Russen-Rampe Kaliningrad
Gerhard Piper
31. Juli 2026
„Es soll kein Friedensschluss für einen solchen gelten,
der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem
künftigen Kriege gemacht worden (ist).“
Immanuel Kant, 1795
Die Enklave Kaliningrad ist ein Flecken Erde, den der Zweiten Weltkrieg hinterlassen hat. Kaum so groß wie Schleswig-Holstein, gehört das frühere Stück Ostpreußen heute zu Russland. Aber es hat keine geographische Anbindung an das russische Kernland. Stattdessen liegt es eingezwängt zwischen den NATO-Staaten Litauen und Polen. Die Region ist traditionell hoch gerüstet. Sollte der „Dritte Weltkrieg“ je in Osteuropa beginnen, wäre die Enklave Kaliningrad nicht unbedingt das Zentrum, jedoch in jedem Fall ein Hotspot der Kriegsvorbereitungen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Schließlich ist „der ewige Frieden“ bloß ein philosophischer Entwurf.
Die Entstehung einer Enklave
Die Enklave Kaliningrad (Kaliningradskiy Osobiy Oboronitelniy Rayon – KOOR) nimmt eine Fläche von 15.125 qkm ein und ist damit etwas kleiner als Schleswig-Holstein (15.799 qkm). So stellt Enklave gerademal 0,1 Prozent des russischen Staatsterritoriums dar. Das Gebiet hat eine Bevölkerung von 1,03 Millionen Einwohnern. Sie geht ursprünglich auf den Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 zurück, als beide Seiten eine Westverschiebung Polens vereinbarten, die zum Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 führte. Im Verlauf des Krieges gelang es der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland zu annektieren. Ende 1944 gelang es den sowjetischen Truppen die alte deutsche Provinz Ostpreußen zu erobern. Nach dem Krieg behielt die Sowjetunion das Baltikum und die nördliche Hälfte von Ostpreußen, aus der der Oblast Kaliningrad hervorging. Gemäß den Kriegsabkommen von Jalta (11. Februar 1945) und Potsdam (2. August 1945) wurde das nördliche Ostpreußen im Juli 1946 von der UdSSR offiziell dem Bundesstaat einverleibt, den Südteil schluckte Polen. Fast die gesamte deutsche Bevölkerung der Oblast wurde bis 1947 infolge von Flucht und Vertreibung hauptsächlich durch Russen aus Zentralrussland und aus dem Gebiet des heutigen Föderationskreises Wolga sowie durch Belarussen ersetzt.
Mit dem Zerfall der Sowjetunion erlangten die drei baltischen Staaten 1991 ihre Unabhängigkeit zurück, dadurch verlor die Region ihre geographische Anbindung an das russische Kernland. Aus der Oblast Kaliningrad wurde eine Region, die durch Belarus und Litauen vom russischen Mutterland getrennt ist, eingezwängt zwischen Polen und Litauen, so dass Russland nur über die Ostsee (russ.: Baltijskoe More) einen direkten Zugang zu seiner Provinz hat. Mit dem Beitritt Polens und des Baltikums zur NATO und zur EU 2004 wurde die Region zu einer Enklave innerhalb des westlichen Verteidigungssystems.
Die Enklave Kaliningrad ist das am Weitesten im Westen gelegene russische Staatsgebiet. So beträgt die Entfernung zwischen Kaliningrad und Berlin gerademal 602 km, während die geographische Distanz zu Moskau immerhin 1.290 km ausmacht. Die Entfernung zwischen der Stadt Kaliningrad und dem russischen Kernland beträgt rund 843 km Luftlinie; die Landdistanz über Straßen durch Belarus und Litauen beläuft sich auf etwa 1.218 km. Vom „Bruderstaat“ Belarus ist die Enklave rund 65 km entfernt, dazwischen klafft die sogenannte „Suwalki-Lücke“ (russ.: Suvalkskiy koridor), eine gemeinsame Landgrenze zwischen Polen und Litauen.
Mit einer Fläche von 15.125 qkm ist die Enklave ein ausgesprochen kleines Gebiet. So beläuft sich die Längsausdehnung auf 200 km und die Breite auf 110 km; damit hat dieses Aufmarschgebiet keine strategische Tiefe. Das NATO-Nachbarland Litauen ist viermal größer, Polen sogar 21-mal umfangreicher. Aber gerade die NATO-Osterweiterung führte dazu, dass die geopolitische Bedeutung der Enklave enorm anstieg. Für die Russen stellt ihr Truppenaufmarsch in der Enklave quasi den Versuch einer „counterbalance“ dar. So kann die russische Regierung über ihre Enklave die (militär-)politische Entwicklung in der ganzen Ostseeregion beeinflussen.
Die Landgrenze zu Litauen hat – nach unterschiedlichen Angaben - eine Länge von 276 bis 303 km und die Grenze zu Polen – nach unterschiedlichen Angaben - 210 bis 232 km. Die Seegrenze der Enklave an der Ostsee hat eine Länge von 150 bis 160 km. Viele Grenzübergänge wurden in den letzten Jahren geschlossen. So sind an der polnisch-russischen Grenze seit dem 19. September 2022 nur noch die beiden Übergangsstellen Grzechotki/Mamonowo II und Bezledy/Bagrationowsk geöffnet. Geschlossen wurde u. a. die Grenzstation Gronowo. Die nördliche Landesgrenze zwischen der Region Kaliningrad und Litauen verläuft entlang des Flusses Neman (dt.: Memel). Die Grenzanlagen beiderseits wurden erheblich ausgebaut. (1)
Der Bezirk Kaliningrad
Kaliningrad, das frühere Königsberg, ist die Hauptstadt der russischen Enklave am Südufer der Ostsee. Mit einer Bevölkerung von 1,03 Millionen Einwohnern weist die Region eine geringe Bevölkerungsdichte von 68 Einwohnern pro Quadratkilometer auf. Mit 490.000 Einwohner beherbergt Kaliningrad fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung des Bezirks. Die zweitgrößte Stadt ist Sowetsk mit ca. 42.000 Einwohnern. In dieser ländlich geprägten Gegend gibt es insgesamt nur elf, zwölf Städte mit mehr als 10.000 Bürgern. Mit 91,3 Prozent stellen die Russen die größte Ethnie. Darunter befinden sich auch repatriierte Russen, die aus europäischen Ländern nach Russland zurückgekehrt sind und sich im Gebiet Kaliningrad niedergelassen haben.
Nach 700 Jahren deutscher Herrschaft, wurden die Letzten der deutschen autochthonen Bevölkerung 1947 vertrieben und die Region damit quasi entvölkert. Heute stellen „Deutsche“ wieder 0,5 Prozent der Einwohnerschaft, allerdings handelt es sich dabei um ca. 13.000 Russlanddeutsche, die aus Kasachstan stammen und hier angesiedelt wurden.
Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg dauerte die russische Demontage noch bis Anfang der 50er-Jahre an, da sich Josef Stalin unsicher war, ob er nicht doch das annektierte Gebiet an Deutschland zurückgeben müsse. Während Kaliningrad im Zweiten Weltkrieg „nur“ zu fünfzig Prozent zerstört worden war, blieben bis Mitte der achtziger Jahre gerademal sieben Prozent der alten Bausubstanz erhalten.
Die Infrastruktur der Region hält sich bis heute in Grenzen. Autobahnen gibt es nur im Raum Kaliningrad, brauchbare Eisenbahnverbindungen nur zu den Ostseebädern Swetlogorsk (vormals Rauschen) und Selenogradsk (vormals Cranz).
Zur wirtschaftlichen Lage berichtete der Wirtschaftsberater Konrad Wolfenstein im Oktober 2025:
„Seit 2022 führten EU-Sanktionen und litauische Transitbeschränkungen zu spürbaren Engpässen bei Gütern wie Stahl, Metallen, Baumaterialien, Kohle und Hochtechnologie. Litauen setzte die EU-Regeln um, was kontrovers diskutiert wurde und in Kaliningrad Unsicherheit, Preissteigerungen und Versorgungssorgen auslöste. Schätzungen zufolge betrafen die Maßnahmen bis zu 40–50 Prozent der Importe. Russland verlegte Lieferketten stärker auf die Seewege und baute Fährverbindungen aus – bei höheren Kosten, längeren Laufzeiten und eingeschränkter Resilienz. Das Ergebnis ist eine teilweise Stabilisierung bei geringerer Effizienz und anhaltender Vulnerabilität.
Energie war lange eine Achillesferse der Exklave. Abhängigkeit von Strom- und Gasimporten über Nachbarländer, gekoppelt mit geopolitischen Spannungen und Netzumbauten (Abkopplung der baltischen Staaten vom BRELL-Verbund), machten Versorgungssicherheit zu einem Dauerproblem. Russland investierte in Kraftwerke, LNG-Optionen und Gasspeicher, stabilisierte aber lediglich teilweise. Die Umstellung verschafft Autarkie-Teilerfolge, bleibt jedoch kostenintensiv und politisch störanfällig. Energie ist damit ein permanenter Hebel für externe Einflüsse und ein interner Kostentreiber für Industrie und Haushalte.
Die Wirtschaft Kaliningrads litt unter Investitionsrückgang, schwacher Governance, Korruption, Grenz- und Zollkomplexität und der Erosion alter Sonderrechtsregime. Schlüsselunternehmen wie Avtotor, einst Symbol der industriellen Integration, wurden vom Rückzug westlicher Partner hart getroffen und versuchten den Schwenk zu chinesischen Kooperationen und E-Mobilitätsansätzen – mit begrenztem Ausgleich. Tourismus-Impulse, etwa zur Fußball-WM 2018, blieben kurzlebig. Die Umsteuerung der Lieferketten auf See hebt die Kostenbasis; der Binnenmarkt ist klein; die Außenmärkte sind politisiert. Die Folge ist eine strukturelle Wachstumsbremse mit zyklischen Schocks.
In Kaliningrad verfestigten sich über Jahre soziale und gesundheitliche Problemlagen. Arbeitslosigkeit, Einkommensschwäche relativ zu Großräumen Russlands, Mangel- und Preisschübe durch Importrestriktionen sowie eine überdurchschnittliche Belastung durch Infektionskrankheiten wie HIV und Tuberkulose wurden dokumentiert. Die medizinische Ausstattung ist lückenhaft, insbesondere abseits der Hauptstadt. Soziale Spannungen werden durch begrenzte Mobilität, Reise- und Visahemmnisse und den Preisauftrieb verschärft. Gesellschaftliche Resilienz ist vorhanden, bleibt aber von wirtschaftlicher Belebung und offeneren Schnittstellen abhängig.“ (2)
Der Lebensstandard der Bevölkerung ist – wie überall in Russland – eher gering. Vor Beginn des Ukrainekrieges im Februar 2022 lag der Mindestlohn in der Region bei ca. 185 Euro pro Monat, während das durchschnittliche Gehalt in Kaliningrad ca. 485 Euro erreichte. Das ist sehr bescheiden, wenn man bedenkt, dass die Lebensmittelpreise gleichzeitig auf deutschem Niveau rangierten und die Miete für eine mittlere Drei-Raum-Wohnung bei ca. 285 Euro lag. Seit Kriegsbeginn und die Umstellung auf Kriegswirtschaft hat sich die Versorgungslage der Zivilbevölkerung noch weiter verschlechtert.
Auch in Zeiten des Massentouristik blieb die Region Kaliningrad international eine terra incognita. So schreibt Gunnar Strunz in seinem Reiseführer „Kaliningrad Königsberg“ von 2022:
„Wer auf eigene Faust das Land erkunden will, braucht russische Sprachkenntnisse. Auf dem Lande gibt es so gut wie keine Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten bestehen nur in den größeren Rayonsstädten (gemeint sind Gusew, Kaliningrad, Sowetsk und Tschernjachowsk, G. P.). Viele deutsche Reiseunternehmen bieten organisierte Reisen ins Gebiet an, meist führen die Touren aber nur in die Stadt Kaliningrad, zu den Seebädern und auf die Kurische Nehrung. Wer auch die anderen Regionen kennlernen will, kann dies im Allgemeinen nur individuell machen.“
Die Streitkräfte
Die Enklave Kaliningrad galt früher als „Sonderregion“ (russ.: Kaliningradskiy osobyy rayon – KOR) bzw. als „Kaliningrader Verteidigungsregion“ (russ.: Kaliningradskiy oboronitel'nyy rayon - KOR). Am 1. oder 20. September 2010 wurde sie in den Militärbezirk West (Zapadnyy voyennyy okrug) übernommen, der 2024 aufgelöst wurde.
Heutzutage gehört die Region verwaltungstechnisch zum Militärbezirk Leningrad (russ.. Leningradskiy voyennyy okrug), der am 26. Februar 2024 aus dem MB West hervorging. Der MB Leningrad wird seit dem 21. September 2025 von Generaloberst Yevgeny Nikiforow kommandiert. Noch bis zum Beginn des Ukrainekrieges im Februar 2024 galt die Enklave Kaliningrad als die europäische Region mit der höchsten Militärdichte. So galt die Enklave Kaliningrad lange Zeit als „die bewaffnete Faust der UdSSR an der Ostsee“. Der Umfang der russischen Streitkräfte (Vooruzhonnyye sily – VS) in der Region war in den letzten 35 Jahren starken Schwankungen unterworfen.
Anfang der neunziger Jahre waren zeitweise über 100.000 Soldaten in der Enklave stationiert, da die Region die Truppenteile aufnehmen musste, die aus den osteuropäischen Staaten abgezogen wurden. Bei Beginn des Ukrainekrieges im Februar 2022 waren hier noch 25.000 bis 30.000 Mann stationiert. Da das 11. Armeekorps im Mai 2022 in die Ukraine versandt und dort innerhalb eines halben Jahres verheizt wurde, nahm die Zahl der im Raum Kaliningrad stationierten Soldaten schnell rapide ab. Heutzutage sind kaum noch 25.000 Soldaten aller Teilstreitkräfte in der Region disloziert. Seit Anfang 2018 wird die militärische Infrastruktur in der Enklave ausgebaut und modernisiert. Die Frage lautet nun, was beabsichtigt die russische Militärführung im Raum Kaliningrad nach dem Ende des Ukrainekrieges.
Entwicklung des Militärpotentials
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Jahr
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Soldaten
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KPz
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SPz
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Artillerie
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Kampf-
Heli-
kopter
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Flug-
zeuge
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Schiffe
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U-Boote
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1990
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202
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47
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1991
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169.000
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45
|
540
|
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1992
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295.200
|
1.706
|
2.957
|
1.427
|
48
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1993
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1994
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1.230
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1.470
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60
|
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1995
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1996
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1997
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850
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925
|
426
|
50
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1998
|
60.000
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1999
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32.000
|
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860
|
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134
|
36
|
21
|
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2000
|
25.000
|
816
|
853
|
345
|
20
|
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99
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2001
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2002
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2003
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811
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865
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345
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41
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55
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2010
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12.500 bis
13.000
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811
|
1.239
|
345
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2012
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18.000 bis
25.000
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2019
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56
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21
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Anmerkung: (1) Die U-Boote der Kilo-Klasse sind in Kronstadt bei Sankt Petersburg stationiert. Zur Zeit soll nur noch ein U-Boot einsatzbereit sein.
