Suche nach den Hanta-Leuten
Gerhard Piper
9. Mai 2026
An Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffes „Hondius“ ist eine Hanta-Infektion ausgebrochen. Bisher gab es drei Todesfälle, mindestens sechs Fälle bestätigter Infektionen und eine unbestimmte Zahl von Verdachtsfällen. Zwar droht keine Epidemie wie im Fall COVID, dennoch zeigt der Fall wieder einmal, dass das internationale Krisenmanagement bei Seuchenfällen nur schlecht funktioniert.
Das Hanta-Virus
Das Hanta-Virus ist einer der Erreger eines sogenannten „viralen hämorragischen Fiebers“ (VHF). Was das ist, musste vor Jahren ein deutscher Hubschrauberpilot erfahren: Der Kameramann Olaf Ullmann aus dem Raum Frankfurt/Oder hatte an der Elfenbeinküste Affen für einen Tierfilm gedreht und war von Mücken der Gattung Aedes aegypti mehrfach gestochen worden. Mit hohem Fieber kehrte er nach Deutschland zurück. Die Verdachtsdiagnose Malaria erwies sich als falsch. Daraufhin schickten ihn die behandelnden Ärzte mit der Vermutung, es handele sich um ein unspezifiziertes, hämorrhagisches Fieber, in die Isolierstation 59 des Rudolf-Virchow-Klinikums in Berlin-Wedding. Hier verstarb der Patient wenige Tage später elendig im Alter von 40 Jahren, als Todesursache wurde schließlich Gelbfieber diagnostiziert, der erste Fall dieser Erkrankung in der Geschichte der BRD. (1)
Als der Pilot des Rettungshubschraubers den Patienten am 3. August 1999 in Berlin sicher abgeliefert hatte, fragte er die Mediziner, wie er seinen schönen Helikopter effektiv desinfizieren könne. Die Berliner Ärzte antworteten – mit dem Berufswitz von Infektiologen –, am besten wäre es, wenn er seinen Rettungshubschrauber gleich an Ort und Stelle verbrennen würde. Dass fand der Flieger nicht wirklich witzig und begann mit der Reinigung seines Fluggeräts. Allerdings lassen sich die elektronischen Geräte an Bord mit all ihren Steckern und Öffnungen nicht wirklich desinfizieren.
Hanta-Viren gehören der biologischen „Risikogruppe 2“ gemäß § 3 der Biostoffverordnung (BioStoffV) an:
„Risikogruppe 2: Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können und eine Gefahr für Beschäftigte darstellen könnten; eine Verbreitung in der Bevölkerung ist unwahrscheinlich; eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung ist normalerweise möglich, (…).“ (2)
Für Arbeiten mit diesen Viren, etwa in Laboren oder Krankenstationen, gilt international eine hohe BSL-Schutzstufe (BSL = Biosafety Level), wie sie von den amerikanischen „Centers for Desease Control and Prevention“ (CDC) in Atlanta (U.S. Bundesstaat Georgia) als weltweiter Maßstab festgelegt wurden. Insgesamt gibt es vier Schutzstufen mit ansteigendem Gefahrenpotential. Hanta-Viren werden i. d. R. mit BSL-3 (Hohes Risiko/Ernsthafte Erkrankung) klassifiziert und rangieren dann mit dem Tuberkulose-Erreger oder dem SARS-CoV-2-Erreger), einige Subtypen werden mit BSL-4 (Höchstes Risiko/Lebensgefahr) eingestuft und rangieren dann mit den hämorrhagischen Erregern Ebola, Lassa oder Marburg.
Hochsicherheitslabore, die mit BSL-3- oder BSL-4-Erregern arbeiten, müssen laut CDC folgende technischen Sicherheitsstandards erfüllen:
“BSL-3 builds upon the containment requirements of BSL-2. If you work in a lab that is designated BSL-3, the microbes there can be either indigenous or exotic, and they can cause serious or potentially lethal disease through respiratory transmission. Respiratory transmission is the inhalation route of exposure. One example of a microbe that is typically worked with in a BSL-3 laboratory is Mycobacterium tuberculosis, the bacteria that causes tuberculosis.
In addition to BSL-2 considerations, BSL-3 laboratories have the following containment requirements:
Laboratory practices
· Laboratorians are under medical surveillance and might receive immunizations for microbes they work with.
· Access to the laboratory is restricted and controlled at all times.
Safety equipment
· Appropriate PPE must be worn, and respirators might be required.
· All work with microbes must be performed within an appropriate BSC.
Facility construction
· A hands-free sink and eyewash are available near the exit.
· Exhaust air cannot be recirculated, and the laboratory must have sustained directional airflow by drawing air into the laboratory from clean areas towards potentially contaminated areas.
· Entrance to the lab is through two sets of self-closing and locking doors.
BSL-4 builds upon the containment requirements of BSL-3 and is the highest level of biological safety. There are a small number of BSL-4 labs in the United States and around the world. The microbes in a BSL-4 lab are dangerous and exotic, posing a high risk of aerosol-transmitted infections. Infections caused by these microbes are frequently fatal and without treatment or vaccines. Two examples of microbes worked with in a BSL-4 laboratory include Ebola and Marburg viruses.
In addition to BSL-3 considerations, BSL-4 laboratories have the following containment requirements:
Laboratory practices
· Change clothing before entering.
· Shower upon exiting.
· Decontaminate all materials before exiting.
Safety equipment
· All work with the microbe must be performed within an appropriate Class III BSC, or by wearing a full body, air-supplied, positive pressure suit.
Facility construction
· The laboratory is in a separate building or in an isolated and restricted zone of the building.
