Russland: Truppenverstärkungen an der Grenze zu Finnland
Gerhard Piper
14. Juli 2026
Täglich gibt es Meldungen über russische Hybridangriffe auf die NATO-Staaten. Aufgrund ihrer exponierten, geographischen Lage sind Finnland, das Baltikum und Polen besonders gefährdet. Verschiedene NATO-Militärs rechnen mit einem möglichen Angriffs Russland für die Jahre ab 2028. Trotz des verlustreichen Ukrainekrieges rüstet die russische Regierung ihre Grenzregion gegenüber Finnland massiv auf.
Russische Aufrüstung auf Kola und in Karelien
Niemand weiß, wieviele Jahre der russische Tyrann Wladimir Wladimirowitsch Putin noch lebt, wie lange er sich noch an die Macht klammern kann, welche zukünftigen Konflikte, Krisen und Kriege sein krankes Gehirn noch ausdenken mag. Aber was man ziemlich genau messen kann, ist, welche Maßnahmen er zum Ausbau seiner Streitkräfte unternimmt und noch plan. Daraus kann man dann Rückschlüsse auf seine Pläne ziehen.
Derzeit wendet die russische Regierung 46 Prozent ihres Staatshaushaltes für die Streitkräfte (Vooruzhonnyye sily -VS) auf, damit ist der Militärhaushalt fast so hoch, wie alle anderen, zivilen Etatposten zusammengenommen. Nach den aktuellen Militärplanungen wird der Personalbestand der russischen Streitkräfte in den nächsten Jahren um mehr als 50 Prozent erhöht – von knapp 1.000.000 auf 1.510.000 Soldaten. Hinzu kommen ausländische Söldner, die in mehreren Dutzend Ländern rekrutiert werden, um dennoch auftretende Personallücken zu füllen. Nicht zuletzt werden Stationierungsorte ausgebaut oder neu angelegt. Frühere Militärstützpunkte, die nach dem Ende des Kalten Krieges geschlossen wurden, werden reaktiviert. Ganze Wälder werden gerodet, um Platz zur Errichtung neuer Kasernen zu schaffen. Neue Truppenübungsplätze werden als Truppenaufmarschgebiet angelegt, um aus dem Stand heraus in den Angriffsmodus übergehen zu können. Da die Industrie auf Kriegswirtschaft umgestellt wurde, werden Waffen en masse produziert. Eine Umkehr zu einer zivilen Wirtschaft, die für die Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse ausgerichtet ist, wäre schwierig und zeitaufwendig.
Der Personalbestand der russischen Truppenanteile an der russisch-finnischen Grenze wurde von 20.000 auf mittlerweile 30.000 aufgestockt. Geplant ist, in diesem Bereich rund 80.000 Soldaten zu dislozieren, befürchtet der finnische Heereschef Pasi Välimäki. (1) Das Aufgebot an der gesamten Nordostflanke wollen die Russen auf 115.000 Mann erhöhen. (2) Dies wird erst im Verlauf der kommenden 30er-Jahre erreicht werden, da z. Zt. viele Soldaten noch in der Ukraine gebunden sind. Außerdem stellen die russischen Behörden in der Region Karelien seit 2025 eine Bürgermiliz auf, die u. a die Grenztruppen unterstützen soll. (3)
Berichtet wurde, dass der militärische Fahrzeugbestand der Russen im Gebiet an der Grenze erhöht wurde. (4) Nach dem NATO-Beitritt von Finnland (4. April 2023) als 31. Mitgliedsstaat und Schwedens (7. März 2024) schwadronierte der verlogene Schwerenöter Wladimir Wladimirowitsch Putin 2024: „Wir hatten dort (an der finnischen Grenze) keine Truppen, jetzt werden sie dort sein. Es gab dort keine Zerstörungssysteme, jetzt werden sie dorthin verlegt.“ (5)
Außerdem wird die Militärinfrastruktur weiter ausgebaut, so werden neue Bahnlinien bis an die finnische Grenze verlegt, was überraschen muss, da diese seit Jahren geschlossen ist.. Der Militärexperte Juha Kukkola von der Nationalen Verteidigungsuniversität in Helsinki warnte Ende 2024: „An der Grenze zwischen Russland und Finnland gibt es etwa zwölf Stellen, die sich für eine Invasion mit mechanisierten Einheiten eignen. (…) Wenn man sieht, dass die Russen neue Bahnstrecken bauen und alte ertüchtigen, sollte man sich das ganz genau anschauen." (6)
Eine großangelegte Invasion gilt nicht als die wahrscheinlichste Variante eines möglichen russischen Angriffs, wobei Kukkola Finnlands Militär als im Prinzip stark genug ansieht, um das eigene Land zu verteidigen. Diskutiert werden auch Varianten, wonach Russland mit einem Angriff auf kleinere geografische Einheiten, etwa Åland, die Funktionsweise der NATO in einer Konfliktlage und die Vertragstreue der NATO-Mitgliedsstaaten testen könnte.
Zwar hat Finnland nur 5,6 Millionen Einwohner und nur 23.850 aktive Soldaten in seinen Streitkräften Puolustusvoimat, aber das Land will im Kriegsfall 870.000 Reservisten aufbieten. In den nächsten Jahren will man die Zahl der Reservestreitkräfte auf 1.000.000 (fast 20 Prozent der Gesamtbevölkerung) für die „totale Verteidigung“ erhöhen. (7) Der finnische Zivilschutz (Pelastustoimi) betreibt für die übrige Bevölkerung– anders als in Deutschland, wo das Überleben der ebenso saturierten wie depolitisierten Zivilbevölkerung scheißegal ist – ein umfassendes Schutzsystem (Pelastuslaitosten kumppanuusverkosto mit 55.000 Bunker mit 4,8 Millionen Plätzen). Ob es im Kriegsfall tatsächlich hinreichend ist, sei dahingestellt.
