Baltikum: NATO-Truppen und ihre Kriegspläne
Gerhard Piper
29. August 2026
“And now I sit here I′m all alone
So here sits a bloody mess ,
tears fly home
A circle of angels deep in war
'Cos I wanted you
Weak as I am, no tears for you
Weak as I am, no tears for you
Deep as I am, I'm no one′s fool
Weak as I am”
Skunk Anansie, “Weak”, Januar 1996
Irgendwas war passiert! Jedenfalls stiegen am 18. August 2026 im Luftraum von Nordnorwegen bis ins Baltikum über 50 Militärflugzeuge der NATO (F-35A LIGHTNIN II, E-3A SENTRY AWACS und EA-37B COMPASS CALL II, etc.) zu einer „Übung“ auf. Angeblich war das Luftmanöver längere Zeit geplant, behauptete das zuständige, polnische Kommando. „Man kann nur hoffen, dass Russland die Botschaft verstanden hat,“ erklärte Carlo Massala von der Bundeswehruniversität in München. (1) Der Vorfall beförderte Ängste, es könnte bald zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen NATO und Russland kommen. In diesem Zusammenhang wurden neue Kriegspläne bekannt, die das Hauptquartier der U.S. Army in Wiesbaden erst kürzlich gemäß dem „(NATO) Land Warfighting Concept“ aufgestellt hat. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über die Entwicklung der Kriegsplanung für das Baltikum vor dem Hintergrund der Strategieentwicklung und Streitkräfteplanung. Am 25. August reiste der Direktor der CIA John Lee Ratcliffe für nur ein paar Stunden überraschend nach Moskau. Anlass und Zweck des „Geheimbesuches“ wurden offiziell nicht bekanntgegeben. Ist irgendwas passiert? (2)
NATO-Kommandostruktur
Die militärpolitische Zentrale des Bündnisses befindet sich immer noch in Brüssel-Haren, allerdings hat die NATO vor Jahren einen neuen Gebäudekomplex bezogen. Dieser befindet sich seit dem 25. Mai 2017 auf dem ehemaligen Luftstützpunkt Melsbroek (Boulevard Léopold III bzw. Leopold III Laan), um die ganze Militärbürokratie mit den vielen Bürojobs unterbringen zu können.
„Im Hauptquartier sind rund 4000 Vollzeitkräfte beschäftigt (Stand: 2016). Die Hälfte dieser Kräfte werden als zivile und militärische Vertreter aus den Mitgliedsstaaten entsandt. 300 der Vollzeitkräfte arbeiten in den Ständigen Vertretungen der Mitgliedstaaten, etwa 1000 im Internationalen Stab und anderen NATO-Agenturen innerhalb des Hauptquartiers und 500 im Internationalen Militärstab. (…)
Der Internationale Militärstab (IMS) ist der militärische Arbeits- und Beratungsstab des NATO-Militärausschusses. (…) Seine rund 500 Angehörigen werden überwiegend von den Nationen beigestellt.“ (3)
An der Spitze der NATO steht formal der Generalsekretär, er führt den Vorsitz in dem wichtigsten Entscheidungsgremium der NATO, dem North Atlantic Council (NAC). In diesem Nordatlantikrat sich die Mitgliedsnationen durch ihre Botschafter, die Permanent Representatives (PERMREP), vertreten. Der NAC wird unterstützt durch zahlreiche Büros, darunter das Defense Policy and Planning Committee, das Civil Emergency Planning Committee und das Civilian Intelligence Committee.
Dem Generalsekretär arbeitet ein ziviler International Staff (IS) zu. An der militärpolitischen Spitze der NATO steht der Military Council (MC). Die einzelnen NATO-Mitgliedsstaaten sind in diesem Gremium durch ihre Military Representative (MILREP) vertreten. Dem MC arbeitet ein International Military Staff (IMS) zu. Zu seinen vier Abteilungen gehört u. a. die Operations and Plans Division (O&P).
IS und IMS betreiben zusammen u. a. das Lagezentrum (Situation Centre – SITCEN), die Joint Intelligence and Security Division (JISD) und den NATO Headquarters C3 Staff (NHQC3S), der für die Kommandosysteme zuständig ist.
Der eigentliche Militärapparat der Allianz liegt außerhalb von Brüssel. Während des Kalten Krieges (1949 bis 1991) gliederte sich die NATO in den Bereich Atlantik (HQ Norfolk) und den Bereich Europa (Allied Command Europe – ACE) mit Hauptquartier in Casteau bzw. Mons (Belgien). Heute lauten deren Bezeichnungen „Allied Command Transformation“ (ACT) in Norfolk bzw. Allied Command Operations (ACO) in Casteau.
Als Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), der Titel blieb über die Jahrzehnte gleich, und militärischer NATO-Oberbefehlshaber agiert z. Zt. der amerikanische General Alexus Gregory Grynkewich (Amtsantritt: 1. Juli 2025). Sein Hauptquartier trägt die traditionelle Bezeichnung „Supreme Headquarters Allied Powers Europe“ (SHAPE) in Casteau (Belgien). Als Chef des Stabes (COS) fungiert immer ein deutscher General, seit dem 24. September 2024 Markus Laubenthal. Er leitet den Special Staff. Zentrales Element des Stabes ist der Deputy Chief of Staff – Operations, dem die Operations Division (OPS oder OPS DIV), die Policy Division (POL) und die Intelligence Division (INTEL) unterstellt sind.
Der europäische Bereich wiederum gliederte sich in drei Regionale Abschnitte: Allied Force Northern Europe (AFNORTH) mit HQ auf der Militärbasis Kolsås leir bei Bærum (Norwegen), Allied Forces Central Europe (AFCENT) mit HQ in Brunssum (Niederlande) und die Allied Force Southern Europe (AFSOUTH) mit HQ Neapel (Italien). Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die Truppenteile gekürzt, die Kommandostruktur verschlankt und die verschiedenen, höheren Kommandos entweder aufgelöst oder umbenannt, aber im Prinzip existiert die alte Kommandostruktur bis heute fort. Die drei dem SACEUR nachgeordneten Befehlsbereiche werden heutzutage als „Joint Operations Area“ (JOA) bezeichnet, die drei Truppenkommandos heißen „Joint Force Command“ (JFC):
- JAO Area Northwest (JAO-NW) mit dem HQ Joint Force Command (JFCNF) in Norfolk (USA)
- JAO Central (JAO-C) mit dem Headquarters Allied Joint Force Command Brunssum (JFC Brunssum oder JFCBS) in Brunssum (Niederlande)
- JAO South-East (JAO-SE) mit dem HQ Joint Force Command (JFCNP) in Neapel (Italien)
Das NATO-Gebiet Europa teilt eine 2.200 km lange Grenze mit Russland/Belarus. Es war notwendig, das Gebiet in verschiedene Regionalzonen mit klaren Grenzen aufzuteilen, obwohl die Grenzziehung manchmal etwas willkürlich wirkt: Die skandinavischen Staaten Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark zählen zum JAO-NW. Die BRD, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, Slowakei und Ungarn bilden den JAO-C. Bulgarien, Rumänien, Griechenland und Türkei gehören zum JAO-SE. Diese Zuordnung in Friedenszeiten schließt nicht aus, dass finnische Häfen und Flughäfen im Kriegsfall auch zur Unterstützung der Verteidigung des Baltikums genutzt werden.
So ging aus dem alten Kommando Allied Forces Central Europe (AFCENT) 2012 das heutige Allied Joint Force Command Brunssum (JFCBS) hervor. Es ist für die Joint Operations Area Centre (JOA-C) zuständig. Sein HQ befindet sich immer noch in Brunssum (Rimburgerweg 30). Als Kommandeur agiert gegenwärtig Bundeswehrgeneral Ingo Gerhartz (Amtsantritt: 11. Juni 2025); sein Chef des Stabes ist der französische Generalleutnant Jean-Pierre Perrin.
Außerdem gibt es für das JFCBS im Kriegsfall einen verbunkerten Führungsstand, das Static War Headquarter (SWHQ) mit dem Codenamen CASTLE GATE in Linnich-Glimbach im Kreis Düren (NRW). Der Bunker unter dem Moolberg wurde 1992 fertiggestellt und dient Brunssum seit 2004 als Kriegshauptquartier. Er hat eine Länge von 53 m bei einer Breite von 45 m. Auf seinen sechs Stockwerken können im Kriegsfall mehr als 1.000 Stabsoffiziere und Unteroffiziere arbeiten. Die deutschen Sicherheitsorgane haben festgestellt, dass der Bunker in letzter Zeit verstärktes Interesse bei Objektaufklärern des russischen Militärgeheimdienstes GRU findet. (4)
Die unterstellten Heeresverbände wurden früher im NATO-Kommando Allied Land Forces Central Europe (LANDCENT) mit HQ in Heidelberg (Campbell Barracks) zusammengefasst. Daraus ging schließlich 2010 das Headquarters Allied Force Command Heidelberg (HQ FC HD) hervor, das zum 1. April 2013 aufgelöst wurde. Heute sind die Landstreitkräfte im taktischen Allied Land Command (LANDCOM) mit Hauptquartier in Izmir (Türkei) zusammengefasst. Dessen Stab umfasst 350 militärische und zivile Dienstposten aus 23 Nationen.
Die Brunssum unterstellten Luftstreitkräfte waren bis zu ihrer Auflösung im August 1993 im Allied Air Forces Central Europe (AAFCE) mit HQ auf der Ramstein Air Base (AB) in Rheinland-Pfalz zusammengefasst. Daraus gingen 1993 die Allied Air Forces Central Europe (AIRCENT) und am 1. Juli 2004 das Component Command-Air Headquarters Ramstein (CC-AIR Ramstein) hervor. Dieses wiederum wurde am 1. März umbenannt in Headquarters Allied Air Command Ramstein. Am 1. Januar 2013 wurden die Luftstreitkräfte Allied Air Forces North (AIRNORTH) mit den Luftstreitkräften AIRSOUTH zum ALLIED AIR COMMAND (AIRCOM) mit HQ auf der Ramstein AB (Gebäude 313) zusammengelegt, das fortan für den gesamten Kommandobereich Europa zuständig war.
Als Kommandeur fungiert gegenwärtig Generalleutnant Jason T. Hinds, sein Stabschef ist der deutsche Generalmajor Frank Gräfe (Amtsantritt: Juli 2025) und als Chef der Operationsabteilung agiert Brigadegeneral Kevin M. Jamieson (Amtsantritt: 20. August 2025). Im Hauptquartier arbeiten rund 600 Mann Stabspersonal. Zur Einsatzführung steht u. a. das verbunkerte Combined Air Operations Center (CAOC) in Uedem-Paulsberg bei Düsseldorf zur Verfügung. Es ist unter anderem für die Überwachung und die Verteidigung des Luftraums Deutschlands, der Beneluxstaaten, Polens, Tschechien, Slowakei und der Baltischen Staaten zuständig. So leitet es die Mission AIR POLICING BALTIKUM. Der Kommandeur wird mit Generalleutnant Thorsten Poschwatta derzeit von der Bundesluftwaffe gestellt, sein Stellvertreter ist der polnische Brigadegeneral Tomasz Lenart. Der Personalumfang beträgt in Friedenszeiten bis zu etwa 188 Soldaten aus 24 verschiedenen Nationen, wobei der Großteil jeweils durch das Gastgeberland gestellt wird.
Die unterstellten Seestreitkräfte sind zum Allied Maritime Command (MARCOM) zusammengefasst. Dessen Hauptquartier befindet sich auf dem britischen Marinestützpunkt Northwood. Seinem Stab gehören 280 Personen an.
Zur Führung der Marineverbände in der Ostsee wurde am 1. Oktober 2014 beim deutschen Marinekommando (MARCOM) in Rostock (Hanse-Kaserne) ein neues regionales NATO-Kommando, der „Commander Task Force Baltic“ (CTF Baltic), eingerichtet. Das Hauptquartier wird durch den deutschen Konteradmiral Stephan Haisch geführt, dem ein polnischer Admiral als Stellvertreter zur Seite steht. In Friedenszeiten sind in dem Hauptquartier 60 Dienstposten zu besetzen, bei einer möglichen Krise kann der Stab auf 180 bis zu 240 Dienstposten aufgestockt werden. Neben Deutschland sind noch elf weitere Nationen personell an CTF Baltic beteiligt: Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Polen und Schweden. Im Jahr 2028 soll der Stab nach Polen verlegt werden.
Für die Befehlsgebung im Kommandobereich Europa steht das NATO-Kommandosystem mit verschiedenen, redundanten Systemen bereit. Außerdem verfügt die NATO CIS Group (NCSIG) in Casteau (Belgien) über drei Fernmeldebataillone in Wesel (1st Signal Battalion, Schill-Kaserne, BRD), Bydgozcz (3rd Signal Battalion, Polen) und Grazzanise (2nd Signal Battalion, Italien). (https://ncisg.nato.int/about-us.aspx)
Militärplanung
Die Entwicklung der Kriegsplanung basiert u. a. auf der Streitkräfteentwicklung. Um diese innerhalb der 32 Mitgliedsstaaten der NATO zu harmonisieren hat die NATO eine entsprechende Richtlinie herausgegeben und den NATO Defence Planning Process (NDPP) festgeschrieben. Diese wurden zuletzt vom Defence Policy and Planning Committee (DPPC) 2009 und 2016 modifiziert. Sie dient als Leitlinie für die mittelfristige Streitkräfteplanung (7 bis 19 Jahre) oder langfristige Streitkräfteplanung (über 20 Jahre). Ziel ist die Definition von „Capability Targets“ in verschiedenen Bereichen:
„The NDPP provides a common framework for the integration and rationalisation of capability development across all NATO structures. Fourteen different planning domains have been identified, each of which is engaged in capability development to some extent. These planning domains are: air and missile defence; aviation planning; armaments; civil preparedness consultation, command and control; cyber defence; force planning; intelligence; logistics; medical; nuclear deterrence; resources; science and technology; and standardization and interoperability.” (5)
- Defense Planning Guidance (1991)
Kurz nach dem Ende des Kalten Krieges arbeitete das Pentagon eine Studie „Defense Planning Guidance“ (DPG) aus, die als „blueprint for America’s role in the post-Cold War era“ diente. Zum Autorenteam unter Leitung von Zalmay Mamozy Khalilzad gehörten Irwin Lewis „Scooter“ Libby Jr., Stephen John Hadley und Eric Steven Edelman. Die Rohfassung wurde im September 1991 fertiggestellt, dem folgte im Februar 1992 die erste Serienfassung (46 Seiten). Darin wurde folgendes Szenario zur Verteidigung Litauens entworfen, wie Andris Banka in seiner Studie „America, the Baltic States and the Making of an Unlikely Security Alliance“ 2026 schrieb (S. 30ff), obwohl Litauen erst am 29. März 2004 Mitglied der NATO wurde.