· The laboratory has dedicated supply and exhaust air, as well as vacuum lines and decontamination systems.” (3)
Seit 2001 zählt eine Infektion mit dem Virus in der BRD gemäß § 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) zu den amtlich meldepflichtigen Erkrankungen:
„1) Namentlich ist bei folgenden Krankheitserregern, soweit nicht anders bestimmt, der direkte oder indirekte Nachweis zu melden, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen: (…)
19. Hantaviren“ (4)
Infektiologen unterscheiden rund sechzig verschiedene Subtypen, die eine unterschiedliche geographische Verbreitung haben, durch unterschiedliche Wirtstiere übertragen werden und verschiedene Krankheitsbilder verursachen.
Anfang der fünfziger Jahre erkrankten während des Korea-Krieges über 3.000 U.S.-Soldaten im Bereich des Flusses Hantaan an einer neuartigen Form der Grippe. Erst zwanzig Jahre später konnte der damalige Erreger bestimmt und – wie bei Krankheitserregern üblich – nach dem Ort seines ersten Auftretens benannt werden: Hantaan- oder Hanta-Virus (HTNV). Als Überträger des Virus wurde 1977 die Feldmaus Apodemus agrarius ausgemacht. (5)
Im Jahr 1993 kam es im Südwesten der USA in den Bundesstaaten New Mexico, Utah, Arizona und Colorado zu einer neuartigen Seuche unter den dort lebenden Navajo-Indianern. Der Erreger war unbekannt, hatte somit noch keinen Namen und wurde deshalb „Sin-Nombre-Virus“ (SNV) genannt, einen Namen, den das Virus auch später beibehielt. Es wurde erst 1998 identifiziert. Das Virus löst eine schwere Lungenentzündung mit einem Lungenödem (Hanta-Virus-assoziiertes pulmonales Syndrom – HPS) aus. Die Letalität, d. h. die Tödlichkeit der Erkrankungen, wird mit 30 bis 40 Prozent angegeben. Der Erreger wird über die Hirschmaus übertragen.
Im Jahr 1996 brach in Südamerika eine neue Seuche aus. Als Erreger wurde zwei Jahre später ein neuer Subtyp des Hanta-Virus, das Anden-Virus (ANDV) ausgemacht. Von allen anderen Subtypen unterscheidet sich diese Art dadurch, dass sie nicht nur von Nagetier zu Mensch, sondern von Mensch zu Mensch respiratorisch übertragen werden kann. In der einen Hälfte der Fälle löst dieser Erreger eine schwere Nierenerkrankung (Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom - HFRS), in der anderen Hälfte eine schwere Lungenentzündung (Hanta-Virus Cardopulmonary Syndrome - HCPS) aus. Die Letalität wird ebenfalls mit 30 bis 40, vielleicht sogar 50 Prozent angegeben. Dieses Virus wird über die Langschwanz-Zwergreisratte übertragen.
Eine HFRS-Erkrankung zeichnet sich durch folgende Symptome aus: Plötzlich auftretendes hohes Fieber (>39 Grad), Schüttelfrost, Schmerzen (Kopf, Rücken, Bauch), Blutdruckabfall, akutes Nierenversagen, Blutungen, danach langsame Genesung.
Die in der Bundesrepublik vorkommende Rötelmaus ist der Überträger des – relativ harmlosen – Puumala-Virus. Sie kommt vor allem in Buchenwäldern in Niedersachsen (Münsterland), Hessen, Baden-Württemberg und Bayern vor. Die Zahl der jährlichen Erkrankungen fällt nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) sehr unterschiedlich aus: 230 Fälle im Jahr 2020, (1722/2021), (143/2022), (337/2023), (425/2024) und (293/2025). Da nicht immer eine Infektion durch Hanta-Viren erkannt wird, bleibt die Dunkelziffer unbekannt. Das Puumala-Virus löst „nur“ eine leichte bis mittelschwere Erkrankung aus. So wird die Letalität mit unter einem Prozent angegeben.
Natürlicher Wirt der Erreger sind Nagetiere (Mäuse, Ratten), die den Erreger in sich tragen aber selbst nicht erkranken. Sie scheiden die Viren über Kot, Urin und Speichel aus. Wenn diese Ausscheidungen getrocknet sich, werden sie als Staub mit dem Wind weiterverbreitet und von Menschen unbemerkt über die Atemwege aufgenommen.
Die Inkubationszeit zwischen einer Infektion mit dem Erreger und dem Ausbruch der Erkrankung unterliegt starken Schwankungen. Sie wird mit 5 bis 60 Tagen angegeben. Anscheinend ist ein infizierter Patient erst mit dem Ausbruch der Krankheit selbst infektiös. Zur Prävention ist unbedingt eine Einhaltung der Hygieneregeln geboten: Tragen einer FFP-2- oder FFP-3-Maske, Handschuhe, geschützte Lagerung von Lebensmitteln, Mäusebekämpfung, etc.
Ein Problem der Erkrankung ist, dass keine Therapie in Form von antiviralen Medikamenten zur Verfügung steht, die die Ursache der Erkrankung beseitigt. Bisher ist nur eine symptomale Therapie möglich, die an der Linderung der Symptome durch Gabe von fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten ansetzt. Bei Bedarf wird eine Dialyse durchgeführt. (6)
Das Seuchenschiff Hondius
Die M/V Hondius ist keines dieser hässlichen AIDA-Pötte, mit denen Menschenmassen weltweit auf Reise gehen. Sie ist ein relativ kleines Passagierschiff für „gehobene Ansprüche“ und entsprechend teuren Kreuzfahrten. Das Schiff gehört zur niederländischen Reederei „Oceanwide Expeditions“ mit Sitz in Vlissingen (Visserijkade 5). (7). Es kann über „Diamir Erlebnisreisen“ gebucht werden.