Quelle: Żyła, Marek (War Studies University, Warschau): Kaliningrad oblast in the military system of the Russian
Federation, in: Security and Defence Quarterly, Juni 2019, S. 105-107, Online: https://securityanddefence.pl/pdf-105636-41814?filename=Kaliningrad-oblast-in-the.pdf
Über die Organisationsstruktur der Streitkräfte in der Enklave berichtete Marek Żyła von der Akademia Sztuki Wojennej in Warschau 2019:
“The following naval forces are subject to the Baltic Fleet Command: 128th Surface Ships Brigade, 71st Assault Ships Brigade, 36th Torpedo Boats Brigade, 64th Water Protection Ships Brigade with auxiliary units, two naval bases in Baltiysk and Kaliningrad, several bases with auxiliary units (hydrographic, repair, tugboats and others) and coast protection units (engineering, repair, medical, supply, communications, etc.). The land and air components of the Baltic Fleet include: 336th Maritime Infantry Brigade, 313th Special Purpose Baltic Fleet Squad, 4th Air Assault Regiment, 689th Air Fighter Regiment, 398th Air Transport Squadron, 125th Helicopter Squadron and 396th Deck ASW Helicopter Squadron. The Air Force units of the Baltic Fleet are stationed in bases in Chkalovsk, Chernyakhovsk and Donskoye. Most of the Land Force units, including artillery, missile, anti-aircraft and Spetsnaz, are directly under the command of the Western Military District. The most important of these are: 79th Motorised Guard Brigade from Gusev, 7th Motorised Guard Infantry Regiment from Kaliningrad, 152nd Missile Guard Brigade from Chernyakhovsk (equipped with Toczka-U, Toczka-M and Iskander missile systems), 244th Artillery Brigade of Kaliningrad, 25th Baltic Sea Missile Regiment, Kaliningrad and Baltiysk-stationed Spetsznaz subdivisions, 3rd Air and Space Force Brigade from Kaliningrad including two missile regiments armed with S-300 systems (183rd one from Gvardeysk and 1545th one from Znamensk) and the 22nd Anti-aircraft Missile Regiment from Kaliningrad equipped with the Tor-M1 system. The ranks of the 3rd Brigade also include extensive radio-electronic recon and electronic combat units as well as the Voronezh-DM (Pionerskoye) radar station, which can detect objects up to 6 000 km away. This station is part of the ballistic missile early warning system. Among other subdivisions stationed in the exclave, one should mention: 841st Radioelectronic Warfare Centre, 302th Radioelectronic Warfare Regiment, 73rd Pontoon-Bridge Battalion, 142nd Radioelectronic Warfare Battalion, 37th Engineering and Sapper Battalion, 148th Repair Battalion and 1488th Motor Vehicle Battalion.” (3)
Dazu berichtete „Wikipedia“:
“In 1999, the Kaliningrad defense region included 850 tanks, 550 multiple rocket launching systems, 350 artillery systems, 99 ships of various types (including six submarines), more than 180 combat and transport aircraft and helicopters, and 25,000 troops. By 2008, region had 30 ships (two destroyers, four landing craft, and a missile boat brigade), three diesel submarines, a brigade of marine, tank, artillery and motorized infantry units, and formations of up to two divisions of the assault (SU-24) and fighter (SU-27) aircraft, S-300 (missile) air defense systems, and OTR-21 Tochka tactical missile systems.
At the beginning of 2010 the number of ground forces in the Kaliningrad special district was 10,500 ground troops (excluding the 1,100 in the naval infantry), divided into one motorized infantry brigade, one mechanized infantry regiment, one missile brigade with 12-18 OTR-21 Tochka systems, one artillery brigade, one helicopter regiment, one defense team. In the army of the Kaliningrad special district at the beginning of 2010 there were 811 tanks, 1,239 armored vehicles and armored personnel carriers of various types, 345 artillery and rocket systems. However, by 2012, the size of the marine brigade in the Kaliningrad region is projected to increase to four thousand troops.” (4)
Mit seiner Militärpräsenz verfolgt das russische Militär eine Anti-Access Area Denial-Strategy (A2AD). Dabei soll dem Gegner die Nutzung von Land, Gewässern und Luftraum einer Region effektiv verweigert werden. So strebt Russland die Vorherrschaft über die Ostsee an. Umgekehrt könnte die NATO versuchen, im Rahmen ihrer A2AD-Strategy die Schiffe der Baltischen Flotte in ihren beiden wichtigsten Stützpunkten Baltijsk und Kronstadt bzw. Sankt Petersburg einzuschließen, um ihrerseits die Seeherrschaft über die Ostsee zu erringen.
Im Prinzip war die gesamte Region seit 1945 Sperrgebiet, selbst „normale“ Russen hatten hier keinen Zugang. Mit dem Beginn des Kalten Krieges wurde die Abschottung noch verschärft. Die gesamte Oblast Kaliningrad war bis 1982 für Russen aus anderen Landesteilen auch aus militärischen Gründen abgesperrt.
Erst seit dem 1. Februar 1991 dürfen Ausländer Teile der Region betreten. Allerdings ist ein Betreten fraglicher Gebiete (z. B. Grenzgebiete) Ausländern bis heute nur mit einer Sondergenehmigung (russ.: propusk) durch den Sicherheitsdienst Federalnaja sluschba besopasnosti (FSB) erlaubt. So gelten noch heute Teile der Enklave (Grenzstreifen, Dörfer, Städte, Häfen, Straßen, Eisenbahnlinien) als militärisches Sperrgebiet (russ.: Voyennaya zapretnaya zona). Dazu warnt das Auswärtige Amt in Berlin Reisende:
„Für Ausländer gilt u.a. eine ca. 2 bis 5 km breite Zone um die Grenzen als Sperrgebiet, die man nur auf direktem Weg auf der Hauptstraße zum Grenzübergang benutzen darf. Des Weiteren gehören u.a. dazu die Stadt Baltijsk, die Frische Nehrung, Teile der Verwaltungsbezirke Selenogradsk, Swetlogorsk, Gurjewsk, Krasnosnamensk und Nesterow sowie Teile der Stadt Jantarny und der Stadt Swetly. Die genaue Auflistung können Sie in der beigefügten Verordnung einsehen.“ (5)
Der Chef des estnischen Auslandsnachrichtendienstes Välisluureamet (VLA), Kaupo Rosin (Amtsantritt: November 2022), meinte in Bezug auf die zukünftigen Entwicklungen im Dezember 2025:
„We also know that Russia has planned a military reform that includes our region, along the Finnish border, the Norwegian border and in Kaliningrad. We'll have to see how their resources are allocated, how much gets freed up from the Ukrainian front and whether that enables them to move forward with their military restructuring in our area.” (6)
Mehrere Militäranlagen können keiner spezifischen Teilstreitmacht zugeordnet werden:
- Baltijsk: Baltijsk (früher Pillau) liegt am Schifffahrtskanal zwischen der Ostsee und dem Fischhausener Wiek. Die Hafenstadt hat 32.000 bis 34.000 Einwohner. In der Artilleriyskaja Str. 12 liegt das 299. Saturn Ausbildungszentrum. Außerdem befinden sich vor Ort die 147. Taktische Gruppe und der 721. Kommunikationsknoten. Hinzu kommt der 342. Notfallrettungstrupp.
- Dolgorukovo: Dolgorukovo (vormals Stablawki) liegt an der Grenze zu Polen. Die Ortschaft hat kaum 3.000 Einwohner. Hier befindet sich eine große Kasernenanlage.
Gurjewsk: Gurjewsk (vormals Neuhausen) hat rund 28.000 Einwohner. Hier befindet sich das 2574. Waffen und Munitionslager (russ.: 2574-ya baza vooruzheniya i tekhniki) (Militäreinheit 13068) der Baltischen Flotte.
- Gwardeisk: Gwardeisk (vormals Tapiau), etwa 35 km östlich von Kaliningrad, hat ca. 15.000 Einwohner. In Gwardeisk sind das 254. Selbstständige Fernmeldebataillon (Militärnummer 21790) und das 2304. Funkingenieurbataillon disloziert.
- Kaliningrad: Kaliningrad ist eine alte Garnison, davon zeugen die preußische Zitadelle und ein Dutzend Forts aus dem 19. Jahrhundert. In Kaliningrad sind das 142. Selbstständige Elektronische Kriegsführungsbataillon (Militäreinheit 03047); das 134. Selbstständige Kommunikationsbataillon und das 135. Selbstständige Fernmeldebataillon (Territorial) (Militäreinheit 75236) stationiert. Letzteres befindet sich in der Kommuniticheskaya Str. 26. Außerdem sind dort der 340. und der 522. Kommunikationsknoten (Militäreinheit 40129) stationiert. Außerdem befinden sich hier das 790. Informations- und Rechenzentrum und das 493. Informationszentrum. Hinzu kommt ein Militärkrankenhaus (Militäreinheit 65411) und - in der A. Newski-Straße 174 - das 1098. Zentrum für staatliche sanitäre und epidemiologische Überwachung. (Militäreinheit 60089) untergebracht. Nicht zuletzt befinden sich hier das 1488. Selbstständige Automobilbataillon und das 148. Selbstständige Reparatur- und Restaurierungsbataillon für umfassende Reparaturen hier.
- Jantarny: Jantarny (vormals Palweniken) hat fast 7.000 Bürger und liegt direkt an der „Bernsteinküste“ der Ostsee. Hier befindet sich in der Balebinstraße das 841. Selbstständige Elektronische Kriegsführungszentrum (Militäreinheit 09643).
- Konewo: Konewo (vormals Waldhorst) liegt fünf Kilometer südwestlich der Rajonstadt Osjorsk an der Grenze zu Polen. Die Siedlung hat kaum noch Einwohner. Hier befindet sich eine Kaserne.
- Lunino: In Lunino ist das 2306. Funkingenieurbataillon untergebracht.
- Nivenskoje: In Nivenskoje ist das 16. Funkingenieurbataillon stationiert.
- Primorsk: In Primorsk befindet sich das 2851. Kommunikationsdepot.
- Rjabinowski: In Rjabinowski befand sich die 2574. Rüstungs- und Munitionsbasis (Militäreinheit 13068). Das Depot wurde aufgelöst.
- Sowetsk: Sowetsk ist mit ca. 42.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in der Region. Sie liegt direkt an der Grenze zu Litauen. In Sowetsk befindet sich ein Militärkrankenhaus (Militäreinheit 52200).
- Tscherepanowo: Tscherepanowo (vormals Reichau) ist ein heute verlassener Ort in der Landgemeinde Mosyr. Hier befindet sich das 2776. Waffen- und Munitionsdepot (russ.: 2676-ya baza vooruzheniya i tekhniki).
Hinzu kommen u. a. die 146. Taktische Gruppe (Militäreinheit 20447), das SSV-231 „Wassili Tatischtschev“ (Militäreinheit 70180), das SSV-520 „Admiral Fjodor Golovin“ (Militäreinheit 09692) und das 6454. Instandsetzungswerk, etc. an unbekannten Standorten.
(Für eine Kartenübersicht siehe: Ośrodek Studiów Wschodnich Team: Fortress Kaliningrad – Ever Closer To Moscow, Warschau, Oktober 2019, S. 68, Online: file:///E:/Kaliningrad/Report_Fortress_Kaliningrad_net_0.pdf)
Heer
Anfang 2022, kurz vor Beginn des Ukrainekrieges war in der Region Kaliningrad noch ein umfangreiches Heeresarsenal vertreten. Der Personalbestand des russischen Heeres (Sukhoputnyye voyska - SV) betrug Anfang 2022 rund 12.000 Mann. Dazu berichtete „Wikipedia“:
„Gemäß dem Center for Strategic and International Studies waren Anfang 2022 im Gebiet Kaliningrad rund 12.000 Mann der russischen Streitkräfte stationiert. Zu ihrer Ausrüstung zählten rund 100 T-72-Kampfpanzer, einige hundert BTR-Schützenpanzer, MSTA-S-Haubitzen sowie BM-27- und BM-30-Mehrfachraketenwerfer. Das Gros der Truppen stellte das 11. Armeekorps. Das Korps nahm ab Mai 2022 am russischen Überfall auf die Ukraine teil und wurde binnen sechs Monaten größtenteils aufgerieben.“ (7)
Nach der Zerschlagung des 11. Armeekorps in Ukraine sind heute noch schätzungsweise 4.000 bis 6.000 Heeressoldaten in der Enklave präsent.
Die in der Region um Sankt Petersburg und Kaliningrad stationierten Heeresverbände sind u. a. der 6. Kombinierten Armee (6-ya gvardeyskaya obshchevoyskovaya armiya) mit Stab in Agalatowo, etwa 20 km nördlich von Sankt Petersburg, unterstellt. Divisionskommandeur ist seit 2023 Generalleutnant Sergei Ivanovich Storozhenko. Durch die Militärreform 2010 wurde die Struktur der Division zum sechsten Mal verändert, die alten Regimenter aufgelöst und in eine Brigaden-Struktur überführt, z. T. werden in den Quellen aber noch die alten Verbandsbezeichnungen verwendet. Die Masse der unterstellten Truppenteile ist im Raum Sankt Petersburg disloziert.
Die wichtigsten Standorte in der Region Kaliningrad liegen entlang der Fernverkehrsstraße A229 auf gleicher, geographischer Breite aufgereiht. Von West nach Ost handelt es sich um die Garnisonen Kaliningrad, Gwardeisk, Snamensk, Tschernjachows und Gusew.
- Bagrationowsk: Bagrationowsk (vormals Eylau) hat fast 6.500 Einwohner und liegt etwa 37 km südlich von Kaliningrad an der Grenze zu Polen. Hier unterhielt das russische Heer das 42. Arsenal der Artillerietruppe Glavnoye raketno artilleriyskoye upravleniye (GRAU) (Militäreinheit 95825). Das Munitionsdepot hatte einen Umfang von 8,4 Km bei einer Fläche von 3,5 qkm. Es bestand aus 45 Bunkern und 30 oberirdische Bauten. Hier lagerten ungefähr 105.300 Tonnen an Munition. Es wurde mittlerweile aufgelöst.
- Gusew: In der Enklave Kaliningrad ist u. a. das 11. Armeekorps (11-y Armeyskiy Korpus) (Militärnummer 25810) mit Hauptquartier in Gusew (früher: Gumbinnen) stationiert. Der Ort hat fast 30.000 Einwohner. Der Verband wurde erst am 1. April 2016 aufgestellt. Letzter hier bekannter Kommandeur ist Generalmajor Andrey Yurievich Ruzinsky. Gegen ihn wird wegen Kriegsverbrechen in der Ukraine ermittelt. Die Truppe verfügt über insgesamt 12.000 Soldaten, die u. a. mit 100 bis 135 Kampfpanzern T-72B3M ausgestattet sind.
Es verfügt u. a. über die 18. Garde Motorisierte Schützendivision (18. GdMotSchDiv), die erst im Dezember 2020 neu aufgestellt wurde. Sie gliedert sich in sechs Regimentern (75., 79., 275. und 280. MotSchBrig, 11. selbstständiges PzRgt und das 22. Garde Luftverteidigungsregiment plus ein Aufklärungsbataillon). Das 11. selbstständiges PzRgt (Feldpostnummer 41611) und das 79. selbstständige Garde-Motorisierte Schützenregiment (Militäreinheit 90151) ist mit seinem Hauptquartier ebenfalls in Gusew (Zoya Kosmodemyanskaja Str. 16) stationiert. (8) Der Personalbestand des Verbandes war früher nur zu 50 Prozent aufgefüllt, jetzt hat die Truppe volle Stärke.