Finnland, seit April 2023 Mitglied der NATO, hat mit Russland eine gemeinsame Grenze von 1.340 km. Die finnischen Grenztruppen (Rajavartiolaitos - Raja) wurden verstärkt, die Grenzanlagen in den letzten Jahren für mindestens 362 Millionen Euro ausgebaut. In Zukunft sollen sie durch Minenfelder zusätzlich gesichert werden. Ein bis zu viereinhalb Meter hoher Stabgittergrenzzaun mit NATO-Rolldraht wurde errichtet. Die ersten 70 Kilometer bis Sommer 2025, 52 Kilometer in Südostfinnland, acht Kilometer in Nordkarelien und je fünf Kilometer weiter oben in Kainuu und Lappland. Die restlichen 130 Kilometer Zaun sollen bis spätestens Ende 2026 in Betrieb genommen werden. (8) Im November/Dezember 2023 hat Finnland und im Gegenzug Russland viele ihrer sechzehn Straßen- bzw. Eisenbahn-Grenzübergänge (Imatra, Kuusamo, Lütta, Nuijamaa, Rajajooseppi, Salla, Svetogorsk, Vartius, Värtsilä und Vyborg) geschlossen. (9)
Außerdem begünstig die Militärtopographie Finnlands den Verteidiger, wie „Politico“ im Mai 2026 berichtete:
„One of Finland’s greatest military assets is the land itself. An army invading from the east would have to move through a country of few roads, dense forests, deep snow and freezing temperatures, with little light in winter and almost none of the darkness that conceals movement in summer. In the woods, long, slender gray-white trunks stand so close together that it is impossible to see more than 50 meters ahead. In spring, when the leaves turn bright green, visibility drops even further.” (10)
Der finnische Oberst Matti Pitkäniitty, Kommandeur des sogenannten North Karelia Border Guard District (finn.: Pohjois-Karjalan rajavartiosto) im Raum um Onttola, gibt sich für den Fall eines russischen Angriffs optimistisch:
„Since the Winter War (am 30. November 1939 griff die Sowjetunion Finnland an, der Krieg dauerte bis zum 13. März 1940. Finnland verlor damals fast 10 Prozent seines Territoriums. G. P.), the very basics haven’t changed. (…) We have to be able to use the terrain, operate the environment better than anyone else — then, we have leverage. (…) Is the forest a typical Russian battle environment? I would say no. Their lessons are learned in more open environments. (…) In the Winter War, Finland felt very alone, with very little help from other countries.” (11)
Für die finnische Verteidigungsplanung ist seit dem 1. April 2024 Generalmajor Sami Heikki Nurmi, Stellvertretender Leiter der Strategie-Abteilung im Generalstab, zuständig. (12)
Die NATO hat das Multi-Corps Land Component Command Northwest (MCLCC-NW) in Mikkel (Finland), ca. 100 Kilometer von der finnisch-russischen Grenze entfernt, am 3. Oktober 2025 aufgestellt. Rund 50 Offiziere der finnischen, amerikanischen und britischen Streitkräfte tun hier Dienst. (13) Zur Verteidigung Finnlands sollen die Forward Land Forces (FLF) aus norwegischen und schwedischen Truppenteilen in einer Kampfstärke von 4.000 bis 5.000 Mann in Nord-Finnland aufgestellt werden. (14) Außerdem steht die von den Briten 2014 gegründete, multi-nationale Joint Expeditionary Force (JEF) zur Verfügung.
Der militaristische Kriegshetzer und Schwachkopf Dmitri Anatoljewitsch Medwedew, Stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates, behauptete im September 2025, das kleine Finnland plane einen militärischen Angriff auf Russland. Und am 2. Juli 2026 drohte er den Finnen auf „Twitter“ mit einem Atomschlag:
„Finland has lifted its ban on hosting nuclear weapons. What does that change for the Finns? Just one minor thing: their country is now on Russia's nuclear target list. Rejoice, Finland, you’ve reached peak security!“ (15)
Und der russische Duma-Abgeordnete Aleksey Aleksandrovich Zhuravlyov, Vorsitzender der Partei Rodina und Stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, drohte Ende Juni 2026, Finnland könnte zur „zweiten Ukraine“ werden, so könnten die Russen Halbfinnland zerstören. (16)
Verbände und Einheiten
Der frühere russische Militärbezirk West (russ.: Zapadnyy voyennyy okrug) wurde 2024 aufgelöst, an seiner Stelle wurden am 26. Februar 2024 gleich zwei Militärbezirke geschaffen: MB Leningrad und MB Moskau. Der MB Leningrad wird seit dem 21. September 2025 von Generaloberst Yevgeny Nikiforow kommandiert. Im Gegensatz zum früheren MB Leningrad ist der neue Militärbezirk wesentlich ausgedehnter, so ist ihm auch die Nordflotte unterstellt. Die ihm unterstellten, tiefgestaffelten Verbände werden aufgestockt, so werden Brigaden zu Divisionen ausgebaut.
- Kola-Halbinsel: Auf der Kola-Halbinsel ist schon seit April 2017 das 14. Armeekorps (russ.: 14-y Armeyskiy Korpus) (HQ Murmansk) disloziert. Es wird seit 2022 von Generalmajor Boris Fomichev geführt, als sein Stabschef fungiert Generalmajor Ilya Pavslovsky. Ihm sind die 71. Garde Motorisierte Schützendivision (GdMotSchDiv) in Petschenga und die 80. Arktische MotSchBrig (ein Aufklärungs-, zwei Infanterie-, ein Artillerie- und ein Flugabwehrraketenbataillon plus eine Scharfschützenkompanie) in Alakurtti unterstellt. Hinzu kommen das 58. Fernmeldebataillon (Murmansk), das 383. Raketenartilleriebataillon und die 104. Artilleriebrigade. (17)
Im Bedarfsfall kommt die 61. Selbstständige Marine Brigade der Marineinfanterie (zwei Marineinfanterie, ein Aufklärungs-, ein Panzer-, zwei Artilleriebataillone und ein Flugabwehrbataillon) mit HQ in Sputnik als Verstärkung hinzu. (18)
Die 80. Arktische MotSchBrig wurde mit Gründung des arktischen Kommandos Nord auf der Kola-Halbinsel als erste „arktische Brigade“ aus 3.000 Infanteristen aufgestellt. Allerdings musste der Verband Soldaten für den Krieg in der Ukraine abstellen und erlitt hohe Verluste.
- Karelien: In Karelien, an der Grenze zu Finnland, ist seit Dezember 2024 das 44. Armeekorps (russ.: 44-y armeyskiy korpus) mit Hauptquartier in Petrosawodsk disloziert. Erster Kommandeur des Korps wurde Generalmajor Alexander Dembitsky, der aber ein Jahr später entlassen wurde: „By November 2025, Dembitsky had been relieved from his position as corps commander, amid unverified accusations from Russian milbloggers regarding leadership deficiencies, though no official reasons were disclosed by the Russian Ministry of Defense.” (19)
Das Korps befindet sich noch in der Aufbauphase und gliedert sich derzeit in die 72. Motorisierte Schützendivision (russ.: 72-ya motostrelkovaya diviziya) und die 128. Selbstständige MotSchBrig. Die 72. MotSchDiv wiederum gliedert sich in folgende Verbände: das 22. Motorisierte Schützenregiment (Militäreinheit 01069), 30. MotSchRgt (Militäreinheit 72162), 41. MotSchRgt, (Militäreinheit 72164), 10. Artillerieregiment mit Selbstfahrlafetten (Militäreinheit 72168) und das 49. Selbstständige Panzerbataillon (Militäreinheit 72170). Dem Korps werden in seiner Endausbaustufe vermutlich etwa 15.000 Soldaten angehören, die sich auf vier bis fünf Divisionen verteilen. Durch die Beteiligung am Ukraine-Krieg, so 2024 bis 2025 an der Kursk-Offensive, sind nicht alle Soldaten jederzeit verfügbar.
