Deutsch-russischer Winterkrieg 2026/27?
Gerhard Piper
14. August 2026
„So laut, die Stunden nach dem Aufschlag
Als es galt, das alles zu erfassen und verstehen
Und es war
So laut, dass alles was wir dachten
Nichts als Leere zu uns brachte
So laut und so verloren war es hier
Als Stille bei uns wohnte anstatt dir.“
Jupiter Jones, „Still“ (2011)
Die einen warten auf Scarlett, die Schönheit aus dem Nachbarhaus; andere warten auf SCARLET (mit nur einem „t“). Dies ist/war der Code der NATO für den akuten Kriegsalarm im Rahmen des Counter-Surprise Military Alert System. Bisher gingen führende Generäle und Geheimdienstoffiziere der NATO-Staaten davon aus, dass Russland erst nach dem Ende des Ukrainekrieg, also in ein paar Jahren, es wagen könnte, die NATO anzugreifen. Nach neuestens Einschätzungen könnte es noch vor Weihnachten zum „großen Knall“ kommen. Daraus mag jede und jeder die Schlüsse ziehen, die sie/er für notwendig hält.
Bedrohungsrezeption der NATO
Warnungen vor dem nächsten Krieg sind so alt wie der gegenwärtige Frieden. Im September 2025 bilanzierte Anastasia Zejneli in der „taz“ den Krisensommer des letzten Jahres:
„Dieser Sommer war der des Frauenfußballs, des Regens, der Labubus. War 2025 auch der letzte Sommer in Frieden? 19 russische Drohnen verletzen Anfang September den polnischen Luftraum. Zu diesem Zeitpunkt ist es der schwerwiegendste Vorfall dieser Art seit dem Beginn von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine. Beunruhigt? Es geht noch weiter: (…)
Polen und Estland suchen Unterstützung: Zweimal kommt die Nato zu Beratungen nach Artikel 4 zusammen, wo über weitere Schritte der Bündnispartner beraten wird. (…)
Nach dem Ausruf der Scholz’schen Zeitenwende hat sich im Jahr 2025 die Sicherheitslage massiv verschärft. Und doch sind Prophezeiungen, wann denn der Frieden in Europa enden würde, fehl am Platz. Denn der Frieden endet nicht mit der Schwimmbadsaison. (…)
Für viele Sicherheitsexperten waren die zwei folgenden Faktoren ausschlaggebend für einen alarmierenden Blick auf die Sicherheitslage in Europa: Zum einen machte die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump klar, dass die Zeit der engen Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa vorbei ist. Die Weltordnung, wie wir sie kannten, veränderte sich mit der Rede des US-Vizepräsidenten J. D. Vance auf der Münchener Sicherheitskonferenz, in der es nicht um den anhaltenden Krieg in der Ukraine ging, sondern Vance die angeblich fehlende Meinungsfreiheit in Westeuropa beklagte.
Dazu kam die öffentliche Bloßstellung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei seinem Besuch im Weißen Haus Ende Februar. Ausschlaggebend für die „Letzter Sommer“-Panik war auch das angekündigte Militärmanöver von Belarus und Russland im Herbst 2025. (…)
Das solche Warnungen das Kriegs-Kopfkino anschmeißen, ist menschlich. Denn Angst ist menschlich.“ (1)
Bis Sylvester 2025 eskalierte der Ukrainekrieg nicht. Für „Alarmismus“ besteht also kein Anlass, könnte man meinen dabei lässt sich der Kriegsbeginn nicht wirklich in tumber Ruhe und Gelassenheit abwarten, obwohl Intellektuelle noch darüber streiten mögen, ob wir noch im „Frieden“ oder schon im „Krieg“ sind. Jedenfalls befand schon U.S. Präsident John Fitzgerald Kennedy während der Kubakrise im Oktober 1962: „There's always some son-of-a-bitch who doesn't get the word.” Auch der Sommer 2026 war wieder heiß, der Winter 2026/27 könnte noch heißer werden als der Sommer. Der meteorologische Winteranfang 2026 ist am 1 Dezember, der kalendarische Winteranfang am 21. Dezember 2026, wann der „militärische Winteranfang“ beginnt, steht noch nicht fest.
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine in Februar 2022 mussten die Europäer zur Kenntnis nehmen, dass die beschauliche Friedenszeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vorbei und ein großer europäischer Landkrieg (engl.: full-scale invasion) wieder möglich war. In ihr Bewusstsein musste eindringen, dass der kranke Kremlführer sie ebenfalls auf seiner Kriegsliste auflisten könnte. Folglich hat man in den verschiedenen NATO-Staaten Berechnungen angestellt, wann die Russen aufgrund der weiteren Entwicklung ihres verfügbaren Militärpotentials zu einem Angriff mit Aussicht auf Erfolg bereit sein könnten. Pessimisten rechnen mit einem Kriegsbeginn im Jahr 2027, andere tippen auf 2028 und Optimisten vermuten, dass es erst 2029 soweit sein könnte. Bis dahin gelte es die Zeit zu nutzen, um durch umfassende Aufrüstung die eigene Kriegstüchtigkeit herzustellen.
Für die NATO war es ungewöhnlich, dass solche Gedankenspiele öffentlich präsentiert wurden. Bis dahin hatte sich die NATO damit begnügt, die Öffentlichkeit ihrer Mitgliedsstaaten zu verarschen, indem man denen Vorgaukelte, es ginge nicht um Kriegsvorbereitung, sondern um „Abschreckung“. Dieser Propagandaquark wurde geglaubt, weil man nur allzu gern glauben wollte, dass kostspielige Atomwaffen nur produziert wurde, damit sie in irgendwelchen Militärdepots vor sich hin rosten.
Die ungewöhnliche Explizierung der Kriegsgefahr war notwendig, damit auch der Letzte, den dies betreffen könnte, die Lageentwicklung auf dem Schirm hat. Aber diese Explikation hatte auch etwas Gefährliches, weil sich damit die NATO auf ein bestimmtes Kriegsbild und einen bestimmten Zeitrahmen festlegte. Indem die eigene Streitkräfteplanung der Bedrohungsperzeption angepasst wurde, wurde diese zu einer „self fulfilling prophecy“.
Von dieser Berechenbarkeit der NATO profitierte Russland, indem es Szenarien entwickelte, die die Kriegsplanung der NATO konterkarieren und unterlaufen. Ihre Militärstrategen planen nicht nur den nächsten großen europäischen Landkrieg, sondern auch kleinere Militäroperationen, mit denen sie die NATO provozieren, demütigen und schädigen können. (2) Für die Russen galt es kleinere Angriffsoptionen zu durchdenken, mit denen man die Bündnisfähigkeit und Bündniszuverlässigkeit der einzelnen NATO-Staaten auf ihre Zuverlässigkeit „testen“ kann. Ein entscheidender Faktor der Lagebewertung und Beschlussfassung wird sein, ob die Russen Bodentruppen, auch in Form „grüner Männchen“, einsetzen werden, für „a limited incursion on the alliance´s eastern flank“. Dies wäre ein Überschreiten der „subthreshold activities“, um ein fait accompli zu schaffen.
Dass sich die NATO mit einer erhöhten Kriegsgefahr in Europa auseinandersetzen muss, ist nichts Ungewöhnliches, sondern gehört zu den Existenzbedingungen eines Militärbündnisses, manchmal hat die NATO dieses Risiko selbst erschaffen. Eine erhöhte Kriegsgefahr wurde konstatiert während der Suez-Krise (1956), der Kuba-Krise (1962), des Yom-Kippur-Krieges (1974), der NATO-Nachrüstung (1983), etc.. Zu den Mustern einer entsprechenden Analyse gehört das Geheimdokument „Warning of War in Europe“ (NIE 4-1-84) (TOP SECRET – WNINTEL) (115 Seiten), das der damalige CIA-Direktor William Joseph Casey am 31. Mai 1984, ein halbes Jahr nach der ABLE ARCHER-Affäre, als „National Intelligence Estimate“ herausgegeben hat. Es ist nach über vierzig Jahren veraltet, aber dennoch aufschlussreich. (3)
Aber das Kriegsbild hat sich seit damals wesentlich geändert:
“Forget the movies. There are no marching columns, no declaration of war broadcast on CNN, no grand chessboard maneuvers of tank divisions rolling across the border at dawn. That is the war of the world having existed before 2022. In the post-2022 world, a war does not begin with a bang; it begins with a silence you don't even notice.
I wouldn't fight NATO’s strengths. I wouldn't challenge the F-35s in the sky or I wouldn't fight NATO’s strengths. I wouldn't challenge the F-35s in the sky or the Abrams on the ground. I would kill them before they ever woke up. This is not a war of soldiers; it is a war of ghosts. (…) And the chaos begins.” (4)
Militär-politische Lage Russlands im fünften Kriegsjahr
Wladimir Wladimirowitsch Putin sollte völlig Recht behalten. Er wollte als der „neue Zar“ in die russische Geschichte eingehen, und tatsächlich, Putin ist der „neue Zar“. Jedenfalls kennt die russische Geschichte seit dem Tod von Nikolaus II († 17. Juli 1918) keinen größeren Versager als Wladimir Wladimirowitsch Putin.
Schon in den siebziger Jahren hielt man beim Komitet gosudarstwennoi besopasnosti (KGB) den Mitarbeiter Putin für zu risikofreudig, deswegen verlängerte man seinen Dienst in der Sowjetunion Anfang der achtziger Jahre um mindestens ein Jahr und schickte ihn erst dann auf Mission ins Ausland, allerdings nicht zum kapitalistischen Erzfeind, sondern nur in den sozialistischen Bruderstaat DDR.
Zwar musste Putin als KGB-Agent nie Militärdienst leisten, aber seit seiner Ernennung zum Präsidenten Russlands am 1. Januar 2000 hat er mehrere Kriege geführt: Tschetschenien, Georgien, Syrien, Nagorny-Karabach und Ukraine. Seine militärische Erfolgsbilanz hält sich allerdings in Grenzen. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs vom 6. August 2026 haben die russischen Streitkräfte im Ukrainekrieg in den letzten vier Jahren folgende Verluste erlitten: 1.456.610 Soldaten (Tote, Kriegsversehrte, Kriegsgefangene und Vermisste, G. P.) verloren. Zudem seien 12.251 Panzer, 25.099 gepanzerte Kampffahrzeuge, 47.580 Artilleriesysteme, 2.009 Mehrfachraketenwerfer, 1.556 Flugabwehrsysteme, 131.417 Transportfahrzeuge und 2.162 terrestrische Robotiksysteme zerstört worden. Hinzu kämen 439 Flugzeuge, 354 Hubschrauber, 5007 Drohnen und 449.606 UAV-Flugkörper. Außerdem wurden 35 Kriegsschiffe und 2 U-Boote vernichtet. Nicht zuletzt 4.504 Stück Spezialausrüstung. (5)
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj (Amtsantritt: 20. Mai 2019) bezifferte in einem „Fox News“-Interview vom 31. Juli die Gesamtverluste russischer Streitkräfte seit Beginn der Vollinvasion auf rund 1,6 Millionen Soldaten, davon etwa 700.000 Getötete.“ (6)
Die hohen Verluste der russischen Streitkräfte können schon lange nicht mehr durch neue Rekruten ausgeglichen werden:
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Monat (2026)
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Verluste
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Rekruten
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Differenz
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Januar
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31.700
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14.000
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- 17.700
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Februar
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26.300
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25.000
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- 1.300
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März
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31.800
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30.000
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- 1.800
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April
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32.600
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29.000
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- 3.600
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Mai
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33.860
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31.000
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- 2.860
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156.260
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129.000
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- 27.260
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Quelle: https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-334/578807/statistik-die-militaerische-lage-in-zahlen/
So sind die russischen Streitkräfte seit Jahresanfang um mindestens 27.260 Soldaten geschrumpft.
„Der Juli 2026 markiert dabei einen traurigen Rekord: Russlands Streitkräfte verzeichneten laut ukrainischem Generalstab im vergangenen Monat 42.860 Personalverluste – den höchsten Monatswert des Jahres und erstmals mehr als 40.000 Verluste in einem einzigen Monat. Der bisherige Jahreshöchstwert hatte im Juni bei 39.290 gelegen. Im Monatsdurchschnitt belaufen sich die russischen Verluste 2026 auf rund 34.000 Soldaten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte am 25. Juli, Putin bereite „die Bedingungen für eine Ausweitung der Mobilisierung“ vor, da die Verluste die Rekrutierungszahlen dauerhaft übersteigen würden. (…)
Selenskyj erklärte zudem, Moskau habe 2026 bislang 221.000 Soldaten rekrutiert, dabei aber bereits 225.500 Verluste erlitten – darunter 131.000 Tote und rund 93.000 Verwundete. Zusätzlich bereite sich Russland darauf vor, weitere 30.000 nordkoreanische Soldaten zur Unterstützung seiner Kriegsführung zu empfangen.“ (7)
Angesichts dieses „Aderlasses“ nehmen sich die russischen Geländegewinne „bescheiden“ aus: 319 qkm (Januar 2016); 123 qkm (Februar), 23 qkm (März), -116 qkm (April) und -281 qkm (Mai), … Demnach haben die Russen seit Jahresbeginn 68 qkm ukrainischen Bodens erobert. Um 1.000 qm Feld, Wald oder Wiese zu gewinnen, mussten – nach der oben genannten Angabe von Selenskyj – 1.927 Russen krepieren. (8)
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Putin von seinen Generälen und Geheimdienstoffizieren nicht wahrheitsgemäß über die militärische Lage an der Front informiert wird, vielleicht will er das in seiner selbstgefälligen Blase auch gar nicht wissen. Jedenfalls berichtete der letzte sowjetische Außenminister, Eduard Schewardnadse, (Amtszeit: 1985-1991) am 12. November 1999:
„Ich weiß, von welchen Informationen der GRU in der Geschichte Gebrauch gemacht hat, wie sie zustande kommen und wie sie zuerst dem Generalstab, dann dem Verteidigungsminister und dann dem Oberkommandierenden vorgetragen werden. Ich weiß, dass hier in großem Umfang gefälscht wird.“ (9)
Im August 2026 hat die russische Regierung die erfolgreiche Eroberung eines ukrainischen Dorfes gemeldet, dass es seit 1997 gar nicht mehr gibt. Außerdem konnte Putin erst jüngst mit dem früheren Kommandeur der 76. Garde Fallschirmjägerdivision in Pskow, Oberst Abulasisis Schirinbegowitsch Schichabidow, telefonieren, der ist allerdings schon am 10. März 2025 bei den Kämpfen um Dobropillja in der Ukraine gefallen, jetzt ist Putin sein eigener „Rasputin“.
Ein besonderes Kennzeichen dieses Krieges ist der umfassende Einsatz von (Kampf-)Drohnen, der den kilometerbreiten Frontbereich zu einer „kill zone“ macht, in der jede Bewegung zu einem tödlichen Risiko wird. Vorbereitendes Feuer der Artillerie, dem Panzervorstöße in die Tiefe des Raumes folgen, was von nachrückender Infanterie heldenhaft unterstützt wird, das ist antiquierte Kriegsromantik alter Landserfilme. Ein weiteres Merkmal der Drohnenkriegführung ist, dass man durch ein ziemlich preiswertes Waffensystem sehr teure Großkampfsysteme des Gegners effektiv zerstören kann. Außerdem lassen sich Drohnen in relativ kurzer Zeit in Massen herstellen und in Massen einsetzen:
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Monat
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Ukrainische Langstreckendrohnen gegen Russland1
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Russische Langstreckendrohnen gegen die Ukraine1
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01.01.2024
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110
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364
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01.02.2024
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146
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365
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01.03.2024
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441
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501
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01.04.2024
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383
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292
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(…)
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01.10,2025
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3.648
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5.305
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01.11.2025
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3.402
|
5.447
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01.12.2025
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4.480
|
5.002
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01.01.2026
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3.676
|
4.452
|
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01.02.2026
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4.435
|
5.059
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01.03.2026
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7.390
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6.462
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54.237
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81.036
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Anmerkung: (1) Nicht berücksichtigt sind die Einsätze anderer Flugkörper (Raketen und Marschflugkörper).
Quelle: https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-334/578807/statistik-die-mili
taerische-lage-in-zahlen/
Vier Jahre nach seinem Beginn erweist sich die Aggression gegenüber dem „Bruderstaat“ Ukraine als militärisches, politisches und ökonomisches Fiasko. Im Stellungskrieg kommen die russischen Truppen kaum voran, auch das „moral bombing“ gegenüber der Zivilbevölkerung in den Städten richtet zwar enorme Schäden an, kann aber den Widerstandswillen der Ukrainer nicht brechen.
Gleichzeitig gelingt es den Ukrainern mittels ihrer weitreichenden Marschflugkörper vom Typ FP-5 FLAMINGO (Reichweite: 3000 km) schwere Schläge gegen die petrochemischen Anlagen im Hinterland des Feindes auszuführen. Damit reichen die ukrainischen Attacken viel weiter als der Vorstoß der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Die Zahl dieser Angriffe hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen: 3 (2023), 34 (2025), 88 (2025) und 32 (Jan.-Mai 2026). Zerstört oder zumindest beschädigt wurden die Ölraffinerien in Ilski (10.7.2026 und 7.8.2016), Jaroslawl (28.3.2026), Krasnodar (Öldepot, 16.6.2026), Kstowo (Mai 2026), Ljudinowo (Öldepot, 2.8.2026), Moskau (16.6.2026, 18.6.2026, 11.7.2026), Nischnekamsk (2.4.2023), Nischni Nowgorod (24.6.2026), Omsk (20.7.26), Rjasan (29.7.2026), Sankt Petersburg (Mai 2026), Saratow (2.8.2026), Syzran (7. 8.2026), Tjumen (20.6.26), Tuapse (Ölhafen, April 2026), Orenburg (Mai 2026), Orsk (Mai 2026), Uchta (12.2.2026), Ufa (2.8.26), Wolgograd (31.7.2026), etc., so dass es im Erdölförderland Russland zu einer Versorgungskrise beim Benzin kam:
„Im zurückliegenden Monat Juli fiel die durchschnittliche Tagesmenge an verarbeitetem Rohöl in Russland auf ein Mehrjahrestief von landesweit rund 3,6 Millionen Barrel, wie aus einer Analyse des britischen Branchenspezialisten Energy Aspects hervorgeht. Das waren demnach noch einmal rund 150.000 Fass Rohöl pro Tag weniger als noch im Vormonat Juni.
Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel bewegte sich die Verarbeitungskapazität zwischen fünf und sechs Millionen Barrel pro Tag. Ein Barrel entspricht rund 159 Litern. Der Rückgang ist diesen Angaben zufolge beträchtlich.“ (10)
Weitere Ziele waren Logistikzentren, z. B. Niederlassungen des größten privaten Onlineanbieters mit dem englischen Namen „Wildberries“ (WB) in Elektostal, Jekaterinburg, Kotowsk, Nowossaratowka, Sankt Petersburg, Tula und Wladimir, Hafenanlagen (Berdjansk, Mariupol, Primorsk, Ust-Luga, etc.) und Bomberbasen (Engels). Hinzu kommen Angriffe auf Kriegs-, Fracht- und Tankschiffe durch Kamikaze-Seedrohnen vom Typ MAGURA V5 (= Maritime Autonomous Guard Unmanned Robotic Apparatus V-type) (Reichweite: maximal 800 km), MAGURA V7 und MORSʹKYY MALYUK (Reichweite über 1.000 km).
Während die Wirtschaft auf Dritte-Welt-Niveau absinkt, brechen zugleich die Staatseinnahmen ein. Mitte Mai 2026 erklärte ein Duma-Abgeordneter, Russland müsse den Krieg „schnellstmöglich zu Ende bringen“, da die russische Wirtschaft eine „längere militärische Spezialoperation nicht überleben“ werde. (11) Aber die Russen wissen nicht, wie sie diesen Krieg irgendwie „siegreich“ beenden können; außerdem ist davon auszugehen, dass nach einem Kriegsende die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine für Jahrzehnte andauern werden.
Zwar wird Putin immer noch von einer kleinen Mehrheit der russischen Bevölkerung akzeptiert und unterstützt, aber entsprechend der Zunahme der Verluste und Kriegsschäden in Russland wird der Ukrainekrieg in der russischen Zivilbevölkerung zunehmend unpopulärer. Früher konnte die russische Zivilbevölkerung ihrem Alltagsleben – trotz Krieg in der Ukraine – ungestört nachgehen, als würde nichts geschehen, weil man in den staatlichen Propagandasendungen davon nichts mitbekam, weil man nichts mitbekommen wollte. Diese dekadente Ignoranz eines aggressiven Volkes hat sich seit Jahresanfang 2026 gründlich geändert. Nun geben sich die Russen empört über die scheinbar unangemessene Aggressivität der Ukrainer.
Die Entwicklung der Kriegsökonomie gefährdet mittlerweile die neostalinistische Tyrannei des Staatspräsidenten. Es gilt, eine weitere Implosion des Vielvölkerstaates - wie im Dezember 1991 - zu verhindern.
„Sollten die Eliten und Kreise, die Putins Diktatur tragen, zu dem Schluss kommen, dass Putin nicht mehr stark genug sei, das Land zu führen und den Krieg zu gewinnen, wäre das sein Todesurteil. Um diese Kreise weiterhin gefügig zu halten, hat der Kreml-Diktator den Druck im Land, die Überwachung, erhöht. Um aber weiterhin als Feldherr zu überzeugen, müsse er zu einem großen Schlag ausholen, einem Angriff auf ein NATO-Land zum Beispiel.“ (12)
Einzelne Oligarchen haben Kritik geübt, aber es ist noch kein organisierter Widerstand. Die sogenannte „Jamestown Foundation“ in Washington berichtete im Juni 2026 über eine immerhin zunehmende Spaltung der Elite und den wachsenden Einfluss der „Falken“:
„Amid the systemic crisis in Russia, evidence of elite divisions over the war against Ukraine is growing. Some Russian elites reportedly favor an end to the conflict, while hardline “hawks” continue to advocate escalation, retaining influence over Kremlin decision-making.
Russian President Vladimir Putin appears increasingly insulated within a pro-war information environment, reinforcing expectations of victory. Support for the war among elites, hawks, and propagandists continues as they can only hold on to power, wealth, and freedom in the case of victory.
Despite limited public discontent and stable regime support in Russia, Putin’s continued reliance on hawkish advisers raises the risk of further escalation, including deeper Belarusian involvement or heightened confrontation with the Baltic states. (…)
Putin is more inclined to trust the hawks surrounding him. There is a danger that Putin may seek further escalation, continuing to believe that he needs only to push aggression further to break the resistance of Europe and Ukraine and escape the deadlock. Such escalation could take the form of either dragging Belarus more deeply into the war or aggression against the Baltic states. Zelenskyy declared in May that Moscow plans to draw Belarus deeper into the war, and other commentators see danger signals in Belarusian preparations for a possible attack on Ukraine.” (13)
So wie im Oktober 1964, als Leonid Iljitsch Breschnew Nikita Sergejewitsch Chruschtschow weg geputscht hat, könnte es bald auch Putin ergehen. Nach dem gescheiterten Putschversuch des Chefs der „Gruppa Wagnera“, Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin, am 24. Juni 2023, werden nun gelegentlich neue Putschgerüchte kolportiert, aber die Zuverlässigkeit solcher Meldungen ist zweifelhaft, zumindest unüberprüfbar. Als einer der Protagonisten eines coup d´etat wurde ausgerechnet der frühere Operettengeneral Sergei Kuschugetowitsch Schoigu ausgemacht, der wegen seiner Korruption am 12. Mai 2024 als Verteidigungsminister von Putin geschasst wurde. Heute amtiert dieser Kriegsverbrecher als Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation (russ.: Sowet Besopasnosti Rossijskoi Federazii - Sovbez). (14)
Außer Schoigu hat Putin weitere Militär- und Polizeigeneräle u. a. unter dem Vorwand der Korruption gefeuert, manche landeten im Knast: Armeegeneral Dmitri Witaljewitsch Bulgakow (September 2022), Generalleutnant Sergei Filippow (Oktober 2024), (Oktober 2024). der Stellvertretende Verteidigungsminister Dr. Timur Wadimowitsch Iwanow (April 2024), Rostislaw Lesnikow (Oktober 2024). Generalleutnant Kirill Levit (Oktober 2024), Generalmajor Alexander Wladimirowitsch Molchanow (Oktober 2024), General Waleri Mumindschanow (September 2024). Armeegeneral d. Res. Nikolai Alexandrowitsch Pankow (17. Juni 2024), Sergej Alekseyevich Poletikin (Oktober 2024), Armeegeneral Pawel Anatoljewitsch Popow (29. August 2024), Sergej Prokonow (Oktober 2024), die Stellvertretende Verteidigungsministerin Tatjana Wiktorowna Schewzowa (17. Juni 2024), der Erste Stellvertretender Verteidigungsminister Ruslan Chadschismelowitsch Zalikow (17. Juni 2024), etc.. Diese Säuberungen deuten auf andauernde Machtkämpfe hinter den Kulissen hin.
Für den Personenschutz des Präsidenten ist der FSO zuständig, der 1991 aus der 9. Verwaltung des KGB hervorgegangen ist.
Die „Deutsche Welle“ bewertete die Putschgefahr Anfang August 2026 folgendermaßen:
„The Kremlin has radically increased security around Russian president Vladimir Putin, apparently due to growing fears of assassination or a coup. That is according to a report from an unnamed European intelligence agency that was cited by independent Russian investigative media outlet, iStories or Important Stories, as well as US broadcaster CNN and UK newspaper the Financial Times.
The publication of these reports has divided Russia observers. Some believe that such a scenario, including threats to Putin, is likely. Successful operations conducted by the Ukrainian secret service inside and outside of Russia make it believable, they argue. But others think that such a scenario is highly implausible and see the leaked information as another part of an ongoing campaign to destabilize the Russian leadership system.
But what most experts are certain of is that Putin himself is becoming more worried about his own security, and that economic problems and growing pressure from security forces on technocrats are exacerbating tensions among Russian elites.
In the leaked report, Russia's former defense minister Sergei Shoigu, now secretary of Russia's security council, is seen as a potentially destabilizing actor. While Shoigu has lost much of his former influence, he still has a lot of power in the military and poses a threat to Putin, Roman Anin, the Russian investigative journalist who founded iStories, explains. The media outlet is based in Riga, Latvia.
Anin believes that in Russia there are growing tensions within state security organs and the "siloviki," or "securocrat," clans that hold much of the power in Russia. (...)
In Moscow, security has been tightened in general, with communications disrupted in some parts of the Russian capital as well as mobile electronic warfare systems deployed in the center — which can be used to disrupt drone flights. Security is also being increased at the Kremlin itself. (…)
There are also concerns because of the latest Ukrainian assassination attempts on the lives of Russian generals, added Abbas Gallyamov, a former Putin speechwriter turned political analyst, who for his safety now lives outside of Russia. "Security is more important right now than his image," he told DW.
Gallyamov says that he too had noticed how internal conflicts inside Russia's elite military-political circles are worsening and how some clans within that milieu are acting more independently — that is without the Kremlin's say-so, which they would have needed before.
But in his opinion, the various groups are avoiding open confrontation and are simply waiting to adapt to circumstances” (15)
Angesichts des militärischen Misserfolgs der Russen im ukrainischen Stellungskrieg, der Erfolge der Ukrainer bei Angriffen in der Tiefe des Aggressors und angesichts des Niedergangs der russischen Kriegswirtschaft wird vermutet, dass der russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin nach den nächsten Duma-Parlamentswahlen am 18.-20. September 2026 einen Durchbruch durch Eskalation prozieren könnte.
Eigentlich sind diese Wahlen in der „gelenkten Demokratie“ völlig überflüssig, weil im Parlament keine echte Oppositionspartei vertreten ist. Um ein Ventil für kritische Bevölkerungskreise zu öffnen, sollte bei der anstehenden Wahl erstmals mit der sozialliberalen „Jabloko“ wieder eine echte Oppositions- und Anti-Kriegs-Partei antreten, allerdings ließen rechtsradikale, nationalistische Kreise dies durch das Oberste Gericht verbieten. Dabei leidet die Oppositionspartei ohnehin darunter, dass ihre prominenten Führer entweder auf dem Friedhof, im Knast oder im Auslandland sind. Im Übrigen Dafür werden die Wahlbehörden in jedem Falle dafür sorgen, dass die Regierung nicht zu schlecht wegkommt.
Immerhin rechnen Meinungsforscher damit, dass die herrschende Putin-Partei „Einiges Russland“ rund 9 Prozent ihres Wähleranteils verlieren wird, so dass Parteien der sogenannten „Systemopposition“, wie die nationalistische „Liberal-Demokraten“ (LDPR), Zuwächse verzeichnen werden. Um nicht noch größere Verluste zu erleiden, hält sich Putin mit irgendwelchen gravierenden Beschlüssen bis Ende September zurück. Danach könnte er offiziell das Kriegsrecht verkünden, Notstandsmaßnahmen ankündigen oder eine landesweite Einberufung von Wehrpflichtigen anordnen.