- Gwardeisk: In Gwardeisk (Telmanstr. 21) ist das 73. Selbstständige Pontonbrückenbataillon (Militäreinheit 68433) stationiert.
- Kaliningrad: Kaliningrad (bis zum 3. Juli 1946 Königsberg) ist die Hauptstadt der Oblast. Für die verbliebene deutsche Bevölkerung (ca. 25.000 Menschen) bestand zunächst ein Ausreiseverbot. Ihre Vertreibung begann erst auf Befehl Stalins vom 11. Oktober 1947. Heute hat die Stadt rund 490.000 Einwohner (Stand: Oktober 2021)
In der Stadt selbst sind das 7. Selbstständige Garde Motorisierte Schützenregiment (7. MotSchRgt) (Einheit 06414) mit Schützenpanzern BMP-3, die 244. Artilleriebrigade (244. ArtBrig) (Militäreinheit 41603) mit ihren Haubitzen BM-21 GRAD und den Feldraketenwerfern B-27 URAGAN stationiert (Gorki-Str. 180) und das 22. Garde Flugabwehrraketenregiment (Militärnummer 54129) in der Jemeljanowa Str. 34 mit 9K331 TOR-M1/M2 und das 214. EloKa Regiment disloziert.
- Kruglowo: Kruglowo (früher Polennen) ist ein Weiler mit ca. 30 Einwohnern, wo die Kommunalstraße 27K-138 in die Regionalstraße 27A-013 (ex A192) einmündet, zehn Kilometer nördlich von Primorsk. Es gehört heute zum Stadtkreis Selenogradsk (vormals Cranz). Hier befindet sich das 154. Flugabwehrregiment mit dem Flugabwehrraketensystem S-400 Triumf, (9) dessen Raketen 40N64 haben eine Reichweite von 400 km und besitzen auch eine begrenzte Fähigkeit zur Raketenabwehr.
- Kulikowo: Kulikowo ist der Name von zwei kleineren Siedlungen in der russischen Oblast Kaliningrad. Beide Orte liegen im Rajon Selenogradsk an der Ostseeküste und waren früher als Strobjehnen und Elchdorf bekannt. In den Jahren 2016 bis 2018 wurden in einem der beiden Orte, nordwestlich von Kaliningrad, drei Bunker renoviert. Es wird vermutet, dass es sich dabei um den Ausbau eines Atomwaffenlagers handelt. Dazu berichtete Hans M. Kristensen im Jahr 2018:
„The Russian government has on numerous occasions stated that all its non-strategic nuclear warheads are kept in “central” storage, a formulation normally thought to imply larger storage sites further inside Russia. So the Kulikovo site could potentially function as a forward storage site that would be supplied with warheads from central storage sites in a crisis.
The features of the site suggest it could potentially serve Russian Air Force or Navy dual-capable forces. But it could also be a joint site, potentially servicing nuclear warheads for both Air Force, Navy, Army, air-defense, and costal defense forces in the region. It is to my knowledge the only nuclear weapons storage site in the Kaliningrad region. Despite media headlines, the presence of nuclear-capable forces in that area is not new; Russia deployed dual-capable forces in Kaliningrad during the Cold War and has continued to do so after. But nearly all of those weapon systems have recently been, or are in the process of being modernized.“ (10)
Anscheinend wurde das Lager im Jahr 2025 nochmals ausgebaut. So sprach der polnische Außenminister Radosław Tomasz „Radek“ Sikorski davon, hier würden bis zu 100 Atomsprengköpfe gelagert. (11)
- Kumatschowo: Kumatschowo (früher Kumehnen) ist ein kleiner Ort mit ca. 600 Bewohnern auf der Halbinsel Samland, an die die Kurische Nehrung (russ.: Kurschskaja kossa) anliegt. Hier soll sich das 81. Fernmeldetechnische Regiment befinden. (Nach anderen Angaben ist dieses im benachbarten Pereslawskoje disloziert.)
- Mamonowo: Mamonowo (vormals Heiligenbeil) hat ca. 8.500 Einwohner. Hier befindet sich das 37. Selbstständige Pionierbataillon (Militäreinheit 51061).
- Pavenkovo: Pavenkovo liegt 46 km Luftlinie südöstlich von Kaliningrad (entspricht einer Fahrtstrecke von ca. 64 km über die A229). Hier befindet sich ein Truppenübungsplatz, der auch als „Prawdinski-Poligon“ bekannt ist. Auf dem Truppenübungsplatz sind seit Dezember 2014 zeitweise auch Raketen der 152. Garde Raketenbrigade aus dem 55 km weiter östlich gelegenen Tschernjachowsk stationiert.
- Pereslawskoje: Pereslawskoje (früher Drugehnen) liegt auf der Halbinsel Samland kaum 20 km nordwestlich von Kaliningrad. Der Ort hat etwas mehr als 15.000 Einwohner. Hier soll sich das 81. Fernmeldetechnische Regiment befinden, das eine Radarstation betreibt. (Nach anderen Angaben ist dieses in Kumatschowo disloziert.)
- Prawdinsk: Prawdinsk ist ein kleiner Ort mit ca. 4.000 Einwohnern. In der Nähe befindet sich ein Truppenübungsplatz.
- Snamensk: Snamensk hieß bis 1946 Wehlau. Der Ort hat vielleicht 3.900 Einwohner und liegt ca. zehn Kilometer südöstlich von Gwardeisk. Er beherbergt das 1545. Flugabwehrregiment (Militäreinheit 64807) mit zwei Bataillonen/Staffeln, das früher mit S-300 PS und seit März 2019 mit S-400 TRIUMF (NATO-Code: SA-21 GROWLER) ausgerüstet ist.
- Sowetsk: Sowetsk (früher Tilsit) hat ca. 40.000 Einwohner. Hier ist das 75. MotSchRgt stationiert, das am 1. Februar 2021 neu aufgestellt wurde. Außerdem befindet hier seit 2020 das 20. Selbstständige Aufklärungsbataillon (Militärnummer: 12437). Das Bataillon betreibt Grenz- und Gefechtsfeldaufklärung sowie Zielmarkierung.
- Tschernjachowsk (früher Insterburg): Die Stadt hat etwas über 40.000 Einwohner. In Tschernjachowsk befindet sich eine große Kasernenanlage. Hier ist als selbstständiger Verband seit 2012 die 152. Garde Raketenbrigade (Militärnummer 58946) disloziert. Sie war zunächst mit atomaren Boden-Boden-Kurzstreckenraketensystemen 9K79-1 TOTSCHKA-U OTR-21 (NATO-Code: SS-21B SCARAB B) mit Raketen vom Typ mit Rakete 9M79-1 (Reichweite 120 km) und die moderneren 9K79M TOTSCHKA-M (NATO-Code ebenfalls SS-21 SCARAB B) mit Raketen 9M79M (Reichweite: max. 180 km) ausgerüstet.
Von der ISKANDER gibt es verschiedene Versionen, daher findet man oft in der Literatur scheinbar widersprüchliche Angaben: Ursprünglich war die ISKANDER ein operativ-taktisches Kurzstreckenraketensystem mit einer Reichweite von „nur“ 415 km und einem Atomsprengkopf AA-75, das ab 1987 vom Konstruktionsbüro KBM Kolomna in Udmurt entwickelt wurde. Neben dem ursprünglichen Kurzstreckenraketensystem ISKANDER gibt es auch die weiterreichenden Versionen ISKANDER-K und ISKANDER-M. Für diese verschiedenen Systeme stehen verschiedene Flugkörpermuster zur Auswahl, darunter mindestens zwei Varianten als Marschflugkörper. Die verschiedenen Flugkörper unterscheiden sich durch ihre Abmessungen, technischen Leistungsparameter, Antriebsart, Steuerung oder die Wahl des Gefechtskopfes: 9K720, 9K720E, 9K722, 9M723, 9M723-1, 9M723-1F, 9M723-1F2, 9M723-1F2TI, 9M723-1K, 9M723-1K5, 9M723-1K5TI, 9M723-1P, 9M723E, 9M723K, 9М723К-E, 9M723K1, 9M723K2, 9M723K3, 9M723K4, 9M723K5, 9M723P, 9M723TL, 9M728, 9M729, 9M2014 etc..
Die Version 9M723 ISKANDER-M wurde ab 2006 bei den russischen Streitkräften eingeführt, Sie hat eine Reichweite von 480 km. Für ihre Raketen 9M723 steht eine Auswahl an Gefechtsköpfen zur Verfügung, u. a. konventionelle Penetrationsgefechtskopf gegen verbunkerte Punktziele, Atomgefechtskopf AA-86 (9N70) mit einer variablen Sprengkraft von 5 bis 50 kt. Atomgefechtskopf AA-92 mit einer variablen Sprengkraft von 100 bis 200 kt, EMP-Sprengsatz (EMP= Elektromagnetischer Impuls).
Die 9M728 ISKANDER-KRYLATA (ISKANDER-K) (NATO-Code: SSC-7 oder SS-26 Stone-C) ist ein Marschflugkörper, der von den Werferfahrzeugen MSKT-7930 (8 x 8 ) ebenfalls abgefeuert werden kann. Er wurde 2009 beim Heer eingeführt. Mit einer Reichweite von 500 km bei einer Treffgenauigkeit verstieß die Einführung dieses Marschflugkörpers gegen den INF-Vertrag.
Bei der 9M729 ISKANDER-KRYLATA (ISKANDER-K) (NATO-Code SSC-8) handelt es sich um eine Reichweitengesteigerte Version. Die Reichweite wird unterschiedlich mal mit 480 bis 2.600 km, mal mit 5.470 km angegeben. Bei der 9M729 handelt es sich um eine landgestützte Variante des maritimen Marschflugkörpers 3M14 KALIBR (NATO-Code: SS-N-30 SAGARIS).
Die verschiedenen ISKANDER-Raketen konnten entweder konventionell oder atomar bestückt werden, dazu standen insgesamt vier Typen von Nuklearladungen zur Verfügung: AA-60 (10-100 KT), AA-75 (1-10 KT), AA-86 (5-50 KT) und AA-92 (100-200 KT). (12)
Seit Oktober 2016 wurden die Stellungen der 152. Garde Raketenbrigade ausgebaut, u. a. wurden pneumatische Zelte als Hangars aufgestellt. Seit ca. 2018 wurden die Raketen auch mit Atomsprengköpfen bestückt. Seit 2019 rüstete die Brigade um auf 9K720 ISKANDER-M (NATO-Code: SS-26 STONE-B) ausgerüstet ist Sie haben eine Reichweite von ca. 500 km, eventuell auch 600 km, und erreichen so gerade Berlin (Entfernung Tschernjachowsk-Berlin 602 km). In der Region wurden seit damals 38 neue Munitionsbunker für konventionelle oder atomare Munition angelegt.
Die 152. Raketenbrigade war in Krementschug (Ukrainie) stationiert, im Juni 1960 verlegte sie mit ihren Kurzstreckenraketen 8K11 (NATO-Code: SCUD-A) nach Naumburg (DDR) und blieb dort bis Mai 1966 disloziert. Danach verlegte der Verband nach Kornewo (?) und Tschernjachowsk in der Region Kaliningrad. Ab dem 14. oder 17. Dezember 1983 wurde der Verband erneut in die DDR verlegt. Hier war er im Raum Waren an der Müritz disloziert. Der Verband war damals mit dem Flugkörper OTR-22 TEMP S (NATO-Code: SS-12N SCALEBOARD) ausgerüstet, der einen Atomsprengkopf AA81 von 500 Kt über eine Entfernung von 900 km transportieren konnten. Die Brigade verfügte über rund 1.500 Soldaten. Während sich der Hauptgefechtsstand in Wokuhl befand, verfügte die Brigade über drei Raketenabteilungen: 675. RA in Warensdorf (Militärnummer 84124), 806. RA in Warensdorf (Militärnummer 47560) und die 229. RA Wokuhl (Militärnummer 23060), die ab dem 25. Januar 1984 gefechtsbereit war und ab Sommer 1984 über eine zusätzliche Garnison in Strelitz-Alt verfügte. Ein Teil der atomaren Raketengefechtskopfe wurde im Bunker AU-11 in Waren deponiert. Hinzu kam die 349. Bewegliche Raketentechnische Basis (BRTB, russ.: Podvizhnaya raketno-tekhnicheskaya baza - PRTB) mit der Militärnummer 80512 in Fürstenberg-Neuthymen, die der Versorgung und Instandsetzung der Brigade diente. Im Rahmen des INF-Abkommens wurde der Abzug der Brigade und die Zerstörung der Atomraketen beschossen. Am 25. Februar 1988 verließen die ersten Einheiten den Bahnhof in Waren. Der Verband wurde 2011 in der Enklave erneut aufgestellt.
Außerdem befindet sich in Tschernjachows noch eine Instandsetzungswerkstätte.
Heeresflieger
- Kaliningrad-Khrabrovo: Auf dem früheren Fliegerhorst der Marineflieger, 5 km nördlich von Baltijsk, mit der damaligen Bezeichnung „7045. Fliegerbasis“ sind heutzutage keine Amphibienflugzeuge, sondern Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 (NATO-Code: HIND) der Heeresflieger positioniert.
Luftwaffe
Die regionalen Luft- und Weltraumkräfte (Vozdushno-kosmicheskiye sily — VKS) sind im 1. Kommando der Luftwaffe und Luftverteidigung (1. Kommandowanie WWS i PWO) in Woronesch zusammengefasst. Diesem Kommando sind drei Brigaden der Luft-Weltraum-Verteidigung (Brigada Wosduschno-Kosmitscheskoi Oboroni — BrWKO) in Seweromorsk, Tjatsi und Kaliningrad nachgeordnet. Die unterstellten Verbände sind auf verschiedene Fliegerbasen (Awiazionnaja Basa – AB) verteilt.
Abweichend hiervon waren nach Angaben des früheren NVA-Oberst Dieter Stammer 2010 folgende Verbände der Luftwaffe mit dem Mehrzweckkampfflugzeug Su-27 FLANKER ausgerüstet: die 2. Fliegergruppe in Petrosawodsk, die 4. Fliegergruppe in Khotlilowo und die 7. Fliegergruppe in Tschkalowsk, einem Stadtteil von Kaliningrad.
- Kaliningrad-Tschkalowsk: Der Fliegerhorst In Kaliningrad-Tschkalowsk wurde 1935/36 errichtet. Er wurde zuletzt 2012 bis 2018 umfassend modernisiert, so wurde die Startbahn auf 3.100 m verlängert und zahlreiche Hangars errichtet. Er ist heutzutage eine der größten Luftbasen in Russland. Er wird mal mit der Nummer 6967., mal mit 7054. AB, mal mit Bezeichnung „72. AB“ angegeben.
Er gehört zur sogenannten 7. Fliegergruppe. Hier sind wenigstens 4 Abfangjägerstaffeln á 6 Su-27 (NATO-Code: FLANKER) stationiert. Die Staffeln sollen mittlerweile auf Su-30M2 (NATO-Code: FLANKER-C) und Su-30SM (NATO-Code: FLANKER-C) umgerüstet worden sein. Möglicherweise sind hier auch noch Su-24 (NATO-Code: FENCER) stationiert.