„Interestingly, the leaked document contemplated a contingency involving Lithuania as one of the scenarios where the United States might resort to force to defend its national interests. The classified Pentagon study had envisioned a scenario in which an aggressive Moscow, working in tandem with Minsk, had deployed 18 Russian army divisions and 6 Belarusian divisions to attack Lithuania. Under attack, the study hypothesized, Vilnius would request military assistance from NATO. By depicting Lithuania as a „vital” national security interest, the document speculated that the United States would lead the way in summoning NATO allies to liberate the Baltic nation.
This coalition of the willing would supposedly consist of „24 NATO divisions, 70 fighter squadrons, and six aircraft carrier battle groups”. The Pentagon’s working assumption was that the Western forces would expel the Russians and prevail militarily in 90 days. (..)
The final version of the Defense Planning Guidance no longer entertained the possibility of extending US defense guarantees to Eastern Europe.” (6)
- Operational Planning Process (seit 2000)
Für die Einsatzplanung gab die NATO am 8. März 2000 die Richtlinie MC 133/3 „NATOs Operational Planning Process“ (OPP) heraus. Am 18. August 2005 erschien eine modernisierte Fassung MC 133/4. Sie enthielt Bestimmungen für das sogenannte Fast-Track Decision Making (FTDM). Dieses Verfahren erlaubt es dem Nordatlantikrat (NAC), im Ernstfall extrem schnell Entscheidungen zu treffen, um beispielsweise die Verlegung von schnellen Eingreiftruppen in die Wege zu leiten. Im Jahr 2019 folgte MC 133/5. Auf der Grundlage von MC 133 baut die bekanntere Comprehensive Operations Planning Directive (COPD) auf. Diese dient Stäben auf strategischer und operativer Ebene als konkreter Leitfaden zur Krisenanalyse und Operationsplanentwicklung (z. B. für OPLANs). (7)
„Dieser abgestimmte Planungsprozess gliedert sich in fünf Phasen: 1. Planungsvorbereitung (u. a. Erarbeitung eines „Military Assessment“ und einer militärpolitischen „Initiating Directive“), 2. Orientierung, (u. a. „Estimate of the Situation“ und „Mission Analysis“, in dieser Phase wird insbesondere der Informationsbedarf abgeklärt: „Commander's Critical Information Requirements“) 3. Entwicklung des operativen Konzepts (Eruierung der Handlungsmöglichkeiten gemäß dem „Course of Action“ und dem „Concept of Operations“, sowie Festlegung des notwendigen Streitkräftebedarfs im „Statement of Requirements“, etc.), 4. Entwicklung des Plans (nach den Vorbereitungsarbeiten wird in dieser Phase der eigentliche Kriegsplan ausgearbeitet und die nationalen Streitkräftekontingente („National Force Contributions“) und die Truppendislozierung („Multinational Detailed Deployment Plan“) festgelegt), 5. Kontrolle des Plans (im „Progress Review“ wird überprüft, ob der fertige Operationsplan mit den politischen Vorgaben und den angenommenen Rahmenbedingungen übereinstimmt). Die Planung umfasst dabei nicht nur die Gefechtshandlungen und logistische Unterstützung der eigenen Kampftruppen, sondern auch die Zivil-Militärische-Zusammenarbeit und die psychologische Kriegsführung. Dabei geht es immer um den „6W“-Fragenkomplex: Wer tut was, wie, wann, wo und wozu.
Speziell für die Einsatzplanung für die Landstreitkräfte wird zusätzlich ein Verfahren mit dem Namen „Decision Making Process“ (DMP) angewendet. Auch dieser abstimmte Führungsprozess gliedert sich in mehrere Phasen: 1. Lagefeststellung, 2. Entscheidungsfindung, 3. Planung, 4. Befehlsgebung und 5. erneute Lagefeststellung mit abschließender Kontrolle. Dabei rekurriert man auf die übliche Arbeitsweise des Stabes („Standard Operating Procedures“ - SOP) und die vorgegebenen Einsatzrichtlinien für die Feldeinheiten („Rules of Engagement“ - ROE).
Durch die gegenwärtige Ukraine-Krise und die Reaktionen der NATO wird der Kriegsplan wohl erneut modifiziert werden. Dazu wird ein vereinfachtes Planungsverfahren angewendet, das weniger gründlich ist, aber auch weniger Zeit (ca. eine Woche) erfordert. Die NATO spricht hier vom „Crisis Response Planning“.
Sollte es tatsächlich zu einem NATO-Kriegsfall kommen, müsste der hypothetische Kriegsplan durch den so genannten „Commander's Decision Cycle“ in die Praxis umgesetzt werden. Dabei wird die bloß virtuelle Schubladenplanung nicht eins-zu-eins umgesetzt, sondern sie muss der aktuellen Lage der eigenen und der feindlichen Truppen angepasst werden. Dazu erlässt der militärische Befehlshaber einen entsprechend modifizierten Operationsbefehl („Operations Order“ - OPORD). Dabei richtet er seine Aufmerksamkeit insbesondere auf die kampfentscheidenden Faktoren: „Center of Gravity“ (CoG), „Decisive Points“ (DP) und „Critical Capabilities and Vulnerabilities“ (CC/CV). Auch im weiteren Kampfverlauf muss die Kriegsplanung ständig an die Lageentwicklung angepasst werden. Diese Nachsteuerung führt zu einer Gleichzeitigkeit von Planung und Führung unter den Bedingungen von Bedrohung, Zeitdruck und unvollständiger Information. Der DMP-Planungsprozess wiederum wird durch einen beständigen Prozess zur Informationsgewinnung begleitet, der als „Intelligence Preparation of the Battlespace“ (IPB) bezeichnet wird.“ (8)
SACEUR´S AOR-WIDE STRATEGIC PLAN (2022)
NATO-Oberbefehlshaber für den Kommandobereich (Area of Responsibility - AOR) „Europa“, ist der Supreme Allied Commander Europe (SACEUR). Dieser verfügte während des Kalten Krieges parallel über zwei Kriegspläne: einen konventionellen General Defense Plan (GDP) und einen atomaren Nuclear Operations Plan (NOP). Der letzte GDP wurde 1991 erstellt. Danach verfügte die NATO dreißig Jahre lang über keinen Europa-weiten Kriegsplan. Dies hat sich mittlerweile geändert: Im Jahr 2022 wurde immerhin der Strategieplan „SACEUR`S AOR-wide Strategic Plan“ (SASP) eingeführt.
Im Kriegsfall kann SACEUR u. a. auf seine strategischen Reserven zurückgreifen, das multinationale Allied Rapid Reaction Corps (ARRC) unter dem Kommando des britischen Generalleutnants Michael Richard Elviss (Amtsantritt: Ende März 2026) mit Hauptquartier im britischen Innsworth (Imjin Barracks) (mindestens 400 Stabsoffiziere) und das französische 1er Corps d’armée (1er CA, ehemals: Rapid Reaction Corps France - RRC-FR) unter dem Kommando von Generalleutnant Benoît Desmuelles (Amtszeit: seit 6. September 2024) mit Hauptquartier in der Citadelle de Lille (mit rund 550 Stabern). Hinzu kommen – wenn Donald John Trump das so möchte – die Fallschirmjäger vom XVIII Airborne Corps, das auch als „Contingency Corps“ bekannt ist. Der Großverband wird geführt durch Generalleutnant Gregory K. Anderson (Amtsantritt: seit 6. Dezember 2024). Sein Hauptquartier befindet sich in Fort Liberty (ehemals: Fort Bragg) in North Carolina.
In Friedenszeiten sind dem SACEUR direkt unterstellt über 40.000 Mann Heeresverbände, über 100 Kampfflugzeuge und 27 Kriegsschiffe (Stand: Juli 2023). (9)
EAGLE GUARDIAN (2009 – 2010)
Am 29. März 2004 nahm die NATO die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen als Mitgliedsstaaten in die NATO auf, obwohl die NATO damit gegen ihre eigenen Regeln zur Erweiterungspolitik verstieß. So fehlte allen drei Kleinstaaten mit ihren zahlenmäßig kleinen Streitkräften die strategische Tiefe, die notwendig ist, um im Kriegsfall eine Verteidigungsfähigkeit herzustellen.
Zwar erklärte die NATO nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991, dass sie Russland nicht länger als Feind betrachteten, so nahm die russische Bedrohung im NATO-Gefahrenplan MC 161 „The General Intelligence Estimate“ (and. Bez.: „NATO Strategic Intelligence Estimate“ - NSIE) (Klassifizierung: COSMIC TOP SECRET) nur noch eine marginale Stellung ein:
„NATO was so keen to avoid friction with Russia that it based no external forces in its new members and made no contingency plans to defend them. Indeed the secret threat-assessment committee, MC-161, was explicitly precluded from even considering the possibility of a military danger from Russia. That history hardly chimes with the litany of perpetual grievance now sulphurating from the Kremlin.
It was the Kremlin, not NATO, that changed the relationship, with the cyberattack on Estonia in 2007, the war in Georgia in 2008, and also with a large, aggressive military exercise in 2009. That led to a big, if belated, shift in NATO thinking and the drawing up of contingency plans for the defense of the Baltics.” (10)
Nach dem russischen Cyberangriff auf Estland (27. April 2007), der russischen Invasion ins kleine Georgien (8. bis 12. August 2008) und dem russischen Manöver SAPAD 2009, bei dem u. a. präventive Nuklearschläge auf Polen und eine Großinvasion des Baltikums probt wurden, nahm der politische Druck auf die NATO zu, Pläne für die Verteidigung der östlichen Bündnispartner zu entwerfen. („Baltikum“ bezeichnet im Deutschen die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, demgegenüber wird im englischen Sprachgebrauch der Begriff „Baltic region“ als Synonym für den gesamten Ostseeraum verwendet.) (11)
Zunächst entwarfen die Kriegsplaner der NATO in den Jahren 2007 bis 2009 einen Plan zur Verteidigung Polens unter dem Codenamen EAGLE GUARDIAN (Geheimhaltungsstufe: NATO SECRET). Der ursprüngliche Entwurf zur Verteidigung Polens wurde im Februar oder März 2009 fertiggestellt. Im Dezember 2009 kamen sie auf die Idee, den Plan zur Verteidigung Polens einfach auf die drei baltischen Staaten auszudehnen. Gesagt, getan! Am 22. Januar 2010 wurde die modifizierte Fassung des Operationsplans vom Military Committee der NATO akzeptiert. Dies wurde durch den NATO-Gipfel vom 19. bis 20. November 2010 in Lissabon (Portugal) bestätigt. Es war der erste NATO-Plan zu einer rudimentären militärischen Verteidigung des Baltikums. (12)
Der Plan sah den schnellen Einsatz von rund neun NATO-Divisionen aus den USA, Großbritannien, Deutschland und Polen vor, welche den russischen Angriff abwehren sollten. Gleichzeitig würden amerikanische und britische Schiffe deutsche und polnische Ostseehäfen sichern. Mit dem Manöver BALTIC OPERATIONS 2010 (BALTOPS 2010) vom 7. bis 18. Juni 2010 wurde der Plan erstmals simuliert. (13)
Allerdings handelte es sich dabei noch nicht um einen vollständigen Kriegsplan zur Landesverteidigung, sondern nur um einen Contingency Plan (ConPlan), um die Verteidigungsfähigkeit des Baltikums im Kriegsfall zu unterstützen. So erklärte der Oberbefehlshaber der estnischen Streitkräfte, Generalmajor Riho Terras, am 25. März 2024:
„First, it is impossible to believe that when a conflict erupts, we will have contracts that will bring us ammunition, weapons and equipment - we must have it here already. Second, when it comes to NATO, it is important to understand that if we’ve spoken about contingency plans so far, we must now seriously think about defense plans based on Article 5. (…)
What is important today is to determine which things work and which things don’t work: how fast will they get here, to which bases, how will they operate. It is noteworthy that when we asked for planes, it took three days and 20 hours for 18 US fighter aircraft to reach the Polish-Baltic region. And that’s a considerable amount of time.” (14)
Die Ausweitung der Polen-Planung auf das Baltikum stieß insbesondere in Polen und in Deutschland auf heftige Kritik. Die Polen befürchteten eine Aufweichung der NATO-Verteidigungsplanung für ihr Land. Seine Skepsis brachte der polnische Vize-Verteidigungsminister Stanislaw Komorowski zum Ausdruck, wie William Heidt von der US-Botschaft in Warschau in einer vertraulichen Depesche am 18. Dezember 2009 ans US-Außenministerium mitteilte:
„Komorowski was skeptical that a regional approach to contingency planning was the best way ahead. Komorowski said Warsaw would prefer a unique plan for Poland, although he allowed that Warsaw could accept the notion of two complementary chapters for Poland and the Baltic States within EAGLE GUARDIAN. More important for Poland was the need to avoid any delay in completing the plan or to rehash already-agreed components, such as the threat assessment. He added that he „agreed entirely“ that the issue should remain as secret as possible, and that it was in the „common interest“ to avoid public discussion of NATO contingency planning.” (15)
Die polnischen Bedenken wurden von der U.S. Regierung durch die Stationierung zusätzlicher amerikanischer Truppen (FlaRak MIM-104 PATRIOT, Jagdflugzeuge F-16 FIGHTING FALCON, etc.) in Polen besänftigt.
Die analen Bedenkenträger in Deutschland unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Dorothea Merkel (CDU) befürchteten eine Verschlechterung ihrer Beziehung zu Russland. So blockierte der deutsche NATO-Botschafter Ulrich Brandenburg (Amtszeit: August 2007 bis 2010) zunächst eine Aufnahme der baltischen NATO-Mitgliedsstaaten in die Verteidigungsplanung der Allianz. Erst am 15. Dezember 2009 gab die BRD ihren Widerstand auf. Dazu berichtete Andris Banka 2026 (Seite 187):
„Winning over other Western allies, above all Germany, was an uphill climb. Years later, the Latvian President acknowledged that the negotiations were hard-fought, as Germany was dragging its feet in implementing the planned measures. Berlin protested that the existence of such a plan would offend Russian sensibilities. Latvia’s foreign minister at the time also attested that German diplomats had initially taken a firm stance against this idea. American pressure and Baltic officials’ insistence, however, managed to overcome German and other Western capitals’ opposition. In late 2009, out of the public eye, NATO military planners designed Baltic-specific defense plans, titled Eagle Guardian, which NATO’s Military Committee later approved in late January 2010. Privately, Baltic officials conveyed their profound happiness about this achievement and described it as a „Christmas Present”.” (16)
GRADUATE RESPONSE PLAN EAGLE DEFENDER (2014-2020)
Beim NATO-Gipfel vom 4. bis 5. September 2014 in Newport und Cardiff (Wales, UK) verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs für die verschiedenen NATO-Regionen sechs spezifische GRADUATE RESPONSE PLANs (GRPs).