Das Armeekorps ist u. a. ausgestattet mit Kampfpanzern T-72, Schützenpanzern BMP-2 und gepanzerten Mannschaftstransportern BTR-82A. Seine Artillerie verfügt über Haubitzen 2S19 Msta-S und Feldraketenwerfern 9K51 BM-21 GRAD.
- Raum Sankt Petersburg: Südöstlich von Finnland und um Sankt Petersburg herum ist die 6. Armee disloziert. Ihr früherer Kommandeur, Generalleutnant Vladislav Nikolayevich Yershov, wurde nach seinem Versagen im Ukrainekrieg am 22. April 2022 abgesetzt und später verhaftet. Zur Armee gehören die 69. Garde Motorisierte Schützendivision und – gegenüber Estland – die 68. GdMotSchDiv.
- Luftstreitkräfte: Die 45. Luft- und Luftverteidigungsflotte hat ihr Hauptquartier (Militäreinheit: 06351) in Safonowo bei Severomorsk. Der Verbandskommandeur, Aleksandr Otroshchenko, kam Anfang April 2026 beim Absturz seiner An-26 (NATO-Code: CURL) auf der Halbinsel Krim (Ukraine) ums Leben. (20)
- Paramilitärische Kräfte: „Unterstützt“ werden die russischen Streitkräfte im Grenzgebiet von der neonazistischen Söldnertruppe „Gruppa Russitsch“ (and. Bez.: Ablenkungs-Guerilla-Aufklärungsgruppe „Russitsch“ - DSchRG Russitsch), die in Zusammenarbeit mit dem FSB Aufklärungsaktionen und Sabotagehandlungen durchführt. (21)

(Quelle: „Finnish Military Intelligence Review 2026“, Helsinki, Finnland, 2026, S. 9, Online:
https://puolustusvoimat.fi/documents/1948673/8274776/PV_sotilastiedustelu_
2026_EN.pdf)
Stützpunkte
Im Rahmen der Infrastrukturprogramme der russischen Streitkräfte, u. a. Zakrytyye administrativno–territorial'nyye obrazovaniya (ZATO), werden im russisch-finnischen Grenzgebiet mindestens sechszehn Stützpunkte ausgebaut und modernisiert, wie aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen. Allein im Raum Murmansk werden dafür zwischen 2024 und 2026 460 Millionen Euro aufgewendet.
- Alakurtti: Alakurtti ist ein Dorf in der Nähe von Murmansk. Hier ist die 80. Unabhängige Arktische Motorisierte Schützenbrigade (MotSchBrig) der russischen Nordflotte disloziert. Die dortigen Militäranlagen werden zur Zeit ausgebaut und neue Hallen errichtet.
- Baltjisk: Baltjisk (vormals Pillau) liegt an der Ostseeküste in der Enklave Kaliningrad. Es ist ein großer Marinestützpunkt der russischen „Baltischen Rotbannerflotte“ Der Militärstützpunkt wird gegenwärtig ausgebaut. In dem benachbarten Mechnikovo ist 336.GdMarInfBrig der Baltischen Rotbannerflotte disloziert.
- Kaliningrad: Kaliningrad, das alte Königsberg, liegt im früheren Ostpreußen und ist die Hauptstadt der russischen Enklave am Südufer der Ostsee. Es ist die Hauptstadt der Enklave Kaliningrad, die über keine geographische Anbindung an das russische Kernland verfügt. In der Enklave Kaliningrad ist u. a. das 11. Armeekorps stationiert, das u. a. über die 18. GdMotSchDiv mit ihren sechs Regimentern verfügt, die erst im Dezember 2020 aufgestellt wurde. Hinzu kommt als selbstständiger Verband die 152. Garde Raketenbrigade in Tschernjachowsk (früher Insterburg), die seit 2019 mit atomaren Boden-Boden-Raketen 9K720 ISKANDER-M ausgerüstet ist, deren Reichweite ungefähr bis Berlin reicht. Außerdem ist in der Stadt selbst die 244. ArtBrig mit ihren Haubitzen BM-21 GRAD und den Feldraketenwerfern B-27 URAGAN stationiert. (22)
Außerdem sind auf dem Fliegerhorst in Kaliningrad Marineflieger disloziert. Sie gliedern sich in das 689. Garde Jagdregiment mit zwei Staffeln Su-27P und das 4. Marineangriffsregiment mit einer Staffel Su-30SM und einer Staffel Su-24M. Nicht zuletzt wird die Enklave geschützt durch die 44. Luftverteidigungsdivision mit zwei Flugabwehrraketenregimenter mit S-300, 40R6 S-400 TRIUMF (NATO-Code: SA-21 GROWLER) und 96K6 PANTSIR -1 (NATO-Code: SA-22 GREYHOUND).
So ist im Raum Kaliningrad weiterhin die 152. Selbstständige Garde Raketenbrigade mit 9K720 ISKANDER-M (NATO-Code: SS-26 STONE-B) disloziert. Sie haben eine Reichweite von ca. 500 km, eventuell auch 600 km. Bis Anfang der neunziger Jahre war der Verband in Waren an der Müritz (DDR) disloziert, heute will der Verband vernichten, was er früher „beschützt“ hat.
Der Flugkörper ist i. d. R. mit einem Atomsprengkopf bestückt: AA-75, AA-86 (9N70) mit einer variablen Sprengleistung von 5 bis 50 KT, oder AA-92 (100 bis 200KT). Alternativ kann die Rakete mit einem konventionellen Streubombengefechtskopf N722K oder 9N722F beladen werden. Die Treffgenauigkeit beträgt 30 bis 100 m. Das System ist auf dem geländegängigen Lastkraftwagen MSKT-7930 (8 x 8 ) untergebracht. Eine ISKANDER-Raketenbrigade verfügt i. d. R. über zwölf Nachladbare Werferfahrzeuge und zwölf Transportfahrzeuge zum Nachladen. (23) In der Region wurden kürzlich 38 neue Munitionsbunker für konventionelle oder atomare Munition angelegt.
