the potential use for a dirty bomb at this point. (…) We're watching this as closely as we can. (…) We have seen in the past that the Russians have, on occasion, blamed others for things that that they were planning to do." (116)

Am 14. November 2022 folgte ein Treffen zwischen dem Direktor der Central Intelligence Agency (CIA), William Joseph „Bill“ Burns, und dem Direktor des russischen Auslandsnachrichtendienstes Sluschba wneschnei raswedki (SWR), Sergei Jewgenjewitsch Naryschkin in Ankara (Türkei), bei dem die Amerikaner erneut vor einem Nukleareinsatz warnten. “He is conveying a message on the consequences of the use of nuclear weapons by Russia, and the risks of escalation to strategic stability,” erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses. (117) Naryschkin teilte mit, dass Putin nicht die Absicht habe, eine Atomwaffe einzusetzen. So konnte die Nuklearkrise schließlich kampflos bereinigt werden. (118)

Als im Nachklang der Nuklearkrise im November 2022 die Falschmeldung Verbreitung fand, ein russischer Flugkörper sei in Polen heruntergekommen, brauchte der amerikanische Generalstabschef eineinhalb Tage, um eine Verbindung mit seinem russischen Pendant herzustellen.

- Internationale Beilegung der Krise

Der „G7“-Gipfel am 11. Oktober 2022 protestierte gegen die „unverantwortliche Nuklearrhetorik“ der Russen, der „G20“-Gipfel vom 15. bis 16. November 2022 in Bali sprach sich gegen einen Atomwaffeneinsatz in der Ukraine aus.

Da die Amerikaner befürchteten, die Russen könnten durch Inszenierung einer „Dirty Bomb“-Explosion einen Vorwand für einen Nuklearschlag schaffen, wandten sie sich an ihre NATO-Verbündeten, die chinesische Regierung von Xi Jinping und die indische Regierung von Narendra Damodardas Modi, um die Russen durch diplomatischen Druck schließlich von ihrem Vorhaben abzubringen. Indien und die VRC waren die wichtigsten Partner Russland auf der internationalen Bühne: Indien war ein wichtiger Handelspartner, der den Russen weiterhin ihr Rohöl abkaufte und so zur Finanzierung des Ukrainekrieges beitrug, die Volksrepublik China war direktes Nachbarland, Wirtschaftspartner und Waffenlieferant im Ukrainekrieg. Insbesondere Modi soll auf der Konferenz der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) in Uzbekistan im September 2022 unmissverständlich klargestellt haben, dass ein Atomwaffeneinsatz in oder gegen die Ukraine für ihn unakzeptabel sei.

Nicht zuletzt führte der indische Verteidigungsminister, Raksha Mantri Shri Rajnath Singh, am 26. Oktober 2022 ein Telefonat mit dem russischen Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu. In einer entsprechenden Erklärung des indischen Verteidigungsministeriums hieß es:

“Defence Minister Shoigu briefed the Raksha Mantri on the evolving situation in Ukraine, including his concerns about possible provocations through use of ‘dirty bomb’.

Shri Rajnath Singh reiterated India's position on the need to pursue the path of dialogue and diplomacy for an early resolution of the conflict. He pointed out that the nuclear option should not be resorted to by any side as the prospect of the usage of nuclear or radiological weapons goes against the basic tenets of humanity.” (119)

Am 16. Dezember 2022, lobte der damalige CIA-Direktor Burns das anti-nuklearistische Einschreiten von Russlands Partnern:

„We have made very clear, the president has made very clear to the Russians what the serious risks of that would be. I think it's also been very useful that Xi Jinping and Prime Minister Modi in India have also raised their concerns about use of nuclear weapons as well. I think that's also having an impact on the Russians.” (120)

Nachdem sie am 23.Oktober 2022 von General Schoigu über die angeblichen ukrainischen Anschlagspläne „unterrichtet“ worden waren, wandten sich vier europäische Außenminister ihrerseits an die USA. Anschließend gaben die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich ein „Joint Statement on Ukraine“ heraus:

„Earlier today, the defense ministers of each of our countries spoke to Russian Defense Minister Sergei Shoygu at his request. Our countries made clear that we all reject Russia´s transparently false allegations that Ukraine is preparing to use a dirty bomb on its own territory. The world would see through any attempt to use this allegation as a pretext for escalation by Russia.

The Foreign Ministers also discussed their shared determination to continue supporting Ukraine and the Ukrainian people with security, economic, and humanitarian assistance in the face of President Putin’s brutal war of aggression.” (121)

In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung sprach sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am 20. September 2022 dafür aus, „unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren“. (122) Am 4. November 2022 reiste Scholz zu Wirtschaftsgesprächen nach China. Der Besuch fände in der „Zeit großer Spannungen“ befand Scholz. Der chinesische Präsident Xi erklärte: “We cannot afford any further escalation.” Dazu ergänzte Scholz: „President Xi and I agree: nuclear threats are irresponsible and incendiary. By using nuclear weapons, Russia would be crossing a line that the community of states has drawn together.“ Ebenso bemerkte Xi Jinping: „Als einflussreiche Grossmächte sollten China und Deutschland in dieser chaotischen und sich verändernden Situation zusammenarbeiten, um einen größeren Beitrag zum Weltfrieden und zur Entwicklung zu leisten.“ (123) Von der Bundesregierung gibt es ansonsten keine offizielle Stellungnahme zu den damaligen Ereignissen, außer der Feststellung schwachsinniger Sozialdemokraten, Olaf Scholz hätte den Weltfrieden gerettet.

- Folgen für die NATO

Vom 17. bis 30. Oktober 2022 führte die NATO routinemäßig ihre nukleare Bereitschaftsübung STEADFAST NOON durch. Daran waren 60 Kampfflugzeuge, darunter mehrere Bomber B-52H STRATOFORTRESS beteiligt. Damit überschnitt sich – mitten in der Nuklearkrise - die nukleare Bereitschaftsübung der NATO mit der atomaren Bereitschaftsübung der Russen, die am 26. Oktober 2022 stattfand. Während des russischen GROM-Manövers wurde eine Interkontinentalrakete JARS vom Kosmodrom Plesetsk abgeschossen, ein U-Boot in der Barents-See verschoss eine SINEVA-Rakete und Bomber Tu-95 verschossen Marschflugkörper.

Unklar ist, welche Folgen ein russischer Angriff auf die Ukraine für die NATO gehabt hätte. Jedenfalls schaltete die U.S. Regierung ihre NATO-Alliierten ein:

“The US also worked closely with its allies both to develop contingency plans for a Russian nuclear attack and to communicate warnings to the Russian side about the consequences of such a strike.

“We conducted a number of quiet conversations with core allies to go through our thinking,” the first senior administration official told me. “That’s a hallmark of our entire approach - that we are better and stronger doing this stuff when we’re totally aligned with our allies.”” (124)

Am 2. Oktober 2022 warnte der frühere CIA-Direktor Ex-General David Howell Petraeus: “It can still get worse for Putin and for Russia. And even the use of tactical nuclear weapons on the battlefield won’t change this at all. (…) You have to take the threat seriously.” Dennoch glaube er, dass ein russischer Atomwaffeneinsatz gegen die Ukraine zunächst keine Konsequenzen für die NATO haben würde, keinen Bündnisfall gemäß Artikel 5 auslösen würde, da die Ukraine kein Mitglied der NATO sei. Dennoch gäbe es eine „US and Nato response“. So würden die USA und ihre Verbündeten die russischen Truppen in der Ukraine und im Schwarzen Meer vernichten. Gleiches gelte bei einem russischen Angriff auf die NATO: “Nato will have to respond to it (…) How it will respond, I think a lot of it will depend on the nature of the attack and the scale and scope of it.” (125)

Eine neue Nuklearkrise wollen die USA nicht ausschließen, halte sie aber für eher unwahrscheinlich:

“We have been less concerned about the imminent prospect since that period, but it’s not something that is ever far from our minds,” a senior US official told me. “We continue to refine plans, and … it’s not beyond the realm of possibility that we could be confronting at least the rising risk of this again in the months ahead.” (126)

Westeuropäisches Weicheiertum

Wladimir Putin hat die führenden Politiker der demokratischen Staaten in Westeuropa nicht selbst wörtlich als „Weicheier“ bezeichnet, allerdings hegt er eine eklatant abwertende Haltung gegenüber diesem Personenkreis, so dass westliche Journalisten den Begriff „Weicheier“ in die Diskussion einführten. So äußerte sich der frühere Kanzlerberater und Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, im Februar 2024: „Wladimir Putin hält uns für Weicheier und er glaubt, dass er am längeren Hebel sitzt.“ (127)

Immerhin bezeichnete Putin die europäischen U.S.-Vasallen im Dezember 2025 in einer Rede vor dem russischen Verteidigungsministerium als „kleine Schweinchen Europas“: „Die kleinen Schweinchen Europas haben sich sofort der Arbeit der vorherigen amerikanischen Regierung angeschlossen, in der Hoffnung, vom Zusammenbruch unseres Landes zu profitieren.“ Demgegenüber träumt er davon, dass „die politischen Eliten in Europa ersetzt werden“. (128)

Im Rahmen der „kognitiven Kriegsführung“ (cognitive warfare - cogwar) als integraler Bestandteil ihrer „Hybriden Kriegführung“ (hybride warfare) versucht die russische Führung, das Vertrauen der westeuropäischen Politiker in die eigene Kriegstüchtigkeit und die eigenen Verteidigungsmöglichkeiten angesichts einer nur vermuteten russischen Überlegenheit zu unterminieren. Nicht nur die Kaste der Politiker soll manipuliert, sondern gleichzeitig die ganze, fragmentierte Gesellschaft von innen heraus zersetzt werden. Die zugrundeliegende Idee besteht darin, Informationen und gezielte Narrative bereitzustellen, um das allgemeine Weltbild zu verändern. Dies kann durch den Einsatz zum Nachdenken anregender Inhalte geschehen, um Entscheidungsprozesse zu beeinflussen. Die Methode zielt darauf ab, Inhalte zu kreieren, die sich in einer Gesellschaft wie von selbst ausbreiten. Dies erfordert eine psychografische Analyse kultureller Überzeugungen, spezifischer Einstellungen und Verhaltensweisen. Für die Überlegenheit in der kognitiven Kriegsführung sind narrative Dominanz, proaktives Framing und effektives Nudging entscheidend. Das Konzept ist nicht völlig neu, jedoch breiter und vielschichtiger angelegt als frühere Ansätze der Propagandakritik und des information warfare.

Um erfolgreich zu sein, muss die russische Führung in Westeuropa die Angst vor einem Krieg mit Russland schüren und eine devote Appeasement-Haltung fördern. Sie war dabei in den alten, westeuropäischen Staaten erfolgreicher als im Osten von Westeuropa, weil die dortigen Politiker durch ihre Erfahrungen mit der Sowjetunion zur Zeit der Breschnew-Doktrin traumatisch geprägt waren.

So berichte Kaja Kallas, wie sie im Februar 2023, als sie noch Ministerpräsidentin von Estland war, die Münchner Sicherheitskonferenz besuchte. Schon damals fiel ihr die ausgesprochen defätistische Haltung der westeuropäischen Politiker gegenüber Russland unangenehm auf:

„We had a very interesting dinner regarding Russia. (…) What was interesting was that I heard very high officials from Germany and Luxembourg [and other countries], say, ´Oh, we can´t do this because it would provoke them to use the nuclear weapon.´ (…)

I said there that if Russia is going to use [a] nuclear weapon, it´s going to be either on the Ukraine or on us, but not on Germany, not on Luxembourg. If we are not afraid, so shouldn´t you be. If Ukrainians are not afraid, you shouldn´t be either. (…)

So they know. They use this threat because they know that the westerners really are afraid of this. And if you look at the damage that they have [already] caused in Ukraine, it´s bigger than any nuclear bomb. (…)

Some are saying we shouldn´t talk about accountability, because then Putin is going to be the rat in the corner, and he has nothing to lose. So he will use [a] nuclear weapon, because he has no way out. (…) But I don´t really buy that argument, because then you say that if you [make] nuclear threats, you are beyond the law, and you can do anything. And that is a message that you don´t want to send to all the dictators around the world, that ´Well, we´re not going to touch you if you have a nuclear weapon.” (129)

Und an anderer Stelle erklärte Frau Kallas:

„I´ve been talking to [Macron], also [German chancellor] Scholz in particular. They don´t really see the threat if Russian wins here. (…) They hope that this will go away, and they don´t really realize that it´s here to stay. That´s a new normal. And we have t actually prepare.” (130)

Mit dem Schüren der Angst vor einem Atomkrieg durch ihre „nukleare Signalpolitik“ befeuert die russische Regierung erfolgreich - und unabhängig von ihren eigenen nuklearen Ambitionen - die Appeasement-Politik in Westeuropa.

Tönis Idarand vom International Centre for Defence and Security (ICDS) kam im Januar 2025 er zu folgender Einschätzung:

„Russian signalling, in particular its nuclear threats, has partly served the purpose so far. In an unprecedented situation of large scale conventional aggression shielded with nuclear threats, the west has tried to avoid an escalation by self-imposing red lines and being hesitant when calibrating its support to Ukraine. The high cost of such cautiousness is being paid by Ukraine.” (131)

So versuchte die russische Regierung wiederholt und permanent auf die westliche Militärhilfe für die Ukraine Einfluss zu nehmen, indem sie auf die Selbstabschreckung der NATO-Staaten setzte. Zwar wendete sie sich vergeblich gegen die Lieferung von Langstreckenmarschflugkörpern STORM SHADOW/SCALP oder die Stationierung von Jagdflugzeuge F-16 FIGHTING FALCON, aber erfolgreicher waren die Russen bei der Einschüchterung der rot-grünen Regierung in Berlin.

Das deutsche Angebot, bei Kriegsbeginn 500 Stahlhelme schicken zu wollen, ist bezeichnend für die schwachsinnige Militärexpertise in Kreisen der Bundesregierung. Später verzichtete die deutsche Bundesregierung auf die Lieferung von Marschflugkörpern TAURUS (500 km Reichweite). Der „linke Flügel“ der SPD um den Abgeordneten Ralf Alexander Stegner behauptete, eine mögliche Lieferung würde zu einer „Eskalation des Krieges“ führen. (https://www.deutschlandfunk.de/warum-die-bundesregierung-zoegert-100.html) Am 4. Dezember 2024 erklärte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor dem dösigen Bundestag: „Wir werden nicht erlauben, mit den gefährlichen Waffen, die wir geliefert haben, weit in das russische Hinterland hinein vorzugehen. Und das Gleiche gilt auch im Hinblick auf den Taurus-Marschflugkörper.“ (132) Mittlerweile haben die Ukrainer eigene Langstreckendrohnen entwickelt und setzten die Russen damit ökonomisch und psychologisch erheblich unter Druck.

So erfolgten Waffenlieferungen der NATO-Staaten i. d. R. in zu geringer Stückzahl und zu spät (engl: „too little and too late“) oder gar nicht. Außerdem waren die Waffenlieferungen mit z. T. absurden Auflagen für ihre Nutzung verbunden. So untersagte die U.S. Regierung die Benutzung amerikanischer Flugkörper zur Bekämpfung von Zielen auf russischem Territorium. So mussten die ukrainischen Streitkräfte zuschauen, wie die Russen aus ihren Stellungen die ukrainischen Städte beschossen, während sie gegen die gegnerischen Angriffsstellungen nicht vorgehen durften. Diese Auflage wurde erst im November 2024 aufgehoben.

Außerdem forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 4. März 2022 die Errichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine durch die NATO, die die ukrainischen Städte und ihre Zivilbevölkerung vor russischen Angriffen geschützt hätte. Allerdings entschieden sich die NATO-Außenminister am selben Tag gegen eine solche „no-fly zone“ (NFZ). Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) stimmte ebenfalls gegen eine solche Flugverbotszone: „Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren. So sehr es uns das Herz zerreißt“, laberte die Tussi auf „X“. (133) Man müsse hier „zwischen Pest und Cholera“ wählen, erklärte die Grüne. Selenskyj charakterisierte die NATO-Sitzung anschließend als „schwach“ und „konfus“. Anschließend wollte man die Ukraine nicht einmal mit gebrauchten Abfangjägern MiG-29 (NATO-Code: FULCRUM) beliefern. Erst 2023 lieferte Polen 14 MiG-29-Kampfjets nach Kijiw, am 2. Februar 2025 lieferte Frankreich MIRAGE 2000-5 und 2026 lieferte Belgien mehrere F-16 FIGHTING FALCON, die die eigene Luftwaffe ausmusterte. (134)

Auch eine Stationierung von NATO-Schutztruppen, wie es die polnische Regierung am 15. März 2022 gefordert hatte, kam nicht zustande. Die NATO-Verteidigungsminister weigerten sich, darüber auch nur zu verhandeln. Die damalige deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) heuchelte am 16. März 2022: „Wir unterstützen diese so mutigen Ukrainer in ihrem Kampf gegen Russland. Wir müssen aber auch mit kühlem Kopf darauf achten, dass dieser Krieg nicht zu einem Krieg der Nato wird." (135) Und Bundeskanzler Olaf Scholz fügte am April 2022 in einem „Spiegel“-Interview hinzu, in dieser Lage brauche es „einen kühlen Kopf und gut abgewogene Entscheidungen, denn unser Land trägt Verantwortung für Frieden und Sicherheit in ganz Europa“. (136) So wollten schließlich alle Politiker der Ampel-Koalition einen „kühlen Kopf“ bewahren, solange, wie es dauert.