Das Schiff hat eine Länge von 107,6 Metern und verfügt über 80 Passagierkabinen auf sieben Decks. Es gibt eine Bar, eine Bibliothek, eine TV-Ecke, Shops und natürlich ein Restaurant. Einen Wellness-Bereich oder eine Pool-Landschaft mit Rutschen benötigen die hartgesottenen Ökos nicht.
Das Schiff kann maximal 170 Touristen an Bord nehmen. Zu ihrer Betreuung stehen dann 70 Crewmitglieder zur Verfügung. Auf der vorliegenden Reise waren insgesamt rund 146 Personen an Bord, darunter 88 Passagiere und 59 Besatzungsmitglieder, die aus insgesamt 23 Ländern kamen.
Je nach der gebuchten Reiseroute kostet eine einwöchige Kreuzfahrt schonmal 2.500 bis 4.100 Euro. Hinzu kommen dann nur noch die Flugkosten zum Ablegehafen, die auf eigene Kosten gebucht werden müssen. (8) Dafür wird einem auch Einiges geboten. So heißt es auf der Webseite von „Diamir“:
„Was macht für Sie eine Reise unvergesslich? Für uns ist es die Mischung aus Entdeckung, Begegnungen und der richtigen Gesellschaft. Genau das vereinen wir bei DIAMIR Erlebnisreisen seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft – immer unter dem Aspekt, verantwortungsvoll zu handeln und Ihnen die Welt zu zeigen.“ (9)
Das Schiffsprogramm wendet sich ausdrücklich an betuchte Öko-Touristen. So schreibt die Reederei:
„Ein Deck ist vollständig für (mehrsprachige) Vorträge und Präsentationen gewidmet, eine große Panoramalounge und ein separater Hörsaal stehen für diesen Zweck zur Verfügung. Mit diesem Schiff haben Sie auch die Gewissheit, eines der umweltfreundlichsten Schiffe der Polarmeere gewählt zu haben.“ (10)
Chronologie einer Reise
1. April 2026: Start der Kreuzfahrt „Atlantic Odyssee“. Die Reise sollte 34 Tage dauern und kostete in der günstigsten Preiskategorie (4-Bett-Kabine mit 12 qm Wohnfläche) bloß 10.050 Euro pro Person, in der Superior-Kategorie (2-Bett-Zimmer mit 23 qm und zwei besonders großen Kabinenfenstern) musste man über 16.000 Euro pro Person berappen. Von Ushuaia im Süden Argentiniens startete die Fahrt in die Antarktis, zu den Falklandinseln, nach Südgeorgien und zu anderen isolierten Inseln (Nightingale Island, Tristan da Cunha und Sankt Helena) im Südatlantik. Ziel der Reise waren die Kap Verden vor der Westküste Afrikas. (11)
6. April 2026: Der Biologe und Ornithologe Leo Schilperoord aus Ooststellingwerf-Haulerwijk (Niederlande) zeigte erste Krankheitssymptome, ohne dass die genaue Erkrankung diagnostiziert wurde. Er gilt als „Patient Null“ bzw. „Fall 1“.
11. April 2026: Leo Schilperoord verstarb an Bord. Er wurde 70 Jahre alt. Seine Leiche wurde am 24. April beim Anlegen in Sankt Helena von Bord gebracht.
12. April 2026: Da eine Hanta-Infektion im Anfangsstadium ähnliche Symptome wie eine „normale“ Grippe aufweist (Fieber, Kopfschmerzen, leichter Durchfall) und in entsprechender Unkenntnis der akuten Gefahrenlage, hielt der finnische Schiffskapitän eine fatale Beruhigungsrede: „Einer unserer Passagiere ist letzte Nacht plötzlich verstorben. Laut dem Arzt gibt es kein Infektionsrisiko. Das Schiff ist sicher.“ (12)
21. April 2026: Ein Schweizer Ehepaar kehrte über Südafrika in die Schweiz zurück. Bei dem Mann wurde später eine Infektion mit dem Hanta-Erreger (Fall 5 oder 6?) festgestellt. Der Patient befindet sich derzeit im „Universitätsspital Zürich“ (USZ) in Zürich (Rämistrasse 100). (13) Seine Ehefrau befindet sich ebenfalls in Quarantäne.
24. April 2026: Das Schiff legte auf der Insel Sankt Helena an. Mehrere Passagiere gingen von Bord. Zu deren Gesamtzahl gab es in den Medien unterschiedliche Angaben. In Medienberichten war zunächst von 23 Personen die Rede, die Reederei sprach von 29 Personen, möglicherweise waren es sogar 40 Personen, wie das niederländische Außenministerium am 7. Mai bekanntgab. (14)
Darunter war auch die Ehefrau des verstorbenen Holländers Mirjam Schilperoord. Sie wirkte verwirrt und schwach, hatte ansonsten unspezifische Symptome. Sie gilt als „Fall 2“. Die Frau wurde mit einem kommerziellen Passagierflugzeug „Embraer 190“ des Unternehmens „Airlink“ (Flug 4Z132) nach Johannesburg (Südafrika) ausgeflogen, wo sie vergeblich medizinisch behandelt wurde und verstarb.
An Bord befanden sich 82 Fluggäste. Mittlerweile teilte die Fluggesellschaft mit: „Die Kontaktverfolgung der Passagiere des Fluges wurde eingeleitet.“ (15) So wurde nach diesen Passagieren weltweit gefahndet, da es sich möglicherweise um Seuchenträger handelt. Die Betreffenden halten sich in einem Gebiet auf, dass von Kanada bis Singapur reicht.
