Suche nach den Hanta-Leuten
Gerhard Piper
9. Mai 2026
An Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffes „Hondius“ ist eine Hanta-Infektion ausgebrochen. Bisher gab es drei Todesfälle, mindestens sechs Fälle bestätigter Infektionen und eine unbestimmte Zahl von Verdachtsfällen. Zwar droht keine Epidemie wie im Fall COVID, dennoch zeigt der Fall wieder einmal, dass das internationale Krisenmanagement bei Seuchenfällen nur schlecht funktioniert.
Das Hanta-Virus
Das Hanta-Virus ist einer der Erreger eines sogenannten „viralen hämorragischen Fiebers“ (VHF). Was das ist, musste vor Jahren ein deutscher Hubschrauberpilot erfahren: Der Kameramann Olaf Ullmann aus dem Raum Frankfurt/Oder hatte an der Elfenbeinküste Affen für einen Tierfilm gedreht und war von Mücken der Gattung Aedes aegypti mehrfach gestochen worden. Mit hohem Fieber kehrte er nach Deutschland zurück. Die Verdachtsdiagnose Malaria erwies sich als falsch. Daraufhin schickten ihn die behandelnden Ärzte mit der Vermutung, es handele sich um ein unspezifiziertes, hämorrhagisches Fieber, in die Isolierstation 59 des Rudolf-Virchow-Klinikums in Berlin-Wedding. Hier verstarb der Patient wenige Tage später elendig im Alter von 40 Jahren, als Todesursache wurde schließlich Gelbfieber diagnostiziert, der erste Fall dieser Erkrankung in der Geschichte der BRD. (1)
Als der Pilot des Rettungshubschraubers den Patienten am 3. August 1999 in Berlin sicher abgeliefert hatte, fragte er die Mediziner, wie er seinen schönen Helikopter effektiv desinfizieren könne. Die Berliner Ärzte antworteten – mit dem Berufswitz von Infektiologen –, am besten wäre es, wenn er seinen Rettungshubschrauber gleich an Ort und Stelle verbrennen würde. Dass fand der Flieger nicht wirklich witzig und begann mit der Reinigung seines Fluggeräts. Allerdings lassen sich die elektronischen Geräte an Bord mit all ihren Steckern und Öffnungen nicht wirklich desinfizieren.
Hanta-Viren gehören der biologischen „Risikogruppe 2“ gemäß § 3 der Biostoffverordnung (BioStoffV) an:
„Risikogruppe 2: Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können und eine Gefahr für Beschäftigte darstellen könnten; eine Verbreitung in der Bevölkerung ist unwahrscheinlich; eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung ist normalerweise möglich, (…).“ (2)
Für Arbeiten mit diesen Viren, etwa in Laboren oder Krankenstationen, gilt international eine hohe BSL-Schutzstufe (BSL = Biosafety Level), wie sie von den amerikanischen „Centers for Desease Control and Prevention“ (CDC) in Atlanta (U.S. Bundesstaat Georgia) als weltweiter Maßstab festgelegt wurden. Insgesamt gibt es vier Schutzstufen mit ansteigendem Gefahrenpotential. Hanta-Viren werden i. d. R. mit BSL-3 (Hohes Risiko/Ernsthafte Erkrankung) klassifiziert und rangieren dann mit dem Tuberkulose-Erreger oder dem SARS-CoV-2-Erreger), einige Subtypen werden mit BSL-4 (Höchstes Risiko/Lebensgefahr) eingestuft und rangieren dann mit den hämorrhagischen Erregern Ebola, Lassa oder Marburg.
Hochsicherheitslabore, die mit BSL-3- oder BSL-4-Erregern arbeiten, müssen laut CDC folgende technischen Sicherheitsstandards erfüllen:
“BSL-3 builds upon the containment requirements of BSL-2. If you work in a lab that is designated BSL-3, the microbes there can be either indigenous or exotic, and they can cause serious or potentially lethal disease through respiratory transmission. Respiratory transmission is the inhalation route of exposure. One example of a microbe that is typically worked with in a BSL-3 laboratory is Mycobacterium tuberculosis, the bacteria that causes tuberculosis.
In addition to BSL-2 considerations, BSL-3 laboratories have the following containment requirements:
Laboratory practices
· Laboratorians are under medical surveillance and might receive immunizations for microbes they work with.
· Access to the laboratory is restricted and controlled at all times.
Safety equipment
· Appropriate PPE must be worn, and respirators might be required.
· All work with microbes must be performed within an appropriate BSC.
Facility construction
· A hands-free sink and eyewash are available near the exit.
· Exhaust air cannot be recirculated, and the laboratory must have sustained directional airflow by drawing air into the laboratory from clean areas towards potentially contaminated areas.
· Entrance to the lab is through two sets of self-closing and locking doors.
BSL-4 builds upon the containment requirements of BSL-3 and is the highest level of biological safety. There are a small number of BSL-4 labs in the United States and around the world. The microbes in a BSL-4 lab are dangerous and exotic, posing a high risk of aerosol-transmitted infections. Infections caused by these microbes are frequently fatal and without treatment or vaccines. Two examples of microbes worked with in a BSL-4 laboratory include Ebola and Marburg viruses.
In addition to BSL-3 considerations, BSL-4 laboratories have the following containment requirements:
Laboratory practices
· Change clothing before entering.
· Shower upon exiting.
· Decontaminate all materials before exiting.
Safety equipment
· All work with the microbe must be performed within an appropriate Class III BSC, or by wearing a full body, air-supplied, positive pressure suit.
Facility construction
· The laboratory is in a separate building or in an isolated and restricted zone of the building.
· The laboratory has dedicated supply and exhaust air, as well as vacuum lines and decontamination systems.” (3)
Seit 2001 zählt eine Infektion mit dem Virus in der BRD gemäß § 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) zu den amtlich meldepflichtigen Erkrankungen:
„1) Namentlich ist bei folgenden Krankheitserregern, soweit nicht anders bestimmt, der direkte oder indirekte Nachweis zu melden, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen: (…)
19. Hantaviren“ (4)
Infektiologen unterscheiden rund sechzig verschiedene Subtypen, die eine unterschiedliche geographische Verbreitung haben, durch unterschiedliche Wirtstiere übertragen werden und verschiedene Krankheitsbilder verursachen.
Anfang der fünfziger Jahre erkrankten während des Korea-Krieges über 3.000 U.S.-Soldaten im Bereich des Flusses Hantaan an einer neuartigen Form der Grippe. Erst zwanzig Jahre später konnte der damalige Erreger bestimmt und – wie bei Krankheitserregern üblich – nach dem Ort seines ersten Auftretens benannt werden: Hantaan- oder Hanta-Virus (HTNV). Als Überträger des Virus wurde 1977 die Feldmaus Apodemus agrarius ausgemacht. (5)
Im Jahr 1993 kam es im Südwesten der USA in den Bundesstaaten New Mexico, Utah, Arizona und Colorado zu einer neuartigen Seuche unter den dort lebenden Navajo-Indianern. Der Erreger war unbekannt, hatte somit noch keinen Namen und wurde deshalb „Sin-Nombre-Virus“ (SNV) genannt, einen Namen, den das Virus auch später beibehielt. Es wurde erst 1998 identifiziert. Das Virus löst eine schwere Lungenentzündung mit einem Lungenödem (Hanta-Virus-assoziiertes pulmonales Syndrom – HPS) aus. Die Letalität, d. h. die Tödlichkeit der Erkrankungen, wird mit 30 bis 40 Prozent angegeben. Der Erreger wird über die Hirschmaus übertragen.
Im Jahr 1996 brach in Südamerika eine neue Seuche aus. Als Erreger wurde zwei Jahre später ein neuer Subtyp des Hanta-Virus, das Anden-Virus (ANDV) ausgemacht. Von allen anderen Subtypen unterscheidet sich diese Art dadurch, dass sie nicht nur von Nagetier zu Mensch, sondern von Mensch zu Mensch respiratorisch übertragen werden kann. In der einen Hälfte der Fälle löst dieser Erreger eine schwere Nierenerkrankung (Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom - HFRS), in der anderen Hälfte eine schwere Lungenentzündung (Hanta-Virus Cardopulmonary Syndrome - HCPS) aus. Die Letalität wird ebenfalls mit 30 bis 40, vielleicht sogar 50 Prozent angegeben. Dieses Virus wird über die Langschwanz-Zwergreisratte übertragen.
Eine HFRS-Erkrankung zeichnet sich durch folgende Symptome aus: Plötzlich auftretendes hohes Fieber (>39 Grad), Schüttelfrost, Schmerzen (Kopf, Rücken, Bauch), Blutdruckabfall, akutes Nierenversagen, Blutungen, danach langsame Genesung.
Die in der Bundesrepublik vorkommende Rötelmaus ist der Überträger des – relativ harmlosen – Puumala-Virus. Sie kommt vor allem in Buchenwäldern in Niedersachsen (Münsterland), Hessen, Baden-Württemberg und Bayern vor. Die Zahl der jährlichen Erkrankungen fällt nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) sehr unterschiedlich aus: 230 Fälle im Jahr 2020, (1722/2021), (143/2022), (337/2023), (425/2024) und (293/2025). Da nicht immer eine Infektion durch Hanta-Viren erkannt wird, bleibt die Dunkelziffer unbekannt. Das Puumala-Virus löst „nur“ eine leichte bis mittelschwere Erkrankung aus. So wird die Letalität mit unter einem Prozent angegeben.
Natürlicher Wirt der Erreger sind Nagetiere (Mäuse, Ratten), die den Erreger in sich tragen aber selbst nicht erkranken. Sie scheiden die Viren über Kot, Urin und Speichel aus. Wenn diese Ausscheidungen getrocknet sich, werden sie als Staub mit dem Wind weiterverbreitet und von Menschen unbemerkt über die Atemwege aufgenommen.
Die Inkubationszeit zwischen einer Infektion mit dem Erreger und dem Ausbruch der Erkrankung unterliegt starken Schwankungen. Sie wird mit 5 bis 60 Tagen angegeben. Anscheinend ist ein infizierter Patient erst mit dem Ausbruch der Krankheit selbst infektiös. Zur Prävention ist unbedingt eine Einhaltung der Hygieneregeln geboten: Tragen einer FFP-2- oder FFP-3-Maske, Handschuhe, geschützte Lagerung von Lebensmitteln, Mäusebekämpfung, etc.
Ein Problem der Erkrankung ist, dass keine Therapie in Form von antiviralen Medikamenten zur Verfügung steht, die die Ursache der Erkrankung beseitigt. Bisher ist nur eine symptomale Therapie möglich, die an der Linderung der Symptome durch Gabe von fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten ansetzt. Bei Bedarf wird eine Dialyse durchgeführt. (6)
Das Seuchenschiff Hondius
Die M/V Hondius ist keines dieser hässlichen AIDA-Pötte, mit denen Menschenmassen weltweit auf Reise gehen. Sie ist ein relativ kleines Passagierschiff für „gehobene Ansprüche“ und entsprechend teuren Kreuzfahrten. Das Schiff gehört zur niederländischen Reederei „Oceanwide Expeditions“ mit Sitz in Vlissingen (Visserijkade 5). (7). Es kann über „Diamir Erlebnisreisen“ gebucht werden.
Das Schiff hat eine Länge von 107,6 Metern und verfügt über 80 Passagierkabinen auf sieben Decks. Es gibt eine Bar, eine Bibliothek, eine TV-Ecke, Shops und natürlich ein Restaurant. Einen Wellness-Bereich oder eine Pool-Landschaft mit Rutschen benötigen die hartgesottenen Ökos nicht.
Das Schiff kann maximal 170 Touristen an Bord nehmen. Zu ihrer Betreuung stehen dann 70 Crewmitglieder zur Verfügung. Auf der vorliegenden Reise waren insgesamt rund 146 Personen an Bord, darunter 88 Passagiere und 59 Besatzungsmitglieder, die aus insgesamt 23 Ländern kamen.