Das vorhandene Luftverteidigungssystem wurde um eine neue Radaranlage ergänzt. Außerdem wurde eine Störanlage errichtet, um den Empfang von GPS-Daten des potentiellen Gegners schon in „Friedenszeiten“ zu stören. (24)
- Kamenka: Kamenka liegt rund 60 km von der russisch-finnischen Grenze entfernt. Hier ist seit Mai 2024 die 69. Garde MotSchDiv (russ.: 69-ya gvardeyskaya motostrelkovaya diviziya) (Militäreinheit 02511) stationiert. Sie ist aus der 138. GdMotSchBrig durch Aufstockung hervorgegangen. Die Division gliedert sich in vier MotSchRgt, ein PzRgt, eine Artilleriegruppe mit einem ArtRgt und zwei selbstständigen ArtBtl, ein Flugabwehrregiment und verschiedenen Divisionstruppen. (25)
Es gibt eine provisorische Logistikbasis mit über 130 neuen Militärzelten für rund 2.000 Soldaten und Lagerhallen.
- Kandalakscha: Kandalakscha liegt am im Raum Murmansk am Ufer des Weißen Meeres, ca. 100 bis 110 km von der Grenze zu Finnland entfernt. Zur Ortschaft gehört die Militärsiedlung (russ.: voennyy posyolok) Lupche-Savino, die im Oktober 1941 errichtet wurde. Die Alt-Anlage heißt „Lupche-Savino-1“. Altmunition aus Sowjetzeiten wurden bis 2012 vor Ort vernichtet, damals arbeiteten noch ca. 70 Beschäftigte in dem Komplex.
Seit Ende 2023 wird eine neue Anlage – „Lupche-Savino-2“ – angelegt und ausgebaut. (https://grokipedia.com/page/lupche_savino) Hier wurden seit Frühsommer 2025 mehrere große Gebäude und ein Militärdepot errichtet, damit eine neue Artilleriebrigade und eine Pionierbrigade mit jeweils 2.000 Mann disloziert werden kann. (26) Die „Militärsiedlung“ darf heutzutage nur mit Sondergenehmigung betreten werden.
Mit der Dislozierung einer Artilleriebrigade ist möglicherweise auch die Verlegung von Atomwaffen verbunden, zumal auch die finnische Regierung erstmals über die Stationierung von amerikanischen Nuklearwaffen auf ihrem Territorium nachdenkt, mit denen sie die strategischen Basen der Nordmeerflotte vernichten oder weit nach Russland einwirken könnte.
- Kirillowkoje: Kirillowkoje liegt im Raum Sankt Petersburg, ca. 70 von der finnischen Grenze entfernt. Hier befindet sich der Bobochinsky-Truppenübungsplatz der Artillerietruppe. In dem Ort wird eine neue Kasernenanlage gebaut.
- Luga: Luga liegt südlich von Sankt Petersburg, ca. 145 km von Estland entfernt. Die in Luga vorhandenen Militäranlagen werden ausgebaut. In Luga sind die 9. Garde ArtBrig und die 26. RakBrig 9K720 ISKANDER-M disloziert. So befindet sich hier ein Truppenübungsplatz der Artillerie. Eine im Raum Luga stationierte MotSchützenbrigade wird/wurde zu einer Division aufgestockt, so dass sich ihre Personalstärke wohl verdreifachen wird. Damit würden in Luga ca. 8.000 bis 10.000 stationiert. (27)
- Lupche-Savino: (siehe. Kandalakscha)
- Montschegorsk: Montschegorsk liegt auf der Kola-Halbinsel. Auf dem Fliegerhorst, 13 km nordöstlich der Stadt, ist das 98. Gardefliegerregiment (Militäreinheit 75385) der Nordflotte disloziert. Das Regiment ist mit Sukhoi Su-24M/MR (NATO-Code: FENCER), Mikoyan MiG-31BM (NATO-Code: FOXHOUND) und Hubschraubern Mil Mi-8MTV (NATO-Code: HIP) ausgerüstet. (28) Außerdem ist hier seit 2019 das 174. Garde Jagdfliegerregiment ebenfalls mit MiG-31BM disloziert. (29)
- Novaya Vilga: (siehe Petrosawodsk))
- Olenia: Olenia liegt bei Olenogorsk auf der Kola-Halbinsel rund 150 km von Finnland entfernt. Der Marinestützpunkt Olenia-Guba beherbergt einen Fliegerhorst, der auch von der Strategischen Fernbomberflotte genutzt wird. Hier sind u. a. Tu-22M3 (BACKFIRE), Tu-95MS (BEAR) und verschiedene taktische Kampfflugzeuge (Mig-27 [FLOGGER-D], MiG-31BM [FOXHOUND] des 458. Jagdfliegerregiment und Su-25 [FROGFOOT] des 88. selbständiges Marinejagdbomberregiment) stationiert. Die Tu-22M3 gehören zum 924. Seeaufklärungsregiment oder zum 967. Fernaufklärungsregiment. Der Fliegerhorst wurde in letzter Zeit ausgebaut. (30)
Der Stützpunkt wurde am 1. Juni 2025 durch die Ukraine im Rahmen der Operation SPINNENNETZ (ukr.: Operatsiya PAVUTYNA) mit Drohnen angegriffen, dabei wurden mehrere Atombomber zerstört. (31)
- Petrosawodsk: Petrosawodsk ist die Hauptstadt der Region Karelien und liegt kaum 200 km von Finnland entfernt. Hier befindet sich bereits das Hauptquartier des 44. Armeekorps, ein Flugstützpunkt mit 80 Kampfjets, ein Militärdepot und eine Radarstellung mit mehreren Anlagen. Etwa 3.000 Soldaten sind bislang in dem Ort stationiert. (32) Eine dort befindliche Kaserne wurde seit den neunziger Jahren nicht mehr genutzt.
Seit 2025 wurden große Waldflächen gerodet, um eine neue Kaserne zu errichten, darin soll eine Mototorisierte Schützendivision (MotSchDiv) mit ca. 4.000 bis 6.000 Mann stationiert werden. Neben einem Stabsgebäude werden rund zehn Wohnbaracken errichtet. Insgesamt rechnet man mit der Fertigstellung von ca. 50 Gebäuden bzw. Anlagen. (33) Der genaue Standort der neuen Kaserne wird mal mit dem Ortsteil Petrosawodsk-Rybka, mal mit Novaya Vilga (and. Bez.: Uusi-Vilka), einem Dorf bei Petrosawodsk, angeben.