Ebenfalls am 24. April erkrankte ein Passagier an der Hanta-Infektion. Er gilt als „Fall 3“. Der Mann wurde am 27. April nach Südafrika ausgeflogen, wo am 2. Mai der Erreger nachgewiesen wurde.
Ein dänischer Passagier begab sich zu Hause in Selbstisolation. Ein deutscher Staatsbürger konnte – soweit bekannt - noch nicht lokalisiert werden. Von den zwei Passagieren aus Singapur leidet nur einer unter einer nur „laufenden Nase“.
Auf Tristan da Cunha, einer Nachbarinsel von Sankt Helena, ist mittlerweile eine Person erkrankt. Ob es sich um eine Infektion mit Hanta handelt, konnte durch die britische „United Kingdom Health Security Agency“ (UKHSA) noch nicht bestätigt werden.
25. April 2026: Frau Schilperoord wollte erkrankt mit einem Flugzeug der „KLM“ von Johannesburg (Südafrika) nach Amsterdam (Niederlande) fliegen. Da sie Krankheitssymptome zeigte, hielt sie sich nur kurz im Flugzeug auf und musste die Maschine vor dem Start wieder verlassen. Über die Zahl der betreffenden Personen gibt es keine genauen Angaben. In diesem Zusammenhang berichtete die „Frankfurter Rundschau“:
„Die Behörden befürchten allerdings, dass das Virus vor der Evakuierung weiterverbreitet worden sein könnte. Angesichts dessen wurden 62 Personen von den Gesundheitsbehörden identifiziert, die höchstwahrscheinlich Kontakt zu beiden Patienten gehabt haben. Darunter sind Flugzeugpassagiere, Flughafenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, Gesundheitspersonal, Krankenhausreinigungskräfte und Personal am Einreisehafen. Nur 42 dieser Personen konnten bislang ausfindig gemacht werden – positiv auf das Hantavirus wurde niemand getestet. (…)
Laut WHO sollen allein in Südafrika rund 69 potenzielle Kontaktpersonen untersucht werden.“ (16)
Die niederländischen Gesundheitsbehörden haben alle anderen Passagiere präventiv kontaktiert, um ihren Gesundheitszustand und ihren derzeitigen Aufenthaltsort zu eruieren. (17) Eine Stewardess zeigte Erkältungssymptome und wurde vorrübergehend in eine Klinik gebracht, mittlerweile aber wieder entlassen. Zwei Spanierinnen aus Barcelona und Alicante unter den Fluggästen befinden sich derzeit im Krankenhaus. Auch vier Italienerinnen werden derzeit von den Gesundheitsbehörden überwacht. Eine Frau aus Florenz befindet sich in Quarantäne.
26. April 2026: Die Ehefrau aus den Niederlanden verstarb im Krankenhaus in Südafrika. Am 6. Mai gab der südafrikanische Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi bekannt, dass bei der Verstorbenen das Hanta-Virus nachgewiesen wurde.
27. April 2026: Einer der Passagiere musste wegen eines medizinischen Notfalls von Bord evakuiert werden. Erst danach forderte das Schiffsteam Testsets an, um Krankheitserreger nachzuweisen und zu identifizieren.
28. April 2026: Eine Passagierin aus Passau in Bayern, die offensichtlich mit dem niederländischen Ehepaar an Bord in Kontakt war, zeigte erste Krankheitssymptome. Sie gilt als „Fall 4“.
2. Mai 2026: Die Passagierin aus Passau verstarb während der Weiterfahrt vor der westafrikanischen Küste. Sie wurde 78 Jahre alt. Der Leichnam befindet sich nach wie vor an Bord. Erst nach diesem dritten Todesfall kam der Verdacht auf, dass an Bord eine Seuche ausgebrochen war.
3. Mai 2026: Ab dem 3. Mai kreuzte das Schiff für mehrere Tage vor Praia (Kap Verden), durfte aber nicht anlegen. Dazu hieß es in einer Pressemitteilung der Reederei „Oceanwide Expeditions“:
„Bis zum 3. Mai 2026, 23:00 Uhr MEZ, liegt keine Genehmigung der kapverdischen Behörden vor, Gäste, die medizinische Versorgung benötigen, von Bord zu lassen oder bei medizinischen Untersuchungen zu unterstützen.“ (18)
4. Mai 2026: Bei dem Passagier, der am 27. April evakuiert worden war, wurde eine Hanta-Infektion nachgewiesen. (19)
6. Mai 2026: Drei Personen wurden von Bord gebracht, darunter befanden sich zwei Verdachtsfälle, zwei Besatzungsmitglieder aus den Niederlanden (41 Jahre) bzw. dem Vereinigten Königreich (56 Jahre), und eine weitere, symptomfreie Deutsche (65 Jahre), die mit der Passagierin aus Passau engen Kontakt gehabt hatte. Bei einem der Krankheitsfälle soll es sich um den britischen Schiffsarzt (Fall 5 oder 6?) gehandelt haben. Die drei Personen wurden mit ein oder zwei Sanitätsflugzeugen der „Luxembourg Air Rescue“ (LAR) auf die Kanaren ausgeflogen, nachdem die Regierung in Marokko eine Zwischenlandung verboten hatte. Während die Deutsche mit einer Maschine nach Amsterdam-Schipol und dann weiter nach Düsseldorf weiterbefördert wurde, mussten die beiden anderen Betroffenen wegen einer Panne an der Isolationskapsel ihres Flugzeuges vorrübergehend auf den Kanaren verbleiben.