Je nach der gebuchten Reiseroute kostet eine einwöchige Kreuzfahrt schonmal 2.500 bis 4.100 Euro. Hinzu kommen dann nur noch die Flugkosten zum Ablegehafen, die auf eigene Kosten gebucht werden müssen. (8) Dafür wird einem auch Einiges geboten. So heißt es auf der Webseite von „Diamir“:
„Was macht für Sie eine Reise unvergesslich? Für uns ist es die Mischung aus Entdeckung, Begegnungen und der richtigen Gesellschaft. Genau das vereinen wir bei DIAMIR Erlebnisreisen seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft – immer unter dem Aspekt, verantwortungsvoll zu handeln und Ihnen die Welt zu zeigen.“ (9)
Das Schiffsprogramm wendet sich ausdrücklich an betuchte Öko-Touristen. So schreibt die Reederei:
„Ein Deck ist vollständig für (mehrsprachige) Vorträge und Präsentationen gewidmet, eine große Panoramalounge und ein separater Hörsaal stehen für diesen Zweck zur Verfügung. Mit diesem Schiff haben Sie auch die Gewissheit, eines der umweltfreundlichsten Schiffe der Polarmeere gewählt zu haben.“ (10)
Chronologie einer Reise
1. April 2026: Start der Kreuzfahrt „Atlantic Odyssee“. Die Reise sollte 34 Tage dauern und kostete in der günstigsten Preiskategorie (4-Bett-Kabine mit 12 qm Wohnfläche) bloß 10.050 Euro pro Person, in der Superior-Kategorie (2-Bett-Zimmer mit 23 qm und zwei besonders großen Kabinenfenstern) musste man über 16.000 Euro pro Person berappen. Von Ushuaia im Süden Argentiniens startete die Fahrt in die Antarktis, zu den Falklandinseln, nach Südgeorgien und zu anderen isolierten Inseln (Nightingale Island, Tristan da Cunha und Sankt Helena) im Südatlantik. Ziel der Reise waren die Kap Verden vor der Westküste Afrikas. (11)
6. April 2026: Der Biologe und Ornithologe Leo Schilperoord aus Ooststellingwerf-Haulerwijk (Niederlande) zeigte erste Krankheitssymptome, ohne dass die genaue Erkrankung diagnostiziert wurde. Er gilt als „Patient Null“ bzw. „Fall 1“.
11. April 2026: Leo Schilperoord verstarb an Bord. Er wurde 70 Jahre alt. Seine Leiche wurde am 24. April beim Anlegen in Sankt Helena von Bord gebracht.
12. April 2026: Da eine Hanta-Infektion im Anfangsstadium ähnliche Symptome wie eine „normale“ Grippe aufweist (Fieber, Kopfschmerzen, leichter Durchfall) und in entsprechender Unkenntnis der akuten Gefahrenlage, hielt der Schiffskapitän eine fatale Beruhigungsrede: „Einer unserer Passagiere ist letzte Nacht plötzlich verstorben. Laut dem Arzt gibt es kein Infektionsrisiko. Das Schiff ist sicher.“ (12)
21. April 2026: Ein Schweizer Ehepaar kehrte über Südafrika in die Schweiz zurück. Bei dem Mann wurde später eine Infektion mit dem Hanta-Erreger (Fall 5 oder 6?) festgestellt. Der Patient befindet sich derzeit im „Universitätsspital Zürich“ (USZ) in Zürich (Rämistrasse 100). (13) Seine Ehefrau befindet sich ebenfalls in Quarantäne.
24. April 2026: Das Schiff legte auf der Insel Sankt Helena an. Mehrere Passagiere gingen von Bord. Zu deren Gesamtzahl gab es in den Medien unterschiedliche Angaben. In Medienberichten war zunächst von 23 Personen die Rede, die Reederei sprach von 29 Personen, möglicherweise waren es sogar 40 Personen, wie das niederländische Außenministerium am 7. Mai bekanntgab. (14)
Darunter war auch die Ehefrau des verstorbenen Holländers Mirjam Schilperoord. Sie wirkte verwirrt und schwach, hatte ansonsten unspezifische Symptome. Sie gilt als „Fall 2“. Die Frau wurde mit einem kommerziellen Passagierflugzeug „Embraer 190“ des Unternehmens „Airlink“ (Flug 4Z132) nach Johannesburg (Südafrika) ausgeflogen, wo sie vergeblich medizinisch behandelt wurde und verstarb.
An Bord befanden sich 82 Fluggäste. Mittlerweile teilte die Fluggesellschaft mit: „Die Kontaktverfolgung der Passagiere des Fluges wurde eingeleitet.“ (15) So wurde nach diesen Passagieren weltweit gefahndet, da es sich möglicherweise um Seuchenträger handelt. Die Betreffenden halten sich in einem Gebiet auf, dass von Kanada bis Singapur reicht.
Ebenfalls am 24. April erkrankte ein Passagier an der Hanta-Infektion. Er gilt als „Fall 3“. Der Mann wurde am 27. April nach Südafrika ausgeflogen, wo am 2. Mai der Erreger nachgewiesen wurde.
Ein dänischer Passagier begab sich zu Hause in Selbstisolation. Ein deutscher Staatsbürger konnte – soweit bekannt - noch nicht lokalisiert werden. Von den zwei Passagieren aus Singapur leidet nur einer unter einer nur „laufenden Nase“.
Auf Tristan da Cunha, einer Nachbarinsel von Sankt Helena, ist mittlerweile eine Person erkrankt. Ob es sich um eine Infektion mit Hanta handelt, konnte durch die britische „United Kingdom Health Security Agency“ (UKHSA) noch nicht bestätigt werden.
25. April 2026: Frau Schilperoord wollte erkrankt mit einem Flugzeug der „KLM“ von Johannesburg (Südafrika) nach Amsterdam (Niederlande) fliegen. Da sie Krankheitssymptome zeigte, hielt sie sich nur kurz im Flugzeug auf und musste die Maschine vor dem Start wieder verlassen. Über die Zahl der betreffenden Personen gibt es keine genauen Angaben. In diesem Zusammenhang berichtete die „Frankfurter Rundschau“:
„Die Behörden befürchten allerdings, dass das Virus vor der Evakuierung weiterverbreitet worden sein könnte. Angesichts dessen wurden 62 Personen von den Gesundheitsbehörden identifiziert, die höchstwahrscheinlich Kontakt zu beiden Patienten gehabt haben. Darunter sind Flugzeugpassagiere, Flughafenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, Gesundheitspersonal, Krankenhausreinigungskräfte und Personal am Einreisehafen. Nur 42 dieser Personen konnten bislang ausfindig gemacht werden – positiv auf das Hantavirus wurde niemand getestet. (…)
Laut WHO sollen allein in Südafrika rund 69 potenzielle Kontaktpersonen untersucht werden.“ (16)
Die niederländischen Gesundheitsbehörden haben alle anderen Passagiere präventiv kontaktiert, um ihren Gesundheitszustand und ihren derzeitigen Aufenthaltsort zu eruieren. (17) Eine Stewardess zeigte Erkältungssymptome und wurde vorrübergehend in eine Klinik gebracht, mittlerweile aber wieder entlassen. Zwei Spanierinnen aus Barcelona und Alicante unter den Fluggästen befinden sich derzeit im Krankenhaus. Auch vier Italienerinnen werden derzeit von den Gesundheitsbehörden überwacht. Eine Frau aus Florenz befindet sich in Quarantäne.
26. April 2026: Die Ehefrau aus den Niederlanden verstarb im Krankenhaus in Südafrika. Am 6. Mai gab der südafrikanische Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi bekannt, dass bei der Verstorbenen das Hanta-Virus nachgewiesen wurde.
27. April 2026: Einer der Passagiere musste wegen eines medizinischen Notfalls von Bord evakuiert werden. Erst danach forderte das Schiffsteam Testsets an, um Krankheitserreger nachzuweisen und zu identifizieren.
28. April 2026: Eine Passagierin aus Passau in Bayern, die offensichtlich mit dem niederländischen Ehepaar an Bord in Kontakt war, zeigte erste Krankheitssymptome. Sie gilt als „Fall 4“.
2. Mai 2026: Die Passagierin aus Passau verstarb während der Weiterfahrt vor der westafrikanischen Küste. Sie wurde 78 Jahre alt. Der Leichnam befindet sich nach wie vor an Bord. Erst nach diesem dritten Todesfall kam der Verdacht auf, dass an Bord eine Seuche ausgebrochen war.
3. Mai 2026: Ab dem 3. Mai kreuzte das Schiff für mehrere Tage vor Praia (Kap Verden), durfte aber nicht anlegen. Dazu hieß es in einer Pressemitteilung der Reederei „Oceanwide Expeditions“:
„Bis zum 3. Mai 2026, 23:00 Uhr MEZ, liegt keine Genehmigung der kapverdischen Behörden vor, Gäste, die medizinische Versorgung benötigen, von Bord zu lassen oder bei medizinischen Untersuchungen zu unterstützen.“ (18)
4. Mai 2026: Bei dem Passagier, der am 27. April evakuiert worden war, wurde eine Hanta-Infektion nachgewiesen. (19)
6. Mai 2026: Drei Personen wurden von Bord gebracht, darunter befanden sich zwei Verdachtsfälle, zwei Besatzungsmitglieder aus den Niederlanden (41 Jahre) bzw. dem Vereinigten Königreich (56 Jahre), und eine weitere, symptomfreie Deutsche (65 Jahre), die mit der Passagierin aus Passau engen Kontakt gehabt hatte. Bei einem der Krankheitsfälle soll es sich um den britischen Schiffsarzt (Fall 5 oder 6?) gehandelt haben. Die drei Personen wurden mit ein oder zwei Sanitätsflugzeugen der „Luxembourg Air Rescue“ (LAR) auf die Kanaren ausgeflogen, nachdem die Regierung in Marokko eine Zwischenlandung verboten hatte. Während die Deutsche mit einer Maschine nach Amsterdam-Schipol und dann weiter nach Düsseldorf weiterbefördert wurde, mussten die beiden anderen Betroffenen wegen einer Panne an der Isolationskapsel ihres Flugzeuges vorrübergehend auf den Kanaren verbleiben.
Mit einer weiteren Maschine (Kennzeichen: N179QS) wurde die beiden anderen Patienten nach Amsterdam-Schipol ausgeflogen: Der Niederländer landete im „Radboud Universitair Medisch Centrum“ (Radboudumc) in Nijmegen (dt.: Nimwegen) (Geert Grooteplein Zuid 10). Die Universitätsklinik teilte daraufhin mit, das niederländische Forschungsinstitut „Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu“ (RIVM) in Bilthoven (Antonie van Leeuwenhoeklaan 9) bestätigt habe, „dass der aufgenommene Patient das Hantavirus hat“. Der Betroffene wurde daraufhin über seinen „Gesundheitszustand“ informiert.
Der dritte Patient wurde am 6. Mai in das „Leiden University Medical Center“ (LUMC) in Leiden (Albinusdreef 2) verbracht. Hier leitet Dr. Karin Ellen Veldkamp die Behandlungsmaßnahmen.
Ab 6. Mai 2026: Das Schiff setzte seine Reise fort. Außerplanmäßiges Ziel ist der Hafen Puerto de Granadilla auf der Kanareninsel Teneriffa, wo das Schiff am Morgen des 10. Mai erwartet wird. Dies hat die spanische Regierung mit der World Health Organization (WHO) so vereinbart, da die Kap Verden nicht über die notwendige medizinische Infrastruktur verfügen. Gegen die Anlandung des Schiffes auf den Kanaren protestiert die dortige Regionalregierung unter Führung von Fernando Clavijo und die lokalen Hafenarbeiter. Man einigte sich am 7. Mai darauf, dass das Schiff nicht direkt an der Hafenmauer anlegen darf, sondern am Rande des Hafengebietes ankern muss. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder werden dann mit Schlauchbooten abgeholt und an Land gebracht. Entgegen der ursprünglichen Planung werden die Passagiere nicht in der Inselklinik „Hospital Universitario Nuestra Señora de Candelaria“ in Santa Cruz de Tenerife (Ctra. Gral. del Rosario 145) längere Zeit behandelt.