NATO und EU konnten in viereinhalb Jahren Krieg - trotz anders lautender Erklärungen - noch nicht einmal effektive Sanktionen gegen Russland vollständig verhängen und durchsetzen.

Schaut man sich den heutigen Zustand der NATO-Allianz an, muss man sich fragen, wie ist es möglich, dass die NATO erst in vier oder fünf Jahren militärisch verteidigungsfähig ist, vorausgesetzt, es wird Milliarde um Milliarde in die Rüstung investiert. Hinzu kommt, dass die NATO mit ihren rund 100 amerikanischen Nuklearbomben dem russischen Nuklearpotential aus rund 1.900 bis 2.000 non-strategischen Atomwaffen maßlos unterlegen ist. Dies gilt für den Kurzstreckenbereich bis 500 km, als auch für den Mittelstreckenbereich bis 3.000 km. Man fragt sich, wie die Politiker der NATO-Staaten eine solche Entwicklung zulassen konnten. So bewegt sich die Politik der Christdemokraten und Sozialdemokraten, die sich in ihrer Parteipropaganda immer als Vaterlandsverteidigungsenthusiasten darstellen und so wahrgenommen werden wollen, am Rande des Hochverrats.

Erst am 10. Juli 2024 hat die Trump-Regierung beim NATO-Gipfel in Washington eine Aufstockung des U.S. Atompotentials durch die Stationierung von Mittelstreckenwaffen angekündigt. Die ersten Systeme (TOMAHAWK, STANDARD MISSILE SM-6, etc.) sollten 2026 bei der Multi Domain Task Force in der BRD disloziert werden, aber damit ist wohl dieses Jahr nicht mehr zu rechnen. (137) Die U.S. Regierung hat ihr Angebot mittlerweile dahingehend revidiert, dass die Systeme erst später disloziert werden, außerdem sollen sie von den Europäern bezahlt werden. Während sich die NATO sich in ihrer Nuklearrüstung auffallend zurückhielt, preschte die russische Regierung zuletzt dadurch vor, dass sie u. a. Atomwaffen in Belarus stationierte.

Nicht zuletzt lieferte die U.S. Regierung im Jahr 2023 31 Kampfpanzer vom Typ M1A1 ABRAMS, die bei der 47. Mechanisierten Brigade „Magura“ zum Einsatz kamen. Hinzu kamen Ende August 2025 weitere 49 australische Kampfpanzer M1A1 AIM/SA ABRAMS, die beim 425. Sturmregiment „Skala“ eingesetzt wurden. (138) Diese Panzer verschießen u. a. Uran-gehärtete Granaten M829 (120-mm). Da Uran eine hohe Dichte aufweist, haben diese Granaten eine hohe Durchschlagskraft. Sie werden aus abgereichertem Uran (engl.: Depleted Uranium – DU) hergestellt. Durch die Hitzeentwicklung beim Aufschlag der Granaten und dem folgenden (Explosions-)Brand werden lokal begrenzt radioaktive Partikel freigesetzt. Diese Art der „Atomgranaten“ fällt nicht unter die Rubrik der „Atomwaffen“, da sie keine Kettenreaktion hoher Energie auslösen, vielmehr gelten sie als konventionelle Granaten.

Entgehen der „zurückhaltenden“ Haltung der NATO, erklärte der Vorsitzende ihres Militärausschusses (int.: Military Committee – MC) der NATO, der niederländische Admiral Robert Peter „Rob“ Bauer, am 10. November 2024, er sei sicher, wenn die Russen keine Atomwaffen besitzen würden, NATO “would have been in Ukraine, kicking them out.” Immerhin gibt es in Wiesbaden-Erbenheim seit dem 12. Juli 2024 ein Verbindungskommando NATO Security Assistance and Training for Ukraine (NSATU), das dem Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Mons/Casteau (Belgien) unterstellt ist.

Zerstörung russischer Trägersysteme durch ukrainische Angriffe

Da die Ukraine von den NATO-Staaten nur eine begrenzte Zahl von Flugkörpern mit einer limitierten Reichweite bekommen konnte, haben die Ukrainer mittlerweile eigene Marschflugkörper für den Langstreckenbereich entwickelt, mit denen sie Ziele im Hinterland des Feindes angreifen und zerstören können, wie z. B. Fire Point FP-5 FLAMINGO (Reichweite 3.000 km), FP-7 (200 km) und FP-9 (über 850 km).

Seit Kriegsbeginn haben die ukrainischen Streitkräfte und Nachrichtendienste wiederholt schwere Schläge gegen das russische Atomwaffenarsenal ausüben können. Diese zielten nicht nur auf die Atomwaffen im engeren Sinne, sondern auf die Fähigkeit der Russen, einen Atomkrieg führen zu können. So zielten die ukrainischen Angriffe auch auf Frühwarnstationen, Aufklärungsflugzeuge, fliegende Kommandozentralen, Bomberbasen, Produktionsanlagen und Funktionsträger:

- 5. Dezember 2022: Am Montag, den 5. Dezember 2022, griffen die ukrainische Streitkräfte zum ersten Mal mit drei bis vier Marschflugkörpern Tupolew M-141 STRISCH zwei strategische Bomberbasen in Russland an. Es handelte sich um die Militärbasen Djagiljewo bei Rjasan und ENGELS-2 bei Saratow.

Auf dem früheren Fliegerhorst Nr. 6954 in Djagiljewo ist das 43. Ausbildungszentrum (43-y Tsentr boyevoy podgotovki i pereuchivaniya lyotnogo sostava dalney aviatsii - 43 TsBP PLS DA) mit Langstreckenbomber Tupolew Tu-95MS und Mittelstrecken-Schwenkflügelbombern vom Typ Tupolew Tu-22M3 (NATO-Code: BACKFIRE). Hinzu kommen mehrere Tankflugzeuge vom Typ Iljuschin Il-78 (NATO-Code: MIDAS). Aufgrund der Größe der Bomber und Tanker können diese nicht in verbunkerten AU-Sheltern (Arotschnoe Ukrütije), sondern bestenfalls in Wartungshallen abgestellt werden. Bei dem Luftangriff auf Djagiljewo wurde ein Tanklaster mit Kerosin auf dem Rollfeld getroffen. Bei dessen Explosion starben drei Soldaten des technischen Personals, vier bis fünf Soldaten wurden verletzt. Auch ein Bomber wurde - nach Angaben des ukrainischen Nachrichtenportals „Kyiv Independent“ - beschädigt. (139)

Auf dem Fliegerhorst ENGELS-2 (frühere Nr. des Fliegerhorstes: 6950) ist die 22. Schwere Fernfliegerdivision (22-ya Tyazhelaya bombardirovochnaya aviatsionnaya diviziya – 22-ya GvTBAD) stationiert. Das 121. Garde Schwere Bomberregiment (121-y GvTBAP) verfügt über eine Staffel mit rund ein Dutzend Tupolew Tu-95MS16 (NATO-Code: BEAR-H16) und eine Staffel mit allen vorhandenen, sechzehn 16 Tu-160 (NATO-Code: BLACKJACK). Hinzu kommen mehrere Tankflugzeuge. Außerdem befindet sich südlich des Fliegerhorstes ein großes Atombombenlager Sklad osobykh boyepripasov (wörtlich: spezielles Munitionsdepot) für Atombomben TN-1000, TN-1200, etc. und nukleare Luft-Boden-Flugkörper (Kh-55M/Kh-55SM [NATO-Code: AS-15A/B KENT-A/B]) mit einem Sprengkopf von 200 KT, Kh-102 [NATO-Code: AS-23B KODIAK-B] mit 250 KT, etc.). Bei dem Angriff auf die Basis ENGELS-2 wurden zwei Bomber/Aufklärer vom Typ Tupolew Tu-95 – nach Angaben der russischen Propaganda – an der Außenhaut „leicht“ beschädigt. Außerdem wurde ein Teil der Infrastruktur des Fliegerhorstes zerstört. (140)

- 26. Dezember 2023: Am 26. Dezember 2023 griffen die ukrainischen Streitkräfte erneut den Luftstützpunkt ENGELS-2 an. Die russische Flugabwehr gab bekannt, man habe eine Drohne abgeschossen, durch Trümmerteile seien drei russische Soldaten verletzt worden.

- 19. August 2023: Am Samstag, den 19. August 2023, wurde die Bomberbasis in SOLTSY-2 bei Nowgorod mit einer ukrainischen Multicopter-Drohne angegriffen. Dabei wurde ein Mittelstreckenbomber vom Typ Tu-22M3 BACKFIRE durch einen Brand zerstört und zwei weitere Bomber beschädigt. In SOLTSY-2 war zuletzt das 40. Fliegerregiment der 22. Schweren Garde-Bomberdivision mit rund zehn Maschinen disloziert. Nach dem Angriff wurden die Bomber auf den Fliegerhorst Olenya bei Olenogorsk in den Norden Russlands verlegt. Auf dieser Bomberbasis sind u. a. das 924. Seeaufklärungsregiment und das 967. Fernaufklärungsregiment mit Tu-22M BACKFIRE disloziert.

- 20. März 2024: In der Nacht zum 20. März haben die ukrainischen Streitkräfte erneut die Bomberbasis ENGELS-2 bei Saratow angegriffen. Mindestens zwei bis vier Drohnen wurden auf die Stadt bzw. ihren Fliegerhorst abgefeuert. Zum Typ der eingesetzten Drohnen wurden keine Angaben gemacht. Nach ukrainischen Angaben wurden in ENGELS-2 drei Bomber des Typs Tu-95 BEAR beschädigt. Dabei seien auch sieben russische Soldaten getötet worden.

- 29. März 2024: Am 29. März 2024 wurden mehrere Fliegerhorste gleichzeitig attackiert: die Bomberbasis Djagiljewo sowie der Fliegerhorst Morosowk bei Rostow. In Morosowsk waren 29 Flugzeuge stationiert. Es handelt sich um nuklearfähige Jagdbomber der Typen Su-24(M) FENCER, Su-27 FLANKER und Su-34 FULLBACK sowie Erdkampfunterstützungsflugzeuge Su-25 FROGFOOT. Die FENCER gehören zum 559. Bomberregiment der 1. Gardefliegerdivision. Über die Schäden gab es keine zuverlässigen Angaben. Die ukrainische Seite sprach zunächst davon, dass auf dem Fliegerhorst in Morosowsk sechs Maschinen zerstört und weitere acht erheblich beschädigt worden seien, später war sogar von neunzehn getroffenen Kampfflugzeugen die Rede. Außerdem sollen 20 russische Soldaten umgekommen sein.

- 28. September 2024: Die Ukrainer griffen bei Twer ein Militärdepot an, in dem Boden-Boden-Raketen KN-23 und Flugabwehrraketen S-300 und S-400 gelagert waren. Einen Hinweis auf das Lager hatten die Ukrainer vom CIA erhalten.

- 8. Januar 2025: Die Ukrainer griffen den Flughafen ENGELS-2 mit Drohnen an. Dabei wurde ein Tanklager getroffen. Der Brand konnte erst nach fünf Tagen gelöscht werden.

- 14. Januar 2025: Erneuter Drohnenangriff auf das Öllager des Flughafens ENGELS-2.

- 20. März 2025: Die Ukrainer griffen das Munitionslager des Fliegerhorstes ENGELS-2 mit Drohnen an. Dabei wurden mindestens zwei Drittel der Lagergebäude zerstört. In Folge des Angriffs wurden kürzlich auf dem Fliegerhorst zum Schutz der Bomber mehrere große Hangars (63 x 63 m) errichtet.

- 30. April 2025: Am 30. April 2025 folgte ein weiterer Angriff auf den Fliegerhorst Jeisk bei Krasnodar. Nach ukrainischen Angaben wurden zwei nuklearfähige Erdkampfunterstützungsflugzeuge vom Typ Su-25 (NATO-Code: FROGFOOT) zerstört und möglicherweise vier Soldaten getötet.

- 1. Juni 2025: Am 1. Juni 2025 führte der ukrainische Nachrichtendienst Sluschba bespeky Ukrajiny (SBU) erfolgreich einen Angriff auf die russischen Bomberbasen durch – Operation PAWUTYNA (dt.: Operation SPINNENNETZ). Bei dieser umfassenden Operation wurden zeitgleich sechs strategische Bomberbasen mit 117 Drohnen vom Typ OSA (Sprengladung 3,2 kg) angegriffen und – nach unterschiedlichen Angaben – 30 bis 41 Flugzeuge zerstört bzw. beschädigt, darunter mindestens zehn Bomber (Tu-95 und Tu-22M3) und ein Transportflugzeug An-12. Sofern die getroffenen Bomber mit Marschflugkörpern Kh-101 bestückt waren, wurden auch diese vernichtet. Zu den fünf Zielen gehörten die Bomberbasen Olenja bei Murmansk (4 Tu-95, 1 An-12), Iwanowo-Sewerny, Djagilewo bei Rjasan (das Flughafengebäude geriet in Brand, aber die dort dislozierten Tu-95 und Tu-22M blieben anscheinend unversehrt), Belaja bei Irkutsk (3 bis 4 Tu-22M) und Ukrainka bei Seryschewo.

Die Bomberbasis Olenja liegt bei Olenogorsk auf der Kola-Halbinsel rund 150 km von Finnland entfernt. Der Marinestützpunkt Olenja-Guba beherbergt einen Fliegerhorst, der auch von der Strategischen Fernbomberflotte genutzt wird. Hier sind u. a. Tu-22M3 (BACKFIRE), Tu-95MS (BEAR), manchmal Tu-160 BLACKJACK und verschiedene taktische Kampfflugzeuge (Mig-27 [FLOGGER-D], MiG-31BM [FOXHOUND] des 458. Jagdfliegerregiment und Su-25 [FROGFOOT] des 88. selbständiges Marinejagdbomberregiment) stationiert. Die Tu-22M3 gehören zum 924. Seeaufklärungsregiment oder zum 967. Fernaufklärungsregiment. Der Fliegerhorst wurde in letzter Zeit ausgebaut.

In Belaja ist das 200. Schweren Garde-Bomberregiments stationiert. Der Angriff auf den Luftstützpunkt Ukrainka scheiterte, weil der Lkw mit den Drohnen in Brand geriet, dabei wurde der Fahrer getötet.

Die Drohnen wurden von Lkws aus abgefeuert, die in Russland disloziert worden waren:

„Der Leiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU, Wassyl Maljuk, plante die Operation ab Dezember 2023. Laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform wurde Präsident Selenskyj über den Verlauf der Operation stets auf dem Laufenden gehalten. Für die Ausführung der Operation war der SBU-Agent Artem Tymofeew (* Dezember 1987) verantwortlich. Laut russischen Medien zog der Kiewer, tätig als DJ, 2018 mit seiner Ehefrau in die Oblast Tscheljabinsk. Weil auch Verwandte von ihnen in Russland leben, erhielten sie russische Pässe. Im Oktober 2024 gründete Tymofeew eine Spedition; im Dezember 2024 kaufte er mehrere LKWs. Die Drohnenteile und der Sprengstoff wurden aus Kasachstan in die für den Plan zentral gelegene Millionenstadt Tscheljabinsk am Ural gebracht, dort in einer Lagerhalle montiert und in Containern versteckt. Die Container wurden als sogenannte Tiny Houses gestaltet und mit einem automatisch öffnenden Dach mit doppeltem Boden ausgestattet, in dem die Drohnen untergebracht waren. Die Container wurden von beauftragten (unwissenden) russischen Fahrern auf den LKWs in die Nähe der Ziele gefahren. In sozialen Netzwerken sind Aufnahmen zu sehen, wie die als Kampfdrohnen ausgerüsteten Quadrocopter aus den per Fernsteuerung geöffneten Dächern der Container aufsteigen. Bilder der Drohnen wurden offenbar über das russische Mobilfunknetz übertragen. Die Drohnen waren laut Medien mit einer eigenständigen, nicht ferngesteuerten Zielerkennung versehen. Um dieses automatische Steuerungssystem mit Hilfe von maschinellem Lernen zu programmieren, nutzte der SBU laut mehreren Medien die in einem Luftfahrtmuseum in Poltawa lagernden Sowjetbomber der Typen Tu-95MS, Tu-160 und Tu-22M3. Die Drohnensteuerung soll dort auf die Radarprofile, visuelle Marker und Strukturen der Flugzeuge angelernt worden sein. (141)

Aus Anlass des schweren Angriffs auf die russischen Fernfliegerkräfte telefonierte U.S. Präsident Donald John Trump am 4. Juni 2025 mit dem russischen Präsidenten Wladimir Wladirowitsch Putin. Dazu erklärte Trump:

“I just finished speaking, by telephone, with President Vladimir Putin, of Russia. (…) The call lasted approximately one hour and 15 minutes. We discussed the attack on Russia's docked airplanes, by Ukraine, and also various other attacks that have been taking place by both sides." (142)

- Juli 2026: Im Juli 2026 riss eine ukrainische Drohne des Geheimdienstes SBU einem Tu-95-Bomber auf dem Fliegerhorst ENGELS-2 das Heck ab.

- Ende August 2026: Ende August 2026 griff der ukrainische Geheimdienst SBU mit Drohnen vom Typ MICH-2000 erneut die russische Bomberbasis ENGELS-2 an. Dabei wurden zwei Tu-95 beschädigt, so wurden einem Bomber Teile des rechten Flügels abgerissen.