Mit einer weiteren Maschine (Kennzeichen: N179QS) wurde die beiden anderen Patienten nach Amsterdam-Schipol ausgeflogen: Der Niederländer landete im „Radboud Universitair Medisch Centrum“ (Radboudumc) in Nijmegen (dt.: Nimwegen) (Geert Grooteplein Zuid 10). Die Universitätsklinik teilte daraufhin mit, das niederländische Forschungsinstitut „Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu“ (RIVM) in Bilthoven (Antonie van Leeuwenhoeklaan 9) bestätigt habe, „dass der aufgenommene Patient das Hantavirus hat“. Der Betroffene wurde daraufhin über seinen „Gesundheitszustand“ informiert.
Der dritte Patient wurde am 6. Mai in das „Leiden University Medical Center“ (LUMC) in Leiden (Albinusdreef 2) verbracht. Hier leitet Dr. Karin Ellen Veldkamp die Behandlungsmaßnahmen.
Ab 6. Mai 2026: Das Schiff setzte seine Reise fort. Außerplanmäßiges Ziel ist der Hafen Puerto de Granadilla auf der Kanareninsel Teneriffa, wo das Schiff am Morgen des 10. Mai erwartet wird. Dies hat die spanische Regierung mit der World Health Organization (WHO) so vereinbart, da die Kap Verden nicht über die notwendige medizinische Infrastruktur verfügen. Gegen die Anlandung des Schiffes auf den Kanaren protestiert die dortige Regionalregierung unter Führung von Fernando Clavijo und die lokalen Hafenarbeiter. Man einigte sich am 7. Mai darauf, dass das Schiff nicht direkt an der Hafenmauer anlegen darf, sondern am Rande des Hafengebietes ankern muss. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder werden dann mit Schlauchbooten abgeholt und an Land gebracht. Entgegen der ursprünglichen Planung werden die Passagiere nicht in der Inselklinik „Hospital Universitario Nuestra Señora de Candelaria“ in Santa Cruz de Tenerife (Ctra. Gral. del Rosario 145) längere Zeit behandelt.
7. Mai 2026: Eine Stewardess der „KLM“-Maschine, die Frau Schilperoord am 25. April vergeblich nutzen wollte, ist mit Krankheitssymptomen in das „University Medical Center - Polikliniek“ (UMC) in Amsterdam (Meibergdreef 9) eingeliefert worden. Bei ihr konnte bisher keine Hanta-Infektion nachgewiesen werden, vermutlich leidet sie nur unter einer normalen Erkältung und wurde aus dem Krankenhaus entlassen. (20)
Ebenfalls am 7. Mai gab die niederländische Reederei „Oceanwide Expeditions“ eine fragwürdige Presseerklärung heraus:
„Die Sicherheit und das Wohlergehen aller Passagiere und der Besatzung haben für uns oberste Priorität. Zum Zeitpunkt des ersten Todesfalls am 11. April war die Todesursache unbekannt, und es gab keine Hinweise auf ein Virus oder eine Ansteckung an Bord der m/v Hondius. Dies wurde vom Schiffsarzt festgestellt und am 12. April vom Kapitän persönlich an Passagiere und Besatzung mitgeteilt. (…)
Die Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften sowie die maritimen Standards für die ordnungsgemäße Abwicklung und Meldung eines Todesfalls auf See wurden strikt befolgt.“ (21)
8. Mai 2026: Eine Spanierin (32 Jahre) aus Alicante, die kurzzeitig zwei Sitzreihen hinter Frau Schilperoord gesessen hatte, zeigte am 8. Mai ebenfalls leichte Krankheitssymptome in Form, von Husten. Sie wurde in das „Hospital Sant Joan de Alicante“ eingewiesen, das über eine „Unidad de Enfermedades Infecciosas“ verfügt. Ihre PCR-Proben wurden an das BSL-3-Labor des „Centro Nacional de Microbiologica“ (CNM) des „Instituto de Salud Carlos III“ (ISCIII) in Majadahonda (Calle de las Mieses, 5, local 1) geschickt. Mit einem Ergebnis wird für den 10. Mai gerechnet. (22)
Ein britischer Staatsbürger, der sich am 8. Mai auf der Atlantikinsel Tristan de Cunha aufhielt, wurde als weiterer Verdachtsfall untersucht.
9. Mai 2026: Eine weitere Spanierin aus Barcelona, die ebenfalls mit der „KLM“-Maschine gereist war, wurde am 9. Mai in das Universitätskrankenhaus „Hospital Clínic“ in Barcelona-Eixample (Carrer de Villarroel 170) eingewiesen.
10. Mai 2026: Das Schiff soll den Hafen Puerto de Granadilla auf der Kanareninsel Teneriffa entgegen der ursprünglichen Planung bereits am frühen Morgen anlaufen. Allerdings wird das Schiff nicht direkt an der Hafenmauer anlegen. Nach Protesten der Regionalregierung unter Führung von Fernando Clavijo und der lokalen Hafenarbeiter einigte man sich darauf, dass das Schiff am Rande des Hafengebietes ankern muss. Hier sollen alle Personen an Bord in Fünfergruppen medizinisch durchgecheckt und notfalls versorgt werden. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder werden dann mit Zodiac-Schlauchbooten abgeholt, an Land gebracht, wo sie einen Bus besteigen, der sie – mit Polizeieskorte - zum 13 km entfernten Flughafen „Aeropuerto de Tenerife Sur“ (TFS) bringt. Sie tragen FFP-2-Masken und dürfen nur ein Stück Handgepäck mit Ausweis, Handy, Portemonnaie mitführen. (23)
Als erstes werden die dreizehn spanischen Staatsbürger von Bord gebracht und mit einem Airbus A310 der spanischen Luftwaffe zum „Hospital Central de la Defensa Gómez Ulla de Madrid“ (HCD) in Madrid-Vista Alegre (Gta. Ejército 1) ausgeflogen, wo sie für mehrere Wochen in Quarantäne kommen. Innerhalb von 48 Stunden will man – soweit die Planung - alle Personen mit mehreren, wartenden Rettungsflugzeugen in ihre Heimatländer (USA, Irland, UK, Niederlande, Belgien, Frankreich, BRD und zwei Flugzeuge, die die EU bereitstellt) ausfliegen. (24) Die Amerikaner sollen in einem Quarantänelager in Nebraska zwangseingewiesen werden.