7. Mai 2026: Eine Stewardess der „KLM“-Maschine, die Frau Schilperoord am 25. April vergeblich nutzen wollte, ist mit Krankheitssymptomen in das „University Medical Center - Polikliniek“ (UMC) in Amsterdam (Meibergdreef 9) eingeliefert worden. Bei ihr konnte bisher keine Hanta-Infektion nachgewiesen werden, vermutlich leidet sie nur unter einer normalen Erkältung und wurde aus dem Krankenhaus entlassen. (20)
Ebenfalls am 7. Mai gab die niederländische Reederei „Oceanwide Expeditions“ eine fragwürdige Presseerklärung heraus:
„Die Sicherheit und das Wohlergehen aller Passagiere und der Besatzung haben für uns oberste Priorität. Zum Zeitpunkt des ersten Todesfalls am 11. April war die Todesursache unbekannt, und es gab keine Hinweise auf ein Virus oder eine Ansteckung an Bord der m/v Hondius. Dies wurde vom Schiffsarzt festgestellt und am 12. April vom Kapitän persönlich an Passagiere und Besatzung mitgeteilt. (…)
Die Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften sowie die maritimen Standards für die ordnungsgemäße Abwicklung und Meldung eines Todesfalls auf See wurden strikt befolgt.“ (21)
8. Mai 2026: Eine Spanierin (32 Jahre) aus Alicante, die kurzzeitig zwei Sitzreihen hinter Frau Schilperoord gesessen hatte, zeigte am 8. Mai ebenfalls leichte Krankheitssymptome in Form, von Husten. Sie wurde in das „Hospital Sant Joan de Alicante“ eingewiesen, das über eine „Unidad de Enfermedades Infecciosas“ verfügt. Ihre PCR-Proben wurden an das BSL-3-Labor des „Centro Nacional de Microbiologica“ (CNM) des „Instituto de Salud Carlos III“ (ISCIII) in Majadahonda (Calle de las Mieses, 5, local 1) geschickt. Mit einem Ergebnis wird für den 10. Mai gerechnet. (22)
Ein britischer Staatsbürger, der sich am 8. Mai auf der Atlantikinsel Tristan de Cunha aufhielt, wurde als weiterer Verdachtsfall untersucht.
9. Mai 2026: Eine weitere Spanierin aus Barcelona, die ebenfalls mit der „KLM“-Maschine gereist war, wurde am 9. Mai in das Universitätskrankenhaus „Hospital Clínic“ in Barcelona-Eixample (Carrer de Villarroel 170) eingewiesen.
10. Mai 2026: Das Schiff soll den Hafen Puerto de Granadilla auf der Kanareninsel Teneriffa entgegen der ursprünglichen Planung bereits am frühen Morgen anlaufen. Allerdings wird das Schiff nicht direkt an der Hafenmauer anlegen. Nach Protesten der Regionalregierung unter Führung von Fernando Clavijo und der lokalen Hafenarbeiter einigte man sich darauf, dass das Schiff am Rande des Hafengebietes ankern muss. Hier sollen alle Personen an Bord in Fünfergruppen medizinisch durchgecheckt und notfalls versorgt werden. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder werden dann mit Zodiac-Schlauchbooten abgeholt, an Land gebracht, wo sie einen Bus besteigen, der sie – mit Polizeieskorte - zum 13 km entfernten Flughafen „Aeropuerto de Tenerife Sur“ (TFS) bringt. Sie tragen FFP-2-Masken und dürfen nur ein Stück Handgepäck mit Ausweis, Handy, Portemonnaie mitführen. (23)
Als erstes werden die dreizehn spanischen Staatsbürger von Bord gebracht und mit einem Airbus A310 der spanischen Luftwaffe zum „Hospital Central de la Defensa Gómez Ulla de Madrid“ (HCD) in Madrid-Vista Alegre (Gta. Ejército 1) ausgeflogen, wo sie für mehrere Wochen in Quarantäne kommen. Innerhalb von 48 Stunden will man – soweit die Planung - alle Personen mit mehreren, wartenden Rettungsflugzeugen in ihre Heimatländer (USA, Irland, UK, Niederlande, Belgien, Frankreich, BRD und zwei Flugzeuge, die die EU bereitstellt) ausfliegen. (24) Die Amerikaner sollen in einem Quarantänelager in Nebraska zwangseingewiesen werden.
An Bord verbleiben nur 31 der derzeit 61 Besatzungsmitglieder, die das Schiff anschließend in die Niederlande überführen. (25) Insgesamt werden rund 50 Einsatzkräfte der verschiedenen Behörden und Dienststellen in ABC-Schutzkleidung eingesetzt. Noch ist unklar, wie man ein hundert Meter langes Passagierschiff dekontaminieren will.
Nach Meldungen der behandelnden Ärzte an Bord gibt es zur Zeit keinen akuten Krankheitsfall an Bord. Dennoch bleibt die verhängte Quarantäne bestehen: Die Passagiere müssen in ihren Kabinen mit eingebauter Nasszelle verbleiben und werden dort versorgt, sie dürfen nur gelegentlich an Deck gehen, wobei Abstandregeln eingehalten werden müssen. Schwieriger ist die Einhaltung der Quarantäne für die Besatzungsmitglieder, die auf der Brücke, in der Küche und im Maschinenraum zusammenarbeiten müssen.
Neben den drei Toten soll der Seuchenfall bisher mindestens sechs nachgewiesene Krankheitsverdachtsfälle hervorgebracht haben. So wurde auch der Schiffsarzt, der seine Praxis auf Deck Drei hatte, mittlerweile ausgeflogen. Wenn man eine Schiffsreise macht und der Schiffsarzt ist an einer Infektionskrankheit erkrankt, dann weist man, dass man ein ernstes Problem hat. Angeblich befinden sich mittlerweile mindestens vier oder fünf weitere Ärzte an Bord: Bei einem der Ärzte handelt es sich um Dr. Stephen Kornfeld, einen pensionierten amerikanischen Onkologen, der sich zufällig als Passagier an Bord befand. Hinzu kommen drei niederländische Ärzte, darunter mindestens zwei Infektiologen. Hinzu kommt auch ein Vertreter des „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) in Stockholm (Schweden).
Hotspots
Zur Zeit untersuchen die Sicherheitsbehörden weltweit mehrere Hotspots, wo sich Personen aufgehalten haben, die mit den Hanta-Viren möglicherweise in Kontakt gekommen sind. Alle sollen identifiziert, lokalisiert und medizinisch untersucht werden. Neben dem Seuchenschiff „Hondius“ gehören dazu der Hafen und der Flughafen auf der Insel Sankt Helena, das „Airlink“-Passagierflugzeug, das am 24. April von Sankt Helena nach Johannesburg flog, der „KLM“-Flug von Johannesburg nach Amsterdam am 25. April 2026, sowie das Gebiet um Ushuaia im Süden Argentiniens.
In Argentinien tritt das Anden-Virus endemisch auf. In den letzten Jahren hat es vereinzelt Krankheitsausbrüche (1996, 2018-2019) gegeben. Unklar ist, ob die Einsparungen im Gesundheitswesen durch den amtierenden Regierungschef Javier Milei (Amtsantritt: 10. Dezember 2023) eine Seuchenprävention verhindert haben.
Das niederländische Ehepaar war nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums am 27. November in Argentinien angekommen. Es reiste anschließend nach Chile und Uruguay weiter und kehrte am 27. oder 29. März nach Argentinien zurück, um am 1. April an Bord der Hondius zu gehen. Nun vermuten die Gesundheitsbehörden, dass das niederländische Ehepaar bei einem Tagesauflug vor Beginn der Kreuzfahrt mit dem Hanta-Virus in Kontakt gekommen ist. Vermutlich hatte das Paar einen Landausflug zu einer Müllkippe gemacht, um dort Vögel zu beobachten, dabei kamen sie vermutlich mit infizierten Mäusen oder Ratten in Kontakt.
Allerdings betont das argentinische Gesundheitsministerium, es sei „nicht bestätigt, dass die Ansteckung in Argentinien stattgefunden hat“. Feuerland habe „seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 1996 keinen einzigen Hantavirus-Fall gemeldet“. Nun hat man Experten des Malbrán-Instituts in Buenos Aires nach Feuerland geschickt, um nach einer „möglichen Präsenz des Virus“ zu suchen. (26) Derweil wollen die argentinischen Behörden herausgefunden haben, dass sich das niederländische Ehepaar nicht in Argentinien angesteckt haben kann: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung hier erfolgte, liegt praktisch bei null“, sagte der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz Juan Petrina. (27)
Die Verwicklung Deutschlands in den Seuchenfall
Wieviele Deutsche sich noch an Bord des Schiffes befinden, wurde nicht bekannt. Sie sollen am Sonntag oder Montag mit einem Spezialflugzeug in die BRD zurückgebracht werden. Neben dem Auswärtigen Amt (AA) in Berlin-Mitte (Werderscher Markt 1) und dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin-Wedding (Nordufer 20) ist dafür das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge (BBK) in Bonn-Lengsdorf (Provinzialstraße 93) zuständig.
Neben der verstorbenen Passauerin ist eine weitere Deutsche (65 Jahre), die mit ihr in Kontakt stand, unter den Verdachtsfällen. Sie wurde am 6. Mai 2026 nach Amsterdam (Niederlande) ausgeflogen. Von dort ging es im Konvoi mit sechs Fahrzeugen (Polizei, Berufsfeuerwehr Düsseldorf, Katastrophenschutz) ins 182 km entfernte Düsseldorf. Fahrer, Sanitäter und Ärzte trugen ABC-Vollschutz mit Overall und Masken, aber ohne Sauerstoffgerät.
In Düsseldorf wurde die Patientin in die Sonderisolierstation (SIS) der „Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie“ des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) in Düsseldorf-Bilk (Moorenstraße 5) aufgenommen. Ihr Zustand ist nach Auskunft der Ärzte „stabil“. Bei ihr konnte bisher keine Infektion mit dem Hanta-Virus nachgewiesen werden. Allerdings ist es aufgrund der langen Inkubationszeit des Erregers noch zu früh, um Entwarnung zu geben. Dazu führte Prof. Dr. Feldt aus:
„Wir können nicht sagen, ob sie nicht infiziert ist. Wir haben keine Viren nachgewiesen. (…) Wir können nur sagen, dass sie derzeitig keine aktive Infektion hat, nach allem, was wir wissen, und auch nach den Untersuchungen, die wir gemacht haben. Sie kann infiziert sein, aber innerhalb der Inkubationszeit. Und das würden wir dann erst feststellen, wenn sie Symptome entwickeln würde und wenn die Person dann auch positiv getestet wird. (…) Nach acht Wochen könnte man Entwarnung geben. Das sind so Einzelfälle, die wirklich so eine lange Inkubationszeit hatten. Die meisten Fälle treten innerhalb von zwei bis vier Wochen auf. (…) Als Anhaltspunkt kann man 40, 45 Tage nennen.“ (28)
Die Sonderisolierstation befindet sich im Erdgeschoss des „Leber- und Infektionszentrums“. Sie verfügt über drei Betten bzw. Bettisolatoren und wird nur bei Bedarf genutzt. Das Bett steht in einem durchsichtigen Kunststoffzelt mit Glove Ports, so dass die Krankenpfleger mit ihren Armen durchgreifen können, um mit Schutzhandschuhen am Patienten zu arbeiten. Der Bettisolator steht in einem durch Unterdruck gesondert gesicherten Einzelzimmer mit Nasszelle und Vorraum. Die SIS ist eine von nur sieben Isolierzentren in der BRD (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart sowie das Ausbildungszentrum in Würzburg).
Zusätzlich zur SIS gibt es in Düsseldorf noch eine allgemeine Infektionsstation (MX01) mit 15 Betten, darunter 7 Einzelzimmer für Patienten mit schwerwiegenden Infektionen. (29)
Leiter der Klinik ist Prof. Dr. Dieter Häussinger. Als Bereichsleiter Spezielle Infektiologie ist derzeit Dr. Björn Jensen tätig, als Bereichsleiter Tropenmedizin fungiert z. Zt. der Oberarzt Prof. Dr. Torsten Feldt. (30)
Der Aufenthalt in einem SIS ist für jeden Patienten, auch dann, wenn es sich nur um einen harmlosen Verdachtsfall handelt, mit einem äußersten Maß an Stress verbunden. Man kennt seinen genauen Krankheitszustand nicht und muss tagelang auf Laborergebnisse warten, man kommt sich als potentieller, gefährlicher Seuchenträger miserabel vor, die Krankenpfleger und Ärzte sehen hinter ihrer Schutzkleidung aus wie Roboter, man kann nur per Telefon mit der Außenwelt kommunizieren, man kann nichts machen außer liegen. Da man sich unter diesen Umständen kaum noch auf irgendetwas konzentrieren kann, kann man noch nicht einmal Fernsehen oder etwas lesen. Unter dieser sensorischen Deprivation scheint die Zeit einfach still zu stehen, Atmung und Herzschlag bieten allzu wenig Abwechslung.