Eine Einberufungskampagne wäre höchst unpopulär, da durch die Verluste im Ukrainekrieg der Bedarf an neuem „Kanonenfutter“ so groß ist, dass weitere zehntausende Familien betroffen wären. So haben die russischen Militärbehörden die nächste Zwangsverpflichtung vereinfacht und digitalisiert: Wehrpflichtigen werden ihren Einberufungsbescheid einfach auf ihr Smartphone gefunkt bekommen, gleichzeitig werden alle Grenzübergangsstellen informiert, so dass eine Flucht schwieriger wird. Zusätzlich werden die Repressionsmaßnahmen verschärft: Kriegsdienstverweigerer droht der sofortige Pass- und Führerscheinentzug. Dennoch wäre mit einem umfassenden „Brain drain“ von jungen Männern ins Ausland zu rechnen, was die russische Wirtschaft zusätzlich belasten würde.
Darüber hinaus könnte der Versager und Hasardeur im Kreml eine Externalisierung seiner innenpolitischen Probleme in seinem Vielvölkerstaat mit über 80 Föderationssubjekten (russ.: Subjekt Federazii) (Republiken, Regionen, Autonome Kreise, Oblaste, etc.) und über 160 Ethnien versuchen. Dazu meinte das Autorenteam des „Sahaidachnyi Security Center“ in Kiew:
“Russia is far from its peak condition, and its economic problems are intensifying toward a point of no return. At the same time, Putin’s regime cannot give up the attack on NATO due to equally compelling domestic socio-political factors vital to its self-preservation.” (16)
Und der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), meinte im August 2026 gegenüber dem „ZDF“:
„Die Glaubwürdigkeit hat Russland schon lange verspielt, wenn man in die Ukraine blickt, wo ja vor völkerrechtswidrigen Angriffen man kaum mehr hinterherkommt. (…) Und dass Russland da ein Spiel ohne Regeln spielt, das ist jetzt auch keine neue Erkenntnis. (…) Da ist jemand, der in der Ukraine sich festgefahren hat. (…) Und es ist schon lange prognostiziert, dass dann Ausweichbewegungen in Richtung Westen, in Richtung Nato, in Richtung EU erfolgen werden." (17)
Die Frage, ob Putin die NATO angreifen wird, hängt vielleicht weniger von den Rüstungsanstrengungen der NATO, als vielmehr von dem Widerstand gegen Putin im Kreml ab. So könnte Putin versuchen, sein autoritäres Regime durch inszenierte Zwischenfälle, bei denen er die Bündnisfähigkeit der NATO „testet“, zu stabilisieren. Um mit einer Breitseite die NATO anzugreifen, müsste Putin seine Streitkräfte über Jahre hinweg neu aufbauen. Bis Anfang 2026 ging die NATO von dieser Entwicklung aus: Beendigung des Ukrainekrieges auf die ein oder andere Weise, Reorganisation der russischen Streitkräfte, russischer Angriff auf einen oder mehrere NATO-Staaten.
Mittlerweile hat sich die Bedrohungseinschätzung der NATO gravierend verschlimmert. Man geht heute davon aus, dass Putin angesichts des innenpolitischen Drucks, der auf ihm lastet, vielleicht nicht mehr die Zeit und das Geld hat er, um seine Streitkräfte zu modernisieren. Stattdessen muss er sich mit einer Militäraktion im kleineren Umfang begnügen, lange bevor die Russen nach Einschätzung der NATO zu einem großen Landkrieg wieder in der Lage wären, möglicherweise noch vor Ende des Ukrainefeldzugs. Auf den Ukrainekrieg folgte dann der „richtige Krieg“ – Russland gegen NATO.
Bisher ging man in der Beurteilung der allgemeinen Kriegsgefahr von dem real messbaren Militärpotential des potentiellen Gegners und seinen darauf basieren Optionen aus, nicht aber von den aggressiven Gelüsten von dessen Führung. Im Fall Putin hat sich dies für die NATO anscheinend um 180 Grad gedreht. Aufgrund von fast dreißigjähriger Erfahrung im Umgang mit Herrn Putin ist man bei der NATO auf schlechte Nachrichten eingestimmt. Dabei könnte die russische Militärführung die Schwächen der NATO auf unterschiedliche Weise ausnutzen.
Obwohl Putin an seinen territorialen Kriegszielen festhält und jegliche Friedensverhandlungen kategorisch ablehnt, strebt der ukrainische Präsident, Wolodymyr O. Selenskyj - nach eigener Einlassung vom 3. August 2026 - immer noch ein Ende des Krieges vor Wintereinbruch an, damit der Zivilbevölkerung eine weitere Frostperiode erspart bleibt. Andernfalls droht eine erneute Massenflucht der Ukrainer nach Westeuropa. In diesen Zeiten in diesem Amt braucht man wohl eine „gesunde“ Portion Zweckoptimismus:
„Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angekündigt, den Ukraine-Krieg noch vor dem Winter beenden zu wollen. Dazu soll Russland durch diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck zur Aufnahme von Friedensgesprächen gezwungen werden. „Wir werden sehr hart daran arbeiten, dass dies vor dem Winter, im Herbst, geschieht“, sagte Selenskyj laut RBC-Ukraine bei einem Treffen ukrainischer Botschafter in Kiew. Gleichzeitig warnte er, Kremlchef Wladimir Putin bereite weitere Mobilisierungen und neue Angriffe vor: „Wir sehen Russlands wahre Absichten, wir einen unsere Partner und erhöhen den Druck auf den Aggressor.“ (18)
Russische Kriegsvorbereitungen gegenüber der NATO
Im Jahr 2017 verabschiedete die russische Regierung ein zehnjähriges „Rüstungsprogramm 2027“ mit einem Etat von 20 Billionen Rubel, das eine einseitige Hochrüstung propagierte. Aber scheinbar objektive Nominalangaben können täuschen, so galt Russland bei Beginn des Ukrainekrieges am 24. Februar 2022 als die zweistärkte Militärmacht der Welt und alle rechneten mit einer Eroberung der Ukraine in einem „Blitzkrieg“ von drei, vier Tagen Dauer:
„Am Vorabend der russischen Invasion setzte sich die russische Armee aus den rund 280.000 Mann starken Landstreitkräften sowie 45.000 Mann bei den Luftlandetruppen zusammen, weitere 165.000 Mann dienten bei den Luft- und Weltraumkräften, während die Marine über 150.000 Mann verfügte. Hinzu kamen rund 50.000 Soldaten und Offiziere der Strategischen Raketentruppen sowie 29.000 Mann der Eisenbahntruppen, während in den Bereichen Führung und rückwärtige Unterstützung 180.000 Mann zur Verfügung standen. Diese 900.000 Mann konnten im Bedarfsfall von mehr als einer halben Million Mann unterstützt werden, die in der Nationalgarde sowie paramilitärischen Formationen dienten. Ohne Berücksichtigung der strategischen Nuklearwaffen, die im Konflikt mit der Ukraine keine Rolle spielten, konnten die russischen Streitkräfte auf rund 10.500 Panzer und mehr als 30.000 gepanzerte Fahrzeuge zurückgreifen, von denen allerdings ein Großteil seit dem Ende des Kalen Krieges in Depots eingelagert worden war. Ferner verfügten die russischen Streitkräfte über mehr als 4000 Mehrfachgeschosswerfer sowie mehrere 10.000 Artilleriegeschütze. Hinzu kamen rund 160 Startrampen für das Raketensystem „Iskander“ (SS-26 „Stone“) mit dem sowohl ballistische Kurzstreckenraketen wie auch Marschflugkörper zum Einsatz gebracht werden können. Die Luftstreitkräfte (…). (Uhl Matthias; Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht, Freiburg, 2026, S. 112)
Nach Kriegsbeginn wurde die Rüstungsproduktion noch einmal gesteigert, so dass jedes Jahr Millionen von Gewehrpatronen, Granaten, Raketengefechtsköpfen, Drohnen, Marschflugkörpern und Bomben, etc. produziert wurden. Allerdings gerieten die Rüstungsbetriebe selbst durch diese Überproduktion in ökonomische Schwierigkeiten, da sie ihre Produktionsfertigung vorfinanzieren mussten und gezwungen waren, hierfür Bankkredite aufzunehmen.
Nach vier Jahren Kriegseinsatz in der Ukraine ist unklar, was die russischen Streitkräfte heute noch wirklich leisten können, zu welchen Operationen sie noch fähig sind. Zu den beobachtbaren, langfristigen Kriegsvorbereitungen zählt die Hochrüstung Russlands. So hat der russische Präsident Wladmir W. Putin angekündigt, er wolle die Personalstärke seiner Streitkräfte um rund 50 Prozent auf 1,535 Millionen Soldaten plus 890.000 Zivilangestellte erhöhen.
Die russische Regierung wendet mittlerweile über 40 Prozent ihres Staatshaushaltes für die Rüstung auf, also verpulvert er für die Zerstörung der Ukraine fast genauso viel Geld, wie für alle anderen Staatsaufgaben zusammengenommen. Respekt! Die „Sicherheitspolitik“ von Stalin, Chruschtschow und Breschnew hat die enorme Leistungsfähigkeit des Militärisch-industriellen Komplexes (MIK) aus 781 „Kaderbetrieben“ und 270 Entwicklungsbüros schon in den Zeiten des Kalten Krieges eindrucksvoll gezeigt. Pro Jahr wurden zehntausende Panzer, Kanonen, Flugzeuge, Kriegsschiffe und U-Boote – wie Würstchen – pro Jahr produziert. Am Ende wurde soviel Wirtschaftskraft in der Militärproduktion verpulvert, dass sich die Sowjetunion selbst totgerüstet hat. Dies war allerdings nicht die Schuld der Militärs, sie stellten in der rüstungsindustriellen Kommission beim Ministerrat der UdSSR gerademal sechs Prozent der Mitglieder. Als Michael Sergejewitsch Gorbatschow Mitte der achtziger Jahre einen Kurswechsel und eine Konversion der Rüstungsindustrie herbeiführen wollte, war es für „Perestroika“ schon zu spät. Mit der Ausrufung der „Kriegswirtschaft“ wiederholt Putin die Fehler der Vergangenheit, zumindest in diesem Sinne vollführt er eine „Wiederherstellung“ der Sowjetunion und provoziert zugleich ihr erneutes Ende.
Außerdem wurden in den letzten zehn Jahren die Truppen entlang Russlands Westgrenze zur NATO erheblich verstärkt. Nach Angaben des „Sahaidachnyi Security Center“ hat das vorhandene Heereskontingent folgende Ausmaße:
“In the Kaliningrad exclave, the core force is the 11th Army Corps (AC) of the Baltic Fleet comprising 10 motorized rifle battalions, 6 armoured battalions, 336th Separate Marines Brigade (HQ Baltiysk) and coastal defense and support units. Key among these are the 244th Artillery Brigade, equipped with "Uragan" and "Smerch" MLRS (with ranges of 70-90 km, a crucial detail as this capability remains valid beyond a 30-km kill zone where most other artillery systems are neutralized), and the 152nd Missile Brigade, operating "Iskander-M" tactical ballistic missiles. The total personnel strength in the exclave is approximately 10,000-12,000. Within the newly re-established Moscow and Leningrad Military Districts, Russia has arrayed the 6th Combined Arms Army (HQ St. Petersburg), the 20th Guards Army (HQ Voronezh/Mulino), the 1st Guards Tank Army (HQ the Moscow region), as newly formed the 25th Army and the 44th Army Corps in Karelia. The Kremlin has also announced the reconstitution of the 26th Army Corps in the Leningrad Oblast.” (…)
Approximately 8–10 brigade/regiment equivalents in the first echelon against the Baltics: the 18th Motorized Rifle Division (3 regiments), the 76th Guards Air Assault Division (Pskov, 2 regiments), elements of the 6th Army (25th and 138th Motorized Rifle Brigades), and parts of the 11th Army Corps (336th Naval Infantry Brigade, 7th Motorized Rifle Regiment). Additionally, Russia's advantage in heavy artillery must be noted, which the Kremlin will undoubtedly use. (…)
This includes a massive disparity in FPV drones, mid-range loitering munitions, autonomous kamikaze drones, and tactical-level counter-UAS capabilities. The robotization of ground warfare and logistics is another area where Russia holds a significant lead. The quantitative gap in drone-powered and EW capabilities is colossal compared to partner nations, who are only now beginning to design and scale these elements into a fully-fledged facility. This disparity is of key strategic importance.” (19)
Nach Angaben der niederländischen kirchlichen Rundfunkorganisation „Katholieke Radio Omroep/Nederlandse Christelijke Radio Vereniging“ (KRO-NCRV) wurden in den letzten Jahren 94 russische Militärstützpunkte entlang der russischen Westgrenze modernisiert bzw. ausgebaut:
„Entlang der Ostgrenze zu Europa baut Moskau rasch seine militärischen Fähigkeiten aus: Es installiert taktische Atomwaffen, neue Bunkerkomplexe und fortschrittliche elektronische Kriegsführungssysteme. (…)
Insgesamt analysierte Pointer seit Beginn des Krieges in der Ukraine 2014 Satellitenbilder von 221 russischen Militärstandorten an der Ostgrenze Europas. Die russische Armee errichtete an 94 Standorten, es gab gründliche Renovierungen oder eine deutliche Erhöhung der militärischen Ausrüstung.
Pointer fand unter anderem drei mögliche Lagerstätten für Atomwaffen, drei große neue Bunkerkomplexe, 26 renovierte Flugplätze und zwei Orte, von denen GPS-Signale gestört werden. In diesem Artikel führen wir Sie zu den Orten, an denen wir die wichtigsten Veränderungen gesehen haben. (...)
Mit 26 Militärflughäfen am Rand Europas ist Russland hauptsächlich mit umfangreichen Renovierungen beschäftigt: Alte Betonstart- und Landebahnen werden asphaltiert, Hangars gebaut und in der Nähe Flakabwehranlagen installiert. Oft handelt es sich dabei um Basen aus der Sowjetzeit, die lange Zeit nicht aktiv waren, aber nun ein zweites Leben erhalten.
In einigen Fällen werden auch mehr Jagdflugzeuge und Bomber eingesetzt, etwa in Murmansk und Kaliningrad” (20)
- Alakurtti (Kola-Halbinsel): Die dortigen Militäranlagen werden zur Zeit ausgebaut und neue Hallen errichtet.
- Assipowitschy (Belarus): In Assipowitschy wurde ein Lager für russische Atomwaffen errichtet.
- Baltijsk (Region Kaliningrad): In Baltijsk-Metschnikowo (A. Newski-Straße) ist die 120. Garde Marineinfanteriedivision disloziert, die im Dezember 2025 gegründet wurde. Der Personalbestand des Verbandes war früher nur zu 50 Prozent aufgefüllt, jetzt hat die Truppe der „Morpechi“ volle Stärke. Die Brigade ist mit BTR-82A ausgestattet. Außerdem befindet sich in Baltijsk einer von zwei landgestützten Störsendern, um den Empfang von GPS-Signalen zu verhindern. So wird im Rahmen der Hybriden Kriegführung der Empfang von GPS-Daten durch Schiffe und Flugzeuge des potentiellen Gegners schon in „Friedenszeiten“ gestört. Die Rede ist hier vom „Baltic Jammer“.
- Gusew (Region Kaliningrad): In Gusew ist das 79. selbstständige Garde-Motorisierte Schützenregiment (Militäreinheit 90151) mit seinem Hauptquartier stationiert. Der Personalbestand des Verbandes war früher nur zu 50 Prozent aufgefüllt, jetzt hat die Truppe volle Stärke.
- Kaliningrad (Region Kaliningrad); Das vorhandene Luftverteidigungssystem wurde um eine neue Radaranlage ergänzt. Außerdem wurde eine Störanlage errichtet, um den Empfang von GPS-Daten des potentiellen Gegners schon in „Friedenszeiten“ zu stören.
- Kaliningrad-Tschkalowsk (Region Kaliningrad): Der Fliegerhorst In Kaliningrad-Tschkalowsk wurde zuletzt 2012 bis 2018 umfassend modernisiert, so wurde die Startbahn auf 3.100 m verlängert und zahlreiche Hangars errichtet. Auf dem Fliegerhorst wurde am 7. Februar 2022 eine MiG-31K mit einem Flugkörper Ch-47M2 Kinschal (NATO-Code: AS-24 KILLJOY) gesichtet. Im August desselben Jahres folgten drei weitere MiG-31K. Seit April 2026 werden auf der Basis zusätzliche, gehärtete Flugzeughangars errichtet.
- Kamenka: Hier ist seit Mai 2024 die 69. Garde MotSchDiv (russ.: 69-ya gvardeyskaya motostrelkovaya diviziya) (Militäreinheit 02511) stationiert. Sie ist aus der 138. GdMotSchBrig durch Aufstockung hervorgegangen. Es gibt eine provisorische Logistikbasis mit über 130 neuen Militärzelten für rund 2.000 Soldaten und Lagerhallen.
- Kandalakscha: Seit Ende 2023 wird eine neue Anlage – „Lupche-Savino-2“ – angelegt und ausgebaut. Hier wurden seit Frühsommer 2025 mehrere große Gebäude und ein Militärdepot errichtet, damit eine neue Artilleriebrigade und eine Pionierbrigade mit jeweils 2.000 Mann disloziert werden können.
- Kirillowkoje: In dem Ort wird eine neue Kasernenanlage gebaut.
- Kremnevo (Region Kaliningrad): In Kremnevo wurde ein Munitionsdepot 2024 um 398 neue Bunker erweitert.
- Kulikowo (Region Kaliningrad): Kulikowo ist der Name von zwei kleineren Siedlungen in der russischen Oblast Kaliningrad. Beide Orte liegen im Rajon Selenogradsk an der Ostseeküste und waren früher als Strobjehnen und Elchdorf bekannt. In den Jahren 2016 bis 2018 wurden in einem der beiden Orte, nordwestlich von Kaliningrad, drei Bunker renoviert. Anscheinend wurde das Lager im Jahr 2025 nochmals ausgebaut. So sprach der polnische Außenminister Radosław Tomasz „Radek“ Sikorski davon, hier würden bis zu 100 Atomsprengköpfe gelagert.
- Luga: Eine im Raum Luga stationierte MotSchützenbrigade wird/wurde zu einer Division aufgestockt, so dass sich ihre Personalstärke wohl verdreifachen wird. Damit würden in Luga ca. 8.000 bis 10.000 stationiert.
- Luninets (Belarus): Auf dem Fliegerhorst wurden nach 2022 weitere Stellplätze für Flugzeuge eingerichtet, diese erhielten Schutzmauern.
- Lupche-Savino: (siehe. Kandalakscha)
- Montschegorsk (Kola-Halbinsel): Hier ist seit 2019 das 174. Garde Jagdfliegerregiment ebenfalls mit MiG-31BM disloziert.
- Murmansk (Kola-Halbinsel): Im Raum Murmansk wurde ein neues Atomwaffenlager errichtet.
- Nagurskaja (Arktis): In Nagurskajka auf der Insel Alexandraland des Franz-Josef-Land im Nordpolarmeer wird ein Fliegerhorst ausgebaut.
- Novaya Vilga (Karlien): (siehe Petrosawodsk)
- Okunjowo (Region Kaliningrad): Okunjowo befindet sich heutzutage eine Störanlage zur Unterdrückung von GPS-Signalen, die vom 218. Selbstständigen EloKa-Regiment (Militäreinheit 83106) betrieben wird.
- Petrosawodsk (Karelien): Seit 2025 wurden große Waldflächen gerodet, um eine neue Kaserne zu errichten, darin soll eine Motorisierte Schützendivision (MotSchDiv) mit ca. 4.000 bis 6.000 Mann stationiert werden. Neben einem Stabsgebäude werden rund zehn Wohnbaracken errichtet. Insgesamt rechnet man mit der Fertigstellung von ca. 50 Gebäuden bzw. Anlagen in den Jahren 2024/25. Der genaue Standort der neuen Kaserne wird mal mit dem Ortsteil Petrosawodsk-Rybka, mal mit Novaya Vilga (and. Bez.: Uusi-Vilka), einem Dorf bei Petrosawodsk, angeben. In dem Militärdepot wurde im Oktober 2025 erstmals 50 Militär-Lkws registriert. Ex-Major Marko Eklund, ehemaliges Mitglied des finnischen Militärgeheimdienstes, berichtete: „Es scheint, als sei dort eine Art Wartungstruppe eingerichtet worden, oder es könnte sich sogar um die Anfänge einer Brigade von Truppen handeln, die in der Region Karelien aufgestellt werden soll.“
- Petsamo: (siehe: Petschenga)
- Petschenga: Hier waren bisher rund 7.000 Soldaten stationiert, in Zukunft sollen an dem Standort ca. 17.000 Mann ihren Militärdienst leisten.
- Sapjornoje: Hier ist ein ABC-Abwehrregiment mit ca. 500 Soldaten und verschiedenen Laboreinrichtungen disloziert. Die vorhandenen Militäreinrichtungen werden z. Zt. geringfügig ausgebaut.
- Seweromorsk (Kola-Halbinsel): In bzw. bei Seweromorsk auf der Kola-Halbinsel bei Murmansk gibt es drei Fliegerhorste: Auf dem Luftwaffenstützpunkt Seweromorsk-1 wurden 2023 die Hubschrauberlandeplätze erneuert. Seweromorsk-2 wird seit 2022 saniert und soll 2030 wieder in Betrieb genommen werden. Auf dem Stützpunkt Seweromorsk-3 haben die Russen Schutzwände um ihre Kampfjets und Helikopter gebaut, um diese besser vor ukrainischen Drohnenattacken zu schützen.
- Tschernjachowsk (Region Kaliningrad): Seit Oktober 2016 wurden die Stellungen der 152. Garde Raketenbrigade ausgebaut, u. a. wurden pneumatische Zelte als Hangars aufgestellt. Seit ca. 2018 wurden die Raketen auch mit Atomsprengköpfen bestückt. Seit 2019 rüstete die Brigade um auf 9K720 ISKANDER-M (NATO-Code: SS-26 STONE-B). Sie haben eine Reichweite von ca. 500 km, eventuell auch 600 km, und erreichen so gerade Berlin (Entfernung Tschernjachowsk-Berlin 602 km). In der Region wurden seit damals 38 neue Munitionsbunker für konventionelle oder atomare Munition angelegt. Der Fliegerhorst 6962. AB wurde in den letzten Jahren modernisiert. Außerdem betreibt hier der GRU seit 2025 eine „Circularly Disposed Antenna Array“-Anlage (CDAA) in Wullenweber-Technologie. Die kreisförmige Antenne hat einen Durchmesser von 1,6 km. Sie wurde ab März 2023 errichtet. Mit dieser SIGINT-Anlage lässt sich der Funkverkehr (Frequenzbereich: einige MHz bis 28 MHz) im Umkreis von 7.400 km abhören - also der gesamte Ostseeraum, die BRD und Westeuropa. (…) (21)
Außerdem hat die russische Regierung im August 2026 mehrere Reformen bei den Streitkräften initiiert. Es wurde ein neues Kommando für die unbemannte Kriegführung unter dem Kommando von Yuri Vaganov aufgestellt. Die „Rückwärtigen Dienste“ (russ.: Tyl), die für den Nachschub, die Instandsetzung und das Transportwesen innerhalb der Streitkräfte zuständig sind, werden unter Führung von Generaloberst Waleri Nikolajewitsch Solodschuk, stellvertretender Verteidigungsminister, reorganisiert, um die Logistik zu verbessern.
Zu den weiteren Kriegsvorbereitungen zählt der Ausbau der Kritischen Infrastruktur und der Reservevorräte in der Enklave Kaliningrad:
“On 1 July (2026, G. P.), Vladimir Putin held an extraordinary meeting with members of the Security Council about Kaliningrad Region. The meeting departed from the usual protocol for two reasons: it took place on a Wednesday rather than the customary Friday, and it was held in person – a format that the president uses only rarely. The following day, Putin held an in-person meeting with the Governor of Kaliningrad Region, Alexey Besprozvannykh. The main issues they discussed were ensuring priority fuel supplies to the region and building up strategic reserves. It was under the leadership of Besprozvannykh, the former Deputy Minister of Industry and Trade of the Russian Federation, that the region’s power system was switched to fully autonomous operation in response to the simultaneous withdrawal of the Baltic states from the Brell (Belarus, Russia, Estonia, Latvia, Lithuania) power grid in early 2025. This move by the Baltic states was seen by Moscow as part of a plan to isolate Kaliningrad from Russia. (…)
One element of the information campaign preceding such a provocation was the recent promotion via social media of the narrative of a ‘Narva People’s Republic’ in the predominantly Russian-speaking city of Narva, on Estonia’s border with Russia, closely replicating the model used in Donbas in 2014. In response to this kind of aggression, Moscow believes that NATO would be highly likely to isolate Kaliningrad Region by closing its land and maritime borders. Kaliningrad would face prolonged isolation until the blockade could be lifted, most likely via the opening of an overland supply route from Belarus through the Suwałki Corridor – a process that could take many months.” (22)
Ihre Angriffsfähigkeit testen die russischen Streitkräfte im Westen des Landes in den Manövern der SAPAD-Serie. Bei dem Manöver SAPAD 2021 (10. bis 16. September 2021) mit bis zu 200.000 Übungsteilnehmern wurde der Überfall auf die Ukraine ein Jahr später erprobt. So verblieb nach dem Ende der Übung ein Teil der Großkampfwaffensystem im Manöverraum, um Monate später für den Angriff genutzt zu werden. Beim Manöver SAPAD 2025 (12. bis 16. September 2025 in Belarus) übten schätzungsweise 43.000 Russen und Belarussen erneut gemeinsam. Dabei wurde auch der Einsatz atomarer Mittelstreckenraketen getestet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr O. Selenskyj meinte dazu lakonisch: „Vielleicht sind die Truppen in Belarus für uns bestimmt, vielleicht auch für euch.“ (23)
Dazu befand der polnische Militäranalytiker Tomasz Witkiewicz:
„Wir betrachte Russland normalerweise als einen schlafenden Bären, der gereizt werden kann. Aber die Wahrheit sieht anders aus. Die NATO ist der schlafende Bär, und Russland knabbert nur sanft daran, weil es nichts anderes tun kann.“ (zit. n: (Uhl Matthias; Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht, Freiburg, 2026, S. 281)
Die Sonderkommandos der russischen Geheimdienste
Vielleicht mehr noch als die Kriegsvorbereitung sind die Maßnahmen der russischen Nachrichtendienste aufschlussreich, obwohl sie sich einer Detektion teilweise entziehen. Neben dem Ausbau der russischen Aufklärungsaktivitäten geht es insbesondere um die Verstärkung ihrer paramilitärischen bzw. terroristischen Apparate, die häufig als „Anti-Terror-Einheiten“ getarnt sind. Während über die konkreten Aktivitäten dieser Geheimkommandos keine umfassenden Kenntnisse vorliegen, kann man zumindest ihre Organisationsgeschichte nachzeichnen:
Bereits in den neunziger Jahren unterhielt der sogenannte Inlandsgeheimdienst Federalnaja sluschba besopasnosti (FSB) ein Antiterrorzentrum (Antiterroristitscheskij zentr - ATZ) mit engen Verbindungen zur Organisierten Kriminalität. Aus dem ATZ wurde die Direktion 2 („2-Sluzhba“ oder „Sluzhba po Zashchite Konstitutsionnogo Stroya i Bor'be s Terrorizmom“, dt.: „Dienst für die Verteidigung der verfassungsmäßigen Ordnung und den Kampf gegen den Terrorismus“). Die Direktion 2 unterhält außerhalb der FSB-Zentrale zwei Führungsstellen in Moskau: Es gibt ein separates Zentrum zur Terrorismusbekämpfung im Südwesten von Moskau, das in einem Hochhaus an der Ausfallstraße „Prospekt Vernadskogo 12“ untergebracht. Außerdem gibt es eine zweite Zentrale (Militäreinheit 35690) in einer Kaserne in dem Vorort Balashiha (Trubetskaya 116) östlich von Moskau. Hier ist das Zentrum für Sonderoperationen (Tsentr spetsial'nogo naznacheniya – TsSN), das am 4. Oktober 1998 gegründet wurde, untergebracht. Außerdem dient die Militäranlage als Hauptquartier für die beiden Sondereinheiten „Upravléniye „A“ (vormals Spetsgruppa Alpha) und „Abteilung W“ (vormals Spetsgruppa Wympel bzw. Wega). Insgesamt umfassen die Sondereinheiten ca. 4.000 Einzelkämpfer, die auf zahlreiche Standorte im ganzen Land verteilt sind. Die Sondereinheiten stammen vor allem von den alten KGB-Spezialeinheiten (Spezialnye tschastí wojsk KGB – STschKGB) ab. Außerdem gibt es noch eine Sondereinheit für Auslandseinsätze mit der Militärnummer 36391, sie ist bei der Abteilung zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus des 2. Dienstes (Upravlenie po borbe s mezhdunarodnyj terrorizmi 2-y Sluzby) angesiedelt.
Im Jahr 1997 gründete der damalige Geheimdienstchef – mit Unterstützung durch den damaligen Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates General a. D. Alexander Lebed - die Abteilung Uprawlenije Rasrabotki Prestupnych Organisazi (URPO). Ihr Aufgabengebiet waren „Problemlösungen“: offiziell diente die Abteilung „nur“ zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, inoffiziell war man für Organisierte Kriminalität - einschließlich Mordoperationen - zuständig. Die URPO umfasste – nach unterschiedlichen Angaben - 150 bis 300 Mitarbeiter, die meisten waren Veteranen des Tschetschenienkrieges, mehrere hatten vorher beim Antiterrorzentrum (Antiterroristitscheskij zentr - ATZ) gedient. Nach Bekanntwerden der Korruption und Kriminalität innerhalb der Abteilung wurde die URPO 1998 aufgelöst.