Sonstige Angriffe der Ukrainer auf die russischen Nuklearstreitkräfte

Die ukrainischen Angriffe zielten nicht nur auf die Atomwaffenträgersysteme, sondern auf die Fähigkeit der Russen, einen Atomkrieg führen zu können. So griffen die Ukrainer strategische Frühwarnstationen, Aufklärungsflugzeuge, fliegende Kommandozentralen, Produktionsanlagen und Funktionsträger an:

- Frühwarnanlagen

Um einen amerikanischen atomaren Raketen- oder Bomberangriff möglichst frühzeitig erkennen zu können, unterhalten die Russen ein gestaffeltes Warnsystem: Sistema preduprezhdeniya o raketnom napadenii (SPRN). (143) Seine Kommandostände sind über das Fernmeldesystem CROCUS-YP (and. Bez.: 90A6-YP) miteinander verbunden.

So verfügen die Weltraumtruppen (Kosmitscheskije Woiska) der russischen Streitkräfte über mehrere Frühwarnsatelliten vom Typ Yedinaya kosmicheskaya sistema TUNDRA [GRAU-Index: 14F142]) (and. Bez.: KUPOL oder Edinaya Kosmicheskaya Sistema - EKS) stationiert. Allerdings waren im Februar 2022 erst sechs von geplanten zehn Satelliten (KOSMOS 2510, KOSMOS 2563, etc.) im Einsatz. Mit diesem Satellitentyp gibt es – wie mit dem Vorgängermodell OKA – immer wieder technische Probleme. Sie erfassen den Feuerschweif einer aufsteigenden Rakete so früh wie möglich, wenn die Rakete mit ihrem Feuerstrahl die Wolkendecke durchbricht. Die weitere ballistische Bahn der Raketen wird von den Satelliten verfolgt, damit die Warnzentralen am Boden mit ihren Computern die Einschlagsziele der Mehrfachsprengköpfe – soweit wie möglich — vorausberechnen können. Damit eine Fehlfunktion ausgeschlossen werden kann, die einen „accidental war“ auslösen könnte, muss deren Warnmeldung durch terrestrische Bodenradare bestätigt werden. So haben die Russen rund um ihr Territorium neun bis zehn strategische Frühwarnradaranlagen des Typs WORONESCH (vier Varianten: M, DM, SM, VP) mit einer Reichweite von jeweils 6.000 km aufgebaut, die 15 Minuten nach dem Raketenstart den Flugkörper erfassen können. Hinzu kommen zwei OTH-Radaranlagen vom Typ 29B6 KONTEYNER mit einer Reichweite von bis zu 3.000 km. Die eine Sendeanlage ist in Gorodets bei Nischni Nowgorod mit einer Empfangsanlage in Kowylkino (Mordwinien), sie deckt Bomber- oder Flugkörperangriffe aus den Richtungen Europe, Nordafrika und Naher Osten ab. Die zweite Sendeanlage ist seit 2022 am Flughafen in Seja (Amur Oblast) installiert und deckt den Bereich westlicher bzw. nördlicher Iran ab.

Zusätzlich zu den Satelliten liefern die Bodenradarstationen weitere Informationen über die ballistische Raketenflugbahn. Die eingehenden Radardaten werden dann an eines der beiden regionalen Hauptquartier gemeldet. Für Westrussland ist dies die „916. Selbstständige Funktechnische Einheit“ (916-y otdel'nyy radiotekhnicheskiy uzel) mit ihren acht Radardomen in SERPUCHOW-15 bei Kaluga. Das östliche Warnzentrum befindet sich bei Charbarowsk. Diese leitet die Warnmeldung weiter an das „820. Hauptzentrum zur Frühwarnung vor einem Raketenüberfall“ (russ.: 820-й Glavnyy tsentr preduprezhdeniya o raketnom napadenii — GTS PRN) (Militäreinheit 26302) in SOLNETSCHNOGORSK-7 bei der Ortschaft Timonowo im Raum Moskau informiert. Dessen Lagezentrum ist unter der Bezeichnung „514 Kommandostand“ (514-y komandnyy punkt Sistemy preduprezhdeniya o raketnom napadenii) (Militäreinheit 112556) bekannt. Ein Ausweichgefechtsstand ist KOLOMNA-1 (and. Bez.: SOSNOWY BOR) in Kolomna bei Moskau. Hier ist die Militäreinheit 17204 stationiert. Gleichzeitig werden die nationale Militär- und Politikführung informiert, damit sie in der verbleibenden Zeit von ca. 10 bis 15 Minuten über einen nuklearen Gegenschlag beraten und entscheiden kann und ein entsprechender Befehl noch an die strategischen Atomstreitkräfte erteilt und ausgeführt werden kann.

Im Mai 2024 griffen die Ukrainer mit Drohnen zwei terrestrische Frühwarnanlagen an. Es handelte sich um die ORTU-Radaranlagen der „818. Selbstständige Funktechnische Einheit“ (818-y otdel'nyy radiotekhnicheskiy uzel) (Militäreinheit 41003) in ARMAWIR-18 und der „514. Selbstständige Funktechnische Einheit“ (541-y otdel'nyy radiotekhnicheskiy uzel) (Militäreinheit 84194) in Orsk:

Am 23. Mai 2024 wurde eines der beiden WORONESCH-DM-Radaranlagen (GRAU-Index: 74YA6-DM) in Armawir im Süden Russlands erheblich beschädigt. Die Radiolokatsionnaya Stantsiya auf dem auf dem Baronowski-Flugfeld deckt den südwestlichen Luftraum ab und konnte die früheren Sowjet-Radare in der heutigen Ukraine, die bis 2009 im Einsatz waren, ersetzen, das zweite ist nach Südosten ausgerichtet und ersetzt die alte Radarstation Qəbələ in Aserbaidschan, die Ende 2012 geschlossen wurde. Sie sind seit April 2015 in Betrieb und sollen vor Raketenangriffen warnen, die von amerikanischen Atom-U-Booten aus den Richtungen Mittelmeer oder Persischer Golf abgefeuert werden.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 2024 wurde das WORONESCH-M-Radar (GRAU-Index: (77Ya6-M) in Orsk bei Orenburg ebenfalls durch einen Drohnenangriff des ukrainischen Militärgeheimdienstes Hulurtschyna rozvidky (HUR) beschädigt. Die Anlage ist seit Dezember 2017 Betrieb, sie warnt vor Raketenangriffen amerikanischer Atom-U-Boote aus dem Bereich Indischer Ozean.

- Aufklärungsflugzeuge

Die Berijew A-50 SCHMEL (NATO-Code: MAINSTAY) ist – wie die amerikanischen E-3A SENTRY (AWACS) ein Luftraumüberwachungs- und Kommandoflugzeug. Im Jahr 2023 verfügte die russische Luftwaffe noch über 9 bis 12  Exemplare.

Am 26. Februar 2023 griff ein ukrainisches Widerstandskommando mit Drohnen eine A-50U mit der Registriernummer RF-50608 auf dem belarussischen Militärflugplatz Matschulischtschy bei Minsk an. Dabei sollen das Cockpit und das Radom des Flugzeuges schwer beschädigt worden sein. (144)

Am 14. Januar 2024 schossen die ukrainischen Streitkräfte eine A-50U (Registriernummer: RF-50601) über dem Asowschen Meer ab.

Am 23. Februar 2024 erfolgte ein weiterer Abschuss einer russischen A-50U durch eine ukrainische FlaRak S-200 zwischen den Städten Rostow am Don und Krasnodar. Die Russen behaupteten, die Maschine sei durch „friendly fire“ abgestürzt.

Am 9. März 2024 erfolgte ein ukrainischer Drohnenangriff auf den Militärflugplatz Taganrog, wo sich das Stammwerk des Herstellers „Berijew“ befindet. In dem Werk wurde eine A-50, die sich dort zur Wartung befand, beschädigt.

Am 1. Juni 2025 führten die ukrainischen Nachrichtendienste erfolgreich einen Angriff auf die russischen Bomberbasen durch – Operation PAWUTYNA (dt.: Operation SPINNENNETZ). Dabei wurden auch ein bis zwei Frühwarnflugzeuge vom Typ A-50 auf dem Fliegerhorst Iwanowo-Sewerny beschädigt oder zerstört. Vermutlich besitzt die russische Luftwaffe nur noch drei oder vier Maschinen dieses Typs.

- Kommandozentralen

Ein Teil der Atomstreitkräfte am Boden und zu Wasser ist jederzeit in einem hohen Zustand der Einsatzbereitschaft. Die Raketenarmeen und -Divisionen werden durch unterirdische Kommandozentralen geführt; für den Fall eines verheerenden Überraschungsangriffes halten die führenden Atommächte ständig eine kleine Zahl hochleistungsfähiger Kommandoflugzeuge weltweit in der Luft sind, die auf jede Krisenentwicklung reagieren und im Kriegsfall die Führung der Raketen- und Bomberverbände übernehmen können.

So betreiben die russischen Streitkräfte mehrere Flugzeuge, die im Kriegsfall aufgrund ihrer elektronischen Ausstattung als fliegende Kommandozentralen (russ.: Punkt Uprawlenija - PU) dienen können:

- 4 Iljuschin Il-80 EIMAK (and. Bez,: Il-86VKP (VKP = Vozdushnyy komandnyy punkt = luftgestützter Gefechtsstand) (NATO-Code: MAXDOME bzw. CAMBER) mit den Kennzeichen CCCP-86146 bis CCCP-86149. Sie gehören zum Bestand der 8. Fliegerdivision zur besonderen Verwendung (8-y aviatsionnoy divizii osobogo naznacheniya), die auf dem Fliegerhorst Tschakalowski nördlich von Moskau stationiert ist.

- 3 Iljuschin Il-96-300PU der 8. Fliegerdivision zur besonderen Verwendung in Tschakalowski, Die aktuellen und ausgesonderten Maschinen tragen/trugen die Kennzeichen RA-86147, RA-86148, RA-86149, RA-96012, RA-96018, RA-96019, RA-96020, RA-96021, RA-96022 und RA-96023.

- 2 Tu-214PU der Sonderflugstaffel „Rossija“ (Spetsial'nyy lotnyy otryad „Rossiya“). Es handelt sich um das offizielle Regierungsflugzeug des russischen Präsidenten. Die Maschinen tragen wechselnde Kennzeichen RA-64517, RA-64520, RA-64521, RA-64523 (mit blauem Seitenstreifen), RA-64531 (ohne Sattelantenne auf dem Rumpfrücken) und RA-64533 (ohne Sattelantenne auf dem Rumpfrücken). Die Sonderstaffel „Rossija“ verfügt über rund 40 Flugzeuge und Hubschrauber. Sie ist auf dem Flughafen Wnukovo in Moskau stationiert. (145)

- 2 Tu-214PU-SBUS (= Punkt Uprawlenija - spetsyalnyi Bortovoy Uzel Svyazi): Es handelt sich um zwei Kommandoflugzeuge mit einem speziellen Bordsprechsystem, die für das russische Verteidigungsministerium hergestellt wurden. Eine Maschine verwendet der Verteidigungsminister, das andere Flugzeug der Generalstabschef. Die Maschinen gehören ebenfalls zum Bestand der 8. Fliegerdivision auf dem Fliegerhorst Tschakalowski. Sie tragen die Registriernummmern RA-64529 und RA-64530.

- 1 Tu-214VPU (Vozdushnyi Punkt Uprawlenija). Es handelt sich um den fliegenden Gefechtsstand des Inlandsnachrichtendienstes FSB mit der Registriernummer RA-64523.

- mindestens 2 Tu-214SUS (SUS = Samoljot uslow saiwasi). Sie werden aufgrund der geographischen Ausdehnung Russlands als Relaisflugzeuge eingesetzt, um die Einsatzbefehle der fliegenden Kommandostände an entfernte Truppenverbände weiterzuleiten. Die „Rossija“-Staffel verfügt über mindestens zwei Exemplare - RA-64522 und RA-64524.

- mindestens 5 Tu-214SR (Samolyet Retranslyator): Dabei handelt es sich ebenfalls um Relais-Flugzeuge der „Rossija“-Staffel. Bekannt wurden die sechs Registriernummern RA-64515, RA-64516, RA-64517, RA-64526, RA-64527 und RA-64528.

Außerdem gibt es zwei bis drei Tu-214R (and. Bez.: FRAKCIYA-4) (Registriernummern RA-64511 und R-64514), eine Spezialversion für die Elektronische Aufklärung (ELINT) mit mehreren Radomen auf dem Rücken. Nicht zuletzt gab es mit der Version TU-214ON zwei „Open Sky“-Inspektionsflugzeuge (Registriernummern RA-64519 und RA-64525).

Wiederholt gab es ukrainische Angriffe auf den Fliegerhorst Tschakalowski:

- September 2023: Im September 2023 drangen Saboteure unbemerkt auf das streng bewachte Gelände ein und brachten mehrere Sprengsätze an. Dabei wurden ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Iljuschin Il-20 (NATO-Code: COOT), eine Transportmaschine des Typs Antonov An-148 sowie ein Kampfhubschrauber vom Typ Mil Mi-28N (NATO-Code: HAVOC) schwer beschädigt oder zerstört.

- 12. August 2024: In der Nacht zum 12. August 2024 wurde Tschkalowski Ziel eines ukrainischen Drohnenangriffs. Über das Ausmaß der Schäden liegen keine Angaben vor. Strategische Kommandoflugzeuge wurden bei den Angriffen – soweit bekannt – nicht beschädigt oder zerstört.

Der Moskauer Stadtflughafen Wnukowo mussten durch die massiven Drohnenangriffe gegen die russische Hauptstadt mehrfach geschlossen werden, so dass die Regierungsstaffel mittelbar betroffen war.

- Juli 2023: Bereits im Juli 2023 gab es die ersten zwei gezielten Drohnenangriffe nahe Wnukowo, bei denen ankommende, zivile Passagiermaschinen aus Sicherheitsgründen zu anderen Flughäfen umgeleitet werden mussten.

- 18. Juni 2026: Bei einem der größten Drohnenangriffe wurden laut Behördenangaben fast 200 Drohnen im Großraum Moskau abgefangen. Der Betrieb in Wnukowo und allen anderen Hauptstadtflughäfen musste komplett eingestellt werden.

- August 2026. Durch die ukrainische Drohnen-Sommeroffensive war Wnukowo besonders betroffen. An manchen Tagen mussten dutzende Flüge gestrichen oder umgeleitet werden,

- Funktionsträger

Unter den russischen Schweinegeneräle, die während des Krieges getötet wurden, befanden sich auch zwei Militärs, die nicht nur auf Grund ihrer Kommandofunktion, sondern direkt einen Nuklearbezug hatten:

Am 17. Dezember 2026 wurde Generalleutnant Igor Anatoljewitsch Kirillow, seit 2017 Kommandeur der russischen ABC-Abwehrtruppen (Voyska radiatsionnoy, khimicheskoy i biologicheskoy zashchity Vooruzhonnykh sil Rossiyskoy Federatsii - Voyska RKHB), und sein Adjutant getötet, als vor seiner Privatwohnung in Moskau eine Bombe explodierte. Der SBU machte Kirillow für – nach ukrainischen Angaben – mehr als 4.800 Chemiewaffeneinsätze verantwortlich. Außerdem verbreitete er die Falschmeldung, die Ukrainer arbeiteten an einer „schmutzigen Bombe“. (146)

Am 3. September 2026 wurde General Nikolai Warpachowitsch, seit 2021 Kommandeur der 22. Garde-Schwerbomberdivision auf dem Militärflugplatz ENGELS-2, mit zwei Kopfschüssen getötet. Er war verantwortlich für einen Angriff auf das Kinderkrankenhaus Ochmatdyt in Kijiw am 8. Juli 2024. Auch sein Fahrer wurde bei dem Attentat verletzt. (147)

U.S. Gegenmaßnahmen

- Militärpolitisches Tiger Team

Einen Tag nachdem Präsident Putin am 27. Februar 2022 seine Atomstreitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt hatte, setzte der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan ein „Tiger Team“ beim damaligen National Security Council (NSC) ein. Es prüft für das Weiße Haus Worst-Case-Szenarien und mögliche Reaktionen des Westens für den Fall, dass der Idiot im Kreml        
1. ABC-Waffen einsetzen sollte,       
2. das NATO-Territorium durch einen SUPER-GAU in einem ukrainischen Atomkraftwerk massiv in Mitleidenschaft gezogen wird, was im Schadensausmaß quasi einem direkten Angriff gleich käme,     
3. NATO-Mitgliedsstaaten angreifen sollte, 
4. auf das NATO-Grenzgebiet vordringen sollte, um Konvois mit Waffenlieferungen oder humanitäre Transporte anzugreifen,        
5. Sabotagekommandos oder Cyberangriffe im Rahmen der sogenannten Hybriden Kriegführung aktivieren sollte,  
6. Moldawien oder Georgien angreifen sollte,         
7. durch fehlgeleiteten Beschuss NATO-Gebiet - mehr oder weniger unabsichtlich – getroffen wird.

Das „Tiger Team“ soll verschiedene Szenarien durchspielen, um mögliche Handlungsoptionen und ihre Folgen aufzuzeigen. Es geht es um die Entwicklung entsprechender, streng geheimer Contingency Plans (CONPLANs). (https://en.wikipedia.org/wiki/Contingency_plan) Dabei geht es um die Erörterung existentieller strategischer Fragen: Stellt ein absichtlich herbeigeführter SUPER-GAU einen „Angriff“ im Sinne des Artikel 5 des Washingtoner Vertrages dar oder nicht? Zur Klärung dieser Fragen traf sich das Team dreimal wöchentlich in Washington D. C..