Auf dem Fliegerhorst wurde am 7. Februar 2022 eine MiG-31K mit einem Flugkörper Ch-47M2 Kinschal (NATO-Code: AS-24 KILLJOY) gesichtet. (13) Im August desselben Jahres folgten drei weitere MiG-31K.
Außerdem sind in Kaliningrad-Tschkalowsk Hubschrauber Mi-8 (NATO-Code: HIP) und Mi-24 (NATO-Code: HIND) positioniert.
Seit April 2026 werden auf der Basis zusätzliche, gehärtete Flugzeughangars errichtet. (14)
- Tschernjachowsk: Tschernjachowsk ist eine Kreisstadt mit etwas über 40.000 Einwohnern. Hier liegt die 6962. AB mit 3 Frontbomberstaffeln zu jeweils 8 Su-24M (NATO-Code: FENCER-C). Die Basis wurde in den letzten Jahren modernisiert.
Daneben gibt es eine Anzahl ziviler Flugplätze, die durch die weitegehende Sperrung des NATO-Luftraums für den Luftverkehr von und nach Russland kaum noch genutzt werden können.
Luftverteidigung
Die Flugabwehr wird durch die Luft- und Raketenabwehrstreitkräfte (Voyska protivovozdushnoy i protivoraketnoy oborony – PVO PRO) gestellt. Die 44. Luftverteidigungsdivision gliedert sich in das 183. Garde Flugabwehrraketenregiment und das 1.545 Flugabwehrraketenregiment. Kontrollstellen befinden sich in Kaliningrad und in Tschernjachowsk. Hinzu kommt die 3. Luftverteidigungsbrigade der Marine. Das vorhandene Luftverteidigungssystem aus Heeres-, Luftwaffen- und Marineeinheiten wurde kürzlich um eine neue Radaranlage ergänzt. Die FlaRak S-400 ist seit April 2012 in der Enklave stationiert. Sie kann im begrenzten Umfang auch zur Raketenabwehr eingesetzt werden. Es ist geplant, insgesamt sechs Staffeln mit 48 Werfern auszustatten, die jeweils vier Flugkörper transportieren und abfeuern können.
- Baltijsk: In Baltijsk befindet sich die 3. Luftverteidigungsbrigade der Marine und eine Radaranlage der Luftverteidigung.
- Donskoje: In Donskoje befindet sich eine Radaranlage der Luftverteidigung.
- Gwardeisk: Hier ist die 44. Flugabwehrdivision, die über zwei Regimenter verfügt, disloziert. Ihr 183. Flugabwehrregiment (Militäreinheit 95043) befindet sich am selben Standort (Gagarinstraße). Es ist ausgerüstet mit S-300PS (NATO-Code: SA-10B GRUMBLE B), seit 2018 auch mit 40R6 S-400 TRIUMF (NATO-Code: SA-21 GROWLER) und sechs 96K6 PANTSIR -1 (NATO-Code: SA-22 GREYHOUND). Angeblich wurde der Verband mittlerweile aufgelöst.
- Jantarny: Hier befindet sich eine Radaranlage der Luftverteidigung.
- Kaliningrad: Die Enklave wird geschützt durch die 44. Luftverteidigungsdivision der Marine mit zwei Flugabwehrraketenregimentern in Gwardeisk und Kruglowo. In Kaliningrad befindet sich eine von zwei Kontrollzentralen der Luftverteidigung.
- Kruglowo: In Kruglowo ist das 1545. Flugabwehrraketenregiment mit 40R6 S-400 TRIUMF untergebracht.
- Primorsk: In Primorsk befindet sich eine Radaranlage der Luftverteidigung.
- Selenogrosk: Selenogorsk liegt an der Südspitze des Kurischen Haffs. Hier ist das 1488. Fluabwehrraketenregiment der Marine mit S-400 TRIUMF disloziert.
- Snamensk: In Snamensk befindet sich das 1.545. Flugabwehrraketenregiment mit zwei Bataillonen, die seit 2019 mit S-400 ausgerüstet sind.
- Tschernjachowsk: In Tschernjachowsk befindet sich eine Kontrollzentrale der Luftverteidigung.
Weltraumtruppen
- Pionerski: Pionerski (früher Neukuhren) ist eine Kreisstadt mit rund 13.000 Einwohnern an der Ostseeküste, ca. 35 km nördlich von Kaliningrad.
Um einen amerikanischen atomaren Raketen- oder Bomberangriff möglichst frühzeitig erkennen zu können, haben die Weltraumtruppen (Kosmitscheskije Woiska) der russischen Streitkräfte rund um ihr Territorium neun strategische Frühwarnradaranlagen aufgebaut. Eine dieser Großanlagen befindet sich seit November 2011/2014 auf dem Fliegerhorst Dunajewka zehn Kilometer entfernt von Pionerski. Der Ort Dunajewka (vormals Thierenberg) selbst wurde abgetragen, um Baumaterial zum Bau des Fliegerhorstes billig zu erhalten.
Bei dem Radar handelt sich um ein Raketenfrühwarnradar vom Typ WORONESCH-DM (GRAU-Index: 74YA6-DM). Die Anlage wird auch als „Pionerski RLS“ bezeichnet. Es wird von der 3. Brigade (Militäreinheit 42988) betrieben. Seine Phased-Array-Antenne hat eine Erfassungsreichweite von maximal 10.000 km. Es heißt, das Radar könne einen Fußball noch in einer horizontalen Entfernung von 6.000 km bzw. einer vertikalen Entfernung von 8.000 km entdecken. Außerdem kann das Radar gleichzeitig die Bahnen von 500 Objekten verfolgen. (15)
Sollten die USA ein oder mehrere Interkontinentalraketen auf Russland abfeuern, würde dies innerhalb einer Minute durch einen russischen Frühwarnsatelliten (früher OKO, seit dem 17. November 2017 auch Yedinaya kosmicheskaya sistema TUNDRA [GRAU-Index: 14F142]) erfasst, wenn die Rakete mit ihrem Feuerschweif die Wolkendecke durchbricht. Die weitere ballistische Bahn wird von den Satelliten verfolgt, damit die Warnzentralen am Boden mit ihren Computern die Einschlagsziele der Mehrfachsprengköpfe – soweit wie möglich — vorausberechnen können. Allerding entpuppten sich gerade die alten OKO-Satelliten als sehr störanfällig.
Nach etwa fünfzehn Minuten kommt die angreifende Rakete in den Erfassungsbereich der terrestrischen Frühwarnanlagen. Erst jetzt lässt sich erkennen, dass es sich nicht um einen Fehlalarm handelt, sondern tatsächlich ein Angriff erfolgt. Außerdem liefern die Bodenradarstationen weitere Informationen über die ballistische Raketenflugbahn. Daraufhin wird das Hauptzentrum zur Frühwarnung vor Raketenüberfall (russ.: Glavnyy tsentr preduprezhdeniya o raketnom napadenii — GTS PRN) (Militäreinheit 26302) in Solnetschnogorsk-7 bei der Ortschaft Timonowo im Raum Moskau informiert. Gleichzeitig werden die nationale Militär- und Politikführung informiert, damit sie in der verbleibenden Zeit von ca. 10 bis 15 Minuten über einen nuklearen Gegenschlag beraten und entscheiden kann und ein entsprechender Befehl noch an die strategischen Atomstreitkräfte erteilt werden und ausgeführt werden kann.
Weitere Radaranlagen befinden sich außerhalb der Region Kaliningrad in Lechtussi (WORONESCH-M 77Ya6-M) und Hanzawitschy in Belarus (Typ WOLGA), so dass durch Triangulation die feindlichen Raketenbahnen genauer bestimmt werden können.
Baltische Flotte
- Schwimmende Verbände
Die russischen Seestreitkräfte (Voyenno-morskoy flot — VMF) verteilen sich weltweit auf vier Flotten und eine Flottille. Das Hauptquartier der russischen Marine (Glavnoye komandovaniye Voyenno-Morskogo Flota) verlegte im Oktober 2012 von Moskau nach Sankt Petersburg. Ihr untersteht u. a. die Baltische Flotte (Baltijskij flot) (früher: Baltische Rotbannerflotte) in der Ostsee mit Hauptquartier in Kaliningrad. Die Flotten-Verwaltung (Militäreinheit 51280) ist in der Kirowstr. 24 untergebracht. Kommandeur der Flotte ist seit dem 8. Juli 2024 Sergei Lipilin. Die Führungsspitze der Baltischen Flotte ist für ihre Korruption bekannt, so dass die gesamte Führungsspitze (Vizeadmiral Viktor Petrovich Kravchuk, Vizeadmiral Sergei Popov, etc.) am 29. Juni 2016 ausgetauscht werden musste. (16) Die Flotte verfügt über 5 Zerstörer oder Fregatten, 20 Korvetten oder Patrouillenboote, 2 U-Boote mit Dieselantrieb. (17)
Die Flotte besteht u. a. aus der 12. Überwasserschiffsdivision mit HQ in Baltijsk. Diese setzt sich u. a. wie folgt zusammen:
- 128. Überwasserschiffsbrigade
-- 1 x Project 956 Zerstörer der Sovremenny-Klasse: NASTOYCHIVY (Taktische Nummer: 610) (Flaggschiff der Flotte, möglicherweise 2025 ausgemustert)
-- 2 x Project 11540 Fregatten der Neustrashimy-Klasse: NEUSTRASHIMY (712) und YAROSLAV MUDRY (777)
-- 5 x Project 20380 Korvetten der Steregushchiy-Klasse: STEREGUSHCHIY (530), SOOBRAZITELNYY (531), BOIKIY (532) (im Juni 2026 durch eine ukrainische Drohne angegriffen, Schadensausmaß unbekannt), STOIKIY (545) und MERKURY (535) (seit 2023 zur alten Eskadra im Mittelmeer abgestellt)
-- 1 x Project 11356R Fregatte der Admiral Grigorovich-Klasse): ADMIRAL GRIGOROVICH (745) (seit 2022 zum Mittelmeer abgestellt)
- 71. Amphibische Brigade “Roter Stern”
-- 4? x Project 775 (Ropucha-Klasse): MINSK (122) (zur Schwarzmeerflotte abgestellt, dort im September 2023 schwer beschädigt, seitdem auf der Werft), KALININGRAD (102) (zur Schwarzmeerflotte 2022 abgestellt), ALEKSANDR SHABALIN (110) (zur Schwarzmeerflotte abgestellt) und KOROLYOV (130) (2022 zur Schwarzmeerflotte abgestellt)
-- 2 x Project 1232.2 (Zubr-Klasse) Luftkissenboote: EVGENIY KOCHESHKOV (770) und MORDOVIYA (782)
-- Andere Landungsschiffe
3 × Project 21820 (Dyugon-Klasse): DENIS DAVYDOV, LEYTENANT RIMSKIY-KORSAKOV?, MICHMAN LERMONTOV?
5 × Project 1176 (Ondatra-Klasse): D-325, D-365, D-465, D-?, PKAO-772 – abgestellt zur Küstenwache des FSB
3 × Project 11770 (Serna-Klasse): D-67, ALEXEY BARINOV und IVAN PASKO
2? × Project 02510 (BK-16-Klasse) Schnellboot: D-315
Zumindest die Fregatte der Admiral Grigorovich-Klasse, die Korvetten der Mytischtschi-Klasse (and. Bez.: Karakurt-Klasse) und die Korvetten der Bujan-M-Klasse können mit dem Flugkörpersystem KALIBR-NK mit Marschflugkörpern 3M54T BIRJUSA (NATO-Code: SS-N-27 SIZZLER) zur Schiffsbekämpfung (Reichweite: ca. 600 km, mit einer konventionellen Sprengladung von 200 bis 500 kg oder Nukleargefechtskopf) ausgerüstet werden. Zur Bekämpfung von Landzielen steht außerdem der maritime Marschflugkörper 3M14T/S (NATO-Code: SS-N-30 SAGARIS) zur Verfügung. Dieser Marschflugkörper erzielt eine Reichweite von 1600 bis 2600 km. ein Nuklearsprengkopf ist vorhanden. Damit können die Schiffe von ihrem Ankerplatz im Hafen aus dem Stand heraus Ziele bis ins südspanische Andalusien angreifen. So besitzt jedes dieser Kriegsschiffe eine vielfach unterschätzte Feuerkraft. Sie können Ziele tief im Hinterland des Feindes attackieren und eignen sich insbesondere zur Bekämpfung der Infrastruktur (Strategic Operation for the Destruction of Critically Important Targets – SODCIT). Zum Waffensystem BASTION des Küstenschutzes gibt es auch eine schiffsgestützte Variante, den Flugkörper 3M 55 P-800 ONIKS (NATO-Code: SS-N-26 STROBILE) mit einer Reichweite von 300 km und Nuklearsprengkopf. Soweit hier bekannt wurde er auf den Schiffen der Baltischen Flotte noch nicht eingeführt.
Die Flotte verfügt über folgende Marinestützpunkte: Baltyisk-Pilau bei Kaliningrad und Kronstadt bei Sankt Petersburg.
Baltijsk: Baltijsk (früher Pillau) ist ganzjährig eisfrei und daher jederzeit nutzbar. Hier befindet sich seit 1956 das Hauptquartier der Baltischen Flotte. In Baltijsk sind nur Überwasserschiffe disloziert, die U-Boote der Baltischen Flotte befinden sich in Kronstadt. Folgende Schiffsverbände und Schiffe liegen im Hafen von Baltijsk:
- 64. Küstenschutzbrigade
-- 146. Taktische Gruppe mit 3 x Project 133.1 U-Abwehr-Korvetten der Parchim-Klasse: ALEKSIN (218), KABARDINO-BALKARIA (243) und KALMYKIYA (232)
-- 147. und 148. Taktische Gruppe mit 2-3 x SERGEY KOLBASEV (vormals BT-213; Einsatzstatus unbekannt), NOVOCHEBOKSARSK (vormals BT-212) und LEONID SOBOLEV (vormals BT-230)
-- 36. Lenkwaffenschiffsbrigade (Militäreinheit 20963) mit 6 x Project 21631 (Bujan M-Klasse) Lenkwaffenkorvetten: SERPUKHOV, ZELENYY DOL, GRAD (wurde im Jahr 2025 in russischen Gewässern von den Ukrainern angegriffen aber repariert), NARO-FOMINSK, STAVROPOL und OREKHOVO-ZUYEVO (im Jahr 2024 zum Einsatzverband im Mittelmeer abgestellt)
-- 1. Garde Raketenbootbataillon mit 5 (+1?) x Mytischtschi-Klasse: SOVETSK (nachgerüstet mit dem Luftverteidigungssystem Tor-M2KM), ODINTSOVO (seit 2024 nachgerüstet mit PANTSIR-M), AMUR, BURYA und KOZELSK (Einsatzstatus unbekannt)
-- 106. Lenkwaffenschiffsbataillon mit GEYZER (555), ZYB (560) und PASSAT (570)
-- 4 x Project 1241 (Tarantul III-Klasse) Lenkwaffenkorvetten: CHUVASHIYA, DIMITROVGRAD, ZARECHNYY und MORSHANSK
-- 3 × Project 12700 (Alexandrit-Klasse) Minensucher: ALEXANDER OBUKHOV (507), LEV CHERNAVIN (660) und VLADIMIR EMELYANOV (seit 2023 zum Mittelmeer abgestellt)
-- 2 × Project 10750 (Lida-Klasse) Minensucher: VASILY POLYAKOV (vormals RT-252) und VICTOR SIGALOV (vormals RT-273)
Nach anderen Angaben setzt sich die Marinestreitmacht in Baltijsk so zusammen:
- 128. Schiffsbrigade (128-ya brigada nadvodnykh korabley) in Baltyisk mit dem Zerstörer NASTOYCHIVYY, den Fregatten NEUSTRASHIMY und YAROSLAV MUDRYY, sowie den Korvetten STEREGUSHCHIY, SOOBRAZITELNYY, „BOIKIY und STOIKIY
- 71. Amphibische Brigade „Roter Stern“ mit den Landungsschiffen der Ropucha-Klasse MINSK, KALININGRAD, ALEXANDR SHABALIN und KOROLEV, sowie den beiden Luftkissenfahrzeugen der Zubr-Klasse EVGENIY KOCHESKOV und MORDOVIYA
- 64. Seeverteidigungsbrigade in Baltyisk mit den beiden Teileinheiten
-- 146. Taktische Gruppe mit drei Korvetten der Parchim-Klasse (ALEKSIN, KABARDINO-BALKARIEN und KALMYKIYA)
-- 147. Taktische Gruppe mit drei Minensucher der SONYA-Klasse (BT-212, SERGEY KOLBASEV und LEONID SOBOLEV)
--- 72. Aufklärungsbrigade (Militäreinheit 15130)
- 342. Notfall-Rettungs-Abteilung
Marineinfanterie
Zu den maritimen Landverbänden der Baltische Flotte — in Ergänzung des 11. Heereskorps der Landstreitkräfte – zählt insbesondere die Marineinfanterie (Morskaja pechota), die maritime Luftverteidigung (siehe oben), Sondereinheiten und weitere landgestützte Einheiten.