Für die Entwicklung der nachrichtendienstlichen Gerätschaften und Technologien ist der Wissenschaftlich-technische Dienst mit seinem Zentrum für Spezialtechnologien (Tsentr spetsial'noy techniki) zuständig. Dem Zentrum für Spezialtechnologien ist das so genannte Kriminalistische Institut (Institut Kriminalistiki) in Moskau unterstellt. Das Institut ist auch unter den Bezeichnungen „Issledovatel'skiy institut 2“ (NII-2) bzw. „Militäreinheit Nr. 34435“ bekannt. Das Labor arbeitet unter strenger Geheimhaltung: Als der damalige Generalsekretär der KPdSU Michail Sergejewitsch Gorbatschow 1988 das Institut einmal besichtigen wollte, um sich vor Ort über dessen Aktivitäten aus erster Hand zu informieren, wurde sogar ihm der Zugang durch das KGB verweigert.
Bei ihren Mord- und Sabotageoperationen müssen verschiedene Abteilungen der FSB zusammenwirken, so bei den beliebten Anschlägen mit einem Nervenkampfstoff:
„As the number of investigated cases grew, a pattern emerged in each poisoning case showing collaborative action of two FSB departments: secret service operatives from the anti-extremism department of the FSB’s Second Service, on one hand, and chemical weapons specialists with chemistry or medical backgrounds from FSB’s Criminalistics Institute, on the other. In the early stages, a poisoning target would be tailed by members of the Second Service, while the Criminalistics Institute experts would typically join them in the latter, implementation phase of each poisoning operation. In each case, members from both FSB units participated in the final, operational trips during which the victim was poisoned.“ (24)
Außerdem besitzt der FSB eine eigene Cybereinheit mit Namen TURLA ADVANCED PERSISTENT THREAT. Sie ist auch unter den Codenamen SNAKE, UROBUROS und VENOMOUS BEAR bekannt. Die Einheit war u. a. für Angriffe auf die deutschen Strom- und Wasserunternehmen im Jahr 2020 verantwortlich.
Der Militärgeheimdienst Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU, seit 2002 eigentlich GU, aber das alte Akronym wird weiterhin vorrangig verwendet) hat schätzungsweise 12.000 bis 15.000 Mitarbeiter.
In den letzten 15 Jahren hat sich die Vorgehensweise des GRU gegenüber den NATO-Staaten verschärft. Verantwortlich dafür waren die letzten drei Geheimdienstdirektoren:
- Generalmajor Igor Dimitrijewitsch Sergun (Amtszeit: 26. Dezember 2011 bis 3. Januar 2016)
- Generalleutnant Igor Walentinowitsch Korobow (Amtszeit: 2. Februar 2016 bis 21. November 2018)
- (Vize-)Admiral Igor Olegowitsch Kostjukow (Amtszeit: seit dem 22. November 2018)
Generaloberst Sergun verstarb plötzlich und unerwartet an einem Schlaganfall am 3. Januar 2016, als er sich in einem Sanatorium in Podolsk befand, andere vermuten, er sei bei einem geheimen Aufenthalt im Libanon umgekommen. Es heißt, Korobow wurde im September 2018 von Putin abgekanzelt. Auf der Rückfahrt nach Hause wurde dem General übel. Am 21. November 2018 verstarb er an Krebs, wie es offiziell hieß.
Der Geheimdienst gliedert sich – je nach Operationsgebiet und Aufgabenbereich - in zahlreiche Verwaltungen:
1. Verwaltung auf Europa,
2. Verwaltung (Nord- und Südamerika, Großbritannien, Australien und Neuseeland)
(…)
5. Verwaltung Operative Aufklärung durch den Einsatz von Spionen (weltweit ca. 70 Illegale und ca. 1000 Agenten mit Diplomatenstatus) (HUMNT)
6. Elektronische Kampfführung (EloKa) (SIGINT/COMINT/TELINT); dabei werden vor allem Satelliten (LIANA, LOTOS-S, PION, etc.) eingesetzt, und Cyberkriegführung
7. Verwaltung NATO mit sechs geografischen Abteilungen
8, Verwaltung Spetsnaz
(…)
11. Verwaltung Auswertung von Dokumenten zu Strategie und Doktrin sowie Nuklearwaffen
12, Verwaltung Informationskrieg (Desinformation und Propaganda) (CYBINT)
Die militärischen GRU-Sondereinheiten wurden zur Zeit der Sowjetunion als „Vojská speciálʹnovo naznačénija“, heute als „Podrasdelenije spezialnowo nasnatschenija rossijskoj federazii“ bezeichnet. Die Abkürzung ist gleichgeblieben: „Spetsnaz“. Die nominale Gesamtstärke beläuft sich – nach unterschiedlichen Angaben - auf 14.000 bis 20.000 Einzelkämpfer. Zur Zeit verfügt der GRU wieder über acht Spetsnaz-Brigaden, ein Spetsnaz-Regiment und vier Kampfschwimmereinheiten, darunter die 561 Separate Marine-Aufklärungseinheit in Kaliningrad. Zu den landgestützten Verbänden zählen u. a. die 2. Brigade (in Pskow) die 16. Brigade (Rjasan oder Tambow), und die „grünen Männchen“ von der 3. Garde-Spezialaufklärungsbrigade (3-ya otdel'naya gvardeyskaya Varshavsko-Berlinskaya Krasnoznamonnaya ordena Suvorova III stepeni brigada spetsial'nogo naznacheniya [3-ya ogbrSpN]) in Togliatti (vormals in Fürstenberg-Neuthymen, DDR, disloziert). Allerdings wurden die Spetsnaz-Verbände im Ukrainekrieg verheizt. Statt sie für Sonderoperationen im Hinterland des Feindes einzusetzen, wurde sie als Ersatzinfanterie an der Front verbraucht, dabei kamen tausende Soldaten ums Leben, so dass die verbliebene Stärke z. Zt. nicht angegeben werden kann.
Die Mitglieder der geheimdienstlichen Mord- und Sabotagekommandos rekrutieren sich oft aus den Kreisen der militärischen Sondereinheiten, da diese über die notwendige Nahkampf- und Schießausbildung verfügen und psychologisch entsprechend präpariert sind. Nach Erkenntnissen des Recherche Netzwerkes „Bellingcat“ setzten sich die „Hit-Teams“ des GRU aus jeweils fünf Personen zusammen. (25) Die Killerkommando für „nasse Sachen“ (russ.: mokrie dela) setzen zur Erfüllung ihres Auftrages i. d. R. Gifte ein. Daher sind auch die Spezialkräfte der chemischen Kriegsführung des GRU in die extralegalen Tötungen verstrickt. Zu nennen ist hier die GRU-Einheit mit der Nummer 29155. Ihr Hauptquartier befindet sich auf dem 161st Special Purpose Specialist Training Center im Osten von Moskau. Die Einheit wurde vermutlich 2008 gegründet, ihre Existenz wurde erst 2019 einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Sie wurde zuletzt im Ukrainekrieg eingesetzt. Nachdem mehrere spektakuläre Mordanschläge öffentlich bekannt wurden und dem „Image“ Russlands schadeten, ist der Status der Einheit gegenwärtig nicht bekannt.
Darüber hinaus ist der GRU tief in den Cyberwar gegen die NATO-Staaten verstrickt. Zuständig ist die Dreizehnte Verwaltung (Informationskriegführung). Besonders aktiv ist hier die GRU-Einheit 85. Hauptzentrum für Spezialdienste (85. GTsSS) (Einheit 26165). Die Truppe ist auch unter folgenden Tarnbezeichnungen bekannt: ADVANCED PERSISTENT THREAT 28 (ATP 28), CYBERCALIPHATE, FANCY BEAR, GHOSTWRITER, PAWN STORM, SEDNIT, SOFACY GROUP, STRONTIUM, TSAR TEAM, …). Die Einheit 26165 ist in Moskau (20 Komsomolsky Prospekt) stationiert. Diese GRU-Einheit ist verantwortlich für den Cyberangriff auf 15 Computer des Bundestages im Jahr 2015, dabei wurden Daten im Umfang von 16 Gigabyte abgegriffen. (26) Außerdem griff die Cybertruppe im Sommer 2024 die deutsche Flugsicherung an. Eine weitere GRU-Cybereinheit ist das Main Centre for Special Technologies. Es trägt die Feldpostnummer 74455. Die Einheit tritt auch unter den Bezeichnungen SANDWORM, TELEBOTS und VOODOO BEAR auf. Sie verübte Angriffe auf die Ukraine und Südkorea. Eine weitere GRU-Cybereinheit ist CYBER BERKUT, die auf Operationen gegen die Ukraine spezialisiert ist.
Zum Zweck der psychologischen Kriegsführung bzw. Desinformation unterhält die GRU das 72nd Special Service Centre (Einheit 54777). Eine An-Organisation beim GRU, „Storm 1516“, versuchte die Bundestagswahlen vom 23. Februar 2025 zu beeinflussen.
Die russische Auslandsnachrichtendienst Sluschba wneschnei raswedki (SWR) ging im Dezember 1991 aus der früheren I. Hauptabteilung (Perwoje glawnoje uprawlenije - PGU) des KGB hervor und ist der russische Auslandsnachrichtendienst. Die „Hauptabteilung S“ ist für den Einsatz der Agenten und Spione im Ausland zuständig. Er verfügt über rund 3.000 Agenten mit Diplomatenstatus.
Sein „Direktorat Z“ verfügt seit 1998 über eine strenggeheime Sondereinheit „Zaslon“-. Sie soll sich aus 300 bis 500 Agenten zusammensetzen. Zu ihrem Auftrag gehören u. a. extralegale Tötungen.
Der Auslandsnachrichtendienst SWR verfügt über eine eigene Cybereinheit, die ADVANCED PERSISTENT THREAT 29 (ATP 29). Sie ist auch unter den Codenamen COZY BEAR, OFFICE MONKEYS, THE DUKES, COZY DUKE und COZYCAR bekannt.
Russische Provokationen gegenüber der NATO
Russland und NATO sind zwei ungleiche Gegner: Einem einzelnen (Paria-)Staat steht ein geschlossener Militärblock aus einem Sammelsurium von Staaten gegenüber.
Die Zeiten, in denen ein Krieg vor Beginn der Kampfhandlungen „erklärt“ wurde, weil dies die guten Sitten und das Völkerrecht so geboten, sind vorbei. Heute kann der Beginn eines Krieges nicht einmal mehr durch die Angaben „D-Day“ und „H-Hour“ zeitlich exakt bestimmt werden. Vielmehr kommt es mehrmals täglich zu hybriden Angriffen der russischen Streitkräfte in der ein oder anderen Form unter Wasser, über Wasser, zu Lande, in der Luft und im Weltraum: Da nur ein Teil der Angriffe als solche erkannt und gemeldet werden, kann das Ausmaß des Dunkelfeldes nicht quantifiziert werden.
Exilrussen werden bedroht, Militärstützpunkte ausgespäht, Kaufhäuser und Militärdepots werden in Brand gesetzt, Bomben in Frachtflugzeugen deponiert, mal fliegen Aufklärungsflugzeuge entlang der Grenzen der alliierten Ostseestaaten oder bis zum Ärmelkanal. mal streifen russische Bomberrotten den Luftraum, mal behindert die russische Fernmeldetruppe den internationalen Luftverkehr durch Störung der GPS-Navigationssatelliten mal inszeniert die russische Marine Großmanöver vor der Küste der NATO-Staaten, mal führen russische Kriegsschiffe Geleitschutzoperation für Tanker der Schattenflotte durch, mal verüben die russischen Nachrichtendienste Sabotageaktionen an Unterwasserkabeln. Gegen zwei oder drei Manager deutscher Rüstungskonzerne verfolgen die russischen Nachrichtendienste Mordpläne, so gegen Armin Pappberger („Rheinmetall“) und Stefan Thurmann („Donaustahl“). Die Zahl der „Schläferzellen“, die auf ihren Einsatz im Kriegsfall warten, lässt sich angesichts der Unzahl der „Wegwerfagenten“ nicht ermitteln. (27)
Diese Hybriden Aktionen sind z, T. (para-)militärische Angriffe, z. T. dienen sie aber auch lediglich der Gefechtsfeldvorbereitung. Ein Problem der Bedrohungswahrnehmung ist, dass Russland und NATO unterschiedliche Kriegsbilder haben. Für die Russen ist die Hybride Kriegsführung gemäß der „Gerassimow-Doktrin“ aus dem Jahr 2013 eine Kriegsphase gegen einen klar als Feind definierten Gegner. Gemäß der angewendeten „Salami-Taktik“ ist der Übergang von der Hybriden zur sogenannten Kinetischen Kriegführung fließend. Hingegen ist für die NATO die Hybride Kriegführung eine militante Auseinandersetzung im Vorfeld eines Krieges, die gemäß dem Primat der Politik und im Rahmen der Gesamtverteidigung auf niedrigschwelligem Niveau möglichst mit friedlichen, also diplomatischen Mitteln gelöst werden muss.
So beschreibt Oberst a. D. Ralph Thiele die „Hybride Kriegsführung“ folgendermaßen:
„Hybride Kriegsführung ist ein kreativer Akt der Gewalt, der ein breites Spektrum militärischer und nicht-militärischer Instrumente und Machtvektoren auf einen ausgedehnten, mehrere Bereiche umfassenden Schlachtfeld kombiniert – von Politik, Diplomatie, Information Wirtschaft, Technologie, Militär und Gesellschaft bis hin zu Dimensionen wie Kultur, Psychologie, Legitimität und Moral – und dabei mehrdeutig in den Schatten-/Grauzonen unscharfer Schnittstellen – zwischen Krieg und Frieden – operiert, Freund und Feind, Innen- und Außenbeziehungen, zivilen und militärischen sowie staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren und Verantwortungsbereichen – mit dem Ziel, eine eigene Entscheidung der Konfrontation primär auf nicht-militärischen Gravitationszentren zu ermöglichen und gleichzeitig zu verhindern, dass man vom Feind militärisch überrollt der gezwungen wird. Die hybride Kriegführung ist eine besondere Art der Kriegsführung und von strategischer Natur. Sie erweitert den Kampfraum, indem sie verschiedene Bereiche und Dimensionen nutzt. Sie kombiniert auf kreative Weise den Einsatz von Gewalt mit einem breiten Spektrum an nichtmilitärischen Instrumenten und Machtvektoren. Sie geht einher mit einer Vorliebe für nichtlineare, unorthodoxe und tendenziell begrenzte Gewaltanwendung, die den maßgeschneiderten Einsatz von harten, weichen und intelligenten Machtelementen mit symmetrischen und asymmetrischen Mitteln und Methoden kombiniert. Gleichzeitig ist hybride Kriegsführung ein Krieg, der potenziell alle Eskalationsstufen umfasst, von der Subversion und Destabilisierung bis hin zu Anwendung militärischer Gewalt in all ihren möglichen Erscheinungsformen. (…) Trotz der Gewaltkomponente versucht die hybride Kriegsführung, die Entscheidung eines Krieges/einer Konfrontation als solche in erster Linie auf einem breiten Spektrum nichtmilitärischer Gravitationszentren zu erreichen. Im Gegensatz zur „militärzentrierten Kriegsführung“ operiert die hybride Kriegsführung mit multiplen, integrierten und wechselnden militärischen und nicht-militärischen Schwerpunkten. Auf dieser Grundlage kann die hybride Kriegsführung auch als „Mosaik-Kriegsführung“ oder „Multi-Domain-Kriegsführung“ bezeichnet werden, da sie den Kampfraum erweitert und verschiedene Domänen – als eigenständige „Schlachtfelder“ – durch multi- und domänenübergreifende Operationen miteinander verbindet. (…) Die hybride Kriegsführung operiert dabei in den Schatten/Grauzonen verschiedener Schnittstellen, z. B. zwischen Krieg und Frieden, Freund und Feind, Innen- und Außenbeziehungen, zivilen und militärischen sowie staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren und Aufgabenbereichen und schließlich zwischen Realität und Propaganda sowie zwischen der virtuellen und der realen Welt. Indem sie an solchen Schnittstellen operiert, verwischt die hybride Kriegsführung die traditionellen Ordnungs- und Zuständigkeitslinien und steuert auf deren spätere Auflösung zu. Die hybride Kriegsführung schafft zwar Mehrdeutigkeiten, erschwert Zuordnung, lähmt den Entscheidungsprozess des Gegners und schränkt seine Reaktionsmöglichkeiten ein. Gleichzeitig zielt der Ansatz darauf ab, eine Konfrontation mit den Stärken des Gegners zu vermeiden und seine Schwachstellen in den Grauzonen der Schnittstellen auszunutzen. Dies ist die wichtigste Art und Weise, wie in der hybriden Kriegführung „Hybridität“ geschaffen wird. Unter diesen Gesichtspunkten kann die hybride Kriegsführung auch als „Schattenkrieg“ oder „Grauzonen-Kriegsführung“ bezeichnet werden.“ (28)
Diese verwässernde „Politisierung der Kriegführung“ durch die NATO könnte für die Allianz fatale Folgen haben.
Der finnische Militärgeheimdienst Puolustusvoimien tiedustelulaitos (PVTIEDL) kam 2026 in seinem Jahresbericht „Sotilas Tiedustelu Julkinen Katsaus 2026“ (22 Seiten) zu folgender Einschätzung (Seite: 10):
„Russia’s ability to utilise vessels sailing in the Baltic Sea region for hybrid influencing remains significant. It will likely persist in its ambitions to damage the undersea infrastructure of the Baltic Sea. Also, intentional harassment of NATO’s military activities and presence or civilian traffic in the area as well as causing dangerous situations, intentionally or un intentionally, is possible. NATO has enhanced its vigilance as a result of Russia’s actions, and in 2025 launched Baltic Sentry, a new activity with the aim of protecting critical infrastructure in the Baltic Sea. At the same time, Ukraine remains Russia’s main focus, with the Baltic Sea as a secondary area of interest.
The changes launched with the armed forces reform have not so far significantly increased Russia’s military capabilities in Finland’s neighbouring areas. (…)
Russian hybrid influencing in Europe has increased over the last few years. The intelligence, espionage, and sabotage threats directed at Finland are affect ed not only by the tightened security situation in Europe but also by Finland’s support for Ukraine and the Western sanctions and export restrictions directed at Russia. However, it is likely that Russia does not see Finland as a primary target for sabotage. Since the expulsion of diplomats in 2018 and after Finland tightened its policies, Russian human intelligence capabilities in Finland remain limited.” (29)
Im Falle einer Krise können die Akteure ihr Alarmsystem ausreizen, um sich gegenüber einem mächtigen Gegner politisch durchzusetzen. Diese aggressive und risikofreudige Politik wird als „Brinkmanship“ bezeichnet. So erklärte der frühere U.S.-Außenminister John Forster Dulles am 16. Januar 1956: „The ability to get to the verge without getting into the war is the necessary art. (…) If you are scared to go to the brink, you are lost.“ Auch die Militärs selbst können durch fragwürdige Taktiken oder Manöver eine internationale Krise provozieren. So führte das „Kitzeln“ (engl.: trigger) der gegnerischen Luftverteidigungsradaranlagen bzw. das beabsichtigte oder unbeabsichtigte Eindringen in den gegnerischen Luftraum wiederholt zu Zwischenfällen. In diesem Sinne wäre ein russischer Angriff auf ein NATO-Mitgliedsland erstmal „nur“ ein weiterer Zwischenfall.
Das „Sahaidachnyi Security Center“ in Kiew beschrieb in seiner Analyse „The Denied War“ (42 Seiten) vom Dezember 2025, wie sich die Operationen der russischen Hybriden Kriegsführung in den letzten Jahren gesteigert haben und noch weiter bis zu einer Brinkmanship-Politik steigern könnten:
“Russia is currently engaged in a sustained hybrid warfare campaign against NATO nations in Europe. While these sub-threshold activities may appear structurally stable to the untrained eye, in fact, in the last few years they have been undergoing significant quantitative escalation and qualitative evolution. The operational pattern has shifted markedly from its initial focus on information warfare, political subversion, and isolated cyberattacks or assassinations, towards the sophisticated integration of information, cyber and cyber-physical attacks, electronic warfare, the progressive recruitment of sabotage assets, and direct action against critical infrastructure on European soil. By 2025, one can also observe the emergence of a distinct new element: the violation of sovereign airspace by combat manned and unmanned aircraft, along with increasing presence of unidentified unmanned aerial systems over the strategic infra structure of European countries.
While these activities remain technically sub-threshold, their intensity may suggest a calculated strategy of brinkmanship. Applying the analogy of thermal dynamics, maintaining a conflict state just below the boiling point inevitably risks a transition of phase; continuing to toggle aggression at the very edge of the threshold increases the probability of an inadvertent or forced crossing of the “point of no return" — triggering a kinetic military response. The critical intelligence question remains whether this escalation is a systemic bug, or a de liberate design feature. Specifically, does the Kremlin intend to maintain a persistent hybrid campaign with no genuine desire for conventional engagement? Or, it can be a deliberate strategy to force an Article 5 decision point, gambling that NATO will fail to respond effectively, thereby permanently discrediting the Alliance’s deterrence posture. (…)
Previous political meddling was merely a prelude; current kinetic probing confirms the transition to active hybrid warfare. This distinction reveals a fundamental shift in Russian strategic intent. While political subversion (propaganda, elite capture) having been the key trend of Russian sub-threshold activities in Europe for many years was a long-term investment strategy designed for control and influence – analogous to maintaining a cooperative paradigm to "milk the cow" — the current surge in quasi-military activities (cyber-physical attacks, electronic warfare jamming, underwater threats, and aerial incursions) indicates a shift to an antagonistic, destructive paradigm. This is no longer about influencing governance but about rapid destabilization, demoralization, and provocation.” (30)
In diesem Zusammenhang warnen Kritiker vor dem Ausbruch eines „accidental war“ durch politische Fehleinschätzungen der Absichten des Gegners. Folgt auf eine solche Fehleinschätzung eine Mobilisierung der eigenen Kräfte, kann man unabsichtlich selbst zur Eskalation beitragen.
David Cattler vom Friedensforschungsinstitut „Sihtasutus Rahvusvaheline Kaitseuuringute Keskus“ in Tallinn (Estland) wies daraufhin, dass sich politischen Umbruchperioden die Gefahr eines „accidental war“ besonders hoch ist:
“Europe has entered a period of maximum danger — a phase of heightened risk that emerges during moments of strategic transition, when established orders weaken but no new equilibrium has yet consolidated. Such periods do not predict inevitable war. They are defined instead by a higher incidence of miscalculation, opportunism, and signalling failure, even among actors seeking to avoid conflict.
Periods of maximum danger are a recurring feature of international politics. They arise when the discipline imposed by an existing order erodes faster than a new one takes shape. In such moments, power has not disappeared, but its application becomes uneven and contested. Commitments, once treated as fixed constraints, are increasingly interpreted as contingent. Deterrence becomes more fragile not because force is absent, but because intent, thresholds, and response logic are less clearly aligned.
Historically, these phases are marked by uncertainty about resolve, opportunistic behaviour calibrated to avoid decisive retaliation, and frequent misreading of signals. Deterrence is most brittle not when power collapses, but when it is inconsistently applied and unevenly signalled. (…)
Russia continues to probe NATO thresholds through hybrid activity and calibrated pressure designed to test cohesion rather than trigger clear Article 5 responses. Opportunistic revisionism thrives when deterrence appears uneven rather than absent.
At the same time, signalling misalignment and alliance-decoupling pressures are intensifying — not only between the United States and Europe, but within the Alliance itself. Reassurance intended for allies may be read by adversaries as restraint; ambiguity meant to preserve flexibility may be interpreted as permission to test thresholds through calibrated coercion, probing actions, or grey-zone pressure below the level of open conflict. Differences in threat perception and urgency — particularly between Europe’s eastern and southern flanks — complicate collective signalling and slow decision-making. (…)
Decision timelines are shortening. Testing behaviour is increasing. Signalling carries greater weight because reassurance is no longer assumed. In such an environment, hesitation is not neutral; it is often interpreted as ambiguity about resolve or disagreement within the alliance.” (31)
Wiederum andere Kritiker warnen vor einem Gewöhnen an die drohende Gefahr gemäß dem „boiling frog“-Phänomen: Die Parabel beschreibt die Vorstellung, dass ein Frosch, der sich in einem Behälter mit langsam erhitzt werdendem Wasser befindet, die allmählich zunehmende Gefahr nicht wahrnehme und reglos bleibe, bis er stirbt – während er bei plötzlichem Einsetzen in heißes Wasser sofort zu fliehen versucht hätte. Im Laufe des Ukrainekrieges sind immer mal wieder russische Kampfdrohnen vom Weg abgekommen und schlugen im Baltikum, in Polen, Rumänien, Bulgarien oder Serbien ein. Allerdings hat die schlichte Anzahl und die Stärke der Drohnen derart zugenommen, dass die NATO nicht mehr von einer technischen Panne oder menschlichem Versagen ausgeht. Vielmehr ist seit kurzem von einer neuen Dimension einer zielgerichteten Hybriden Kriegsführung die Rede.
Da die NATO-Kriegsplanung bisher auf „Krieg“ im klassischen Sinne abgestellt war, ist die russische Seite dabei, täglich die Reaktionsfähigkeit der NATO zu neutralisieren, indem sie unterhalb der Kriegsschwelle hybride Angriffe durchführt und dabei Tote und Schäden verursacht, ohne dass die NATO bisher ihrerseits bereit gewesen wäre, mit hybriden Angriffen zu reagieren. Stattdessen hat es die NATO bei Defensivaktionen belassen.
In der Nacht zum 30. Juli 2026 drang ein russischer Marschflugkörper vom Typ Kh-101 (NATO-Code: AS-23 KODIAK) (mit 400 kg Splittergefechtskopf und einer Reichweite von 3.000 bis 4.000 km) während massiver Angriffe auf die Westukraine in den polnischen Luftraum ein und schlug auf einem Feld in der Nähe von Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin ein. Es entstand ein zehn Meter breiter Erdkrater. Die polnische Regierung sprach von einer neuen Dimension der russischen Aggression gegen ihr Land.
Nach einer gescheiterten Attacke mittels einer Kamikazedrohne mit Brandsatz auf ein „DHL“-Flugzeug am 20. Juli 2024 (32) kam es am 4. August 2026 gegen 23.42 Uhr zu einem Angriff mittels einer Kamikaze-Drohne mit einer Sprengladung Semtex auf den Flughafen Leipzig/Halle. Da der Zünder versagte, kam es zu keiner Detonation. Ein ziviler Flughafenmitarbeiter und Busfahrer entdeckte nach Stunden eher zufällig die Drohne, die zuvor mit einem der am Boden geparkten Transportflugzeuge zusammengekracht war, und brachte sie mit einem Fußtritt zum Absturz. Es wird vermutet, dass die Russen einen Anschlag auf mehrere ukrainische Transportflugzeuge An-124 (NATO-Code: CONDOR) der staatlichen Luftfrachtgesellschaft „Andropow“ verüben wollten, die immer wieder den Flughafen als Umschlagplatz für zivile oder militärische Güter nutzen. Durch den Vorfall mussten mehrere Passagierflugzeuge umgeleitet werden. Kurz nach dem Vorfall stieß eine zweite Drohne mit einem „DHL“-Frachtflugzeug aus Marseille (Frankreich) zusammen, dass daraufhin leicht beschädigt in Hannover-Langenhagen notlanden musste. Durch einen DNA-Abgleich konnte festgestellt werden, dass es sich bei dem Brandanschlag und dem Sprengstoffanschlag um jeweils denselben Täter handelte. Eine Verbindung zum GRU wird vermutet. Es wird vermutet, dass der Täter einem Netzwerk von rund 20 Agenten angehört. Zu den Tatverdächtigen zählen der Ukrainer Wladislaw D. und der Russe „Warrior“ alias Aleksej K. aus Krasnodar. Dies war der erste bewaffnete Angriff Russlands auf Deutschland seit Mai 1945.
Am 7. August 2026 kamen die sechszehn Mitglieder vom neuen Nationalen Sicherheitsrat (NSR), einem Kabinettsausschuss aus Bundeskanzler, Bundesministern, dem Generalinspekteur der Bundeswehr, den Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA) und der Bundespolizei (BPol), zu einer Krisensitzung zusammen, um über die Lage zu beraten. Angesiedelt ist der NSR beim Bundeskanzleramt, Abteilung 2 „Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik“ unter Leitung von Ministerialdirektor Dr. Günter Sautter. Das Referat 031 ist die NSR-Stabsstelle unter Leitung von Oberst i.G. Ingo Korzetz. Für die Lageführung ist das Referat 033 „Koordination sicherheitspolitischer Themen des NSR; integrierte Lage“ unter der Leitung des Vortragenden Legationsrates Dr. Christian Pernhorst.