Die Arbeit des „Tiger Teams“ war/ist mit fundamentalen Problemen behaftet. So weigerte sich die Militärspitze des Pentagons den zivilen Experten des „Tiger Teams“ einen tieferen Einblick in ihre Nuklearkriegsplanung für das Kriegstheater Europa zu gewähren. Ein weiteres Problem ist, dass die Arbeitsgruppe zwar Szenarios entwickeln kann, aber ob sich die Russen gewissermaßen an die „Spielregeln“ halten, ist völlig offen. Ein scheinbar unergründbares Problem ist, dass Wladimir Putin zwar nicht allein auf den „roten Knopf“ drücken kann, aber der Verteidigungsminister und Operettengeneral Sergei Kuschugetowitsch Schoigu und Generalstabschef Armeegeneral Waleri Wassiljewitsch Gerassimow nicht unbedingt ein zuverlässiges Korrektiv darstellen. Nicht zuletzt muss die NATO aufpassen, dass sie nicht in eine kontraproduktive „self-fullfilling prophecy“ hineinläuft. (148)

- Alarmierung des NC3IS

Die USA verfügen als frühere „Supermacht“ über ein ebenso komplexes wie redundantes Alarmierungssystem. In der Sekunde, in der eine russische Interkontinentalrakete aus ihrem Silo abgefeuert wird oder eine strategische U-Boot-Rakete die Wasseroberfläche durchbricht, wird der Abschuss durch die hochempfindlichen IR-Sensoren der amerikanischen Frühwarnsatelliten erfasst. Es handelt sich um ein Netz aus Satelliten des Typs U.S. Space-Based Infrared System (SBIRS, sprich „sibbers“). Die Satelliten melden ihre Erfassung an die Space Delta 4, die Warnzentrale der Satellitenkontrollzentrale Aerospace Data Facility des National Reconnaissance Office (NRO) auf der Buckley Space Force Base (Colorado)

Die Satellitenwarnmeldung muss durch die Erfassungsdaten bodengestützter Radaranlagen verifiziert werden, um glaubwürdig zu sein. Mehrere Frühwarnradarsysteme stehen dafür zur Verfügung: Long Range Discrimination Radar [LRDR] auf der Clear Space Force Station bei Anderson in Alaska, das Solid State Phased Array Radar System (SSPARS), (früh. Bez.: Ballistic Missile Early Warning System [BMEWS, sprich: bim-jus]) auf der RAF Fylingdale im Vereinigten Königreich), etc..

Die Satelliten wird sofort an die drei strategischen Kommandozentralen weitergeleitet:
- National Military Command Center (NMCC) im Bunker des Pentagons, Washington D. C.: Im NMCC ist das J-3 Operations Directorate mit seinen verantwortlichen Offizieren (J-32 Intelligence, J-36 nuclear operations und J-39 global operations, etc.) für die Bearbeitung der Alarmmeldung zuständig,
- Missile Warning Center des Joint Operations Center im unterirdischen Cheyenne Mountain Complex CMC), Colorado Springs (Colorado) als Zentrum der amerikanischen Luftverteidigung,
- Global Operations Center (GOC) des Strategic Command (STRATCOM) mit seinem War Room auf der Offutt AFB, Omaha (Nebraska) als Zentrum der amerikanischen land- und luftgestützten Atomstreitkräfte.

Wird der Angriff bestätigt, wird der U.S. Präsident als Commander-in-Chief (CincC) informiert. Egal wo sich der Präsident gerade befindet, er wird von einem „military aide“ begleitet, der ihm seinen atomaren Kommandokoffer „SATCHEL“ (Codename: FOOTBALL) hinterherträgt. Im Kriegsfall öffnet der Begleitoffizier den Kommandokoffer und weist den Präsidenten in seine Handhabung nochmals ein. Neben der notwendigen Fernmeldetechnik enthält der Koffer die Presidential Emergency Action Documents (PEADs) als Entscheidungsgrundlage, darunter das Decisions Handbook. Der Präsident hat sechs Minuten Zeit, um einen atomaren Gegenangriff zu konzipieren und zu befehlen: Wieviele Atomwaffen welchen Typs sollen gegen welche Ziele eingesetzt werden und mit welchen Opferzahlen ist zu rechnen.

Für den Fall, dass die terrestrischen Kommandozentralen durch einen russischen Überraschungsangriff ausgeschaltet wurden, stehen fliegende Ausweichquartiere bereit:

- E-4A/B NIGHTWATCH: Auf der Basis der zivilen Großraumflugzeuge des Typs Boeing 747-200B entwickelte die U.S. Air Force strategische Kommandoflugzeuge zur Führung eines Atomkrieges durch einen fliegenden „battle staff“ für das Air Force Global Strike Command (AF GSC). Allerdings sind die Maschinen schon etwas älter, das sie bereits in den siebziger Jahren in Dienst gestellt wurden und man sich noch nicht für ein kostspieliges Nachfolgemodell E-4C Survivable Airborne Operations Center (SAOC) entscheiden konnte.

Alle vorhandenen Maschinen verfügen heute über den E-4B-Standard. Noch immer fungiert die E-4B als fliegende Kommandozentrale im Kriegsfall. So erhielt die E-4B mehrere Bezeichnungen: National Emergency Airborne Command Post (NEACP, umgangssprachlich: „Kneecap“) oder Advanced Airborne Command Post (AACP). Im Einsatz trägt das Flugzeug die Bezeichnung „National Airborne Operations Center“ (NAOC). Von der Presse wurden die Maschine als „Doomsday aircraft“ getauft. Eine Maschine steht für den U.S. Präsidenten als „Air Force One“ zur Verfügung.

Das Flugzeug ist mit dutzenden, NEMP-gehärteten (Satelliten-)Kommunikationssystemen ausgestattet, darunter eine rund 8 Kilometer lange Schleppantenne (Trailing Wire Antenna) für Verbindungen im Längstwellenbereich (VLF), die der Kommunikation mit den getauchten Atom-U-Booten dienen. Die Flugzeuge sind luftbetankungsfähig und können Tage in der Luft bleiben. (149)

Neben der Flugbesatzung sind an Bord über 100 Personen (Kommandopersonal, Techniker und Sicherheitsbeamte) tätig. Die U.S. Air Force betreibt derzeit eine Flotte aus vier Exemplaren dieses Typs, die bei der 1st Airborne Command Control Squadron (1st ACCS) der 595th Command and Control Group auf der Offutt Air Force Base in Nebraska. Eine Maschine befindet sich als Ausweichgefechtsstand immer in der Luft.

Es handelt sich um folgende Maschinen:    
Seriennummer 20682 / USAF-Kennzeichen 73-1676         
Seriennummer 20683 / USAF-Kennzeichen 73-1677         
Seriennummer 20684 / USAF-Kennzeichen 74-0787         
Seriennummer 20949 / USAF-Kennzeichen 75-0125

- E-6B MERCURY II: Die MERCURYs wurden auf Basis des zivilen Passagierflugzeuges Boeing 707 entwickelt und traten ab August 1989 die Nachfolge der früheren EC-135C/G LOOKING GLASS und der EC-135Q TACAMO (= Take Charge and Move Out) an. Sie dienen heute als fliegende Kommandozentrale für alle drei Elemente der strategischen Nukleartriade (ICBM-LCCs, Bomber, SSBN-SLBM). Die Besatzung besteht aus 22 Mann, darunter 4 Mann im Cockpit und 7 bis 15 Bediener des „Battle Staff“.

Insgesamt wurden 16 Exemplare produziert, die letzten beiden Maschinen wurden 1992 in Dienst gestellt. Sie gehören zu den Marinefliegern. Die Maschinen verteilen sich auf drei Staffeln: Fleet Air Reconnaissance Squadron 3 (VQ-3), Fleet Air Reconnaissance Squadron 4 (VQ-4) und Fleet Air Reconnaissance Squadron 7 (VQ-7). Alle Maschinen sind auf der Tinker Air Force Base in Oklahoma stationiert. Sie Kommandoflugzeuge tragen folgende Seriennummern (engl.: serials) auf ihren Seitenrudern am Heck: 162782, 162783, 162784, 163918, 163919, 163920, 164386, 164387, 164388, 164404, 164405, 164406, 164407, 164408, 164409 und 164410.

Ab 2028 soll die E-6B durch die E-130J PHOENIX II ersetzt werden.

- RC-135S COBRA BALL: Die RC-135S ist ein Aufklärungsflugzeug des Air Combat Commands (ACC), das speziell entwickelt wurde, um bei sowjetischen/russischen Raketentest die telemetrischen Daten aufzufangen, um so Rückschlüsse auf die technischen Parameter der neuen Raketen zu bekommen. Die Besatzung besteht aus mindestens zehn Mann: 2 Piloten, 1 Navigator, 3 EloKa-Offiziere, 2 Flugingenieure und mindestens 2 Missionsspezialisten.

Von den ursprünglich vier Maschinen sind heute noch drei im Einsatz. Die Flugzeuge sind bei der 45th Reconnaissance Squadron und der 97th Intelligence Squadron des 55th Wing auf der Offutt Air Force Base in Nebraska disloziert. Die aktiven Maschinen tragen auf dem Seitenleitwerk folgende Seriennummern: 61-2662, 61-2663 und 62-4128. Die vierte Maschine (61-2664) stürzte am 15. März 1981 bei schlechtem Wetter auf dem Luftstützpunkt Shemya AFB (Alaska) ab.

Angesichts der russischen Nukleardrohungen gegen die Ukraine, die NATO-Staaten in Europa und gegen die USA verfolgen die U.S. Behörden die Lageentwicklung im Ukrainekrieg jeden Tag penibel genau und stellen ihre Einsatz- und Reaktionsbereitschaft darauf ab. Auf die Mobilisierung russischer Kommandoflugzeuge reagierte Washington durch die Mobilisierung eigener Kommandoflugzeuge. Es war und ist wie ein tägliches „Match“ der „Doomsday“-Maschinen im globalen Umfang, von dem die Öffentlichkeit fast nichts mitbekommt. Auf eine Truppenbewegung oder einem Waffentest der einen Seite reagiert die andere Seite mit einem Gegenzug. Routinemäßig halten die USA und Russland jeweils zwei, drei fliegende Kommandostände in der Luft, aber manchmal steigt die Zahl auf beiden Seiten von heute auf morgen enorm an, ohne dass dafür ein offensichtlicher Grund immer erkennbar wäre, um dann ebenso plötzlich wieder auf das „normale“ Niveau abzusinken. Dies schafft Raum für Fragen und Interpretationen.

Über die Mobilisierung des amerikanischen nuklearen Kommandosystems am Tag des Kriegsbeginns (24. Februar 2022) berichtete Prof. Dr. Sean M. Maloney vom Royal Military College of Canada (RMC) in Kingston: (S. 177):

“The visible response of American nuclear forces to developments on 24 February initially included the deployment of B-52s from RAF Fairford to orbit areas over Poland opposite Kaliningrad and over Sweden. These covered Russian nuclear forces in that enclave and south of St. Petersburg. This move was accompanied by the deployment of four E-6B Mercuries over the United States to include ALCS-equipped aircraft in proximity to the ICBM fields, and a Cobra Ball (gemeint ist ein Aufklärungsflugzeug zur Beobachtung russischer Raketentests RC-136S COBRA BALL vom 55th Wing auf der Offutt AFB, das über insgesamt drei Maschinen dieses Typs verfügt, G. P.) over North Dakota. Later in the day, E-4B code named Order66 took off from Lincoln, Nebraska.”

Einen Tag nachdem Wladimir Putin seine Atomstreitkräfte am 27. Februar 2022 in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzte, trafen die US-Atomstreitkräfte Gegenmaßnahme: Das U.S. Strategic Command (STRATCOM) mobilisierte das Nuclear Command, Control, and Communications, and Intelligence System (NC3IS). So wurde ein fliegender Nukleargefechtsstand Boeing E-4B National Airborne Operations Center (NAOC) in den „air alert“ geschickt. (150) Es ist anzunehmen, dass sich seitdem mindestens eine der vier E-4B der 1st Airborne Command Control Squadron (1ACCS) auf der Offutt AFB ständig in der Luft befindet. Dasselbe dürfte für die anderen fliegenden Gefechtsstände vom Typ Boeing E-6B MERCURY (LOCKING GLASS bzw. TACAMO) und weitere Relais-Maschinen gelten. (151)

Am 16./17. März 2022 kam es – aus unbekannten Gründen – zu einer Zuspitzung der Lage: Nachdem der britische Geheimdienst am 14. März gewarnt hatte, die Russen könnten eine Falschflaggenoperation mit chemischen Waffen durchführen, telefonierte U.S. Sicherheitsberater, Jacob Jeremiah „Jake“ Sullivan, am 16. März mit seinem russischen Pendant Nikolai Platonowitsch Patruschew. Eine Streitbeilegung konnte anscheinend nicht gefunden werden, jedenfalls mobilisierten beide Seiten noch am selben Tag ihre nuklearen Kommandosysteme, wie Sean M. Maloney berichtete (Seite 196):

„At 1400 EST (gemeint ist Eastern Time, G. P.) Volodomyr Zelensky addressed the U.S. Congress via remote means for what amounted to an epic Churchillian speech. For several hours prior to this, eight E-6B Mercuries (half of the fleet), one E-4B Nightwatch, ten E-3C/E-3TF AWACS aircraft, a Cobra Ball over North Dakota, and more than a hundred tanker aircraft were aloft in the largest demonstration of visible American nuclear command and control signaling seen this far. The Russian side responded with a Tu-214SUS specialized command plane on a Tver Loop, an Il-96-300 on a Moscow-Ufa run, and an Il-96-300PU presidential command post run from Moscow to Novosibirsk and back. A Tu-214PU out of Tyumen orbited near Yekaterinburg, with the 42nd Missile Division nearby, and then the aircraft flew to Orenberg (home of the 31st Missile Army) and then back to Moscow. These aircraft were in the air simultaneously, which suggests a precautionary posture or at the very least a communications check vis-à-vis the RVSN (gemeint ist die russische Raketenstreitmacht Raketnye voyska strategicheskogo naznacheniya, G. P.) forces. Some B-52Hs were seen returning to RAF Fairford late that night, which suggests movements in northern Norway in support of Cold Response, in line with previous exercises (or both), or possibly a flight into the Arctic Basin.

The events of the 17 March remain murky. (…) USSTRATCOM tweeted that B-52 bombers were supporting “air-to-ground integration training over Germany, Romania, and the Black Sea.”

Angesichts der schwelenden Nuklearkrise im September/Oktober 2022 fuhren Amerikaner und Russen am 6. Oktober 2022 ihre nationalen Kommandosysteme erneut hoch, wie Sean M. Maloney berichtete (Seite 246f):

„That afternoon, there were significant movements of the U.S. command and control system. At 1400 hours EDT, two E-6B Mercury were up and the number of visible tankers was under twenty. Thirty minutes later, two E-4B Nightwatches lifted off, one of which had the Order66 call sign. The visible tanker count increased to forty-five. Twenty minutes after that a third E-6B took off, and eight minutes later a fourth E-6B launched. The tanker count increased to fifty-five. At 1600 hours, E-4B Order66, two E-6Bs and ten tankers were aloft. There was also a Cobra Ball over Alaska.

Earlier that day, the Russians command and control fleet was busy. A Tu-214PU dispersed to Miniralnye Vody, while an Il-96-300PU took off and headed into the Siberian Black Hole. At the same time, a Tu-214SR conducted a run to Yekaterinburg, and another Tu-214SR deployed to Sochi along with a Tu-214PU. Two Il-96-300PUs dispersed to St. Petersburg. This was a significant deployment of high-value assets, especially the communications relay aircraft. There was no public maneuvering of RVSN mobile ballistic missile forces, but these aircraft movements had the signature of a significant communications exercise designed to be seen. Alternatively, if the Russian communications satellite systems were considered unreliable after the cyberattack earlier in the month, this could have been generated to confirm reliability.”

Schon am 4. Mai 2022 hatte Admiral Charles Anthony „Chas“ Richard, der vom 18. November 2019 bis zum 9. Dezember 2022 das U.S. Strategic Command (STRATCOM) führte, gegenüber dem Senate Armed Services Committee erklärt, seine Möglichkeiten der „Abschreckung“ seinen begrenzt:

“We are facing crisis deterrence dynamics right now that we have only seen a few times in our nation´s history. (…)

The nation and our allies have not faced a crisis like Russia´s invasion of Ukraine in over 30 years. President Putin simultaneously invaded a sovereign nation while using thinly veiled nuclear threats to deter U.S. and NATO intervention. The PRC is watching the war in Ukraine closely and will likely use nuclear coercion to their advantage in the future. Their intent is to achieve the military capability to reunify Taiwan by 2027 if not sooner.

STRATCOM has been preparing for this class of threat for years, developing theoretical deterrence concepts and putting them into action. Yet, my ability to maintain strategic deterrence is limited. I said it in my Fiscal Year 2023 unfunded priorities memo, the war in Ukraine and China's nuclear trajectory, their strategic breakout demonstrates that we have a deterrence and assurance gap against the threat of limited nuclear employment.