Die Berufsfeuerwehr Düsseldorf verfügt über einen eigenen ABC-Dienst mit Gefahrgutzug. Dieser ist vor allem auf der Umweltwache in der Posener Straße stationiert. Zum Transport von hochinfektiösen Patienten verfügt die Feuerwehr über spezielle Infektions-Rettungswagen (I-RTW). Diese mit einem besonderen HEPA-Filtersystem ausgestattet, fahren mit Kabinen-Unterdruck, damit keine Krankheitskeime während der Fahrt nach außen dringen, und sind mit Edelstahlplatten ausgekleidet, damit sie nach jedem Einsatz schnell desinfiziert werden können. In der Bundesrepublik sind mindestens neun Berufsfeuerwehren in den Großstädten (Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hamm, Kiel, Krefeld, Mainz, Stuttgart) mit einem solchen Spezialfahrzeug ausgerüstet.
Ein Patient, der an einem hämorraghischen Fieber erkrankt ist oder infiziert sein soll, darf keine Sekunde und keinen Meter mit der „normalen“ Umwelt in Kontakt sein. Sie werden daher in einem mobilen Infektions-Isolator, der inoffiziell als „Schneewittchensarg“ bezeichnet wird, vom I-RTW in sein Isolierzimmer liegend transportiert.
Die Feuerwehr erklärte zum vorliegenden Fall nach Übergabe der Patientin, der Zustand der Frau sei „stabil, derzeit zeigt sie keine Symptome einer Infektion“. (31) Ein Klinikmitarbeiter sprach von „Abklärungsuntersuchungen“. (32)
Der Präsident der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebeyesus, erklärte am 7. Mai 2026: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Risiko für die öffentliche Gesundheit insgesamt gering.“ (33) Die WHO-Expertin Maria Van Kerkhove ergänzte am 7. Mai 2026: „Das ist nicht der Beginn einer Epidemie. Das ist nicht der Beginn einer Pandemie. (…) Das ist kein Covid.“ Auch der Leiter der WHO-Abteilung für Notfallalarm und -reaktion, Abdi Rahman Mahamud, gab sich optimistisch: „Wir glauben, dass es sich um einen begrenzten Ausbruch handeln wird, sofern die Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit umgesetzt werden und alle Länder Solidarität zeigen.“ (34) Ziemlich viel Entwarnung für einen solch kleinen Seuchenausbruch mit weltweit drei Toten und sechs nachweislich Infizierten.
Zwar besteht keine Pandemiegefahr, dennoch treiben die Beschwichtigungsversuche manchmal selbstsame Blüten. So erklärte ein Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Würzburg (Dreikronenstraße 4): „In Europa, und somit auch in Bayern, sind bislang keine Hantavirus-Typen aufgetreten, bei denen Übertragungen von Mensch zu Mensch bekannt sind.“ Das Andes-Virus gehöre zu den sogenannten Neuwelt-Hantaviren und unterscheide sich „nicht nur hinsichtlich seiner Übertragungswege, sondern auch der Infektiosität, den Symptomen und der Sterblichkeit“ von den in Europa verbreiteten Hantaviren. (35)
Dies ist zwar prinzipiell richtig, aber wenn man diese Ausführungen so interpretiert, dass das Andes-Virus hinsichtlich Infektiosität und Virulenz harmloser ist, als die europäischen Puumala-Viren, dann hat man den LGL-Sprecher gehörig missverstanden – das genaue Gegenteil ist der Fall.
Quellen:
(1) https://www.spiegel.de/wissenschaft/falscher-verdacht-a-ecfe06f7-0002-0001-
0000-000014143668
(2) https://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/__3.html
(3) https://www.cdc.gov
(4) https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__7.html
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Hantaviren
(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Hantaviren
(7) https://oceanwide-expeditions.com/de/?srsltid=AfmBOorqNpnzmwKjSnkziEAr
UnSqm6kGYtQgH0g6gvvtooz3IS8eliwa
(8) https://www.diamir.de/schiff/mv-hondius
(9) https://www.diamir.de/ueber-uns
(10) https://www.bild.de/news/ausland/hantavirus-eine-suite-auf-dem-seuchen
siff-kostet-ueber-29-000-euro-69fb20e178a5e02b5e7a5e0d
(11) https://www.bild.de/news/ausland/hantavirus-eine-suite-auf-dem-seuchen
siff-kostet-ueber-29-000-euro-69fb20e178a5e02b5e7a5e0d
(12) https://www.fr.de/panorama/die-lage-war-viel-schlimmer-taucht-video-
von-virus-kreuzfahrtschiff-auf-94296215.html
(13) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-05/hantavirus-kreuz
fahrtschiff-hondius-passagiere-kapverden-niederlande-duesseldorf-who
(14) https://www.dw.com/de/hantavirus-kreuzfahrtschiff-mvhondius-niederlande-
passagiere-st-helena-argentinien-ursache/a-77077140
(15) https://www.lessentiel.lu/de/story/hantavirus-alarm-warum-die-who-jetzt-alle-passagiere-von-airlink-flug-4z132-sucht-103558846
(16) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-kreuz
fahrtschiff-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(17) https://www.spiegel.de/wissenschaft/hantavirus-auf-kreuzfahrtschiff-feuerwehr
-bringt-deutschen-verdachtsfall-nach-duesseldorf-a-ee5f4290-ed41-4195-a4f3-13c
7f852a5d9
(18) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-kreuz
fahrtschiff-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(19) https://www.fr.de/panorama/die-lage-war-viel-schlimmer-taucht-video-
von-virus-kreuzfahrtschiff-auf-94296215.html
(20) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-05/hantavirus-kreuz
fahrtschiff-hondius-passagiere-kapverden-niederlande-duesseldorf-who
(21) https://www.fr.de/panorama/die-lage-war-viel-schlimmer-taucht-video-
von-virus-kreuzfahrtschiff-auf-94296215.html
(22) https://www.elmundo.es/comunidad-valenciana/2026/05/09/69fe1f4121efa03f0f8b459f.html
(23) https://www.elmundo.es/espana/2026/05/08/69fe36e221efa0752c8b45b1.html
(24) https://www.bild.de/news/ausland/hantavirus-auf-der-hondius-der-geheime-
plan-zur-evakuierung-69fd975430e98e4ac324e31d
(25) https://www.elmundo.es/ciencia-y-salud/salud/2026/05/09/69fec60857290
bfb9d463948-directo.html
(26) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-05/hantavirus-kreuz
fahrtschiff-hondius-passagiere-kapverden-niederlande-duesseldorf-who
(27) https://www.focus.de/panorama/welt/live-ticker-zum-hantavirus-auf-dem-kreuz
fahrtschiff-mv-hondius_f7b1e775-2a99-4017-b391-452707c4eeff.html
(28) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-
-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(29) https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitute
zentren/klinik-fuer-gastroenterologie-hepatologie-und-infektiologie/klinik/
fuer-patienten/stationen/infektionsstation-mx01
(30) https://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Fuer-Patienten-und-
Besucher/Kliniken-Zentren-Institute/Kliniken/Klinik_fuer_Gastroenterologie_Hepatologie_und_Infektiologie/
Klinik/Team/Oberaerzte_Arbeitsgruppenleiter/CV_Feldt_Feb_2024.pdf
(31) https://www.spiegel.de/wissenschaft/hantavirus-auf-kreuzfahrtschiff-feuerwehr-
bringt-deutschen-verdachtsfall-nach-duesseldorf-a-ee5f4290-ed41-4195-a4f3-13c7f8
52a5d9
(32) https://www.dw.com/de/hantavirus-kreuzfahrtschiff-mvhondius-niederlande-
passagiere-st-helena-argentinien-ursache/a-77077140
(33) https://de.euronews.com/gesundheit/2026/05/07/hantavirus-kreuzfahrtschiff
(34) https://www.fr.de/panorama/toedlicher-hantavirus-ausbruch-kreuz
fahrtschiff-drei-passagiere-tot-details-94290181.html
(35) https://www.merkur.de/bayern/nach-hantavirus-ausbruch-auf-kreuz
fahrtschiff-so-ist-die-lage-in-bayern-94299160.html
Nachtrag am 12. Mai 2026
Als am Sonntagmorgen, den 10. Mai 2026, die Evakuierung der Hondius auf der Kanareninsel Teneriffa begann, schien alles noch in bester Ordnung. Seit dem Tod der deutschen Frau hatte es keine neuen Fälle an Bord gegeben, alle Passagiere und Besatzungsmitglieder waren symptomfrei, ein Hanta-Virus nicht mehr nachweisbar. So wurden die Passagiere nach einem PCR-Bluttest in ihre Heimatländer entlassen. Diese optimistische Lage sollte sich schon am nächsten Tag ändern. Dafür lieferte der Virologe Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg-Sankt Pauli (Bernhard-Nocht-Straße 74), das über mindestens ein eigenes BSL-4-Hochsicherheitslabor verfügt, folgende Erklärung:
„Ein negativer PCR-Test zu einem frühen Zeitpunkt schließt eine spätere Erkrankung nicht sicher aus, wenn sich die Person noch in der Inkubationsphase befindet und das Virus im Blut noch nicht nachweisbar ist.“
Dennoch zeigt sich der Experte optimistisch:
„Die betroffenen Personen werden international nachverfolgt, Hochrisikokontakte werden beobachtet oder quarantänisiert, symptomatische Personen werden rasch getestet und isoliert, und die Krankenhäuser wissen nun, worauf sie achten müssen. (…) Damit hat man bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht." (1)
- United Kingdom
Die 20 britischen Passagiere von Bord der Hondius wurden am Sonntag zum Airport in Manchester ausgeflogen. Sie wurden von dort zum Arrowe Park Hospital in Upton (Arrowe Park Road) bei Merseyside gebracht. Vorgesehen sind 45 Tage Isolation: 72 Stunden im Krankenhaus, danach 42 Tage zu Hause. Außerdem wurde ein Deutscher ins Vereinigte Königreich ausgeflogen, der dort seit Jahren lebt, und ein Japaner.
- Niederlande
Am Sonntagnachmittag startete ein niederländisches Flugzeug nach Eindhoven. An Bord waren Passagiere aus mehreren Herkunftsländern: Niederlande, Deutschland, Belgien und Griechenland. Auf dem militärischen Teil des Flughafens wurden die Fluggäste entlassen.
Im „Radboud Universitair Medisch Centrum“ (Radboudumc) in Nijmegen (dt.: Nimwegen) (Geert Grooteplein Zuid 10) müssen nun zwölf Mitarbeiter vorsorglich sechs Wochen unter Quarantäne gestellt werden. Die Schwachköpfe hatten mit Blut- und Urinproben eines am Hanta-Virus erkrankten Niederländers „hantiert“, der am 6. Mai eingeliefert worden war, ohne die Sicherheitsregeln für solche Proben vollständig zu beachten. Das Infektionsrisiko sei zwar sehr gering, teilte das Radboudumc-Krankenhaus mit, aber die Seuchenbekämpfung erlaubt keine Sicherheitsverstöße. Somit fallen ein Dutzend Mitarbeiter in dem Krankenhaus in den nächsten Wochen komplett aus, das macht die Behandlung des infizierten Patienten nicht einfacher. (2)
Am Abend des 11. Mai 2026 setzte die Hondius ihre „Reise“ fort. Ziel ist der Heimathafen Rotterdam (Niederlande). Hier wird die Leiche der verstorbenen Deutschen, die bisher in einer Kühltruhe luftdicht aufbewahrt wird, von Bord entladen und vermutlich in einem Zinksarg nach Passau überführt. Außerdem geht die restliche Besatzung aus rund 30 Matrosen von Bord. Anschließend soll das Schiff irgendwie dekontaminiert werden, dafür kommt nur eine Spezialfirma oder die ABC-Abwehrtruppe der niederländischen Streitkräfte in Frage.