Der GRP für das Baltikum trug den Codenamen EAGLE DEFENDER. Aber eine offizielle Annahme dieses Kriegsplans im NATO-Militärausschuss scheiterte am Widerstand der islamistischen Regierung von Recep Tayyip Erdoğan in Ankara. Die Türkei forderte im Gegenzug von ihren NATO-Partnern militärische Unterstützung in ihrem Kampf gegen die Kurden im Norden Syriens. Als die NATO-Staaten dies verweigerten, stellte sich der nationale Vertreter der türkischen Regierung im Militärausschuss stur.
Im Januar 2020 akzeptierte das Military Committee schließlich die neue Planung im „Umlaufverfahren“ (int.: „silent procedere“), d. h., alle Mitgliedsstaaten akzeptierten die vorgelegten Pläne, ohne dass es darüber zu einer formalen Abstimmung gekommen wäre, dabei gilt „Schweigen“ als stillschweigende Zustimmung.
Erst Ende Juni 2020 konnte ein Kompromiss gefunden werden und die Türkei stimmte der neuen Planung offiziell zu. Der GRP war der erste Versuch, einen Plan zur umfassenden Landesverteidigung gemäß Artikel 5 des Washingtoner Vertrages im Baltikum aufzustellen. (17)
RAPID ACTION PLAN (2014)
Die russischen Streitkräfte haben wiederholt gezeigt, dass sie innerhalb von Tagen zehntausende Soldaten mit tausenden Panzern in einer Region zusammenziehen können. Nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im März 2014 verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel in Wales 2014 den RAPID ACTION PLAN (RAP) (Geheimhaltungsstufe: NATO SECRET). Er trat 2016 in Kraft, um im Bündnisfall möglichst schnell möglichst umfangreiche Truppenverstärkung mobilisieren zu können.
Dennoch kritisierte Prof. Dr. Gary James Schmitt vom American Enterprise Institute (AEI) im Februar 2025 das laue Ergebnis des NATO-Gipfels:
“The summit did result in the alliance members agreeing to maintain an air, land, and maritime presence on NATO’s eastern border, create a high-readiness response force, and expand military exercises within the region. However, the upped presence has been marginal in terms of numbers; the high-readiness force being created is limited in size, and the training exercises still pale in comparison with the scale of the exercises that have been conducted by the Russian military. (…)
Tied to the desire to return to the status quo antebellum, and compounded by the corresponding desire not to supply the increased defense expenditures needed to provide a front-line defense, NATO’s deterrent strategy has devolved into largely a “trip-wire” defense of the alliance’s eastern borders. That is, NATO is trying to get by with what it largely has on hand as opposed to creating new forward-deployed force structures of sufficient strength and capabilities that the Kremlin would believe even limited military forays would be swiftly and decisively defeated.” (18)
Tatsächlich bildete die NATO verschiedene multinationale Verbände zur „Verstärkung“ der Ostfront im Kriegsfall:
- Very Joint Task Force (VJTF) war eine schnelle Eingreiftruppe aus 20.000 Mann, darunter nur 5.000 Heeressoldaten, die innerhalb von 48 Stunden nach Angriffsbeginn einsatzbereit sein sollte und die erstmals im Juni 2015 bei dem Militärmanöver NOBLE JUMP in Polen getestet wurde,
- NATO Response Force (NRF) mit zunächst 13.000, später insgesamt 40.000 Mann (ab Juli 2024 ersetzt durch das NATO Force Model – NFM),
- außerdem etablierte man in den acht osteuropäischen Stationierungsländern logistische NATO Force Integration Units (NFIUs), die aus jeweils rund 40 Soldaten bestanden und die die Dislozierung der Verstärkungseinheiten unterstützen sollten (zunächst Estland, Lettland, Litauen, Polen, Bulgarien und Rumänien, ab November 2016 auch Ungarn und ab Januar 2017 in der Slowakei),
- hinzu kamen das Multinational Corps Northeast (HQ MNC-NE Szczecin [vormals Stettin], Polen) und die Multinational Division Southeast (HQ MND-SE Bukarest, Rumänien). Beide Stäbe wurden bis März 2022 voll einsatzbereit.
- ab 2017 wurden in den drei baltischen Staaten Battlegroups etabliert. Ab 2022 kamen vier weitere Battlegroups in der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien und – nach dem Beitritt Finnlands zur NATO – kam 2025 eine weitere in dem neuen Mitgliedsland hinzu.
- ab Mai 2014 leiteten die NATO-Luftstreitkräfte ihre „Air Policing Patrols“ zur Luftraumverteidigung des Baltikums ein,
- außerdem verfügte die NATO als Eingreifreserve über die traditionellen Standing Naval Forces (STANAVFOR) der Marine, u. a. in der Ostsee. Hinzu kam die neugegründete Standing NATO Mine Countermeasures Group 1 (SNMCMG1) aus Minensuchern unter dem polnischen Kommandeur Kacper Sterne.
Die Führung der vorgeschobenen Landverbände erfolgt bis heute durch das Multi-Corps Land Component Command-Centre (MCLCC-C) in Wiesbaden. Sein Stab besteht in Friedenszeiten aus rund 50 Offizieren. Diesem sind in Friedenszeiten mehrere Führungsstäbe für vermeintliche Phantom-Korps unterstellt, die erst im Kriegsfall aufgefahren werden sollen. Es ist schon erstaunlich, wieviele Korps, Divisionen, Brigaden und Bataillone die NATO für das kleine Baltikum angeblich mobilisieren will.
So kritisierte Ruben Stewart vom International Institute for Strategic Studies (IISS) in London die Aufgaben des MCLCC-C:
„NATO is turning the central front into a multi-corps command area, with Multi-Corps Land Component Command-Centre (MCLCC-C) in Wiesbaden providing the land-component layer needed to coordinate corps activity across the central front. (…)
Within multinational and binational corps, national components create internal seams that corps commanders must manage. Despite NATO Standardization Agreements, different national equipment, procedures and authorities still create friction. The MCLCC’s task is to coordinate between corps with different structures, authorities and enabler models before a crisis, rather than post hoc improvisation.” (19)
Bei den unterstellen Verbänden handelte es sich um:
- Multi-Corps Land Component Command Northwest (MCLCCNW) in Mikkeli (Finnland), aufgestellt am 3. Oktober 2025 mit rund 50 Stabsoffizieren. Anders als die anderen „Land Component Commands“ untersteht es dem Joint Force Command Norfolk! (20)
- 1st German-Netherlands Corps Forward (1GNC Forward) in Münster (Schlossplatz 15). Als Kommandeur des binationalen Korps fungiert z. Zt. der deutsche Generalleutnant Peter Joachim Mirow (Amtszeit: seit 27. März 2025), als Chef des Stabes agiert der niederländische Brigadegeneral Tjeerd Blankestijn. Im Kriegsfall sollen ihm die 50.000 bis 60.000 Soldaten des Deutsch-Niederländischen Korps für einen Einsatz Estland/Lettland unterstellt werden. Das baltische Vorauskommando wurde am 1. Juli 2026 aufgestellt, allerdings wurden dafür bisher weder ein Standort noch ein Kommandeur benannt.
- Multinational Corps Northeast (MNC-NE) (pol. Bez.: Kwatera Główna Wielonarodowego Korpusu Północno-Wschodniego) mit HQ in Szczezin (Koszarach Bałtyckich, Waleriana Łukasińskiego 33) in Polen. Der Verband wurde bereits am 18. September 1999 aufgestellt. Als Kommandeur des Kommandostabes fungiert seit 2024 der polnische Generalleutnant Dr. Dariusz Parylak, sein Chef des Stabes ist der deutsche Brigadegeneral Ullrich Spannuth (Amtsantritt: Oktober 2024).
- Multinational Division North (MND-N) mit Hauptquartier in Karup (Dänemark). Die Aufstellung der „Division“ begann am 8. März 2019, sie hat seit Oktober 2020 einen vorgeschobenen Gefechtsstand in Ādaži (Lettland). Das Hauptquartier wurde im März 2023 von der NATO zertifiziert und die volle Rund-um-die-Uhr Einsatzbereitschaft wurde offiziell am 7. Juli 2023 erklärt. Seitdem unterstand der Verband zunächst dem Multi National Corps North-East (MNC NE) in Szczezin (Polen) und seit dem 30. Juni 2026 den Deutsch-Niederländischen Korps. Divisionskommandeur ist der dänische Generalmajor Ulrich Essemann-Beck (Amtsantritt: 30. Juni 2026).
- Multinational Division North East (MND - NE) mit HQ im polnischen Elbląg ist eine multinationale Division der NATO für die Region Litauen und Polen. Sie wurde am 6. Dezember 2017 einsatzbereit. Ihr Kommandeur ist gegenwärtig der polnische Generalmajor Rafal Pawel Kowalik (Amtszeit: seit dem 14. Mai 2026). Ihm unterstehen die 15. polnische Mechanisierte Brigade „Giżycko“ (poln.: 15 Brygada Zmechanizowana) und die litauische Infanteriebrigade „Eiserner Wolf“ (lit.: Mechanizuotoji Pėstininkų Brigada „Geležinis Vilkas“).
Schon heute sind mehrere multinationale Kampfverbände der NATO in Osteuropa disloziert. Die „Multinational NATO-Battlegroups“ (MN BG) bestehen aus verschiedenen Rotationseinheiten der Mitgliedsstaaten, sie werden auch als „Forward Land Forces“ (FLF) bezeichnet. Die Truppenteile wurden 2023 zu nominalen „Multinational Battlebrigades“ (MNB) aufgestockt. Für einen Einsatz in und um das Baltikum kommen folgende MNBs in Frage:
- MNB (and. Bez.: Forward Land Forces Finnland) in Rovaniemi/Sodankylä (Finnland) unter schwedischer Führung als Führungsnation (int.: Framework Nation). Dazu wollen die Schweden in der Gemeinde Boden, im hohen Norden, bis 2028 ein Bataillon in einer Stärke von 600 Mann aufstellen. Bisher konnten sie aber nur 300 Mann rekrutieren, weil es selbst für Schweden da oben zu kalt ist. Kommandeur der Einheit ist Oberst Daniel Rydberg. (21)
- MNB in Tapa (Estland) mit 1.373 Mann unter britischer Führung
- MNB in Ādaži (Lettland) mit 1.840 Mann unter kanadischer Führung (Operation REASSURANCE)
- MNB in Rukla (Litauen) mit 1.805 Mann unter deutscher Führung (u.a. mit Beteiligung der im Aufbau befindlichen Panzerbrigade 45)
- MNB auf dem Truppenübungsplatz in Bemowo Piskie bei Orzysz (Polen) mit 1.033 Mann unter amerikanischer Führung (im Rahmen der Operation ATLANTIC RESOLVE) und mit zeitweiliger deutscher Beteiligung. (22)
Darüber hinaus steht als militärischer Großverband das „V Corps Forward“ der U.S. Army zur Verfügung. Sein Hauptquartier befindet sich eigentlich in Fort Knox (USA), aber es unterhält seit Oktober 2022 ein Corps Forward Element (CFE) mit einem vorgeschobenen Gefechtsstand im polnischen Posen (Camp Kościuszko). Es führt die Rotationseinheiten in der Region. Korpskommandeur war zuletzt Generalleutnant Charles David Constanza (Amtszeit: 8. April 2024 bis Anfang August 2026).
Warum der Generalleutnant von seinem Posten vorzeitig entbunden wurde, wurde nicht bekannt. Von amtlicher Seite wurde dazu nur mitgeteilt: „Lt. Gen Charles D. Costanza, commanding general, V Corps, was removed from command. (…) The matter has been referred to the appropriate authority in accordance with Army regulations.” Als Interimsnachfolger wurde Brigadegeneral John Mountford eingesetzt. Ab Oktober 2026 soll Generalmajor Thomas Feltey das Kommando übernehmen. (23) Der Kommandowechsel steht vermutlich im Zusammenhang mit den chaotischen Plänen des senilen U.S. Oberbefehlshaber Donald John Trump (Republikaner), der nicht weiß, ob und wieviel Soldaten er in Europa wo disloziert haben möchte oder nicht. So würde er im Rahmen der Planung „NATO 3.0“ wohl am liebsten alle konventionellen U.S. Truppen abziehen und nur noch für die atomare „Verteidigung“ Europas bürgen. Bereits im Juli 2026 wurde General Christopher Todd Donahue (Amtszeit: 10. Dezember 2024 bis 2. Juli 2026) vorzeitig von seinem Posten als Kommandeur der „U.S. Army in Europe and Africa“ (USAREUR-AF) abgelöst. Sein Nachfolger wurde vorrübergehend Generalmajor Christopher R. Norrie.
Hinzu kommt das sogenannte „2 Korpus Polski“ (vollständiger Name: Dowództwo 2 Korpusu Polskiego - Dowództwo Komponentu Lądowego im. gen. broni Władysława Andersa - D2KP-DKL) (dt.: 2. Korps), ein Traditionsverband des polnischen Heeres, der im Zweiten Weltkrieg aus den polnischen Soldaten gebildet wurde, die vor den Sowjets nach England flüchteten und später – unter Führung von Generalleutnant Władysław Anders - in Italien kämpften. (24) Dieser Traditionsverband wurde 2023 formal wieder aufgestellt. Zum kommandierenden General wurde Generaloberst Adam Antoni Joks (Amtszeit: seit dem 1. August 2023) ernannt. Sein Hauptquartier befindet sich in Kraków. Seine Truppen sollen gemäß einem Beschluss vom 29. April 2025 auf Basis des „Land Operations Centers - Land Component Command“ (poln.: Centrum Operacji Lądowych – Dowództwa Komponentu Lądowego) aufgestellt werden. Wie groß die Realstärke des „Korps“ sein wird, bleibt abzuwarten. (25)
Hinzu kommt als multinationale Truppe das „NATO Rapid Deployable Corps – Spain“ (NRDC-ESP). Die Truppe untersteht dem Hauptquartier der Schnellen Eingreiftruppen des spanischen Heeres (span.: Cuartel General Terrestre de Alta Disponibilidad - CGTAD) mit Hauptquartier auf der „Base Jaime I“ in Bétera bei Valencia (Spanien). Der Stab umfasst ungefähr 400 Dienstposten. Davon sind rund 80 Prozent Spanier, der Rest stammt aus 12 weiteren NATO-Mitgliedsländern. (26) Ihr Corps Forward Element (CFE) unterhält einen vorgeschobenen Gefechtsstand auf der Fliegerbasis Malacky (slow.: Letecká základňa Malacky) bei Kuchyňa (Slowakei). Über die reale Kampfstärke des „Corps“ liegen hier keine Informationen vor.