Am Abend des 5. August 2026 gab Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) dem „ZDF heute journal“ ein Interview. Sein Bemühen um Diskretion und um Präzision artete in ein ziemliches Geeiere aus. So gab Dobrindt folgendes zum Besten;
„Man kann das nicht ausschließen, dass fremde Mächte dahinterstecken. (…) Spekulationen, den kann ich mich jetzt nicht hingeben. (…) Es wäre fahrlässig, jetzt irgendeiner Spekulation zum Ausdruck zu verhelfen. (…) Auch dazu kann ich keine Aussage machen. (…) Dass es Interessenlagen - möglicherweise - des Auftraggebers gibt, aber dazu können wir Genaueres – heute zumindestens – noch nichts sagen.“ (33)
Entweder die deutschen Nachrichtendienste haben einen konkreten Hinweis darauf, dass es sich um eine „Falschflaggenoperation“ gehandelt haben könnte, oder es zeigt sich hier, dass den politisch Verantwortlichen der Arsch ganz schön auf Grundeis geht. Jedenfalls war dies keine „Warnung“, sondern ein „bewaffneter Angriff“.
Der Bundestagsabgeordnete Oberst a. D. Roderich Kiesewetter (CDU) forderte die Bundesregierung auf, anlässlich der Drohnenattacke eine Sondersitzung des Nordatlantikrats gemäß Artikel 4 des Washingtoner Vertrages zu beantragen. „Bei dem versuchten Drohnenangriff am Leipziger Flughafen gehe ich von einem gezielten hybriden Angriff, also einem versuchten Terrorakt, gesteuert von Russland aus,“ erklärte Kiesewetter. Die Zunahme hybrider Angriffe und das „Austesten aus Russland“ führe „immer mehr zu einer Gewöhnung und damit Unterminierung unserer Sicherheit“. Die Bundesrepublik sei „besonders vulnerabel, weil wir auf das moderne Bedrohungsbild und hybride Angriffsvektoren bislang kaum aufgestellt sind“. Das mache es Russland besonders einfach uns anzugreifen. (34)
Am 5. August 2026 wurde vor Odessa (Ukraine) der deutsche Frachter „Emil“ durch russische Drohnen angegriffen. Das zivile Schiff gehört der Reederei „Johann M. K. Blumenthal GmbH & Co. KG“ mit Sitz in Hamburg-Altona, es fährt allerdings unter liberianischer Flagge. Nachdem Angriff brach ein Brand aus und die elf Besatzungsmitglieder mussten evakuiert werden. (35)
Nicht nur gegenüber Deutschland erwies sich die Russen in letzter Zeit zunehmend schießwütig. Am 16. Juni 2026 beschoss die russische Fregatte ADMIRAL GRIGOROWITSCH (Taktische Nummer 494) (125 m Länge, 15 m Breite, 190 Mann Besatzung) der Baltischen Flotte im Ärmelkanal südlich der Isle of Wight die unbewaffnete Segelyacht vom Typ „Bavaria 39“ (12 m Länge, fast 4 m Breite, 2 Mann Besatzung) des britischen Rentnerehepaares Jane und Alan Kelvey, weil das Segelboot dem Kriegsschiff angeblich zu nahe gekommen war und eine Bedrohung darstellte. Es wurden vier oder fünf Warnschüsse abgegeben. (36) Während das russische Verteidigungsministerium den Abstand der beiden unterschiedlichen Schiffe mit 150 Metern angab, erklärten die Rentner, die Boote seien rund 450 Meter voneinander entfernt gewesen. „Die Besatzung habe in „strenger Übereinkunft mit den international geltenden Schifffahrtsregeln gehandelt“, behauptete frech das russische Verteidigungsministerium. Gott sei Dank hat die russische Fregatte die Konfrontation mit dem britischen Segelboot heldenhaft überlebt. Ein Patrouillenschiff der Royal Navy, die HMS MERSEY (P283) der Conway-Klasse, war zum Zeitpunkt des Zwischenfalls in der Nähe und hätte gegebenenfalls eingreifen können. (37)
Zwar ist die russische Zivilbevölkerung „kriegsmüde“, obwohl sie - bis vor kurzem - kaum vom jahrelangen Krieg in der Ukraine direkt betroffen war (abgesehen von den Hinterbliebenen der Gefallenen), dennoch glaubt Putin, er könne durch ein weiteres Blutvergießen die patriotische Stimmung in Russland anheizen, um von den zunehmenden Problemen im Lande abzulenken. Zwar konnte Putin die ukrainische Industriezone Donezk in jahrelangen Kämpfen weitgehend erobern, aber die Hälfte der dortigen Steinkohlezechen steht längst still. Die Frage ist, ob Putins Kriegsziele ausschließlich seinem Größenwahn entsprechen, oder ob er damit irgendwelche rationalen Ziele verfolgt. Zwar ist die NATO im Ukrainekrieg keine Kriegspartei, aber aus Sicht der russischen Regierung agieren die NATO-Staaten mit ihrer Militärhilfe wie das Hinterland der Ukraine. Eine Appeasement-Politik der NATO verbietet sich schon aus historischen Gründen, aber welche diplomatische Mittel könnte die NATO aufbieten, um den Ausbruch eines Krieges im letzten Moment zu verhindern?
Lagebewertung der westlichen Nachrichtendienste
Im Dezember 2025 warnte der amtierende Generalsekretär der NATO, Mark Rutte (Amtsantritt: 1. Oktober 2024), in seiner Berliner Rede vor der zunehmenden Kriegsgefahr: „Wir sind Russlands nächstes Ziel, und wir sind bereits in Gefahr.“ In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ erklärte er:
„Ich werde nicht spekulieren, wo und wann und wie genau. Am Ende gilt: Wenn es einen Angriff auf die Nato gibt, dann sind wir alle angegriffen – weil das ist Artikel 5. Das heißt: Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle. (…)
Manche Nachrichtendienste sagen 2027, andere 2029, 2031. Aber selbst 2031 ist morgen – 2029 ist heute Nachmittag, 2027 ist jetzt. Das heißt: Wir müssen die Verteidigungsausgaben wirklich hochfahren, so wie wir es in Den Haag beschlossen haben – und begreifen, dass die Beschlüsse bei Weitem nicht ausreichen würden, wenn die Ukraine verlieren würde.“ (38)
Bei dem „Tempo“ des Ukrainekrieges ist angesichts des Beharrens der der russischen Regierung auf ihre Maximalforderungen und die Verweigerung jeglicher konstruktiver Friedensverhandlungen davon auszugehen, dass dieser krampfartige Krieg noch weiter andauert. Wie weit sich Putin von der Realität entfernt hat, wurde am 24. Februar 2026 deutlich, als er vor einem Kollegium des FSB erklärte:
„Sie (der Westen und die Ukraine) können sich einfach nicht beruhigen. Sie wissen nicht, was sie tun sollen, um diesen Friedensprozess mit dem Versuch einer diplomatischen Lösung zu zerstören. Sie tun alles, um eine Provokation zu inszenieren und alles zu zerstören, was auf diesem Verhandlungsweg so sorgfältig erreicht wurde.“ (39)
Dazu befand Buchautor Matthias Uhl:
„Für das Angriffstempo der russischen Streitkräfte in der Ukraine hat er ehemalige britische Verteidigungsminister Admiral Sir Tony Radakin einen plastischen Vergleich gefunden: Wenn eine Schnecke am 24. Februar 2022 in Rostow am Don gestartet wäre, hätte sie bis jetzt die gesamte Ukraine sowie halb Polen durchquert. Russland dagegen würde bei seinem gegenwärtigen Angriffstempo knapp viereinhalb weitere Jahre benötigen, um sich die vier ukrainischen Gebiete (Donbass, Luhansk, Saporischschja und Cherson plus Krim, G. P.) – die es als zugehörig zur Russischen Föderation reklamiert – vollständig einzuverleiben. Bei den hierfür nötigen Kämpfen wäre der Verlust von weiteren zwei Millionen russischen Soldaten wahrscheinlich.“ (40)
Somit wäre mit einem Kriegsende erst Anfang der dreißiger Jahre zu rechnen, die Rekonstruktionsphase der russischen Streitkräfte danach würde ebenfalls noch mehrere Jahre dauern, so dass mit einem russischen Angriff – anders als die NATO-Militärführer vermutet haben – erst in zehn Jahren zu rechnen wäre. Die Russen waren noch nie verlegen, einen Kriegsgrund zu konstruieren, und sei es der Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939.
Im Gegenteil: Die Auslands- bzw. Militärnachrichtendienste mehrerer NATO-Staaten (USA, UK, Schweden, Litauen und Polen) kommen spätestens seit Juni/Juli 2026 – jeder für sich und alle zusammen – zu der Einschätzung, dass Russland in den kommenden Wochen oder Monaten aus dem Stand heraus einen Angriff auf die NATO unterhalb der eigentlichen NATO-Kriegsschwelle durchführen könnte. Aber wenn die Nachrichtendienste recht haben und die Russen können dies tatsächlich, was spricht dagegen, dass sie dies nicht schon in wenigen Tagen machen könnten. Hier ist die Einschätzung der Nachrichtendienste nicht überzeugend. Daher stellt sich die Frage, welche Kriegsvorbereitungen die Russen noch erledigen müssen, um alles vorbereitet zu haben. Am Ende bedeutet der Abschluss aller Kriegsvorbereitungen noch nicht automatisch den Kriegsbeginn, so können noch Tage vergehen, bis der Oberbefehlshaber den Befehl zum Angriff erteilt, der dann an die Truppenteile übermittelt werden muss. Jedenfalls muss man sich um den Kauf der Weihnachtsgeschenke dieses Jahr endlich mal keine Sorgen mehr zu machen; ein privater Atombunker tut´s auch.
Angesichts der militärischen Überlegenheit der NATO gegen Russland ist es sogar wahrscheinlicher, dass sich die russische Regierung eher für einen begrenzten, militärischen Präemptivangriff auf die NATO entscheidet, der notfalls abgebrochen bzw. verlorengegeben werden kann, als für einen umfassenden Krieg irgendwann später, der in der eigenen Vernichtung mündet. Was die Dimension eines „begrenzten“ Angriffs anbelangt, darf nicht übersehen werden, dass der Volldepp Putin sein Vorgehen mit einer Nukleardrohung verbindet, so wie er es im Ukrainekrieg bereits im September 2022 gemacht hat.
Es ist nicht davon auszugehen, dass die pessimistischen Kassandra-Rufe der Nachrichtendienste bloß einem militärischen „worst-case-Denken“ geschuldet sind. Zu einer solchen Einschätzung kann man gesichert eigentlich nur dann kommen, wenn man einen Spion in der militärpolitischen Führungsriege des Gegners hat, allerdings ist unwahrscheinlich, dass die genannten NATO-Geheimdienste zusammengenommen über mehr ein, zwei Spione dieses Kalibers verfügen, so dass sich die Frage stellt, auf welcher Faktenlage die übrigen Dienste zu dieser Einschätzung gekommen sind. Wer hat hier von wem abgeschrieben? Eine bloße Propagandafunktion kann ausgeschlossen werden, da die Kriegsgefahr ohnehin von der Zivilbevölkerung als hoch eingeschätzt wird. Unklar ist, welche politischen Schlüsse die Regierungen der NATO-Staaten aus diesen Warnmeldungen ziehen.
Mit seiner Militärpräsenz verfolgt das russische Militär für Kriegszeiten eine „Anti-Access Area Denial-Strategy“ (A2AD) und strebt – wie die Amerikaner - eine Überlegenheit in allen Bereichen der Kriegsführung (Multi-Domain) an. Dabei soll dem Gegner die Nutzung von Land, Gewässern und Luftraum einer Region effektiv verweigert werden. So strebt Russland die Vorherrschaft über die Ostsee an
Oberst Pawel Szota, Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes Agencja Wywiadu (AW), warnte: „Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der NATO zu testen.“ (41)
Generalleutnant Ulf Thomas Nilsson, Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes Militära underrättelse- och säkerhetstjänsten (MUST), meint, Russland schafft mit seinem Truppenaufmarsch an der Grenze zu Finnland gezielt Voraussetzungen für einen potenziellen Angriff auf die Nordflanke der NATO: „Das ist in hohem Maße eine Bedrohung, die wir ernst nehmen sollten.“ (42) Und: „We don't think they are (stationed) there just for show. It's about being able to meet NATO in a larger conflict later.” (43)
Generalleutnant Holger Neumann, seit dem 27. Mai 2025 Inspekteur der Luftwaffe, kündigte in einem Exklusiv-Interview mit dem britischen „Telegraph“ im Falle einer größeren russischen Provokation einen umfassenden Gegenschlag gegen die russische Region von der Kola-Halbinsel bis nach Kaliningrad an. Dazu berichtete die Zeitung am 15. Juni 2026:
“Lt Gen Neumann said the Kola Peninsula in north-western Russia, Kaliningrad and the Black Sea would suffer the wrath of Nato if it was forced to defend itself. (…)
Speaking to The Telegraph at Kommando Luftwaffe HQ in Spandau near Berlin (gemeint ist das Kommando Luftwaffe in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow, G. P.), Lt Gen Neumann, 57, said: “If it comes to a conflict, hopefully never, but if it does, we will defend every inch of our territory. I think this is an important message, especially for the High North and our Baltic allies.
“It must be clear, there are no zones of different security, that Nato is Nato, down to the last inch. I think we have to make a very strong effort to, in security terms, over watch and, if required, act along certain regions.”
Lt Gen Neumann referred specifically to Kaliningrad, a strategic Russian exclave surrounded by Nato members; St Petersburg, which hosts key naval assets; the Kola Peninsula, where Moscow is amassing nuclear weapons, and the Black Sea – home to its prized Black Sea fleet.
The Luftwaffe chief was addressing an increasingly tense debate in Europe about whether it is prepared to go to war with Russia in defence of smaller allies on Nato’s eastern flank.
Estonia, Latvia and Lithuania, along with Poland, have faced escalating Russian aggression in recent months, such as drone attacks, which Western officials fear could be a prelude to an incursion. (…)
Despite decades of underinvestment in the German military, which is now being rapidly reversed, he insisted the air force was ready to “fight tonight” if Russia launched an attack.
He said: “Fight tonight means if someone calls me now and says we have the following situation here, we have to be ready now – and we are ready.
“We will go in with everything we have in Germany, the air force, but also in Nato, to defend our country, our values, our population, and our alliance.” (44)
So berichtete der britische „Guardian“ am 26. Juni 2026 unter Berufung auf den litauischen Nachrichtendienst:
“On Monday, Latvian intelligence said: “We see indications that Russia is preparing military provocations against the Baltic countries or Poland.” However, it would be well short of a full-scale attack.
A senior political source from a second Nato member made a similar statement last week. They said “we are picking up intelligence” that Vladimir Putin was “planning something against the Baltic states”.
They said Putin might be willing to test US support for some of Nato’s smallest member countries – Estonia, Latvia and Lithuania – in a desperate effort “to throw the dice” as Russia struggles with its invasion of Ukraine.
On Thursday night, Poland’s prime minister (gemeint ist Donald Tusk, G. P.) went on record with his own concerns.
“We also share, without exception, the opinion that the situation is very unstable and various types of escalation can be expected in the coming weeks and months,” Donald Tusk said at a press conference after the Eastern Flank summit in Gdansk. “We will want to prepare as a group of countries directly exposed to this risk.”
Latvian intelligence said Russia was not capable of opening a second front, but was considering “hybrid attacks, such as missiles, drones or other actions designed to send a signal: stop supporting Ukraine, or you will have your own problems”. (…)
One Telegram channel reported that the Belarusian authorities in the Brest and Gomel regions of the country had demanded the mobile operators dismantle the repeaters (…).” (45)
Ergänzend berichtete der britische „Telegraph“ am 3. Juli 2026 über mögliche Szenarien:
“Russia is planning an armed “provocation” on Polish soil to test Nato’s resolve, the United States has warned.
Polish critical infrastructure could be targeted by missiles and drones or Russian soldiers could cross the border into Nato territory. (…)
The goal of the Russian provocation would be to escalate tensions and force Western allies to suspend aid to Ukraine. It could be launched in a matter of months.
Polish security sources have also not ruled out a more conventional attack, such as a small ground incursion of Russian soldiers across Nato’s eastern flank.
According to Onet’s security sources, provocation scenarios could include a drone attack on critical infrastructure, such as power stations, or simulated air strikes that would force Poland to activate its air defence systems.
One Polish intelligence source said that in the most extreme scenario, a “hybrid attack in the border region” could occur.
The same source said an armed incursion involving Russian or Belarusian soldiers was conceivable.
This could be presented by Russia as an accidental straying into Polish territory because of a GPS failure, or as a dubious rescue mission to retrieve a helicopter suffering from a malfunction. (…)
Any ground-based attack by Russia could be staged either from Kaliningrad, the Russian exclave to the north of Poland which hosts nuclear weapons, or from Belarus to the east. (…)
In a worst-case scenario for Nato, Russia’s aim would be to undermine Polish sovereignty, expose Nato as a paper tiger, and force the withdrawal of Western support for Ukraine – all without triggering a conventional war with the alliance.” (46)
Anfang August 2026 bestätigten die U.S. Geheimdienste anscheinend ihre neue Lageeinschätzung und schickten eine Warnung an die drei baltischen Staaten und an Polen. Dazu berichtete am 6. August 2026 das „Wall Street Journal“ (WSJ) in New York:
„Russian President Vladimir Putin could try to test NATO´s resolve with a limited assault on an allied country in the next few years, according to new U.S. intelligence reports that posit possible scenarios ranging from a cyberattack to a small-scale land incursion.”
Der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas (Amtsantritt: November 2025) warnte am 6. August 2026, die Russen könnten im Ukrainekrieg erbeutete Drohnen des Gegners missbrauchen, um damit – im Rahmen einer „Falschflaggenoperation“ Ziele im Baltikum zu attackieren. (47)
Auf russischer Seite entwarf Andrey Klintsevich, seit 2024 Leiter des Zentrums für die Erforschung militärischer und politischer Konflikte (Tsentr izucheniya voyennykh i politicheskikh konfliktov) und ein gern gesehener Gast in Propaganda-Sendungen des russischen Staatsrundfunk, folgendes Szenario:
„Der Militärexperte Andrey Klintsevich hat skizziert, was er als einen westlichen Plan für einen europäischen Krieg unter Beteiligung Russlands beschreibt.
Er argumentierte, die Globalisten hinter den heutigen westlichen politischen Führungspersonen hätten ein Szenario für einen begrenzten europäischen Konflikt entworfen, in dem Russland gezielt zu bestimmten Schritten provoziert werden solle. Nach seinen Worten bildet eine Blockade Kaliningrads das zentrale Element dieses Plans.
Klintsevich erklärte, der erste Schritt sei die Abkopplung des Energiesystems Kaliningrads – etwas, das nach seiner Darstellung bereits umgesetzt worden sei. In der nächsten Phase solle der Straßen- und Bahnverkehr unterbunden werden, anschließend eine Seeblockade, die sich gegen die zivile Schifffahrt richtet. (…)
NATO bereite sich seiner Ansicht nach auf dieses Szenario vor, indem sie die Blockade des Suwalki-Korridors plane. Polen und die baltischen Staaten hätten sich nach seinen Worten aus dem Übereinkommen zum Verbot von Antipersonenminen zurückgezogen, begonnen, ihre Grenzen zu verminen, und ihre östlichen Verteidigungslinien zu verstärken.
Er sagte, NATO beabsichtige, Russland in diesem Gebiet im Jahr 2028 zu einer Reaktion zu provozieren, fügte jedoch hinzu, dass die westlichen Vorbereitungen hinterherhinken.“ (48)
Die Befürchtungen der westlichen Nachrichtendienste wurden durch den serbischen Präsidenten Aleksander Vucic aufgegriffen. Nach einem Besuch von Wolodymyr Selenkyj erklärte er am 9. August 2026:
„Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen. Und deshalb hatte ich gehofft, dass inzwischen jemand anderes etwas getan hätte, um Frieden zu schaffen. Das ist nicht geschehen, und es wird auch nicht bald geschehen, was bedeutet, dass wir am Rande eines viel, viel größeren Krieges stehen. (…)
Ich sehe kein Ende des Krieges in diesem Jahr. Ich sehe kein Ende des Krieges vor dem kommenden Frühjahr, Ich sage ihnen warum: Weil ich glaube, dass eine Seite stärker und - auf die eine oder andere Weise – siegreich sein muss, damit der Krieg endet. Andernfalls sehe ich angesichts der heutigen Pattsituation keine Möglichkeit für Kompromisslösungen. (…)
Wenn Sie die heutige Situation analysieren, glaube ich, dass niemand Frieden sehe will. Jeder will die Niederlage der anderen Seite sehen. (…)
Ich würde nicht auf die völlige Erschöpfung de russischen Truppen warten. Ich würde nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt warten, an dem wir glauben, dass Russland durch diesen Krieg in der Ukraine deutlich schwächer werden wird. (…)
Ich weiß nicht, wie man gegen Russland gewinnen kann, denn ich glaube nicht, dass das leicht geschehen wird. Denn letztlich ist Russland eine Atommacht und kann nicht ohne Weiteres von irgendjemandem angegriffen werden. Und wir brauchen eine Kompromisslösung, nicht die Niederlage irgendeiner Seite.“
Wie sagte schon der frühere französische Ministerpräsident George Benjamin Clemenceau: (Amtszeit: 1906 bis 1909 und während der Abnutzungsschlacht von Verdun 1917 bis 1920) „Der Sieger ist derjenige, der es schafft, eine Viertelstunde länger als der Gegner zu glauben, dass er nicht besiegt wurde.“
Institutionalisierte Schwächen und Defizite der NATO
Schaut man auf die Geschichte, so kam es oft vor, dass sich zwei oder drei Staaten gegen einen mächtigen Gegner zusammenschlossen, aber noch nie enthielt ein Militärbündnis transkontinental so viele Mitglieder wie die NATO. In diesem Sinne kann die NATO zurecht von sich behaupten, sie sei das erfolgreichste Militärbündnis der Welt. Allerding muss man sich fragen, was dieses Militärbündnis eigentlich zusammenhält. Das Gerede von den „gemeinsamen demokratischen Werten“ war von Anfang an nur Propaganda, da mit António de Oliveira Salazar in Portugal, einem Gründungsmitglied der NATO, ein faschistoider Diktator regierte, der sich von 1932 bis 1968 an der Macht hielt. Ist es die Angst vor einer Aggression des ewigen Imperialisten Russland oder die Aussicht auf internationale Militärhilfe in Friedenszeiten oder die Vorstellung, man könne als NATO-Mitglied sein außenpolitisches Gewicht vergrößern.
Ein klitzekleiner, russischer Angriff auf ein NATO-Mitglied wäre der Lackmustest für die Existenzberechtigung der NATO. Ein Ziel der russischen Seite wäre es, den fragilen Zusammenhalt innerhalb der Allianz zu zerfetzen. Die Frage ist, in welchem Umfang die russischen Militärplaner die strukturellen Defizite und internen Probleme der NATO kennen und diesen „Resonanzboden“ für ihre eigene Kriegsplanung ausnutzen. So soll - im Rahmen „kognitiver Kriegführung“ - der Willen der NATO-Staaten zur Verteidigung Land für Land gebrochen werden. So bezeichnet „kognitive Kriegführung“ systematische Operationen zur Beeinflussung individueller oder kollektiver Kognition mi dem Ziel, Entscheidungsfindung, Wahrnehmung und Sinngebung mit plausibler Abstreitbarkeit zu verzerren und zu paralysieren. In diesem Nullsummenspiel gilt, jede Schwäche der NATO stärkt die Gegenseite. Vielleicht kommt den Russen zugute, dass die Kommandostrukturen der NATO noch nie unter Kriegsbedingungen getestet wurden.
Auf die russische Zersetzungspolitik wies der Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte (Överbefälhavaren - ÖB), Generalleutnant Michael Claesson (Amtsantritt: 30. September 2024), im Mai 2026 ausdrücklich hin:
„Laut dem Oberbefehlshaber könnte Russland prüfen wollen, ob die gesamte NATO dem angegriffenen Land wirklich helfen würde – und welche Risse dadurch zwischen den Ländern des Bündnisses entstehen würden.
„Du weißt, dass du die NATO militärisch nicht besiegen kannst, und dann must du den Zusammenhalt des Bündnisses angreifen und jede Schwachstelle ausnutzen. Jetzt. Sie wissen, dass die gesamte westliche Welt sich bewaffnet. Dann stelle ich mir die Frage: Warum sollte man warten, um wahrgenommene Schwachstellen auszunutzen?
Er glaubt, dass Russland möglicherweise zuschlagen möchte, während die NATO und Europa noch im Prozess der Aufrüstung sind – bevor die Verteidigung so stark wird, wie beabsichtigt. Eine solche Operation könnte in kleinerem Maßstab durchgeführt werden, ohne dass die derzeit in der Ukraine gebundenen Truppen verlegt werden müssten.“ (49)
In gleicher Manier erklärte der Verteidigungsausschuss (Förvarsberedningen) des schwedischen Parlaments in einem Bericht vom 12. Juni 2026:
„Russische militärische Fortschritte, zum Beispiel um den Zusammenhalt der NATO und die Glaubwürdigkeit von Artikel Fünf zu testen, könnten in relativ naher Zukunft stattfinden, wenn der Kreml einschätzt, dass die politischen Bedingungen günstig sind, selbst wenn das militärische Kräfteverhältnis den traditionellen Anforderungen für einen Angriff nicht entspricht.“ (50)
Aufgrund der komplexen Struktur des NATO-Bündnisses unterschiedlicher Staaten, kann die russische Politik verschiedene Ansatzpunkte finden, um die Risse in der NATO zu vertiefen:
1. So war die Behauptung, für alle NATO-Staaten gelte das Prinzip der gleichen Sicherheit, schon immer eine geographische und geopolitische Lüge. Die Staaten in Nordosteuropa waren schon immer in stärkerem Maße durch Russland bedroht, als die Staaten in Südwesteuropa. Außerdem gilt für den Bündniszusammenhalt der Allianz, dass bekanntlich jede Kette nur so fest ist, wie das schwächste ihrer Glieder.
2. Bei ihren Kriegsüberlegungen profitiert die russische Staats- und Militärführung davon, dass die NATO ihre Beistandsverpflichtung, Kern ihres Zusammenhalts als Militär- und Verteidigungsbündnis, bewusst lasch formuliert hat. So heißt es im berühmt-berüchtigten Artikel Fünf des Washingtoner Vertrages, der am 4. April unterzeichnet wurde, am 24. April 1949 in Kraft trat, aber erst am 5. Juli 1949 – nach kontroverser Debatte im U.S.-Kongress - durch U.S.-Präsident Harry S. Truman unterzeichnet wurde:
„Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.“
Auf Wunsch der Führungsmacht USA und ihres Parlamentes wurde die Beistandsverpflichtung, die sich aus der Mitgliedschaft in der NATO-Allianz ergibt, bewusst unverbindlich formuliert. Was ist ein „bewaffneter Angriff“? In Zeiten, als großer Panzerarmeen aus dem Stand heraus zu einem „Sichelschnitt“ antraten, ließ sich diese Frage noch einfach beantworten, aber in Zeiten einer einseitigen Hybriden Kriegsführung droht der Angegriffene, den Kriegsbeginn zu verschlafen. Eine Attacke mit einer Drohne mit einer Sprengladung und einem Zünder, der funktioniert, auf ukrainische Frachtflugzeuge auf dem Flughafen Leipzig/Halle wäre sicherlich ein „Angriff“, aber sicherlich kein „Angriff“, der vom Nordkap bis Sizilien einen Bündnisfall auslöst. So kritisierte Heather Conley vom „American Enterprise Institute“ die Unverbindlichkeit des Artikel 5:
„The question mark is how the United States would respond in that case. (…) It has always been a goal [of Russia] to challenge the credibility of NATO and to separate the United States from its allies. (…)
This has always been NATO´s challenge to respond to a sub-Article 5 attack, and it´s been very true that to this point NATO allies have preferred not to escalate.”
So sieht Artikel 5 keine automatische, militärische Beistandspflicht vor, was man im Falle eines bewaffneten Angriffs eigentlich erwarten sollte, sondern er verpflichtet die einzelnen Mitgliedsparteien nur zu „Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, (…) , die sie für erforderlich erachtet“ zu treffen. So kann jeder Mitgliedsstaat in dem Fall, dass einer der 31 anderen Mitgliedsstaaten angegriffen wird, Beistand leisten, indem er „Waffengewalt“ anwendet, er muss es aber nicht. „Beistand“ könnte auch das bloße Verfassen einer diplomatischen Protestnote an die bösen Russen sein. Dies wäre quasi ein Krieg ohne Kampf. Daher wenden Kritiker ein, der Washingtoner Vertrag verpflichte nicht zu ausdrücklichem militärischen Beistand, sondern proklamiere nur eine Verpflichtung zu Konsultationen mit den anderen Bündnispartnern.
3. Das Gebot der „kollektiven Verteidigung“ bedeutet, wenn ein einzelner NATO-Staat angegriffen wird, befinden sich 31 weiteren Bündnispartner auch im Krieg. Soweit die Theorie. Aber die Entfernung beispielsweise zwischen Riga (Lettland) und Lissabon (Portugal) beträgt 3.251 km Luftlinie. Warum sollte ein Staat den Kriegszustand feststellen, wenn der Krieg gerademal im über- (Polen), über- (BRD), über- (Luxemburg), über- (Frankreich), über- (Spanien), übernächsten Staat (Portugal) seit ein, zwei Tagen tobt. So mag die NATO ein Defensivbündnis sein, aber im Kriegsfall treibt sie die horizontale Eskalation voran. Möglicherweise wird die portugiesische Regierung einem Bündnisfall aus Bündnispolitischen Gründen im NAC zustimmen, aber der parlamentarischen Assembleia da República in Lissabon dürfte dies kaum zu vermitteln sein und dem portugiesischen Volk, das wie immer seinen Alltagsgeschäften nachgeht und nachgehen kann, dürfte jedes Verständnis für diese Hochrisikopolitik abgehen.