Der polnische Kapitän der Hondius, Jan Dobrogowski, versuchte seine fatale Beschwichtigungsrede vom 12. April vergessen machen, indem er in einer Videobotschaft die Disziplin und den Zusammenhalt an Bord während der Reise lobte. Der Kapitän befand: „Diese vergangenen Wochen waren extrem anstrengend.“ Er schwafelte, die Menschen an Bord hätten dennoch „Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft“ gezeigt, und es hätte sich gezeigt, dass „Menschen einander vertrauen können, auch wenn nicht sofort Hilfe bereitsteht“. (3)
- Frankreich
Am Sonntag wurden die fünf französischen Passagiere mit einem Flugzeug (Kennnummer: F-HREG) zum Flughafen Le Bourget bei Paris ausgeflogen. Während des Überfluges stellte sich am Sonntag heraus, dass bei einer Französin das Hanta-Virus nachgewiesen wurde und sie daraufhin Krankheitssymptome entwickelte. Sie wurde in das „Centre Hospitalier Universitaire Bichat-Claude-Bernard in Paris (AP-HP) in Paris (46 Rue Henri Huchard) eingeliefert. Die Universitätsklinik verfügt über eine Abteilung für Infektions- und Tropenkrankheiten („Service de Maladies infectieuses et tropicales“), die derzeit von dem Iraner Dr. Yazdan Vazdanpanzh geleitet wird. Die Klinik verfügt über sieben Isolationsbetten für „Risque Épidémique et Biologique“ (REB).
- Deutschland
Die vier Personen aus Deutschland – drei Passagier und ein Besatzungsmitglied - . die mit einer niederländischen Maschine ausgeflogen wurden, wurden in einem Sonderinsolationstransport mit Spezialfahrzeugen der Berufsfeuerwehren aus Düsseldorf, Essen und Dortmund in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai ins Universitätsklinikum Frankfurt mit ihrer „Medizinischen Klinik 2“ (Theodor-Stern-Kai 7) gefahren. Deren Sonderisolierstation ist der Infektiologie in Haus 23 F, Station F0B, zugeordnet. (4) Auf der Sonderisolierstation wurden ihnen ein PCR-Bluttest abgenommen, der in zwei Laboren untersucht wird:
- Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universitätsklinik Frankfurt (Paul-Ehrlich-Str. 40, Haus 40, 3. OG) unter Leitung von Prof. Dr. Sandra Ciesek mit ihrem Kompetenzzentrum für hochpathogene Infektionserreger (KHPI) (Breite Gasse 28) (5)
- „Marburg Centre for Epidemic Preparedness“, einem „BSL-4“-Hochsicherheitslabor unter Leitung von Dr. Markus Eickmann. Das Labor gehört zum Institut für Virologe der Universitätsklinik unter Leitung von Prof Dr. Stephan Becker und befindet sich auf den Lahnbergen in Marburg (Hans-Meerwein-Straße 2a).
Noch bevor ein Testergebnis der Labore in Frankfurt und Marburg vorlag, wurden die vier symptomfreien Passagiere entlassen. Der Leiter der Sonderisolierstation in Frankfurt, der Oberarzt Dr. Timo Wolf, erklärte: „Den untersuchten Personen geht es gut.“
Der Patient aus Berlin wurde in den Campus Rudolf Virchow (CVK) der Charité in Berlin-Wedding (Haupteingang: Augustenburger Platz 1) verbracht. Er befindet sich derzeit zur Beobachtung in der alten „Sonderisolierstation 59“ (Südring 9, Erdgeschoss). Leiter der Station ist z. Zt. der Oberarzt Prof. Dr. med. Florian Kurth.
Die übrigen drei wurden in die Heimatorte in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg geschickt. Dort müssen sie die nächsten 45 Tage in strenger häuslicher Selbstisolation verbringen, was von den lokalen Gesundheitsbehörden „engmaschig“ überwacht wird. So müssen die Angehörigen die Versorgung und Pflege der drei Reiserückkehrer übernehmen. Dies ist nicht unbedingt einfach, da jede Wohnung i. d. R. nur ein WC und eine Küche hat. Hier ist Eigeninitiative gefordert.
Ein fünfter Deutscher, der z. Zt. in Großbritannien lebt, wurde ins Vereinigte Königreich ausgeflogen. Somit befinden sich keine Deutschen mehr an Bord der Hondius.
- Spanien
Die vierzehn Spanier an Bord der Hondius wurden am Sonntagnachmittag mit einem Airbus A310 der spanischen Luftwaffe nach Madrid ins Militärhospital „Hospital Central de la Defensa Gómez Ulla de Madrid“ (HCD) in Madrid-Vista Alegre (Gta. Ejército 1) ausgeflogen. Für sie wurde eine Quarantäne von 42 Tagen, beginnend ab dem 6. Mai, angeordnet. Bei einem Spanier in dem Militärkrankenhaus wurde mittlerweile das Hanta-Virus nachgewiesen.
- Italien
Ein 25-jähriger Passagier aus Kalabrien hat sich womöglich mit dem Hanta-Virus infiziert. Er wurde zur Untersuchung in das „Istituto nazionale per le malattie infettive Lazzaro Spallanzani“ in Rom (Via Portuense, 292) eingeliefert. Er hatte in einem Flugzeug Kontakt zu der Niederländerin Mirjam Schilperoord, die am 26. April 2026 am Hanta-Virus verstorben war.
- USA
An Bord der Hondius befanden sich 18 U.S.-Amerikaner. Sie wurden zunächst nach Omaha (Nebraska) ausgeflogen. Sechszehn Passagiere verbleiben in der dortigen „National Quarantine Unit“ (NQU) des „University of Nebraska Medical Center“ (UNMC). Bei Bedarf steht die „Nebraska Biocontainment Unit“ zur Weiterbehandlung zur Verfügung. (6)
Bei einem Amerikaner wurde eine Infektion mit dem Hanta-Virus per PCR-Bluttest nachgewiesen und der Patient zeigt erste Krankheitssymptome. Er und eine weitere Kontaktperson wurden zum Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport ausgeflogen und im „Emory University Hospital“ in Atlanta (Clifton Road) untergebracht, wo sie von der „Serious Communicable Diseases Unit“ isoliert wurden. Die Behandlung vor Ort leitet Dr. Aneesh Mehta. (7)
- Tristan da Cunha
Nicht zuletzt wurde ein ehemaliger Passagier, ein Hanta-Verdachtsfall, der im April zwischenzeitlich auf der Atlantikinsel Tristan da Cunha bei Sankt Helena gelandet war, medizinisch versorgt, indem zwei Ärzte mit sechs Fallschirmjägern der britischen Streitkräfte in Tandemsprüngen auf dem Eiland abgesetzt wurden. Dazu startete ein Airbus A400 vom Fliegerhorst RAF Brize Norton, der auf den Azoren eine Zwischenlandung einlegte, bevor es zu Tristan da Cunha weiterging. Begleitet wurde der Airbus von einem militärischen Tankflugzeug des Typs KC Mk2/3 Voyager. Organisiert wurde der aufwendige Rettungseinsatz durch die britische Gesundheitsbehörde United Kingdom Health Security Agency (UKHSA). (8)
- Australien
Als letztes wurden am Montag, dem 11. Mai 2026, die Passagiere aus Australien ausgeflogen. Es handelt sich um insgesamt sechs Personen: vier Australier, ein Neuseeländer und eine Person, die dauerhaft in Australien lebt. Ziel war der Fliegerhorst RAAF Pearce bei Perth. Bisher wurden bei keinem das Hanta-Virus oder Krankheitssymptome festgestellt. Die Reisenden müssen sich nun einer mindestens dreiwöchigen Quarantäne im „Bullsbrook Center for National Resilience“ bei Perth, einem von drei australischen Seuchenlagern, unterziehen. (9) Danach wollen die Gesundheitsbehörden entscheiden, wie weiter verfahren werden soll. (10)
Die Passagiere und Besatzungsmitglieder der Hondius kommen aus insgesamt 23 Staaten und befinden sich derzeit auf ihrem Heimweg: Argentinien, Ascension (Portugal), Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Guatemala, Kanada, Indien, Japan, Montenegro, Niederlande, Philippinen, Portugal, Singapur, Südafrika, Spanien, Schweiz, St. Helena (UK), Tristan da Cunha (UK), St. Kitts und Nevis, Türkei, Ukraine, United Kingdom und den USA. (11)
Quellen:
(1) https://web.de/magazine/panorama/unfaelle-ungluecke/virologe-andesvirus-
ausbruch-kontrolle-42258534
(2) https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/who-rechnet-mit-
weiteren-hantavirusfaellen-a-e411f921-6ae8-45b6-911f-8eb66fa5f791
(3) https://www.spiegel.de/wissenschaft/hantavirus-hondius-kapitaen-spricht-in-video
-von-extrem-anstrengenden-wochen-a-4f1d3957-5d4d-4bc2-b008-ae4c64f629b8
(4) https://www.unimedizin-ffm.de/einrichtungen/kliniken/zentrum-der-in
neren-medizin/medizinische-klinik-2-haematologie-onkologie-haemo
staseologie-rheumatologie-infektiologiehiv/infektiologie/klinische-versorgung/
stationaere-versorgung/infektionsstation
(5) https://frankfurt.de/themen/gesundheit/infektionskrankheiten/khpi
(6) https://en.wikipedia.org/wiki/National_Quarantine_Unit
(7) https://www.fox5atlanta.com/news/dnp-2-georgia-residents-who-tested-
positive-hantavirus-taken-emory
(8) https://www.n-tv.de/panorama/London-laesst-Hantavirus-Helfer-per-
Fallschirm-abspringen-id308062A88.htm
(9) https://www.abc.net.au/news/2026-05-12/perth-quarantine-facility-to-help-
hantavirus-disease-control/106667314
(10) https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hantavirus-australien-
ordnet-wochenlange-quarantaene-fuer-hondius-passagiere-an-a-0cc3e160-2012-
A4d68-8668-6a698f3abbbd
(11) https://de.wikipedia.org/wiki/Hantavirusausbruch_auf_der_Hondius
Nachtrag am 14. Mai 2026
- Spanien
Als am Sonntag, den 10. Mai in Teneriffa die Hondius evakuiert wurde, verstarb ein Angehöriger der „Comandancia de Tenerife“ der Guardia Civil, Bernardino A. Rodríguez Hernández (62 Jahre), an einem Herzinfarkt. Die genaueren Umstände des Todes wurden nicht mitgeteilt. (1)
Beim Arbeiten unter ABC-Bedingungen werden alle Tätigkeiten zu einer Kraftanstrengung. So müssen sich in der Bundesrepublik alle ABC-Abwehrkräfte als Atemschutzgeräteträger regelmäßig einer arbeitsmedizinischen Untersuchung „G26“ unterziehen. (2) So fällt das Atmen unter einer „Gasmaske“ schwer, weil das Einziehen bzw. Ausdrücken der Atemluft durch den technischen Filter die Brustmuskulatur mehr als üblich anstrengt. Hinzu kommt, dass eine Hautatmung in den luftdichten Schutzoveralls aus zahllosen Kunststoffschichten nicht möglich ist und somit ausfällt. Ein eingeschränktes Gesichtsfeld und Geräuschdämpfung durch die Kopfhaube generieren zusätzlichen Stress. Außerdem kann es – trotz der beiden elektrischen Luftfilter im Rückenbereich – zu einem Hitzestau im ABC-Anzug kommen, der sich zu einem „künstlichen Fieber“ steigern kann. Dann bedarf der ABC-Helfer selbst Hilfe.
- United Kingdom
Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA teilte am Mittwoch mit, alle 20 von der "Hondius" evakuierte Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten das Krankenhaus nahe Liverpool verlassen, in das sie für eine 72-stündige Quarantäne gebracht worden waren. Sie müssten sich nun 45 Tage lang zu Hause isolieren und würden täglich von den Gesundheitsbehörden kontaktiert und regelmäßig getestet. (3)
- Deutschland
Die vier evakuierten Deutschen wurden am Dienstag, den 12. Mai 2026, von Frankfurt aus in ihre Heimatorte überstellt. Der Berliner landete in der Sonderisolierstation 59 der Charité, da man in der dichtbevölkerten Bundeshauptstadt keinerlei Risiko eingehen will.
Der Reisende aus Mittelsachsen wurde in seinem Heimatkreis Freiberg unter Hausquarantäne gestellt. Er weist z. Zt. keine Krankheitssymptome auf, wird aber einem täglichen Symptom-Monitoring unterzogen. Bei Krankheitszeichen würden sofort weitere medizinische Maßnahmen ergriffen. In dem Landkreis verfügt man über einschlägige Erfahrungen. Hier war es 2002 zu einer „Kleinraumepidemie“ mit der relativ harmlosen deutschen Variante Puumala des Hanta-Virus gekommen.