(Für einen geographischen und organisatorischen Überblick siehe die Karte des International Institute for Strategic Studies [IISS]: https://www.iiss.org/online-analysis/military-balance/2026/07/natos-three-front-problem/)
Dennoch: Der NATO-Oberbefehlshaber Europa konnte mit seinem Truppenaufgebot nicht zufrieden sein. Im April 2015 erklärte der damalige SACEUR, General Philip Mark Breedlove, gegenüber dem Senate Armed Services Committee:
“Russian military operations in Ukraine and the region more broadly have underscored that there are critical gaps in our collection and analysis. Some Russian military exercises have caught us by surprise, and our textured feel for Russia’s involvement on the ground in Ukraine has been quite limited.” (27)
NATO Readiness Initiative (2018)
Auf dem NATO-Gipfel vom 11. bis 12. Juli 2018 in Brüssel (Belgien) beschloss das Bündnis, mit ihrer „NATO Readiness Initiative“ (NRI) die Einsatzbereitschaft ihrer Truppen zu erhöhen.
Gleichzeitig beschloss die NATO auf dem Gipfel die Gründung eines Cyberspace Operations Centre (CyOC) mit einer Monitoring and Surveillance Unit (seit 10. Juli 2024 NATO Integrated Cyber Defence Centre [NICC] beim SHAPE in Casteau). Außerdem gibt es noch das NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence in Tallinn (Estland). Hinzu kommt das NATO Cyber Security Centre (NCSC) beim SHAPE.
Concept for Deterrence and Defence of the Euro-Atlantic Area (2020)
Das „Concept for Deterrence and Defence of the Euro-Atlantic Area” (DDA) wurde 2020 von der NATO eingeführt. Es enthält acht Elemente:
„The DDA Multi-Domain Architecture is made up of eight elements:
AOR-wide high readiness and re silience;
effective integration of indications and warnings;
joint forces forward and throughout the AOR;
joint fires forward and from the depths of the Alliance;
integrated air and missile defence (IAMD);
cyber;
command, control, communications, computers, and intelligence (C4I);
electronic warfare; space capabilities.” (28)
Mit dem DDA-Konzept wurden die Entscheidungsfindungsprozesse und die Einsatzbereitschaft der NATO erhöht. Die Rede ist u. a. von „enhanced Vigilance Activity“ (EVA). Dazu gehören der Ausbau der Grenzbefestigung an der potentiellen Ostfront im Baltikum und Polen (Operation EASTERN SHIELD) ab Oktober 2023, der verschärfte Schutz der maritimen Infrastruktur in der Ostsee gegenüber russischen Sabotageangriffen (Operation BALTIC SENTRY) seit Januar 2025 und eine verstärkte Luftüberwachung im Ostseeraum gegenüber der Zunahme russischer Drohnenattacken (Operation EASTERN SENTRY) seit September 2025.
NATO Strategic Concept (2019 - 2022)
Anlässlich des Endes des Kalten Krieges gab sich die Allianz beim NATO-Gipfel in ‚Rom (Italien) am 7./8. November 1991 ein „New Strategic Concept“ (MC 400). Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion wurde nicht länger als „Feind“ definiert.
Am 22. Mai 2019 verabschiedeten die NATO-Gremien ein neues Strategiepapier, dessen Motto lautete „comprehensive defence, sharded response“ (CDSR). Es definierte Russland erneut als potentiellen Feind. Dazu berichtete William Alberque:
„Allies agreed on the new NATO Military Strategy: Comprehensive Defence, Shared Response (CDSR), on 22 May 2019, setting down the first real military strategy for NATO since Flexible Response. It focuses Allies’ attention on geostrategic competition in an age of instability and shocks, identifies Russia as a strategic threat, and moves beyond Crisis Management. CDSR shifts NATO from a reactive posture to a deliberate strategy for force deployment and employment to contest and counter threats across all three phases of time: peacetime, crisis, and conflict.” (29)
Der NATO-Gipfel vom 3. bis 4. Dezember 2019 in London (UK) stimmte der Strategieentwicklung zu. Die aktualisierte Bedrohungsperzeption umfasste Russland, Terrorismus, Hybrid- und Cyberangriffe. So hieß es in der „London Declaration“:
„We, as an Alliance, are facing distinct threats and challenges emanating from all strategic directions. Russia’s aggressive actions constitute a threat to Euro-Atlantic security; terrorism in all its forms and manifestations remains a persistent threat to us all. State and non-state actors challenge the rules-based international order. Instability beyond our borders is also contributing to irregular migration. We face cyber and hybrid threats.“ (30)
Gleichzeitig sprach man sich zwischen den USA und Europa für eine verbesserte Lastenteilung durch eine Erhöhung der Militärhaushalte in den europäischen Mitgliedsstaaten aus: „We are making good progress. We must and will do more.“
Beim NATO-Gipfel vom 28. bis 30. Juni 2022 in Madrid (Spanien) verabschiedete die NATO ein neues Strategiepapier, das „NATO Strategic Concept“. Unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine am 22. Februar 2024 stellte die Allianz fest, dass Russland „the most significant and direct threat“ sei; außerdem verpflichtete man sich, jeden Quadratmeter des NATO-Territoriums zu verteidigen: „defend every inch“!
Dennoch kritisierte die damalige Ministerpräsidentin Estlands, Kaja Kallas (Amtszeit: 26. Januar 2021 bis 23. Juli 2024, seit dem 1. Dezember 2024 EU-Außenbeauftragte), im Juni 2022 die damalige NATO-Planung. Diese „allow (the Baltic states) to be overrun before liberating hem after 180 days”. Die Folgen wären eine „complete destruction”. (31)
REGIONAL DEFENSE PLAN CENTRAL (2023)
Auf dem NATO-Gipfel vom 11. bis 12. Juli 2023 in Vilnius (Litauen) verabschiedete die Allianz neue Regional Plans (RPs) für die drei NATO-Kommandobereiche:
- High North and Atlantic (NORTH / NORTH WEST PLAN),
- Central Europe (REGIONAL DEFENSE PLAN CENTRAL - RP-C) und
- Southeast Europe (SOUTH PLAN).
Der REGIONAL PLAN NORTH / NORTH WEST deckte den Bereich Atlantik und europäische Arktis ab.
Der RP-C umfasste die Mitgliedsstaaten Estland, Lettland, Litauen, Polen und – als Hinterland und Aufmarschgebiet – die BRD. Für die einzelnen Teilstreitkräfte wurde jeweils ein separater Unterplan entworfen. Insgesamt wurden sieben dieser SUBIORDINATE STRATEGIC PLAN (SSPs) pro Region aufgestellt: „Land“, „Luft“, „See“, „Sondereinheiten“, „Cyber“, „Weltraum“ und „Verstärkung“. Da das Baltikum keine strategische Tiefe hat, sahen die Kriegspläne der NATO vor, dass das gesamte Bündnisgebiet von Anfang an unbedingt verteidigt werden müsse und forderte daher eine Vorwärtsverteidigung. Statt wie bisher auf „forward deterrence“ zusetzen, folgte die NATO damit der nationalen Verteidigungsplanung der drei baltischen Länder, die demgegenüber schon längst auf „forward defense“ setzten. So erklärte der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur am 17. April 2023 gegenüber der „New York Times“:
„It is perhaps a somewhat simplified approach, while that is indeed the size of it. If previously, deterrence centered around NATO's ability to defend and if necessary retake its territory, new defense plans concentrate on not having the luxury of surrendering territory in the Baltic region that lacks strategic depth.” (32)
Der damalige SACEUR, General Christopher Gerard Cavoli (Amtszeit: 1. Juli 2022 bis 1. Juli 2025), erklärte:
„This is the first time in more than 30 years that we have an objective plans-based statement of requirements. And that’s a real advantage for all nations in the alliance. It will give focus to their national defense planning for collective defense purposes.” (33)
Und Katherine E. Dahlstrand vom Carnegie Endowment for International Peace befand Ende 2024:
„The regional plans, approved at the 2023 Vilnius Summit, are NATO’s most detailed regional defense plans since the Cold War. In addition to detailing how NATO forces would defend allied territory, the plans and other efforts assign readiness levels and preassign specific forces to defend specific allies.” (34)
Mit dem NATO-Beitritt von Finnland (4. April 2023) Schweden (7. März 2024) konnte die NATO mehr Ressourcen einplanen und so wurde der RP-C nochmals überarbeitet.
So wies Marta Kepe von der „RAND Corporation“ in Santa Monica (USA), im Februar 2024 darauf hin, dass die NATO einen Teil ihres Verteidigungsmaterials zwischenzeitlich an die Ukraine abgetreten und nicht ersetzt hatte:
„One Estonian defense expert expressed concern that NATO today is militarily weaker than it was prior to the Russian invasion of Ukraine because it has „given away a lot of ammunition and equipment,” donations that have not been fully replaced. Therefore, NATO and its member states need to ensure that they replenish the key capabilities required by the new regional plans as soon as possible, and that the plans meet the reality of available military power.
NATO's new defense plans require capabilities that are still in the process of being procured and developed. So even as allies make commitments that will be in place in 2024–2026, they will need to sustain and renew these investments over the coming decade.” (35)
Die Vorgaben der „Regional Plans“ der NATO werden anschließend von den Generalstäben der Mitgliedsstaaten in nationale Streitkräfte- und Verteidigungsplanungen umgesetzt.
NATO Force Model (2024)
Die Umstrukturierungen der Streitkräfte führten im März 2014 zunächst zur „NATO Response Force“ (NRF), dann im Juli 2018 zur „NATO Readiness Initiative“ (NRI) und schließlich im Juli 2024 zum „NATO Force Model“ (NFM).
Über ihr NATO Force Model berichtet die Allianz:
„The NATO Force Model provides the overarching framework for making national forces available to the Alliance. It gives NATO’s political and military leaders a more systematic and comprehensive overview of all of the national forces that can be made available in peacetime, crisis and conflict in support of NATO’s three core tasks, including for collective defence.
The Model replaces the NATO Response Force (NRF) as the main organising framework of NATO’s multinational forces.
Compared to the NRF, the Model has more than tripled the number of high-readiness forces potentially available to NATO, increasing the Alliance’s ability to respond to a crisis or conflict at greater scale and at higher readiness.
The Allied Reaction Force (ARF) is a component of the NATO Force Model. A high-readiness, multinational and multi-domain force, the ARF can be deployed rapidly to carry out the Alliance’s full spectrum of missions. (…)
The NATO Force Model improves NATO’s ability to respond at very short notice for collective defence and other crises. It is based on a three-tiered readiness system:
- Tier 1 is composed of forces at 0-10 days of readiness,
- Tier 2 includes forces at 10-30 days of readiness, and
- Tier 3 represents forces at 30-180 days of readiness.” (36)
Dazu bemerkte William Alberque in einer Studie „The Return of Eternal Vigilance: How SACEUR Closed NATO's Strategy Gap“ für das Geopolitics and Security Studies Center (GSSC) in Vilnius (Dezember 2025):
„The NRI provided Allies with new targets, including generating 30 heavy or medium manoeuvre battalions, 30 air squadrons, and 30 major naval vessels within 30 days. Allies eventually renamed NRI as the NATO Readiness Process to facilitate faster force generation to meet the ambitions set in the new NATO Force Model (NFM), agreed at Madrid. NFM includes the Atlantic Response Force (gemeint ist die Allied Response Force, G. P.) (agreed at the Vilnius Summit and established in July 2024) to replace the old NRF. The ARF transforms the theoretical ability to deploy 40,000 NRF troops in a matter of weeks into a commitment for NATO to deploy 100,000 troops in no more than ten days, 200,000 in thirty days, and 500,000 within 180 days.” (37)
So können die vielen Streitkräfteinitiativen, Verbandsgründungen und -Umbenennungen der NATO-Militärbürokraten nicht verhehlen, dass es der Allianz an Truppen und Verstärkungseinheiten zur Bündnisverteidigung massiv mangelt. Dennoch faselt die NATO unbeeindruckt von „large-scale combat operations“ (LSCO) in Europa.
„Eastern Flank Deterrence Initiative“ (2025/2026)
Die Nachrichtendienste mehrerer NATO-Staaten (USA, UK, Schweden, BRD, Litauen, Polen, etc.) sind seit Anfang 2026 zu der Einschätzung gelangt, dass sich die Bedrohung durch die russische Regierung enorm verschärft hat. Man rechnet jetzt nicht mehr unbedingt mit einem russischen Angriff erst nach Beendigung des Ukrainekrieges in 2007, 2008 oder 2009, sondern womöglich bereits Ende 2026 / Anfang 2027. So musste die U.S. Army bzw. NATO ihre Kriegsplanung durch entsprechende Eventualpläne kurzfristig ergänzen.
So entwickelten u. a. Oberst Chad M. Pillai, Oberstleutnant Dr. Sam J. Rosenberg, Major Phillip J. Hoying und Hauptmann Justin Senecal seit Frühjahr 2025 eine Militärkonzeption, die unter der Bezeichnung „Eastern Flank Deterrence Initiative“ (EFDI) bzw. „Joint All-Domain Operations“ (JADO) bekannt wurde. Oberst Chad ist/war „Chief of Plans” des Hauptquartiers der United States Army Europe and Africa (USAREUR-AF) in Wiesbaden-Erbenheim (Lucius D. Clay Barracks), Rosenberg agiert dort als Leiter der Concepts and Contingencies Branch in der G5 Plans Division, Senecal gehört zu seinen Mitarbeitern.
Für Rosenberg ist EFDI ein “deterrence-by-denial warfighting concept”, das auf das alte “air-land-battle”-Konzept der achtziger Jahre zurückgreift, aber dieses mit neuester Technologie (Drohnen, KI, etc.) umsetzen will, um die Kampfkonzeption des Gegners zu durchbrechen. In einem Interview mit dem Centre for Security, Diplomacy, and Strategy (CSDS) erklärte Rosenberg über die Konzeption der Russen:
“They wanted to move fast, consolidate their gains, present an accomplished fact on the ground and then challenge the other side to reverse the facts on the ground. That is how I see their preferred way of fighting and what I think they would want to do against NATO. (…)
So, from a NATO perspective – from my foxhole as a planner – I do not necessarily want us to plan against the way Russia is fighting now in Ukraine, which is heavily focused on attritional warfare. I want us to plan against the way I think Russia would seek to fight NATO: through a fait accompli, move fast, win quickly, act before the Alliance can make decisions collectively, seize a piece of the Eastern Flank and then hide behind nuclear coercion to freeze the result. (…)
We cannot afford to allow Russia to take any ground at all. We have to deny it from the outset. That is why we are focused on deterrence by denial. And that is where the EFDI comes in. It is a deterrence-by-denial warfighting concept. We want to deny Russia from the outset, not rely solely on punishing them after the fact. We want to prevent the incursion from ever happening in the first place. (…)
Because drone technology and sensors are now so pervasive on the battlefield that any time you move, you can be seen. Any time you can be seen, you can be targeted and killed. It is therefore very difficult to mass forces and manoeuvre them. The transparent battlefield and the rise of pervasive surveillance are, I think, the first lesson that we all need to think through.” (38)
Soweit möglich soll ein russischer Angriff im Rahmen moderner „Vorwärtsverteidigung“ bereits in Grenznähe durch Roboter etc. ausgebremst werden, wie das Strategieentwicklungsteam berichtete:
„The plan to operationalize the concept is simple. First, employ a network of multi-domain sensors (space, cyber, electronic warfare, air, maritime and land) integrated with physical barriers and obstacles that can sense and provide targeting data to frontline robotic forces. Upon identification and acquisition of threat information, robotic defense forces simultaneously conduct offensive direct fire engagements against enemies’ attacking robotic and manned forces while providing low-cost targeting solutions to multidomain long-range fires. As the adversary continues its attack, the robotic force, consisting of ground and aerial platforms, conducts its defensive engagement in a specified unmanned engagement area with the stated objective of attritting the attacking force to approximately 30% remaining.