4. Ein Blick auf die Konsultations- und Entscheidungsstrukturen der NATO zeigt, dass eine Entscheidung über Krieg und Frieden in einer konkreten Situation äußerst schwierig ist:
Höchstes, formales Entscheidungsgremium des Bündnisses ist der Nordatlantikrat (North Atlantic Council – NAC), in dem die „NATO-Botschafter“ der Mitgliedsstaaten i. d. R. einmal wöchentlich in Brüssel zusammenkommen, um über die laufenden Angelegenheiten zu beraten. Zum höchsten, realen Entscheidungszentrum wurde in den siebziger Jahren das „Quad“, die unregelmäßige Gipfelkonferenz der Regierungschef der vier zentralen NATO-Staaten USA, UK, Frankreich und BRD.
Den Vorsitz in den NAC-Sitzungen führt der Generalsekretär der NATO. Er ist es auch, der den NAC zu einer (außerordentlichen) Sitzung einberuft. Sollte ein NATO-Mitgliedsstaat im Fall einer internationalen Krise den Verdacht haben, dass es angegriffen werden könnte, kann es gemäß Artikel 4 des Washingtoner Vertrages eine Sondersitzung des NAC verlangen, obwohl dies in dem Vertragstext nicht explizit so formuliert ist. So heißt in Artikel 4 lapidar:
„Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.“
In den russischen Streitkräften gilt nach wie vor die alte Befehlstaktik, die die Frontoffiziere zu bloßen Vollstreckern der Befehle der übergeordneten Stäbe macht. Entsprechend schwerfällig ist das ganze Kommando- und Mobilmachungssystem. So braucht es Tage, Wochen oder Monate bis die Truppen mobilisiert sind. Im Falle des russischen Überfalls Ende Februar 2023 wussten die amerikanischen und britischen Nachrichtendienste (CIA bzw. SIS) schon ab Mitte Oktober 2022, dass ein russischer Angriff wahrscheinlich ist. Allerdings machten sich die anderen europäischen Nachrichtendienste diese Einschätzung nicht zu eigen. Generell gilt, je kleiner die einzusetzende Truppe ist, desto schwieriger wird es, einen kriegerischen Truppenaufmarsch zu erkennen. Angesichts der feindseligen Haltung der Russen gegenüber Westeuropa sollte das den Europäern nicht ein zweites Mal passieren.
Zusätzlich ist unklar, wieviel Zeit zwischen dem Beginn eines russischen Angriffs und dem Zeitpunkt der Einberufung des NAC vergehen mag, da die einzelnen Ländervertreter auf offiziellem oder inoffiziellem NATO-Dienstweg von den Vorfällen erfahren und erst noch mit ihrer Regierung Rücksprache halten müssen. Der Generalsekretär wird daher den NAC so früh wie möglich einberufen. Im Notfall können die Beratungen auch schon dann beginnen, wenn noch nicht alle Ländervertreter anwesend sind.
Wenn ein NATO-Staat angegriffen wird, kann er sich an die NATO mit der Bitte um Beistand widmen, muss es aber nicht; die NATO kann ihm dann militärischen Beistand gewähren, muss sie aber nicht:
a. Als die marokkanischen Streitkräfte am das spanische Eiland „Isla de Perejil“, das nur einer kleinen Schafherde als Lebensraum dient, angriffen, hat die spanische Regierung auf NATO-Unterstützung verzichtet, weil sie die marokkanischen Aggressoren mit eigenen Mitteln in der Zeit vom 12. bis 18. Juli 2002 davonjagen konnte.
b. Als die Terrorgruppe Al-Qaida am 11. September 2001 das World Trade Center in NewYork City zum Einsturz brachte und das Pentagon in Washington D. C. beschädigte, erklärten die europäischen Bündnispartner in vorauseilendem Gehorsam ihren Beistandswlllen, obwohl der Angriff nicht durch einen Staat, sondern nur durch einen Non-State-Actor ausgeübt wurde, und obwohl es kein militärischer, sondern nur ein terroristischer Angriff war. Die U.S. Regierung nahm diesen NATO-Beistand aus bündnispolitischen Gründen an, obwohl sie lieber darauf verzichtet hätte, um im Kampf gegen den Terror und in den Kriegen gegen Afghanistan und Irak „frei Hand“ zu haben.
c. Im Windschatten des amerikanischen „Golfkriegs“ gegen den Irak ging die türkische Regierung gegen die Kurden im Nordirak vor. Allerdings war deren Widerstand heftiger, als erwartet. Zeitweise bestand die Gefahr, dass die Kurden in die Türkei vordringen könnten. Deutsche Liberale bemerkten damals, dass in diesem Fall die Feststellung eines NATO-Bündnisfalls ausgeschlossen wäre, da ja nicht die Kurden der ursprüngliche Aggressor gewesen wären, sondern die Türkei selbst.
d. Die NATO ist ein Militärbündnis, das sich nach außen verteidigt, und kein System kollektiver Sicherheit, dass für die Streitbeilegung zwischen den Mitgliedsstaaten zuständig wäre. Sollte es also zu einem Krieg zwischen zwei NATO-Staaten kommen (Stichwort: Grönland), müsste sich die NATO militärisch heraushalten, andernfalls müsste ja ein Teil der NATO-Mitglieder gegen die anderen NATO-Staaten kämpfen.
Ziel der Beratungen ist es, die Bedrohung(en) zu analysieren, Beweise zu teilen und gemeinsame Reaktionen abzustimmen. So muss der angegriffene Staat gegebenenfalls nachweisen, dass ein militärischer Angriff vorliegt und wer der Angreifer ist. Dabei kann es sich auch um mutmaßliche Präemptiv- oder Präventivangriffe handeln. Dies kann im Falle einer „Falschflaggenoperation“ oder des Verdachts einer „Falschflaggenoperation“ schnell schwierig werden. Staaten, die unbedingt die Feststellung eines „Bündnisfalles“ verhindern wollen, könnten hier einen Vorwand konstruieren.
Es ist unklar, in welchem Umfang die Mitglieder des Military Committee bzw. seines International Military Staff persönlich und die Vertreter von SHAPE (per Video) an den Sitzungen teilnehmen.
Die Frage ist, ob der NAC seine Entscheidungen im Allgemeinen mit einfacher Mehrheit, mit qualifizierter Mehrheit (z. B. mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit) oder einstimmig treffen muss. Für den „Bündnisfall“ gilt, dass dieser durch den NAC einstimmig festgestellt werden muss - Enthaltungen sind möglich, eine Gegenstimme nicht. Man stelle sich vor, für 31 Mitgliedsstaaten hängt die Zustimmung zum Kriegszustand von dem 32. Land ab, den Druck mag man sich nicht vorstellen. Soweit bekannt, werden keine Stabsrahmenübungen initiiert, in denen das Abstimmungsverhalten im NAC thematisiert wird.
Da die NATO ein Militärbündnis souveräner Staaten ist, das keine automatische Beistandspflicht kennt, aber gegebenenfalls kollektiv entscheiden und handeln muss, wurden im Rahmen des NATO-Alarmsystems vier Kategorien unterschieden, die die nationalen Implementationen der Alarmmaßnahmen betreffen:
- Kategorie I: Alle nationalen Regierungen (National Authorities – NA) stimmen zu, diese Maßnahme umzusetzen, sobald sie erklärt wird.
- Kategorie II: Die NA erklären sich damit einverstanden, die Maßnahmen nach Feststellung eines einfachen Alarms (Military Vigilance - MV) oder einer anderen Alarmstufe mit ihrer Zustimmung umzusetzen.
- Kategorie III: Die NA behalten sich das Recht vor, diese Maßnahme umzusetzen oder den Umfang der nationalen Umsetzung selbst zu bestimmen.
- Kategorie IV: Diese Kategorie bezieht sich auf alle Fälle, in denen die NA nicht betroffen
Als die NATO gegründet wurde bestand sie aus „nur“ zwölf Mitgliedern; heute aber umfasst die Allianz 32 Mitgliedsländer. Mit jedem Zuwachs an Einzelstaaten stieg der Bedarf an Diskussionen und Abstimmungen entsprechend. So wird heutzutage gelegentlich vorgetragen, man müsse, um handlungsfähig zu bleiben, eine andere Mehrheitsfindung nach der Regel „alle minus eins“ einführen. Außerdem finden sich im NATO-Vertrag keine Bestimmungen dazu, wie ein einmal festgestellter Bündnisfall wieder aufgehoben werden kann.
Sollte der NAC die Ausrufung des Bündnisfalles verweigern, können die Mitgliedsstaaten der NATO in nationaler Verantwortung den Kampf aufnehmen. Es handelt sich dann nicht um einen NATO-Einsatz, sondern der Kampf wird von nationalen Generälen in nationalen Generalstäben gemäß den dort möglicherweise vorhandenen Einsatzplänen geführt. Dazu wären vor allem die USA in der Lage, ansonsten die Nachbarstaaten Russland und ein Land, wie die Bundesrepublik, die in einem dieser Nachbarländer ein größeres Truppenkontingent dauerhaft stationiert hat.
Es ist nicht bekannt, welche Einsatzpläne die Bundeswehr für einen Einsatz der Litauenbrigade bereithält. Während Wehrmacht, SS und Polizei im Juni 1941 mit rund 154 Divisionen die Sowjetunion angriffen und in verlustreichen Kämpfen kläglich scheiterten, versucht es die Bundeswehr gegebenenfalls mit einer rudimentären Halbbrigade. Vermutlich wird es mit dem „Endsieg“ diesmal wieder länger dauern.
5. Die militärische Kommandostruktur spiegelt die Vielfältigkeit des Bündnisses. Das angeblich „höchste“ militärpolitische Beratungs- und Entscheidungsgremium in Friedenszeiten ist der Militärausschuss (engl.: Military Committee – MC). Er unterstützt die Entscheidungsprozesse der zivilen Führung – des Nordatlantikrats und der Nuklearen Planungsgruppe – in militärischen Angelegenheiten. Er segnet die Operationsplanung im Allgemeinen ab, ist aber weder an dessen Ausarbeitung noch an der militärischen Operationsführung beteiligt, so sind dem MC keine Truppenteile unterstellt. Gelegentlich tritt das MC auf Ebene der Generalstabschefs der Mitgliedsstaaten zusammen, im normalen Dienstbetrieb werden diese durch die militärischen Repräsentanten der NATO-Staaten vertreten; Island, das offiziell über keine Streitkräfte verfügt, ist durch einen zivilen Repräsentanten vertreten.
Militärischer Oberbefehlshaber für den NATO-Kriegsschauplatz Europa (damals: Allied Command Europe [ACE], jetzt: Allied Command Operations [ACO]) war und ist der „Supreme Allied Commander Europe“ (SACEUR), dabei handelt es sich immer um einen US-General, der zugleich als Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa (Commander-in-Chief U.S. European Command - CINCEUR) fungiert. Zwar werden die Kommandeursposten SACEUR und CINCEUR prinzipiell immer von demselben U.S.-General in Doppelfunktion bekleidet, allerdings können die Antrittsdaten für die beiden Posten mitunter unterschiedlich sein. Zur Zeit amtiert als NATO Oberbefehlshaber U.S.-General Alexus Gregory Grynkewich (Amtsantritt: 1. Juli 2025). Auf der einen Seite kritisieren die Europäer, dass der militärische Oberbefehlshaber immer von den USA gestellt wird, auf der anderen Seite sind die Europäer froh, dass es so ist, da sie sich wahrscheinlich nicht auf einen eigenen Kandidaten einigen könnten.
Dem SACEUR zur Seite steht das Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Mons bzw. Casteau (Belgien). Als Chef des Stabes (COS) fungiert immer ein deutscher General. Er leitet den Special Staff. Seit dem 24. September 2024 fungiert General Markus Laubenthal als COS. Zentrales Element des Stabes ist der „Deputy Chief of Staff – Operations“, dem die Operations Division (OPS oder OPS DIV), die Policy Division (POL) und die Intelligence Division (INTEL) unterstellt sind. Aufgabe von OPS ist die Erstellung des konventionellen General Defense Plan (GDP) bzw. des Nuclear Operations Plan (NOP). Zur INTEL gehört die SHD-Cell (Special Handlung Detachment) zur Bearbeitung der Informationen aus der elektronischen Aufklärung. Hier werden beständig Geheimdienstanalysen (Intelligence Summary – INTSUM) oder Geheimdienstberichte (Intelligence Reports – INTREPs) erarbeitet. Aufgrund ihrer Satellitenaufklärung und durch ihr weltweites Stützpunktsystem haben die USA ein Monopol bei vielen nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, dass sie in unterschiedlichem Maße mit den einzelnen Partnerländern teilen oder auch nicht teilen. Das SHAPE Operation Centre (SHOC oder SOC) mit der Operations Division (OPS DIV) und der Emergency Action Unit (EAU) befindet sich im Gebäude H im nördlichen Innenhof des Hauptgebäude 101 (SHAPE Restricted Area) in Casteau. Ob diese Angaben noch aktuell gültig sind, ist nicht bekannt.
Im Kriegsfall werden dem SACEUR oder seinem nachgeordneten Befehlshaber, z. B. Commander in Chief Allied Forces Central Europe (CINCENT), von den nationalen Regierungen alle Truppenteile unterstellt, die schon in Friedenszeiten dem Bündnis assigniert (engl.: assigned) oder erst bei Kriegsbeginn für eine Unterstellung vorgesehen (engl.: earmarked) waren. Dies wird NATO-intern als „chop“ bezeichnet. Andere nationale Truppenteile verbleiben ausschließlich unter nationalem Kommando, es sei denn, die Landesregierung entscheidet etwas anderes. Anders als in Zeiten des Kalten Krieges haben heutzutage nur noch die USA nennenswerte Kontingente in anderen Bündnisstaaten disloziert. In Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine beginnt sich dies zu ändern, so strebt die Bundeswehr den Aufbau der Panzerbrigade 45 (ca. 4.800 Mann) in Litauen an. Sie untersteht dem Deutsch-Niederländischen Korps mit Hauptquartier in Münster. Zwar stellt die NATO den Aufbau ihrer „Battlegroups“ in Brigadestärke und der „Allied Reaction Force“ (ARF, Kampfstärke: 40.000 Mann, vormals NATO Response Force - NRF) propagandistisch heraus, allerdings handelt es sich doch eher um bescheidene Kontingente.
Während des Kalten Krieges unterstand nur die Bundeswehr des Frontstaates BRD schon in Friedenszeiten militärisch-operativ dem SACEUR. Mit der Unterstellung unter NATO-Kommando entscheiden nicht mehr die nationalen Regierungen über die operative Kriegführung, sondern die NATO-Befehlshaber. Allerdings ist der SACEUR, wie alle anderen Militärführer, an militärische bzw. politische Auflagen, den Rules of Engagement (RoE) gebunden.
Da ein einzelner Befehlshaber nicht die gesamte Truppenführung beherrschen kann, übt der SACEUR bzw. CINCENT seine Befehlsgewalt in vier abgestuften Formen aus: operational command (OPCOM), operational control (OPCON), tactical command (TACOM), and tactical control (TACON). Der „Rest“ der militärischen Verfügungsgewalt wird von den nachgeordneten Kommandeuren der unterstellten NATO-Kommandos ausgeübt, dabei handelt es sich um hochrangige Generäle/Admiräle der europäischen Mitgliedsstaaten. Sie sind für die Ausarbeitung der Operationspläne für ihren Kommandobereich zuständig. Heutzutage gibt es drei Kommandobereiche: Atlantik und Arktis, Zentral- und Nordeuropa sowie Mittelmeer und Schwarzes Meer. Die jeweiligen Kriegspläne werden „Regional Defense Plan“ (RDP) genannt, sie wurden seit 2023 überarbeitet.
So liegt die Operationsführung im Kriegsfall letztendlich bei NATO-Generälen und nicht – wie in Friedenszeiten - bei den nationalen Generalstäben, die daher fast zu Organen der Militärverwaltung degenerieren. Allerdings wies General a. D. Ulrich de Maizière 1975 auf eine Möglichkeit hin, wie nationale Generäle die Operationsplanungen ihrer NATO-Kameraden sabotieren könnten:
„Wie bereits erwähnt, liegt die operative Planung und Führung zur Erfüllung des Verteidigungsauftrages nach dem General Defense Plan (GDP) in der Verantwortung der alliierten Befehlshaber für alle ihnen im Konfliktfall assignierten militärischen Verbände. Diese erteilen im Rahmen der ihnen übertragenen Vollmachten Befehle, die innerhalb der militärischen Hierarchie bis zur letzten Einheit hin bindend sind.
Für die logistische Unterstützung ihrer assignierten Verbände ist jedoch jede Nation selbst verantwortlich. Die alliierten Befehlshaber bleiben darauf beschränkt, Forderungen zu stellen, Empfehlungen zu geben oder ggf. zu koordinieren. Ihnen stehen weder alliierte Vorräte noch logistische Truppen, mithin keine logistischen Führungselemente zur Verfügung. Dies engt die Flexibilität der Operationsführung ein. Es kann sogar dazu führen, daß eine notwendig erscheinende militärische Operation aufgeschoben oder gar aufgegeben werden muß, weil die notwendige logistische Unterstützung eines oder mehrerer beteiligter alliierter Verbände durch die verantwortliche Nation nicht sichergestellt werden kann. Diese Regelung widerspricht dem bewährten Grundsatz der Unteilbarkeit der militärischen Führung. (…)
Die Kriegsvorräte sind – mit Ausnahme der US-Truppen – in der Regel nur für eine begrenzte Zeit ausgelegt. Die Produktionsstätten für militärisches Material im Mittelabschnitt sind durch ihre Lage innerhalb einer Kampfzone so gefährdet, daß mit einer ungestörten kontinuierlichen Produktion im Konfliktfall nicht gerechnet werden kann. Mitteleuropa ist daher auf den Nachschub aller Art von außerhalb angewiesen. Als Lieferland kommen praktisch nur die USA in Frage.“ (51)
6. Komplexe Kommando- und Alarmierungssysteme unter zeitkritischen Bedingungen: Zur Umsetzung der Operationspläne sind die NATO-Kommandeure an das NATO-Alarmierungssystem angebunden, dass zwischen verschiedenen Alarmstufen (alert condition – LERTCON) unterscheidet. Im Falle eines allgemein drohenden Angriffs wird der SACEUR einen Simple Alert (SA) auslösen. In der Regel würde der NATO-Oberbefehlshaber dazu im Nordatlantikrat die Genehmigung der nationalen Regierungen der Mitgliedsstaaten einholen, im Falle eines Überraschungsangriffes könnte er aber auch allein entscheiden. Im Falle einer erhöhten Kriegsgefahr löst der Nordatlantikrat einen „Reinforced Alert“ (RA) fest.
Zwar folgt das NATO-Alarmierungssystem dem amerikanischen System der Defense Condition (DEFCONs), aber die nationalen Alarmierungssysteme der einzelnen NATO-Mitgliedsstaaten sind nicht unbedingt immer kompatibel mit den Maßnahmen der NATO. So gilt für die Bundeswehr der nationale „Alarmplan“ (Apl).
Die eigentliche (General-)Mobilmachung kann nicht durch die NATO angeordnet werden, sondern sie wird durch ihre einzelnen Mitgliedsstaaten angeordnet. Im Mobilmachungssystem der Bundeswehr wird unterschieden zwischen einem „Mobilmachungsstützpunkt“ in einer Kaserne, einem „Gestellungsort (Personal)“, „Gestellungsort (Material)“ und „Mobilmachungs-Unterbringungsobjekt“ (Gasthöfe, Jugendherbergen, Sporthallen, etc.). Schon in Friedenszeiten werden mit den jeweiligen Immobilieninhabern entsprechende Nutzungsverträge abgeschlossen.
Für das NATO-Luftverteidigungssystem gilt schon in Friedenszeiten eine abweichende. Integrierte Befehlsregelung. In diesem Fall spricht man vom „Quick Reaction Alert“ (QRA) bzw. „Quick Reaction Alert Nuclear“ (QRA N).
7. Die Atomwaffen stellen den Kern der „Abschreckung“ der NATO, aber die Mitgliedsstaaten haben einen unterschiedlichen Nuklearstatus:
Was den Nuklearstatus anbelangt gibt es innerhalb der NATO vier Länderkategorien:
a. Die USA sind die einzige Nuklearmacht, die zumindest einen Bruchteil ihrer Atomwaffen der NATO zur Verfügung stellt.
b. Das Vereinigte Königreich und Frankreich sind zwar kleine Nuklearmächte, habe aber keine Atomwaffen der NATO assigniert, sondern bestehen ausschließlich auf ihrer nationalen Verfügungsgewalt.
c. Gemäß dem „NATO Nuclear Sharing” gibt es europäische Länder, die auf ihrem Territorium der Lagerung von U.S. Atomwaffen zugestimmt haben und auch Trägersysteme zum Einsatz der Nuklearsprengkörper abgestellt haben.
d. Innerhalb der NATO gibt es Länder, die die Lagerung amerikanischer Atomwaffen verboten haben, die aber im Kriegsfall nuklear verteidigt werden wollen. So verweigerte Dänemark die Stationierung amerikanischer Atomwaffen auf seinem Territorium (Ausnahme: Grönland); um im Kriegsfall dennoch nuklear verteidigt zu werden, lagerten die dafür vorgesehenen Sprengköpfe in der BRD (Flensburg-Meyn und Boostedt). Soweit bekannt, gibt es kein NATO-Land, das auf seinem Territorium keine Lagerung von amerikanischen Atomwaffen duldet und im Kriegsfall explizit nicht nuklear verteidigt werden will. Dies schließt nicht aus, dass sich einzelne Länder in Friedenszeiten offiziell gegen den Einsatz von Atomwaffen ausgesprochen haben.
Für den Einsatz der U.S. Atomwaffen gelten besondere Regeln:
a. Gemäß der „indivisibility of control“ verfügt allein der U.S. Präsident über die amerikanischen Atomwaffen.
b. Er besitzt genügend Atomwaffenträger, um seine Atomsprengkörper jederzeit im Alleingang zum Einsatz zu bringen, auch gegen den Willen der europäischen Stationierungsländer.
c. Auf der anderen Seite haben die Gastländer keinen Anspruch darauf, über einen Atomeinsatz mitzuentscheiden. Nach zwei Jahrzehnten der Diskussionen und Verhandlungen konnte man sich zwischen Amerikanern und Europäern nur darauf verständigen, dass Letzteren eine Konsultationsrecht eingeräumt wird, wenn es „Zeit und Umstände“ erlauben.
d. Da die Europäer die amerikanischen Atomcodes nicht kennen, können sie nie eigenmächtig den Einsatz einer U. S. Atomwaffen anordnen.
Auf NATO-Ebene waren die drei führenden militär-politischen Entscheidungsgremium – mehr oder weniger und im unterschiedlichen Maße – am Entscheidungsfindungsprozess über einen Atomwaffeneinsatz beteiligt: North Atlantic Council (NAC), Defense Planning Committee (DPC) und Military Committee (MC) mit seinem International Military Staff (IMS). Inwieweit dieses Kompetenzwirrwarr und die Konkurrenz zwischen Politikern und Militärs eine Entscheidungsfindung beeinträchtigt hätte, sei dahingestellt:
„The North Atlantic Council (NAC) is the highest authority of the alliance. (…) Problems might arise in crisis management or wartime emergency because ambassadors who are the only ones likely to be able to meet promptly, are not usually well versed in military matters.
It provides for a lot of information sharing, but it is not a decision-execution body, and thus it would not be involved in the implementation of nuclear use decisions. (…)
The Defense Planning Committee (DPC) of the NAC is the NATO organ which the US would consult on nuclear use decision-execution, „time and circumstances permitting“. It is composed of the representatives of the members of the military structure (hence Spain, France and Iceland do not participate) and like the NAC is chaired by the Secretary General. (…)
The Military Committee (MC) is the highest military authority of NATO. It is headquartered in Brussels and comprises the members of the integrated military structure and it meets in two different forms: at the chiefs of staff level, it meets twice a year, and it formulates recommendations to the NAC and to the DPC about the evolving military requirements of the alliance.
It also meets at Permanent Representative level for routine consultation and discussions. The chairman, who presides both sets of meetings, is always a European general or admiral, as the US gave up its claim on the grounds that it already has the positions of SACEUR and SACLANT; the US retains the deputy-chairmanship. (…)
In wartime, the MC should be the body to decide whether or not to use nuclear forces. It would then instruct SACEUR to choose the appropriate packages and to ask the US and/or UK NCAs for the release of the relevant warheads. However, problems might arise because the MC has no command authority of its own, and it is a kind of additional intermediate layer between SHAPE and NAC which could cause unnecessary delay.
The International Military Staff (IMS) of the MC provides the technical support for its analyses, and it helps to implement them. (…) The IMS comprises about 400 officers, and it is organized into six divisions, each headed by a deputy director, and one of which is dedicated to work on C3I.“ (52)
8. Die NATO wurde 1949 gegründet, um vor allem eine weitere Expansion der UdSSR nach Westeuropa notfalls militärisch zu verhindern. So verfolgten ihre Mitgliedsstaaten in den folgenden vierzig Jahren eine gegenüber der Sowjetunion kritische bis feindliche Politik. Dies hat sich, u. a. als Spätfolge der NATO-Osterweiterung, mittlerweile geändert. Heute gelten die Staats- bzw. Regierungschefs mehrerer NATO-Staaten als ausgesprochen pro-russisch:
- Donald John Trump (USA, Präsident seit dem 20. Januar 2025)
- Robert Fico (Slowakei, Ministerpräsident seit dem 25. Oktober 2023)
- Andrej Babiš (Tschechien, Ministerpräsident seit dem 9. Dezember 2025)
- Viktor Mihály Orbán (Ungarn, Ministerpräsident seit dem 29. Mai 2010, im April 2026 abgewählt)
Hinzu kommt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (Amtsantritt: 28. August 2014), der nicht unbedingt eine pro-russische Haltung einnimmt, aber zwischen NATO und Russland laviert.
Obwohl die NATO die russische Militärdelegation schon vor Jahren aus ihrer Zentrale in Brüssel hinausgeworfen hat, muss man davon ausgehen, dass weiterhin ein, zwei, drei GRU-Spione unerkannt in der NATO-Zentrale ihr Unwesen treiben zum Nutzen der russischen Regierung.
Lageführung der NATO
In der NATO-Zentrale in Brüssel (Boulevard Léopold III) betreibt die Operations Division (OPS) des International Military Staff (IMS) das unterirdische NATO Situation Centre (SITCEN), das über sein Watch Office die militärische Lageentwicklung verfolgt. Es wird seit Dezember 2024 von dem kanadischen Oberst Martin Houle geleitet. SITCEN wird unterstützt durch die NATO-Kommunikationszentrale Communication Centre (COMCEN). (53)
In einer Kurzdarstellung der NATO heißt es:
“The NATO Situation Centre (SITCEN) alerts and provides situational awareness to the North Atlantic Council and to the Military Committee during times of peace, tension and crisis, and for high-level exercises. This support is achieved through the receipt, exchange and dissemination of information from all available internal and external resources. SITCEN also acts as the link with similar facilities in Allied countries and the Supreme Commands, including the Comprehensive Crisis and Operations Management Centre at Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE), as well as selected international organisations.” (54)
Während in der NATO-Zentrale in Brüssel die Politik des Bündnisses formuliert wird, ist für die operative Kriegsführung in Europa (Allied Command Operations- ACO) das militärische Hauptquartier SHAPE mit seinem Kommandeur SACEUR im belgischen Casteau bei Mons zuständig. Über die NATO-Kommunikationsnetzwerke werden alle Aufklärungsmeldungen und Funkbefehle übermittelt. Um dieses gigantische Fernmeldeaufkommen bewältigen zu können, wird jede Einzelmeldung einer bestimmten Dringlichkeitsstufe zugeordnet, von der die Geschwindigkeit abhängt, mit der die Meldung befördert wird: „routine“, „priority“, „operational immediate“, „emergency“ und - für die allerwichtigsten Geheimmeldungen – „flash“.