Nur bei Bedarf steht die Sonderisolierstation in Haus 7 des Klinikums Sankt Georg des Universitätsklinikum Leipzig (UKL) in Leipzig (Delitzscher Straße 141) zusätzlich zur Verfügung. Leiter der „Klinik für Infektiologie/Tropenmedizin“ ist z. Zt. der Chefarzt Prof. Dr. Christoph Lübbert. Die SIS verfügt über insgesamt elf Bettenplätze. (4) Die Entfernung von Freiberg nach Leipzig beträgt 110 km.
Der Kreuzfahrer aus Baden-Württemberg wurde nach Hause überstellt. Er wohnt im Landkreis Heilbronn. Wie das Landratsamt Heilbronn am Mittwoch bestätigte, sei die Person symptomfrei und befinde sich seit Montag zur Sicherheit in Abschottung. Für die Bevölkerung besteht nach aktueller Bewertung kein Anlass zu besonderen Maßnahmen. Der Gesundheitszustand der betroffenen Person werde täglich überwacht, so müsse der „Patient“ ein Symptomtagebuch führen. Bei Krankheitszeichen würden sofort weitere medizinische Maßnahmen eingeleitet. (5)
Im 56 km entfernten Stuttgart steht bei Bedarf die „Sonderisoliereinheit hochkontagiöse Erkrankungen“ (SIE) der „Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie“ des Robert Bosch Krankenhauses (RBH) (Auerbachstraße 110) unter der Leitung der Oberärztin Dr. Katja Rothfuß bereit. (6)
Die evakuierte Frau aus Bayern landete am Dienstag in der „München Klinik Schwabing“ (MüK) in München-Schwabing (Kölner Platz 1). Hinzu kam am Mittwoch die Deutsche, die zunächst im Universitätsklinikum in Düsseldorf behandelt worden war. Die „1. Medizinische Klinik“ wird derzeit vom Chefarzt Prof. Dr. F. Joacheim Meyer geleitet.
Da bei beiden Frauen bisher kein Befall mit dem Hanta-Virus nachgewiesen konnte und somit „keine klinischen Zeichen einer Infektion“ bestehen, wurden beide „Patientinnen“ in der „normalen“ Infektionsstation „Station 10g“ im Haus 6 untergebracht. (7)
Im Bedarfsfall steht in dem Krankenhaus eine Sonderisolierstation der „Spezialeinheit für hochkontagiöse Erkrankungen 10d“ mit zwei Schleusenzimmern zur Verfügung. (8) Die Klinik arbeitet eng mit dem „Institut für Infektions- und Tropenmedizin“ am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) unter Leitung von Prof. Dr. Michael Hoelscher in München-Schwabing (Leopoldstraße 5) zusammen.
- Frankreich
Eine der Französinnen, die am Sonntag ins „Centre Hospitalier Universitaire Bichat-Claude-Bernard in Paris“ (AP-HP) in Paris (46 Rue Henri Huchard) evakuiert worden waren, wurde an Bord der Hondius von den Ärzten falsch eingestuft. Obwohl sie an Bord eines Kreuzfahrtschiffes mit einer Hanta-Exposition war und erste Krankheitssymptome (Husten) aufwies, taten die Ärzte ihre Erkrankung als bloßes psychologisches Stresssymptom ab. Zur Begründung erklärte der spanische Gesundheitsminister Javier Padilla Bernáldez:
„Die Ärzte hielten diese Symptome nicht für vereinbar mit Hantavirus. Warum? Weil sie ihnen erzählte, dass sie vor einigen Tagen einen Hustenanfall gehabt hatte, der wieder verschwunden war, und dass sie sich in diesem Moment eher gestresst, ängstlich oder nervös fühlte. Daher wurde es nicht als Hantavirus eingestuft.“ (9)
Manche Ärzte sind medizinisch so verblödet, wie es ein Nicht-Mediziner nie sein könnte.
Die Frau ist mittlerweile an ihrer Hanta-Infektion schwer erkrankt. Darüber hinaus ist sie über 65 Jahren und leidet an mehreren Vorerkrankungen. Der behandelnde Arzt François-Xavier Lescure erklärte, die Betroffene leide unter der „schwersten Form eines kardiopulmonalen Syndroms“ (frz.: „la forme la plus sévère du syndrome cardio-pulmonaire“). Die Französin musste am 12. oder 13. Mai an eine Lungenmaschine angeschlossen werden. Dabei wird das Blut mit Sauerstoff angereichert und wieder in den Körper gepumpt. So sollen die Organe entlastet werden. Laut Lescure sei das „die letzte Stufe der unterstützenden Behandlung“.
- Österreich
Ein Wiener, der sich am 25. April an Bord der „KLM“ von Johannesburg (Südafrika) nach Amsterdam (Niederlande) befand wurde von den österreichischen Behörden als „Niedrigrisiko-Kontaktperson“ eingestuft und muss sich nun – ohne Krankheitssymptome – in häusliche Quarantäne zurückziehen. Seit dem 9. Mai 2026 gilt in Österreich eine erweiterte Meldepflicht. Nun müssen auch Verdachtsfälle einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Hanta-Virus den Behörden angezeigt werden. (10)
- Sonstiges
Der Virologe Dr. Olivier Schwartz, Wissenschaftlicher Direktor am „Institut Pasteur“ in Paris (25-28 Rue du Dr. Roux), hat mittlerweile das Genom des Virus analysiert. Das Untersuchungsmaterial stammt von einem Schweizer Patienten, der derzeit in Zürich behandelt wird. Obwohl im vorliegenden Fall bisher nur elf Fälle einer Infektion mit dem Hanta- bzw. Andes-Virus nachgewiesen wurden, will er eine Mutation nicht ausschließen: „Es ist nicht unmöglich, einer Variante ins Auge zu sehen.“ (11) Dem wurde von Seiten des „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) in Stockholm (Schweden) widersprochen. Die Gen-Sequenzen aller bislang erhaltenen Proben von dem Hantavirus-Ausbruch seien „praktisch identisch“, erklärte der ECDC-Mikrobiologe Andreas Hoefer. (12)
Das Kreuzfahrtschiff Hondius soll am 17. oder 18. Mai im Hafen von Rotterdam (Niederlande) einlaufen. An Bord befinden sich derzeit noch 25 Besatzungsmitglieder und 2 Ärzte.
Derweil untersucht die Weltgesundheitsorganisation (WHO), wie sich das Virus an Bord zwischen den einzelnen Personen auf den verschiedenen Decks und Schiffsabteilungen (Brücke, Panorama-Lounge, Restaurant, Fitnessraum, Kabinen und Landausflügen) verbreitet hat.
Quellen:
(1) https://www.telecinco.es/noticias/salud/20260512/guardia-civil-falle
cido-desembarco-crucero-hantavirus-granadilla-tenerife-reserva-puesto-
mando-operativo_18_019135670.html
(2) https://www.mesino-arbeitsschutz.de/work/arbeitsmedizinische-unter
suchung-g-26
(3) https://www.n-tv.de/wissen/EU-Behoerde-gibt-bei-Hantavirus-Mutation-
Entwarnung-id30819773.html
(4) https://www.sanktgeorg.de/medizinische-bereiche/
kliniken-abteilungen/infektiologie-tropenmedizin.html
(5) https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-
hantavirus-kontaktperson-im-kreis-heilbronn-in-quarantaene-102.htm
(6) https://www.rbk.de/behandlung/abteilungen/gastroenterologie-hepatologie-
und-endokrinologie/sonderisoliereinheit
(7) https://www.sueddeutsche.de/muenchen/hantavirus-muenchen-kontakt
person-muenchen-klinik-schwabing-quarantaene-li.3482112
(8) https://www.muenchen-klinik.de/krankenhaus/schwabing/tumoren-blut-
lymphom-infektion/infektiologie-tropenmedizin/anmeldung/
(9) https://www.stern.de/gesundheit/hantavirus-symptome-einer-passagierin-
wurden-offenbar-nicht-erkannt-37389874.html
(10) https://www.merkur.de/welt/hantavirus-schlimmer-als-corona-fach
leute-schliessen-pandemie-aus-94306535.html
(11) https://sante.lefigaro.fr/social/sante-publique/hantavirus-une-francaise-
toujours-dans-un-etat-grave-pas-de-circulation-diffuse-averee-ce-qu-il-faut-
retenir-du-point-presse-du-ministere-de-la-sante-20260512
(12) https://www.n-tv.de/wissen/EU-Behoerde-gibt-bei-Hantavirus-
Mutation-Entwarnung-id30819773.html
Nachtrag am 19. Mai 2026
- Andes-Virus
Das Hanta-Virus ist seit Mitte der siebziger Jahre bekannt, der Subtyp Andes-Virus erst seit Mitte der neunziger Jahre. Von diesem Subtyp gibt es wiederum verschiedene Varianten:
“In Argentina and surrounding countries, most cases of Andes virus (ANDV) hantavirus pulmonary syndrome are caused by several members of the species Andes orthohantavirus: ANDV, Castelo dos Sonhos virus, Lechiguanas virus (LECHV), and Orán virus (officially classified strains); and Araucária virus, Araraquara virus, Bermejo virus, Buenos Aires virus, Juquitiba virus, Paranoá virus, and Plata virus (unclassified strains). The incidence of death among persons with hantavirus pulmonary syndrome associated with ANDV is high and has ranged from 21 to 50% in Argentina.” (1)
Zwar versucht die sogenannte „Internationale Hanta-Gesellschaft“ unter Leitung von Nicole Tischler in Chile alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenzubringen, allerdings hält sich die Forschung in diesem Bereich in Grenzen. Vieles ist über das Virus nicht bekannt, zumal sich die bisherige Zahl größerer Ausbrüche in Grenzen hält. Mit „hantamap“ gibt es immerhin eine Webseite, die über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufen hält. (2)
Zu den neuesten Erkenntnissen zählt, dass Spuren des Virus im menschlichen Körper auch nach sechs Jahren noch nachweisbar sind. So wurden bei einem 55-jährigen Schweizer, der sich auf einer Reise durch Lateinamerika um das Jahr 2020 mit Hanta infiziert hatte, genetisches Material des Virus in den Hoden bzw. im Sperma erst jüngst durch das bekannte „Labor Spiez“ nachgewiesen. Im vorliegenden Fall ist das Virus allerdings nicht mehr infektiös:
„Die Schweizer Wissenschaftler vermuten jetzt, dass sich das Hantavirus in den Hoden einnisten kann. Dieses Phänomen ist bereits von anderen gefährlichen Erregern bekannt, darunter das Ebola-Virus oder das Zika-Fieber.
Die Hoden gelten als sogenannter immunologisch geschützter Bereich. Dort arbeitet das Immunsystem nur eingeschränkt, um die Spermienproduktion nicht durch starke Entzündungsreaktionen zu beeinträchtigen. Manche Viren können diesen Schutzmechanismus offenbar nutzen, um sich langfristig der körpereigenen Abwehr zu entziehen.“ (3)
Das „Labor Spiez“ existiert seit 1925 und wird derzeit durch Dr. Marc Cadisch geleitet. Seine über hundert Mitarbeiter unterstehen dem „Bundesamt für Bevölkerungsschutz“ (BABS). Es hat seinen Sitz in Spiez im Kanton Bern, daher der Name. Das Institut zählt zu den international renommierten ABC-Forschungsinstitutionen, die auch auf dem Gebiet der militärischen ABC-Abwehr tätig sind. (4)
Jetzt fragen sich die Wissenschaftler, wie lange das Virus im Körper aktiv und damit infektiös sein kann. Die ursprüngliche Übertragung des Andes-Virus erfolgt von Nagetieren auf den Menschen respiratorisch durch das Einatmen von Staubpartikeln, die mit dem Kot, Urin oder Speichel infizierter Ratten oder Mäuse kontaminiert sind. Der Antes-Subtyp kann daraufhin von Mensch-zu-Mensch weitergegeben werden. Nach Angaben des Pharmakologen Dr. Jeffrey A. Goad, Professor an der Chapman University in Orange (Kalifornien) und Präsident der „National Foundation for Infectious Diseases“ (NFID), erfolgt eine Übertragung allerdings nur bei 2 bis 5 Prozent aller Kontakte. Eine solche Weitergabe dies Virus erfolgt also i. d. R. durch engen körperlichen Kontakt (z. B. Küsse), in anderen Fällen respiratorisch über die Atemluft.