An Bord verbleiben nur 31 der derzeit 61 Besatzungsmitglieder, die das Schiff anschließend in die Niederlande überführen. (25) Insgesamt werden rund 50 Einsatzkräfte der verschiedenen Behörden und Dienststellen in ABC-Schutzkleidung eingesetzt. Noch ist unklar, wie man ein hundert Meter langes Passagierschiff dekontaminieren will.
Nach Meldungen der behandelnden Ärzte an Bord gibt es zur Zeit keinen akuten Krankheitsfall an Bord. Dennoch bleibt die verhängte Quarantäne bestehen: Die Passagiere müssen in ihren Kabinen mit eingebauter Nasszelle verbleiben und werden dort versorgt, sie dürfen nur gelegentlich an Deck gehen, wobei Abstandregeln eingehalten werden müssen. Schwieriger ist die Einhaltung der Quarantäne für die Besatzungsmitglieder, die auf der Brücke, in der Küche und im Maschinenraum zusammenarbeiten müssen.
Neben den drei Toten soll der Seuchenfall bisher mindestens sechs nachgewiesene Krankheitsverdachtsfälle hervorgebracht haben. So wurde auch der Schiffsarzt, der seine Praxis auf Deck Drei hatte, mittlerweile ausgeflogen. Wenn man eine Schiffsreise macht und der Schiffsarzt ist an einer Infektionskrankheit erkrankt, dann weist man, dass man ein ernstes Problem hat. Angeblich befinden sich mittlerweile mindestens vier oder fünf weitere Ärzte an Bord: Bei einem der Ärzte handelt es sich um Dr. Stephen Kornfeld, einen pensionierten amerikanischen Onkologen, der sich zufällig als Passagier an Bord befand. Hinzu kommen drei niederländische Ärzte, darunter mindestens zwei Infektiologen. Hinzu kommt auch ein Vertreter des „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) in Stockholm (Schweden).
Hotspots
Zur Zeit untersuchen die Sicherheitsbehörden weltweit mehrere Hotspots, wo sich Personen aufgehalten haben, die mit den Hanta-Viren möglicherweise in Kontakt gekommen sind. Alle sollen identifiziert, lokalisiert und medizinisch untersucht werden. Neben dem Seuchenschiff „Hondius“ gehören dazu der Hafen und der Flughafen auf der Insel Sankt Helena, das „Airlink“-Passagierflugzeug, das am 24. April von Sankt Helena nach Johannesburg flog, der „KLM“-Flug von Johannesburg nach Amsterdam am 25. April 2026, sowie das Gebiet um Ushuaia im Süden Argentiniens.
In Argentinien tritt das Anden-Virus endemisch auf. In den letzten Jahren hat es vereinzelt Krankheitsausbrüche (1996, 2018-2019) gegeben. Unklar ist, ob die Einsparungen im Gesundheitswesen durch den amtierenden Regierungschef Javier Milei (Amtsantritt: 10. Dezember 2023) eine Seuchenprävention verhindert haben.
Das niederländische Ehepaar war nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums am 27. November in Argentinien angekommen. Es reiste anschließend nach Chile und Uruguay weiter und kehrte am 27. oder 29. März nach Argentinien zurück, um am 1. April an Bord der Hondius zu gehen. Nun vermuten die Gesundheitsbehörden, dass das niederländische Ehepaar bei einem Tagesauflug vor Beginn der Kreuzfahrt mit dem Hanta-Virus in Kontakt gekommen ist. Vermutlich hatte das Paar einen Landausflug zu einer Müllkippe gemacht, um dort Vögel zu beobachten, dabei kamen sie vermutlich mit infizierten Mäusen oder Ratten in Kontakt.
Allerdings betont das argentinische Gesundheitsministerium, es sei „nicht bestätigt, dass die Ansteckung in Argentinien stattgefunden hat“. Feuerland habe „seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 1996 keinen einzigen Hantavirus-Fall gemeldet“. Nun hat man Experten des Malbrán-Instituts in Buenos Aires nach Feuerland geschickt, um nach einer „möglichen Präsenz des Virus“ zu suchen. (26) Derweil wollen die argentinischen Behörden herausgefunden haben, dass sich das niederländische Ehepaar nicht in Argentinien angesteckt haben kann: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung hier erfolgte, liegt praktisch bei null“, sagte der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz Juan Petrina. (27)
Die Verwicklung Deutschlands in den Seuchenfall
Wieviele Deutsche sich noch an Bord des Schiffes befinden, wurde nicht bekannt. Sie sollen am Sonntag oder Montag mit einem Spezialflugzeug in die BRD zurückgebracht werden. Neben dem Auswärtigen Amt (AA) in Berlin-Mitte (Werderscher Markt 1) und dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin-Wedding (Nordufer 20) ist dafür das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge (BBK) in Bonn-Lengsdorf (Provinzialstraße 93) zuständig.
Neben der verstorbenen Passauerin ist eine weitere Deutsche (65 Jahre), die mit ihr in Kontakt stand, unter den Verdachtsfällen. Sie wurde am 6. Mai 2026 nach Amsterdam (Niederlande) ausgeflogen. Von dort ging es im Konvoi mit sechs Fahrzeugen (Polizei, Berufsfeuerwehr Düsseldorf, Katastrophenschutz) ins 182 km entfernte Düsseldorf. Fahrer, Sanitäter und Ärzte trugen ABC-Vollschutz mit Overall und Masken, aber ohne Sauerstoffgerät.