In dem Militärdepot lagern ca. 2.000 Altwaffen aus Sowjetzeiten (Panzer, Kanonen, Haubitzen, Fahrzeuge, etc.). Es wird derzeit ausgebaut, drei neue Großgaragen für jeweils 50 (Panzer-)Fahrzeuge werden errichtet. (34) Im Oktober 2025 wurden dort erstmals 50 Militär-Lkws registriert.
Auf dem Fliegerhorst Besovets nördlich der Stadt ist das 159. Jagdregiment mit zwei Staffeln Mig-31 (FOXHOUND) und einer Staffel Su-35 (FLANKER-E/M) untergebracht.
Außerdem ist in Petrosawodsk ein Fernmeldetechnisches Regiment stationiert, das zehn Radarstationen in der Umgebung betreibt. (35)
Unklar ist, ob hier eine militärische Eisenbahnbautruppe aufgestellt wird. So erklärte der finnische Major a. D. Marko Eklund: „Some kind of maintenance force seems to have been established there, or it may even be the beginnings of a brigade of Railway Troops to be established in the Karelian region.” (36)
Ex-Major Marko Eklund, ehemaliges Mitglied des finnischen Militärgeheimdienstes, berichtete: „Es scheint, als sei dort eine Art Wartungstruppe eingerichtet worden, oder es könnte sich sogar um die Anfänge einer Brigade von Truppen handeln, die in der Region Karelien aufgestellt werden soll.“ (37)
Die Vorsitzende des lokalen Stadtrats, Nadezhda Dreyzis, erklärte: im November 2025 „Unsere Region hat eine verantwortungsvolle Aufgabe erhalten: Sie soll der Vorposten unseres Landes an der Nato-Grenze sein. Unsere Aufgabe als Patrioten und Vertreter des Volkes ist es, dabei zu helfen.“
- Petsamo: (siehe: Petschenga)
- Petschenga: Petschenga (frühere Bez.: Petsamo) liegt hoch im Norden und ist die Zentrale des gleichnamigen Bezirks (russ.: rajon). Die Stadt liegt ca. 11 km von der Grenze zu Norwegen entfernt. Hier waren bisher rund 7.000 Soldaten stationiert, in Zukunft sollen an dem Standort ca. 17.000 Mann ihren Militärdienst leisten.
Gegenwärtig ist in Petschenga die 71. GdMotSchDiv (russ.: 71-ya gvardeyskaya motostrelkovaya diviziya) disloziert. Sie ist 2025 aus der 200. Selbstständigen Garde Motorisierte Schützenbrigade hervorgegangen. Kommandeur des Verbandes war seit 2022 Oberst Denis Yuryevich Kurilo, der im Ukrainekrieg gefallen ist. Die Division gliedert sich in folgende Truppenteile: zwei MotSchRgt, ein PzBtl, ein ArtRgt, ein FlaRgt und verschiedene Divisionstruppen. Der Verband ist u.a. mit folgenden Großwaffensystemen ausgerüstet: 41 Kampfpanzer T-80BVM, 36 Panzerhaubitzen 2S19 Msta, 18 Feldraketenwerfer BM-21 GRAD, FlaRak9K33OSA (NATO-Code: SA-8 GECKO) und FlaKan 2K22 TUNGUSKA (NATO-Code: SA-19 GRISON) (38)
- Safonowo: Safonowo liegt südlich von Seweromorsk in der Kola-Bucht. Hier befindet sich der Fliegerhorst Seweromorsk-2 (siehe: Seweromorsk). Außerdem gibt es in Safonowo die Schiffswerf SRZ-82.
- Sapjornoje: Sapjornoje liegt im Raum Sankt Petersburg. Hier ist ein ABC-Abwehrregiment mit ca. 500 Soldaten und verschiedenen Laboreinrichtungen disloziert. Die vorhandenen Militäreinrichtungen werden z. Zt. geringfügig ausgebaut. Möglicherweise sind hier auch Flusspioniere stationiert. (39)
- Seweromorsk: In bzw. bei Seweromorsk auf der Kola-Halbinsel bei Murmansk gibt es drei Fliegerhorste: Seweromorsk-1, Seweromorsk-2 und Seweromorsk-3. In Seweromorsk selbst befindet sich das Hauptquartier der 45. Luft- und Luftverteidigungsarmee der Nordflotte und das HQ der 1. Luftverteidigungsdivision (Militäreinheit: 03123) mit insgesamt drei FlaRakRgt und zwei funktechnischen Regimentern.
-- Seweromorsk-1: In Seweromorsk-1 sind das 403. Selbstständige, gemischte Luftregiment mit verschiedenen Flugzeugtypen (An-12 [CUB], An-26 [CURL], Il-20RT [COOT], Il-22M [Type-10], Il-38 [MAY] und Tu-134 [CRUSTY]), das 830. Selbstständige, schiffsgestützte Hubschrauberregiment zur U-Boot-Bekämpfung mit Ka-27 [HELIX-A/D], Ka-29 [HELIX-B] und Ka-31 [HELIX] und ein Drohnen-Regiment disloziert.
-- Seweromorsk-2: Der alte Fliegerhorst für Amphibienflugzeuge bei Safonowo wurde 1998 geschlossen. Seitdem wurde der Fliegerhorst nur gelegentlich für den Einsatz kleinerer Drohnen genutzt. Er wird seit 2022 saniert und soll 2030 wieder in Betrieb genommen werden. (40)
--Seweromorsk-3: Auf dem Stützpunkt Seweromorsk-3 haben die Russen das 100. Selbstständige, schiffsgestützte Jagdfliegerregiment (Militäreinheit: 61287) mit MiG-29K und Mig-29 KUB (NATO-Code: FULCRUM) disloziert. Gleichfalls ist auf dem Luftstützpunkt das 279. Selbstständige, schiffsgestützte Jagdfliegergeschwader (Militäreinheit: 98613) mit Su-25UTG (NATO-Code: FROGFOOT), Su-30SM (NATO-Code: FLANKER-C) und Su-33 (NATO-Code: FLANKER-D) untergebracht. In der letzten Zeit haben die Russen Schutzwände um ihre Kampfjets und Helikopter gebaut, um diese besser vor ukrainischen Drohnenattacken zu schützen.
Außerdem ist Seweromorsk ein wichtiger Stützpunkt der Nordmeerflotte.