The heavy attrition slows the adversary and returns the advantage to the U.S. and NATO’s manned and robotic forces to conduct localized counterattacks and initiate a general counteroffensive. The defensive and offensive minded plan is designed to be replicated anywhere along NATO’s Eastern Flank. Key to the plan’s success is the development of technological hardware and software that will allow the U.S. and NATO to rapidly overwhelm an attacking force and set the conditions to threaten the destruction of remaining forces and the seizure and denial of terrain to the enemy.” (39)
LAND WARFIGHTING CONCEPT (2026)
Im Rahmen des EFDI-Konzeptes wiederum entwickelte Major Andrew Pingrey, der als G5-Stabsoffizier für Raketenabwehr bei demselben Kommando in Wiesbaden tätig ist, eine aktualisierte Kriegsplanung zur Verteidigung des Baltikums, die unter der Bezeichnung „(NATO) Land warfighting concept“ bekannt wurde. Über die neue Kriegsplanung berichtete Luca-Marie Hoffmann unter Beteiligung von Rafal Pielkarski exklusiv in der „Bild“ am 17. August 2026.
Demnach ist das Hauptproblem der NATO die Vielzahl verschiedener, weitreichender Dual-use-Flugkörpersysteme (ISKANDER, ONIKS, ZIRKON, etc.), mit denen die Russen Westeuropa in wenigen Minuten atomar platt machen können. Die NATO/USA haben dieser Bedrohung nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Zwar hat die Trump-Regierung eine entsprechende „Nachrüstung“ angekündigt, aber es ist fraglich, ob die U.S. Rüstungsbetriebe dieser Vorgabe nachkommen können. So nötigt die russische Hochrüstung im atomaren Kurz- und Mittelstreckenbereich die NATO-Staaten dazu, eine Politik der Präemptivschläge einzuschlagen, was in einer Krisensituation für beide Seiten hochgefährlich wäre.
Die aktuellen ConPlans sehen für den Fall eines russischen Angriffs auf das Baltikum, nach Angaben von „Google-KI“, eine dreifach gestaffelte Abwehr vor:
„Phase One: Neutralizing Immediate Air and Missile Threats
- Targets incoming waves of enemy cruise missiles, drones, and aircraft.
- Focuses preemptive and defensive strikes on strategic launch platforms and staging posts.
- Prioritizes heavy suppression of offensive missile infrastructure in heavily fortified regions like the Kaliningrad Oblast.
Phase Two: Establishing an Autonomous Frontier Zone
- Deploys automated and robotic combat systems along the borders of potential adversaries (such as Russia and Belarus) rather than initially risking mass permanent troop deployments.
- Utilizes swarms of reconnaissance drones and loitering munitions to engage, attrit, and slow down advancing armored ground forces at the frontier.
- Contains breakthrough attempts dynamically through remote-controlled hardware and rapid-response sensor networks.
Phase Three: Deep Interdiction and Strategic Strikes
- Executes long-range strikes far behind enemy lines against supply depots, rail hubs, military factories, and bridges.
- Disrupts logistics chains to choke off the enemy's capacity to sustain successive waves of offensive operations.
- Leverages airborne delivery systems and deep-penetration assets to dismantle remaining rear-area staging and air assets.”
In diesem Zusammenhang sprach Oberstleutnant Rosenberg von einem Konzept in drei Schichten: eine Aufklärungs-, eine Stör- und eine Vernichtungszone – alle verbunden durch ein gemeinsames Datennetz, das Sensoren und Waffensysteme verschiedener NATO-Länder in Echtzeit zusammenschaltet.
Konkret bedeutet dies folgendes:
„Greift Russland das Baltikum mit Raketen und Drohnen an, lautet die erste Aufgabe der NATO laut Bild: den Beschuss stoppen. Dazu sollen russische Luftabwehr- und Raketensysteme ausgeschaltet werden – auch in Kaliningrad, wo Moskau einen Großteil seiner Kapazitäten stationiert hat. Das EFDI-Konzept setzt dabei auf ein Netz aus Dauersensoren und günstigen, ersetzbaren Waffensystemen, um die russische Überlegenheit in Masse und Tempo zu brechen, wie Missile Defense Advocacy Alliance (MDAA) in einer Analyse vom Juni 2026 beschreibt. (…)
Gleichzeitig soll an den Grenzen zu Russland und Belarus eine sogenannte „autonome Zone“ entstehen – ein Schutzwall, in dem ausschließlich Drohnen und unbemannte Fahrzeuge kämpfen, keine NATO-Soldaten. Brig. Gen. Chris Gent, stellvertretender Stabschef beim NATO-Landkommando, erklärte bei Militärübungen in Lettland gegenüber Defense News: „Es gibt hier keine Geheimnisse, so entwickelt sich die Kriegsführung.“ Und weiter: „Das ist jetzt schon Realität. Wir reden nicht von Science-Fiction, nicht von 2040. Wir reden von dem, was heute gebraucht wird.“
Im dritten Schritt will die NATO laut Bild auch russisches Territorium ins Visier nehmen. Spezialkräfte sollen demnach Militär- und Versorgungsinfrastruktur zerstören – darunter Flugplätze, Rüstungsfabriken, Brücken und Eisenbahnen. Zusätzlich soll eine sogenannte „Luftbrücke“ Drohnen und Roboter per Flugzeug in russisches Gebiet bringen. Diese Details stammen ausschließlich aus dem Bild-Besuch bei der US Army Europe and Africa und sind von anderen Quellen nicht unabhängig bestätigt.
Das Bemerkenswerte an dem Konzept: Die NATO will es nicht geheim halten. Im Gegenteil – die Abschreckung soll gerade dadurch wirken, dass Putin weiß, was ihn erwartet.“ (40)
Insbesondere die Exklave Kaliningrad ist auf Grund ihrer hohen Konzentration an Flugkörpern und Militäreinrichtungen ein vorrangiges Zielgebiet der NATO. (41)
Ob die NATO/US-Kriegsplanung von „Erfolg“ gekrönt wäre, sei dahingestellt. Mehrere „Wargames“ zeitigten negative Ergebnisse:
„Das Planspiel wurde von ehemaligen Pentagon-Beamten und US-Militärs durchgeführt. Finanziert wurde es vom deutsch-britischen Rüstungs-Start-up Helsing, das Kampfdrohnen mit künstlicher Intelligenz entwickelt.
In dem Szenario nutzt Russland politische Spannungen innerhalb des Westens und greift Litauen überraschend an. Russische Truppen stoßen dabei aus drei Richtungen vor. Aus Belarus rücken sie auf Vilnius vor und haben die Hauptstadt nach fünf Tagen beinahe eingekesselt. Gleichzeitig greifen russische Verbände aus der Exklave Kaliningrad an und errichten westlich des Flusses Memel einen Brückenkopf. Aus dem Osten dringen weitere Truppen über Lettland nach Litauen vor und sichern Stellungen rund um das frühere Kernkraftwerk Ignalina.
Während die Verbündeten zögern, kämpfen Litauen und die im Land stationierte deutsche Brigade demnach zunächst allein – und in Unterzahl. Genau das macht das Szenario für Berlin so brisant: Die Brigade soll abschrecken, könnte im Ernstfall aber selbst sofort unter massiven Druck geraten.
Zwar bekräftigen die Nato-Partner ihre Unterstützung für Litauen, doch russische Truppen kontrollieren bereits Teile des Landes. Moskau erklärt die besetzten Gebiete zudem kurzerhand zum Schutzbereich seines nuklearen Abschreckungspotenzials. Die entscheidende Frage des Planspiels lautet daher nicht, ob die Nato militärisch überlegen wäre, sondern ob sie bereit wäre, das Risiko einer direkten Konfrontation mit Russland einzugehen. (…)
Die Simulation wurde anschließend unter denselben Bedingungen erneut durchgeführt. Der Unterschied: Litauen und die dort stationierte deutsche Brigade verfügen jeweils über 12.000 sogenannte HX-2-Drohnen des Herstellers Helsing, der das Szenario auch finanziert hat.
Dabei handelt es sich um KI-gestützte Kamikaze-Drohnen mit einer Reichweite von rund 100 Kilometern. Sie können ihre Ziele auch dann finden, wenn elektronische Kampfführung Navigations- und Kommunikationssysteme stört. Genau diese Fähigkeit gilt seit dem Krieg in der Ukraine als besonders wichtig. Russland setzt dort etwa mit seiner Lancet-Drohne ein vergleichbares Gerät ein.
Im zweiten Durchlauf scheitert der russische Angriff weitgehend. Nach Angaben der Organisatoren verliert Russland innerhalb der ersten zehn Tage mehr als ein Drittel seiner eingesetzten Kräfte. Greg Melcher, ein ehemaliger Pentagon-Funktionär, erklärte der „Times“, Frontstaaten der Nato könnten mit den richtigen Fähigkeiten russische Armeen lange genug aufhalten, bis Verstärkungen eintreffen.
Deutschland setzt inzwischen selbst auf die Technologie. Das Verteidigungsministerium hat bereits Aufträge für HX-2-Drohnen vergeben. Nach Angaben der „Times“ beläuft sich das Auftragsvolumen bislang auf mindestens 269 Millionen Euro. Es könnte auf bis zu 1,5 Milliarden Euro steigen. Die Bundeswehr plant demnach, deutlich mehr als 10.000 der Drohnen einzulagern. Sie sind für die Panzerbrigade 45 gedacht, die bis Ende 2027 in Litauen einsatzbereit sein soll.
Interessant ist dabei, dass die Drohnen nicht die einzige Möglichkeit waren, das Szenario zu drehen. Eine frühere Version derselben Simulation kam laut „The Times“ zu einem ähnlichen Ergebnis, allerdings mit deutlich anderer Ausrüstung. Damals verfügte Litauen über rund zwei Dutzend Apache-Kampfhubschrauber, Himars-Raketenwerfer sowie große Bestände an Hellfire- und Spike-Raketen.
Auch damit hätten die Verteidiger den russischen Angriff stoppen können. Der Unterschied lag vor allem in den Kosten. Während das Paket aus Hubschraubern, Raketenwerfern und Lenkwaffen auf rund 16 Milliarden Dollar geschätzt wurde, würde die Drohnenlösung weniger als ein Zehntel davon kosten und deutlich schneller verfügbar sein. (42)
Aber nach den Erfahrungen der ukrainischen Streitkräfte, die die Drohnen vom Typ HX-2 seit Frühjahr 2025 einsetzen, sind diese für einen Kampfeinsatz ungeeignet:
„Viele der Drohnen seien nicht startfähig gewesen oder stürzten direkt nach dem Start ab. Helsings Altra-Software sei solide, aber die Plattform aus ukrainischen und chinesischen Bauteilen ein Desaster gewesen, (…) Selbst das Startkatapult habe anfangs aus einer sperrigen und untauglichen Konstruktion bestanden.
Helsing teilte auf Anfrage mit, dass laut ihren Daten damals nur „circa 2,5 Prozent“ der Drohnen Startprobleme gehabt hätten. Ein ukrainisches Dokument listet jedoch Dutzende weitere Mängel bei Flügen detailliert auf. Ein Auszug: „defektes Ruder“, „abnormales Bordverhalten“, „nicht flugtauglich“. Kritisiert wird auch die lange Zeit zum Montieren des Systems. (…)
Im vergangenen Sommer, nachdem auch die Soldaten selbst Anpassungen am System vorgenommen hatten, stellten sich Verbesserungen ein. In rund 40 Prozent der Einsätze von Juras Einheit kam es zu Treffern oder Nahtreffern. Knapp jedes fünfte Gerät stürzte beim Start ab oder ging durch elektronische Störmaßnahmen beziehungsweise technische Defekte im Flug verloren. Etwa 15 Prozent der Drohnen wurden abgeschossen oder scheiterten an Fehlfunktionen der Zielnachführung.“ (43)
OPERATIONAL PLAN FOR GERMANY (2014 - 2026)
Der OPERATIONAL PLAN FOR GERMANY (OPLAN DEU) (Klassifizierung: GEHEIM) mit einem Umfang von rund 1.400 Seiten dient der Landesverteidigung der Bundesrepublik gemäß dem deutschen Gesamtverteidigungskonzept aus militärischer Verteidigung, Zivil-Militärischer Zusammenarbeit (Civil-Military Cooperation - CIMIC) und Zivilverteidigung, nur soweit diese militärisch relevant ist. Er dient nicht nur der nationalen Landesverteidigung, sondern auch der militärischen Unterstützung des Baltikums durch Organisierung der Truppenverstärkung und des Nachschubs.
Ein wesentlicher Nachteil der NATO ist, dass die verfügbaren Truppen weit von ihren möglichen Einsatzräumen hunderte, manchmal tausende von Kilometern entfernt disloziert sind. Da das Territorium der BRD zugleich Aufmarsch- und Transitgebiet für die NATO-Truppenverstärkungen ins Baltikum/Polen ist, ist der OPLAN DEU zugleich existentiell wichtig für die Kriegsplanungen an der Ostfront. So dient der Plan der Organisation der Marschkolonnen und der Versorgung (Lebensmittel, Treibstoff, Medizin, etc.) und zeitweiligen Unterbringung der alliierten Truppenteile. Die NATO spricht hier von „Reception, staging, onward movement and integration“ (RSOI). Dazu rechnet die NATO mit einem Auf- und Durchmarsch von 800.000 Soldaten mit 200.000 Fahrzeugen in sechs Monaten, die das deutsche Militärstraßengrundnetz (MSGN) voll belasten werden. Das MSGN ist kein separates physisches Straßennetz, sondern integrativer Teil des normalen öffentlichen, dual-use Straßenverkehrs, der im V-Fall lediglich für das Militär durch Polizei und Feldjäger reserviert wird:
„Das deutsche Straßennetz umfasst rund 830.000 km, wovon das Militärstraßengrundnetz etwa 37.400 km, entsprechend ca. 4,5 % des deutschen Gesamtstraßennetzes, einnimmt. Der überwiegende Teil des Militärstraßengrundnetzes ist identisch mit bestehenden Bundesfernstraßen. Von ca. 66.000 Brücken im deutschen Straßennetz liegen rund 48.000 auf Abschnitten des Militärstraßengrundnetzes.“ (44)
Das MSGN wird ergänzt durch das Militäreisenbahngrundnetz (MEGN).