In Düsseldorf wurde die Patientin in die Sonderisolierstation (SIS) der „Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie“ des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) in Düsseldorf-Bilk (Moorenstraße 5) aufgenommen. Ihr Zustand ist nach Auskunft der Ärzte „stabil“. Bei ihr konnte bisher keine Infektion mit dem Hanta-Virus nachgewiesen werden. Allerdings ist es aufgrund der langen Inkubationszeit des Erregers noch zu früh, um Entwarnung zu geben. Dazu führte Prof. Dr. Feldt aus:
„Wir können nicht sagen, ob sie nicht infiziert ist. Wir haben keine Viren nachgewiesen. (…) Wir können nur sagen, dass sie derzeitig keine aktive Infektion hat, nach allem, was wir wissen, und auch nach den Untersuchungen, die wir gemacht haben. Sie kann infiziert sein, aber innerhalb der Inkubationszeit. Und das würden wir dann erst feststellen, wenn sie Symptome entwickeln würde und wenn die Person dann auch positiv getestet wird. (…) Nach acht Wochen könnte man Entwarnung geben. Das sind so Einzelfälle, die wirklich so eine lange Inkubationszeit hatten. Die meisten Fälle treten innerhalb von zwei bis vier Wochen auf. (…) Als Anhaltspunkt kann man 40, 45 Tage nennen.“ (28)
Die Sonderisolierstation befindet sich im Erdgeschoss des „Leber- und Infektionszentrums“. Sie verfügt über drei Betten bzw. Bettisolatoren und wird nur bei Bedarf genutzt. Das Bett steht in einem durchsichtigen Kunststoffzelt mit Glove Ports, so dass die Krankenpfleger mit ihren Armen durchgreifen können, um mit Schutzhandschuhen am Patienten zu arbeiten. Der Bettisolator steht in einem durch Unterdruck gesondert gesicherten Einzelzimmer mit Nasszelle und Vorraum. Die SIS ist eine von nur sieben Isolierzentren in der BRD (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart sowie das Ausbildungszentrum in Würzburg).
Zusätzlich zur SIS gibt es in Düsseldorf noch eine allgemeine Infektionsstation (MX01) mit 15 Betten, darunter 7 Einzelzimmer für Patienten mit schwerwiegenden Infektionen. (29)
Leiter der Klinik ist Prof. Dr. Dieter Häussinger. Als Bereichsleiter Spezielle Infektiologie ist derzeit Dr. Björn Jensen tätig, als Bereichsleiter Tropenmedizin fungiert z. Zt. der Oberarzt Prof. Dr. Torsten Feldt. (30)
Der Aufenthalt in einem SIS ist für jeden Patienten, auch dann, wenn es sich nur um einen harmlosen Verdachtsfall handelt, mit einem äußersten Maß an Stress verbunden. Man kennt seinen genauen Krankheitszustand nicht und muss tagelang auf Laborergebnisse warten, man kommt sich als potentieller, gefährlicher Seuchenträger miserabel vor, die Krankenpfleger und Ärzte sehen hinter ihrer Schutzkleidung aus wie Roboter, man kann nur per Telefon mit der Außenwelt kommunizieren, man kann nichts machen außer liegen. Da man sich unter diesen Umständen kaum noch auf irgendetwas konzentrieren kann, kann man noch nicht einmal Fernsehen oder etwas lesen. Unter dieser sensorischen Deprivation scheint die Zeit einfach still zu stehen, Atmung und Herzschlag bieten allzu wenig Abwechslung.
Die Berufsfeuerwehr Düsseldorf verfügt über einen eigenen ABC-Dienst mit Gefahrgutzug. Dieser ist vor allem auf der Umweltwache in der Posener Straße stationiert. Zum Transport von hochinfektiösen Patienten verfügt die Feuerwehr über spezielle Infektions-Rettungswagen (I-RTW). Diese mit einem besonderen HEPA-Filtersystem ausgestattet, fahren mit Kabinen-Unterdruck, damit keine Krankheitskeime während der Fahrt nach außen dringen, und sind mit Edelstahlplatten ausgekleidet, damit sie nach jedem Einsatz schnell desinfiziert werden können. In der Bundesrepublik sind mindestens neun Berufsfeuerwehren in den Großstädten (Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hamm, Kiel, Krefeld, Mainz, Stuttgart) mit einem solchen Spezialfahrzeug ausgerüstet.
Ein Patient, der an einem hämorraghischen Fieber erkrankt ist oder infiziert sein soll, darf keine Sekunde und keinen Meter mit der „normalen“ Umwelt in Kontakt sein. Sie werden daher in einem mobilen Infektions-Isolator, der inoffiziell als „Schneewittchensarg“ bezeichnet wird, vom I-RTW in sein Isolierzimmer liegend transportiert.
Die Feuerwehr erklärte zum vorliegenden Fall nach Übergabe der Patientin, der Zustand der Frau sei „stabil, derzeit zeigt sie keine Symptome einer Infektion“. (31) Ein Klinikmitarbeiter sprach von „Abklärungsuntersuchungen“. (32)
Der Präsident der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebeyesus, erklärte am 7. Mai 2026: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Risiko für die öffentliche Gesundheit insgesamt gering.“ (33) Die WHO-Expertin Maria Van Kerkhove ergänzte am 7. Mai 2026: „Das ist nicht der Beginn einer Epidemie. Das ist nicht der Beginn einer Pandemie. (…) Das ist kein Covid.“ Auch der Leiter der WHO-Abteilung für Notfallalarm und -reaktion, Abdi Rahman Mahamud, gab sich optimistisch: „Wir glauben, dass es sich um einen begrenzten Ausbruch handeln wird, sofern die Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit umgesetzt werden und alle Länder Solidarität zeigen.“ (34) Ziemlich viel Entwarnung für einen solch kleinen Seuchenausbruch mit weltweit drei Toten und sechs nachweislich Infizierten.