Im Rahmen der Arktiskriegsführung werden auch weitere Stützpunkte im weiteren Umfeld ausgebaut. Dazu gehört z. B. der nördlichste Militärstützpunkt in Nagurskaja auf der Insel Alexandraland des Franz-Josef-Lands im Nordpolarmeer, wo ein Fliegerhorst ausgebaut wird. (41) Daneben gibt es im Militärbezirk Leningrad noch Dutzende Standorte, wo gegenwärtig kein Ausbau stattfindet.
(…)
Hybride Angriffe
Migranten aus dem afrikanischen oder arabischen Raum wurden durch die russischen Behörden gezielt nach Nordwestrussland gekarrt, damit sie nach Finnland weiterreisten. Russland wollte so Finnland gezielt mit ausländischen Migranten „überschwemmen“, um die Sozialsysteme und den Staatshaushalt der Finnen zu überlasten. Mit der Schließung der Grenze haben die Finnen dem Treiben einhalt geboten, aber noch immer versuchen Migranten die Grenzanlagen zu überwinden. (42)
(Fast) Täglich kommt es im östlichen Ostseeraum zu hybriden Angriffen der russischen Streitkräfte in der ein oder anderen Form. Mal verüben die russischen Nachrichtendienste Sabotageaktionen an Unterwasserkabeln, mal streifen russische Bomberrotten den Luftraum, mal behindert die russische Fernmeldetruppe den internationalen Luftverkehr durch Störung der GPS-Navigationssatelliten mal inszeniert die Marine Großmanöver vor finnischen Küste.
So stellt der finnische Sicherheits- und Nachrichtendienst Suojelupoliisi (SUPO) aktuell fest:
„Russia is the principal intelligence threat to Finland. The Russian intelligence services take an interest in, among other things, the Finnish foreign policy, changes caused by NATO membership, the Finnish border policy, and Finland’s critical and military infrastructure.
Over the past few years, European countries, including Finland, have significantly weakened the operating conditions of Russian human intelligence by expelling intelligence officers operating under diplomatic cover. Therefore, Russia is making efforts to increase, on the one hand, professional human intelligence activities based on Russian soil and, on the other hand, the use of proxy actors for easy-to-perform intelligence gathering. Remotely recruited individuals, who are currently being used more often for acts of sabotage and vandalism than intelligence operations in Europe, are not even always aware that they are working for the Russian intelligence services.
Despite the expulsions, the Russian intelligence services continue their efforts to place intelligence officers in Russian diplomatic missions in Finland and elsewhere in Europe, as diplomatic immunity provides excellent protection from legal proceedings and a natural opportunity for building relations with people of interest to the Russian intelligence services. It is also likely that Russia is already preparing for opportunities potentially opening up for it in the next few years – either through peace in Ukraine or war-weariness of the Western countries – to dismantle restrictions imposed against it and thus restore its human intelligence capacity in Europe.” (43)
- Russland verstärkt seine Propagandaagitation gegenüber Westeuropa und setzt dabei in bewährter Manier auf ausländische Kräfte, die sich aus den Kommunistischen Parteien oder linksgerichteten Teilen der Friedensbewegung mit ihrem geheuchelten Pazifismus rekrutieren. Influencer und Blogger bieten dazu neue Möglichkeiten. Zu den Aktivistinnen in Finnland zählt Sally Rajski, die beharrlich die pro-russischen Narrative wiederholt, Finnland sei ein faschistischer Staat und durch „Russophobie“ geprägt. (44) Sie hingegen trete für „Frieden“ und „Völkerfreundschaft“ ein. Mittlerweile hat sie in Russland politisches Asyl beantragt.
- Wiederholt führten russische Spionageschiffe Aufklärungsfahrten entlang der finnischen Küste durch. Ein Teil der sogenannten „Frettchen“ gehören offiziell dem Programm der Hauptverwaltung Tiefseeforschung der russischen Streitkräfte (Glawnoje uprawlenije glubokowodnych issledowani,- GUGI) mit Sitz in Sankt Petersburg an. Es handelt sich u. a. um folgende Schiffe: „Gorigledzhan“, „Sibiryakov“, etc.. Oft führen die Schiffe zu ihrer Tarnung „Kriechfahrten“ mit abgeschaltetem Ortungssystem (AIS) durch. Zum Einsatz kommen auch Mini-U-Boote. (45)
- Am 8. Oktober 2023 kam es zu ominösen Schäden an Unterwasserleitungen zwischen Schweden, Finnland und Estland. Zur gleichen Zeit wurden ein Telefonkabel zwischen Schweden und Estland, ein Telefonkabel zwischen Finnland und Estland und die Gasleitung „Balticconnector“ zwischen Finnland und Estland beschädigt.
- Am 17. November 2024 wurde das Datenkabel „C-Lion1“, das zwischen Finnland und der BRD verläuft, in schwedischen Gewässern beschädigt. Gleichzeitig fiel das Datenkabel „BCS East-West-Interlink“ zwischen der schwedischen Insel Gotland und Litauen komplett aus. (46)
- Am 18. November 2024 traten Schäden an Datenkabeln zwischen Finnland und Deutschland sowie Schweden und Litauen auf. Betroffen war u. a. das Ostsee-Glasfaserkabel „C-Lion1" des Unternehmens „Cinia“, das Finnland mit der BRD verbindet. Auch ein Fernmeldeseekabel zwischen Litauen und Schweden des schwedischen Telekommunikationskonzerns „Telia!“ wurde beschädigt. Die Durchtrennung der Kabelstränge wurde vermutlich durch ein Schiff der sogenannten „Schattenflotte“ verursacht.
Samuli Bergstrom, der Leiter des Zentrums für Cybersicherheit bei der finnischen Verkehrs- und Kommunikationsbehörde (Traficom) erklärte, glücklicherweise gebe es „mehrere Datenkabelverbindungen zwischen Finnland und dem Ausland, sodass ein einzelner Kabelausfall den Internetverkehr nicht beeinträchtigt". (47)
- In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember 2024 beschädigte der Öltanker „Eagle S“ der Schattenflotte, der unter der Flagge der Cook-Inseln fährt, mehrere Strom- und Fernmeldeseekabel, die Finnland mit dem Rest der Welt verbindet, darunter war auch die Stromverbindung „Estlink 2“ zwischen Finnland und Estland, drei Kommunikationskabel zwischen Finnland und Estland und ein Kommunikationskabel zwischen Finnland und der BRD. Das Seekabel verläuft von Helsinki nach Rostock und hat eine Länge von 1173 Kilometern. Die finnischen Behörden konnten das Schiff Ende Dezember festsetzen. (48)
Der stellvertretende Leiter des Grenzschutzes, Markku Hassinen, erklärte zu dem Vorfall:
„Wir haben ein Patrouillenschiff zu dem Tanker geschickt und festgestellt, dass die Anker nicht an ihrem Platz waren. Wir hatten deshalb Grund zu der Annahme, dass etwas Seltsames vor sich ging. (…) Auf unsere Aufforderung holte die Besatzung des Tankers den Anker ein. Dabei kam aber nur die Ankerkette hoch - der Anker selbst war nicht mehr dran." (49)
- Im März 2026 stürzten zwei Drohnen im Raum Kouvola ab.