Qualitätsstandard für Straßen und Brücken, aber ob die BRD diese Normen angesichts ihrer maroden Infrastruktur und ständiger Zugverspätungen immer einhalten kann, sei dahingestellt. Für deren Überwachung ist das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw) in Euskirchen (Mercator-Kaserne) zuständig. So ist die NATO-Funktion des Mitgliedsstaates BRD klar definiert, sie ist vorrangig „geostrategic location as a hub for NATO in the middle of Europe“. (45)
Die Bewegungsfreiheit der Truppentransporte soll außerdem dadurch sichergestellt werden, dass die NATO gemäß ihrer fragwürdigen „Stay-put“-Politik fordert, dass die Zivilbevölkerung einfach zu Hause bleiben und abwarten soll, sie ihr Schicksal ereilt hat, wie es das Senior Civil Emergency Planning Committee in seinem Dokument „AC/98-D/827-ADD2“ bereits in den siebziger Jahren festgelegt hat. (46) Nur die Zivilangehörigen von U.S. Soldaten sollen im Rahmen einer Non-combatant Evacuation Operation (NEO) mit Transportflugzeugen evakuiert werden.
Die Vorstellungen der meisten Zivilisten bzgl. des „Dritten Weltkrieges“ beginnen und enden bei der Vorstellung, „ins Auto einsteigen und weg“. Über Straßenblockaden durch bewaffnete Polizei und Militärpolizei hat man sich keine Gedanken gemacht. So grassiert in der deutschen Bevölkerung nach wie vor die naive Vorstellung, Polizeibeamte seien zum Schutz der Bevölkerung dar und nicht zum Schutz des Staates vor seiner Bevölkerung.
Für die Erstellung und Umsetzung des OPLAN DEU ist das Operative Führungskommando der Bundeswehr (OpFüKdoBw) (int.: Joint Force Command?) mit seinen Standorten in Berlin-Wedding (Julius-Leber-Kaserne, Gebäudekomplex 31) und Schwielowsee-Geltow (Henning-von-Treschko-Kaserne) zuständig. Als Kommandeur fungiert z. Zt. Generalleutnant Alexander Sollfrank (Amtszeit: seit 1. Oktober 2024), Chef des Stabes ist Generalmajor Tilo Maedler (Amtszeit: seit Januar 2025). Das Kommando umfasst insgesamt 1.400 Dienstposten. Die Verantwortung für die praktische Umsetzung des Operationsplans liegt in den Händen der militärischen Vertreter der Landeskommandos (LKdos) in den sechzehn Bundesländern. Diese müssen sich u. a. an den Vorgaben der Heeresdienstvorschriften HDv 100/1 „Truppenführung (TF)“ und HDv 100/100 „Truppenführung von Landstreitkräften“ (beide „VS – Nur für den Dienstgebrauch“) orientieren.
Außerdem ist das OpFüKdoBw für die Sabotageabwehr (Abwehr von Improvised explosive device – IED) und militärische Drohnenabwehr (Abwehr von unbemannten Flugkörpern – UxS) zuständig. (47) Dazu betreibt die Bundeswehr das „Zentrum Counter-IED/UxS“ in Grafschaft (Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne). Als Ausbildungsstätte für „Weapons Intelligence Teams“ (WIT) fungiert u. a. Stetten am Kalten Markt. (48)
Die Grundversion des OPLAN DEU stammt vom Frühjahr Anfang 2024, eine Aktualisierung erfolgte im Frühjahr 2025, er sollte im Sommer 2026 erneut aktualisiert werden. Zur Umsetzung der militärischen Planungen schloss die Bundeswehr (Vorhalte-)Verträge mit der „Deutschen Bahn AG“ und ihrer Tochter „DB Cargo“, der „Autobahn GmbH“ und Rüstungsfirmen wie „Rheinmetall“ ab.
Zum OPLAN DEU heißt es auf der Webseite der Bundeswehr:
„The Operational Plan for Germany (OPLAN DEU) is a core element of the military component of Germany’s overall defence. It is a viable plan that brings together the key military elements of national and collective defence in Germany with the necessary civilian support services. It provides the planning to ensure that purposeful and constitutionally sound action can be taken following a political decision in the event of a crisis or conflict. The aim of the Operational Plan for Germany is to enhance cold-start capability, warfighting capability and sustainability, and adapt them to security challenges.” (49)
In der Ludwig-Leber-Kaserne in Berlin-Wedding (Kurt-Schumacher-Damm 41) befindet sich auch der Ausweichsitz der Bundesregierung für den Kriegsfall. Die letzte Evakuierungsübung zwischen Kanzleramt und Kaserne fand am 5. März 2024 statt. (50) Das Bundesinnenministerium unterhält ein Lagezentrum in seinem Hauptgebäude in Berlin-Mitte (Alt-Moabit 140) und im seinem Ausweichsitz im Bundeshaus in Berlin-Wilmersdorf (Bundesallee 216-218).
„Kein Kriegsplan überlebt die erste Feindberührung,“ hatte einst der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke 1871 sinngemäß erklärt, und so stellt sich auch hier die Frage nach der „executability“ der NATO-Kriegspläne.
Nuklearplanung (2024 - 2026)
Angesichts der russischen Nukleardrohung vom September 2022 ist nicht ausgeschlossen, dass der Oberdepp Wladimir Wladimirowitsch Putin – sollte ein Krieg Russland-NATO horizontal und vertikal eskalieren - Atomwaffen einsetzen könnte. Die NATO müsste dann entsprechend reagieren. Der „nur“ konventionell ausgetragene Zweite Weltkrieg endete mit „leichten Verlusten“ auf allen Seiten (Deutsches Reich: ca. 5,3 bis 6,3 Millionen Tote, Union der sozialistischen Sowjetrepubliken 27 bis 28 Millionen Tote, USA 400.000 bis 405.000 Tote). Ein atomarer Konflikt würde – anders als früher vermutet - zwar nicht zur Ausrottung der Menschheit führen, aber rund 20 Prozent der Menschheit (entspricht ca. 1,6 Milliarden Menschen) dahinraffen – nach vorsichtigen, konservativen Schätzungen. Möglicherweise würden durch die langfristigen Ökoschäden die Verluste auch noch höher. Horizontal könnte sich ein solcher Konflikt von den USA (349.035.494 Einwohner) und Russland (143.047.028 Einwohner) auch auf die Volksrepublik China (1.412.914.089 Bürger) und Indien (1.476.625.576 Bürger) ausdehnen. (51) Um diesen Versuch einer Selbstausrottung zu verhindern unterstellt und setzt man auf die Existenz der „Abschreckung“, weil nicht sein darf, was sein kann.
Allerdings sind die militärischen Nuklearoptionen der NATO eher begrenzt. Während des Kalten Krieges hatten die USA rund 7.000 bis 8.000 Atomwaffen verschiedenen Kalibers in Europa stationiert, darunter rund 5.500 Atomsprengkörper allein in der BRD, davon sind in ganz Europa heute noch etwas mehr als 100 Wasserstoffbomben vom Typ B-61-12 übriggeblieben. Sie lagern in sechs Special Ammunition Sites (SAS) auf verschiedenen Luftstützpunkten: Fliegerhorst Büchel (BRD), Volkel (Niederlande), Kleine Brogel (Belgien), Aviano (Italien), Ghedi Torre (Italien) und Incirlik (Türkei). So lagern in der BRD schätzungsweise noch zehn bis zwölf Atomsprengkörper.
Während des Kalten Krieges entwickelte die NATO einen NUCLEAR OPERATION PLAN (NOP), der permanent aktualisiert wurde. Diese Planung wurde 1994 aufgegeben. (https://committees.parliament.uk/writtenevidence/96882/html) Vermutlich gibt es heute nur noch eine atomare Einsatzplanung allein durch die United States Air Forces in Europe – Air Forces Africa (USAFE-AFAFRICA) mit Hauptquartier auf der Ramstein AB. Als deren Kommandeur fungiert Generalleutnant Jason T. Hinds (Amtszeit: seit 23. Oktober 2025). Zuvor diente er u. a. als „Deputy Director of Operations, Strategic Deterrence and Nuclear Integration“. Ihm unterstehen 23.805 Soldaten mit 8 Geschwadern und insgesamt 203 Flugzeugen und Hubschraubern. Sein Stab gliedert sich in sieben Abteilungen, u. a. A2 (Intelligence, Surveillance & Reconnaissance), A3 (Operations), A4 (Logistics, Engineering & Force Protection), A5/8 (Plans, Programs & Requirements) und A6 (Communications, Cyber & Information Dominance). Für die nukleare Planung ist das Directorate of Operations, Strategic Deterrence and Nuclear Integration (USAFE-AFAFRICA/A3/10) zuständig. Es wurde zuletzt geführt von Brigadegeneral William L. „Will“ Marshall (Amtszeit: 25. Juni 2021 bis ?). Zur Operationsführung betreibt das Kommando das 603rd Air Operations Center (603rd AOC) auf der Ramstein AB mit seiner Stabsabteilung A33 Combat Plans Division (CPD).
Über den Einsatz der Atomwaffen entscheidet der amerikanische Präsident, er hat seit 1956/57 einen Teil seiner nuklearen Autorität an den SACEUR im Rahmen einer „pre-delegation“ übertragen; dies wurde durch die FURTHERANCE-Regelung vom März 1964 bestätigt. So kann SACEUR auf Basis der Anordnung einer Emergency Message 5 (EM-5) – im begrenzten Rahmen – den Einsatz von Atomwaffen zum Zeitpunkt der „Release-hour“ (R-hour) selbstständig befehlen. Ein Teil der U.S. Atomwaffen wird durch amerikanische Jagdbomber eingesetzt, ein Teil durch die Jabos der europäischen Stationierungsländer zum Einsatz gebracht.
Mit der neuen Nuklearplanung wurde der Einfluss der Europäer auf die U.S. Atomwaffenfreigabe angeblich gestärkt, was die Amerikaner seit den sechziger Jahren wiederholt versprechen.
Zur Zeit überarbeitet die U.S. Regierung ihre Nuklearplanung erneut. Während der Kalte Krieg sechsunddreißig Jahre von 1945 bis 1991 gedauert hat, sind die USA fünfunddreißig Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges zu der Erkenntnis gelangt, dass der Ausbruch eines strategischen Atomkriegs zwischen den USA und Russland unwahrscheinlich geworden ist. Dies wiederum erhöht aber die Gefahr des Beginns eines regional begrenzten Atomkonfliktes und senkt darüber hinaus die Nuklearschwelle. Es geht wie immer darum, dem Präsidenten mehr Nuklearoptionen im Kriegsfall zu offerieren. Es bleibt abzuwarten, wann diese Überlegungen sich in einem neuen Nuclear Weapons Employment Policy-Strategiepapier (NUWEP) niederschlagen und wie sich dieser Wandel in der Beschaffung zukünftiger Trägersysteme widerspiegelt. Für die Ausarbeitung der neuen Nuklearstrategie ist u. a. Elbridge Andrew Colby, Under-Secretary of Defense for Policy im Pentagon (Amtsantritt: 9. April 2025), zuständig.
In einer Rede vor dem „Deterrence Symposium“ des United States Strategic Command (STRATCOM) erklärte er am 5. August 2026 auf der Offutt AFB in Omaha (USA):
„What I would fear more is a regional war. And this is, there's something that news story this morning about. Kind of got it, but in general, got reflected some stuff I, I would quibble with. But, um, but it's a regional war, a kind of local war, conventional war that might have local employment, God forbid, of nuclear weapons that could escalate from there as it, as it expanded outward. and especially and this is where it is really necessary to see how red is thinking about things, not to be kind of stopped in our tracks by it, but to say the decision space in that kind of could be very tight. So one of the things where we see ourselves again as really expanding the president's decision space is there are things that we might posture ourselves to do where we don't think it would necessarily be a total attack, the other side might think it would be total attack, and their reaction would be far greater than we anticipate, and that would lead very rapidly to an incredibly pressurized situation that would be almost by definition not in our interests.” (52)
Der russische Vize-Außenminister Michail Jurewitsch Galusin (Amtsantritt: November 2022) erklärte Anfang August 2026 gegenüber der Zeitung „Iswestija“, Russland und Belarus seien jederzeit bereit zu einem Atomschlag: „Wir sind jederzeit bereit, alle Mittel, einschließlich nuklearer, einzusetzen, um die Sicherheit des Unionsstaates zu gewährleisten.“
Die Herren der Lage
Die Hybriden Angriffe im Rahmen der russischen „nicht-linearen Kriegsführung“ (russ.: nelineynaya voyna) und gemäß der Doktrin des Generalstabschef General Waleri Wassiljewitsch Gerassimow („Doktrina Gerasimova“) (Amtsantritt: 9. November 2012) nahmen seit 2014 immer mehr zu. Dabei geht es u. a. um die Verwischung der Grenze zwischen „Krieg“ und „Frieden“ (russ.: granitsy mezhdu voynoy i mirom stirayutsya). Dabei setzen die russischen Nachrichtendienste auf Geheimhaltung und „plausible Abstreitbarkeit“ (russ.: „pravdopodobnoye otritsaniye“). Noch ist unklar, welche strategischen Ziele der russische „Genshstab“ in Moskau-Arbat (Znamenka-Straße) mit seiner Kriegsführung bezweckt.
So haben die russischen Prokationen und Attacken längst eine gefährliche Grenze, die auch eine bewaffnete Reaktion der NATO möglich erscheinen lässt, überschritten: Beispielsweise zählte der „Under Destruction - Munich Security Report 2026“ auf Grundlage von Daten des Konfliktbeobachtungsprojekts „Acled“ für die Jahre 2022 bis 2025 rund 150 mutmaßlich russische Hybride Vorfälle in EU- und NATO-Staaten. Dazu gehören Sabotage, Spionage und Drohnenüberflüge ebenso wie Cyberangriffe. Häufig lässt sich der Akteur nicht zweifelsfrei bestimmen. (53)
In dem Jahresbericht der „Münchner Sicherheitskonferenz“ heißt es (Seite 60f):
„The first signs of this widening of the battlefield are already visible. Moscow has further intensified its hybrid warfare campaign across Europe, reflected in a growing number of suspected Russian incidents, including sabotage, vandalism, cyberattacks, and arson The fall of 2025 saw a sharp rise in air space violations and unauthorized drone overflights. In September alone, around 20 Russian drones intruded into Polish airspace while three Russian MiG-31 fighter jets violated Estonian airspace for 12 minutes – prompting both governments to invoke NATO consultations under Article 4 of the North Atlantic Treaty. Russia is increasingly blending cyber and kinetic tactics in its suspected surveillance, sabotage operations, and attacks on energy grids, blurring the boundaries between war and peace. Many of these incidents are designed to remain deniable or ambiguous, enabling Russia to evade direct attribution while exerting psychological pressure and inducing political paralysis. Analysts widely view these operations as deliberate efforts by Moscow to probe Europe’s defenses, sow division, intimidate publics, and weaken support for Ukraine by diverting attention toward domestic security. Europe now faces the challenge of proactively deterring further provocations while avoiding inadvertent escalation. (54)
So hatten die Hybriden Angriffe Russlands gegen die BRD in den letzten Monaten an Schärfe zugenommen: Im November 2025 wurde ein „toter Briefkasten“ mit zwei Pistolen und Munition in Müggelheim bei Berlin entdeckt, der durch den Low-level-Agenten Vadym S. angelegt worden war. (55) Die beiden Wegwerfagenten Alla S. und Sergey N. bereiteten bis zu ihrer Festnahme einen Mordanschlag gegen den Rüstungsmanager Stefan Thurmann vor. Zuletzt kam es zu dem gescheiteten Angriff mit drei Kamikazedrohnen auf den Flughafen Leipzig/Halle am 4. August 2026, von denen zwei waren mit militärischem Sprengstoff (Semtex bzw. Hexogen [and. Bez.: RDX]) bestückt waren.