Zwar besteht keine Pandemiegefahr, dennoch treiben die Beschwichtigungsversuche manchmal selbstsame Blüten. So erklärte ein Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Würzburg (Dreikronenstraße 4): „In Europa, und somit auch in Bayern, sind bislang keine Hantavirus-Typen aufgetreten, bei denen Übertragungen von Mensch zu Mensch bekannt sind.“ Das Andes-Virus gehöre zu den sogenannten Neuwelt-Hantaviren und unterscheide sich „nicht nur hinsichtlich seiner Übertragungswege, sondern auch der Infektiosität, den Symptomen und der Sterblichkeit“ von den in Europa verbreiteten Hantaviren. (35)
Dies ist zwar prinzipiell richtig, aber wenn man diese Ausführungen so interpretiert, dass das Andes-Virus hinsichtlich Infektiosität und Virulenz harmloser ist, als die europäischen Puumala-Viren, dann hat man den LGL-Sprecher gehörig missverstanden – das genaue Gegenteil ist der Fall.
Quellen:
(1) https://www.spiegel.de/wissenschaft/falscher-verdacht-a-ecfe06f7-0002-0001-
0000-000014143668
(2) https://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/__3.html
(3) https://www.cdc.gov
(4) https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__7.html
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Hantaviren
(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Hantaviren
(7) https://oceanwide-expeditions.com/de/?srsltid=AfmBOorqNpnzmwKjSnkziEAr
UnSqm6kGYtQgH0g6gvvtooz3IS8eliwa
(8) https://www.diamir.de/schiff/mv-hondius
(9) https://www.diamir.de/ueber-uns
(10) https://www.bild.de/news/ausland/hantavirus-eine-suite-auf-dem-seuchen
siff-kostet-ueber-29-000-euro-69fb20e178a5e02b5e7a5e0d
(11) https://www.bild.de/news/ausland/hantavirus-eine-suite-auf-dem-seuchen
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(12) https://www.fr.de/panorama/die-lage-war-viel-schlimmer-taucht-video-
von-virus-kreuzfahrtschiff-auf-94296215.html
(13) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-05/hantavirus-kreuz
fahrtschiff-hondius-passagiere-kapverden-niederlande-duesseldorf-who
(14) https://www.dw.com/de/hantavirus-kreuzfahrtschiff-mvhondius-niederlande-
passagiere-st-helena-argentinien-ursache/a-77077140
(15) https://www.lessentiel.lu/de/story/hantavirus-alarm-warum-die-who-jetzt-alle-passagiere-von-airlink-flug-4z132-sucht-103558846
(16) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-kreuz
fahrtschiff-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(17) https://www.spiegel.de/wissenschaft/hantavirus-auf-kreuzfahrtschiff-feuerwehr
-bringt-deutschen-verdachtsfall-nach-duesseldorf-a-ee5f4290-ed41-4195-a4f3-13c
7f852a5d9
(18) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-kreuz
fahrtschiff-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(19) https://www.fr.de/panorama/die-lage-war-viel-schlimmer-taucht-video-
von-virus-kreuzfahrtschiff-auf-94296215.html
(20) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-05/hantavirus-kreuz
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(21) https://www.fr.de/panorama/die-lage-war-viel-schlimmer-taucht-video-
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(22) https://www.elmundo.es/comunidad-valenciana/2026/05/09/69fe1f4121efa03f0f8b459f.html
(23) https://www.elmundo.es/espana/2026/05/08/69fe36e221efa0752c8b45b1.html
(24) https://www.bild.de/news/ausland/hantavirus-auf-der-hondius-der-geheime-
plan-zur-evakuierung-69fd975430e98e4ac324e31d
(25) https://www.elmundo.es/ciencia-y-salud/salud/2026/05/09/69fec60857290
bfb9d463948-directo.html
(26) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-05/hantavirus-kreuz
fahrtschiff-hondius-passagiere-kapverden-niederlande-duesseldorf-who
(27) https://www.focus.de/panorama/welt/live-ticker-zum-hantavirus-auf-dem-kreuz
fahrtschiff-mv-hondius_f7b1e775-2a99-4017-b391-452707c4eeff.html
(28) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-
-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(29) https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitute
zentren/klinik-fuer-gastroenterologie-hepatologie-und-infektiologie/klinik/
fuer-patienten/stationen/infektionsstation-mx01
(30) https://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Fuer-Patienten-und-
Besucher/Kliniken-Zentren-Institute/Kliniken/Klinik_fuer_Gastroenterologie_Hepatologie_und_Infektiologie/
Klinik/Team/Oberaerzte_Arbeitsgruppenleiter/CV_Feldt_Feb_2024.pdf
(31) https://www.spiegel.de/wissenschaft/hantavirus-auf-kreuzfahrtschiff-feuerwehr-
bringt-deutschen-verdachtsfall-nach-duesseldorf-a-ee5f4290-ed41-4195-a4f3-13c7f8
52a5d9
(32) https://www.dw.com/de/hantavirus-kreuzfahrtschiff-mvhondius-niederlande-
passagiere-st-helena-argentinien-ursache/a-77077140
(33) https://de.euronews.com/gesundheit/2026/05/07/hantavirus-kreuzfahrtschiff
(34) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-kreuz
fahrtschiff-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(35) https://www.merkur.de/bayern/nach-hantavirus-ausbruch-auf-kreuz
fahrtschiff-so-ist-die-lage-in-bayern-94299160.html