(…)
Der finnische Militärgeheimdienst Puolustusvoimien tiedustelulaitos (PVTIEDL) kam 2026 in seinem Jahresbericht „Sotilas Tiedustelu Julkinen Katsaus 2026“ (22 Seiten) zu folgender Einschätzung (Seite: 10):
„Russia’s ability to utilise vessels sailing in the Baltic Sea region for hybrid influencing remains significant. It will likely persist in its ambitions to damage the undersea infrastructure of the Baltic Sea. Also, intentional harassment of NATO’s military activities and presence or civilian traffic in the area as well as causing dangerous situations, intentionally or un intentionally, is possible. NATO has enhanced its vigilance as a result of Russia’s actions, and in 2025 launched Baltic Sentry, a new activity with the aim of protecting critical infrastructure in the Baltic Sea. At the same time, Ukraine remains Russia’s main focus, with the Baltic Sea as a secondary area of interest.
The changes launched with the armed forces reform have not so far significantly increased Russia’s military capabilities in Finland’s neighbouring areas. (…)
Russian hybrid influencing in Europe has increased over the last few years. The intelligence, espionage, and sabotage threats directed at Finland are affect ed not only by the tightened security situation in Europe but also by Finland’s support for Ukraine and the Western sanctions and export restrictions directed at Russia. However, it is likely that Russia does not see Finland as a primary target for sabotage. Since the expulsion of diplomats in 2018 and after Finland tightened its policies, Russian human intelligence capabilities in Finland remain limited.” (50)
Stellungnahmen zur Lagebewertung
Es bleibt abzuwarten, ob das korrupte und autoritäre russische Regime als Folge des Ukrainekrieges implodiert oder ob es nach dem diesem Krieg gegen das ebenso demokratische wie korrupte Regime in Kyjiw und einer Phase des militärischen Wiederaufbaus erneut angreifen wird.. So bleibt abzuwarten, ob die aggressionslüsternen Russen erst Finnland oder das Baltikum oder Polen oder alle gleichzeitig angreift. In jedem Fall würde das – pro forma - den NATO-Fall auslösen; dann zeigt sich, ob die deklaratorische Beistandsverpflichtung mehr als das Vertragspapier wert ist.
Antti Häkkänen, finnischer Verteidigungsminister, erklärte:
„Finnland ist sicher. Wir wissen ganz genau, dass Russland auch nach dem Krieg in der Ukraine seine militärischen Fähigkeiten langfristig stärken wird. Sie bleiben ein aggressiver und gefährlicher Nachbar für ganz Europa. Deshalb stärken auch wir unsere Verteidigung und stehen in engem Kontakt mit unseren NATO-Verbündeten.“ (51)
Generalmajor Pekka Turunen, seit 2023 Leiter des finnischen Militärgeheimdienstes Puolustusvoimien tiedustelulaitos (PVTIEDL), erklärte im Vorwort zum “Finnish Military Intelligence Review 2026“:
„Finland’s location as a neighbour of Russia, a state that unscrupulously uses power politics to advance its interests, underscores the need for continuous situational awareness, intelligence analysis and monitoring of the operating environment that serve the Finnish Defence Forces and the state leadership. Monitoring the Russian Armed Forces and the security environment of the Baltic Sea as well as comprehensive situational awareness of our operating environment remain critically important from a national security perspective. These tasks are carried out by Finnish military intelligence.“ (52)
Generalleutnant Ulf Thomas Nilsson, Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes Militära underrättelse- och säkerhetstjänsten (MUST), meint, Russland schafft mit seinem Truppenaufmarsch an der Grenze zu Finnland gezielt Voraussetzungen für einen potenziellen Angriff auf die Nordflanke der NATO: „Das ist in hohem Maße eine Bedrohung, die wir ernst nehmen sollten.“ (53) Und: „We don't think they are (stationed) there just for show. It's about being able to meet NATO in a larger conflict later.” (54)
Der dänische Generalmajor Brian Nissen, der Kommandeur der NATO-Truppen im Baltikum und in Polen (Multinationales Korps Nord-Ost - MNC NE), befürchtet, dass nach einem Kriegsende in der Ukraine die russischen Truppen an der Nordostflanke der NATO schnell aufgestockt werden.