- Baltijsk: In Baltijsk-Metschnikowo (A. Newski-Straße) ist die 120. Garde Marineinfanteriedivision disloziert, die im Dezember 2025 aus der 336. Selbstständigen Marineinfanteriebrigade (Militäreinheit 06017) hervorgegangen ist. Der Personalbestand des Verbandes war früher nur zu 50 Prozent aufgefüllt, jetzt hat die Truppe der „Morpechi“ volle Stärke. Die Brigade ist mit BTR-82A ausgestattet. Teile der Divion befinden sich z. Zt. in der Ukraine im Einsatz. Bis 2008 wurden die Soldaten zu zivilen Hilfsarbeiten in der Stadt abgestellt, dafür bekamen sie „frei“, mussten aber ihren Lohn in der Kaserne abliefern.
- Gwardeisk: Gwardeisk (vormals Tapiau) sind das 69. Marine Pionierregiment (nach anderen Angaben in Primorsk disloziert) und das 302. Fernmeldetechnische Regiment.
- Kaliningrad: In Kaliningrad ist das 742. Kommunikationszentrum untergebracht. Das 7. Selbstständige MotSchützenregiment der Marineinfanterie (Militäreinheit 06414) befindet sich ebenfalls in Kaliningrad (Jemelyanowa Str. 90). Außerdem unterhält die 7. Abteilung der 167. Integrierten Basis für materielle und technische Unterstützung der Baltischen Flotte ist in Kaliningrad (Artilleriyskaja Str. 14/16) ein Depot. Nicht zuletzt gab es in Kaliningrad (Gertsena-Str. 2) ein Militärkrankenhaus der Marine. Es wurde mittlerweile geschlossen.
- Metschnikowo: Metschnikowo ist ein Ortsteil von Baltijsk (siehe dort)
- Pawlowo: Pawlowo (vormals Sonnenberg) ist ein verlassenes Dorf. Hier befindet sich in der Botkina-Straße 2 das Hauptmarinelazarett.
- Primorsk: Primorsk (vormals Fischhausen) darf nicht verwechselt werden mit dem gleichnamigen Ort bei Sankt Petersburg. Der Küstenort Primorsk in der Region Kaliningrad hat 1.500 Bürger und befindet sich in einer Bucht am sogenannten Frischen Haff, ca. 30 km östlich von Kaliningrad. Hier ist angeblich das 841. Zentrum für Elektronische Kampfführung (EloKa) untergebracht.
Küstenschutz
Die Küstenverteidigung (Beregowije wojska) besteht aus der 25. Küstenverteidigungsraketenbrigade in Donskoje, die über mehrere Batterien weitreichender Anti-Schiffs-Flugkörper in Baltijsk (?), Donskoje, Gwardeisk und in Kronstadt bei Sankt Petersburg verfügt.
- Donskoje: Donskoje (vormals Groß Dirschkeim) liegt im Stadtkreis Swetlogorsk an der Regionalstraße 27A-013 (ex A192). Der Ort hat ca. 3.000 Einwohner. Auf dem Fliegerhorst ist die 25. Küstenverteidigungsraketenbrigade (Militäreinheit 39108) stationiert. Sie verfügt über Radaranlagen MONOLIT-BR. Früher besaß der Verband Flugkörper P-35 (NATO-Code: SSC-1B SEPAL), heute über 3K60 BAL-E/K (NATO-Code: SSC-6 SENNIGHT) und K-300P BASTION-P (NATO-Code: SSC-5 STOOGE), die auch Marschflugkörper KALIBR verschießen können.
- Gwardeisk: Gwardeisk (vormals Tapiau) befindet sich das 299. Ausbildungszentrum für den Küstenschutz.
Marineflieger
Hinzu kommen folgende Einheiten der Marineflieger (Morskaja awiazija oder Aviatsiya Voenno-Morskovo Flota). Die Marineflieger der Baltischen Flotten tragen die Bezeichnung „Dvazhdy Krasnoznamonnyy Baltiyskiy flot“ (DKBF). Die 132. Gemischte Fliegerdivision mit Hauptquartier wurde im Mai 2019 gegründet. Sie gliedert sich in folgende Verbände:
- 4. Selbstständiges Marineangriffsregiment in Kaliningrad, wurde 2017 wieder gegründet
- 689. Garde Fliegerregiment in Kaliningrad-Tschkalowsk
- 125. Selbstständige Hubschrauberstaffel mit HQ in Kaliningrad-Tschkalowsk
- 396. Selbstständige Schiffsgestützte U-Abwehr-Hubschrauberstaffeln in Donskoje
- 398. Selbstständige Lufttransportstaffel mit Hubschraubern in Kaliningrad-Khrabrovo
Die Marineflieger sind auf folgende Stützpunkte verteilt:
- Donskoje: In Donskoje (vormals Groß Dirschkeim) befindet sich der alte Fliegerhorst der Marineflieger mit der Bezeichnung 72. Garde Flugbasis. Hier waren/sind folgende Einheiten untergebracht: 396. Selbstständige Staffel zur U-Boot-Bekämpfung (Otdel‘naya korabel‘naya protivolodochnaya vertolotnaya eskadril‘ya — OKPLVE) mit Hubschraubern Ka-27M/P (NATO-Code: HELIX) und Ka-29 (NATO-Code: HELIX-B), 398. Selbstständige Transportstaffel (Otdelnya Vertolyotnaya Transportnaya Eskadrilya — OVTE) und das 396. Gemischtes Hubschrauberregiment (Otdelnya Vertolyotnaya Eskadrilya – OVE). Nicht zuletzt waren in Donskoje Amphibienflugzeuge vom Typ Be-12 TSCHAIKA (NATO-Code: MAIL) stationiert.
- Kaliningrad-Tschkalowsk: Der Fliegerhorst in Kaliningrad-Tschkalowsk trägt die Bezeichnung „72. Fliegerbasis“ (russ.; Aviatsionnaya baza — AvB) Hier sind Marineflieger der Baltischen Rotbannerflotte disloziert, insbesondere seit Mai 2019 die 132. Gemischte Fliegerdivision (Smeshannaya Aviatsionnaya Diviziya).
Vor Ort sind folgende Einheiten disloziert: seit 2018 das 689. Garde Fliegerregiment „Marschall Alexander Pokrischkin“ (Gvardeyskiy Istrebitel´nyy Aviasionnyy Polk – GvIAP) mit zwei Staffeln Su-27P (NATO-Code: FLANKER), die auf Su-35 (NATO-Code: FLANKÉR-E/M) umgerüstet werden sollen, und das 4. Garde Marineangriffsregiment „Marschall Iwan Borzow“ (Morskoy Shturmovoy Aviatsionnyy Polk — MshAP), das seit Dezember 2016 mit einer Staffel Su-30SM/SM2 (NATO-Code: FLANKER-C) und einer Staffel Su-24M (NATO-Code: FENCER) bewaffnet ist, die u. a. mit dem Anti-Schiffs-Flugkörper Kh-61 bestückt sind, einer luftgestützten Variante des Überschall-Antischiff-Marschflugkörpers 3M55 P-800 ONIKS. Insgesamt handelt es sich um ca. 30 Kampfflugzeuge. Hinzu kommt – möglicherweise - eine Transporteinheit mit An-26 (NATO-Code: CURL), An-140 (NATO-Code: ?) und Tupolev Tu-134 (NATO-Code: CRUSTY), die 125. Selbstständige Hubschrauberstaffel mit Mi-8 und Mi-24 und – nicht zuletzt – eine Drohnenstaffel.
- Kaliningrad-Khrabrovo: Der internationale Flughafen in Kaliningrad-Khrabrovo wird sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Hier ist die 398. Selbstständige Lufttransportstaffel mit An-2, An-12, An-24, An-26 und Mi-8 disloziert.
- Niwenskoje: Südlich von Niwenskoje (vormals Wittenberg) befand sich ein Militärflughafen der russischen Marineflieger (vormals Flughafen Jesau der deutschen Reichsluftwaffe). Hier war das 288. Selbstständige Hubschrauberregiment mit Mi-24 (NATO-Code: HIND) stationiert. Der Luftstützpunkt wurde 2002 stillgelegt.
- Prawdinsk: Prawdinsk (vormals: Friedland) hat ungefähr 4.000 Einwohner. Es beherbergte zumindest früher einen Fliegerhorst der Marineflieger.
Nationalgarde
Die Nationalgarde (Rosgvardia) (vormals „Truppen der Inneren Sicherheit“) ist eine paramilitärische Truppe. Sie kann aber im Kriegsfall dem Heer unterstellt werden.
- Kaliningrad: In Kaliningrad (Krasnaja Str. 226) ist das 136. MotSchützenregiment (Militäreinheit 2659) stationiert. Außerdem befindet sich hier die Militäreinheit 3932. In der Osenjaja-Straße 11 befindet sich auch eine Einheit der Sondereinheiten der Bereitschaftspolizei Otrjad mobilny ossobowo nasnatschenija (OMON) mit dem Namen „Grad“, die Truppe ist für ihre gewalttätigen Repressionsmaßnahmen bekannt.
GRU-Spezialeinheiten
Die maritimen Spezialeinheiten des Militärgeheimdienstes Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU) sind auf die vier Flotten verteilt und werden als Otdel´nyi Morskoy Razvedyvatelnyi Punkt Spetsial´nogo naznacheniya (OMRPSn) bezeichnet. Sie haben eine Personalstärke von jeweils bis zu 1.700 Mann.
- Baltijsk: In Baltijsk befindet sich die 313. Abteilung der maritimen Sondereinheiten zur Sabotageabwehr der Baltischen Flotte (Militäreinheit 10742). Hinzu kommt als Aufklärungsverband die 603. Separate Division der sogenannten „Hydrographischen Schiffe“.
Außerdem befindet sich in Baltijsk einer von zwei landgestützten Störsendern, um den Empfang von GPS-Signalen zu verhindern. (18) So wird im Rahmen der Hybriden Kriegführung der Empfang von GPS-Daten durch Schiffe und Flugzeuge des potentiellen Gegners schon in „Friedenszeiten“ gestört. Die Rede ist hier vom „Baltic Jammer“. Dazu setzen die Russen ortsfeste Anlagen wie in Baltijsk und Okunjowo, aber auch mobile Störsender auf Lkw (GT-01 Murmansk-BN mit einer Reichweite von angeblich mindestens 1.000 km) oder Schiffen ein. (19) Die Reichweite der landgestützten, ortsfesten Störsender beträgt bis zu 450 km und erreicht damit deutsches Territorium. Zu nennen ist hier das System Krasukha-4. Zeitweise sollen bis zu 85 Prozent des estnischen Flugverkehrs von Signalstörungen betroffen sein. (20)
- Jantarny: In Jantarny ist das 218. Selbstständige EloKa-Regiment (Militäreinheit 83106) stationiert. In Co-Lokation befindet sich hier auch das 841. Zentrum für Elektronische Kampfführung (EloKa). Die Truppe arbeitet dem Militärgeheimdienst GRU zu.
- Kaliningrad: In Kaliningrad ist das 105. Kommando- und Aufklärungszentrum untergebracht,
- Okunjowo: Okunjowo (vormals Auerbach) ist ein verlassenes Dorf, etwa 23 km nordwestlich von Tschernjachowsk. Hier befindet sich heutzutage eine Störanlage zur Unterdrückung von GPS-Signalen, die vom 218. Selbstständigen EloKa-Regiment (Militäreinheit 83106) betrieben wird. (21)
- Parusnoe: In Parusnoe (früher Gaffken) ist der 561. Selbstständiger Marine Spetsnaz-Punkt (561-y avariyno-spasatel‘nyy tsentr) (Militäreinheit 10617) in Bataillonsstärke disloziert.
- Sowetsk: In Sowetsk befindet seit 2020 das 20. Selbstständige Aufklärungsbataillon (Militärnummer: 12437) mit verschiedenen Drohnen (Orlan-10) und Gefechtsfeldradaranlagen (1L277 SOBOLYATNIK und 1L111M Fara-VR). Der Funkmast des Bataillons ist weithin sichtbar. Das Bataillon betreibt Grenz- und Gefechtsfeldaufklärung sowie Zielmarkierung.
- Tschernjachowsk: In Tschernjachowsk (vormals Insterburg) betreibt der GRU seit 2025 eine „Circularly Disposed Antenna Array“-Anlage (CDAA) in Wullenweber-Technologie. Die kreisförmige Antenne hat einen Durchmesser von 1,6 km. Sie wurde ab März 2023 errichtet. Mit dieser SIGINT-Anlage lässt sich der Funkverkehr (Frequenzbereich: einige MHz bis 28 MHz) im Umkreis von 7.400 km abhören - also der gesamte Ostseeraum, die BRD und Westeuropa. (22)
- Sonstige: Auch die SATCOM-Kommunikation mit Satelliten wird durch die Russen gestört. Dazu verfügen sie über ein Dutzend Störsendern vom Typ TOBOL, eines dieser Systeme befindet sich bei Kaliningrad. Ein mobiler Störsender ist das System TIRADA-2. (23)
FSB-Einheiten
Da die Enklave eine vorgeschobene Grenzregion ist, muss man von einer erhöhten Präsenz des Sicherheitsdienstes Federal'naya sluzhba bezopasnosti (FSB) auszugehen, dessen Kräfte vor Ort dem Nordwestlichen Föderationskreis (Severo-Zapadnyy federal'nyy okrug) unterstellt sind.
Der FSB ist mit seiner Abteilung 5 sowohl auf dem Gebiet der Auslandsspionage (intelligence) als auch mit seinen Abteilungen 1 und 3 auf dem Gebiet der Spionageabwehr (counterintelligence) tätig. So befürchtet€ der FSB – entgegen allen Fakten - eine schleichende „Regermanisierung“ der Region, als gäbe es Demonstrationen „Ruskies go home!“.