To help close this gap, pursuing a low yield, non-ballistic capability that does not require visible generation should be reexamined, in my opinion, in the near future along with other measures to address this. Weapons program delays have driven us past the point where it is possible to fully mitigate operational risk, in some cases, we're simply left to assess the damage to our deterrent.“ (152)

Mit dem Aufmarsch der Kommandoflugzeuge steigt auch die Einsatzbereitschaft der ICBM-Raketenfelder, Bomberbasen und getauchten Atom-U-Boote, die sich in Fernmeldereichweite der Flugzeuge auf ihrem Kurs befinden.

- U.S. Nukleardrohungen

Von dem ständigen Nukleargequatsche russischer Politiker sichtlich genervt, erklärte Donald Trump nach dem Ende seiner ersten Präsidentschaft im März 2022: „Er (gemeint ist Putin, G. P.) sagt, dass sie eine Atommacht sind, aber wir sind eine größere Atommacht. Putin habe „ständig das N-Wort benutzt (...), das Nuklear-Wort“. Aber die USA hätten die großartigsten U-Boote der Welt, „die mächtigsten Maschinen, die je gebaut wurden“. Trump fügte hinzu: „Man sollte sagen, schau, wenn Du dieses Wort noch einmal erwähnst, dann werden wir sie rüberschicken, und wir werden an Eurer Küste hoch und runterfahren.“ (153)

- Mobilisierung der atomaren Trägereinheiten

Angesichts des russischen Truppenaufmarsch im Grenzgebiet zur Ukraine verstärkte die U.S. Army im Februar 2022 ihre Streitkräftedisposition in Europa: Am 25. Februar verlegten mindestens 4.700 Soldaten des 1st Armored Brigade Combat Team der 3rd Infantry Division nach Deutschland. Ein vorgeschobener Gefechtsstand des XVIII Airborne Corps wurde in Wiesbaden-Erbenheim in Betrieb genommen.

Außerdem wurden die Trägersysteme (Bomber oder Atom-U-Boote) selbst mobilisiert, indem sie an andere Orte verlegt werden. Bezüglich ihrer Bomberverbände sprechen die U.S. Streitkräfte hier vom Agile Combat Employment (ACE). In der „Air Force Doctrine Note 1-21“ vom 22. August 2022 heißt es dazu:

„(T)he Air Force introduced Agile Combat Employment (ACE): a proactive and reactive operational scheme of maneuver executed within threat timelines to increase survivability while generating combat power. When applied correctly, ACE complicates the enemy’s targeting process, creates political and operational dilemmas for the enemy, and creates flexibility for friendly forces. To effectively accomplish joint force commander objectives, ACE requires reexamining a wide variety of enabling systems, to include: command and control (C2), logistics under attack, counter-small unmanned aircraft systems, air and missile defense, and offensive and defensive space and cyber capabilities.” (154)

Ein Beispiel für solche ACE sind die Verlegung von Bomber Task Forces (BTFs) aus jeweils vier B-52H STRATOFORTRESS, die jeweils mit bis zu zwanzig Air-launched Cruise Missiles (ALCMs) AGM-86B (Nuklearsprengkopf W80 mit 5–150 KT) beladen werden können, nach Westeuropa oder in den Nahen Osten.

Zwar war den U.S. Geheimdiensten der russische Truppenaufmarsch von rund 180.000 Soldaten im Grenzbereich zur Ukraine im Detail bekannt, aber sie konnten nicht abschätzen, wie weit Putin in seiner völkerrechtsfeindlichen Aggressivität gehen würde. Die „normale“ Einsatzbereitschaft der Atomstreitkräfte reichte wohl nicht aus, um auf eine solche Bedrohung angemessen reagieren zu können, stattdessen bereiteten sich die U.S. Militärs - gemäß dem worst case-Denken - auf alles vor, was immer auch geschehen mochte, und stellten ausgewählte Teile ihrer Atomstreitkräfte gesondert auf, während die Russen ihrerseits entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen. Dabei sorgten die U.S. Militärs dafür, dass solche Truppenbewegungen – sonst streng geheim – der Öffentlichkeit und damit auch der russischen Seite bekannt wurden.

- Im unmittelbaren Vorfeld des Krieges, am 15. Januar 2022, verlegte die SSBN-733 USS Nevada (Ohio-Klasse) nach Guam im Pazifik. Von dieser Position konnte das Atom-U-Boot mit seinen 20 atomaren Interkontinentalraketen vom Typ UGM-133A TRIDENT II D5 alle zwölf Raketenfelder in Russland, aufgeschnürt wie auf einer Perlenkette, unter Beschuss nehmen. Gleichzeitig verlegte die SSGN-729 USS Georgia (Ohio-Klasse) mit seinen 154 Marschflugkörpern UGM-109 TOMAHAWK in die Ägais. Dabei handelt es sich um ein dual-use-Waffensystem hoher Treffgenauigkeit mit konventionellem oder atomarem Gefechtskopf zur Bekämpfung vom Land- oder Schiffszielen.

- Am 18. und 24. Januar 2022 führten amerikanische F-16 FIGHING FALCON des 31st Fighter Wing (31st FW), die im italienischen Aviano disloziert waren, Manöver über der Adria durch, bei denen die Bombing-Toss-Abwurftechnik für den Einsatz von Wasserstoffbomben B61 erprobt wurde.

- Am 30 Januar 2022 verlegte sogar eine WC-135W CONSTANT PHOENIX (Serial 61-2667) der 45th Reconnaissance Squadron (45th RS) von der at Offutt Air Force Base in Nebraska auf die RAF Mildenhall in Großbritannien. Dabei handelt es sich um ein Spezialflugzeug, das für „air sampling“-Missionen eingesetzt wird, d. h., das Flugzeug nimmt in der Hochatmosphäre Luftproben, um den Gehalt an radioaktivem Material zu messen. So wird dieser Flugzeugtyp nach schweren Unfällen in Atomkraftwerken oder mit Atomwaffen (z. B. havarierte Atom-U-Boote, die auftauchen müssen) eingesetzt, um das Ausmaß des Schadens zu bestimmen. Die U.S. Air Force verfügt nur über drei Maschinen dieses Typs (heute: WC-135R-Standard).

- Am 9. Februar 2022 verlegte eine Bomber Task Force (BTF) aus vier B-52H STRATOFORTRESS vom 5th Bomb Wing (5th BW) auf der Minot AFB (USA) nach RAF Fairford. Am 15. und 16. Februar flogen sie zunächst Patrouilleneinsätze entlang der norwegischen Küste, danach drangen sie am 18. Februar bis in den schwedischen Luftraum vor, so dass die russischen ISKANDER-Raketenstellungen der 152. Raketenbrigade (152-ya Raketnaya brigada) in Tschernjachowsk (Exklave Kaliningrad) in 15-minütiger Schussreichweite waren. Seit Anfang März 2022 kreisten zwei amerikanische Bomber vom Typ B-52H STRATOFORTRESS immer wieder über Nordbayern. Sie beteiligen sich an einem NATO-Luftmanöver in Rumänien.

- Ab dem 16. Februar 2022 versendete die U.S. Air Force alle halbe Stunde einen Funkspruch im Format Emergeny Action Message (EAM) über ihr High Frequency Global Communications System (HFGCS), das über drei Bodenstationen in Europa verfügt: RAF Croughton, Lajes Field (Azoren) und Naval Air Station (NAS) in Sigonella (Sizilien). Bei „EAM“ handelt es sich um das Fm-Spruchformat, mit dem u. a. nukleare Einsatzbefehle an die Atomeinheiten übermittelt werden.

- Im März 2022 wurden gleichzeitig mehrere Manöver durchgeführt. Das North American Aerospace Defense Command (NORAD) begann mit seiner Übung NOBLE DEFENDER 2022, die U.S. Navy startete ihr arktisches Manöver ICE EXERCISE (ICEX) und die NATO zog das Manöver COLD RESPONSE 2022 durch.

(…)

- 1. August 2025: Am 1. August 2025 entsandte Trump – nachdem ihn Dmitri Medwedew mit der Behauptung provoziert hatte, die USA würden „das Ultimatum-Spiel spielen“, was die Russen einfach ignorieren würden - zwei Atom-U-Boote. Dazu erklärte Trump:

"Based on the highly provocative statements of the former president of Russia, Dmitry Medvedev, who is now the deputy chairman of the Security Council of the Russian Federation, I have ordered two nuclear submarines to be positioned in the appropriate regions. (…)

A threat was made, and we didn't think it was appropriate. So I have to be very careful. (…) I do that on the basis of safety for our people. A threat was made by a former president of Russia. And we're going to protect our people." (155)

Gegenmaßnahmen der anderen NATO-Staaten

NATO: Angesichts des russischen Überfalls auf die NATO forderten am 25. Februar nur acht der damals 30 NATO-Staaten (noch ohne Schweden und Finnland) die Einberufung des North Atlantic Council (NAC) zu einer Dringlichkeitssitzung gemäß Artikel 4 des Washingtoner Vertrages. Immerhin beschloss der Nordatlantikrat die Mobilisierung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) und anderer Truppenteile. Kernverband der VJTF war damals die Deutsch-Französische Brigade in Mühlheim mit 3.500 Mann. Die Truppe wurde damals nach Rumänien verlegt. Der NATO selbst sind keine Atomwaffen unterstellt, daher konnte sie auch nicht entsprechend reagieren,

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte Mitte Oktober 2022:

“The circumstances in which NATO might have to use nuclear weapons are extremely remote. Russia's nuclear rhetoric is dangerous, reckless. (…) And they know that if they use nuclear weapon against Ukraine, it will have severe consequences. And they also know that a nuclear war cannot be won and should never be fought." (156)

BRD: Aus einem unbekannten Grund verfügt die BRD über keine nationalen Atomstreitkräfte und konnte daher auf die sich abzeichnende Konfliktlage nur konventionell reagieren. So wurde im Februar 2022, kurz vor Beginn des russischen Angriffs, die Einsatzbereitschaft der deutschen Truppenteile mit Beteiligung an der damaligen NATO Rapid Reaction Force (NRRF, jetzt: NATO Response Force - NRF) zunächst erhöht und folglich auch eingesetzt. (s. o.).

UK: Die Briten befürchteten, dass die Russen einen Nuklearsprengsatz über dem Schwarzen Meer zünden könnten, daher schickten sie Mitte Oktober eine RC-135W in die Region, um Luftproben auf Radioaktivität zu überprüfen. Aus diesem Anlass reiste Secretary of State for Defence, Robert Ben Lobban Wallace, am 18. Oktober 2022 kurzfristig zu Gesprächen nach Washington: „I went to the Pentagon, the State Department, the National Security Adviser and other meetings, and made sure that we are all understanding our planning processes about what we would do in the event of a whole range of things.”

F: Frankreichs Atomstreitkräfte (Force de dissuasion nucléaire française) besitzen u. a. vier Atom-U-Boote der Triomphant-Klasse („TRIOMPHANT“, „TÉMÉRAIRE“, „VIGILANT“ und „TERRIBLE“). Sie stellen den maritimen Teil des Atomarsenals dar, die sogenannte Force océanique stratégique (FOST). Jedes U-Boot transportiert 16 Raketen vom Typ M-51. Jede Rakete trägt 6 bis 10 MIRV-Mehrfachsprengköpfe vom Typ TN-75 mit einer Sprengkraft von jeweils 100 kt TNT-Äquivalent. (157) Normalerweise ist ein U-Boot auf Patrouillenfahrt im Nordatlantik vor der Küste von Island unterwegs, zwei ankern im Heimathafen Île Longue, einer Landzunge auf der Crozon-Halbinsel in der Bretagne, und eines befindet sich zur Überholung auf der Werft. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Frankreich die Einsatzbereitschaft seiner strategischen Atomstreitkräfte erheblich erhöht. Seit dem 11. März 2022 waren zunächst zwei und schließlich drei U-Boote auf Patrouillenfahrt.

Anlässlich einer Sitzung der Nuklearen Planungsgruppe der NATO am 13. Oktober 2022 äußerte sich der französische Staatspräsident Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron zur aktuellen Nuklearlage:

„We do not want a World War. (…) Our doctrine rests on the fundamental interests of the nation (….) They are defined clearly and wouldn´t be directly affected at all if, for example, there was a ballistic nuclear attack in Ukraine, in the region.”

Während des Kalten Krieges dienten die französischen Atomstreitkräfte ausschließlich der Landesverteidigung Frankreichs. Dies hat sich 2026 etwas geändert. Zwar bleib die alleine Verfügungsgewalt beim französischen Präsidenten, aber eine Initiative der Regierung in Paris sieht gemeinsame Übungen vor, was auch immer damit gemeint sein mag. Die Frage, ob und wie Frankreich künftig Atomwaffen in den Partnerländern stationieren will, ist bisher offen. Immerhin: Im März 2026 kündigte die Regierung in Paris eine engere Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung mit Deutschland, Großbritannien, Polen, Schweden, den Niederlanden, Belgien, Griechenland und Dänemark an. Im Mai stieß Norwegen hinzu, im September Finnland. (158)

Aktuelle „Frontberichte“

Die Desinformationskampagne der russischen Nachrichtendienste war dort am erfolgreichsten, wo sie sich gegen den eigenen Präsidenten gerichtet war. So erklärte der russische Politologe Wladimir Borissowitsch Pastuchow im Londoner Exil: „Putin kann den Krieg, den er selbst begonnen hat, nicht gewinnen. Das ist die einzige Tatsache, die bei der Beurteilung der aktuellen Lage Beachtung verdient – alles andere ist eine Lüge.“ Und der Militärblogger Blogger Juri Kotenok bilanzierte: „Der Feind ist nicht besiegt, steht nicht vor der Kapitulation, hat nicht die Absicht, sich in die Defensive zurückzuziehen.“ (159) So werden die Russen ihren krampfhaften Krieg gegen die Ukraine noch eine Weile fortsetzen, da eine Verwirklichung ihrer Kriegsziele dauerhaft nicht erreicht werden kann, auf der anderen Seite aber auch kein Interesse an echten Friedensverhandlungen besteht.

Mittlerweile gelten 80 Prozent der ukrainischen Infrastruktur als vernichtet. Mit massiven Angriffen durch ballistische Raketen und strahlgetriebene Drohnen GERAN-5 soll die ukrainische Bevölkerung im bevorstehenden Frostwinter unter Druck gesetzt werden. Ziel könnte es sein, die Ukraine bis zum Frühjahr 2027 zum Nachgeben zu zwingen. Allerdings hängt das (politische) Überleben von Wladimir Putin – genauso wie das von Wolodymyr Selenskyj – von der Fortdauer des Krieges ab.

Demgegenüber befindet sich auch die russische Regierung in einer selbstzerstörerischen Zwickmühle, da die russische Wirtschaft die eigenen Kriegslasten auf die Dauer nicht tragen kann. Die CIA rechnet damit, dass die russische Kriegswirtschaft unter den Kriegslasten – wie die Sowjetunion gegen Ende des Kalten Krieges – zusammenbrechen wird. Von Januar bis August 2026 nahm Russland nach Angaben des russischen Finanzministeriums umgerechnet rund 270 Milliarden Euro ein, gab aber etwa 331 Milliarden Euro aus. Das ergibt ein Minus von rund 60 Milliarden Euro – allein in acht Monaten. Gleichzeitig brechen mit Öl und Gas die wichtigsten Einnahmequellen des Kremls zunehmend weg. Die russische Zentralbank rechnet für das Gesamtjahr 2026 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von null bis einem Prozent. Die Inflation soll zum Jahresende bei sechs bis sieben Prozent liegen. (160)

Schon heute machen die Militärausgaben rund die Hälfte des russischen Staatshaushaltes aus, wie Peter Umbach in seinem Artikel „Was hinter der russischen Nuklearstrategie steckt“ in der Fachzeitschrift „Europäische Sicherheit & Technik“ im September 2026 (S. 77-70) kritisierte:

„Für 2026 sind Verteidigungsausgaben von rund 180 Milliarden US-Dollar vorgesehen, kaufkraftbereinigt etwa 400 bis 500 Milliarden Dollar. Zugleich belastet eine Staatsverschuldung von über 15 Prozent des BIP ein Haushaltsdefizit von mehr als neun Prozent und Verteidigungsausgaben von mehr als der Hälfte der Staatsfinanzen. (…)

Eine rasche Rückkehr von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft ist unrealistisch und dürfte Jahre beanspruchen. Zudem könnte die Demobilisierung Hunderttausender Soldaten erhebliche innenpolitische Risiken bergen, da viele aus strukturschwachen Regionen heute ein Vielfaches ihres früheren zivilen Einkommens beziehen.