Besonders ansteckend sind die Patienten, wenn zum ersten Mal Fieber ausbricht. Dann sondern sie für ca. 3 Tage eine hohe Viruslast ab und kontaminiert damit ihre Umwelt.
Zur medizinischen Behandlung steht neuerdings das anti-virale Medikament Favipiravir aus Japan zur Verfügung, das erst kürzlich erfolgreich bei der Bekämpfung des Lassa-Virus erprobt wurde. Favipiravir wird derzeit in der medizinischen Forschung als experimenteller Behandlungsansatz (Off-Label-Use) gegen Hantavirus-Infektionen untersucht. Dieses neue Medikament ist verträglicher als das bisher eingesetzte Ribavirin.
- Kanada
Vier Kanadier befanden sich an Bord der Hondius: ein Paar aus British Columbia, eine weitere Person aus British Columbia, die z. Zt. im Ausland lebt, und ein Passagier aus Vancouver Island. Sie wurden am 10. Mai zur Luftwaffenbasis Canadian Forces Base (CFB) Bagotville in Québec ausgeflogen. (5)
Ein älterer Kanadier aus dem Bundesstaat British Columbia wurde „vorläufig positiv“ bzgl. einer Infektion mit dem Hanta-Virus getestet. Er und sein Lebensgefährte zeigten „milde“ Symptome einer Erkrankung und wurden daraufhin in ein Krankenhaus in Viktoria eingeliefert. (6) Proben der Verdachtsperson wurden zur weiteren Untersuchung an eine Niederlassung des „National Microbiology Laboratory“ (NML) in Winnepeg (Bundesstaat Manitoba) geschickt. (7) Dabei handelt es sich vermutlich um das „John Charles Wilt Infectious Diseases Research Centre“ (745 Logan Avenue), ein BSL-2-Labor.
Auch eine weitere Person soll hospitalisiert worden sein. Insgesamt werden in Kanada derzeit 16 Personen im Hinblick auf eine mögliche Exposition des Hanta-Virus überwacht.
- USA
Zu den U.S.-Staatsbürgern an Bord der Hontius gehörte der „Reise Influenc er“ Jake Rosmarin aus New York, der derzeit in Quarantäne sitzt.
Im Raum Seattle (U.S.-Bundesstaat Washington) wurde am 14. Mai ein möglicher Expositionsfall registriert. Es handelt sich um einen Amerikaner, der mit dem „KLM“-Flugzeug von Johannesburg nach Amsterdam reiste. Der Betroffene gilt nach Angaben der Behörden als „low risk“, weil er nicht in unmittelbarer Nähe der erkrankten Passagierin saß und dennoch während der Flugreise eine relevante Kontaktsituation hatte. (8)
Zur Zeit werden in den USA 41 Personen, insbesondere „Flight Contacts“, als potentielle Verdachtsfälle überwacht:
„Für 18 repatriierte Passagiere laufen Untersuchungs- und Beobachtungsprogramme in Einrichtungen in Nebraska und Georgia: 16 Personen sind im Umfeld der National Quarantine Unit des University of Nebraska Medical Center untergebracht, zwei weitere im Emory University Hospital in Atlanta. Zusätzlich werden weitere sieben Personen überwacht, die bereits vor Identifikation des Ausbruchs wieder in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Die Behörde nennt für diese Gruppen keine detaillierten Reiserouten und aktuellen Aufenthalte—ein wichtiger Punkt, weil Informationspolitik hier direkt mit Datenschutz und Risikomanagement zusammenhängt.“ (9)
Über die restlichen 14 Personen sind hier keine weiteren Angaben verfügbar.
- Argentinien
Das niederländische Ehepaar Leo und Mirjam Schilperoord aus Ooststellingwerf-Haulerwijk (Niederlande) war nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums am 27. November in Argentinien angekommen. Anschließend begab sich der Ornithologe auf eine Vogelerkundungstour durch Argentinien, Chile und Uruguay. Erst am 27. oder 29. März kehre das Ehepaar nach Argentinien zurück. In der Hafenstadt Uschuaia sollen sie auf einer Müllkippe den Weißkehlkarakara beobachtet und fotographiert haben.
Am 1. April 2026 gingen die Eheleute an Bord der Hondius. Eine Woche später, am 6. April, zeigten sich bei Herrn Schilperoord erste Krankheitssymptome, ohne dass eine Infektion mit dem Hanta-Virus erkannt worden wäre. Am 11. April verstarb der Vogelkundler an Bord des Schiffes.
Da die Inkubationszeit zwischen einer Infektion mit dem Hanta-Virus und dem Ausbruch der Krankheit i. d. R. mit 2 bis 7 Wochen angegeben wird, behaupten die argentinischen Gesundheitsbehörden, dass sich Schilperoord nicht in Uschuaia infiziert haben kann. Daher trage Argentinien keine Schuld an dem Seuchenfall. Dabei verschweigen die Argentinier, dass in Ausnahmefälle die Inkubationszeit nur 5 Tage dauert, so dass Uschuaia nach wie vor als Ursprungsort in Frage kommt. In jede Fall ist bedenklich, dass die Behörden über sieben Wochen nach Beginn des Seuchenfalls den Ursprungsort immer noch nicht lokalisiert haben.
Die Gesundheitsbehörden der verschiedenen Länder folgen der WHO-Empfehlung, für 42 Tage eine Hausquarantäne durchzuführen. In einzelnen Ländern beträgt die Frist sogar 45 Tage. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass - in Ausnahmefällen - die Krankheit erst nach 60 Tagen ausbrechen kann. (10) Diese Frist muss auch dann eingehalten werden, wenn zwischendurch mehrere PCR-Test immer mit einem negativen Ergebnis endeten, also kein Virus im Blut nachweisbar war.
Eine Infektion in Argentinien ist nach wie vor wahrscheinlich, schließlich tritt das Hanta- bzw. Andes-Virus in mehreren argentinischen Provinzen (Chubut, Neuquén, und Río Negro) endemisch auf, d. h., es gibt immer wieder einzelne Infektionsfälle. Außerdem hat es in den letzten Jahrzehnten mindestens drei größere Ausbrüche einer Hanta-/Andes-Infektion gegeben.
Zum ersten Mal trat das Andes-Virus 1996 in der Stadt El Bolsón bei Bariloche und weiteren Nachbarstädten in Patagonien auf. Es gab sechzehn Infektionsfälle. Damals wurde erstmals bei diesem Hanta-Subtyp eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung beobachtet. Von November 2018 bis Februar 2019 wütete das Andes Hanta-Virus in Epuyén in der Anden-Region. Damals wurden 34 Infektionsfälle registrier, davon verstarben elf Patienten. (11)
Nun grassiert diese Seuche zum dritten Mal in Argentinien: Von Juni 2025 bis Mai 2026 war die Zahl der gemeldeten Hanta-Infektionen doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum 2024/25. Zugleich stieg die Zahl der Todesopfer auf 32 Personen. Ein Schwerpunkt der Epidemie liegt im Raum Buenos Aires (ca. 14 Millionen Einwohner). Weil der Mensch immer weiter in wilde Naturräume eindringt und der Klimawandel ökologische Veränderungen auslöst, kommt es zunehmend zu solchen „Spillover“-Effekten, die der WHO in Genf Kopfschmerzen bereiten.
Obwohl die argentinische Regierung nach wie vor bestreitet, dass das Land der Herd des akuten Hanta-Ausbruchs an Bord der Hondius ist, haben Biologen aus Buenos Aires am 19. Mai damit begonnen, in Ushuaia und im Nationalpark Tierra del Fuego (dt.: „Feuerland“) 150 Ratten- und Mausefallen aufzustellen. (12)
Die Hanta-Lage in Argentinien hat Rückwirkungen bis in die USA. Dort beginnt am 11. Juni 2026 die 23. Fußballweltmeisterschaft. Zu den 48 teilnehmenden Nationen gehört auch Titelverteidiger Argentinien. In der Vorrunde bestreitet das Team in der „Gruppe J“ ein Spiel gegen Algerien im „Arrowhead-Stadium“ (73.000 Plätze) in Kansas City (16. Juni). Ein weiteres Match gegen Österreich folgt am 22. Juni im „AT&T-Stadium“ (94.000 Plätze) in Dallas-Arlington). Sollte die Mannschaft weiterkommen, stehen vier weitere Städte auf der Liste.
Weder die FIFA noch das CDC verfügen über Schätzungen, wieviele Fußballfans aus Argentinien anreisen werden. Bei der letzten WM in Qatar 2022 waren es immerhin 35.000 bis 40.000 Fans. Es ist anzunehmen, dass die Zahl aufgrund der kürzeren Anreise diesmal noch höher sein könnte. Es heißt, einige fußballverrückten „Archies“ würden ihre Autos verkaufen, um ein WM-Ticket zu bekommen.
Jetzt müssen die einschlägigen amerikanischen Institutionen, wie das zivile „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) unter der Leitung von Prof. Dr. Jayanta Bhattacharya in Atlanta oder das militärische „Dugway Proving Ground“ unter der Leitung von Oberst Brain A. Sansom bei Salt Lake City, ihre ABC-Abwehrkapazitäten (Testnahme, Testanalyse, Kontaktnachverfolgung, etc.) kurzfristig hochfahren; die amerikanischen Gesundheitsbehörden müssen ihre Behandlungsmöglichkeiten (Quarantäne-Lager, Krankenstationen, etc.) ausbauen. (13)
- Niederlande
Am 10. Mai wurden zahlreiche Personen von der Hondius in Teneriffa evakuiert und in die Niederlande ausgeflogen. Die Reisenden, die keine niederländischen Staatsbürger sind, wurden in mehreren „Quarantainehotels“ untergebracht.
Dazu erklärte Coen Berends, Sprecher des niederländischen Rijksinstituut voor Volksgezondheid (RIVM):
„Für Besatzungsmitglieder und ausländische Passagiere, die nicht direkt nach Hause können, wurde ein Quarantänehotel eingerichtet. (…) Während der Quarantänezeit müssen die Passagiere zu Hause bleiben. Sie dürfen kurze Spaziergänge im Freien machen. Sofern sie mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen halten und eine Gesichtsmaske tragen. (…) Mahlzeiten und Wäsche werden bis vor die Tür geliefert. Besuche sind nicht erlaubt. (…) Sie erhalten klare Anweisungen, und es besteht täglich telefonischer Kontakt.“ (14)
Die Kosten für die wochenlange Unterbringung übernimmt die niederländische Regierung. Die Isolation wird vom örtlichen Gesundheitsdienst „Gemeentelijke Gezondheidsdienst“ (GGD) engmaschig überwacht. Dieser bietet medizinische Screenings, telefonische Kontrollanrufe sowie psychosoziale Unterstützung an.
Die M/V Hondius ist am Montagmittag, den 18. Mai, erwartungsgemäß im Hafen von Rotterdam eingelaufen. An Bord befanden sich die restlichen 27 Personen, darunter 25 Besatzungsmitglieder, ein Arzt und eine Krankenschwester. Die Besatzungsmitglieder kommen aus den Niederlanden (2 Personen), Philippinen (17), Ukraine (4), Russland (1) und Polen (1). (15)
Die vier Holländer an Bord, darunter die beiden niederländischen Besatzungsmitglieder, wurden nach Hause in Quarantäne entlassen. Für die 18 Matrosen aus anderen Ländern wurde am Rand des Hafens ein Container-Quarantäne-Dorf („Bio Hazard Zone“) errichtet. Dessen ungeachtet sollen sich fünf Personen weiterhin an Bord aufhalten. In Rotterdam wurde auch die Leiche der Deutschen, die am 2. Mai vor den Kap Verden verstorben war am Montagabend entladen. Dies wurde durch ein spezielles Bestattungsinstitut unter ABC-Bedingungen durchgeführt, da die Viren auch in einer an der Infektion selbst verstorbenen Person noch wochenlang aktiv bleiben. Sie wird nun schnellstmöglich in einem Krematorium bei Amsterdam eingeäschert. Die Urne wird dann den Hinterbliebenen übergeben.
Von Dienstag bis Freitag soll das Schiff durch den Einsatz von Desinfektionsmitteln und UV-Strahlung, die wie die Sonnenstrahlung das Erbgut des Virus zerstört, dekontaminiert werden. Die auswendigen Arbeiten werden durch das Unternehmen „EWS Group“, das „normalerweise“ auf dem Gebiet der Schädlingsbekämpfung tätig ist, durchgeführt. Auf der Webseite des Unternehmens heißt es:
„Die EWS Group ist Ihr professioneller und innovativer Partner für alle Arten der Schädlingsbekämpfung, Begasung, Gasmessung, Belüftung und biologische Behandlung von Lagergütern.“
Das Unternehmen hat seinen niederländischen Hauptsitz in Werkendam bei Breda. Die Firma hat ihre deutsche Zentrale in Oyten (An der Autobahn 37).