Im Rahmen des NATO Intelligence and Warning Systems (NIWS), das sich u. a. aus E-3A SENTRY AWACS-Flugzeugen und Aufklärungsdrohnen RQ-4D zusammensetzt, werden die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse der einzelnen Mitgliedsstaaten mit den Bündnispartnern ausgetauscht. Dabei ist die NATO zu ihrer Aufklärung insbesondere auf die amerikanischen Militärsatelliten angewiesen. Zur optischen Aufklärung mit Kameras (Imagery Intelligence - IMINT) setzt das National Reconnaissance Office (NRO) Satelliten vom Typ KEYHOLE-11 (KH-11), MISTY und ZIRCONIC ein. Satelliten, die zur Informationserfassung Radar (RADINT) einsetzen und daher auch durch Wolken blicken können, tragen die Typenbezeichnungen LACROSSE und TOPAZ. Abhörsatelliten zur Signal Intelligence (SIGINT) sind die Systeme TRUMPET, NAVAL OCEAN SURVEILLANCE SATELLITES (NOSS), INTRUDER, MENTOR (and. Bez.: ORION) und SIGINT HIGH ALTITUDE REPLENISHMENT PROGRAM (SHARP). Die NATO ist immer noch, aber nicht mehr ausschließlich auf das US-Informationsmonopol angewiesen. Allerdings beklagen sich nicht nur führende Militärs der Bundeswehr darüber, dass die Kontakte in die USA ziemlich abgerissen sind. So beklagte sich der Inspekteur des Heeres, General Dr. Christian Freuding (Amtszeit: seit 1. Oktober 2025), früher konnte er zu jeder Tag- und Nachtzeit in Washington anrufe, heutzutage sei der Kontakt eher „cut off“.
Im so genannten „intelligence cycle“ werden die aufkommenden Rohnachrichten gesammelt, gesichtet, auf ihre Zuverlässigkeit überprüft. Dann von den Auswertern mit anderen Informationen abgeglichen und als Puzzleteil in das Lagebild eingefügt. Dabei werden die eingehenden Meldungen insbesondere im Hinblick auf Indikationen für gefährliche Entwicklungen abgeklopft. Schließlich werden die Geheimdiensterkenntnisse in geeigneter Form an die Bedarfsträger weitergeleitet und in geringem Umfang verbreitet. Das nachrichtendienstliche Produkt kann eine Warnmeldung, eine Meldung oder eine Studie sein, wie z. B. ein Special National Intelligence Estimate (SNIE), ein „Watch Committee Report“ oder ein „Warning Memorandum“ der US-Geheimdienstgemeinde. Allerdings liegen die Nachrichtendienste trotz ihres ganzen Aufwandes und ihrer Geheimniskrämerei mit ihren Prognosen und Einschätzungen oft daneben.
Im Vorfeld eines bewaffneten Konfliktes initiiert das Bündnis zunächst seinen NATO Crisis Management Process (NCMP). (https://defenceagenda.com/natos-crisis-management-strategy) Grundlegendes Dokument ist hier die “Allied Joint Doctrine for Non-Article 5 Crisis Response Operations” (AJP-3/4(A)) vom 1. März 2005. (55) Eine neuere Ausgabe datiert vom 15 Oktober 2010.
In der KGB-Instruktion Nr. 6282/PR/52 vom 17. Februar 1981 hieß es:
„Das „Battle Alarm System“ sieht zwei Stufen der Gefechtsbereitschaft vor: Ein „Orange“-Alarm und ein „Scarlet“-Alarm. „State Orange“ wird erklärt, wenn „ein Angriff möglicherweise erwartet wird“ in unmittelbarer Zukunft (innerhalb von 36 Stunden), ein „State Scarlet“ dann, wenn militärische Kampfhandlungen bereits begonnen haben oder wahrscheinlich in wenigen Minuten beginnen werden."
Im Jahr 2023 arbeitete die NATO ein „Joint Threat Assessment“ (JTA) aus, dazu wertete die Arbeitsgruppe die Satellitenaufklärung der russischen Rüstungsindustrie, der Kriegswirtschaft und der Neuorganisierung der russischen Streitkräfte aus. Sie kam zu der Erkenntnis, dass ab 2028 mit einem russischen Angriff gerechnet werden müsse. Weitergehende parlamentarische Nachfragen verweigerte die Bundesregierung mit Hinweis auf das „Staatswohl“. (siehe: Bundestags-Drucksache 21/3567 vom 12. Januar 2026).
Bei den Nachrichtendiensten aber ist man von der Prognose eines möglichen Angriffs Russlands aus NATO-Gebiet nicht gerade begeistert. Zum einen, weil es heißt, konkrete Prognosen, insbesondere mit Verweis auf Jahreszahlen, seien in solchen Zusammenhängen grundsätzlich kaum seriös zu treffen. Es gebe zu viele Variablen und Dynamiken, beispielsweise den Verlauf des Krieges gegen die Ukraine oder die Haltung der Trump-Regierung zur NATO. Zum anderen aber auch, weil etwas Entscheidendes bei der Aufklärung der russischen Militärkapazitäten nicht mit einbezogen werde - die tatsächlichen Absichten des Putin-Regimes. (56)
Kriegstüchtigkeit der NATO
Angesichts der militärischen Stärke der NATO, könnte Russland nur bedingt einen Landkrieg gegen Westeuropa mit Aussicht auf „Erfolg“ führen, dies zeigt ein aktueller Kräftevergleich zwischen einer de-amerikanisierten NATO und Russland. Sollten zudem die USA eingreifen, wären die Siegeschancen Russland negativ.
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NATO-Eu
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Russland
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Kampfpanzer
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6.300
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5.750
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Gepanzerte Fahrzeuge
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29.000
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?
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Artilleriegeschütze
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15.400
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16.668
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Kampfhubschrauber
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421
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?
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Kampfflugzeuge
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2073
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>1.500
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Kriegsschiffe
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140
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339
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U-Boote
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73
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?
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Quelle: Uhl Matthias; Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht, Freiburg, 2026, S. 282f
Die Einsparungen der letzten 35 Jahre bei den Verteidigungshaushalten mussten sich auf die Truppenstärke und die Einsatzbereitschaft auswirken. Noch vor wenigen Jahren erreichten die jährlichen Verteidigungsaufwendungen der meisten Staaten kaum zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes, jetzt liegen sie i. d. R. – dank dem Druck, den Donald Trump ausgeübt hat - bei drei bis fünf Prozent. Mehrere Staaten wollen die Personalstärke ihrer Streitkräfte um rund 50 Prozent erhöhen, allerdings braucht dies Zeit, die vielleicht nicht mehr gegeben.
So ist die aktuelle „NATO Forward Presence“ eher bescheiden:
“Cumulatively, the three Baltic states possess fewer than 30,000 peacetime active-duty personnel in their ground forces (not including allied contingents). They can draw upon a substantially larger reserve and territorial defense force, but bringing them into combat readiness takes time. (…)
The Polish Armed Forces are the largest in the region, with 175,000 active personnel in 2025 (planning to grow to 300,000) and four active mechanized/tank divisions. However, their full-scale intervention in a conflict that does not directly involve Polish territory (if the scenario gets a track other than Suwałki) is as much an unknown variable as Belarus's participation on the side of Russia. While possible, even probable, it is not a certainty and depends on the overall NATO posture. In the case of engagement, Poland could be the key ground factor for the allies, capable of rapidly deploying several brigades to the Baltics within the first 48-72 hours of a war. While most of the advanced equipment it is procuring (M1A1 Abrams tanks, Korean K2 Black Panthers, Krab and K9 howitzers, HIMARS) will have low to zero effectiveness in a 2027 war against an adversary like Russia, Poland has committed to developing drone-based mission-level and tactical capabilities, becoming a leading (in absolute numbers) producer and importer of UAVs in the EU. (…)
Then, regarding the Alliance, the “first-aid” forces that can be reliably counted upon are four multinational enhanced Forward Presence (eFP) battlegroups, in each Baltic state and in Poland. (…)
Less than 7 mechanised brigades (4 national + 3 allied eFP battlegroups, with the one in Latvia now brigade-sized, a reinforced group in Lithuania, and the BG in Estonia). With the participation of Poland, this could increase to 12 brigades (from its 4 divisions). The allies' forward presence battle groups also possess assets (long-range GLSDB, ATACMS missiles) and network-centric targeting intelligence that would enable them to effectively strike Russian artillery batteries. At the tactical level, the technological superiority of NATO's numerically smaller artillery, traditionally its strong suit, will be limited – projectiles like the Excalibur and GMLRS do not function at full efficiency under dense Russian EW. A critical factor is ammunition expenditure, which could reach 5,000–10,000 shells per day on each side. Given the current production rates, Russia has a higher ceiling before it begins to feel shell hunger due to logistics and depot depletion. (…)
Moreover, in addition to the 15-20 fighters constantly present in Baltic airspace since 2024 as part of the Baltic Air Policing mission, NATO can rapidly rede ploy up to six fighter squadrons (60–80 aircraft) to the region. Consequently, it is likely that Russian tactical aviation will not even be allowed to approach the operational area.” (57)
Immerhin sind die Kampfflugzeuge der NATO in ihrer Sensortechnik und bei der Reichweite ihrer Air-to-Air-Jagdraketen den russischen Modellen überlegen, was sich in „dog fight“-Luftkämpfen für die Piloten positiv auswirken dürfte.
Die Heranführung von Verstärkungstruppen aus der Bundesrepublik zur Front nach Osteuropa benötigt mindestens zwei Tage, Verstärkungen aus den USA brauchen ein bis zwei Wochen.
Auch was Teilaspekte der modernen Kriegsführung, wie z. B. die Drohnenkriegführung anbelangt, hängt die NATO den Russen hinterher. In den letzten fünfzig Jahren beschränkte sich der Drohneneinsatz auf die aufklärende Artillerie, dabei blieb es auch noch, nachdem die USA vor zwanzig Jahren begann, erstmals Kampfdrohnen zur Terrorismusbekämpfung einzusetzen. Nun versucht man, den technologischen Rückstand über private Start-ups aufzuholen, die aber nur über begrenzte Produktionskapazitäten verfügen. Der ehemalige Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte, General Walerij Fedorowytsch Saluschnyj (Amtszeit: Juli 2021 bis Februar 2024) hat daher eine klare Meinung zur NATO – sie sei eine „Organisation, die sich von Doktrinen des Zweiten Weltkriegs leiten lässt“. (58)
So zeigte sich bei mehreren NATO-Manöver Estland (HEDGEHOG 2025) im Mai 2025, dass die NATO-Truppen auf die moderne Drohnenkriegführung nicht vorbereitet sind. So griffen zehn ukrainische Drohnenpiloten 16.000 NATO-Fuzzies an:
„In Rahmen eines Manöverszenarios forderten dabei u. a. zehn ukrainische Drohnenpiloten zwei Kampfgruppen der NATO, die aus britischen und estnischen Truppen bestanden, heraus. Die ukrainischen Drohnenpiloten simulierten dabei einen umfassenden Angriff und „zerstörten“ binnen weniger Stunden 17 Militärfahrzeuge und griffen weitere 30 taktische Ziele an. Danach äußerte ein NATO-Kommandeur: „We are fucked.“ Die Einheiten des westlichen Militärbündnisses hätten sich im Manövergebiet ohne Deckung bewegt, auf Tarnung verzichtet und wie zu Zeiten des Kalten Krieges agiert.“ (59)
Gleiches zeigte sich in Schweden bei der Übung AURORA 26. Kaum zwanzig Drohnensoldaten konnte es durchaus mit 18.000 NATO-Snobs aufnehmen:
„Rund 18.000 Soldaten aus 13 Nationen, modernste Kampfpanzer des Typs Leopard 2A8, aufwendige Gefechtssimulationen auf der strategisch bedeutsamen Ostseeinsel Gotland – und dennoch war es eine kleine Gruppe von weniger als 20 ukrainischen Drohnenoperatoren, die beim schwedischen Großmanöver „Aurora 26“ das entscheidende taktische Bild prägte. Die Übung, die vom 27. April bis zum 13. Mai 2026 durchgeführt wurde, offenbarte eine Realität, mit der sich westliche Verteidigungsplaner nun dringend auseinandersetzen müssen: Die Ukraine hat die Drohnenkriegsführung nicht nur erlernt, sondern zur Meisterschaft entwickelt – und übertrifft die NATO-Partner in diesem Bereich inzwischen um ein erhebliches Maß. (…)
Die ukrainischen Einheiten Kondor (1. Nationalgarde-Brigade „Burevii“) und die 20. Nationalgarde-Brigade „Liubart“ traten bei der Übung als feindliche Angriffskraft gegen die multinationalen NATO-Verbände an – darunter schwedische, britische und weitere alliierte Kräfte. (…)
Die Ergebnisse waren für die anwesenden Militärplaner erschütternd: Während eines koordinierten schwedischen Gegenangriffs gelang es dem ukrainischen Team, in enger Abstimmung mit schwedischen Piloten modernste Kampfpanzer und gepanzerte Schützenpanzer innerhalb kürzester Zeit virtuell zu vernichten. Ein ukrainischer FPV-Schwarm drang in den Luftraum eines Militärflugplatzes ein und schaltete sämtliche Verteidigungsstellungen in weniger als 20 Minuten aus – ohne dabei ein einziges eigenes System zu verlieren.
Die Vernichtungsrate war so hoch, dass die Übungsleitung das Manöver dreimal vollständig unterbrechen musste, um zerstörte Ausrüstung künstlich wiederherzustellen und den alliierten Verbänden überhaupt eine Fortsetzung der Ausbildung zu ermöglichen.“ (60)
Darüber hinaus ist die Rüstungsindustrie der NATO-Staaten trotz der enorm gestiegenen Haushaltsmittel nicht in der Lage, die Rüstungsproduktion schnell anzukurbeln. Zwar wird seit fünfzig Jahren eine Europäisierung der Produktion und Beschaffung von den verschiedenen Staaten gefordert, aber immer wieder scheitert dies an nationalen Egoismen. Hier erweist sich die alte „sozialistische“ Planwirtschaft in Russland wesentlich leistungsfähiger, als der moderne Kapitalismus.
So bleibt unklar, ob die NATO Eskalationsdominanz erzielen und aufrechterhalten kann, um den Konflikt unter Kontrolle zu behalten oder ob in der Krisenentwicklung irgendwann der „point of no return“ – zum Nachteil aller - überschritten wird.
Deutsche Landesverteidigung im In- und Ausland
Angesichts der ständigen hybriden Attacken der russischen Nachrichtendienste gegenüber der Bundesrepublik stellt sich die Frage, wie sich die deutsch-russischen Beziehungen weiterentwickeln werden und ob noch ein „Waffenstillstand“ zwischen Russland und Deutschland besteht. So hatte der Wehrmachtsführungsstab, vertreten durch Generaloberst Alfred Jodl, am 7./8. Mai 1945 in Reims (Frankreich) gegenüber U.S. General Walter Bedell „Beetle“ Smith seine „bedingungslose Kapitulation“ und die Einstellung aller Kampfhandlungen erklärt. Jodl unterzeichnete das ihm vorgelegte Dokument, obwohl „Reichspräsident“ Großadmiral Karl Dönitz ihn nur mit der Vollmacht zur Unterzeichnung eines Waffenstillstands entsandt hatte. Hingegen wurde ein formaler Waffenstillstand tatsächlich nie vereinbart. (61) Ebenso wurde später kein „Friedensvertrag“ im herkömmlichen Sinne unterzeichnet, als rechtswirksamer Ersatz gilt der „Zwei-plus-Vier-Vertrag“, der am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnet wurde und am 15. März 1991 in Kraft trat. Durch ein Urteil des Landgerichts Bonn vom 5. November 1997 wurde bestätigt, dass der Moskauer-Vertrag als Friedens-Ersatz-Vertrag gilt, weil es zu einem offiziellen Friedensvertrag nicht mehr kommen werde. (62) Zwar stellt die Summe der hybriden Angriffe noch keine Gefahr für den Bestand der Bundesrepublik dar, wohl aber für deren Sicherheit.
Am 5. Juni 2024 wurde Bundesverteidigungsminister Boris Ludwig Pistorius (SPD) im Bundestag deutlich: „Wir dürfen nicht glauben, dass Putin an den Grenzen der Ukraine, wenn er so weit kommt, haltmachen wird. (…) Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein. Wir müssen Abschreckung leisten, um zu verhindern, dass es zum Äußersten kommt." Verteidigungsminister Pistorius wurde vor der besagten öffentlichen Aussage durch ranghohe Militärs unterrichtet. Dabei soll man sich auf eine Bedrohungsanalyse bezogen haben, die allerdings noch aus dem Vorjahr 2023 stammte. Darin hieß es, Russland sei vermutlich in den kommenden drei bis fünf Jahren in der Lage, einen großmaßstäblichen Krieg mit der NATO zu führen. Demnach wäre nicht 2029 der richtige Zeitrahmen, sondern 2028. Bei Bundeswehr und Bundesnachrichtendienst (BND) soll rasch bemerkt worden sei, dass man offenbar versehentlich eine Analyse aus dem Vorjahr herangezogen hatte. Die Jahreszahl 2029 war allerdings nun in der Öffentlichkeit, von einer Korrektur sah das Verteidigungsministerium ab. (63) So einfach kann man mal dieses, mal jenes Jahr als Kriegsbeginn dem dummen Volk verkaufen.
Dass Pistorius sich für die „Kriegstüchtigkeit“ der Bundeswehr aussprach, wurde vielfach kritisiert, obwohl niemand kostspielige aber kriegsuntüchtige Streitkräfte gebrauchen kann. Vor 65 Jahren hat man kritisiert, dass die Bundeswehr nur „bedingt abwehrbereit“ war, heute kritisiert man, dass die Bundeswehr nicht länger „bedingt abwehrbereit“ sein will.
Dabei ließ Pistorius offen, wann denn durch ihn die „Kriegstüchtigkeit“ der Bundeswehr hergestellt sein soll. Zur Zeit hat er enorme Schwierigkeiten, für seine Litauenbrigade genügend Personal zusammen zu kratzen. Eine unbekannte hohe Zahl von Offizieren weigert sich, mit ihren Ehefrauen und Kindern in den gefährdeten Frontstaat verlegt zu werden. Da jeder kleine Furz, der in der Bundeswehr ein Bisschen zu sagen hat, Beamter auf Lebenszeit ist, sind Berufsbeamtentum mit Kriegsbereitschaft unvereinbar.
Ende November 2024 warnte der damalige BND-Präsident Bruno Kahl (Amtszeit: 1. Juli 2016 bis 14. September 2025), man verfüge über nachrichtendienstliche Erkenntnisse, wonach hochrangige Militärs in Moskau mit dem Gedanken spielten, den Artikel 5 der NATO zu testen.
Im April 2025 erklärte der Generalinspekteur der Bundeswehr (GenInsp), General Carsten Breuer, freimütig: „Ich glaube, es war in den 40 Jahren, in denen ich Soldat bin, noch nie so bedrohlich wie jetzt gerade.“ (64) Einen Monat später wurde er noch deutlicher: „Die verschiedenen Indikatoren – Aufrüstung, Personalaufbau, wirtschaftliche und politische Entwicklungen – laufen auf einen Punkt zu: 2029. Könnte es früher passieren? Ja.“ (65) Und im Februar 2026 warnte Breuer zusammen mit seinem britischen Amtskollegen Air Chief Marshal Rich Knighton davor, dass „Russland seine militärische Ausrichtung zunehmend nach Westen verlagert“. So würden die Russen ihre Streitkräfte so reorganisieren, dass das Risiko eines Konflikts mit der NATO steigt.
Im Oktober 2025 erklärte der neue Präsident des BND, Martin Jäger (Amtszeit: seit 15. September 2025) in einer Anhörung vor dem Bundestag, Russland wolle die NATO unterminieren und die Demokratien in Europa destabilisieren, er sprach von einer „neuen Qualität der Konfrontation“.
„Das Handeln Russlands ist darauf angelegt, die NATO zu unterminieren, europäische Demokratien zu destabilisieren, unsere Gesellschaften zu spalten und einzuschüchtern. Die hybriden Mittel, derer sich Russland dazu bedient, sind mittlerweile allgegenwärtig. In ihrer Häufigkeit stellen diese Einzelereignisse eine neue Qualität der Konfrontation dar. Eine Konfrontation, in welcher Russland uns als Gegner und als Kriegspartei betrachtet. Auf weitere Lageverschärfungen müssen wir uns vorbereiten. (…)
Toleranz, Zurückhaltung und Nachgiebigkeit werden uns von Gegnern wie Russland als Schwäche ausgelegt. Auch für den Bundesnachrichtendienst gilt daher: Wir müssen unsere Gegner konfrontieren, wo immer dies nötig ist. Dazu werden wir kontrolliert und konsequent höhere Risiken eingehen. Hierzu braucht es neben der gesellschaftlichen Akzeptanz den Rückhalt und das Vertrauen der Politik und des Gesetzgebers. Gemeinsam müssen wir das BND-Gesetz an den Realitäten unserer neuen Zeit ausrichten.“
Und:
„Um dieses Ziel zu erreichen, wird Russland, wenn nötig, auch eine direkte militärische Auseinandersetzung mit der Nato nicht scheuen. (…) Wir dürfen uns nicht zurücklehnen in der Annahme, ein möglicher russischer Angriff käme frühestens 2029. (…) Wir stehen schon heute im Feuer. (…) In Europa herrscht bestenfalls ein eisiger Friede, der punktuell jederzeit in heiße Konfrontation umschlagen kann. Wir müssen uns auf weitere Lageverschärfungen einstellen." (…) Europa soll von Furcht und Handlungsstarre gelähmt in die Selbstaufgabe getrieben werden. (…) So rechnet man sich in Moskau realistische Chancen aus, die eigene Einflusszone nach Westen auszuweiten und das wirtschaftlich vielfach überlegene Europa in die Abhängigkeit von Russland zu bringen."
vor der realen Gefahr eines militärischen Konflikts mit Russland gewarnt. Russland wolle die Nato unterminieren und die Demokratien in Europa destabilisieren, sagte Jäger in einer Anhörung vor dem Bundestag. "Um dieses Ziel zu erreichen, wird Russland, wenn nötig, auch eine direkte militärische Auseinandersetzung mit der Nato nicht scheuen", warnte der Chef des deutschen Auslandsgeheimdiensts. Am 13. Dezember 2025 erklärte Bundeskanzler Joachim-Friedrich Martin Josef Merz (CDU) auf dem CSU-Parteitag: „Wir sind nicht im Krieg, wir sind aber auch nicht mehr im Frieden.“ Zur russischen Bedrohung erklärte Merz: „Putin hört nicht auf. (…) Und wenn die Ukraine fällt, dann hört er nicht auf.“ Es gehe Putin „um die grundlegende Veränderung der Grenzen in Europa“ und um eine Wiederherstellung der Sowjetunion in ihren früheren Grenzen. Dies gehe einher „mit einer massiven Gefährdung, auch militärischen Gefährdung der Länder, die früher einmal zu diesem Imperium dazugehört haben“. Gleichzeitig stellte Merz fest, die traditionelle „Pax Americana“ gebe es „nicht mehr so, wie wir sie kennengelernt haben“. Nun gehe es um „die Aufrechterhaltung des Nato-Bündnisses, so lange es eben geht“. (66)
Aber wie ist die Bundesrepublik auf einen militärischen Konflikt vorbereitet? Sobald die NATO ihren „Bündnisfall“ (lat.: Casus Foederis) verkündet hat, muss dieser Status erst noch in nationales Recht umgesetzt werden, im Falle der Bundesrepublik wäre dies der „Verteidigungsfall“ (V-Fall). „Bündnisfall“ und „Verteidigungsfall“ sind juristisch keineswegs deckungsgleich, beide meinen aber „Krieg“. Wenn die NATO den „Bündnisfall“ ausgerufen hat, kann die BRD den „Verteidigungsfall“ verkünden, muss es aber nicht. Umgekehrt gilt, wenn die BRD den „Verteidigungsfall“ festgestellt hat, kann sich die NATO dem anschließen und den „Bündnisfall“ verkünden, es sei denn, jemand legt im NAC sein Veto ein. Nach deutschem Recht kann dem „Verteidigungsfall“ ein „Spannungsfall“, also eine internationale Krise, vorausgegangen sein, muss aber nicht.
Der Verteidigungsfall wird gemäß Artikel 115a des Grundgesetzes (GG) durch den Bundestag bzw. dessen „Gemeinsamen Ausschuss“ mit Zweidrittelmehrheit im Verein mit dem Bundesrat festgestellt und durch den Bundespräsidenten verkündet. Allerdings sind die gesetzlichen Verfassungsbestimmungen schwammig genug, um alle möglichen Lagen abdecken zu können. So kann der Bundespräsident auch im Nachhinein verkünden, dass sich die Bundesrepublik seit Tagen im Krieg befindet, obwohl das niemand zuvor bemerkt hatte.
Nach Artikel 65a GG hat zunächst der Verteidigungsminister die Befehls- und Kommandogewalt inne. Diese Befugnisse gehen mit der Verkündung des Verteidigungsfalles auf den Bundeskanzler als „Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“ (IBuK) über. Was der Bundeskanzler dann konkret machen soll und machen kann, darüber schweigen sich die veröffentlichen staatlichen Dokumente aus. Allgemein ist nur davon die Rede, dass er die Notstands- und Sicherstellungsgesetze exekutiert. Nicht zuletzt könnte der Kanzler von seiner Kommandozentrale in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Wedding (Kurt-Schumacher Damm) zum angrenzenden, stillgelegten Flughafen Berlin-Tegel eilen, um mit einer Transportmaschine nach Florida (USA) zu enteilen.
Die nationalen Abstimmungs- und Entscheidungsfindungsprozesse im Kriegsfall wurden alle zwei Jahren in der FALLEX-, später WINTEX-Manöverserie durchgespielt, dazu zog sich die Bundesregierung in ihren damaligen Kriegsbunker, der „Außenstelle Dernau“ im Ahrtal zurück.
Abgesehen davon, dass die Bundesrepublik weitgehend auf die Produktion und den Besitz nuklearer Waffen verzichtet hat, ist die BRD aufgrund ihrer geographischen Größe, ihrer zentralen Lage in Europa, ihrer Bevölkerungsgröße, ihrer Wirtschaftskraft und der Stärke der Bundeswehr immer noch die führende Militärmacht in Europa, was von den Nachbarstaaten manchmal mit Skepsis betrachtet wird. Dennoch hat auch die Bundeswehr erhebliche Probleme. Gerade deshalb meint der frühere, zivile Vizepräsident des BND, Arndt Freytag von Loringhoven (Amtszeit: 2007 bis 2010) und Beigeordneter Generalsekretär der NATO für Nachrichtenwesen und Sicherheit (Amtszeit: 1. Dezember 2016 bis 2. Dezember 2019), dass die BRD im Visier der Russen stehe und fordert Gegenmaßnahmen:
„Es gibt inzwischen Erkenntnisse, dass kurz nach der Invasion der Ukraine 2022 im Kreml beschlossen wurde, Deutschland zum wichtigsten Ziel in Europa zu machen. Zum einen, weil die Bundesrepublik innerhalb der EU und der Nato sehr einflussreich ist, etwa wenn es um Waffenhilfe für die Ukraine oder um Sanktionen gegen Russland geht. Zum anderen sieht Moskau Deutschland – leider nicht zu Unrecht – als fruchtbaren Nährboden für russische Propaganda, Einflussnahme und Manipulationen. (…)
Man hat für die wichtigsten Länder in Europa individuelle und den Verhältnissen angepasste Ziele gesetzt. Ganz vorne steht der Versuch, eine Entsolidarisierung mit der Ukraine zu erreichen. In Deutschland wird besonders intensiv daran gearbeitet, der militärischen Unterstützung Kiews den Boden zu entziehen; indem man Stimmen verstärkt, die die Gefahr einer Eskalation beschwören und die vor einem Hineinziehen Deutschlands in den Krieg und auch den ökonomischen Folgen der Waffen- und Flüchtlingshilfe warnen. Damit werden nicht nur Ängste in der Bevölkerung geschürt, sondern auch eine ablehnende Haltung zu Waffenlieferungen erzeugt, die wiederum Einfluss auf die politische Willensbildung haben.
Ein übergeordnetes Ziel des Kremls besteht darin, Verwirrung zu stiften, und Amtsträger und traditionelle Medien zu diskreditieren, um das Vertrauen in unseren Staat zu untergraben.“ (67)
Das Politikergelaber von der „Friedensdividende“ hat ein weitgehend wehrloses Land hinterlassen. Es fehlt an allem: Personal, Waffensystemen, Ausrüstung und Kasernen. Zwar sind die Zeiten vorbei, als Bundeswehrsoldaten ins Manöver zogen und laut „Peng“ riefen, um Munition zu sparen. Dennoch sind die Folgen, die die Christdemokraten, Sozialdemokraten und Gründemokraten den deutschen Streitkräften durch ihre jahrzehntelange Sparpolitik aufgebürdet haben, noch für Jahre nicht überwunden.
So erklärte der damalige Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Heribert August Mais (Amtszeit: 13. Februar 2020 bis 1. Oktober 2025), am 24. Februar 2022 freimütig:
„Das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da. Die Optionen, die wir der Politik zur Unterstützung des Bündnisses anbieten können, sind extrem limitiert. Wir haben es alle kommen sehen, und waren nicht in der Lage, mit unseren Argumenten durchzudringen, die Folgerungen aus der Krim-Annexion zu ziehen und umzusetzen. (…) Wann, wenn nicht jetzt, ist der Zeitpunkt, den Afghanistaneinsatz strukturell und materiell hinter uns zu lassen und uns neu aufzustellen.“ (68)
Angesichts dieser Situation fragt man sich, wie die Generalstäbe unter diesen Bedingungen überhaupt noch militärische Operationspläne erstellen wollen. Unter dem Etikett „Operationsplan Deutschland“ (OPLAN DEU) wurde lediglich ein allgemeines Gesamtverteidigungskonzept verkündet. (69)
Jetzt soll die aktive Personalstärke der Bundeswehr von derzeit 186.000 Dienstposten auf 260.000 Stellen bis 2035 hochgefahren werden. Zusammen mit den Reservisten wird eine Kriegsstärke von 460.000 Mann angestrebt. (70)
Außerdem wird – trotz der astronomischen Staatsverschuldung von ca. 2,8 Billionen Euro - überhastet Milliarde um Milliarde aus dem Verteidigungshaushalt und dem nicht existenten „Sondervermögen“ in die Rüstung gepumpt. Der Verteidigungshaushalt verdoppelt sich von 77,6 Milliarden Euro (2024) auf geplante 152 Milliarden Euro (2029). (71) Insgesamt will man bis 2030 700.000.000.000 Euro verpulvern. Aber ob die Gelder auch sinnvoll eingesetzt werden, ist überaus fraglich. So ergehen weiterhin Aufträge an Rüstungsfirmen, ohne dass der Beschaffungsprozess auch nur im Ansatz geändert worden wäre. Von unverbindlicher „Entbürokratisierung“ ist die Rede. Der Auftrag an den Bundesverteidigungsminister lautet aber nicht Produktion von Managervillen, sondern Landesverteidigung.