Außerdem unterhält der FSB einen eigenen Grenzschutz: Pogranichnaya sluzhba (PS FSB), der mit Fahrzeugen, Booten, Flugzeugen und Hubschraubern ausgerüstet ist. Ausländer benötigen zum Betreten der Grenzregion eine Sondergenehmigung des FSB, die an mehreren Stellen beantragt werden kann:
- Bagrationowsk: In Bagrationowsk (Pogranichnaya Str 89) gibt es eine Passstelle, wo Ausländer eine Sondergenehmigung zum Betreten der Grenzregion (ein 1 bis 3 Kilometer breiter Streifen) beantragen können. Die Sondergenehmigung muss fünf bis zehn Werktage vor der Reise beantragt werden. Bei bestimmten Gebieten (z. B. Baltijsk) kann der Passierschein nur durch russische Staatsbürger beantragt werden, die die Ausländer bei ihrer Reise auch begleiten müssen. Heutzutage ist es oft sogar Russen, die nicht aus der Region stammen, immer noch verboten, bestimmte Gebiete zu betreten. (24)
- Baltijsk: In Baltijsk (Lenina Ave. 68) gibt es eine Passstelle, wo Russen für Ausländer eine Sondergenehmigung zum Betreten der Grenzregion beantragen können.
- Kaliningrad: In Kaliningrad gibt es eine Niederlassung des FSB im Gebäude des Polizeipräsidiums (Zdaniye politsayprezidium) (Sowjetski-Prospekt 3–5). In der Uliza Podpolkownika Emeljanowa 244 unterhält der PS FSB ein „Militärinstitut“ (Kaliningradskiy pogranichnyy institut FSB Rossii - FSCOU KAP FSB). (25). In der Suvorova Str 15 gibt es eine Passstelle, wo Russen für Ausländer eine Sondergenehmigung zum Betreten der Grenzregion beantragen können.
- Nesterow: In Nesterow gibt es eine Passstelle, wo man für Ausländer eine Sondergenehmigung zum Betreten der Grenzregion beantragen können.
- Selenogradsk: In Selenogradsk betreibt der FSB eine Niederlassung für Cyberspionage. (26)
- Sowetsk: In Sowetsk (A. Nevskoga Str. 7) gibt es eine Passstelle, wo man für Ausländer eine Sondergenehmigung zum Betreten der Grenzregion beantragen können.
- Tschernjachowsk: In Tschernjachowsk ist die Militäreinheit 2442 der Grenzschutztruppen disloziert.
Zivilschutz
Für den Zivilschutz ist das Ministerium der Russischen Föderation für Zivilschutz, Katastrophenschutz und Beseitigung der Folgen von Naturkatastrophen (Ministerstvo Rossiyskoy Federatsii po delam grazhdanskoy oborony, chrezvychaynym situatsiyam i likvidatsii posledstviy stikhiynykh bedstviy) zuständig. Das Ministerium ist international besser unter seinem britischen Akronym „EMERCOM“ bekannt.
- Kaliningrad: Die regionale Zentrale des Zivilschutzes befindet sich in der Ozernaya Str. 31a. Vor der Küste der Ostseeenklave Kaliningrad liegt das Spezialschiff „Marschall Wasiljewski“ auf Reede. Es ist das einzige Schiff in Russland, das zur Umwandlung von Flüssiggas dient. Damit will die russische Regierung im Fall der Fälle die Energieversorgung der Enklave sicherstellen. (27)
Rüstungsindustrie
Kaliningrad: In Kaliningrad befindet sich die Werft „JSC PSZ Jantar (dt.: „Bernstein“), die u.a. Kriegsschiffe (Fregatten der TALWAR-Klasse und Landungsschiffe der IWAN-GREN-Klasse) baut. Außerdem gibt es in der Stadt mehrere Fabriken zur Produktion von Militärelektronik und Computertechnologie.
Zwischenfälle
Im Rahmen ihrer Hybriden Kriegsführung setzt die russische Militärführung ihre Truppenteile in der vorgeschobenen Militärregion wiederholt für Angriffe ein; umgekehrt ist die Enklave ein beliebtes Ziel der NATO-Aufklärung. Nahezu täglich gibt es entsprechende Meldungen, wiederholt wurden Zwischenfälle provoziert. Während die baltischen Staaten behaupten, Russland lenke ukrainische Drohnen gezielt auf NATO-Gebiet um, wirft Moskau den baltischen Staaten vor, der Ukraine das eigene Territorium für Angriffe auf russisches Staatsgebiet zur Verfügung zu stellen. Die Russen lieben es, Kampfdrohnen in Polen abstürzen zu lassen, wobei sie kleinere Brände oder sonstigen Schäden anrichten. (28)
- Am 2. März 2022 drangen zwei russische Jagdbomber Suchoi Su-24 (NATO-Code: FENCER) mit Begleitschutz durch zwei Jagdflugzeuge Su-27 (NATO-Code: FLANKER), die in der Enklave Kaliningrad stationiert waren, in den schwedischen Luftraum über der Insel Gotland ein. Daraufhin schickte die schwedische Luftwaffe eine Rotte aus zwei JAS-39 GRIPEN im Alarmstart los, die die Eindringlinge abfingen. Die russischen Piloten der beiden Jagdbomber hätten dann deutlich gezeigt, dass ihre Maschinen mit Atomwaffen ausgerüstet sind. Außerdem machten die schwedischen Piloten Fotoaufnahmen der russischen Flugzeuge auf, auf denen die Atomwaffen zu erkennen sind. (29)
- Im März 2024 reiste der britische Verteidigungsminister Grant Shapps an Bord eines VIP-Transporters von Polen zurück nach Großbritannien. Über der Ostsee wurde der GPS-Empfänger für ca. eine halbe Stunde gestört, auch das Internet fiel aus.
- Zur See kam es wiederholt zu maritimen Vorfällen. Am 2. August 2014 und am 2. September 2014 sollen russische Kriegsschiffe der Baltischen Flotte finnische Forschungsschiffe bedrängt haben.
- Am 18. Juli 2014 verletzte ein amerikanisches Spionageflugzeug den schwedischen Luftraum. Die Maschine hatte vor dem russischen Flottenstützpunkt Kaliningrad eine Aufklärungsmission durchgeführt und war daraufhin von russischen Abfangjägern abgefangen worden. Daraufhin rettete sich der US-Pilot in den schwedischen Luftraum.
- Am 17. September 2014 drangen zwei russische Militärflugzeuge Suchoi Su-27 FLANKER aus Kaliningrad in den Luftraum über der schwedischen Insel Öland ein; sie wurden daraufhin von einer Alarmrotte aus zwei Saab E-39 Gripen JAS abgefangen. Zwei Tage später übergab die schwedische Regierung dem russischen Botschafter eine diplomatische Protestnote.
- Am 2. oder 3. Oktober 2014 näherte sich ein russischer Abfangjäger bis auf wenige Meter einem schwedischen Aufklärungsflugzeug, das im internationalen Luftraum vor der russischen Marinebasis Kaliningrad patrouillierte.
- Am 21. Oktober 2014 ein weiterer Luftraumverstoß durch eine Iljuschin Il-20 COOT-A, die in Kaliningrad gestartet war. In diesem Fall zeigte sich, wie aufwendig die Abwehrjagd ist: Nachdem der russische SIGINT-Aufklärer bei der Insel Sarema rund 600 Meter tief in den estnischen Luftraum eingedrungen war, entsandte die NATO zunächst drei dänische Jagdflugzeuge (F-16AM?), die damals an der NATO-Operation zur Überwachung des baltischen Luftraums (BALTIC AIR POLICING) teilnahmen, um die russische Maschine abzufangen. Dies scheiterte und die Il-20 flog einfach weiter. Daraufhin versuchten mehrere schwedische Jäger erneut, den Eindringlich abzuwehren. Auch dieser Versuch scheiterte und nun übernahmen mehrere portugiesische General Dynamics F-16A FIGHTING FALCON, die ebenfalls im Baltikum stationiert waren, die Aufgabe. Daraufhin drehte die Il-20 nach Süden ab, drang frech erneut in den estnischen Luftraum ein und flog schließlich zurück nach Russland. (30)
- Am 6. und 7. Dezember 2014 flog eine Formation aus rund einem Dutzend Kampfflugzeugen von Kaliningrad einen Rundkurs über der Ostsee. Daraufhin starteten finnische und schwedische Abfangjäger.
- Am 16. Januar 2023 flog ein Seepatrouillenflugzeug P-3C ORION der deutschen Marineflieger entlang der Küste vor der Enklave Kaliningrad. Daraufhin stieg ein russischer Abfangjäger Su-27 auf. (31)
- Juni 2024: Ein Reisender verließ illegal einen Transitzug auf der Fahrt von Kaliningrad durch Litauen nach Russland (227 km). Diese sogenannten „Bernsteinzüge“ sind täglich in beiden Richtungen unterwegs. Sie werden von litauischen Spezialeinheiten mit Hubschraubern und Drohnen überwacht, um solche Zwischenfälle oder unbemerkten Personentransfer zu verhindern. (32)
- Am 25. November 2024 bedrängten zwei russische Kampfjets vom Typ Su-27 in der Nähe der Exklave Kaliningrad zwei amerikanische Bomber vom Typ B-52H STRATOFORTRESS, die dort an einem NATO-Manöver teilnahmen. An der Übung waren auch finnische Kampfjets des Typs F/A-18C HORNET beteiligt. (33)
- Am 10 Februar 2025 drang eine Su-24MR (NATO-Code: FENCER-E), die in Kaliningrad gestartet war, in den polnische Luftraum ein. Der Scheinangriff dauerte eine Minute und zwölf Sekunden. Als die polnische Luftüberwachung den Piloten warnte, drehte dieser daraufhin ab. (34)
- Am 24. September 2025 wurde der GPS-Empfang des Flugzeugs der spanischen Verteidigungsministerin María Margarita Robles Fernández (PSOE) während ihres Fluges nach Litauen nahe der russischen Enklave Kaliningrad gestört. Allerdings zwang das „Jamming“ des GPS-Signals zwang die Maschine der spanischen Luftwaffe nicht zur Kursänderung, da moderne Militärflugzeuge auf alternative Navigationssysteme zurückgreifen können. (35)
- Am 19. Mai 2026 waren gleich drei amerikanische Aufklärungsflugzeuge vor der Enklave Kaliningrad im Einsatz. Eine CHALLENGER 650 ARTEMIS II (ARTEMIS = Airborne Reconnaissance and Targeting Exploitation Multi-Mission Intelligence System) der U.S. Army Aviation startete in Constanta (Rumänien), die beiden anderen Aufklärer waren in Estland stationiert. Dabei handelte es sich um eine amerikanische King Air 350ER (ER = Extended Range mit einer Reichweite von 4.760 km) (militärische Bezeichnung: MC-12W LIBERTY?) und eine schwedische 340B ARGUS ISR (AEW&C). (36)
- Am 7., 8. und 21. Juli 2026 umflog ein ISR-Aufklärungsflugzeug (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance) vom Typ CHALLENGER 650 ARTEMIS II zum wiederholten Mal die Enklave. Die Maschine war in Constanta (Rumänien) gestartet. Begleitet wurde sie von einem SIGINT-Aufklärer RV-130W RIVET JOINT der britischen Luftwaffe, der auf der RAF Waddington stationiert ist. (37)
Am 31. Juli 2026 wurde ein russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Il-20 (NATO-Code: COOT) 40 Km nördllich von Kołobrzeg durch polnische F-16 FIGHING FALCON abgefangen.
(…)
Die NATO hat ihre Aufklärung gegen der Region Kaliningrad offensichtlich verstärkt. Durch ihre Satellitenaufklärung und ihr weltweites Stützpunktsystem hat die U.S. Regierung ein nachrichtendienstliches Monopol und sind wohl als Einzige umfassend über die russische Hochrüstung und Kriegsvorbereitungen im Raum Kaliningrad informiert. Allerdings ist in den letzten Jahren nichts darüber bekannt worden, dass Agenten - die Regionalregierung in Kaliningrad erfolgreich penetrieren konnten. Dennoch machen die Aufklärungsanstrengungen der NATO die militärpolitische Führung in Moskau zunehmend nervös. Gleichzeitig hat man den Eindruck, dass viel weniger Aufklärungsergebnisse der NATO an das Licht der Öffentlichkeit gelangen.
Nicht zuletzt nutzt der russische Inlandsgeheimdienst FSB die Enklave als Operationsbasis, um gegen die NATO-Nachbarländer Litauen und Polen „Grenzaufklärung“ zu betreiben.
Kriegsgefahr
In der Vergangenheit stellte die NATO lächerlich wenig Verstärkungen für Osteuropa zur Verfügung. Dies hat sich mit dem russischen Angriff auf die Ukraine in Februar 2022 deutlich geändert. Zur Verstärkung ihres Militärpotentials in Osteuropa hat die NATO das Projekt einer „Eastern Flank Deterrence Line“ bekanntgegeben. So verstärken die Polen zur Zeit ihre Grenzbefestigungen im Rahmen der Operation SCHUTZSCHILD OST (int.: EASTERN SHIELD; poln.: TARCZA WSCHÓD). Seit Anfang Juli 2026 bis zum Oktober 2026 sind daran auch mehrere Dutzend Pioniere der Bundeswehr beteiligt, die dazu im Artillerie-Ausbildungszentrum der polnischen Landstreitkräfte (Ośrodek Szkolenia POLIGONOWEGO Wojsk Lądowych Orzysz - OSPWL) in Bernowo Piskie (vormals Schlagakrug) in der Region Ermland-Masuren untergebracht sind. Geleitet wird der Bundeswehr-Einsatz durch das Operative Führungskommando in Berlin-Tegel. (38)
Außerdem hat die NATO die Präsenz vor Ort massiv verstärkt – beispielsweise durch die dauerhafte Stationierung der ihrer Boden- und Luftstreitkräfte in Osteuropa erhöht. So beteiligt sich die Bundeswehr an der NATO Enhanced Forward Presence Battle Group in Litauen. Die im Aufbau befindliche deutsche Panzerbrigade 45 (PzBrig 45, Sollstärke 4.800 bis 5.000 Mann) begann mit ihrer Dislozierung in Litauen. Ihr Hauptquartier befindet sich z. Zt. in Vilnius und zukünftig in Rūdninkai. Allerdings hat der Bundesverteidigungsminister Probleme, seit dem 1. April 2025 genügend Soldaten und Familienväter für den Dienst an der vordersten Front zusammen zu kratzen. Zur Zeit besteht die Brigade vor Ort lediglich aus der Stabs- und Unterstützungskompanie in Nemenčinė, einer Fernmeldekompanie in Rokantiškės und Kräften der NATO Multinational Battlegroup Lithuania (MN BG Lithuania). Am 27. Juli 2026 wurden die vorhandenen Kräfte durch Kampfpanzer LEOPARD II verstärkt, die in Kolonne erstmals durch die „Suwalki-Lücke“ zugeführt wurden. (39)
Um auf potenzielle Bedrohungen aus Kaliningrad und Belarus reagieren zu können, ist Deutschland in Zentraleuropa als logistische „Drehscheibe“ in die NATO-Operationspläne (OPLANs) integriert. Große Manöver, wie die Übungsserie CIMIC QUADRIGA, trainieren den Transit der ausländischen NATO-Truppen durch die BRD.