Verantwortlich für die Anschläge in Leipzig, Birmingham, Warschau. etc., war ein bekanntes Agentennetzwerk aus mindestens 22 Personen des russischen Militärgeheimdienst Glawnoje (Raswedywatelnoje) Uprawlenije (GRU bzw. GU), dem u. a. Isabella Bazeka (alias „Erika Misela“, alias „Izabela Vancane“), Sergei Berezin, (alias „Paul Bergholts“, alias „Marko Kovalas“), der deutsche Staatsbürger Viktor Bitner in Berlin, Aleksandr B., Viacheslav C., Igor Kekschin (ex-Gruppa Wagnera), Markas Kovalas, H. K. aus Moldawien, Vitaly Markevich (alias „Janusz Majewski“, alias „Vasily Kandinsky“), Nikolai Michailjuk, „Dimitrijus Paladis“ (Pseudonym), Aleksandrs Sivaks, Alesandr Šuranovas (alias „Igor Prudnikov“), Wladislaw W. (alias „Wladyslaw Barkov“ alias „Wladyslaw Derkawec“) und ein Führungsoffizier namens „WARRIOR“, angehörten. Zu den Hintermännern in Moskau gehören Wladimir/Wolodimir Lipchenko (alias „Wlodek Lyakh“), Major Juri Alexejewitsch Sizow und Oberst Denis Aleksandrowitsch Smoljaninow. Zuständig sind die GRU-Sondereinheiten 29155, 75127 und 92154 (Codename: SENESCH).
Angesichts dieser aggressiven Lageentwicklung erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 26. August 2026 in Neuhardenberg:
„Aber u. a. der Drohnenangriff in Leipzig zeigt, dass wir zugleich ganz handfest bedroht sind. (…) All das, macht die Lage im Lande nicht leichter. (...) Wir haben Probleme, die z. T. von außen kommen und die wir nicht ignorieren dürfen. (…) Und dazu gehört nicht zuletzt das Thema Sicherheit. Deutschland ist stärker ins Fadenkreuz hybrider Angreifer gerückt, das zeigt nicht zuletzt der Angriff vom 4. August auf dem Flughafen in Leipzig. Die Angriffe (sind) zunehmend skrupellos, auch (nehmen sie) schwere Sachschäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf. Hier in Neuhardenberg wird es nicht um die Zuordnung des Leipziger Angriffs gehen, daran arbeiten wir zusammen mit den Sicherheitsbehörden intensiv und wir werden das in Kürze auch darlegen und uns dazu äußern. Leipzig zeigt aber auch, es war richtig, dass die Bundesregierung im letzten Jahr vieles auf den Weg gebracht hat, um unser Land und seine Bevölkerung gegen hybride Angriffe besser zu schützen. Wir setzen diese Arbeit fort, und wir lassen uns dabei von einigen klaren, politischen Grundsätzen leiten, die ich gerne nennen möchte.
1. Deutschland bleibt ein sicheres Land. Die Bundesregierung stärkt deshalb den Schutz, zuletzt durch die Einrichtung eines Drohnenabwehrzentrums in Magdeburg-Cochstedt.
2. Deutschland schreckt ab. Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf. Sie werden dafür bezahlen. Das ist ein wichtiges Ziel des Gesetzespaketes zu den Nachrichtendiensten, das wir im August im Kabinett bereits beschlossen haben.
3. Wir halten Kurs. Die Bundesregierung setzt die Unterstützung der Ukraine mit langem Atem fort. Wir sind heute ihr stärkster Unterstützer, nicht um den Krieg zu verlängern, sondern um Friedensgespräche zu erzwingen.“ (56)
Wen und was er mit dem „Preis zahlen“ meinte, wurde nicht mitgeteilt, jedenfalls meinte er nicht die deutschen Steuerzahler und ihre Portemonnaies. Mittlerweile soll die Bundesregierung die Russen im Verdacht haben und ein Sanktionspaket vorbereiten, die der Bundeskanzler am 1. September beim EU-Außenministertreffen in Wicklow (Irland), dem Antikriegstag, bekanntgeben wird. (57) Die Rede ist von „harten Sanktionen“ und einer „Zeitenwende 2.0“, aber wenn man sich zweimal um 180 Grad dreht, ist man wieder am Ausgangspunkt angelangt. (58)
Theoretisch bzw. praktisch sind eine ganze Palette von Optionen möglich, die mal mehr symbolischer Natur sind, mal ernste Konsequenzen haben und dann sicherlich nicht ohne russische Gegenmaßnahmen bleiben:
- Einberufung des Nordatlantikrates gemäß Art. 4 des Washingtoner Vertrages,
- verstärkte Luftverteidigungsübungen,
- Verstärkung der Militärhilfe für die Ukraine
- Schließung der Tarnadressen russischer Agenten, wie dem „Russischen Haus“ in Berlin-Mitte (Friedrichstraße 176–179),
- Ausweisung mehrerer russischer Agenten, die mit diplomatischer Tarnung an der Botschaft in Berlin stationiert sind (ca. 100 bis 150 Personen plus Familienangehörige,
- Abbruch der diplomatischen Beziehungen,
- engere Beschattung der Schiffe der russischen Schattenflotte, die in zunehmendem Maße von russischen Kriegsschiffen eskortiert werden,
- Hybride Angriffe, insbesondere Cyberangriffe durch den BND,
- Sabotageangriffe des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Russland, etc.
In diesem Zusammenhang erklärte der Bundestagsabgeordnete Oberst a. D. Roderich Kiesewetter (CDU) am 28. August 2026: „Wir sehen eine Zunahme an hybriden Angriffen aus Russland in ganz Europa.“ Die Angriffe könnten „als Vorbereitung eines möglichen begrenzt militärischen Angriffs Russlands auf ein Nato-Land genutzt werden“. Dagegen forderte er, man müsse „Abwehr- und Resilienzmaßnahmen erhöhen können“ und „asymmetrische, harte Reaktionen, (…) um die Abschreckung zu erhöhen“. (59)
Dennoch gab sich Kommentator Christoph von Marschall im Berliner „Tagesspiegel“ skeptisch:
„Einen Krieg darf man nicht herbeireden, das ist klar. Doch ebenso wenig darf man die Indizien für die Gefahr ignorieren. (…) Seit mehreren Monaten kommt das Bündnis in Lageanalysen zu dem Schluss, dass Wladimir Putin schon bald zu einer Attacke fähig sein möchte. (…) Sind Politik und Gesellschaft mental und organisatorisch auf den „Worst Case“ vorbereitet? Oder neigen sie dazu, die Risiken zu verdrängen? (…) Mental hat Deutschland dazugelernt, ist aber immer noch nicht ganz in der Realität angekommen. (…)
Wo Deutschland in dieser harten neuen Realität getestet wird, treten erschreckende Sicherheitslücken zutage. Leipzig hat gezeigt: Es gibt keine automatische Drohnenerkennung um Flughäfen. Die Frage nach Abwehr führt in ein Zuständigkeitschaos. Der Abschuss feindlicher Drohnen wird bisher nicht einmal geübt.
Das vereinte Deutschland mit der Hauptstadt Berlin ist im europäischen Vergleich besonders ungenügend vorbereitet.“ (60)
Einen Fall „BARBAROSSA 2.0“ wird es nicht geben. Dieser würde nicht einmal dann ausgelöst, wenn die Russen NATO-Territorium angriffen, weil der Bundeswehr – trotz der enorm destruktiven Waffenentwicklung der letzten sieben Jahrzehnte - einfach das Personal und in hinreichender Zahl die Mittel fehlen. Kein „reingehen, draufhauen, plattmachen“ von Brest-Litowsk bis Wladiwostok. Selbst die aeffdierten Neonazis sind heutzutage dagegen.
Angesichts der britischen Drohnenlieferungen (STORM SHADOW, NYAN, etc.) an die Ukraine drohte im August 2026 Dr. Andrei Fedorow, ein russischer Präsidentenberater und ehemaliger Vizeaußenminister, den Briten mit „halbmillitärischen Angriffen“ (russ.: „poluvoyennom otvete“), die „früher oder später“ erfolgen würden, denn Putin stehe unter „ernsthaftem“ Druck:
„Es gibt unterschiedliche Diskussionen darüber, wie das aussehen könnte – es könnte sich um eine sogenannte technische Reaktion handeln, vielleicht um Hackerangriffe aus unbekannter Quelle, natürlich nicht von offizieller Seite aus. (…) Zum Beispiel könnte etwas mit Unternehmen passieren, mit Fabriken, die Drohnen für die Ukraine herstellen, und so weiter. (…) „Sie könnten angegriffen werden, nicht von Russland, sondern von … aus unbekannten Quellen.“ (61)
Dazu erklärte die russische Botschaft in London, das Vereinigte Königreich werde sich für die militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine „verantworten“ und einen „Preis“ zahlen müssen. (62) Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Wladimirowna Sacharowa, warnte am 27. August das Vereinigte Königreich und Frankreich, sie „spielten mit dem Feuer“. Die Auseinandersetzungen könnten eine völlig neue Stufe erreichen, dies könne „katastrophale Folgen“ haben: „Wir haben wiederholt gewarnt, dass britische Militärstützpunkte und britische Ausrüstung in der Ukraine und außerhalb ihrer Grenzen als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russisches Gebiet zum Ziel werden könnten.“ (63)
Am 25. August 2026 reiste der amtierende Direktor der Central Intelligence Agency (CIA), John Lee Ratcliffe (Amtszeit: seit dem 23. Januar 2025), mit einem militärischen Transportflugzeug C-17A GLOBEMASTER III und in Begleitung einer Delegation über Riga überraschend nach Moskau. Er war mehrere Tage unterwegs, um sich nur für ein paar Stunden in Moskau aufzuhalten. Es heißt, Ratcliffe habe sich mit seinem russischen Pendant, Sergei Jewgenjewitsch Naryschkin, Direktor des Sluschba wneschnei raswedki (SWR) (Amtsantritt: 5. Oktober 2016), und dem Leiter des Inlandsgeheimdienstes Federalnaja sluschba besopasnosti (FSB), General Alexander Wassiljewitsch Bortnikow (Amtsantritt: 12. Mai 2008), getroffen, nicht aber den Chef des Militärgeheimdienstes Glawnoje (Raswedywatelnoje) Uprawlenije (GU bzw. GRU) Admiral Igor Olegovich Kostyukov (Amtsantritt: 22. November 2018).
Anlass und Zweck des „Geheimbesuches“ wurden nicht bekanntgegeben. Was war so wichtig, dass es nicht über abhörsichere Leitungen per Telefon, sondern von Angesicht zu Angesicht besprochen werden musste? Immerhin ist es erst der erste Besuch eines CIA-Chefs in Moskau seit fünf Jahren. Nachdem die U.S. Geheimdienste im Oktober 2021 feststellen mussten, dass die russischen Streitkräfte ihre Truppen an der Grenze zur Ukraine massierten, war damals Direktor Williams Joseph „Bill“ Burns (Amtszeit: 19. März 2021 bis 20. Januar 2025) Anfang November 2021 vergeblich nach Moskau gereist, um die Russen von dem geplanten Angriff abzuhalten. Was stand diesmal auf der Tagesordnung? Zu einem persönlichen Treffen mit Wladimir Putin kam es allerdings nicht. (64)
Weil der Besuch unter großer Geheimhaltung stattfand, schossen anschließend die Spekulationen über den Anlass der Reise ins Kraut: Kremlsprecher Dmitri Sergéjewitsch Pesków (Amtsantritt: 2012) erklärte, der Besuch fände statt vor dem Hintergrund der „tiefen Krise“; in der die russische-amerikanischem Beziehungen steckten. (65)
Beth Sanner, ehemals „Deputy Director of National Intelligence for Mission Integration“ (Amtszeit: April 2019 bis März 2021), meinte, der Besuch diene dazu, folgende Botschaft zu vermitteln: „Wir wissen, was ihr vorhabt, und ihr solltet es besser lassen.“ (66) Glen E. Howard, Leiter der „Saratoga Foundation“ in Washington, meinte: „CIA-Direktoren reisen nicht nach Moskau, es sei denn, sie wollen um etwas bitten. Sie „reisen nicht den ganzen Weg nach Russland, wenn es nicht wichtig ist“. (67)
Der amerikanische Journalist Michael D. Weiss twitterte: „Wenn ich wetten müsste, würde ich sagen, Ratcliffe ist in Moskau, um vor einer russischen Eskalation gegen Europa/die Nato zu warnen. (…) Du benötigst den CIA-Direktor nicht für Gefangenenaustausche.“ (68) Die letzte Spekulation wurde durch Meldungen des „Wall Street Journals“ und in „Politico“ bestätigt:
„Nach Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste könnte Russlands Präsident Wladimir Putin in den nächsten Jahren die Entschlossenheit der Nato mit einem begrenzten Angriff auf ein Mitgliedsland der Allianz testen. Washington sei besorgt, dass Putin einen Angriff starten könnte, der von Cyberangriffen bis zu einem begrenzten territorialen Angriff auf Nato-Gebiet reichen könnte, insbesondere auf die baltischen Staaten. Putin stehe durch die Folgen seines viereinhalbjährigen Angriffskriegs gegen die Ukraine unter erheblichem innenpolitischem Druck. (…)
Putin verfolgt aufmerksam Meldungen der US-Medien, wonach die Waffenbestände Amerikas durch die Lieferungen an die Ukraine unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden sowie durch den massiven Verbrauch an Luftabwehrwaffen und ballistischen Raketen im Irankrieg erheblich abgenommen hätten. Dies könnte den Kremlchef zu der Einschätzung veranlassen, dass die USA sorgsamer mit ihrem verbliebenen Abschreckungspotenzial umgehen werden.