Prof. Dr. Moritz Schularik, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), warf dem BMVg vor, es sie ein „sehr langsames Ministerium“ und kritisierte:
„Wir haben viel Kapital, viel industrielles Know-how und in Teilbereichen auch immer noch hochmoderne Technologien. (…) Was wir nicht haben, sind Hunderttausende Menschen, die in Panzer steigen und an die Front fahren möchten. Das heißt: Statt auf mehr Soldaten, mehr bemannte Fahrzeuge und mehr Kasernen müssen wir – wo immer möglich – auf KI, Robotik, Drohnen und Satellitentechnik setzen.“
Und:
„Nichts ist teurer als die groteske Ineffizienz in der Rüstung.“
André Wüstner, Vorsitzender des Bundeswehrverbandes, forderte eine massive Ausweitung der Rüstungsproduktion:
„Die Rüstungsindustrie muss schneller als bisher ihre Produktionskapazitäten erhöhen, idealerweise endlich in einen Mehrschicht-Betrieb übergehen und gleichzeitig gemeinsam mit der Bundesregierung einen „Kick-Down“ entwickeln, um bei weiterer Eskalation in eine Art Kriegswirtschaft zu gelangen. Nicht nur die Osteuropäer sprechen bereits von einer Vorkriegsphase und stärken ihre Verteidigungsfähigkeit mit Hochdruck. Das müssen auch wir jetzt tun! (…)
Auf Donald Trump als Verbündeten ist kein Verlass. 2029 als Fixpunkt für den Gipfel russischer Bedrohung ist optimistisches Wunschdenken. Die Gefahr besteht bereits jetzt – und sie wird täglich größer. Durch das Verhalten Trumps und durch Europas militärische Schwäche ist eine Abschreckungslücke entstanden, die schnellstens geschlossen werden muss.“ (72)
Der Generalinspekteur hat seinerseits am 19. Mai 2025 eine interne Weisung „Prioritäten GenInsp zur Steigerung der Einsatz- und Verteidigungsbereitschaft“ (4 Seiten) erlassen:
„Im Rahmen meiner gesamtplanerischen Verantwortung lege ich folgende übergeordnete Prioritäten fest:
- Maximale Erhöhung der Einsatzbereitschaft durch Erhöhung der materiellen Einsatzfähigkeit, Vollausstattung und Digitalisierung der Gesamtheit der Truppenkörper einschließlich Reserve und Heimatschutz;
- Stärkung des Schutzes vor Bedrohungen aus der Luft, der Integrierten Raketenabwehr, der Luftverteidigung kurzer und mittlerer Reichweite sowie Flugabwehr, insb. zur Abwehr von fliegenden Drohnen und Drohnenschwärmen;
- Aufbau der Fähigkeit zum weitreichenden und präzisen kinetischen Wirken (Deep Precision Strike);
- Schließung bestehender Lücken in den Munitionsvorräten und dimensionsübergreifende Erhöhung der Bevorratungshöhen für alle Munitionsarten;
- Beschaffung von Drohnen und Loitering Munition zum Einsatz in einem KI-optimierten und dimensionsübergreifend anschlussfähigen Aufklärungs- und Wirkungsverbund;
- zügiger Ausbau der Fähigkeiten zum elektronischen Kampf zur unmittelbaren taktischen Unterstützung;
- Stärkung der Befähigung zum Kampf, insb. der zur Bündnisverteidigung zu befähigenden Großverbände, der dafür notwendigen Kampf- und Einsatzunterstützung, insb. durch (weitreichende) Artillerie und Pionierfähigkeiten sowie Stärkung der logistischen Durchhaltefähigkeit;
- Ausbau und weitergehende Befähigung moderner Luftangriffskapazität, inkl. Nuklearer Teilhabe, zukunftsfähiger Seekriegsmittel sowie offensiver und defensiver Fähigkeiten im Cyberraum;
- Aufbau verteidigungsfähiger resilienter Weltraumarchitektur inklusive offensiver/defensiver Fähigkeiten;
- Sicherstellung der Aufwuchsfähigkeit der für die Landes- und Bündnisverteidigung und den militärischen Anteil der Gesamtverteidigung erforderlichen Kräfte und Fähigkeiten durch Wehrdienst, Reserve und Heimatschutzkräfte;
- Beschleunigter Ausbau und Schutz verteidigungswichtiger Infrastruktur, synchron mit der Fähigkeitsentwicklung, insb. Lagerkapazitäten sowie Sicherstellung der Aufwuchsfähigkeit.“ (73)
Da der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) weiterhin an klassischer Beschaffungspolitik festhält und bereits mit seinen Fregattenplänen „F126“ Schiffbruch erlitten hat, hat der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) damit begonnen, wenigsten die Bundespolizei moderner aufzustellen. Hierzu zählen die Gründung des „Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums“ (GDAZ) am 17. Dezember 2025 in Berlin, das allerdings über keine operativen Kompetenzen verfügt, die Gründung der Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei am 2. Dezember 2025 auf dem Luftstützpunkt in Ahrensfelde, die 300 Dienstposten bekommen soll, die bundesweit auf acht Standorte (u. a. Berlin-Schönefeld, Frankfurt/Main, Leipzig-Halle und München-Riem) verteilt werden. (74) Hinzu kommt eine Forschungsstelle in Cochstedt. Außerdem erfolgte die Gründung des „Gemeinsamen Zentrums zur Abwehr hybrider Bedrohungen“ (GAZ Hybrid) am 16. Juni 2026 ebenfalls in Berlin.
So ist die Bundesrepublik im Vorfeld militärischer Auseinandersetzungen schlecht aufgestellt: Wegen des Verdachts fremder Agententätigkeit haben deutsche Polizeibehörden in 2025 mindestens 104 Delikte der Nachrichtendienste der verschiedenen Länder an den Kriminalpolizeilichen Meldedienst für Politisch motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) gemeldet. (75)
Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden registrierte in 2025 1.289 verdächtige Drohnenüberflüge, die z. T. als „Ausspähung“ eingestuft wurden. Dabei wurden 2.310 Drohnen gesichtet.
Außerdem vermeldete das BKA für 2025 in einem „Bundeslagebericht“ 321 Verdachtsfälle von Sabotage. Betroffen war insbesondere die „Deutsche Bundesbahn“, was weitreichende Schäden nach sich zog, aber auch Energie- und Wasserversorgung, Flugverkehr, Bundeswehr, Polizei, etc.. Die meisten Vorfälle gab es in Nordrhein-Westfalen (88 Vorfälle), Niedersachsen (51x), Bayern (30x) und Sachsen (30x), usw.. Um die verschiedenen Vorfälle zu erfassen und auszuwerten richtete das BKA im Oktober 2025 die Informationssammelstelle „Zeitenwende“ ein. (76)
Auch bei der Terrorismusabwehr gibt es überraschend viele Defizite: In der Nacht zum 3. April 1968 verübten vier Personen aus dem Studentenmilieu (Andreas Bernd Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein) einen Brandanschlag auf das Kaufhaus „M. Schneider“ und den „Kaufhof“ auf der Frankfurter Zeil. Die Tat war als politischer Protest gegen den Vietnamkrieg gedacht. Ein Jahr später gründeten Baader und Enslin die „Rote Armee Fraktion“ (RAF), Dies ist jetzt fast sechzig Jahre her, dennoch zeigen der islamische Anschlag durch Abdul Rahman T. Ballout auf die Demonstration zum Christopher-Street-Day in Berlin am 26. Juli 2026 (1 Tote und 31 Verletzte) und die Kampfdrohne am Flughafen Leipzig/Halle am 5. August 2026, dass die deutschen Staatsschutzbehörden und die Justiz nicht dementieren können, dass sie angesichts ihres Behördengerangels wie ein Haufen Dilettanten agieren.
Der BKA-Präsident Holger Münche stellte dies in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung im Dezember 2025 allzu geschönt dar:
„Was wir haben, ist ein sogenanntes Grundrauschen. Nur um eine Zahl zu nennen: Im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum ist die Zahl der Fälle, die wir aktuell bearbeiten, 20 Prozent höher als im letzten Jahr. Wir werden sehr früh aktiv, auch wenn wir noch nicht wissen, ob etwas Konkretes geplant ist. Sobald ein Hinweis auf verdächtige Personen besteht, handeln wir. Aber es bleibt immer ein gewisses Risiko. Denn allein handelnde Täter agieren sehr häufig mit einfachen Mitteln wie Fahrzeugen oder Messern. Das braucht keine komplexe Vorbereitung, die wir dann noch am ehesten mitbekommen.“ (77)
Hinzu kommen Desinformationskampagnen, die sich nicht genau quantifizieren lassen, aber insbesondere darauf abzielen, die Wahlen in der BRD zu beeinflussen und die Bevölkerung gegen die deutsche Ukraine-Hilfe einzunehmen. So versuchte die An-Organisation beim GRU, „Storm 1516“ die Bundestagswahlen vom 23. Februar 2025 zu beeinflussen. Im Jahr 2026 startete der GRU die Operation MATRJOSCHKA, um die drei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zu manipulieren. Obwohl diese Einmischungsversuche auf die Kernbereich der „Demokratie“ abzielen, weigert sich die Bundesregierung, die diplomatischen Beziehungen zu Russland abzubrechen und die russische Botschaft in Berlin (Unter den Linden) zu schließen.
Angesichts des Trennungsgebotes zwischen Nachrichtendiensten und Polizei sollen die drei Nachrichtendienste des Bundes und der Länder (ÄfV, BND, MAD) (erstmals) selbst mit operativen Kompetenzen ausgestattet werden. Einen entsprechenden Beschluss fasste das Bundeskabinett am 12. August 2026. Bisher agierte der BND fast ausschließlich als wehrlose Informationssammelbehörde, dazu betreibt die Behörde in ihrer Zentrale in Berlin-Mitte (Chausseestraße) ein Führungs- und Informationszentrum (FIZ) im Dauerbetrieb 24/7. Exekutive Befugnisse standen dem BND nicht zu. Von den 6.500 Mitarbeitern des Dienstes waren zudem jeweils nur 300 bis 400 Personen gleichzeitig im Ausland eingesetzt. Die meisten Agenten hatte der deutsche Auslandsgeheimdienst dann im Ausland positioniert, wenn in Berlin und Bayern gleichzeitig Sommerferien waren. Im Jahr 2023 kritisierten die ehemaligen Präsidenten des BND, August Hanning (Amtszeit: 17. Dezember 1998 bis 30. November 2005) und Gerhard Schindler (Amtszeit: 7. Dezember 2011 bis 30. Juni 2016), der BND sei derart überreguliert und in der Aufgabenausführung eingeschränkt, dass sie ihn als „zahnlos“ und nicht „auf Augenhöhe“ mit anderen westlichen Diensten wahrnahmen. Ihrer Ansicht nach könne der BND der Terrorismus- und Auslandsaufklärung nicht nachkommen und müsse diese deswegen auf ausländische Nachrichtendienste auslagern. Dabei war es Hanning selbst, der den Bereich Gegenspionage beim BND (vormals Abt. 1, 12L) Anfang der Nullerjahre eingestampft hat.
Bei Vorfällen blieb es bisher die Sache der Bundesregierung, ausländische Agenten des Landes zu verweisen oder Sanktionen zu verhängen. In Zukunft darf sich der BND selbst wehren, indem er bei ausländischen Cyberaktionen „hackback“-Gegenangriffe starten darf. Vermutlich darf der BND (gegebenenfalls) auch Sabotageaktionen durchführen, Mordanschläge auf russische Geheimdienstoffiziere bleiben ihm untersagt. Diese Kompetenzerweiterung ist überfällig, aber sie muss unterfüttert werden durch eine schärfere parlamentarische Überwachung. Dies ist nur möglich, wenn alle im Bundestag vertretenen Parteien im Kontrollgremium vertreten sind, also auch die olle „Alternative für Deutschland“ (AfD). Nun muss der Bundestag diese „Kröte“ schlucken oder auch nicht.
Gegen die Machtausweitung der Nachrichtendienste protestiert eifersüchtig die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die einen Bedeutungsverlust und Kürzungen beim tollen Polizeiapparat befürchtet. Die Bullen in ihren schicken, aufgerödelten Uniformen wollen weiterhin ein Privileg darauf haben, erwachsenen, deutschen Staatsbürgern auf den Sack zu gehen.
Je nachdem wo ein russischer Angriff erfolgt, müsste die Bundesregierung ihre Truppen vor Ort einsetzen, Verstärkungen heranführen und im Inland Notstandsmaßnahmen ergreifen, um die Bewegungsfreiheit der Truppenteile und die Versorgung der Zivilbevölkerung sicherzustellen. Sofern militante Sabotagetrupps eingesetzt werden, müssen drakonische Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Hier stellt sich dann auch die Frage, wie mit den prorussischen Bevölkerungsteilen (AfD, Linkspartei, DKP und BSW) umzugehen ist, mag die „fünfte Kolonne“ bekanntlich auch aus nützlichen oder unnützen „Idioten“ bestehen.
Angesichts der Einführung eines neuen Gesetzes für eine „freiwillige Wehrpflicht“ zum 1. Januar 2026 stieg die Zahl der Kriegsdienstverweigerungsanträge beim „Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“ (BAFzA) im ersten Halbjahr auf 5.862 Anträge, während in 2025 insgesamt nur 3.879 Anträge eingereicht worden waren. (78) Wieviele aktive Soldaten einen KDV-Antrag eingereicht haben, wurde nicht mitgeteilt.
Die zunehmende Kriegsgefahr wird von der Zivilbevölkerung ansatzweise gesehen und verstanden, aber sie hat sich an die abendlichen Opferzahlen der „Tagesschau“ aus der Ukraine gewöhnt, wie an das tägliche Abendbrot. Sollte der Konflikt länger andauern oder sich horizontal ausweiten, wäre die deutsche Zivilbevölkerung in stärkerem Maße betroffen. So bleib unklar, wie die Bevölkerung angesichts der Deklaration des „Bündnisfalles“ bzw. eines „Dritten Weltkrieges“ massenhaft reagieren wird.
Hier stellt sich die Frage nach der frenetischen Landesverteidigungsbegeisterung. Es ist der ausdrückliche Wunsch der seit 1949 herrschenden bürgerlichen Parteien CDU/CSU und SPD, dass die demokratische Vermögensverteilung so aussieht, dass zehn Prozent der Bevölkerung über neunzig Prozent des Volksvermögens verfügen, während sich der Rest den Rest teilt. So fragt man sich, was die meisten Deutschen eigentlich zu verteidigen haben. Den größten Besitz, den die meisten ihr Eigen nennen, ist das eigene Auto. Dieses verteidigt man nicht, damit flieht man!
Für den Zivilschutz ist eigentlich das „Bundesministerium des Innern und für Heimat“ (BIM) zuständig, das dafür die Abteilung ZV „Zivile Verteidigung, Katastrophenhilfe und Waffenrecht“ unter der Leitung von Ministerialdirektorin Andrea Schumacher eingerichtet hat. Außerdem ist die Abteilung für Cybersecurity und den Schutz Kritischer Infrastruktur (KRITIS) verantwortlich. Direkt beim Staatsekretär Hans-Georg Engelke (Amtsantritt: 1. August 2015) ist der Stab KH „Krisenreaktion; Hybride Bedrohungen; NSR-Koordinierung“ unter der Leitung von Ministerialdirigent Hans Dietz angeordnet. Ihm sind vier Dienststellen unterstellt: die PG K „NSR-Koordinierung; Krisenreaktion“ (PG = Projektgruppe), das Referat KH 2 „Lagezentrum“, das Referat KH 3 „Hybride Bedrohungen; Desinformation“ und die PG ZEAM „Zentrale Stelle zur Erkennung ausländischer Informationsmanipulation. Da aber keine öffentlichen Schutzbauten mehr vorhanden sind, und die ganzen „Blaulichtorganisationen“ über Personal-, Geld-, und Ausrüstungsmängel klagen, bleibt der eigene Schutz zu 100 Prozent Privatsache. Damit kein Staatsbürger auf die Idee kommt, im Bundesinnenministerium anzurufen und nach seinem Bunkerplatz zu fragen, hat das aktuelle Organigramm – anders als früher – keine Telefonnummern mehr ausgewiesen.
Wichtig ist, dass man sich in seiner eigenen Lagebeurteilung nicht durch das konsumgeile Alltagsverhalten der Zivilisten in der Nachbarschaft oder durch die Propaganda staatlicher TV-Sender in keinster Weise ablenken lässt.
Politische Rahmenbedingungen
- USA
Seit Januar 2018 werden die USA von einem Präsidenten regiert, der – aus welchen Gründen auch immer – eine ausgesprochen russophile Haltung an den Tag legt, während Donald Trump wiederholt gedroht hat, aus der NATO auszutreten. Zwar hat er sich zu diesem Schritt noch nicht entschlossen, dennoch bestehen massive Zweifel an der U.S. Bündnistreue. Diese Zweifel sind keineswegs neu. Sie kamen erstmals Mitte der fünfziger Jahre auf, kurz nachdem die Bundesrepublik der Allianz beigetreten war. Die damalige Atomkriegsplanung der Amerikaner stieß auf heftigen Widerspruch von Seiten der Bundeswehrgeneralität. Sie vermutete, dass die Amerikaner die BRD im Kriegsfall vernichten und sich dann in die USA zurückziehen würden. Ein Vierteljahrhundert später nahm die Friedensbewegung diesen Gedanken auf und protestierte gegen einen „auf Europa begrenzten Atomkrieg“. Die USA haben den Ersten Weltkrieg und den Zweiten Weltkrieg ohne Kampfhandlungen auf eigenem Territorium überstanden, warum sollte dies im Dritten Weltkrieg ungünstiger verlaufen. Eine Möglichkeit, die USA zum militärischen Beistand in einem Broken-back-war zu zwingen, haben die Europäer nicht.
Angesichts der Annektionsgelüste der U.S. Regierung gegenüber Grönland, das zum NATO-Staat Dänemark gehört, könnte die USA von einem unzuverlässigen Bündnispartner zu einem Feindstaat werden.
So agiert U.S. Präsident Donald John Trump nicht mehr wie ein „primus inter pares“, sondern autoritär wie ein eitler „primus“. Die Europäer haben dem wenig entgegenzusetzen, da sie auf Dauer von den USA militärisch und militärpolitisch abhängig bleiben. Gleichzeitig sind die USA durch ihren Angriff auf den Iran militärisch am Persischen Golf gebunden, zumal wenn es zu einem Einsatz von U.S. Bodentruppen kommen könnte. Der vorprogrammierte Misserfolg der Republikaner bei den „midterm elections“ am 3. November 2026 könnte den greisen Präsidenten zusätzlich politisch schwächen, wenn er seine Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verliert.
Hinzu kommt, dass der U.S. Präsident zu militärischen Alleingängen neigt, womit er seine europäischen Bündnispartner wiederholt in politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat, wie der Zusammenbruch der Rohöllieferungen aus dem Persischen Golf 2026 gezeigt hat. So kritisierte der Verteidigungsausschuss des schwedischen Parlaments in seinem Bericht vom 12. Juni 2026:
„Unter der aktuellen Regierung hat sich die US-Außen- und Sicherheitspolitik dramatisch verändert. Die Aktionen zeichnen sich in hohem Maße durch Unvorhersehbarkeit, schnelle Veränderungen, Transaktionalismus, härtere Rhetorik und eine erhöhte Neigung zum eigenständigen Einsatz militärischer Gewalt aus, die in manchen Fällen durch das Völkerrecht nicht gestützt wurde.“ (79)
Immerhin will der U.S. Präsident den Militärhaushalt um über 50 Prozent auf 1.500.000.000.000 Dollar erhöhen. Dies lehnen die Demokraten im U.S. Kongress ab.
Da die NATO-Mitglieder viele ihrer Waffensysteme an die Ukraine abgegeben haben und die USA seit einem halben Jahr eine Materialschlacht am Persischen Golf führen, über 13.000 Ziele im Iran und 8.500 iranische Flugkörperangriffe mussten abgewehrt werden, droht die Verteidigungsfähigkeit der NATO schon an einem schnöden Munitionsmangel zu scheitern. So feuerten die USA im Irankrieg 1.300 Kurzstrecken-Boden-Boden-Raketen ARMY TACTICAL MISSILE SYSTEM (ATACMS) ab, 850 Marschflugkörper TOMAHAWK und über 1.000 Abwehrraketen der Typen TERMINAL HIGH ALTITUDE AREA DEFENSE (THAAD) und PATRIOT. Die Kriegsvorräte an ATACMs, die Hälfte der THAAD und ein Drittel der PATRIOT sind aufgebraucht. Die Aufstockung der Vorräte wird Jahre dauern. Angesichts dieses Verschleißes geriet Donald Trump sogar mit seinem doofen Gotteskrieger im Pentagon aneinander. Kriegsminister Peter Brian „Pete“ Hegseth und der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, General John Daniel „Dan“ Caine haben den Kongress um 58,3 Milliarden Euro gebeten, um die Waffenbestände wieder aufzufüllen, aber die Republikaner im Senat sind noch unschlüssig. Außerdem dauert der Bau jeder einzelnen PATRIOT-Rakete bis zu zwei Jahre. (80) Mit der Munition schrumpfen auch die zukünftigen Entscheidungsoptionen der Politiker.
Darüber hinaus hat Trump wiederholt angekündigt, er will die U.S. Truppen in Europa um mindestens 5.000 Soldaten kürzen. Noch ist mal wieder nichts endgültig entschieden. Allerdings wird die Militärhilfe für die baltischen Staaten durch die USA im Rahmen der „Baltic Security Initiative“ (BSI) im kommenden Jahr eingestellt. Immerhin bleiben die U.S. Streitkräfte in Polen noch mit dem 1st U.S. Armored Brigade Combat Team (ABCT) (ca. 3.500 Soldaten) präsent. Hingegen wurde die Entsendung eines 2nd Armored Brigade Combat Team der 1st Cavalry Division im Mai 2026 kurzfristig und überraschend abgesagt.
Außerdem hat eine hohe Zahl von U.S. Soldaten mit Beginn des Irankrieges am 28. Februar 2026 einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, um eine vorzeitige Entlassung aus dem aktiven Dienst zu bewirken. (81) Während die russischen Streitkräfte massiv ausgebaut werden, schrumpft die U.S. Army.
- Europa
Zu den politischen Rahmenbedingungen zählt auch, dass in Europa in der zweiten Jahreshälfte 2026 mehrere Regierungswechsel anstehen, so dass die Kontinuität und Handlungsfähigkeit der einzelnen Länder in Frage gestellt ist.
- Im Vereinigten Königreich wurden Keir Rodney Starmer am 20. Juli 2026 durch seinen Labour-„Parteifreund“ Andrew Murray „Andy“ Burnham abgelöst, der zwischen 2006 und 2010 auf Landesebene Erfahrungen als Minister sammeln konnte, aber bisher vor allem als Bürgermeister von Manchester (Amtszeit: 2017 bis 2026) auf der kommunalpolitischen Ebene aktiv war.
- In der BRD rechnet man damit, dass angesichts des Misserfolgs der schwarz-roten Regierung Bundeskanzler Joachim-Friedrich Martin Josef Merz (CDU) (Amtsantritt: 6. Mai 2025) durch seine eigene Partei gestürzt wird. Zur Begründung heißt es lapidar, „er kann es nicht“. Es bleibt abzuwarten, ob es dazu kommt; vielleicht ist die CDU-Personaldecke zu dünn, um einen qualifizierten Nachfolgekandidaten zu benennen. Nach Ludwig Wilhelm Erhard (30. November 1966) wäre es erst das zweite Mal, dass ein christdemokratischer Bundeskanzler durch die eigene Partei gestürzt wird. Nachfolger wurde damals Kurt Georg Kiesinger (NSDAP/CDU).
Gleichzeitig ist eine dauerhafte Krise der bürgerlichen „Volksparteien“ festzustellen Während die CDU in ihren 15 Bundesländern noch auf rund 18 Prozent kommt, ist die SPD auf elf bis zwölf Prozent abgestürzt. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 „droht“, dass die SPD erstmals an sich selbst und der Fünf-Prozent-Hürde scheitert und nicht länger in einem Landtag vertreten ist. Stattdessen könnte die rechtsradikale AfD erstmals in einem Bundesland den Ministerpräsidenten stellen, dies wäre für die Geschichte der BRD eine Zäsur.
- In Frankreich neigt sich die Herrschaft des unbeliebten Staatspräsident Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron (Amtsantritt: Mai 2017) von der Partei „Renaissance“ (RE) ihrem Ende zu. Die nächste „Élection présidentielle française“ findet am 18. April 2027 statt. Während Marcon dann nicht mehr kandidiert, macht sich die korrupte Marine Le Pen von der rechtsradikalen Rassemblement National (RN) (vormals Front Nationale [FN]) Hoffnungen auf den Wahlsieg. In aktuellen Meinungsumfragen drücken rund 35 Prozent der Wähler ihre Sympathien für Le Pen aus.
Diese Regierungswechsel in Kernländer der NATO kann die Entscheidungs- und Reaktionsfähigkeit der NATO in zeitkritischen Krisensituationen behindern. Darüber hinaus unternimmt die politische Führung Russlands seit Jahren Anstrengungen, um in verschiedenen NATO-Staaten die Regierungs- bzw. Präsidentenwahlen (erfolgreich) zu manipulieren, um so „von oben“ Einfluss auf die NATO-Politik zu nehmen.
Indikationsforschung
In den Hauptstädten der Welt sind jederzeit eine Menge Journalisten unterwegs, die versuchen, die politischen Entwicklungen möglichst genau zu erfassen. Dazu hat jeder sein eigenes Netzwerk an Zuträgern aus staatlichen Behörden aufgebaut, der eine erfolgreicher als der andere. Die macht es für die agierenden Politiker manchmal schwierig, ihre „Geschäfte“ vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen, obwohl Geheimhaltung aus Gründen der Staatsräson manchmal geboten erscheint.
So war es Mitte Oktober 1962 in Washington, als dem ein oder anderen Journalisten auffiel, dass im Pentagon nach dem eigentlichen Feierabend noch ungewöhnlich viele Bürofenster erhellt waren. Hätten die Journalisten einen Gebäude- und Geschäftsverteilungsplan gehabt, hätten sie vielleicht weitergehende Schlüsse auf das geheime Treiben ziehen können. Jedenfalls wussten die um Geheimhaltung bemühten Politiker um die Neugier der Presseleute. Statt mit fünft Staatslimousinen am Weißen Haus vorbeizufahren, zwängten sich die hohen Staatsbediensteten zu fünf in eine Limousine und nutzen einen Seiteneingang, um an einer geheimen Lagebesprechung des Executive Committee (ExCom) teilzunehmen. Nicht zuletzt durch den Druck auf die Zeitungsverleger gelang es, die „Kuba-Krise“ für ein paar Tage geheim zu halten, bis Präsident John F. Kennedy sie am 20. Oktober 1962 in einer berühmten Fernsehansprache öffentlich bekannt gab.
Spätestens seit der Kuba-Krise weiß man, wie wichtig Beobachtungen auch kleinerer Veränderungen sein können. Es kommt nicht unbedingt auf die Größe einer Beobachtung an, sondern auf deren Anzahl, um zu einem realitätstüchtigen Lagebild zu kommen.
Anfang der achtziger Jahre sah die sowjetische Regierung on der aggressiven Militärpolitik der Neokonservativen den Versuch, die Sowjetunion und den Warschauer Pakt zu zerschlagen. Dagegen mobilisierte KP-Generalsekretär Leonid Breschnew seine Geheimdienste. Der zivile KGB und der militärische GRU starteten im April 1981 ihre größte gemeinsame Aktion in Friedenszeiten: Operation RAKETNO-YADERNOYE NAPADENIE (= atomarer Raketenangriff - RYAN). Die Operation RYAN wurde entwickelt auf Grundlage der Erkenntnisse über die Alarm- und Kriegsplanung der NATO und ihrer Notstandsvorbereitungen. Diese machten – nach Einschätzung der sowjetischen Nachrichtendienste - deutlich, dass die amerikanischen Neokonservativen bereits damals auf eine Politik (atomarer) Präemptiv- und Präventivschläge, wie zum Beispiel Enthauptungsschläge, setzten.