General Eirik Kristoffersen, Norwegens Generalstabschef, erklärte: „Wir gehen davon aus, dass nach dem Ende des Krieges in der Ukraine ein anderes Russland an unserer Grenze stehen wird. (…) Im schlimmsten Fall stehen wir einem Russland gegenüber, das über kampferprobte Soldaten und eine auf Hochtouren laufende Kriegswirtschaft verfügt und schneller an unseren Grenzen stehen könnte, als wir uns das vorgestellt hatten.“ (https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/russland-baut-seine-stellungen-an-der-nordostgrenze-der-nato-offenbar-aus-200915627.html)
Oberst Pawel Szota, Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes Agencja Wywiadu (AW), warnte: „Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der NATO zu testen.“ (https://www.fr.de/politik/kriegsplan-europa-satellitenbilder-zeigen-russlands-aufruestung-94373061.html)
Derweil versuchen die finnischen Politiker und Behörden die Bevölkerung zu beruhigen: Solange der Krieg in der Ukraine andauere, bestehe keine akute Gefahr. In einem Bericht der finnischen Nachrichtendienste hieß es:
„Solange der Krieg in der Ukraine andauert, konzentrieren sich die Garnisonen vorwiegend darauf, Einheiten auszubilden, die in die Ukraine entsandt werden. Nach dem Ende des Krieges ist jedoch klar, dass Finnland eine der Hauptrichtungen sein wird, die Russland ausbauen wird.“ (https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101125466/stuetzpunkt-ausgebaut-russischer-aufmarsch-nahe-grenze-von-finnland.html)
Bei seinem Besuch im finnischen Turku Anfang Juni 2025 fügte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seinen zahlreichen Versprechungen noch eine weitere hinzu und erklärte. „Die Außengrenzen von Finnland sind auch die Außengrenzen der Bundesrepublik Deutschland.“ (https://www.n-tv.de/politik/Russland-macht-Militaerbasen-an-finnischer-Grenze-flott-article25810765.html)
Quellen:
(1) https://www.focus.de/politik/ausland/satellitenaufnahmen-zeigen-neue-aufruestung-
im-norden-russland-koennte-bis-zu-80-000-soldaten-an-finnlands-grenze-verlegen_
ef584676-d726-4cc7-81e5-34ac42222757.html
(2) https://taz.de/Russische-Kriegswirtschaft/!6193553&s=Finnland/
(3) https://www.themoscowtimes.com/2025/10/30/russian-border-region-forms-
volunteer-militias-as-finland-plans-military-drills-a91000
(4) https://www.focus.de/politik/ausland/wissen-genau-wie-russland-sich-ruestet-
finnlands-minister-nicht-ueberrascht-ueber-60-000-weitere-soldaten_9a990c38-
890d-4c74-9555-ee187d0cd535.html
(5) https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-03/wladimir-putin-stationierung-truppen-
grenze-finnland-atomwaffen
(6) https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101125466/stuetzpunkt-aus
gebaut-russischer-aufmarsch-nahe-grenze-von-finnland.html
(7) https://www.ft.com/content/c5e376f9-7351-40d3-b058-1873b2ef1924?syn-25a6b1a6=1
(8) https://www.sueddeutsche.de/politik/finnland-russland-grenzzaun-besichtigung-
nato-1.5892563
(9) https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:C_202301596
(10) https://www.politico.com/news/magazine/2026/07/05/nato-eastern-flank-putin-
russia-finland-00983997?_sp_pass_consent=true
(11) https://www.politico.com/news/magazine/2026/07/05/nato-eastern-flank-putin-
russia-finland-00983997?_sp_pass_consent=true
(12) https://puolustusvoimat.fi/en/about-us/general-officers/sami-nurmi
(13) https://www.reuters.com/world/fearing-war-with-russia-finland-hardens-natos-
north-frontier-2025-06-24/
(14) https://www.arctictoday.com/natos-new-arctic-presence-shows-that-european-
allies-are-stepping-up/
(15) https://thedefensepost.com/2026/07/07/russia-finland-nuclear-target/
(16) https://kyivindependent.com/russian-lawmaker-threatens-to-blow-up-half-of-
finland-says-country-turning-into-second-ukraine/
(17) https://en.wikipedia.org/wiki/14th_Army_Corps_(Russian_Federation)
(18) https://www.academia.edu/100051798/From_expectation_to_exhaustion_the_
breaking_of_a_brigade_How_Russias_best_Arctic_forces_suffered_in_Putins_war_
against_Ukraine_in_2022_and_betrayed_their_reputation_as_professionals
(19) https://grokipedia.com/page/44th_army_corps_russian_federation
(20) https://en.wikipedia.org/wiki/45th_Air_and_Air_Defence_Forces_Army
(21) https://www.themoscowtimes.com/2024/09/20/finland-is-awake-to-the-russian-
threat-is-the-rest-of-the-west-a86417
(22) https://en.wikipedia.org/wiki/Leningrad_Military_District
(23) https://www.milfors.de/Verlegung-von-Nukleareinheiten.htm
(24) https://taz.de/Russische-Kriegswirtschaft/!6193553&s=Finnland/
(25) https://en.wikipedia.org/wiki/69th_Guards_Motor_Rifle_Division_(Russia)
(26) https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101125466/stuetzpunkt-
ausgebaut-russischer-aufmarsch-nahe-grenze-von-finnland.html
(27) https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101125466/stuetzpunkt-
ausgebaut-russischer-aufmarsch-nahe-grenze-von-finnland.html
(28) https://en.wikipedia.org/wiki/Monchegorsk_(air_base)
(29) https://en.wikipedia.org/wiki/45th_Air_and_Air_Defence_Forces_Army#cite_
note-:0-10
(30) https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rflugplatz_Olenja
(31) https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Spinnennetz
(32) https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101125466/stuetzpunkt-
ausgebaut-russischer-aufmarsch-nahe-grenze-von-finnland.html
(33) https://www.facebook.com/ukrnewsfeed/videos/-russia-is-building-its-first-new-
military-base-near-finland-since-soviet-times/2570363746768341/
(34) https://www.n-tv.de/politik/Russland-errichtet-neue-Militaerstadt-nahe-finnischer-
Grenze-article25842848.html
(35) https://yle.fi/a/74-20207070
(36) https://yle.fi/a/74-20207070
(37) https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101125466/stuetzpunkt-
ausgebaut-russischer-aufmarsch-nahe-grenze-von-finnland.html
(38) https://en.wikipedia.org/wiki/71st_Guards_Motor_Rifle_Division
(39) https://yle.fi/a/74-20168262
(40) https://www.n-tv.de/politik/Russland-errichtet-neue-Militaerstadt-nahe-finnischer-
Grenze-article25842848.html
(41) https://www.kreiszeitung.de/politik/russland-finnland-nato-ukraine-krieg-arktis-
militaer-flughafen-seweromorsk-91613341.html
(42) https://policylehti.com/2025/11/02/the-resurgence-of-tensions-between-russia-
finland-and-nato/
(43) https://supo.fi/en/overview-of-state-espionage-and-influencing
(44) https://www.fr.de/politik/kriegsplan-europa-satellitenbilder-zeigen-russlands-
aufruestung-94373061.html
(45) https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/russland-ostsee-
spionage-100.html
(46) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ostsee-datenkabel-schweden-
ermittelt-100.html
(47) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/finnland-deutschland-datenkabel-100.html
(48) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/finnland-deutschland-datenkabel-100.html
(49) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/finnland-schaeden-unterseekabel-100.html
(50) https://puolustusvoimat.fi/documents/1948673/8274776/PV_sotilastiedustelu_
2026_EN.pdf
(51) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/finnland-grenze-aufruestung
-100.html
(52) https://puolustusvoimat.fi/documents/1948673/8274776/PV_sotilastiedustelu_
2026_EN.pdf
(53) https://www.focus.de/politik/ausland/satellitenaufnahmen-zeigen-neue-auf
ruestung-im-norden-russland-koennte-bis-zu-80-000-soldaten-an-finnlands-
grenze-verlegen_ef584676-d726-4cc7-81e5-34ac42222757.html
(54) https://kyivindependent.com/russia-has-increased-military-buildup-near-nato-
border-investigation-reveals/