Vor diesem Hintergrund rechnen zahlreiche Russlandexperten eher mit einer weiteren Eskalation.“

Darüber hinaus werden die Militärausgaben 2027 weiter ansteigen zu Lasten der russischen Sozialsysteme, soweit diese überhaupt noch vorhanden sind:

„Im kommenden Jahr will Moskau laut einem Bericht seine Militärausgaben auf einen neuen Höchststand seit Kriegsbeginn anheben. Geplant seien Ausgaben von 17,1 Billionen Rubel (rund 178 Milliarden Euro), wie aus Regierungsdokumenten hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Dies entspricht einer Steigerung von rund 27 Prozent gegenüber dem ursprünglich veranschlagten Budget von 13,5 Billionen Rubel. Insgesamt sollen sich die Rüstungsausgaben in den kommenden drei Jahren auf 50 Billionen Rubel belaufen. (…) Um das Defizit zu finanzieren, plant die Regierung für 2027 Steuererhöhungen. Unter anderem soll eine neue Sondersteuer für Metall- und Bergbauunternehmen jährlich rund 200 Milliarden Rubel einbringen.“ (161)

Angesichts des militärischen Stillstandes an der Front und der hohen russischen Verluste meinte Selenskyj:

„Wie soll er (gemeint ist Putin, G. P.) das erklären, wenn er keine nennenswerten Siege vorweisen kann? (…) Wie soll man das dem eigenen Volk verkaufen? (…) Er braucht dringend einen Sieg. (…) Was Putin gerade tut: Mit Drohnen greift er Moldawien und Rumänien an, überschreitet die Grenzen zu Polen, zu deutschen Flughäfen und zu den nordischen Ländern. Er wird also damit weitermachen. (…)

Deshalb ist das Risiko einer Offensive mit Drohnen, Raketen oder Bodenoperationen gegen andere Länder, die vielleicht direkt an Russland oder auch Belarus grenzen, sehr hoch.“ (162)

Im Nordwesten Russlands wurden die zivilen Krankenhäuser im September 2026 16.000 bis 20.000 Betten für verwundete Soldaten bereitzustellen. (163) Die NATO-Nachrichtendienste rechnen mit einem russischen Angriff auf NATO-Gebiet noch für diesen Herbst oder Winter.

Als letztes veröffentlichte der dänische Militärgeheimdienst Forsvarets Efterretningstjeneste (FE, int.: Danish Defence Intelligence Service [DDIS]) unter Leitung von Svend Larsen am 24. September 2026 eine entsprechende Kurzanalyse mit dem Titel „Assessment of the threat from Russia“ (3 Seiten). Die Dänen rechnen mit einer erhöhten Frequenz und Härte hybrider Angriffe, konstatieren ein „geringes, aber wachsendes Risiko“ begrenzter Militärschläge und halten eine vollwertige Invasion weiterhin für „höchst unwahrscheinlich“. Der Geheimdienst stellt klar, dass Russland zunehmend bereit ist, höhere Risiken einzugehen. Die Angriffe werden voraussichtlich schwerwiegendere Konsequenzen für die Zielländer nach sich ziehen als bisher:

„Russia is under more pressure than it has been at any other point during the war against Ukraine. Ukraine’s sustained long‑range attacks are causing still more extensive damage deep inside Russia. Russia is suffering heavy losses for marginal territorial gains in Ukraine. (…)

Meanwhile, Russia believes that Europe will gradually develop an autonomous military capability which, by 2030, will pose an increasing threat to Russia. For Russia, the coming years therefore present a window of opportunity, during which President Putin could conclude that it is worth the risk attempting to drastically change the security order in Europe.

Consequently, it is likely that Putin will seek to change the current trajectory. (…)

At the same time, there is a low but growing risk that Russia will launch a limited military attack against one or several NATO countries bordering Russia. This could happen even if Russia continues the war against Ukraine and has not built the military capabilities necessary to wage a regional war. A limited military attack would be a desperate move on Russia’s part and, like the intensified hybrid attacks, could potentially take place in the coming months. The purpose would be to redirect European resources away from supporting Ukraine and to sow division within NATO, should the alliance fail to agree on a collective response. Such a limited military attack could take the form of isolated strikes with long‑range weapons on infrastructure that is vital to the support to Ukraine. In this situation, Russia might then claim that the weapons only struck NATO territory because they were jammed by Ukraine. (…)

Russia could also deploy a limited number of military forces, possibly without national insignia, into NATO countries bordering Russia. However, ahead of such a deployment, Russia would likely first build up regular forces near the border in order to be able to counter a potential NATO response. A build-up of forces would require several months of preparation and will be difficult to conceal. (…)

Russia will likely carry out military attacks only if it assesses that such attacks will not result in a war by triggering a collective NATO military response. However, Russia is likely uncertain about what could trigger such a war. Consequently, there is a risk that Russia assesses that the NATO countries will not respond collectively, especially if Russia assesses that the United States cannot or will not support the European NATO countries in a potential war against Russia.” (164)

Die Bedrohungsperzeption der NATO-Nachrichtendienste wurde durch den amerikanischen Außenminister Marco Antonio Rubio am 23. September 2026 nach einem Gespräch mit Sergei Lawrow bei der UN-Generaldebatte offiziell bestätigt. „Diese Dinge geben Anlass zur Sorge. Wir sprechen das in zahlreichen Treffen mit verschiedenen Ländern an“, erklärte der Minister. (165)

Als russischer Oberbefehlshaber entscheidet Wladimir Putin allein, wann er wo mit welchen Kräften und welcher Stoßrichtung er angreifen will. Verschiedene Optionen sind denkbar. Der russische Schriftsteller Wladimir Wiktorowitsch Kaminer, der seit Jahren in Berlin-Prenzlauer Berg wohnt, stellte im März 2022 folgende Prognose Putinscher „Friedenspolitik“:

„Putin verwandelt alles in Scheiße. Nun hat er sich eingebunkert. Belogen von Generälen, die ihm einen Blitzkrieg versprachen, von Propagandisten, die ihm pausenlos erzählten, wie die Ukrainer und die ganze Welt ihn mögen, von den Waffenproduzenten, die schon wieder alles Geld geklaut und nur das alte Zeug geliefert haben, (…).“ (166)

- Ausweitung der Hybridangriffe gegen NATO-Staaten

Die Hybriden Angriffe Russlands gegen die NATO-Staaten folgen der sogenannten „Gerassimow-Doktrin“, die der russische Generalstabschef am 27. Februar 2023 in einem Vortrag an der Akademie der Militärwissenschaften vorgestellt hat. Darin bilanzierte Gerassimow das Erscheinungsbild der modernen Kriegsführung. Heinrich Fischer fasste die Kernpunkte der „Doktrin“ in seinem Aufsatz „Die Gerassimow-Doktrin: Mythos und Wirklichkeit“ für die Fachzeitschrift „Europäische Sicherheit & Technik“ im September 2026 (S. 17-20) so zusammen:

„Gerassimow formuliert als Kernthese, dass die Grenze zwischen Krieg und Frieden unscharf geworden ist. Ein Staat könne zum Schauplatz eines Krieges werden, bevor er dies überhaupt erkenne. Gerassimow verweist auf ein Verhältnis von vier zu eins zwischen nichtmilitärischen und militärischen Mitteln bzw. Maßnahmen. ZU den nichtmilitärischen Mitteln zählt er politische, wirtschaftliche, informationelle, humanitäre und weitere Maßnahmen, die unterhalb der Schwelle eines offenen Konflikts zur Anwendung kommen. (…)

Hybride Kriegsführung ist die koordinierte Kombination militärischer und nichtmilitärischer Mittel, mit der ein Staat oder ein anderer Akteur einen Gegner schwächen, beeinflussen oder destabilisieren will, ohne einen klassischen Krieg zu führen oder die Schwelle zum offenen bewaffneten Konflikt eindeutig zu überschreiten. (…)

Die Wirksamkeit hybrider Angriffe wird zusätzlich durch Ambiguität, Attributionsschwierigkeiten und ein Handeln unterhalb der Schwelle konventioneller Eskalation erhöht. (…)

Gerassimow und weitere russische Militärtheoretiker betonen, dass der entscheidende Kampfraum nicht das physische Schlachtfeld, sondern das Bewusstsein der Bevölkerung der Eliten und der politischen Entscheidungsträger ist.“

Ein kinetischer d. h. gewalttätiger Angriff würde vor dem Hintergrund und in Verbindung mit einer Fortsetzung und Intensivierung der täglichen Hybridangriffe, die bisher in der Form nachrichtendienstlicher „Aktiver Maßnahmen“ (russ.: Aktivnye Meropriyatiya) stattfinden, vorgetragen werden.

In der NATO-Zentrale in Brüssel hat man im letzten Jahr 2025 über 200 hybride Angriffe registriert, darin sind die alltäglichen Cyberattacken noch nicht einmal mitgezählt. (167) Nach einer Analyse des International Institute of Strategic Studies (IISS) in London hat Russland allein von August 2024 bis Februar 2026 13 europäischen Ländern 144-mal mit Drohnen angegriffen. Dazu berichtete „n-tv“:

„Deutschland war dem Bericht zufolge mit 58 Ereignissen am stärksten betroffen, einschließlich mit sechs ungeklärten Vorfällen über dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein, sowie den Bundeswehr-Standorten in Manching und Neuburg an der Donau. Mit 25 Vorfällen an zweiter Stelle steht Belgien, wo unter anderem die Luftwaffenbasis Kleine-Brogel zum Ziel geworden sei, an der Atomwaffen untergebracht sind.

Knapp die Hälfte der Vorfälle ereignete sich dem Bericht zufolge an militärischen Einrichtungen und knapp 20 Prozent an zivilen Flughäfen, von denen viele ihren Betrieb vorübergehend einstellen mussten. Gut ein Viertel betraf kritische Infrastruktur wie Häfen, Energieanlagen und Industriestandorte.“ (168)

Nach kinetischen Angriffen mit Brand- und Sprengdrohnen, scheinen die russischen Nachrichtendienste – wie Oktober 2008 und Dezember 2010 – wieder Zielpersonen mit Quecksilber vergiften zu wollen. Darauf deutet ein chemischer Anschlag auf zwei Frauen in Neustadt-Glewe (Landkreis Ludwigslust-Parchim) am 18. September 2026 hin. (169)

Gleichzeitig wollen die Russen ihre Hybridangriffe horizontal ausweiten und in einer Art „Zangenangriff“ auch rückwärtige NATO-Staaten angreifen: Spanien, Frankreich und Italien. Dazu sollen Frachtschiffe der „Schattenflotte“ mit getarnten Containern mit Abschussschienen für Drohnen (12,2 x 2,4 m) ausgestattet werden. Zum Einsatz sollen Drohnen vom Typ GERAN kommen. Dabei handelt es sich um ein russisches Derivat der iranischen ŠĀHED. Es gibt mindestens fünf Varianten. Nach Angaben der CIA denken die Russen an einen Einsatz der einfachen GERAN-1 (iran.: ŠĀHED-131). Diese haben – nach Angaben der spanischen Tageszeitung „El Mundo“ eine Reichweite von 600 km bei einer Geschwindigkeit von rund 160 km/h. Die Flugzeit beträgt – je nach Entfernung – eine bis zweieinhalb Stunden. Sie tragen eine Sprengladung mit einem Gewicht von 5 kg. (170)

Entsprechenden Test unternahm das russische Unternehmen „ZALA Aero Group“ (Ischwesk, Udmurtien) Hersteller der LANCET-Drohnen, bereits im Jahr 2.000. Im Oktober/November 2024 wurden weitere Drohnentest von Bord des Aufklärungsschiffes GS-19 SCHIGULJOWSK (Alpinist-Klasse) im Öresund durchgeführt und von dem schwedischen Patrouillenboot HSwMS RAPP (88) registriert. Über die neue Bedrohungslage beriet am 16. September 2026 in Paris der Nationale Verteidigungs- und Sicherheitsrat (Conseil de défense et de sécurité nationale - CDSN) unter Vorsitz des Staatspräsidenten Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macrón. Der Élysée-Palast berief sich auf „die Verschlechterung der internationalen Lage in den letzten Tagen“ und „deren Folgen in Frankreich“. (171)

Abgesehen von den täglichen Cyberattacken, die erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten können, sind die Schäden durch Sabotageakte bisher lokal und zeitlich begrenzt, Nur vereinzelt hat es Tote gegeben. Allerdings konnten die russischen Nachrichtendienste durch ihre Desinformationskampagnen Einfluss auf Wahlen in Westeuropa nehmen, so zuletzt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. In diesem Sinne ist es fragwürdig, wenn die NATO behauptet, die Hybride Kriegsführung Russlands sei erfolglos geblieben.

Auf Seiten der NATO die Gefahr, dass die Allianz auf die Hybrid-Attacken im Sinne einer self-fulfilling prophecy überreagiert. Angesichts der russischen Intention, die 32 NATO-Mitglieder zu spalten, warnte der finnische Regierungschef Cai-Göran Alexander „Alex“ Stubb:

„Wir müssen sehr vorsichtig sein und verstehen, dass Russland versucht, Europa zu destabilisieren und einzuschüchtern. Und jedes Mal, wenn wir auf einen hybriden Angriff überreagieren, haben sie in dieser Hinsicht tatsächlich die Schlacht gewonnen. (…) Wir müssen sehr vorsichtig sein und verstehen, dass Russland versucht, Europa zu destabilisieren und einzuschüchtern. Und jedes Mal, wenn wir auf einen hybriden Angriff überreagieren, haben sie in dieser Hinsicht tatsächlich die Schlacht gewonnen. (…)

Wir müssen auch verstehen, dass es weder im Interesse Russlands liegt noch in seiner Macht steht, eine militärische Eskalation in vollem Umfang zu betreiben. Sie werden also weiterhin versuchen, uns einzuschüchtern, und wir müssen in dieser Situation, wie ich schon sagte, gelassen, ruhig und besonnen bleiben. (…)

Unsere Geheimdienstinformationen zeigen zwar, dass dort Aktivitäten stattfinden, aber derzeit keine unmittelbare militärische Bedrohung besteht.“ (172)

- Angriff auf Finnland

Ein Angriff auf Finnland würde angesichts des finnischen Widerstandswillens vor dem Hintergrund einer umfassenden Zivilschutzplanung gleich zu einem größeren Landkrieg ausarten. (173)

- Angriff auf Estland/Lettland

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage in der Ukraine und an der NATO-Ostfront im Baltikum in den nächsten Monaten entwickelt. (174) Da Russland eine gemeinsame Landgrenze mit Estland oder Lettland verbindet, ist hier ein Angriff am wahrscheinlichsten. Er ließe sich in seinem Gewaltansatz noch am ehesten „dosieren“ und gegebenenfalls abbrechen. Hier ist die Rede etwa vom sogenannten „Narwa Szenario“. (175) Wiederholt ist es in der estnischen Grenzstadt bereits zu russischen Provokationen gekommen. (176)

Wladimir Putin behauptete am 25. September 2026 bei einer Pressekonferenz in Sankt Petersburg. „Viele in Europa sagen, dass sie eine Aggression von Seiten der Russischen Föderation erwarten und dass sie sich deshalb selbst auf Kämpfe, auf einen Krieg mit Russland, vorbereiten müssen." Er wolle jedoch nochmals unterstreichen, dass Russland keine Vorbereitungen für eine solche Aggression treffe. (177) Aber: „Es ist alles möglich“. (178)

Der frühere estnische General und heutige Europaabgeordnete Riho Terras, der von 2011 bis 2018 Befehlshaber der Verteidigungsstreitkräfte war, gibt sich – trotz alledem – optimistisch, sieht Putin aber in einer ausweglosen Lage:

„Wir können nicht ausschließen, dass Russland militärische Mittel einsetzen wird, um politische Ziele zu erreichen. Wir müssen uns auf die gefährlichsten Szenarien vorbereiten und das tun wir in Estland. (…) Natürlich könnte Russland uns angreifen. Aber ich bin überzeugt, dass die russische Armee keinen Erfolg haben würde. (…) Wenn Russland zurzeit die NATO angreifen würde, wäre das der Nagel für Putins Sarg. (…) Putin kann keinen Schritt zurück machen. Ihm bleibt nur die Eskalation. Alles andere würde sein Ende bedeuten.“ (179)

- Angriff auf Litauen oder Polen

Zwar nahmen in den letzten Wochen die Auseinandersetzungen zwischen Russland und Polen zu. Erst am 17. September 2026 musste das Operative Kommando der polnischen Teilstreitkräfte (DORSZ) Luftalarm auslösen: "ACHTUNG! ACHTUNG! ACHTUNG! Gefahr eines Luftangriffs. Suche einen sicheren Ort. Befolge die Anweisungen der Dienste. Warte auf weitere Mitteilungen". Die Flughäfen in Lublin und Rzeszów mussten ihren Flugbetrieb zeitweise einstellen. (180)

Aber möglicherweise ist dies nur ein Ablenkungsmanöver, da Russland und Polen sowie Russland und Litauen keine direkten Nachbarländer sind. Belarus wird sich aus einem Konflikt zwischen Russland und der NATO aus Selbsterhaltungsgründen eher heraushalten wollen. Bliebe nur ein Angriff aus der russischen Exklave Kaliningrad auf Polen oder Litauen, dies würde aber die NATO dazu provozieren, die gesamte Exklave zu erobern, was angesichts deren Militarisierung und Nuklearisierung fatale Folgen zeitigen würde. (181)

Am 25. September 2026 verbreitete die staatliche Nachrichtenagentur „RIA Novosti“ auf ihrer Webseite den Artikel „Russland steht eine weitere spezielle Militäroperation bevor. Sie wird sehr kurz sein.“ Autor des Textes ist Alexander Nosowitsch, ein freier Mitarbeiter der Agentur. Kurz nach Erscheinen wurde der Artikel kassiert. Über seinen Inhalt berichtete der „Kölner Stadtanzeiger“:

„In dem gelöschten Artikel erklärte der Autor, dass die europäischen Länder „weiterhin das Thema der Verlegung unkonventioneller Waffen an die Grenzen Russlands hochspielen“ und ein Land ausgewählt hätten, das „bereit sei, zu einem Atomlager zu werden“. Litauen wird in dem Text als „selbstmörderisches Land ohne jeglichen Verstand“, als „nützlicher Idiot“ und als „kleiner, aber stolzer Selbstmordattentäter im nahen Ausland“ Russlands bezeichnet.