Daher wurden die sowjetischen Geheimdienstniederlassungen im Ausland angewiesen, auf den kleinsten Hinweis für einen bevorstehenden Atomangriff zu achten. So erhielten die KGB-Residenten am 17. Februar 1983 die Direktive Nr. 374/PR/52, die zwanzig Indikatoren für einen unmittelbaren Kriegsbeginn auflistete:
„Halte die wichtigsten Regierungsinstitutionen, Hauptquartiere und anderen Anlagen, die an der Vorbereitung eines atomaren Raketenangriffs beteiligt sind, unter ständiger Beobachtung. (..) Bestimme das 'normale Tätigkeitsniveau' dieser Ziele während und außerhalb der Arbeitsstunden, z. B. die äußeren Merkmale ihrer täglichen Aktivitäten unter normalen Bedingungen (Differenzen der Zahl der dort geparkten Autos am Tage und am Abend, die Zahl der beleuchteten Zimmer während und nach der Arbeitszeit und Aktivitäten um diese Ziele herum an arbeitsfreien Tagen). Finde, auf Basis der festgestellten 'normalen Tätigkeitsniveaus', jede Veränderung dieser Merkmale bei Sonderkonferenzen in einer Krisensituation heraus.“
In einer weiteren KGB-Direktive Nr. 14954/KR vom 12. August 1983 nannten weitere sechzehn Notstands-Indikatoren für einen bevorstehenden Kriegsbeginn:
„Verschärfung der repressiven Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden gegen progressive Organisationen und Personen, (..) Beschränkungen für die Nutzung des Telefon- und Telegraphennetzes für Privatpersonen, Verschärfung der militärischen Zensur und Einführung von Postkontrollen, (..).“ (82)
Zu derselben Zeit machte sich auf der Gegenseite die Central Intelligence Agency (CIA) Gedanken darüber, wie sie die hypothetischen bzw. realen Kriegsvorbereitungen der Sowjets erfassen könnte. Zwei Wochen vor Beginn der Stationierung der atomaren Mittelstreckenraketen Pershing II XR hatte die NATO die atomare Stabsrahmenübung ABLE ARCHER (7. bis 11. November 1983) durchgeführt. Dies nährte bei den Sowjets den Verdacht, dass ein Atomangriff der NATO unmittelbar bevorstehen würde, so dass die sowjetische Regierung ihre Atomstreitkräfte in der DDR, Polen und z. T. auch in der UdSSR in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzte. Die USA bzw. die NATO bekamen davon kaum etwas mit und haben von dem sowjetischen Atomalarm erst später erfahren. Im „National Intelligence Daily“ vom 10. November 1993 hieß es lediglich:
“The Soviets have increased the alert level of their air units — including their strike forces in East Germany — in response to “Able Archer-83,” a NATO command post exercise. (xxx) (…) the alert began on 2 November and is to continue through tomorrow, when the NATO exercise enters its concluding phase. Unit commanders were told that all measures were to be taken quietly under the guise of routine training. In line with this, command personnel have attended scheduled meetings and took part in the Bolshevik Revolution anniversary celebrations.” (83)
Dieses Aufklärungsversagen führte dazu, dass die U.S. Geheimdienste im Mai 1984 die vorliegende Studie über Indikatoren produzierten. Analog zur Operation RYAN etablierte die U.S. Intelligence Community (IC) einen National Intelligence Officer for Warning und die U.S. Streitkräfte unterhielten ein Worldwide Warning Indicator Monitoring System (WWIMS).
In dem Geheimdienstdokument, an dem mehrere U.S. Nachrichtendienste mitgewirkt hatten, hieß es ausführlich:
“We would be unlikely in our initial warnings to be able to foretell when or where the enemy will attack, or if an attack will occur at all. The warning process, however, is continuous. The early warnings would be followed by further assessments and warnings as necessary until the outbreak of hostilities, or the end of the crisis. (…)
The essential point is that there is no single recognized document or method through which the Intelligence community would be expected to convey its consensus that war was likely with the Soviet Union. Warning of war would probably develop in many ways, through many channels, with various shades of opinion indicating different interpretations of the observable facts and indicators as they became known. (…)
Accordingly, warning of war should not be viewed as a single event, but as a process of communicating warnings of increased threat. (…)
A. Indicators of War Preparations (…)
The Decision To Go to War
128. Before issuing the final order to go to war, Soviet and Pact leaders probably would have completed a large number of incremental decisions to prepare their nation, and armed forces. (…)
129. Although we know the general structure of the Pacts decisionmaking for war, the content and timing of the deliberations would probably be secure from timely detection. (…)
130. (…) Evidence that critical decisions were being made or approved, including an agreement on the conditions for going to war, could be suggested by anomalous activities such as:
- An increase in high-level meetings or unusual timing of meetings between Pact leaders, among the leaders within a Pact country, and between Soviet and East European political and military leaders.
- Cancellation of announced schedules for senior party and government functionaries.
- Changes in Soviet and Pact intelligence collection. (…)
Nevertheless, anomalous behavior by the Pact leadership at multiple echelons would certainly result in increased watchfulness and intensified efforts to find less ambiguous evidence of Pact intentions. (xxx)
131. (…) Even with the firsthand reporting of important Pact decisions, the content of the information would be difficult to evaluate. (…)
132. Considering the major disruption occasioned by a full conversion to a wartime posture, Pact leaders would not take such decisions lightly, nor - under most foreseeable circumstances - without elaborate conditioning of their populace for the possibility of war. A coordinated, intensive Pact-wide campaign would probably be designed to inculcate the need for greater sacrifice, vigilance against spies, intensified loyalty, and increased output at the workplace. The similarity of content and tone throughout the Pact media would signal that such a campaign had been directed. (…)
- An increase in internal population controls and surveillance of dissidents and foreigners.
- A media campaign which forecasts a final show down with imperialism and raises war expectations.
- Planning and coordination meetings throughout the Pact involving leaders from a wide range of sectors, often in unusual mixes.
- Fluctuation in diplomatic behavior and activities abroad without apparent explanation.
Civil and Economic Preparations
133. Virtually every sector of national life would be affected by the transition to a wartime pasture. Some early preparations might not be detected or recognized as war-related, but generally those civil and economic activities observed first would occur in industry and labor, trade and other relations with the West, and transportation and civil defense. (…)
135. (…) These measures might include:
- Extensive domestic media treatment of civil defense preparations.
- Activation of civil defense leadership authorities, followed by indoctrination sessions and administrative preparations for mobilization of civil defense cadres.
- Withholding of critical commodities such as food and fuel from distribution, and stockpiling in unusual quantities.
- Stockpiling of medical supplies.
- Changes in transportation schedules and activity.
- Increased shortages of all types of materials in both the military and civil industrial sectors. (xxx)
136. (…) Actions associated with this state of national readiness would probably include:
- Anomalies in the civil defense staff communications network.
- Increased activity at civil defense headquarters.
- Military control of critical commodities.
- Closure of some public institutions.
- Significant changes in normal transportation activity or scheduling.
- Requisitioning of equipment, supplies, and vehicles.
- Restrictions on civil gatherings and travel.
- Civil defense shelters readied for use.
- Partial mobilization of military civil defense units.
137. Similarly, the declaration of a state of "threat of-war national defense readiness," even if not published, would be widely communicated and would, in itself, clearly signal that the Soviets and their allies saw the situation deteriorating and were more serious in their efforts to prepare for war. Measures initiated under this readiness condition would be more difficult to conceal and could Include the following:
- Establishment of at least partial military control over some key transportation systems.
- Closure of additional public institutions.
- Issuance of mobilization orders to large numbers of reservists and selective callups of reservists.
- Dispersion and evacuation of at least selected officials and enterprises.
- Exurban command posts activated and at least partially staffed. (s)
138. The declaration of "full national defense readiness" would indicate that Moscow believed that war was likely and perhaps imminent. Measures implemented under this readiness condition could not be concealed and would include the following:
- Closure of many public Institutions.
- Full mobilization of military civil defense units.
- Marked curtailment of normal civilian activities.
- Large-scale mobilization of civil transportation assets, particularly trucks.
- Initiation of full military control over key transportation systems.
- Largo-scale or national callups of reservists.
- Dispersion and evacuation of key leadership elites.
- Large-scale evacuation of the population from selected large cities (if nuclear strikes on the homeland were anticipated). (xxx)
Indicators of Military Preparations
139. (…) The normal peacetime posture of Pact forces Is referred to as "constant combat readiness." A key step in beginning the process of preparing military forces for war would be the declaration of "increased combat readiness." Preparatory measures that would be associated with this level of readiness, only some of which may be detected, include:
- A communication to military units ordering them to increased readiness.
- Recall of personnel from temporary duty, leave, or nonessential duties.
- At least a temporary termination of normal training and other routine activities.
- Return of units to garrison.
- Restriction of officers and troops to garrison.
- Review and update of mobilization and contingency plans.
- Removal of equipment from storage and preparation for use, accelerated repair of equipment.
- Increased security measures and intensified reconnaissance.
- Possible limited callups of reservists with special skills.
- Field deployment of divisional command posts.
- Scheduled release of reservists or conscripts held in abeyance.
- Increased activity in military installations, railroad yards, and depots.
- Marked increase in weather reporting.
- Activation of high-level military command posts.
- Alerting of railroad troops.
- Unususal high-level command activities or movements,
- Abnormal activity by submarines, surface ships, or merchant shipping. (xxx)
140. Based on their perception of the threat and the likelyhood of war, Pact leaders might choose to declare “threat-of-war readiness” for some or all of their armed forces. Some measures initiated and implemented during this readiness condition would be highly visible if undertaken on a large scale, including the following.
- Communication of the necessary command to military units.
- Movement of ground units from garrison locations to field dispersal areas.
- Selective mobilization of reservists.
- Increased reconnaissance.
- Mobilization of some specialized units to full wartime strength.
- Possible activation of some wartime command, control, and communications structures at front and theater level.
- Transfer of control of divisional units from garrison command centers to field command posts.
- Movement of command staffs to field command posts.
- Equipping of personnel according to wartime requirements.
- Dispatch of operations groups to allied countries.
- Movement of aircraft/hellcopters from airfields without shelters to dispersal airfields.
- Movement of missile units to siting areas.
- Continued dispersion of naval units from port. (xxx)
141. If a crisis deepened and war seemed more likely or imminent, Pact leaders would declare "full combat readiness" to initiate final preparations for some or all of their armed forces. Measures implemented would include the following:
- Communication of the command to military units.
- Initiation of large-scale or general mobilization.
- Full establishment of an active wartime command, and communication network at the front, theater, and national level.
- Extensive and abnormal efforts to restrict, deceive, or interfere with US and NATO Intelligence collection efforts.
- Extraordinary levels of intelligence collection against the United States and NATO.
- Extraordinary levels of air defense preparedness.
- Activation of, or preparations to activate, sabotage and special operations teams in NATO countries.
- Preparation and expansion of military medical facilities.
- Preparation for employment of electronic countermeasures units against NATO forces.
- Additional dispersal or deployment of submarines, naval ships, and merchant vessels.
- Movement of ground units to primary ("secret' ) dispersal areas (if not previously ordered). (xxx) (…)
142. The initiation and implementation of measures associated with "increased readiness," "threat-of war readiness," and "full readiness' would not necessarily signal that a decision to go to war had been made or that war was inevitable. The implementation of these conditions, however, would indicate that the Soviets and their allies saw a growing likelihood of war and were preparing for it, the declaration of "full combat readiness' could indicate that war was believed likely or imminent. (…)
B. Security, Concealment, and Deception
143. The Warsaw Pact countries - particularly the Soviet Union - have the experience, doctrine, capability, and intent to employ many techniques to interfere with our ability to collect intelligence information and to manipulate our perception of the meaning or purpose of detected activities. (…) Although we judge that the Pact would be unable to prevent us from making timely interpretations of the sum of detected activities as war preparations; we are Jess confident about our ability to interpret Pact actions as aggressive/offensive or reactive/defensive, and still less certain as to how persuasive any warning might be on the vital issue of intent. (xxx)
144. Security. The Pad would enforce rigid security measures to assure the secrecy of its war plans. Contral measures would include the following restrictions of planning and access to plans to a minimum number of people; total control of the media; strict counterintelligence and political control over the populace and members of the armed forces; denial of travel by foreigners (as well as most citizens); the conduct of military activity and troop movements at night; and strict communications security.
145. Concealment and Deception. The Soviets and their allies are aware that the United States and NATO possess sophisticated intelligence collection means which would prevent the Pact from concealing all of its preparations for war. The primary purpose of Pact concealment and deception measures would be to mislead and confuse NATO as to the timing, scope, and purpose of the preparations and reduce NATO's warning time. The Pact could institute some or all of the following political and military deception, propaganda, and disinformation tactics:
- Increased emphasis on the espousal of peaceful intentions while citing the need to make additional defensive military preparations.
- Increased efforts to induce tension and disagreement among NATO countries by feeding contradictory information to individual governments.
- Creation of a diversion in another part of the world.
- Attempts to mobilize some military forces covertly.
- Attempts to conceal or delay as long as possible the final preparations and deployments for attack.
- The use of exercises as a cover to mask military preparations. (The Soviets believe this is the most feasible way of rationalizing extensive military activity.)
- The use of darkness and adverse weather conditions to conceal preparations and movement.
- The exploitation of terrain to take advantage of its concealing features.
- The use of camouflage materials to disguise, conceal, or distort.
- The use of dummy/decoy equipment and radar reflectors.
- Activation of dummy communication wets.
- The use of light and sound masking.
- Electronic emission control.
- The manipulation of true, distorted, or false information to mislead. (xxx)
147. (…) The fundamental objective of these Pact efforts would be to convince US and NATO decisionmakers that the Pact's intentions were peaceful. Conditioning and confusion would be the key methods in achieving this strategic goal. An important part of the conditioning process would be the feedback link-the use of the Western press, "leaks" from controlled sources, plus in-place agents to provide the necessary feedback which would enable fine-tuning, further conditioning, and maximum persistence and dissemination of erroneous beliefs. (…)
C. Detection Capability
148. We are confident of the ability of US and NATO intelligence organizations to detect a large number of indicators if the Warsaw Pact prepared for a large-scale war with NATO. While we believe that the scale of such indicators would be such as to clearly indicate an intent on the Soviets' part to enhance their readiness for war, we cannot be confident that we would have a consensus within the Intelligence Community regarding Soviet intentions to initiate hostilities. It is likely that many indicators might be attributable to the precautionary actions of the Soviet leadership in time of great international stress or crisis. (…)
150. (…) Recipients of warning should understand that while it is the principal function of the warning system to keep policyrnakers informed of potentially explosive situations and changes in the capabilities of hostile forces, the system is not designed, and should not be expected, to notify recipients when prudent measures should be initiated. The timing of such decisions, like the decisions themselves, are policy matters, not intelligence responsibilities. (…)” (84)
Eine Anwendung der CIA-Kriterien ist schwierig, da die U.S. Geheimdienste in ihrem damaligen Papier von einem Umgang von einem kalten Frieden in einen heißen Krieg ausgingen. Dies ist heute nicht der Fall. Da Russland seit 2014 Krieg gegen die Ukraine führt, ist der Krieg schon zu weit fortgeschritten. Heute geht es um den Übergang vom Krieg gegen die Ukraine zum Krieg gegen die NATO. Verschiedene Aspekte der Aufrüstung, Mobilisierung und Alarmierung wurden schon vor Jahren erledigt und bieten keinen beobachtbaren Indikator mehr.
Dennoch gilt es das Treiben der Regierungen und die Aktivitäten der Militärs im Auge zu behalten. Wenn allerdings abends auf dem Klo des Bundesverteidigungsministers öfters mal das Licht angeht, spricht dies eher für eine Diarrhöe oder ein Prostata-Problem als für eine Staatskrise.
Wissenschaftliche Vorhersagen
Wiederholt haben sich Wissenschaftler daran gemacht, mit makro-quantitativen ‚Forschungen die Kriegswahrscheinlichkeit zu berechnen. Dabei ist herausgekommen, dass man mit Prognosen, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen, vorsichtig sein muss.
An der Faculty of Management, Economics and Society der Universität in Witten/Herdecke (UW/H) versucht ein Prof. Dr. Nils-Christian Bormann im Rahmen der Eliten- und Demokratieforschung mit statistischen Methoden die aktuelle Kriegsgefahr, insbesondere die Gefahr des Ausbruchs eines Bürgerkrieges, zu berechnen. Nach fünfjähriger Dauer sollte das Projekt dieses Jahr abgeschlossen werden. Dazu berichtete die Uni in einer Pressemitteilung:
“Following drone incidents in Poland, Denmark and Norway, there is growing concern about an escalation with Russia. A recent survey by Prof Dr Nils-Christian Bormann, conflict researcher at Witten/Herdecke University (UW/H), gives new weight to this concern: 210 experts from the fields of political science, history and economics estimate the risk of a military conflict between Russia and an EU state in the next five years at one third - the same as the probability of throwing a one or two with a dice.
The researchers see almost a quarter of the probability of a full-blown war with more than 1,000 deaths. This puts the estimates well above the forecasts of common political science models and the historical frequency of military conflicts in Europe.” (85
Demgegenüber gab ein anderes, heuristisches Projekt aus Korea, das weltweit angelegt war, die „estimated probability of a direct multi-theater war involving major powers within the next 12 months” mit lediglich 9,2 Prozent an. (86)
Das renommierte “Bulletin of the Atomic Scientist” an der Universität in Chicago stellte am 27. Januar 2026 fest, ihre bekannte Atomzeituhr der Apokalyse (engl.: Doomsday clock) zeige, „85 seconds to midnight — the closest the symbolic clock has ever been to apocalypse”. (87)
Der aktuelle “Global Peace Index 2026” (26 Seiten) des Institute for Economics & Peace (IEP) in Sydney (Australien) vom Juni 2026 hatte zur Kriegsgefahr in Europa nichts Nennenswertes zu vermelden. (88)
Quellen:
(1) https://taz.de/Kriegsgefahr-in-Europa/!6112471/
(2) https://militarnyi.com/en/news/major-war-in-europe-atlantic-council-russia/
(3) https://nsarchive.gwu.edu/sites/default/files/documents/5028377/Document-21-
Warning-of-War-In-Europe-National.pdf
(4) https://sahasec.org/wp-content/uploads/2026/03/The-Denied-War_Stanislav-Boiko.pdf
(5) https://www.n-tv.de/politik/12-19-Selenskyj-Russland-toetete-Grosseltern-und-
dreijaehrigen-Enkel-id30859357.html
(6) https://www.fr.de/politik/ukraine-krieg-aktuell-news-ticker-drohnen-wirtschaft-
russland-verluste-selenskyj-putin-zr-94426041.html
(7) https://www.fr.de/politik/ukraine-krieg-aktuell-news-ticker-drohnen-wirtschaft-
russland-verluste-selenskyj-putin-zr-94426041.html
(8) https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-334/578807/statistik-die-militaerische-lage-in-zahlen/
(9) Litwinenko, Alexander / Felshtinsky, Yuri: Eiszeit im Kreml – Das Komplott der russischen Geheimdienste, Hamburg, 2007, S. 218
(10) https://www.n-tv.de/wirtschaft/So-hart-treffen-ukrainische-Drohnen-Russlands-Oelindustrie-id31166665.html
(11) https://www.ksta.de/politik/wirbel-um-kaliningrad-wut-und-angst-in-russland-1284374
(12) https://www.fr.de/politik/vor-grosser-eskalation-durch-putin-rakete-trifft-nato-land-
polen-kreml-beobachter-warnen-zr-94423590.html
(13) https://jamestown.org/elites-could-push-putin-to-either-end-the-war-or-to-
escalate-it/
(14) https://en.wikipedia.org/wiki/Security_Council_of_Russia
(15) https://www.dw.com/en/how-real-is-a-coup-threat-against-russias-president/a-77098085
(16) https://sahasec.org/wp-content/uploads/2026/03/The-Denied-War_Stanislav-Boiko.pdf
(17) https://www.n-tv.de/politik/12-51-Steckt-Russland-hinter-Leipzig-Drohne-
Waeren-dann-fast-im-Vorfeld-eines-Kriegseintrittes-id30859357.html
(18) https://www.fr.de/politik/ukraine-krieg-aktuell-news-ticker-drohnen-wirtschaft-
russland-verluste-selenskyj-putin-zr-94426041.html
(19) https://sahasec.org/wp-content/uploads/2026/03/The-Denied-War_Stanislav-Boiko.pdf
(20) Übersetzung durch Google: https://pointer.kro-ncrv.nl/nucleaire-wapens-zwaar-lucht
afweergeschut-bommenwerpers-rusland-bereidt-zich-voor-op-oorlog-europese-oostgrens
(21) www.milfors.de/Hotspot-Kaliningrad.htm
(22) https://nestcentre.org/rising-tensions-the-kremlin-prepares-kaliningrad-for-a-
potential-blockade/?print=print
(23) https://taz.de/Kriegsgefahr-in-Europa/!6112471/
(24) www.bellingcat.com/news/2021/06/09/russian-poet-dmitry-bykov-targeted-by-
navalny-poisoners/
(25) www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2020/06/29/fsbs-magnificent-seven-
new-links-between-berlin-and-istanbul-assassinations/
(26) https://stratcomcoe.org/pdfjs/?file=/cuploads/pfiles/Nato-Cyber-Report_
15-06-2021.pdf?zoom=page-fit
(27) https://www.homepage-baukasten-dateien.de/milfors/240522%20Ostsee.pdf
(28) Thiel, Ralph, Oberst a. D.: Hybride Kriegsführung: Zukunft und Technologien, Wiesbaden, 2023, S.12f
(29) https://puolustusvoimat.fi/documents/1948673/8274776/PV_sotilastiedustelu_
2026_EN.pdf
(30) https://sahasec.org/wp-content/uploads/2026/03/The-Denied-War_Stanislav-Boiko.pdf
(31) https://icds.ee/en/europe-enters-a-period-of-maximum-danger/
(32) https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/russland-sabotage-106.html
(33) https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/dobrindt-leipzig-flughafen-drohne-100.html
(34) https://www.n-tv.de/politik/Kiesewetter-fordert-wegen-Drohnen-Vorfalls-Nato-
Konsultationen-id31163511.html
(35) https://www.welt.de/politik/ausland/article6a74706e6a11a050657e3b4b/ukraine-
krieg-russische-armee-greift-frachter-deutscher-reederei-mit-drohnen-an.html
(36) https://www.welt.de/politik/ausland/article6a3218e4a7834e0047eec27d/aermel
kanal-unnoetig-rentner-auf-yacht-berichten-wie-sie-die-russischen-warnschuesse-
erlebt-haben.html
(37) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/russisches-kriegsschiff-
aermelkanal-100.html
(38) https://www.tagesspiegel.de/internationales/droht-europa-ein-noch-grosserer-krieg-
nato-generalsekretar-rutte-erklart-wie-sich-russland-stoppen-lasst-15076164.html
(39) Uhl Matthias; Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht, Freiburg, 2026, S. 305
(40) ebd., S. 11
(41) https://www.fr.de/politik/kriegsplan-europa-satellitenbilder-zeigen-russlands-
aufruestung-94373061.html
(42) https://www.focus.de/politik/ausland/satellitenaufnahmen-zeigen-neue-aufruestung-im-norden-russland-koennte-bis-zu-80-000-soldaten-an-finnlands-
grenze-verlegen_ef584676-d726-4cc7-81e5-34ac42222757.html
(43) https://kyivindependent.com/russia-has-increased-military-buildup-near-nato-
border-investigation-reveals/
(44) https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/06/15/luftwaffe-chief-warns-
russia-german-ready-to-fight-for-nato/
(45) https://www.theguardian.com/world/2026/jun/26/russia-provocation-baltic-states-poland
(46) https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/07/03/russia-planning-attack-
on-poland-test-nato-resolve-us-warns/
(47) https://www.focus.de/politik/ausland/litauen-warnt-vor-russischer-taeuschungs
operation-mit-ukraine-drohnen_130a1450-269f-4ba3-b7c4-0a71d6a7fe58.html
(48) https://voennoedelo.com/de/posts/id5029-klintsevich-nato-plan-zur-kaliningrad-
blockade-2028
(49) Google-Übersetzung; https://www.svt.se/nyheter/inrikes/ob-varnar-ryssland-kan-
testa-nato-inom-kort
(50) Google-Übersetzung; https://www.svt.se/nyheter/inrikes/forsvarsberedningen-
sveriges-sakerhet-allt-samre
(51) Maizière, Ulrich, de: Verteidigung in Europa-Mitte, München, 1975, S. 71f
(52) Carnovale, Marco: The Control of NATO Nuclear Forces in Europe during the
Cold War, Brétigny-sur-Orge, Frankreich, 2018, S. 241ff
(53) https://www.telepolis.de/article/Ukraine-Krise-Vorbereitung-auf-den-Ernstfall-3364691.html?seite=all
(54) https://www.nato.int/en/about-us/organization/nato-structure/situation-
centre-sitcen
(55) https://nllp.jallc.nato.int/cmnt/ciedcoi/CIED%20PUBLICATIONS/Handbooks%20and
%20Doctrines/AJP%203.4%20CRO%20(Mar%2005).pdf
(56) https://www.tagesschau.de/investigativ/wdr/russland-nato-militaer-100.htm
(57) https://sahasec.org/wp-content/uploads/2026/03/The-Denied-War_Stanislav-Boiko.pdf
(58) https://www.welt.de/politik/ausland/article6a713e49df3bf7ee07796e7e/walerij-
saluschnyj-jedes-jahr-habe-ich-maerchen-darueber-gehoert-selenskyjs-ex-militaer
chef-schliesst-nato-beitritt-aus.html
(59) Uhl Matthias; Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht, Freiburg, 2026, S. 299
(60) https://www.fr.de/panorama/militaeruebung-aurora-26-ukrainische-drohnenpiloten-
dominieren-nato-einheiten-94335359.html
(61) https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungslose_Kapitulation_der_Wehrmacht
(62) https://www.bundestag.de/resource/blob/579366/c75b1df799af6d5f1663003c56
c25a93/wd-3-156-13-pdf-data.pdf
(63) https://www.tagesschau.de/investigativ/wdr/russland-nato-militaer-100.html
(64) https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/general-carsten-breuer-lage-nie-
so-bedrohlich-wie-jetzt-gerade,UgYpiG9
(65) https://www.bild.de/politik/inland/bundeswehr-general-breuer-warnt-russland-
koennte-nato-2029-testen-6a06c7e16 39442857fa1ff22
(66) https://www.tagesspiegel.de/politik/wenn-die-ukraine-fallt-hort-er-nicht-auf-merz-
warnt-vor-putin--und-raumt-wirtschaft-prioritat-vor-umweltschutz-ein-15048586.html
(67) https://www.wiwo.de/politik/europa/verdeckte-kriegsfuehrung-bedrohungsana
lysen-muessen-chefsache-sein/30002786.html
(68) Zit. n.: Uhl Matthias; Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht, Freiburg, 2026, S. 291f
(69) https://www.milfors.de/Operationsplan-Deutschland.htm
(70) https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/general-carsten-breuer-lage-
nie-so-bedrohlich-wie-jetzt-gerade,UgYpiG9
(71) https://theleftberlin.com/europe-is-going-to-war/
(72) https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/wuestner-gefahr-ist-
gross-dass-russland-die-situation-ausnutzt
(73) https://www.politico.eu/wp-content/uploads/2025/05/25/250519_Prio_
Redacted.pdf
(74) https://bundespolizei.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Aktuelles/Presse
mitteilungen/20251202_Pressemitteilung_Drohnenabwehreinheit_DAE_www.pdf
(75) https://correctiv.org/hybride-kriegsfuehrung/2026/08/04/drohnen-ueberfluege-und-
sabotage-in-mehr-als-100-faellen-verdaechtigen-behoerden-einen-fremden-staat-als-
drahtzieher/
(76) https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/bundeskriminalamt-sabotage-
deutschland-bericht-russland
(77) https://www.bild.de/politik/inland/holger-muench-nicht-jede-drohne-ist-ein-liebesgruss-aus-moskau-6944271d60138990784c1b5c
(78) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kriegsdienstverweigerung-anstieg-
100.html
(79) Google-Übersetzung; https://www.svt.se/nyheter/inrikes/forsvarsberedningen-
sveriges-sakerhet-allt-samre
(80) https://www.merkur.de/politik/us-waffen-werden-knapp-trump-soll-auf-hegseth-
losgegangen-sein-zr-94433112.html
(81) https://www.come-on.de/politik/welle-der-kriegsdienstverweigerung-beim-us-
militaer-nach-angriff-auf-maedchenschule-zr-94434312.html
(82) https://www.telepolis.de/article/25-Jahrestag-NATO-Doppelbeschluss-
3437663.htm
(83) https://nsarchive.gwu.edu/document/21037-1-nid-ussr-east-germany-alert-11-10-83
(84) https://nsarchive.gwu.edu/sites/default/files/documents/5028377/Document-21-
Warning-of-War-In-Europe-National.pdf
(85) https://www.uni-wh.de/en/scientists-warn-of-increasing-risk-of-war
(86) https://war3.ai
(87) https://news.uchicago.edu/story/doomsday-clock-ticks-down-85-seconds-
midnight-2026-closest-ever-apocalypse
(88) https://reliefweb.int/report/world/global-conflict-systems-global-peace-index-
2026-special-supplement