Angesichts der täglichen Angriffe der russischen Nachrichtendienste auf Deutschland im Rahmen der Hybriden Kriegführung mögen Intellektuelle darüber nachsinnen, ob wir uns schon im „Krieg“ oder noch im „Frieden“ befinden.
Für die NATO scheint die Sache klar zu sein. Sie spricht heute von der „Neutralisierung“ der Enklave im Kriegsfall, so der frühere NATO-Oberbefehlshaber (SACEUR) Admiral a. D. James George „Jim“ Stavridis (Amtszeit: 2. Juli 2009 bis 13. Mai 2013). Sollte es zum Äußersten kommen, müsse die NATO genau hier angreifen. Bei einer Eskalation müsse „die NATO ihre Ostsee nutzen, um Druck auf das winzige Kaliningrad auszuüben“. Dort befinde sich schließlich nicht nur Russlands Ostseeflotte, sondern auch „bedeutende Luft- und Raketentruppen“. (40)
Der frühere Kommandeur der U.S. Army Europe (CINCEURAREUR), General Frederick Benjamin „Ben“ Hodges (Amtszeit: 5. November 2014 bis 15. Dezember 2017), ließ im Oktober 2025 keinen Zweifel an der Überlegenheit der NATO aufkommen:
„Imagine that in 2025 Russia attacks Poland according to the same pattern as Ukraine. NATO will respond immediately. The Alliance’s aviation and ground forces will destroy its troops. (…) Kaliningrad will be eliminated within the first hours – there will be nothing left there. All Russian military facilities in this enclave will be wiped out. The same applies to Sevastopol. The Russian military bases there will also not survive the first hours of hostilities.” (41)
Sein Nachfolger, General Christopher Todd Donahue (Amtszeit: 10. Dezember 2024 bis 2. Juli 2026) stimmte dem am 16. Juli 2025 auf der „LANDEURO Germany“-Konferenz in Wiesbaden zu: Die US-Armee und ihre Verbündeten seien nun in der Lage, die Region Kaliningrad schneller als jemals zuvor vom Boden aus einzunehmen: „There’s absolutely no reason why that A2/AD bubble (…) We cannot take that down from the ground in a time frame that is unheard of and faster than we’ve ever been able to do.“ So sei die Exklave vollständig von NATO-Gebiet umgeben, und man verfüge über alle nötigen Systeme, Daten und Brigaden. Der Schlüssel liege in modernster Technologie wie KI-gestützter Zielerfassung. (42) Die Rede ist von Deep Precison Strikes (DPS).
Generalleutnant Holger Neumann, seit dem 27. Mai 2025 Inspekteur der Luftwaffe, kündigte in einem Exklusiv-Interview mit dem britischen „Telegraph“ im Falle einer größeren russischen Provokation einen umfassenden Gegenschlag gegen die russische Region von der Kola-Halbinsel bis nach Kaliningrad an. Dazu berichtete die Zeitung am 15. Juni 2026:
“Lt Gen Neumann said the Kola Peninsula in north-western Russia, Kaliningrad and the Black Sea would suffer the wrath of Nato if it was forced to defend itself. (…)
Speaking to The Telegraph at Kommando Luftwaffe HQ in Spandau near Berlin (gemeint ist das Kommando Luftwaffe in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow, G. P.), Lt Gen Neumann, 57, said: “If it comes to a conflict, hopefully never, but if it does, we will defend every inch of our territory. I think this is an important message, especially for the High North and our Baltic allies.
“It must be clear, there are no zones of different security, that Nato is Nato, down to the last inch. I think we have to make a very strong effort to, in security terms, over watch and, if required, act along certain regions.”
Lt Gen Neumann referred specifically to Kaliningrad, a strategic Russian exclave surrounded by Nato members; St Petersburg, which hosts key naval assets; the Kola Peninsula, where Moscow is amassing nuclear weapons, and the Black Sea – home to its prized Black Sea fleet.
The Luftwaffe chief was addressing an increasingly tense debate in Europe about whether it is prepared to go to war with Russia in defence of smaller allies on Nato’s eastern flank.
Estonia, Latvia and Lithuania, along with Poland, have faced escalating Russian aggression in recent months, such as drone attacks, which Western officials fear could be a prelude to an incursion. (…)
Despite decades of underinvestment in the German military, which is now being rapidly reversed, he insisted the air force was ready to “fight tonight” if Russia launched an attack.
He said: “Fight tonight means if someone calls me now and says we have the following situation here, we have to be ready now – and we are ready.
“We will go in with everything we have in Germany, the air force, but also in Nato, to defend our country, our values, our population, and our alliance.” (43)
Der frühere polnische Generalleutnant Jarosław Gromadzińsk, ehemaliger Kommandeur des Eurocorps (Amtszeit: 29. Juni 2023 bis zu seiner vorzeitigen Abberufung am 27. März 2024) erklärte am Dezember 2025:
"If Russia decides to attack (Poland and NATO - ed.), we have every right to enter there and eliminate the threat. In the army, for years we lived with the idea that Kaliningrad is a bunker that we must consider untouchable. They can shoot at us, but we cannot fully shoot at them. Today it must be said clearly: 'If you attack us, we can enter there, and you must consider this when planning'. (…)
This is not aggression. We are fully determined to defend ourselves and at the same time show: we do not want to do this, but if we are forced to do it, we will do it with full resolve — 300 kilometers will be scorched earth, and 900 kilometers will be set on fire. This is a clear signal, (…)
There is nothing here that should surprise us. We must accept as a fact that we are in a state of permanent hybrid war.” (44)
In gleicher Manier äußerte sich der deutsche Militärexperte Christian Mölling vom European Policy Center in Brüssel zum sogenannten „Knopfdruckkrieg“:
„Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass wir bereit und in der Lage sind, im Kriegsfall schon in der ersten Stunde russisches Territorium anzugreifen. (…) Darüber muss man große Klarheit haben, weil das natürlich die Diskussion über Eskalationsrisiken hochfeuern wird. (…) Die Russen wissen das alles. Sie kennen die Nato-Planung. Man will ja, dass die das wissen, damit sie nicht auf falsche Gedanken kommen.“ (45)
Und der litauische Außenminister Kęstutis Budrys erklärte im Februar 2024: „Wenn Russland es wagt, die Nato herauszufordern, wird Kaliningrad das erste Land sein, das ‚neutralisiert‘ wird.“ (46) Im Mai 2026 ergänzte er:
“We have to show the Russians that we’re capable of penetrating the small fortress they’ve built in Kaliningrad. (…) NATO has the capability, if necessary, to raze Russian air defenses and missile bases there to the ground.” (47)
Der Militärexperte Nico Lange (CDU), von 2019 bis 2022 Leiter des Leitungsstabs im Bundesministerium der Verteidigung, plädierte auf „X“ dafür, dass Deutschland mit europäischen Partnern den Druck auf Russland in der Exklave Kaliningrad und im Ostseeraum verstärken solle: „Die Krim und Kaliningrad dürfen keine strategischen Vorposten für Russland sein; vielmehr müssen sie zu kostspieligen strategischen Nachteilen werden.“ (48)
Angesichts dieser präpotenten Vernichtungsfantasien muss man sich wundern über das Bohai, dass die NATO wegen der „Suwalki-Lücke“ (poln.: Przesmyk suwalski, litauisch: Suvalkų koridorius, russ.: Suvalkskiy koridor) beständig propagiert. Die 65 km lange Landbrücke zwischen Litauen und Polen sei durch die russisch-belarussischen Truppen gefährdet, die durch eine Eroberung dieses Landstreifens das Baltikum vom übrigen NATO-Territorium abschneiden könnten. (49) Entweder die NATO setzt sich durch, dann bleibt die territoriale Integrität des Bündnisgebietes auch in diesem Bereich erhalten und das Baltikum kann über Polen logistisch versorgt werden, oder (Bela-)Russland setzt sich durch, dann kann die Region Kaliningrad über Belarus versorgt werden.
Denn auch die russische Seite verfügt über enorme Schlagkraft: Die polnischen Streitkräfte simulierten führten im Winter 2020/21 an der Militärakademie Akademia Sztuki Wojennej (ASzWoj) in Warschau ein All-Out-Szenario „ZIMA 20“ durch. Laut Drehbuch sollten die polnischen Streitkräfte die Ostgrenze 22 Tage lang halten. Aber bei dieser Stabsrahmenübung gelang es dem russischen Angreifer, Warschau innerhalb von nur vier Tagen zu erobern und bis zur Weichsel innerhalb von fünf Tagen vorzudringen. Die Frontbataillone des Heeres verloren 60 bis 80 Prozent ihres Personals, Luftwaffe und Marine hörten auf zu existieren. Die Kommandeure waren angesichts dieser Vernichtung schockiert und konnten das Übungsergebnis kaum glauben.
Die russisch-belarussischen Streitkräfte üben ihre Angriffsoperationen alle paar Jahre in der Manöverserie ZAPAD (dt.: West). Litauen, Polen und Frankreich probten die Verteidigung der „Suwalki-Lücke“ vom 16. Juni bis zum 26. Juni 2026 im Manöver GALLANT BOAR 2026 (dt.: TAPFERER EBER 2026).
So fürchtet man auf russischer Seite eine Blockade der Enklave zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Dazu berichtete der YouTube-Kanal „RFU News“ am 27. Juli 2026:
„Die strategische Lage Russlands verschärft sich dadurch, dass der europäische Luftraum für russische Überflüge nach Kaliningrad gesperrt ist und die Versorgung ausschließlich über internationale Luftkorridore von St. Petersburg aus aufrechterhalten werden kann. Aufgrund dieser extremen geopolitischen Exposition würden im Eintreten eines Bündnisfalls sämtliche Land-, See- und Luftkorridore durch NATO-Kräfte umgehend abgeriegelt. Dies würde Russland zur operativen Notwendigkeit zwingen, den Suwalki-Korridor – die einzige landgebundene Verbindung zwischen dem Gebiet und dem verbündeten Belarus – gewaltsam zu öffnen. Da dieser Korridor jedoch genau zwischen den beiden NATO-Staaten Polen und Litauen verläuft, würde ein solches Manöver unweigerlich den Ausbruch eines umfassenden Krieges nach sich ziehen.“ (50)
Der russische Rechtswissenschaftler und TV-Propagandist Dr. Sergej Sergejewitsch Karnauchow, ehemals Mitarbeiter des russischen Innenministeriums, ging noch weiter und schwadronierte im April 2026 über eine bevorstehende Invasion der Enklave durch die NATO:
„Sehen Sie sich an, was mit der Militarisierung der baltischen Staaten geschieht. An der Memel, wo einst Napoleon mit unserem Alexander (dem russischen Zaren Alexander I.) auf einem Floß saßen, werden genau an dieser Stelle auf der anderen Seite Pontonbrückenzufahrten gebaut, Straßen für Panzer werden betoniert. Sie bereiten sich also tatsächlich darauf vor, von Litauen aus in das Gebiet Kaliningrad einzudringen. Diese Befestigungsarbeiten können wir beobachten. Sie bauen das alles. Sie graben Kavernen ein. Estland, das Grenzgebiet zum Gebiet Pskow – dort wurden alle Reliktwälder abgeholzt, alle Ortschaften im Grenzgebiet des Gebiets Pskow sind mit Kämpfern vollgestopft, 20.000 ukrainische Söldner in NATO-Uniform (gemeint sind vermutlich die internationalen Truppenteile, die die NATO ins Baltikum entsandt hat, G. P.) sind dort derzeit einquartiert. Schwere Technik wird herangeschafft. Eine eigene Eisenbahnlinie für die Lieferung von schweren Panzerfahrzeugen wurde bereits gebaut.“ (51)
Dann ist eine nukleare Eskalation vorprogrammiert, wie der russische Duma-Abgeordnete Leonid Eduardowitsch Sluzki erklärte, der für seine Korruptheit bekannte Chef der rechtsextremen LDPR und Vorsitzende des Ausschusses für Internationale Angelegenheiten: „Ein Angriff auf Kaliningrad ist ein Angriff auf Russland und könnte mit Atomwaffen beantwortet werden.“ (52)
In den letzten vier Jahren wurde innerhalb der „NATO Defence Community“ insbesondere die Gefahr eines russischen Großangriffs bis 2027 oder 2028 oder 2029 diskutiert, der zu einem satten, europäischen Landkrieg führen würde. Dies war notwendig, damit auch der Letzte, den dies betrifft, die Lageentwicklung auf dem Schirm hat. Nun geht man dazu über, kleinere Angriffsoptionen zu durchdenken.
Bei allen Szenarien spielt die Enklave Kaliningrad eine herausragende Rolle:
1. Die Enklave Kaliningrad ist die am westlichsten gelegene Region Russland.
2. Wie der Korridor zwischen dem Deutschen Reichsgebiet und dem Freistaat Danzig in den dreißiger Jahren, so ist heute die „Suwalki-Lücke“ ein Dauerbrenner der sicherheitspolitischen Diskussionen auf beiden Seiten.
3. Die Enklave verfügt über ein ansehnliches Militärpotential, inklusive Atomwaffen sowie weitreichenden Flugkörpern und Jagdbombern. Gleich sieben Hauptstädte in den NATO-Staaten (Stockholm, Helsinki, Tallinn, Riga, Vilnius, Warschau und Berlin) liegen in der Reichweite der ISKANDER-Raketen mit einer Flugzeit von rund zehn Minuten.
4. Die Enklave teilt mit allen drei potentiell angegriffenen Gebieten an der NATO-Nordflanke (Finnland, Baltikum, Polen) eine Landgrenze, zumindest eine gemeinsame Seegrenze.
5. Bei jedem Angriffsszenario der NATO gegenüber der Enklave ist es unvermeidbar, dass die russischen Atomwaffen (ISKANDER, KALIBR, ONIKS und Systeme der Rohrartillerie) frühzeitig angegriffen und vernichtet werden. So wird die „Nuklearschwelle“ nicht „klassisch“ durch den Einsatz einer Atomwaffe überschritten, sondern indirekt durch die konventionelle Zerstörung der gegnerischen Atomwaffen.
Daraufhin man muss eine vertikale und horizontale Eskalation durch die verbliebenen russischen Atomstreitkräfte unterstellen. Da Atomwaffensysteme nicht nur in der Enklave Kaliningrad disloziert sind, sondern auch in Belarus, wo in Asipovichy, Krytschau, Prudoc, etc. seit 2023 ebenfalls atomare Trägersysteme stationiert wurden: Kurzstreckenrakete ISKANDER-M, Mittelstreckenrakete ORESHNIK (NATO-Code: SS-X-34) (seit Dezember 2025 auf dem alten Fliegerhorst Krytschau disloziert, Reichweite bis 5.000 km) und die Kampfflugzeuge SU-25 FROGFOOT sowie SU-30 (NATO-Code: FLANKER-C). (https://www.icanw.org/nuclear_weapons_in_belarus_what_we_know) Außerdem ist in Ust-Luga im Raum Sankt Petersburg die 26. Raketenbrigade disloziert, die seit 2015 über das Flugkörpersystem ISKANER-M verfügt. So muss man gleichzeitig von einer horizontalen Eskalation ausgehen.