Zudem wird Litauen mit der Ukraine verglichen und dem Land mit einer Invasion oder einem Atomschlag gedroht. „Es geht darum, welche Mittel möglicherweise eingesetzt werden können. Und da unsere Gegner als Erste das Gespräch auf die Ebene der atomaren Bedrohung lenken, kann es sich Russland sogar leisten, auf den Einsatz von Landstreitkräften zu verzichten. Nur Raketen mit entsprechender Sprengladung. Die Entscheidung ist nicht nur schnell, sondern blitzschnell. Denken Sie nicht hochmütig an Sekunden“, heißt es in dem Text. (182)

Angesichts der zahlreichen Verletzungen des polnischen Luftraums durch russische Drohnen oder Flugzeuge, hat die polnische Regierung die Regeln für den Abschuss potentiell feindlicher Maschinen gelockert. Nun ist nicht mehr eine „visuelle Identifizierung“ eine zwingende Voraussetzung für einen Abschuss, in Zukunft reicht eine „positive Identifizierung“ allein aufgrund der vorhandenen Radardaten aus. Ein solcher Schießbefehl ist „in der Regel einem Kriegszustand oder dem Kriegsrecht vorbehalten,“ räumte Cezary Józef Tomczyk, Staatssekretär im Verteidigungsministerium ein. Aber: „Wir dürfen angesichts von Bedrohungen nicht untätig bleiben, und alles deutet darauf hin, dass diese eher noch zunehmen werden“ Mit der neuen Regelung wird die Reaktionszeit der polnischen Luftverteidigung reduziert. (183)

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorsky erklärte im September 2026, an seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow gewandt: „Hört auf, Russlands Zukunft zu zerstören. Sergej, ich weiß, dass du zuhörst. Sag deinem Chef, es reicht.“

Die zivilen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Warschau beteiligen sich zur Zeit an Zivilschutzkursen der polnischen Territorialstreitkräfte, um sich auf Notfälle vorzubereiten:

„In Polen wächst die Sorge vor einer Ausbreitung des russischen Kriegs gegen die Ukraine. "Wir alle wissen nicht, was im Laufe des Herbstes noch auf uns zukommen könnte", sagt der deutsche Botschafter in Warschau, Miguel Berger. In der polnischen Gesellschaft sei die Vorbereitung auf eine mögliche Krisensituation ein großes Thema. "Auch bei der Belegschaft der Botschaft gibt es ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis." Deshalb habe man sich für das Krisentraining der polnischen Armee entschieden. Die Kurse mit dem Titel "In Bereitschaft" werden landesweit angeboten. Die Nachfrage ist groß.

Vier Stunden dauert das Krisentraining der polnischen Armee für die Mitarbeiter der deutschen Botschaft. In dieser Zeit haben sie gelernt, wie man verdrecktes Wasser filtert, mit Birkenrinde ein Feuer macht - und warum ein Taschenmesser besser sein kann als ein teures Multitool. Nun kommt noch der Notfallrucksack dran. Auch ein Kompass gehört hinein, sagt der Ausbilder - sofern man damit umgehen kann. Im Krisenfall reicht eine Himmelsrichtung: "Gehen Sie nach Westen." (184)

- NATO-Bündnisfall

Im Ukrainekrieg sind in den letzten viereinhalb Jahren über 500.000 Soldaten gefallen, 1 bis 1,4 Millionen wurden schwer verletzt und gelten als Kriegsversehrte. Hinzu kommen ein paar hundert Kriegsgefangene in ukrainischen Händen. Tausende Großwaffensysteme wurden bei den Kampfhandlungen zerstört. Die „Performance“ der russischen Streitkräfte hat gezeigt, dass sie – nach einigen Anfangserfolgen - kaum noch in der Lage sind, nennenswerte Vorstöße zu machen. Unter diesen Umständen ist ein massiver russischer Landkrieg gegen die NATO illusorisch.

Für die Ebene der Hybridangriffe sieht sich der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, weil Zweckoptimismus zum Berufsbild eines Generalsekretärs gehört, gut gerüstet. Die NATO sei „bereit“: „Wir haben all diese Reaktionsmöglichkeiten parat, … wenn es um hybride Bedrohungen geht.“ (185)

Aber was ist, wenn eine Provokation auf der Höhe eines quasi konventionellen Angriffs stattfindet.  Entscheidend ist die Frage, ob die Russen in einem möglichen Szenario mit ihren Heerestruppen oder irgendwelchen Vigilanten-Einheiten in NATO-Territorium einmarschieren. Dies wäre der „casus belli“. Erst Anfang September 2026 haben die litauischen Streitkräfte wieder zwölf infanteristische Infiltrationstunnel entlang der Grenze zu Belarus entdeckt. (186)

Im Fall einer Bodeninvasion müsste die russische Regierung mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen. Damit könnte sie den Einsatz ihrer Bodentruppen militärisch abstützen, zugleich könnte sie damit die europäischen Hauptstädte ins Visier nehmen. Wie sich die NATO und ihre einzelnen Mitgliedsstaaten in einem solchen Fall gemäß Artikel 5 des Washingtoner Vertrages verhalten werden, bleibt abzuwarten. So meinte beispielsweise der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto (Amtszeit: seit Oktober 2022) bereits im Juni 2025, wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in DenHaag (Niederlande), die NATO sei in ihrer bisherigen Form obsolet:

„Die USA und die EU sind nicht mehr das Zentrum der Welt. Die NATO muss sich den veränderten Zeiten anpassen. (…) Wir reden oft so, als ob wir noch vor 30 Jahren leben würden. Aber alles hat sich geändert. Wir reden über Europa, als ob Europa etwas zählt. Vielleicht hätte es einmal zählen können, wenn es sich eine politische Rolle gegeben hätte, die es sich nicht gegeben hat. Wenn es eine Außenpolitik oder eine Verteidigung gehabt hätte. Aber seine Zeit ist vorbei.“ (187)

Andere fordern Vergeltungsangriffe auf Ziele in Russland. Allerdings wird dabei nicht an die Herstellung eines Vernichtungsgleichstand zwischen den ukrainischen Städten Kijiw, Kharkiw und Mariupol einerseits, und den russischen Städten Moskau, Sankt Petersburg und Stalingrad andererseits gedacht.

Gegebenenfalls müsste der Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), General Alexus Gregory Grynkewich (Amtsantritt: 1. Juli 2025), die Exekution des derzeitigen nuklearen Kriegsplans der NATO anordnen, der vom Directorate of Operations, Strategic Deterrence and Nuclear Integration (USAFE-AFAFRICA/A3/10) der United States Air Forces in Europe – Air Forces Africa (USAFE-AFAFRICA) mit Hauptquartier auf der Ramstein AB ausgearbeitet wurde. (188) Hinzu kämen die ganzen Gemeinheiten, die sich das Defense Special Missile and Aeronautics Center (DEFSMAC, sprich „def-smack“) ausgedacht und vorbereitet hat. Die Truppe ist angesiedelt beim Hauptquartier der National Security Agency (NSA) in Fort Georg G. Meade (Maryland). So ist DEFSMAC durch seine SIGINT/COMINT/TELINT-Aktivitäten auch für zeitkritische Frühwarnungen (engl. „Tip-offs“) beim Beginn eines Konflikts zuständig:

„DEFSMAC is an all-source operations and intelligence center that serves as the focal point for real-time mission operations, as well as analysis and reporting of foreign missile and space events. It provides time-sensitive alerts, initial event assessments, and mission support to national agencies, national command authorities, combat commands, and field-deployed data sensor platforms and stations. (…)

DEFSMAC is staffed by civilian and military members of the National Security Agency (NSA), the Defense Intelligence Agency (DIA), and the National Geospatial-Intelligence Agency (NGA).” (189)

Die Eskalation eines Waffenganges zu einem Atomkonflikt hätte fatale Folgen, wie die Autorin Annie Jacobsen in ihrem Buch „Nuclear War – A Scenario“ 2024 auf Grund einer Simulation der Arms Control Association im Juli/August 2020 berichtete (S. 194):

„The consequences of a nuclear conflict between Russia and NATO are cataclysmic. A 2020 computer simulation by nuclear weapons scholars with Princeton University´s Program on Science and Global Security found that a nuclear exchange between Russia and NATO would almost certainly escalate quickly, leading to the death and injury of nearly 100 million people in the first few hours.”

Seit 2023 richteten sich 15 größere Vorfälle und hunderte Cyberangriffe gegen die BRD. Für die deutsche Landesverteidigung ist entscheidend, dass der „Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“ (IBUK) in seiner Rolle als Bundeskanzler und CDU-Parteivorsitzender politisch angeschlagen ist. Außerdem sind die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen von Bedeutung. Hier musste ein erheblicher Stimmenzuwachs bei den pro-russischen Parteien (Linkspartei, AfD und BSW) festgestellt werden. Diese erzielten bei der Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2022 zusammen 57,7 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September ca. 49,5 Prozent und in Berlin am 20. September ca. 46,7 Prozent. Unter dem Signet „Erhaltung des Friedens“ übernehmen die genannten Parteien die Narrative der russischen Nachrichtendienste und machen sich zum willfährigen Transporteur von deren Dezinformatsiya. Innerhalb der russischen Nachrichtendienste werden diese pseudo-politischen Einflusskräfte verächtlich als Gownojed (dt.: Scheißefresser) bezeichnet. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Unter diesen Umständen wird „Landesverteidigung“ schwierig. Wie sei mit dieser Brut zukünftig umgehen wollen, müssen sich die Scheißläden der Inneren Sicherheit jetzt genau überlegen.

Nach Zerschlagung der Terroristengruppe „Ralf Forster“ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zu Anfang der neunziger Jahre ist unklar, (190) welche paramilitärischen Strukturen die Neostalinisten und Neonazis in der BRD heute noch unterhalten. Das solche militanten Netzwerke noch existieren, ergibt sich aus verschiedenen Waffen- und Sprengstofffunden. Derweil rüsten die russischen Nachrichtendienste ihre Vigilanten-Truppen in der BRD mit Waffentransporten via Serbien weiter auf. (191)

Quellen:

(1) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-19-.--Update.htm

(2) https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_92352910/ex-kgb-spion-berichtet-ue
ber-wladimir-putins-folter-.html

(3) https://www.welt.de/politik/ausland/article6aa48b2d181cb962d488c780/spannungen-
mit-russland-putin-macht-westliche-globalisten-fuer-afd-erfolg-verantwortlich-und-warnt-
europa.html

(4) https://en.wikipedia.org/wiki/National_Defense_Management_Center

(5) https://en.wikipedia.org/wiki/Metro-2

(6) https://danwatch.dk/en/military-documents-reveal-how-russia-has-reactivated-a-top-
secret-doomsday-system/

(7) https://www.deutschlandfunk.de/interviewegilslevits-100.html

(8) https://euractiv.com/de/news/mit-putins-worten-warum-russland-die-ukraine-ueber
fallen-hat/

(9) Zit. n.: https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/14751798.2024.244279

(10) https://www.bruxelles2.eu/en/2014/04/a-good-fsb-and-russian-intelligence-team-pre
sent-in-kiev-in-february/

(11) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-15-.--Update.htm

(12) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0.htm

(13) https://www.politico.com/news/2022/09/27/putin-nuke-russia-ukraine-intel-surveillance-
00059020

(14) https://www.jstor.org/stable/pdf/resrep66795.pdf?refreqid=fastly-default%3Aa19134
8f0d22caac3a54651b30216970&ab_segments=&initiator=recommender&acceptTC=

(15) https://www.jstor.org/stable/pdf/resrep66795.pdf?refreqid=fastly-default%3Aa19134
8f0d22caac3a54651b30216970&ab_segments=&initiator=recommender&acceptTC=

(16) N.N.: Indicators and Thresholds for Russian Military Operations in Ukraine and/or Belarus, Institute for the Study of War Online, Washington D. C., USA, 14. Januar 2022, o. S., Online: www.understandingwar.org/backgrounder/indicators-and-thresholds-russian-
military-operations-ukraine-andor-belarus

(17) https://www.reuters.com/world/europe/putin-starts-russias-strategic-nuclear-exerci
ses-tensions-soar-2022-02-19/

(18) http://en.kremlin.ru/events/president/news/67876

(19) https://www.fr.de/politik/ukraine-krieg-russland-kiew-angriff-kaempfe-putin-selens
kyj-aktuell-news-zr-91375568.html

(20) https://www.spiegel.de/ausland/russland-ukraine-news-am-sonntag-elon-musk-star
link-hilft-ukraine-mit-internet-aus-a-08e79937-e5b3-43aa-8865-699d14274ed5

(21) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 199f

(22) https://www.jstor.org/stable/pdf/resrep66795.pdf?refreqid=fastly-default%3Aa19134
8f0d22caac3a54651b30216970&ab_segments=&initiator=recommender&acceptTC=

(23) https://www.dia.mil/Portals/110/Images/News/Military_Powers_Publications/Nuclear_
Challenges_2024.pdf

(24) https://rusemb.org.uk/press/2029

(25) https://edition.cnn.com/2022/03/01/politics/us-intelligence-putin-state-of-mind

(26) https://edition.cnn.com/2022/12/09/europe/russia-putin-nuclear-weapons-intl

(27) https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-krieg-dmitrji-medwedew-droht-mit-der-atom
bombe-a-3150a02b-c4f2-40db-b12d-bd55ee7df1f7

(28) Zit. n.: Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 200

(29) https://www.france24.com/en/europe/20240927-vladimir-putin-nuclear-weapons-decla
ration-more-than-an-empty-threat-ukraine-nato-us-war

(30) https://germany.mid.ru/de/aktuelles/pressemitteilungen/erlass_nr_991_ber_die_grund
lagen_der_staatspolitik_der_russischen_f_deration_auf_dem_gebiet_der_nukl/

(31) https://thebulletin.org/2024/12/how-impossible-is-the-risk-of-nuclear-escalation-in-
ukraine/

(32) https://www.congress.gov/crs-product/IF12672

(33) https://www.jstor.org/stable/pdf/resrep66795.pdf?refreqid=fastly-default%3Aa19134
8f0d22caac3a54651b30216970&ab_segments=&initiator=recommender&acceptTC=

(34) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-18-.--Update.htm

(35) https://www.ft.com/content/f18e6e1f-5c3d-4554-aee5-50a730b306b7?syn-25a6b1a6=1

(36) https://www.jstor.org/stable/pdf/resrep66795.pdf?refreqid=fastly-default%3Aa19134
8f0d22caac3a54651b30216970&ab_segments=&initiator=recommender&acceptTC=

(37) https://www.n-tv.de/politik/Selenskyj-meldet-zusaetzliche-Mobilmachung-Putin-stockt-
russische-Armee-auf-id31358204.html

(38) https://danwatch.dk/en/documents-reveal-massive-upgrades-to-russian-nuclear-war
heads-storage-facility/

(39) https://www.aa.com.tr/en/asia-pacific/belarus-says-will-use-nuclear-weapons-in-case-of-
an-attack/3343608

(40) https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-05/russland-militaer-uebung-verteidigung-dreitaegig-gxe

(41) https://www.fr.de/politik/und-der-nato-harte-wahrheiten-fuer-putin-ueber-einen-krieg-
zwischen-russland-zr-94505671.html

(42) https://www.pravda.com.ua/eng/news/2022/04/11/7338843/

(43) https://www.understandingwar.org/backgrounder/russian-offensive-campaign-assess
ment-march-17

(44) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-28-.--Update.htm

(45) https://en.wikipedia.org/wiki/Hwasong-11A

(46) https://de.wikipedia.org/wiki/Kalibr

(47) https://de.wikipedia.org/wiki/SS-N-33_Zirkon

(48) https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Saporischschja

(49) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-7-.--Update.htm

(50) https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Chmelnyzkyj

(51) https://www.spiegel.de/ausland/russland-ukraine-news-am-montag-wolodymyr-selens
kyj-kritisiert-internationales-schweigen-nach-moskaus-angriffsdrohung-a-f574ad97-59ff-491f-
81a1-2fc926210d33

(52) https://www.dw.com/de/drohne-l%C3%B6st-brand-an-russischem-atomkraftwerk-aus/
a-73743551

(53) Horovitz, Liviu / Smetana, Michal (Hg.): Russia’s Nuclear Signaling in the War Against Ukraine: A Chronology of the Biden Era, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin in Zusammenarbeit mit Peace Research Center Prag (PRCP) in Prag, 3. Dezember 2025, S. 4, Online: https://www.swp-berlin.org/publications/products/arbeitspapiere/Horovitz_Smetana_
et_al-Russia_Nuclear_Signalling_Chronology_Dec25_LARGE.pdf

(54) https://united24media.com/latest-news/nearly-40-of-russians-approve-of-a-nuclear-strike
-on-ukraine-poll-finds-4126

(55) https://www.blick.ch/ausland/leere-drohung-oder-echte-gefahr-womit-putin-schon-drohte
-und-was-er-wirklich-tat-id21057677.html

(56) https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/krieg-in-der-ukraine-medwedew-droht-
dem-westen-mit-atombombe-79543972.bild.html

(57) https://www.reuters.com/world/europe/russia-warns-baltic-nuclear-deployment-if-
nato-admits-sweden-finland-2022-04-14/

(58) https://de.wikipedia.org/wiki/Poseidon_(Unterwasserdrohne)

(59) https://www.newsweek.com/russia-ambassador-us-says-nato-not-taking-nuclear-
war-threat-seriously-1703968

(60) https://www.rnd.de/politik/russland-putin-soll-mit-atomschlag-drohen-duma-abgeordneter
-im-tv-S5Q5YRVXONC63LTZNI3TCOAMBU.html