Am 13. Juni soll der Pott wieder von Longyearbyen (Spitzbergen) aus in See stechen; geplant ist eine Arktis-Rundreise für betuchte Ökos.
- Deutschland
In der Bundesrepublik unterhält das Robert Koch-Institut ein Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene“, das gegenwärtig vom RKI-Präsidenten Prof. Dr. Lars Schaade geleitet wird. Bei dessen „Abteilung 1 Hochpathogene Viren“ (ZBS 1) gibt es seit dem 1. Januar 2026 ein Konsiliarlabor (KL) für Auskünfte zum Hanta-Virus, das von Dr. Daniel Bourquain geführt wird. Es ist in der RKI- Außenstelle in Berlin-Wedding (Seestraße 10) angesiedelt. Das Zentrum unterhält ein Hochsicherheitslabor „ZBS 5“, dabei handelt es sich um ein Labor der Sicherheitsstufe BSL-4. Leiter des „ZBS-5“ ist Dr. Andreas Kurth. (16)
Über die Arbeit des Konsiliarlabors berichtet das RKI:
„Im Konsiliarlabor für Hantaviren stehen diagnostische Tests für den Nachweis von Hantavirus-Infektionen des Menschen und die Typisierung der ursächlichen Hantavirus-Spezies zur Verfügung. Die akute Infektion wird zumeist serologisch durch den simultanen Nachweis von IgM und IgG oder den signifikanten Titeranstieg (Serumpaar) von IgG diagnostiziert. Aufgrund der kurzen virämischen Phase ist der direkte Nachweis im Blut mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) nur in der frühen Phase der Erkrankung erfolgversprechend. Bei klinischem Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion sollte daher sofort Material für eine mögliche PCR-Analyse asserviert werden. Eine Typisierung des infizierenden Virusstammes kann anhand Spezies-spezifischer PCR-Tests oder der Nukleotidsequenz-Analyse von Abschnitten des Virusgenoms erfolgen.
Das Auftreten von Hantavirus-Erkrankungen ist an das Vorkommen des jeweiligen Reservoir-Wirts geknüpft. Daher sind Angaben zu Auslands- und Reiseanamnese und möglichen Nagetierkontakten (auch z.B. Haustiere, insb. Farbratten) für die Diagnostik von hoher Bedeutung.“ (17)
Für die Risikobewertung und das Krisenmanagement ist beim ZBS die „Informationsstelle des Bundes für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene“ (IBBS) zuständig. Sie wird gegenwärtig von Prof. Dr. Brigitte G. Dorner geführt.
Während das RKI für den bio-medizinischen Aspekt der Hanta-Viren zuständig ist, ist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) für den rein biologischen Aspekt zuständig. Dazu unterhält es das „Nationale Referenzlabor für Hantaviren“, das derzeit von Dr. Martin Eiden geleitet wird. Es unterstützt die Behörden bei der Diagnostik, Bewertung und Prävention von Hanta-Ausbrüchen. So treten hierzulande endemisch folgende Subtypen auf: Puumala-Virus (PUUV), aber auch Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV), Tula-Virus (TULV), Traemmersee-Orthohantavirus (TRAV), Seewis-Orthohantavirus, Asikkala-Orthohantavirus, Bruges-Orthohantavirus und das erst kürzlich erstmals aufgetretene Seoul-Virus (SEOV). (18)
So stellt das FLI zur Verbreitung der relativ harmlosen, heimischen Hanta-Viren fest:
„Die meisten humanen Infektionen treten in überwiegend ländlichen Regionen von Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und West-Thüringen auf. Darüber hinaus gibt es auch einzelne städtische Gebiete, in denen Hantavirus-Infektionen vorkommen.“ (19)
- Schweiz
Unter den Besatzungsmitgliedern der Hondius, die am 10./11. Mai in Teneriffa von Bord gingen und in die Niederlande ausgeflogen wurden, befand sich auch ein Schweizer. Er war vorübergehend in den Niederlanden in einem Hotel in Quarantäne. Am 19. Mai wurde er durch die Schweizer Rettungsflugwacht „Rega“ in die Schweiz überführt und im „Kantonsspital Aarau AG“ (KSA) in Aarau (Tellstrasse 25) untergebracht. Der Mann gilt als Kontaktperson. Er wurde in den Niederlanden negativ auf das Hantavirus getestet und weist derzeit keine Symptome auf. Nun soll der Ex-Matrose in Aarau erneut getestet werden. Sollte das Ergebnis erneut negativ sein, wird er in häusliche Quarantäne entlassen, wird aber täglich überwacht. Behandelnder Arzt ist Dr. Christoph Fux.
- Österreich
An Bord des „KLM“-Fluges von Johannesburg nach Amsterdam am 25. April waren drei Passagiere mit einem Bezug zu Österreich – zwei Männer und eine Frau. Es handelt sich um „Niedrigrisiko-Kontaktpersonen“. Bei mindestens einer Person handelt es sich um einen österreichischen Staatsbürger. Die Nationalitätenfrage ist hier etwas verwirrend. So berichtete die österreichische Tageszeitung „Kurier“ am 16. Mai 2026:
„Auf dem Schiff befand sich kein Österreicher - auf einem KLM-Flug von Johannesburg nach Amsterdam, auf dem auch eine infizierte Person saß, waren allerdings insgesamt drei Personen aus Österreich. Zwei davon konnten inzwischen ausfindig gemacht werden. Sie gelten als Niedrigrisiko-Kontaktpersonen, saßen nicht in der Nähe jener schwer erkrankten 69-jährigen Frau auf dem Flug, die diesen noch vor dem Start wieder verließ - und später an den Folgen der schweren Erkrankung verstarb
Nach einer dritten Person wird noch gesucht, wobei noch unklar ist, ob sich diese aktuell überhaupt in Österreich aufhält.
Die am Freitag ausgeforschte zweite Kontaktperson weist keine Symptome auf, wurde jedoch wie die erste erreichte Person „über die empfohlenen Maßnahmen informiert und zeigt sich kooperativ“, teilte das Gesundheitsministerium auf APA-Anfrage mit. Das Risiko einer tatsächlichen Ansteckung wird als äußerst gering eingeschätzt. (…)
Die dritte Person - die wie die zweite Person nicht in Österreich gemeldet ist, was das Auffinden sehr schwierig macht - konnte bislang nicht aufgefunden werden. Aus derzeitiger Sicht ist zudem auch unklar, ob sich die Person in Österreich aufhält. Die Gesundheitsbehörde setze dennoch „alles daran, auch die dritte Person ausfindig zu machen“.“ (20)
Anfang Mai hat die österreichische Regierung die Meldepflicht für Hanta-Verdachtsfälle verschärft.
- Türkei
Unter den Personen an Bord der Hondius waren auch drei türkische Staatsbürger, darunter der „YouTuber“ Ruhi Çenet. Er ging am 24. April in Sankt Helena von Bord und reiste zu einer Hochzeitsgesellschaft. Mittlerweile halten sich alle drei Türken wieder in ihrem Heimatland auf. Alle drei Reisenden wurden negativ getestet. (21)
Derweil gerät die UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf angesichts ihres Krisenmanagements mehr und mehr in die Kritik. So fragte der Berliner „Tagesspiegel“:
„Könnte es sein, dass Fachleute und Behörden bei der Kommunikation über Viren inzwischen den Vorwurf der Panikmache befürchten – und im Zweifel Risiken eher herunterspielen?
Diesen Eindruck kann bekommen, wer rückblickend die Kommunikation um den Ausbruch von Hanta-Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius reflektiert.“ (22)
Während in fünf Wochen die Gefahr eines hämorrhagischen Fiebers durch Hanta- bzw. Andes-Viren irgendwie ausgestanden ist, breitet sich schon die nächste hämorrhagische Seuche aus: In der Provinz Ituri im Osten der Demokratischen Republik Kongo kam es in der dritten Aprilwoche zu einem Ebola-Ausbruch der Ebola, der durch den Bundibugyo-Virus ausgelöst wurde. Dieses Virus besitzt ein höhere Tödlichkeit von 80 bis 90 Prozent und ist wesentlich infektiöser als die Hanta-Viren. Das ist infektiologisch eine andere "Hausnummer".
Bisher wurden mindestens 30 bis 31 bestätigte Infektionen, mindestens 500 Verdachtsfälle und 130 mutmaßliche Todesfälle registriert. Die regionalen Gesundheitsbehörden haben erst verspätet auf diese Krise reagiert. Die WHO in Genf hat mittlerweile einen „internationalen Gesundheitsnotstand“ ausgerufen, eine Ausbreitung der Seuche auf ganz Afrika ist nicht mehr ausgeschlossen.
Einer der eingesetzten Ärzte, der Amerikaner Dr. Peter Stafford aus Virginia, soll mit sechs Kontaktpersonen in der Sonderisolierstation „59“ der Charité in Berlin-Wedding behandelt werden, wurde am 19. Mai bekannt. (23)
Quellen:
(1) https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2009040
(2) https://hantamap.de
(3) https://www.focus.de/gesundheit/forscher-alarmiert-hantavirus-ueberlebt-jahre-
im-sperma_dce2ac83-8903-492d-8aa0-8cbab4a95104.html
(4) https://www.spiezlab.admin.ch/de
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Hantavirusausbruch_auf_der_Hondius
(6) https://www.n-tv.de/panorama/Kanada-meldet-Hantavirus-bei-Hondius-
Passagier-id30828941.html
(7) https://www.it-boltwise.de/andes-hantavirus-an-bord-der-mv-hondius-kanada-
klaert-faelle-mit-labor-tests.html
(8) https://www.it-boltwise.de/andes-hantavirus-king-county-ueberwacht-vierten-
moeglichen-expositionsfall-nach-mv-hondius.html
(9) https://www.it-boltwise.de/hantavirus-quarantaene-nach-hondius-ausbruch-
cdc-ueberwacht-41-personen.html
(10) https://www.focus.de/gesundheit/forscher-alarmiert-hantavirus-ueberlebt-
jahre-im-sperma_dce2ac83-8903-492d-8aa0-8cbab4a95104.html
(11) https://whn.global/newsletter/the-current-andes-hantavirus-situation-in-
argentina-may-2026/
(12) https://www.n-tv.de/der_tag/Der-Tag-bei-ntv-de-am-Dienstag-19-Mai-
2026-id30834565.html
(13) https://www.merkur.de/welt/usa-reisen-sollen-argentinien-erlebt-hantavirus-
ausbruch-waehrend-tausende-zur-weltmeisterschaft-in-die-zr-94304364.html
(14) https://www.nau.ch/news/europa/hantavirus-so-knallhart-ist-holland-
quarantane-fur-schweizer-6712728
(15) https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hantavirus-ausbruch-kreuzfahrt
schiff-hondius-in-rotterdam-angekommen-a-55b193ad-7be4-42df-bb02-77f43c111f4a
(16) https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrank
heiten-A-Z/H/Hantavirus/hantavirus-node.html
(17) https://www.rki.de/DE/Themen/Forschung-und-Forschungsdaten/Nation
ale-Referenzzentren-und-Konsiliarlabore/Hantaviren/KL-Hantaviren-node.html
(18) https://www.dzif.de/de/who-meldung-zu-hantavirus-faellen-auf-kreuz
fahrtschiff-einordnung-der-situation-fuer-deutschland
(19) https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_
00070983/Steckbrief_Hantavirus-Infektionen_2026-05-13.pdf
(20) https://kurier.at/chronik/oesterreich/hantavirus-nach-wien-flug-wird-noch-
dritte-person-gesucht/403160348
(21) https://www.turkiyetoday.com/lifestyle/turkish-youtuber-confirms-negative-
test-results-following-hantavirus-ship-outbreak-3219867?s=1
(22) https://www.tagesspiegel.de/wissen/ratselhafte-ansteckungswege-wird-das-
hantavirus-auch-uber-die-luft-ubertragen-15607895.html
(23) https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/05/berlin-charite-ebola-virus-
patient-behandlung-kongo.html