Egal wo und wie der „Dritte Weltkrieg“ in Europa beginnt, die Region Kaliningrad wäre in jedem Fall vorrangig involviert. Daher ist es umso wichtiger, die militärischen Entwicklungen in und um Kaliningrad im Auge zu behalten. Aber angesichts der Naivität, mit der auch die Bundeswehr den russischen Machenschaften immer noch begegnet, ist nicht davon auszugehen, dass die Beamten „unserer“ staatlichen Sicherheitsorgane „vor die Lage“ kommen.
Angesichts des militärischen Misserfolgs der Russen im ukrainischen Stellungskrieg, der Erfolge der Ukrainer bei Angriffen in der Tiefe des Aggressors und des Niedergangs der russischen Kriegswirtschaft wird vermutet, dass der russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin nach den nächsten Duma-Parlamentswahlen am 18.-20. September 2026 einen Durchbruch durch Eskalation prozieren könnte. Eigentlich sind diese Wahlen in der „gelenkten Demokratie“ völlig überflüssig, weil im Parlament keine echte Oppositionspartei vertreten ist. Um ein Ventil für ebenso doofe wie unzufriedene zu öffnen, darf bei der anstehenden Wahl erstmals mit der sozialliberalen „Jabloko“ wieder eine echte Oppositionspartei antreten; damit diese nicht zuviele Stimmen bekommt, werden die Wahlbehörden schon sorgen. Immerhin rechnen Meinungsforscher damit, dass die herrschende Putin-Partei „Einiges Russland“ rund 9 Prozent ihres Wähleranteils verlieren wird, so dass Parteien der sogenannten „Systemopposition“, wie die nationalistische „Liberal-Demokraten“ (LDPR), Zuwächse verzeichnen werden. Um nicht noch größere Verluste zu erleiden, hält sich Putin mit irgendwelchen gravierenden Beschlüssen bis Ende September zurück. Danach könnte er offiziell das Kriegsrecht verkünden, Notstandsmaßnahmen ankündigen oder eine landesweite Einberufung von Wehrpflichtigen anordnen. (53)
Darüber hinaus könnte der sadistische Psychopath im Kreml eine Externalisierung seiner innenpolitischen Probleme versuchen, indem dieser Versager und Hasardeur durch inszenierte Zwischenfälle die Bündnisfähigkeit der NATO „testet“, lange bevor die Russen nach Einschätzung der NATO zu einem großen Landkrieg wieder in der Lage wären, möglicherweise noch vor Ende des Ukrainefeldzugs. Entsprechende Warnungen kamen von den amerikanischen, litauischen und polnischen Nachrichtendiensten. Verschiedene Szenarien sind denkbar, während die U.S. Streitkräfte gleichzeitig im Iran gebunden wären.
So berichtete der britische „Guardian“ am 26. Juni 2026 unter Berufung auf den litauischen Nachrichtendienst:
“On Monday, Latvian intelligence said: “We see indications that Russia is preparing military provocations against the Baltic countries or Poland.” However, it would be well short of a full-scale attack.
A senior political source from a second Nato member made a similar statement last week. They said “we are picking up intelligence” that Vladimir Putin was “planning something against the Baltic states”.
They said Putin might be willing to test US support for some of Nato’s smallest member countries – Estonia, Latvia and Lithuania – in a desperate effort “to throw the dice” as Russia struggles with its invasion of Ukraine.
On Thursday night, Poland’s prime minister (gemeint ist Donald Tusk, G. P.) went on record with his own concerns.
“We also share, without exception, the opinion that the situation is very unstable and various types of escalation can be expected in the coming weeks and months,” Donald Tusk said at a press conference after the Eastern Flank summit in Gdansk. “We will want to prepare as a group of countries directly exposed to this risk.”
Latvian intelligence said Russia was not capable of opening a second front, but was considering “hybrid attacks, such as missiles, drones or other actions designed to send a signal: stop supporting Ukraine, or you will have your own problems”. (…)
One Telegram channel reported that the Belarusian authorities in the Brest and Gomel regions of the country had demanded the mobile operators dismantle the repeaters (…).” (54)
Ergänzend berichtete der britische „Telegraph“ am 3. Juli 2026 über mögliche Szenarien:
“Russia is planning an armed “provocation” on Polish soil to test Nato’s resolve, the United States has warned.
Polish critical infrastructure could be targeted by missiles and drones or Russian soldiers could cross the border into Nato territory. (…)
The goal of the Russian provocation would be to escalate tensions and force Western allies to suspend aid to Ukraine. It could be launched in a matter of months.
Polish security sources have also not ruled out a more conventional attack, such as a small ground incursion of Russian soldiers across Nato’s eastern flank.
According to Onet’s security sources, provocation scenarios could include a drone attack on critical infrastructure, such as power stations, or simulated air strikes that would force Poland to activate its air defence systems.
One Polish intelligence source said that in the most extreme scenario, a “hybrid attack in the border region” could occur.
The same source said an armed incursion involving Russian or Belarusian soldiers was conceivable.
This could be presented by Russia as an accidental straying into Polish territory because of a GPS failure, or as a dubious rescue mission to retrieve a helicopter suffering from a malfunction. (…)
Any ground-based attack by Russia could be staged either from Kaliningrad, the Russian exclave to the north of Poland which hosts nuclear weapons, or from Belarus to the east. (…)
In a worst-case scenario for Nato, Russia’s aim would be to undermine Polish sovereignty, expose Nato as a paper tiger, and force the withdrawal of Western support for Ukraine – all without triggering a conventional war with the alliance.” (55)
Ein Szenario spricht davon, dass durch die Störung des GPS-Empfangs ein ziviles Passagierflugzeug abstürzen könnte, was eine entsprechende Zahl von Todesopfern ergeben würde. Daraufhin löst die NATO den Bündnisfall gemäß Artikel 5 des Washingtoner Vertrages aus. Da die Enklave Kaliningrad über keine strategische Tiefe verfügt, ihre Infrastruktur nur in begrenztem Umfang ausgebaut ist und die dortigen russischen Truppen keine Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten haben, würde die russische Seite durch einen Ersteinsatz von Nuklearwaffen reagieren.
Andrey Klintsevich, seit 2024 Leiter des Zentrums für die Erforschung militärischer und politischer Konflikte (Tsentr izucheniya voyennykh i politicheskikh konfliktov), der ein gern gesehener Gast in Propaganda-Sendungen des russischen Staatsrundfunk ist, entwarf folgendes Szenario:
„Der Militärexperte Andrey Klintsevich hat skizziert, was er als einen westlichen Plan für einen europäischen Krieg unter Beteiligung Russlands beschreibt.
Er argumentierte, die Globalisten hinter den heutigen westlichen politischen Führungspersonen hätten ein Szenario für einen begrenzten europäischen Konflikt entworfen, in dem Russland gezielt zu bestimmten Schritten provoziert werden solle. Nach seinen Worten bildet eine Blockade Kaliningrads das zentrale Element dieses Plans.
Klintsevich erklärte, der erste Schritt sei die Abkopplung des Energiesystems Kaliningrads – etwas, das nach seiner Darstellung bereits umgesetzt worden sei. In der nächsten Phase solle der Straßen- und Bahnverkehr unterbunden werden, anschließend eine Seeblockade, die sich gegen die zivile Schifffahrt richtet. (…)
NATO bereite sich seiner Ansicht nach auf dieses Szenario vor, indem sie die Blockade des Suwalki-Korridors plane. Polen und die baltischen Staaten hätten sich nach seinen Worten aus dem Übereinkommen zum Verbot von Antipersonenminen zurückgezogen, begonnen, ihre Grenzen zu verminen, und ihre östlichen Verteidigungslinien zu verstärken.
Er sagte, NATO beabsichtige, Russland in diesem Gebiet im Jahr 2028 zu einer Reaktion zu provozieren, fügte jedoch hinzu, dass die westlichen Vorbereitungen hinterherhinken.“ (56)
Der russische Duma-Abgeordnete General a. D. Andrej Viktorowitsch Guruljow, ehemaliger Stellvertretender Kommandeur des Militärbezirks Süd (Amtszeit: August 2016 bis Januar 2019) erklärte im Juni 2022:
„An der Grenze zu Weißrussland – in Kaliningrad – muss eine Militärpräsenz aufgebaut werden. Sie existiert bereits und ist kampfbereit. (…) Diejenigen, die mit ihrem Artikel 5 in der Luft herumfuchteln, sollten ihn zusammenrollen und sich in den Allerwertesten stecken. (…) Es ist unser Territorium, und wir werden entscheiden, was wir hineinbringen.“ (57)
Quellen
(1) https://esut.de/2025/09/meldungen/63576/die-grenze-zur-russischen-enklave-kaliningrad/
(2) https://xpert.digital/kaliningrad
(3) https://securityanddefence.pl/pdf-105636-41814?filename=Kaliningrad-oblast-in-the.pdf
(4) https://en.wikipedia.org/wiki/Kaliningrad_Special_Region
(5) https://germania.diplo.de/ru-de/service/11-informationenfuertouristen/
reglementierte-zonen-1588034
(6) https://germania.diplo.de/ru-de/service/11-informationenfuertouristen/
reglementierte-zonen-1588034
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Kaliningrad
(8) https://en.wikipedia.org/wiki/Leningrad_Military_District
(9) https://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-um-raketenschild-russland-
stationiert-abwehrraketen-an-nato-grenze-a-802294.html
(10) https://fas.org/publication/kaliningrad/
(11) https://www.rundschau-online.de/politik/kaliningrad-us-general-droht-mit-
eroberung-moskau-warnt-vor-weltkrieg-1068759
(12) https://www.milfors.de/Atomr.ue.stung-d--D-e2-j%E0-vu-im-Mittelstreckenbereich.htm
(13) https://www.washingtonpost.com/world/2022/02/11/russia-ukraine-military-videos-tiktok/
(14) https://www.flugrevue.de/militaer/baut-russland-shelter-fuer-seine-frontbomber-
neue-hangars-fuer-suchoi-kampfflugzeuge/
(15) https://en.wikipedia.org/wiki/Pionersky_Radar_Station
(16) https://www.themoscowtimes.com/2016/06/29/russias-baltic-fleet-command-
staff-sacked-for-serious-shortcomings-a53508
(17) https://www.telepolis.de/article/Die-Debatten-ueber-die-NATO-Nord
erweiterung-3372083.html?seite=all
(18) https://taz.de/Russische-Kriegswirtschaft/!6193553&s=Finnland/
(19) https://de.wikipedia.org/wiki/GT-01_Murmansk-BN
(20) https://esut.de/2025/09/meldungen/63576/die-grenze-zur-russischen-
enklave-kaliningrad/
(21) https://www.defensenews.com/global/europe/2025/07/02/researchers-
home-in-on-origins-of-russias-baltic-gps-jamming/
(22) https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/putin-laesst-mega-
abhoerstation-bauen-direkt-an-nato-grenze-68a46c8ece696d388164233a
(23) https://ojihad.wordpress.com/2024/04/28/der-baltic-jammer/
(24) https://visit-kaliningrad.ru/en/info/visa/inostrannye-grazhdane.php
(25) https://tadviser.com/index.php/Company:Kaliningrad_Border_Institute_of_the_
FSB_of_the_Russian_Federation
(26) https://defence24.com/geopolitics/europe-exposes-russias-cyber-war
(27) https://www.nzz.ch/international/ukraine-russland-schickt-nach-waffen-nun-
auch-vermehrt-truppen-ld.1668007?ga=1&kid=nl164_2022-2-3&mktcid=
nled&mktcval=164_2022-02-04
(28) https://de.euronews.com/2025/09/11/polen-nato-russland
(29) https://www.milfors.de/Ukraine_Krieg-2-.-0-_-34-.—Update.htm
(30) https://www.telepolis.de/article/Die-Debatten-ueber-die-NATO-
Norderweiterung-3372083.html?seite=all
(31) https://www.merkur.de/politik/kaliningrad-news-ostsee-russischer-kampfjet-
deutsches-aufklaerungsflugzeug-marine-bundeswehr-zr-92031539.html
(32) https://www.welt.de/politik/ausland/plus6904b024df9fa029228ef26a/litauen-
russlands-bernstein-zug-der-die-nato-jeden-tag-nervoes-macht.html
(33) https://www.20min.ch/story/zwischenfall-russische-kampfjets-fangen-nato-
bomber-ueber-der-ostsee-ab-103228216
(34) https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/zwischenfall-ueber-
der-ostsee-russen-jet-dringt-in-polens-luftraum-ein-67abdce61aeb2534badca6ba
(35) https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_100928278/
kaliningrad-flugzeug-von-spanischer-ministerin-von-gps-stoerer-getroffen.htm/
(36) https://tass.com/society/2132919
(37) https://caliber.az/en/post/fresh-surveillance-mission-nato-aircraft-detected-
near-russia-s-kaliningrad
(38) https://ospwlorzysz.wp.mil.pl/kontakt-2017-01-16-4/
(39) https://www.focus.de/politik/ausland/bundeswehr-verlegt-kampfpanzer-im-strassen
marsch-durch-den-suwalki-korridor_6fc6465c-4cb0-473e-8ec1-53d04ad3f5af.html
(40) http://tickets.kreiszeitung.de/politik/putin-nato-russland-krieg-plan-kaliningrad-
ostsee-baltikum-baltops-zr-93060627.html
(41) https://prm.ua/en/no-kaliningrad-what-will-happen-to-russian-bases-if-russia-
attacks-nato/
(42) https://www.mimikama.org/nato-grossangriff-auf-kaliningrad-was-ist-dran/
(43) https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/06/15/luftwaffe-chief-warns-
russia-german-ready-to-fight-for-nato/
(44) https://nashaniva.com/en/383359
(45) https://www.stern.de/politik/ausland/ukraine-podcast/gefahr-von-russland---
wir-muessen-in-der-lage-sein--sofort-anzugreifen--37564062.html
(46) https://www.rundschau-online.de/politik/kaliningrad-us-general-droht-mit-
eroberung-moskau-warnt-vor-weltkrieg-1068759
(47) https://english.nv.ua/nation/lithuanian-fm-says-nato-can-destroy-russian-
military-bases-in-kaliningrad-if-necessary-50609058.html
(48) https://www.n-tv.de/politik/20-09-Russland-greift-Frachter-vor-Odessa-an-id31086207.html
(49) https://de.wikipedia.org/wiki/Suwa%C5%82ki-L%C3%BCcke
(50) https://www.rfunews.com/de/articles/kaliningrad-is-next-record-war-
preparations-in-plain-sight-bigger-than-in-crimea
(51) https://deu.belta.by/society/view/wie-sich-europa-auf-eine-blockade-
des-gebiets-kaliningrad-vorbereitet-erlautert-ein-experte-82828-2026/
(52) https://www.mimikama.org/nato-grossangriff-auf-kaliningrad-was-ist-dran/
(53) https://www.fuldaerzeitung.de/politik-und-wirtschaft/die-lage-wird-immer-ernster
-putins-sicherheitsapparat-will-scheinbar-kriegsrecht-zr-94417848.html
(54) https://www.theguardian.com/world/2026/jun/26/russia-provocation-baltic-states-poland
(55) https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/07/03/russia-planning-attack-
on-poland-test-nato-resolve-us-warns/
(56) https://voennoedelo.com/de/posts/id5029-klintsevich-nato-plan-zur-
kaliningrad-blockade-2028
(57) https://www.rnd.de/politik/streit-um-kaliningrad-transit-russland-abgeordneter-
droht-nato-mit-angriff-53KULEMYA5BQXLLW4UG7NYW234.html