(61) http://en.kremlin.ru/events/president/transcripts/69390

(62) https://english.alarabiya.net/News/world/2022/10/01/Chechen-s-Kadyrov-Russia-
should-use-low-yield-nuclear-weapon-in-Ukraine

(63) https://www.reuters.com/world/putin-ally-says-wests-deliveries-new-weapons-kyiv-
will-lead-global-catastrophe-2023-01-22/

(64) https://eng.globalaffairs.ru/articles/a-difficult-but-necessary-decision

(65) https://www.ksta.de/politik/ukraine-krieg/medwedew-droht-nato-laendern-mit-krieg-
und-apokalypse-1-637128

(66) https://www.bbc.com/news/world-europe-68435163#google_vignette

(67) https://www.news.de/politik/857737571/putin-vertrauter-plaudert-atomwaffen-plan-
aus-duma-abgeordneter-erklaert-was-er-mit-den-kreml-nuklearwaffen-vorhat/1/

(68) https://www.merkur.de/politik/europa-atomschlag-knie-zwingen-russland-politiker-nennt-
fettes-ziel-nukleare-bedrohung-zr-93112202.html - :~:text=Nun%20droht%20ein%20rus
sischer%20Politiker%20mit%20einem%20Atomangriff,und%20f%C3%BCr%20seine%
20harten%20Aussagen%20sowie%20Propaganda%20bekannt

(69) https://www.blick.ch/ausland/leere-drohung-oder-echte-gefahr-womit-putin-schon-droh
te-und-was-er-wirklich-tat-id21057677.html

(70) https://www.milfors.de/POSEIDON_DOOMSDAY.htm

(71) https://www.schwaebische-post.de/welt/politik/angeblich-ganzen-us-staat-ausloeschen-
russland-politiker-droht-trump-putins-burewestnik-rakete-kann-zr-94035099.html

(72) https://www.tagesspiegel.de/internationales/in-form-eines-ultimatums-peking-warnte
-moskau-offenbar-vor-atomwaffen-einsatz-gegen-die-ukraine-15828358.html

(73) https://www.pressreader.com/germany/schwaebische-zeitung-bad-saulgau/20260831/
281629607132626

(74) https://www.msn.com/de-de/politik/beh%C3%B6rde/dmitri-medwedew-das-sind-kei
ne-andeutungen-putin-vertrauter-droht-mit-atomschlag/ar-AA2bXr20?ocid=BingNewsSerp

(75) https://www.focus.de/politik/ausland/nato-staat-im-visier-russland-droht-litauen-
mit-atomwaffen-falls-das-land-seine-verfassungsreform-beschliesst_73874e77-d8eb-4
eea-9085-b02957ac03f2.html

(76) https://www.polskieradio.pl/400/7764/artykul/3732321,russland-droht-polen-mit-zerst
%C3%B6rung-im-kriegsfall

(77) https://www.welt.de/politik/ausland/article6aad0d9b708e760b5e062e8f/ukraine-krieg-
es-waere-ein-voellig-anderer-und-sehr-kurzer-krieg-sagt-russlands-aussenminister-sergej-
lawrow.html

(78) https://www.spiegel.de/ausland/exklave-kaliningrad-nato-verurteilt-russische-gewalt
androhung-aufs-schaerfste-a-6db820e2-492c-493b-b9b4-10571b64f217

(79) https://www.n-tv.de/politik/21-44-Merz-zu-Wadephul-Lawrow-Treffen-Russland-nicht-
an-Gespraechen-interessiert-id30859357.html

(80) https://www.gov.uk/government/news/raf-typhoon-jets-intercept-russian-bombers-
flying-north-of-scotland

(81) https://www.spiegel.de/ausland/russland-ukraine-news-am-dienstag-ukraine-verei
telt-moglichen-anschlagsplan-gegen-selenskyj-a-b3bf4594-165a-4b1e-9c43-283c7279b175

(82) https://www.bbc.com/news/world-europe-62520743#google_vignette

(83) https://www.politico.com/news/2022/09/27/putin-nuke-russia-ukraine-intel-surveil
lance-00059020

(84) https://www.politico.com/news/2022/09/27/putin-nuke-russia-ukraine-intel-survei
lance-00059020

(85) https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Geljewitsch_Dugi

(86) https://www.facebook.com/ukraineworld.org/videos/russian-political-philosopher-alex
ander-dugin-argues-that-russia-is-fighting-a-h/809448270341183/

(87) Woodward, Bob: Krieg, München, 2024, S. 181f

(88) https://www.newsweek.com/fact-check-russias-claim-that-photo-shows-dirty-bomb-
ukraine-1755089

(89) https://www.iaea.org/newscenter/pressreleases/iaea-inspectors-complete-in-field-
verification-activities-at-three-ukraine-locations-no-indications-of-undeclared-nuclear-activi
ties-and-materials

(90) https://www.newsweek.com/russian-submarines-north-sea-irish-sea-pacific-ocean-
ben-wallace-uk-defense-1795357

(91) https://www.bbc.com/news/world-europe-63893316

(92) https://www.newsweek.com/kremlin-official-sees-nato-preparing-war-russia-1718934

(93) https://thehill.com/policy/international/597842-biden-direct-conflict-between-nato-
and-russia-would-be-world-war-iii/

(94) https://www.nytimes.com/2022/05/31/opinion/biden-ukraine-strategy.html

(95) https://edition.cnn.com/2024/03/09/politics/us-prepared-rigorously-potential-russian-
nuclear-strike-ukraine

(96) https://www.nytimes.com/2024/03/09/us/politics/biden-nuclear-russia-ukraine.html

(97) https://edition.cnn.com/2024/03/09/politics/us-prepared-rigorously-potential-russian-
nuclear-strike-ukraine

(98) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 197ff

(99) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 207

(100) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 208

(101) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 289

(102) https://www.newsweek.com/nato-general-shirreff-ukraine-russia-war-1742977

(103) https://www.cbsnews.com/news/president-joe-biden-vladimir-putin-60-minutes-
2022-09-16/

(104) https://www.nbcnews.com/news/world/russia-catastrophic-consequences-nuclear-wea
pons-ukraine-us-warns-rcna49365

(105) https://en.wikipedia.org/wiki/Nuclear_risk_during_the_Russo-Ukrainian_war_(2022
%E2%80%93present)#cite_note-98

(106) Horovitz, Liviu / Smetana, Michal (Hg.): Russia’s Nuclear Signaling in the War Against Ukraine: A Chronology of the Biden Era, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin in Zusammenarbeit mit Peace Research Center Prag (PRCP) in Prag, 3. Dezember 2025, S. 176, Online: https://www.swp-berlin.org/publications/products/arbeitspapiere/
Horovitz_Smetana_et_al-Russia_Nuclear_Signalling_Chronology_Dec25_LARGE.pdf

(107) https://en.wikipedia.org/wiki/501st_Combat_Support_Wing

(108) https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_die_Nord-Stream-Pipelines

(109) https://www.spiegel.de/international/world/pipeline-explosion-in-the-baltic-sea-how-
early-did-the-cia-know-about-the-nord-stream-attack-a-3191daf5-bb02-4395-b08b-3cb7acce
557b

(110) Horovitz, Liviu / Smetana, Michal (Hg.): Russia’s Nuclear Signaling in the War Against Ukraine: A Chronology of the Biden Era, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin in Zusammenarbeit mit Peace Research Center Prag (PRCP) in Prag, 3. Dezember 2025, S. 277f, Online: https://www.swp-berlin.org/publications/products/arbeitspapiere/Horovitz_Smetana_et_al-
Russia_Nuclear_Signalling_Chronology_Dec25_LARGE.pdf)

(111) https://www.newsweek.com/ukraine-prepares-nuclear-strike-weapons-russia-putin-
1757836

(112) https://en.wikipedia.org/wiki/Moscow%E2%80%93Washington_hotline

(113) Woodward, Bob: Krieg, München, 2024, S. 186ff

(114) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 209

(115) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 209

(116) https://abcnews.com/Politics/us-russias-dirty-bomb-claims-pretext-escalation-ukraine/
story?id=92010587

(117) https://www.ft.com/content/7bcee5c1-99be-45fa-bea0-8ef10648b31c?syn-25a6b1a6=1

(118) https://www.milfors.de/Atomgeplaenkel.htm

(119) https://www.pib.gov.in/PressReleasePage.aspx?PRID=1870962&reg=48&lang=2

(120) https://www.pbs.org/newshour/show/cia-director-bill-burns-on-war-in-ukraine-intelli
gence-challenges-posed-by-china

(121) https://2021-2025.state.gov/joint-statement-on-ukraine-2/

(122) https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/rede-von-bundeskanzler-olaf-scholz-2127766

(123) https://www.bazonline.ch/drohgebaerden-mit-atomwaffen-sind-nicht-akzeptabel-43460
9148800

(124) https://edition.cnn.com/2024/03/09/politics/us-prepared-rigorously-potential-russian-
nuclear-strike-ukraine

(125) https://www.theguardian.com/world/2022/oct/02/us-russia-putin-ukraine-war-david-
petraeus

(126) https://edition.cnn.com/2024/03/09/politics/us-prepared-rigorously-potential-russian-
nuclear-strike-ukraine

(127) https://www.derwesten.de/politik/putin-news-ukraine-krieg-westen-deutschland-nato-
b-id300835430.html

(128) https://www.tagesspiegel.de/internationales/die-kleinen-schweinchen-europas-
putin-beleidigt-westliche-staatsfuhrer-in-rede-15062299.html

(129) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 223

(130) Sciutto, Jim; The Return of Great Powers – Russia, China, And The Next World War, New York, USA, 2024, S. 288

(131) https://www.jstor.org/stable/pdf/resrep66795.pdf?refreqid=fastly-default%3Aa19134
8f0d22caac3a54651b30216970&ab_segments=&initiator=recommender&acceptTC=

(132) https://www.bundesregierung.de/resource/blob/992814/2323754/e56327588f5ba2fab
933e5a8af5ea51d/119-1-bk-befragung-br-bt-data.pdf?download=1

(133) https://x.com/ABaerbockArchiv/status/1499818157053255684

(134) https://www.n-tv.de/politik/Belgien-will-komplette-F-16-Flotte-an-die-Ukraine-liefern-id
30807416.html

(135) https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_91840204/vorschlag-aus-polen-bundes
kanzler-scholz-gegen-nato-mission-in-ukraine-.htm

(136) https://www.spd.de/aktuelles/detail/news/es-darf-keinen-atomkrieg-geben/22/04/2022

(137) https://www.bundesregierung.de/resource/blob/992814/2298420/6107dc3f9949443ad
6b84ee0ae383a83/2024-07-10-joint-statement-usa-ger-nato-gipfel-data.pdf?download=1

(138) https://soldat-und-technik.de/2025/09/streitkraefte/45140/abrams-ukraine/

(139) https://www.milfors.de/Angriffe-auf-russische-Bomberbasen.htm

(140) https://www.milfors.de/Angriff-auf-Atombomberbasen.htm

(141) https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Spinnennetz

(142) https://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Spiderweb

(143) https://en.wikipedia.org/wiki/Main_Centre_for_Missile_Attack_Warning

(144) https://de.wikipedia.org/wiki/Berijew_A-5 https://de.wikipedia.org/wiki/Berijew_A-50

(145) https://www.redstar.gr/en/russian-aerial-means/aircraft/tupolev/tu-214pu-flying-com
mand-post.html

(146) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/russland-general-tod-100.html

(147) https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/russland-mutmasslicher-bomber
-general-in-saratow-niedergeschossen-6a9a7b13b3e0470a1975b40b

(148) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-27-.--Update.htm

(149) https://en.wikipedia.org/wiki/Boeing_E-4

(150) https://www.newsweek.com/putin-threatens-nuke-world-opinion-1685241

(151) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-18-.--Update.htm

(152) https://www.stratcom.mil/Media/Speeches/Article/3022885/senate-armed-services-
committee-hearing-nuclear-weapons-council/

(153) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-ukraine-montag-107.html#Ukraine-wirft-russischer-Armee-Schuesse-auf-Demonstranten-in-Cherson-vor

(154) https://www.doctrine.af.mil/Portals/61/documents/AFDN_1-21/AFDN%201-21%20
ACE.pdf

(155) https://www.bbc.com/news/articles/c93dgr2dd53o

(156) https://www.mirror.co.uk/news/politics/fears-grow-putin-could-detonate-28273343

(157) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-28-.--Update.htm

(158) https://www.n-tv.de/ticker/Russland-kritisiert-Finnlands-Beteiligung-an-franzoesischer-
Nuklear-Initiative-id31309686.html

(159) https://www.fr.de/politik/zu-leugnen-selbst-putins-fans-bangen-um-russlands-sieg-front
probleme-kaum-zr-94515142.html

(160) https://www.fr.de/politik/botschaft-neue-details-zu-moskau-reise-cia-chef-brachte-putin-
eine-klare-zr-94517023.html

(161) https://www.n-tv.de/politik/Selenskyj-meldet-zusaetzliche-Mobilmachung-Putin-stockt-
russische-Armee-auf-id31358204.html

(162) https://www.tagesspiegel.de/internationales/putin-wird-weitermachen-warum-selenskyj-
einen-russischen-angriff-auf-europa-fur-wahrscheinlich-halt-16086315.html

(163) https://www.welt.de/politik/ausland/article6aaf8028c15deed547b30310/gotland-russ
land-soll-laut-berichten-tausende-zusaetzliche-krankenhausbetten-bereitstellen.html

(164) https://www.fe-ddis.dk/globalassets/fe/dokumenter/2026/trusselsvurderinger/-assess
ment-of-the-threat-from-russia-.pdf

(165) https://www.zeit.de/news/2026-09/23/rubio-moegliche-ausweitung-des-ukraine-kriegs-
sorgt-usa

(166) https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/505791/putin-verwandelt-alles-in-
scheisse/

(167) https://www.n-tv.de/politik/In-Polen-waechst-die-Angst-vor-dem-Krieg-aus-Russland-id
31352661.html

(168) https://www.n-tv.de/politik/Riesige-russische-Spionage-Kampagne-zielt-vor-allem-auf-
Deutschland-id31041183.htm

(169) https://www.n-tv.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/Quecksilber-in-Blumen-Wohnung-nach-Gefahrgut-Alarm-geraeumt-id31323558.html

(170) https://www.elmundo.es/internacional/2026/09/23/6ab411e9fdddff35028b4598.html

(171) https://www.france24.com/fr/info-en-continu/20260916-macron-a-r%C3%A9uni-un-con
seil-de-d%C3%A9fense-sur-les-attaques-hybrides-en-europe

(172) https://www.tagesspiegel.de/eskalation-schon-in-den-nachsten-monaten-geheimdien
stler-warnen-vor-russischen-aggressionen-auf-nato-gebiet--finnland-sieht-uberreaktion-16078240.html

(173) https://www.milfors.de/Winterkrieg-2026.htm

(174) https://www.milfors.de/NATO-Kriegsplaene-Baltikum.htm

(175) https://de.wikipedia.org/wiki/Wenn_Russland_gewinnt._Ein_Szenario

(176) https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/newsbeitrag/die-kleinen-und-grossen-provoka
tionen-von-narva

(177) https://www.n-tv.de/politik/Putin-beschwichtigt-Plane-keinen-Kampf-mit-Europa-id
31349889.html

(178) https://www.spiegel.de/ausland/russland-ukraine-krieg-putin-erklaert-er-plane-keine-ag
gression-gegen-europa-a-3bc1be25-96e9-416b-91e2-9651aad03f8

(179) https://www.fr.de/politik/sarg-estnischer-politiker-sieht-ernste-bedrohungslage-in-est
land-waere-nagel-fuer-putins-zr-94500766.html

(180) https://de.euronews.com/2026/09/17/warnung-vor-luftangriff-alarm-fur-bewohner-in-ost
polen

(181) https://www.milfors.de/Hotspot-Kaliningrad.htm

(182) https://www.ksta.de/politik/putins-propaganda-agentur-kuendigt-naechsten-krieg-an-
artikel-geloescht-1382226

(183) https://www.merkur.de/politik/nato-ostflanke-abwehr-gegen-putin-polen-lockert-ab
schussregeln-an-der-zr-94516067.html

(184) https://www.n-tv.de/politik/In-Polen-waechst-die-Angst-vor-dem-Krieg-aus-Russland-
id31352661.html

(185) https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-russland-krieg-mark-rutte-sieht-nato-gerue
stet-fuer-abwehr-hybrider-angriffe-a-d24eed01-e0ea-4120-b478-3cdccd0cd5b5

(186) https://www.n-tv.de/politik/Litauen-entdeckt-zwoelf-Migrantentunnel-an-seiner-
Grenze-id31318457.html

(187) https://www.spiegel.de/ausland/italien-melonis-verteidigungsminister-guido-crosetto-
hinterfragt-nato-existenz-a-a28c93ef-77f2-43ec-aef0-42e50b5ea39a

(188) https://www.milfors.de/NATO-Kriegsplaene-Baltikum.htm

(189) https://media.defense.gov/2021/Jul/13/2002762037/-1/-1/0/DEFSMAC
_BROCHURE.PDF

(190) https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_Ralf_Forster

(191) https://www.news.de/politik/860031172/wladimir-putins-geheime-waffendepots-in-
deutschland-aufgedeckt-russland-unter-verdacht-geheime-fahndung-nach-lkw-mit-waffen/1/