Russland könnte dann die Nato testen, vor allem die Bündnistreue der USA, an der Trump immer wieder Zweifel geäußert hat. Moskau verfüge über das Potenzial, mit Cyberattacken, mit verdeckten Operationen wie im Falle der Drohnenfunde auf dem Leipziger Flughafen (den die US-Dienste Moskau zurechnen) sowie mit begrenzten Attacken auf ein baltisches Nato-Mitglied die Entschlossenheit der Allianz auf den Prüfstand stellen.“ (69)
Demgegenüber bezeichnete der Kreml-Pressesprecher Dmitri Sergejewitsch Peskow solche Meldungen als „Schauergeschichten“. Allerdings hatte der Kreml schon 2021/22 Meldungen über einen bevorstehenden russischen Angriff auf die Ukraine ebenso als „Schauermärchen“ abgetan. (70)
Am 27. August erklärte U.S. Präsident Donald Trump über die Pläne Putins: „Er wird kein Nato-Gebiet angreifen. (…) Sie werden nicht angreifen.“ (71)
Dazu meinte der Präsident Lettlands, Edgars Rinkēvičs (Amtsantritt: 8. Juli 2023), am 26. August 2026: „Wir bereiten uns vor und versuchen ständig, die verschiedenen Arten potenzieller Bedrohungen zu erfassen, denen wir ausgesetzt sind.“ Die Situation sei „dynamisch“. Die Behörden seien jedoch darauf vorbereitet, sollte sich die Lage ändern. (72)
Außerdem ging es bei der Mission des CIA-Direktors um den amerikanischen Versuch, Wladimir Putin der Desinformation durch seine eigenen Nachrichtendienste zu entziehen, um ihn über die reale Lage an der Front in der Ukraine zu informieren. Die Perspektiven im Ukrainekrieg seien „düster“. Durch die Initiative Ratcliffes sollte eine neue Perspektive für Waffenstillstands-/Friedensverhandlungen ermöglicht werden, zumal den U.S. Streitkräften nach Trump desaströsem Abenteuer im Iran die Abwehrmunition ausgeht.
Die bürgerlichen Massenmedien stürzten sich auf den Besuch der CIA in Moskau, da das Hauptthema im Hintergrund, ein russischer Angriff auf die NATO, der Presse als zu „heißes Eisen“ gilt, mit dem man nicht wirklich umgehen kann.
Derweil rechnet der ukrainische Militärgeheimdienst Hulurtschyna rozvidky (HUR) unter Leitung von Generalleutnant Oleh Iwanowitsch Iwaschtschenko (Amtsantritt: 2. Januar 2026) mit verstärkten russischen Angriffen auf die Infrastruktur des Landes während des kommenden Winters: Wasser, Gas, Strom, Heizung. Dies würde das erschöpfte Volk weiter drangsalieren. Der HUR-Vizechef Generalmajor Wadym Skibizkyj erklärte, der russische Generalstab plane, die vollständige Einnahme der Region Donezk noch bis Ende dieses Jahres abzuschließen. (73) Russland könnte theoretisch eine neue Offensive im Norden der Ukraine im Februar nächsten Jahres starten. Eine groß angelegte Mobilisierung direkt nach den sogenannten Wahlen in Russland würde die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen. Laut Skibizkyj könne der Geheimdienst Anzeichen einer Mobilisierung im Voraus erkennen, da es unter den heutigen Bedingungen praktisch unmöglich sei, groß angelegte Mobilisierungsmaßnahmen zu verbergen. (74)
Im Gegenzug will der ukrainische Präsident Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj die Angriffe mit Langstreckendrohnen auf Russland ausweiten von derzeit 300 auf zukünftig 1.000 Attacken täglich:
„Sie haben bereits weniger Benzin, weniger Exporte und weniger Logistikkapazitäten. (…) Es wird noch mehr solcher Verluste für sie geben, wenn Russland nicht bereit ist, vernünftig über ein Ende dieses Krieges zu verhandeln. (…) Wir werden mit Sicherheit Wege finden, auch ihre anderen Häfen zu blockieren.“ (75)
Bereits seit Wochen laufen in verschiedenen Landesteilen Russlands verdeckte Übungen zur Aushebung neuer Rekruten, da Russland an der ukrainischen Front täglich mehr Soldaten verliert, als es durch Freiwillige ersetzen kann. Nach amerikanischen Berechnungen beträgt die Lebenserwartung eines russischen Frontsoldaten z. Zt. rund 35 Minuten – zu kurz, um sich warm zu schießen. (76) Um der bevorstehenden Einberufung zu entgehen, verlassen bereits jetzt täglich mehrere tausend junge Männer das Land. (77)
Derweil versucht die U.S. Regierung, ein scharfes Sanktionspaket gegen Russland gemäß dem „Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act of 2026“ durch den Kongress zu bringen. Während der Senat dem Gesetzt bereits zugestimmt hat, steht die Entscheidung des Repräsentantenhauses noch aus. Sollte dieses Sanktionspaket in Kraft treten, hätte es schwere Folgen für den russischen Finanzsektor und die Ölindustrie. Die ohnehin geschwächte russische Wirtschaft könnte durch die geplanten, weitreichenden US-Sanktionen zusätzlich unter Druck geraten und der Unmut in der Bevölkerung weiter steigen. (78)
Der britisch-amerikanische Finanzinvestor und bekannte Putin-Kritiker, William Felix „Bill Browder“, meinte: „Die Wut in Russland könnte die Angst in Russland überwinden. (…) Wenn genügend Menschen so empfinden und eine Million Menschen auf den Kreml marschieren, ist Putin erledigt.“ Browder macht allerdings deutlich, dass er einen solchen Sturz nicht für das wahrscheinlichste Szenario hält. Einen spontanen Volksaufstand hält er jedoch für realistischer als einen Putsch durch Oligarchen oder organisierte politische Gegner. Der wirtschaftliche Druck verschärft diese Gefahr aus Browders Sicht. Früher habe Putin Unzufriedenheit mit Geld und höheren Sozialleistungen abfedern können. Diese Möglichkeiten würden schwinden: „An diesem Punkt kann er nur noch Angst und Repression kontrollieren.“ (79)
Wie heißt es doch in dem vermeintlichen Lenin-Wort: „Eine revolutionäre Situation gibt es dann, wenn die Oben nicht mehr können, wie sie wollen, und die Unten nicht mehr wollen, wie sie sollen.“ Was also tun? (80)
Quellen:
(1) https://www.aol.ca/articles/nato-bereitet-offenbar-drei-strategien-202056000.html
(2) https://www.spiegel.de/ausland/russland-cia-direktor-john-ratcliffe-zu-
gespraechen-in-moskau-gelandet-a-40eeb0df-79b3-444d-abbc-b7f408afcd15
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Hauptquartier
(4) https://polizei.nrw/fahndung/213336
(5) https://www.nato.int/en/what-we-do/introduction-to-nato/nato-defence-planning-process
(6) https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-032-12815-7
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Operationsplan
(8) https://www.telepolis.de/article/Ukraine-Krise-Vorbereitung-auf-den-
Ernstfall-3364691.html?seite=all
(9) https://www.nato.int/en/news-and-events/events/transcripts/2023/07/03/media-
briefing
(10) https://cepa.org/article/fog-of-war
(11) https://www.spiegel.de/politik/ausland/kaukasus-krise-nato-schmiedete-
geheimplan-gegen-moskau-a-733190.html
(12) https://www.telepolis.de/article/Ukraine-Krise-Vorbereitung-auf-den-
Ernstfall-3364691.html?seite=all
(13) https://de.wikipedia.org/wiki/Eagle_Guardian
(14) https://www.globalsecurity.org/military/ops/eagle-guardian.htm
(15) Zit. n.: https://www.telepolis.de/article/Ukraine-Krise-Vorbereitung-auf-den-
Ernstfall-3364691.html?seite=all
(16) https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-032-12815-7
(17) https://www.lrt.lt/en/news-in-english/19/1193506/nato-endorses-baltic-defence-
plans-after-turkey-withdraws-veto
(18) https://www.aei.org/commentary/natos-russian-reset-less/
(19) https://www.iiss.org/online-analysis/military-balance/2026/07/natos-three-front-problem/
(20) https://maavoimat.fi/en/mclcc-eng
(21) https://www.focus.de/politik/ausland/die-nato-nimmt-ihre-neue-bodentruppe-
fuer-finnland-in-betrieb-der-schwedische-kernverband-ist-bisher-aber-nur-halb-so-gross-
wie-geplant_0114bd5b-489d-4f1c-9c2c-cee3472ea2e9.html
(22) https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Battlegroup
(23) https://taskandpurpose.com/news/army-v-corps-charles-costanza-relieved/
(24) https://en.wikipedia.org/wiki/2nd_Polish_Corps_(Polish_Armed_Forces_in_
the_West)
(25) https://en.wikipedia.org/wiki/2nd_Polish_Corps_(2023%E2%80%93present)
(26) https://ejercito.defensa.gob.es/en/unidades/Valencia/emincgtad/Organizacion/
index.html
(27) Zit. n.: https://www.airuniversity.af.edu/Portals/10/SSQ/documents/Volume-
10_Issue-1/Arnold.pdf
(28) https://www.gssc.lt/wp-content/uploads/2025/10/v05_William-Alberque_
History-of-NATO_A4_EN.pdf
(29) https://www.gssc.lt/wp-content/uploads/2025/10/v05_William-Alberque_
History-of-NATO_A4_EN.pdf
(30) https://www.nato.int/en/about-us/official-texts-and-resources/
official-texts/2019/12/04/london-declaration
(31) https://news.err.ee/1608951526/pevkur-confirms-nato-defense-plans-changes-favor-estonia
(32) https://news.err.ee/1608951526/pevkur-confirms-nato-defense-plans-changes-favor-estonia
(33) https://carnegieendowment.org/research/2024/12/achieving-the-promise-of-
natos-new-northeast-quadrant
(34) https://carnegieendowment.org/research/2024/12/achieving-the-promise-of-
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(35) https://www.rand.org/pubs/commentary/2024/02/from-forward-presence-to-
forward-defense-natos-defense.html
(36) https://www.nato.int/en/what-we-do/deterrence-and-defence/nato-force-model
(37) https://www.gssc.lt/wp-content/uploads/2025/10/v05_William-Alberque_
History-of-NATO_A4_EN.pdf
(38) https://csds.vub.be/publication/interview-with-sam-rosenberg/
(39) https://emergentdefense.com/content/f/the-eastern-flank-deterrence-line
(40) https://www.aol.ca/articles/nato-bereitet-offenbar-drei-strategien-202056000.html
(41) https://www.milfors.de/Hotspot-Kaliningrad.htm
(42) https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_101275964/nato-
ostflanke-bundeswehr-brigade-in-szenario-in-wenigen-tagen-ueberrannt.html
(43) https://www.welt.de/politik/ausland/article6961043e8605767e8f930d9b/helsing-
fabrikat-die-ukrainische-enttaeuschung-mit-der-deutschen-wunderdrohne.html
(44) https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rstra%C3%9Fengrundnetz
(45) https://www.bundeswehr.de/en/organization/bundeswehr-joint-
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(47) https://de.wikipedia.org/wiki/Unkonventionelle_Spreng-_und_Brandvorrichtung
(48) https://www.bundeswehr.de/de/organisation/operatives-fuehrungskommando-
der-bundeswehr/zentrum-counter-ied-uxs
(49) https://www.bundeswehr.de/en/organization/bundeswehr-joint-
force-command/missions/operational-plan-for-germany
(50) https://www.spiegel.de/politik/berlin-kanzleramt-uebt-notfall-
umzug-in-ausweichdienstsitz-a-1cf4e29b-4e2d-4d2c-99f1-e42154523afe
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(54) https://securityconference.org/assets/02_Dokumente/01_Publikationen/2026/
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(55) https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/08/berlin-waffendepot-polizei-
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(56) https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Merz-zu-Drohnen-in-Leipzig-Sie-
werden-dafuer-bezahlen-id31229713.html
(57) https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/drohnenanschlag-flughafen
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(58) https://www.fr.de/politik/merz-will-harte-sanktionen-gegen-russland-zeiten
wende-zr-94465620.html
(59) https://www.welt.de/politik/ausland/article6a90b3fa518a586e1855ab62/
cdu-kiesewetter-fordert-asymmetrische-harte-reaktionen-gegen-moegliche-angriffe-
russlands-auf-nato.html
(60) https://www.tagesspiegel.de/internationales/greift-putin-die-nato-an-
deutschland-verdrangt-die-gefahr-15992101.html
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militarischen-angriffen-auf-grossbritanniens-drohnenfabriken-15978224.html
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reagiert-empoert-a-0a667fa8-7c0f-4765-96e3-59e01bba381d
(63) https://www.focus.de/politik/ausland/krieg-auf-voellig-neuer-ebene-russland-
droht-grossbritannien-mit-angriffen-auf-militaerische-ziele_341a6e52-6fe1-4b03-
a36d-dffe493f93a6.html
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hafte-reise-des-cia-chefs-nach-moskau-jetzt-aeussert-sich-der-kreml.html
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geheime-dekrete-10331233
(67) https://www.n-tv.de/politik/12-12-Weichert-zu-CIA-Besuch-in-Russland-
Kiew-ist-beunruhigt-id30859357.html
(68) https://www.n-tv.de/politik/Ratcliffe-kann-sagen-Das-was-ihr-gerade-tut-lasst-
das-besser-sein-id31236212.html
(69) https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/cia-direktor-in-moskau-
warnung-an-russland-nato-anzugreifen,VTUNhjn
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werde-kein-nato-territorium-angreifen-a-67877073-dda9-46d1-b10d-1bc0a0a9e982
(71) https://www.tagesspiegel.de/internationales/warnung-wegen-ukraine-krieg-
cia-chef-wollte-putin-offenbar-zu-friedensabkommen-drangen--der-soll-die-usa-
geschwacht-sehen-15990928.html
(72) https://www.welt.de/politik/article6a8eef3d692b2e9e3efcbcf8/russland-raetsel
hafte-reise-des-cia-chefs-nach-moskau-jetzt-aeussert-sich-der-kreml.html
(73) https://www.merkur.de/politik/krieg-2027-geheimdienst-vize-packt-aus-putin-
will-ganz-donezk-erobern-ukraine-zr-94459025.html
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einer-neuen-russischen-offensive-im-norden-der-ukraine-im-februar-2027.html
(75) https://www.spiegel.de/ausland/selenskyj-droht-russland-mit-bis-zu-
1000-drohnen-taeglich-a-30a4726a-63f4-4684-8444-2b9c520b04c1
(76) https://www.tagesspiegel.de/internationales/warnung-wegen-ukraine-krieg-
cia-chef-wollte-putin-offenbar-zu-friedensabkommen-drangen--der-soll-die-usa-
geschwacht-sehen-15990928.html
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testet-mobilisierung-zr-94458274.html
(78) https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_101405170/john-ratcliffe-was-
macht-der-cia-direktor-ploetzlich-in-moskau-.htm
(79) https://www.merkur.de/politik/der-groessten-angst-des-kremls-dann-ist-putin-
erledigt-experte-warnt-vor-zr-94456893.html
(80) https://de.wikipedia.org/wiki/Revolution%C3%A4re_Situation